P

Papillon

Gast
  • #61
Ach liebes Fräulein Lustig,
ich weiß du liebst ihn, da ist es echt schwierig und ich schätze dich als eine ganz liebe Person ein, die auch ihm helfen will.
Ich kenne diese Gefühle. Ähnliches hatte ich durch bei einem Mann, der hat mir zwar keine körperliche Gewalt angetan aber seelische. Er war meine große Liebe und wird es wohl idiotischerweise bleiben.
Mit ihm wäre ich seelisch total zu Grunde gegangen, wenn ich nicht die Notbremse gezogen hätte. Er hat mir übrigens ein Verlobungsring nach der Trennung geschickt. Das Pakte liegt ungeöffnet im Keller. Ich weiß den Inhalt des Paketes nur aus den unzähligen Mails, mit denen ich dann verfolgt wurde. Irgendwann schicke ich es anonym zurück.
Aber ganz klar, ohne die Hilfe meiner Eltern und lieber Freunde, hätte ich mich nicht aus dieser Situation befreien können. Ich habe sie ausdrücklich darum gebeten mir zu helfen. Und nochmals: Ist denn für dich wirklich ein Mann perfekt, der kurz davor ist dich zu schlagen? Einer der verspricht mit den Alkohol aufzuhören, aber es ist nicht schafft? Ein Mann, der keine Grenze findet, wenn er trinkt, obwohl er genau weiß, dass er danach ausrastet? Und du fragst, ob er ein Problem mit dem Alkohol hat? Eindeutig ja und er darf wie ein Alkholiker nie mehr welchen anfassen.
Bitte lass dir wirklich helfen. Du kannst auch zu einer Beratungsstelle gehen (war ich übrigens auch 1x und bei meiner Ärztin).
Es geht um Dich, es ist dein Leben und du hast nur eines. Wie die anderen mit der Absage umgehen ist erstmal nebensächlich, das verliert sich auch im Laufe der Zeit.
 
  • #62
allgemeine Sache: Wenn man bei einem gewalttätigen Menschen bleibt, signalisiert man ihm damit, dass es IN ORDNUNG ist, dass er so ist. Dh. es besteht für ihn kein Anlass, sich zu ändern, wenn er wie Du sagt, dass er ja die ganze andere Zeit eben ein lieber Mann ist.

Alle machen sich Sorgen und sind zu jeder Zeit für mich da, aber niemand versucht mit zu einer Entscheidung für oder gegen eine Ehe zu drängen
Finde ich auf der einen Seite gut, weil es Dein Ding ist. Auf der anderen könnte ich mir vorstellen, dass es auch in Deinem Elternhaus schon mal früher hieß "benimm dich, was soll'n die Nachbarn sagen". Also sowas Überflüssiges wird gegängelt und es werden Vorschriften gemacht, aber in Sachen Partnerschaft und dass so ein Mann kein guter Partner ist, sollst Du auf einmal erwachsen allein entscheiden. Zumindest Deine Eltern könnten Dir mal massiv abraten, immerhin bist Du ihr Kind, das durch diesen Stuhl hätte ernsthaft verletzt werden können. DAS Schweigen versteh ich nicht. Es liegt doch auf der Hand, dass man so einen Mann nicht heiraten kann, der alle zwei Monate hochgeht wie ne Zeitbombe.

Ja, in Beziehungen mischt sich keiner ein, Hauptsache, der Rock der Teenagertochter war nicht zu kurz. HIER, wo wirklich mal gefragt wäre, mit Lebenserfahrung und einer beherzten Meinung zu kommen, ist man zögerlich und will sich nicht einmischen.

Natürlich kann keiner für Dich entscheiden, ob und wen Du heiraten sollst. Das sollen die auch gar nicht, aber mal ne Meinung vertreten. Dieses Schweigen und sich-neutral-Raushalten bei solchen wichtigen und lebensentscheidenden Dingen finde ich so blöde, wo solche Leute sonst doch meist ganz genau wissen, was man macht und was nicht, damit das Kind nicht negativ auffällt.
 
