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  • #1

Trennen oder erst recht zusammenbleiben?

Verliebtheitsphase: sie/er scheint alles zu verkörpern, was wir für unsere Erfüllung brauchen. Wir sehen also nicht wirklich "sie/ihn", sondern sie/ihn nur insofern, asl sie/er auf unsere Wünsche "passt". Bis zu einem gewissen Grad soll sie/er auch "passen". Sie/er hat jedoch auch andere Seiten/Verhaltensweisen, die erst nach Abklingen der Verliebtheit unter der rosaroten Sicht hervortreten und jetzt erst konfrontieren. Die Chance bestünde darin, die/den andern nun wirklich als anderen Menschen sehen zu lernen und nicht (nur) als Ideal-Ergänzung zum eigenen Ich. Trennung weil No-Go? Oder sich über die bisherigen Grenzen des eigenen Ichs hinaus auf den Weg zum anderen machen?
 
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  • #2
Den Ansatz im zweiten Absatz finde ich spannend! = Ein u.U. aufregender und Grenzen überwindender Prozess!

Nur: Bedeutet er viel Arbeit. Beziehungsarbeit. Und die macht auf Dauer nur Sinn, wenn auf beiden Seite "gearbeitet" wird.

Das ist leider seltenst der Fall. Bezahlte Arbeit und TV (= Zerstreuung, Berieselung, Entspannung) genießen meist Vorrang. Beziehungsarbeit genießt wenig Stellenwert.

In den meisten Fällen wird also Absatz 1 zum Tragen kommen...

Genau deshalb gibt es ja auch jede Menge Singlebörsen.... ;-))
 
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  • #3
Schwierig. Nun, am besten erstmal weiter kennen lernen. Ist doch spannend.

Und wenn sich viele Dinge häufen, mit denen man sich nicht arangieren kann, man sich nicht in der Nähe wohlfühlt oder mit dem Wissen..... dass es so ist, anfreunden kann, dann sollte man es lassen.
Kann man auch teilweise als oberflächlich verstehen.
Aber warum sollte man sich quälen??
Hab diese Erfahrung leider schon mal gemacht, Vernunft.... halt.

Wenn man noch nicht so lange zusammen ist, schätze ich, tuts auch nicht sooo arg weh.

w(45)
 
  • #4
Vorweg: Das ist die zentrale Frage, an der sich die Gemüter hier im Forum in sehr vielen Threads scheiden. Ich finde es deswegen interessant, das Problem mal etwas abstrakter ohne konkreten Hintergrund wie Tätowierung, Raucher oder Getrenntlebender zu diskutieren.

Grundsätzlich:

1. Ich sehe einerseits den Typ Mensch, der sich zunächst schnell emotional ergreifen lässt und Verliebtheit zulässt. Dieser Typ achtet auf so gut wie keine No-Gos, sondern nimmt ein paar wenige innere Werte plus Äußerlichkeiten wahr. Stellen sich Mismatches nach der Verliebtheitsphase heraus, wird versucht, mit dem Problem zu leben. Funktioniert das nicht, trennt man sich wieder und das Spiel geht von vorne los. Ich würde das als "optimistische Strategie" bezeichnen. Sie setzt ein hohes Maß an Toleranz voraus, denn sonst ist die Gefahr sehr groß, dass man sich beim kleinsten Mismatch schon wieder trennen muss. Ob es zu einer Trennung kommt, hängt natürlich vom konkreten Mismatch ab, der vorliegt.

2. Der andere Typ lässt Verliebtheit nicht so schnell zu, achtet auf "sachliche Aspekte" mit dem Ziel, schon vor der emotionalen Phase einschätzen zu können, ob eine Beziehung tragfähig ist. Dabei bedient er sich der hier berüchtigten Klischees. Er nimmt bewusst in Kauf, dass ihm aussichtsreiche Kandidaten auch mal durch die Lappen gehen, weil Einzelfälle einem Klischee auch widersprechen können. Die Hardliner dieses Typs KÖNNEN sich nicht einmal verlieben, solange sie noch nicht richtig einschätzen können, ob die Beziehung langfristig eine Chance hat. Ist man von der Tragfähigkeit überzeugt, gibt der Verstand nach und nach den Weg für das Gefühl frei und man verliebt sich genauso intensiv wie Typ-1-Menschen. Diese Strategie würde ich als pessimistisch bezeichnen. Nebenwirkung: Es kommt zu wenier Verliebtheitsphasen als beim Typ 1, aber die Wahrscheinlichkeit und damit die Notwendigkeit einer Trennung wird minimiert. Menschen dieses Typs sind wahrscheinlich allgemein weniger tolerant.

Ich gehöre zum Typ 2.
 
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  • #5
an ThomasHH # 3:

Trotzdem wird auch dir, oder besser "Typ 2", dasselbe geschehen, wenn auch auf anderem Weg und mit anderer Geschwindigkeit als "Typ 1": nach der Verliebtheitsphase zeigen sich - trotz sorgfältiger Wahl - "unpassende" Verhaltensweisen der Partnerin. Vieles zeigt sich erst mit der Zeit und der Tiefe der Bindung. Hat auch mit Vertrauen zu tun?