  • #63
Und auch jetzt habe ich noch Angst, dass ich die Liebe meines Lebens verlasse obwohl es noch eine Chance für uns gegeben hätte und dass ich diese Entscheidung irgendwann bereue....
Liebe FS, du könntest die Hochzeit offiziell erst mal aus privaten Gründen "verschieben". Gut, dass du dich endlich deiner Familie anvertraut hast.
Zu deiner letzten Frage: Auch jemand der nicht täglich Alkohol trinkt, dafür aber dann soviel dass er ausrastet, hat definitiv ein Problem, welches es zu lösen gilt.
 
  • #64
Ich nochmal.
Mein Ex sollte mal die musikalische Begleitung einer Trauung übernehmen. Eine Woche vorher wurde er angerufen, dass er nicht spielen muss, weil die Hochzeit auf unbekannte Zeit verschoben wird. Ein Grund wurde nicht genannt. Wir haben dann gesagt: Okay, haben wir ein freies Wochenende, auch nicht schlecht.
Also nur mal dazu, was im Kopf der ausgeladenen Gäste vorgeht: Harmloses Zeug und eher Freude über gewonnene Zeit.
 
  • #65
Ich denke auch nicht, dass er trinkt und dann aggressiv wird, ich denke, er trinkt, damit er die Barriere fallen lässt und die Aggressionen abbauen kann, wenn er "Druck" hat. Dh. es wird nicht aufhören.
Ganz Genau!
Ich möchte dringend davor warnen, was hier gerade viele Antwortende im Forum tun: den Alkoholkonsum in den Vordergrund zu stellen und diesen als das Problem zu sehen, nach dem Motto 'Wenn er die Finger ganz und gar vom Alkohol lässt, dann wird sich automatisch sein Gewaltproblem gelöst haben.'!
Das wird nicht so sein! Der Alkohol ist nicht das Problem!
Ganz viele Menschen trinken zu viel Alkohol und sind regelmäßig angetrunken oder betrunken. Vergleichsweise wenige davon, werden jedoch gewalttätig.
Ich will auf keinen Fall dem Alkohol das Wort reden (ich selbst trinke praktisch nie Alkohol), Alkoholkonsum ist unnötig, und Alkoholismus ist selbstverständlich ein großes Problem in der Bevölkerung.
Jedoch ist bei deinem Freund nicht der Alkoholkonsum das Problem! Selbst wenn er, aus irgendwelchen Gründen, keinen einzigen Schluck mehr trinken würde, würde er trotzdem regelmäßig Gewaltausbrüche bekommen. Da gebe ich dir Brief und Siegel drauf! Denn, wie @void sehr richtig schreibt, ist die Ursache und Wirkungsabfolge bei deinem Freund andersherum. Er trinkt, weil er Spannungen hat und diese abbauen will. Das ist ihm so natürlich nicht bewusst. Alkohol, mit seiner enthemmenden Wirkung, eignet sich dafür gut bei ihm.
Hätte er keinen Alkohol mehr, würde er etwas anderes finden, um seine Spannungen und Aggressionen abzureagieren.
Lass dich also nicht darauf ein, falls er dir versprechen will, keinen Alkohol mehr zu trinken. Es wird so oder so nichts!

w52
 
  • #66
Tja vielleicht kannst du dich damit anfreunden:Hochzeit aus privaten Gründen verschieben. Und dich mit deinem Freund hinsetzen.
Und ich würde wirklich eine neutrale dritte Person hinzunehmen.
Er muss an einer ernsthaften Lösung interessiert sein.
Ich will ihn gar nicht verurteilen wegen seiner Ausbrüche.
Ich kann auch nicht einschätzen, wie er darauf reagiert.
Ob er sofort alles hinwirft, ausrastet oder wirklich mal ernsthaft reflektiert. Ich denke, du kannst ihn so nicht heiraten, Liebe hin oder her. Deine Familie und die engen Freunde werden es hoffentlich verstehen. Andere Leute zerrissen sich eh das Maul. Dein Leben hat Vorrang. Und glaube nicht, dass bei anderen alles perfekt ist. Das ist auch egal. Das Risiko der zerbrechenden Beziehung besteht.
Es besteht allerdings auch das Risiko, in einem B -Movie zu enden.
Mir wäre das Risiko zu hoch. Das ist mehr als ein Mann der sich mal betrinkt und peinliche Witze reisst. Das ist ein richtig krasser Filmriss.
Also Hochzeit verschieben. Bitte.
 
  • #67
Wie kann ein Mann die Liebe deines Lebens sein, wenn du in seiner Nähe immer mal wieder um deine körperliche Unversehrtheit fürchten musst? Ich stimme "void" zu, du hast eine ganz typische Aufspaltung seiner Person in "Traummann" und "dunkle, nicht verständiche Seite von ihm" vorgenommen. Ob er nun Alkoholiker ist oder nicht, er hat immense, unterdrückte Aggressionen, die er im häuslichen Umfeld rauslässt, nicht bei seinen Freunden oder vor aller Augen im "Dorf". Ein besonders beunruhigender Sachverhalt. Was weißt du eigentlich über die Kindheit dieses Mannes?
Wenn du nicht anders kannst, verschiebe wenigstens die Hochzeit und versuche zu verstehen, was mit ihm passiert, indem ihr gemeinsan zu einer Beratung geht. Dort sollte man dich zumindest auf eine mögliche Co-Abhängigkeit hinweisen.
Deine Freundin erstaunt mich mit ihrer Aussage, denn "perfekt" ist gar nichts. Noch nicht einmal im Entferntesten - wie hier schon einige geschrieben haben: Du erlebst häusliche Gewalt.
 
  • #68
Liebe, Threaderstellerin!
Ich bin Mediziner und möchte Dich bitten, nicht voreilig zu handeln.
Das geschilderte Verhalten Deines Verlobten entspricht lehrbuchhaft dem Phänomen des pathologischen Rausches.

Im Rahmen von Grunderkrankungen, Medikamenten- und Drogenwechselwirkungen oder auch konstitutiv - also anlagebedingt - kommt es bei manchen Menschen nach Alkoholkonsum, wobei die Menge hierbei oft eine untergeordnete Rolle spielt, zu psychotischen Episoden, extremem Kontrollverlust und insbesondere unkontrollierten Gewaltausbrüchen.
Was meiner Meinung nach dafür spricht, ist die berichtete ausschließliche Assoziation von Gewalt gegen Dich im Zusammenhang mit Alkoholkonsum, die Gewalt gegen Euer Haustier und die Attacke während Besuch im Haus ist, genauso wie das bizarre Verhalten mit dem Um-sich-Werfen von Geld.
Da er trotz der gewaltigen Probleme und einem gewissen Problembewusstsein das Trinken nicht aufgeben kann, empfehle ich das Aufsuchen eines Psychiaters oder Neurologen zur Abklärung einer möglichen Alkoholabhängigkeit und des pathologischen Rausches.

Ich hoffe, es findet sich alles.
 
  • #69
Hätte er keinen Alkohol mehr, würde er etwas anderes finden, um seine Spannungen und Aggressionen abzureagieren.
Lass dich also nicht darauf ein, falls er dir versprechen will, keinen Alkohol mehr zu trinken. Es wird so oder so nichts!

Ich möchte Dir nicht zu nahe treten, aber das ist leider falsch:

Wenn man die Begriffe "Alkohol Aggressivität Neurologe" zusammen googelt, bekommt man jede Menge wissenschaftlicher Studien und Artikel, die zu ganz anderen Erkenntnissen kommen.

Es werden über 50% aller Gewaltverbrechen unter Alkohol begangen. Auch bei Mord, sexuellen Übergriffen, gefährlicher (mit Waffe begangener) Körperverletzung und häuslicher Gewalt ist sehr häufig Alkohol im Spiel.

Das Weglassen des Alkohols senkt die begangenen Straftaten und das Risiko für Übergriffe auf den Partner direkt und unmittelbar.

Es hat auch nichts mit dem Abbau von Spannungen zu tun, wenn Männer (oder auch selten Frauen) unter Alkohol aggressiv sind.