Meine Frage bleibt: WAS DANN??

P.S. Ich sehe es wie du: das IST die zentrale Frage, an der sich die Gemüter scheiden.
Nicht nur hier im Forum in sehr vielen Threads (es zeigt sich lediglich an den Themen der "Unpassendheit" wie Tätowierung, Raucher oder Getrenntlebender etc.)

Tja, was dann, wenn's aussah, als "passte" es (jetzt mal egal, wie spontan oder wie sorgfältig die/der Partner/in gewählt wurde) und dann kommt "Unpassendes" zu Tage?
 
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  • #6
MadMax

thomashh, das hast du wirklich gut dargestellt...wir sind uns schon wieder einig...!

zwischen diesen beiden extrempolen, gibt es dann aber diverse mischtypen - obwohl man sicher sagen kann, dass jeder mischtyp zu einer der beiden varianten tendieren wird.

ich würde mich dann dem typ 1 zuordnen:)
 
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ingrid w 64

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  • #7
Gute Analyse. Nach der gehöre ich auch zum Typ 2.
 
  • #8
@#4: Natürlich kann man auch als Typ-2-Mensch nicht jedes potenzielle Beziehungsproblem vorab abschätzen und ist vor Beziehungsabbrüchen nicht gefeit, aber genauso wenig ist man als Typ-2-Mensch völlig intolerant und kann sich natürlich mit seinem Partner in Problemsituationen arrangieren.

@#5: Yep, eine eindeutige Typzuordnung gibt es nicht immer. Unsere Übereinstimmungen werden mir bald unheimlich. :)

@#6: Tatsächlich? Ich hätte dich eher dem Typ 1 zugeschrieben. Aber ich hab auch noch nicht so viele Postings von dir gelesen, Ingrid. Werde mal stärker drauf achten ...
 
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  • #9
Sehr spannende Frage. Habe gerade eine 2jährige Beziehung hinter mich gebracht, in der es stark darum ging - gleich Trennen, weil der andere nicht mit einem meiner Hobbies klar kam oder daran arbeiten, dass es der andere "versteht" und akzeptiert, dass ich das weiter machen möchte. Und noch dazu kam, dass ich eher "Typ 2" bin, der Partner jedoch mehr "Typ 1" nach Einteilung von ThomasHH #3 ist.
Hat sehr viel Arbeit und Engagement meinerseits erfordert und leider auch Nachgeben/Aufgeben des Hobbies, was meinen Gefühlen für den Partner nicht gut getan hat. Die Beziehung wurde vom Partner dann für mich eher plötzlich und abrupt beendet, ich hatte ca. 1 Monat lang bemerkt, dass was nicht stimmt, habe mehrmals nachgefragt, Antwort war immer "wieso? alles in Ordnung", damit sind einem halt die Hände gebunden.
Ich denke, da ist schlußendlich sein "Typ 1" voll durchgebrochen und er wollte sich halt einfach nicht mehr auseinandersetzen, und ich war es rückblickend auch leid, dauernd Energie reinstecken zu müssen, damit die Beziehung hält. Die starke Anziehung zwischen uns hat einfach im Endeffekt nicht gereicht.
Er hatte 6 Wochen nach der Trennung bereits die nächste Frau auserkoren - "Typ 1" eben....
 
J

JoeRe

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  • #10
Sehr guter Beitrag, ThomasHH.

Meine Antwort von einer anderen Seite:
Wenn Du die Zeit in der Beziehung an sich als wertvoll und lohnend ansiehst, unabhängig von der Dauerhaftigkeit, dann lohnt es sich, die Beziehung so lange auszureizen, wie sie trägt.
Wenn Du nur das Ziel hast, den Partner fürs Leben zu suchen und jede Ablenkung darauf als Zeitverschwendung ansiehst, dann kann die frühe Trennung sinnvoller sein.

Zu Alternative 1: Es gibt *immer* Aspekte, die beim anderen nicht passen. Es gibt immer Aspekte, die einem beim anderen nicht gefallen. Manchmal entdeckt man sie spät, manchmal entwickeln sie sich in der Partnerschaft.
Der Schlüssel ist, IMHO, die Arbeit daran: Die Kommunikation, der Respekt und die Fähigkeit, von beiden Seiten Prioritäten zu setzen und Kompromisse zu schließen. Das heißt nicht, dass mit ein bisschen "drüber reden" alle Probleme gelöst werden können. Aber wenn man nicht drüber redet, dann kann keine Lösung stattfinden. Darum gibt es ja die ganzen Paartherapien.

Und ich glaube, dass ohne diesen Willen, daran zu arbeiten, keine Beziehung dauerhaft sein kann.

Projektionen auf das Ideal -- sie ist meine absolute Erfüllung und perfekt -- ist was für Hollywood.
 