Sondern es hat damit zu tun, dass regelmäßiges Saufen in der Adolezenz die Gehirnbildung schädigt und langjähriges Saufen auch ein vorher gesundes Gehirn in Mitleidenschaft zieht. (Korsakov Syndrom - Vitamin B1 Mangel)

Auch hier ist nicht die Spannung Ursache, sondern der Alkohol. Läßt ein Mensch, der unter Alkohol eine hohe Wahrscheinlichkeit für Aggressivität hat, den Alkohol weg, so kann er sich einfach besser kontrollieren und wird eine Gewalttat, die er unter Alkohol früher oder später begehen würde, nicht tun, selbst dann wenn er wütend wäre.

Die ursächlichen Probleme, die jemanden zur Regulation von Gefühlen und Stimmungen durch Alkohol treibt, die bleiben natürlich auch bestehen, wenn jemand nicht mehr trinkt.

Aber wenn jemand statt Alkohol Unmengen an Schokolade oder Paprikachips isst oder ein Computerspiel anmacht, wenn er sich schlecht fühlt, dann ist das Risiko in der Partnerschaft Opfer von häuslicher Gewalt oder einem sexuellen Übergriff zu werden sehr gering.

Man wird garantiert nicht aus der Wohnung fliehen müssen, ohne mit der Person reden zu können.

Mir fiel auch noch ein, dass die TS erst da ins Wanken gekommen ist, als ihre Freundin die Situation mitbekommen hat. Das ist leider typisch für jemanden, der eine Sucht solange deckt, bis es eben nicht möglich ist. Im Grunde hätte eine klare Reaktion schon beim allerersten Vorfall kommen müssen.
 
  • #70
Bin ich eigentlich die einzige, die sich darüber nervt, dass ihre Antworten verschwinden?

Also nochmals kurz und knackig - es wurde ansonsten eigentlich schon alles gesagt: Bei Alkoholismus gibt es verschiedenste Formen, wie z.B. den Quartalssäufer. Bitte google mal danach!

Dein Freund ignoriert - ob willentlich oder unbewusst - den "Point of no return", also den Moment, an dem sich ein harmloser Schwips zu einem ernsten Rausch auswächst. Und dies seit vielen, vielen Jahren. Das heisst: Obwohl er inzwischen ja eindeutig wissen MUSS, was geschieht, wenn er zu viel getrunken hat, kann er es nicht lassen! Das signalisiert mir, dass er eindeutig ein Alkoholproblem hat.

Nochmals: Nach 2-maligem Schaden klug geworden, möchte ich Dir einfach von ganzem Herzen anraten, nicht mehr schwach zu werden.

Zudem - und hier bin ich jetzt gnadenlos ehrlich: Ich persönlich würde auch mit einem Ex-Alkoholiker keine Ehe eingehen wollen. Da hätte ich viel zu viel Angst vor einem Rückfall (aber ich bin ja auch ein gebranntes Kind).
 
  • #71
Ich finde dass dein Umfeld sich falsch verhält . Nach der Story über ihn MÜSSEN sie dir zur Absage raten !
Bei mir war es ja ähnlich, aber ich hab geheiratet und bin nach meinen Horror Flitterwochen zu meiner Mutter gekommen . Sie war traurig dass ich nichts zuvor gesagt habe und riet sofort zur Scheidung !! Eine sehr Gläubige Frau rät mir zur Scheidung und kirchlichen annullierung .... einfach weil eine solche Ehe nicht geht , sie wird dich zerstören auf Dauer . Ich leide immer noch unter den Folgen des psychischen Missbrauchs.

Willst du auf so einem Niveau leben ??
 
  • #72
Vielen Dank für die vielen Rückmeldungen - damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.

Es hilft mir sehr meine und unsere Situation aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Mir war ist bisher nicht bewusst, dass ich durch mein Verhalten alles noch schlimmer mache. Ich dachte jedes Mal, wenn ich ihm nur klar mache wie schlimm sein Verhalten für mich und unsere Beziehung ist, wird es nicht mehr vorkommen....