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  • #11
Lieber Fragestelle(r)/in,

Zitat:" Die Chance bestünde darin, die/den andern nun wirklich als anderen Menschen sehen zu lernen und nicht (nur) als Ideal-Ergänzung zum eigenen Ich. "

Aber ist das nicht immer so in einer Beziehung, unabhängig von der Kennlernphase/Anfangsverliebheit.

Selbst wenn es in der ersten Zeit (sagen wir im 1. Jahr) keinen Mismatch (ich verwende der Einfachheit halber Thomas Wording) gibt, so entwickeln sich doch Partner innerhalb eines Zeitraumes x möglicherweise in unterschiedliche Richtungen, entwickeln sich unterschiedlich schnell, bleiben stehen, ändern Vorlieben ... dann müsste ja jede Beziehung scheitern, wenn er beginnt Tennis zu spielen und sie trifft den Ball nicht/hat keinen Spaß dran und geht lieber zu Arobic (um es herunter zu brechen auf eine banale Verschiedenheit).

Allein, wie Nachwuchs Menschen/Paarbeziehungen verändert (vom Abendteurer zum Couchpotatoe, vom Macho zum verantwortungsvollen Vater, von der sportlich-attraktiven-intelligenten Studentin zur kurzhaarigen leicht übergewichtigen Hausfrau, die mit ihrer Freundin nur noch über Windelqualität spricht).

Ich denke zurück an meine Jugend mit 16, meine Studienzeit, meine früheren Verliebtheiten und Partner, meine Ehe, mein Jetzt.
Da war alles dabei und ich habe mich definitiv sehr sehr verändert. Meine Werte haben sich verändert, mein Hobbies, meine Partnerwahl.

Mit einem einzigen Partner durchs Leben gehen oder auch nur eine langfristige Beziehung zu haben erfordert doch, dass wir uns immer wieder dieser Veränderung stellen, der eigenen und der des Partners. Der Witz daran, ob eine Partnerschaft hält ist doch genau die Fähigkeit, sich zu entwickeln (und zwar nicht in völlig konträre Richtungen) und vor allem zuzulassen, dass sich der Partner in seiner eigenen Geschwindigkeit entwickelt. Und dazu all das, was JoeRe in #9 eben sagte, ohne es einzeln zu wiederholen.

Für mich gibt es daher sowohl bei engen Freundschaften, als auch bei Partnern nur diesen einen NoGoTyp:
Jemand glaubt von sich ein "fertiger Mensch" zu sein, schaut mich bei dem Wort "Persönlichkeitsentwicklung" fragend an, kommt zu dem Schluss, er brauche so etwas garantiert nicht, weil er schon vollkommen sei und nur er richtig tickt und die Welt in Ordnung wäre, wenn nur die anderen sich ändern würden, glaubt womöglich sogar noch an die schicksalhafte Begegnung mit der Idealbesetzung und alles wird gut.

Gäbe es die Veränderung nicht, dann wäre doch das eigene Leben und auch jede Beziehung stocklangweilig, man würde einander überdrüssig, weil man sich irgendwann alles erzählt hat, sich in- und auswendig kennt, vielleicht gegenseitig die Marotten akzeptiert, Lösungen geschaffen hat oder aber jeweils die den anderen für das ewig Gleiche kritisiert, ohne Aussicht auf Veränderung. (je nachdem, ob problem-oder lösungsorientierte Menschen zusammen kommen ;-).

Fazit: Natürlich besteht die Chance für eine dauerhafte Beziehung darin, die/den andern nun wirklich als anderen Menschen sehen zu lernen und nicht (nur) als Ideal-Ergänzung zum eigenen Ich. Das ist keine Frage, das ist die Antwort!


LG
Mary, w/47
 
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  • #12
@4: Bei Absatz 1 stellt sich mir die Frage, nach welchem Zeitraum die „Verliebtheitsphase“ endet. Dein angesprochenes Vertrauen ist aus meiner Sicht durchaus eine Frage der Zeit und hat auch mit der emotionalen Sicherheit in einer Partnerschaft zu tun. Da sehe ich Thomas HHs „Typ 2“ im Vorteil, da aufgrund der langsameren Geschwindigkeit wahrscheinlich das Vertrauen innerhalb der Beziehung gefestigter sein dürfte.
Wie gravierend ist denn das „Unpassende“? Überlagert es alles andere?

p.s. Hast Du diesen Thread eröffnet?
 
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  • #13
@10: großartig! Genau so sehe ich das auch. Veränderung findet sowieso und immer statt, wer das nicht kapiert, verändert sich nicht mit demselben Partner sondern nur noch expliziter mit einem anderen Partner. Außerdem muss man
* empathisch sein, um zu sehen, wo der andere steht und eine gemeinsame Lösung entwickeln zu können,
* kommunikativ stark sein, um die Dinge anzusprechen,
* kreativ sein, um Lösungen zu finden, und
* konsequent sein, um die gefundenen Lösungen umzusetzen.
 
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