An seine verletzenden Worte hatte ich mich schon gewöhnt - was ich aus heutiger Sicht sehr schlimm und beängstigend finde! Einen Wutausbruch mit einem Angriff auf mich und unseren Hund hatte er bis vor kurzem noch nicht und ich dachte es bleibt bei einem einmaligen Ausrutscher! Ich habe es mir immer irgendwie schön geredet und dachte, dass man wegen einem Fehler eine ansonsten schöne Beziehung nicht beendet & gemeinsame Zeit wegwirft.... Dass er mich jedes Mal so "manipuliert" dass ich mich nachher mitschuldig fühle und sein Verhalten "schön rede" war mir überhaupt nicht klar! Ich dachte: "Das ist nicht mein Verlobter, das ist 'nur' der Alkohol" und "Liebe verzeiht". In der ansonsten schönen Zeit habe ich diese schlimmen Erfahrungen immer erfolgreich verdrängt - ich frage mich heute wie ich das hinbekommen habe....

Ihr habt mir allerdings die Augen geöffnet, dass er seine Gewalt gegen mich wohl nicht so einfach in den Griff bekommen wird und dass ich mich und mein letztes bisschen Selbstwertgefühl retten muss! Mein Herz für ihn war viel zu groß!

Vielleicht ist die Absage der Hochzeit ja für ihn so schlimm, dass er endlich merkt, dass er sich professionelle Hilfe holen muss! Ich habe endlich verstanden, dass ich es nicht bin, die ihm helfen kann - auch wenn ich wünschte, dass es anders wäre!

Zusatz: Meine liebe Freundin kennt den Link zu diesem Thread. Und deshalb möchte ich noch schreiben, dass sie sofort in der Nacht gesagt hat: "Das geht so nicht!!! War das schon häufiger? Du musst da nicht wieder hin - übernachte bei mir. Er muss was machen und sich Hilfe holen." Ich habe ihr nur anfangs nicht richtig zugehört...
 
  • #73
Ich bin Mediziner und möchte Dich bitten, nicht voreilig zu handeln

Das mag ja alles so sein, wenn man nur den Mann betrachtet, als Außenstehender.

Aber jeglicher Behandlungserfolg setzt doch ein Wollen des Betroffenen voraus. Das kann ich hier nirgends erkennen.

V o r allem Verständnis für den Mann sollte doch aber der Selbstschutz der FS stehen. Sie steht doch nicht neutral und unbeteiligt daneben.

Du kannst doch nicht ernstlich dazu raten, dass sie Verständnis für den Mann aufbringt, der mit Stühlen nach ihr wirft?

Sie hat in solchen Situationen massive Angst vor dem Mann und muss um ihre körperliche Unversehrtheit, wenn nicht sogar ihr Leben fürchten. Völlig zurecht!

So eine Aussage, auch noch unter Verweis darauf, Mediziner zu sein, was dem ganzem erst so richtig Gewicht gibt, finde ich -sorry- verantwortungslos. Das ist eine Anleitung zur co-Abhängigkeit.

Die FS ist jung und hat noch ihr ganzes Leben vor sich. Sie entscheidet jetzt, ob sie das an einem Mann verschwendet, der ihr nicht guttut - psychisch als auch physisch oder ihrem Leben eine positive Wendung gibt.

Als Partner kann man nicht gleichzeitig Therapeut sein. Der Mann muss für sein Leben, sein Handeln und die Bekämpfung einer eventuellen Erkrankung selbst die Verantwortung übernehmen.
 
  • #74
Ich frage mich, warum er kurz vor der Hochzeit sein "Ausraster" so heraus provoziert? Wenn ich richtige verstehe, hat er in kurzer Zeit diese Ausraster aber vorher jahrelang keine?! Hat er evtl. selber Angst/Druck/Bedenken bzgl. der Hochzeit?
 
  • #75
Man sieht, Fräuleinlustig macht sich viele viele Gedanken. Und ich befürchte, dass sind viel mehr, wie sich ihr (Noch-) Verlobter macht. Da er zum Wiederholungs- und Steigerungstäter wurde, kann ich nicht erkennen, dass eine Einsicht oder Selbstreflexion vorhanden ist, zumal er ihr ja noch Schuldgefühle suggeriert. Das zeigt, dass er leider Gottes sehr viel Potenzial hat und mit einer gewissen pathologischen Energie an die Sache rangeht.

Und wenn er nun, wie Herr Doktor bemerkte, wirklich krank sein sollte? Dann hat er zumindest zu seinen nüchternen und einsichtsfähigen Zeiten versäumt, einem Rückfall vorzubeugen, was ihn nicht schuldunfähig macht. Warum sollte sich Fräuleinlustig sowas antun und sich ihr Leben ruinieren?

Gerade frage ich mich, ob er sich denn gefallen lassen würde, was er Fräuleinlustig zumutet. Das werde ich leider nie erfahren. Oder würde Herr Doktor eine Frau mit einer derartigen Störung heiraten??
 
  • #76
Hallo, Joggerin.
Bitte verstehe mich nicht falsch, ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass es den Schilderungen der Erstellerin folgend eine mögliche Erklärung gibt, die falls zutreffend eine medizinische und nicht schuldhafte Erklärung eröffnet. Unabhängig hiervon sollte der Partner ärztlichen Rat einholen. Grundlagen eigenverantwortlichen Handelns wie Selbstschutz und Achtsamkeit habe ich niemals in Frage gestellt. Es ist traurig, wenn der Geschlechterkampf in einem Internetforum ausgelebt wird ( der Mann ist böse, andere Erklärungen scheiden aus, ein anderer Mann wird den Geschlechtsgenossen aus Sexismus heraus zuhilfe eilen, etc.) und darüberhinaus ein möglicherweise auch für die Erstellerin viel zugriedenstellenderer Lösungsweg verunmöglicht wird. Abstand und Professionalisierung der Hilfe vor übereilten Schritten!
 
  • #77
#74, die Ausraster hatte er anscheinend schon von Anfang an, alle paar Monate, wenn er zuviel trinkt. Lange Zeit dürfte er sie "nur" verbal fertiggemacht haben, mittlerweile ist er aber schon gewalttätig (Sessel werfen, Tür eintreten).

Liebe FS, dir scheint klar geworden zu sein, dass du unter diesen Umständen auf keinen Fall heiraten darfst. Lass dich bitte auf keinen Fall einlullen, dass er sich jetzt endlich ändern wird. Wird er nicht, denn eine Therapie würde er ja nur auf Druck von aussen machen, aber nicht aus eigenem Antrieb.

Ich hoffe, du erzählst uns, wie deine Geschichte weitergeht, denn viele hier (mich eingeschlossen) machen sich Sorgen um dich. Häusliche Gewalt macht auf Dauer psychisch und physisch kaputt, du hast das schon viel zu lange mitgemacht.

Denk nicht drüber nach, was die Leute im Dorf über dich denken, denn wahrscheinlich würde dir keiner von denen helfen, wenn er dich grün und blau schlägt. Da heissts dann nur, selber schuld, hätte sie ihn halt nicht geheiratet.

Alles Gute!
 
  • #78
Die Idee, zum Neurologen oder Psychiater zu gehen, finde ich gut.
Es ist nur die Frage, ob er sich darauf einlässt.
Und nicht gekränkt ist. Ob überhaupt Einsicht besteht.
Ich würde an Stelle der FS dieses klärende Gespräch, dass bezüglich seines Problems Handlungsbedarf siehst, bevor ihr Heiratet, in der Öffentlichkeit führen, oder wenn vertraute Menschen in Reichweite sind, auf keinen Fall allein zu Haus oder in einsamer Umgebung.
Dieser Schritt ist scher
 
  • #79
An seine verletzenden Worte hatte ich mich schon gewöhnt
Damit fängt es ja an. Du musst an Deinem Selbstwertgefühl arbeiten. Niemand hat das Recht, Dich zu verletzen und Du musst es hinnehmen. Schon gar nicht der Partner.

Mir war ist bisher nicht bewusst, dass ich durch mein Verhalten alles noch schlimmer mache.
Es ist ein Wechselspiel - er tut was, Du verzeihst, weil Du an ihm hängst oder keinen Stress willst, also heißt das: Es ist nicht so schlimm. Leider ist es nicht so, dass es viele Menschen gibt, die andere Menschen von sich aus respektieren. Es heißt ja auch, man müsse sich Respekt verdienen. Seh ich nicht so, wenn es ums Menschsein und nicht abwertend-behandelt-Werden geht. Allerdings muss man anderen Leuten Grenzen setzen, wenn sie verletzend werden, weil sie nicht von sich aus den Respekt geben.


Die ursächlichen Probleme, die jemanden zur Regulation von Gefühlen und Stimmungen durch Alkohol treibt, die bleiben natürlich auch bestehen, wenn jemand nicht mehr trinkt.
Ich denke, das ist der entscheidende Punkt, denn mE kann der Freund der FS das gar nicht anders, dh. er müsste lernen, wie er seine Gefühle beachten und ausdrücken kann und nicht immer den nüchternen, vielleicht nachgiebigen Lieben mimt, der er gar nicht ist, und dann ist ihm nach 2 Monaten der Kanal so voll, dass es für ihn bedürfnismäßig mal wieder Zeit ist zu trinken. Ich denke, das ist es auch, was @Frau gemeint hat in #64.
 
  • #80
Wer süchtig ist, ist krank.

Allerdings braucht es bei diesen Menschen die Erkenntnis, dass er krank ist.
Er braucht die Erkenntnis, den Leidensdruck und den tiefen Willen zur Veränderung.
Eine Umgebung, die das Verhalten desjenigen akzeptiert, verharmlost, bagatellisiert, fördert die Krankheit.
Jedem Angehörigen wird geraten, klare Grenzen zu setzen, Nein sagen, Konsequenzen ankündigen und ziehen.
Nicht ohne Grund redet man von Co Abhängigkeit, es ist eine schwierige Spirale, in die alle hinein geraten.

Es geht hier in keinster Weise um Schuld, aber um Verantwortung.
Es hat jeder die Verantwortung für die Gestaltung des eigenen Lebens, und jeder, der so - oder auf andere Art und Weise - entgleist, hat die Verantwortung dafür, nach Ursache und Besserung zu suchen. Oder derjenige lebt dann eben mit den Konsequenzen der Umwelt.

Liebe Fräulein Lustig - netter Nick Name - schau wirklich mal bei einer Selbsthilfegruppe vorbei, dann verstehst Du die Dynamik.
 
  • #81
Es muss überhaupt nicht so sein, dass er die Aggressionen quasi latent ständig hat u in sich aufstaut (um sie irgendwann unter Alk rauszulassen). Nein, der Alkohol allein kann bei manchen Menschen solche Aggressionen erst auslösen! Alkohol wird allgemein unterschätzt. Er ist ein Zellgift, er kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden, er greift dann direkt in den Hirnstoffwechsel ein.
Der Punkt ist aber auch: warum kann er es nicht lassen, zu trinken? - Hier ist psychologische UND medizinische Hilfe nötig! Die FS ist da komplett überfordert und außerdem in Gefahr (seelische Schäden hat sie schon davon getragen, nun würden körperliche folgen).
 
  • #82
( der Mann ist böse, andere Erklärungen scheiden aus, ein anderer Mann wird den Geschlechtsgenossen aus Sexismus heraus zuhilfe eilen, etc.)

Was hat es mit Sexismus zu tun, der Fs zu raten, sich aus einer ihr schädlichen und gefährlichen Lage zu entfernen?

Ist es pauschale Diskriminierung der Autofahrer, wenn ich einem Fußgänger rate, von der voll befahrenen Straße runter zu gehen?

Ich hab hier nirgends Phrasen a la "alle Männer sind. .. " "alle Männer trinken und prügeln" oä. gelesen.

Dass der Mann krank ist, will ich gar nicht ausschließen.

Wobei ich persönlich davon nicht überzeugt bin, dass es sich um einen Alkoholiker handelt, der aus Suchtaspekten trinkt. Das ist meine Meinung, entspricht meinen Erfahrungswerten. Ich erhebe damit kein Anspruch auf Richtigkeit oder Ausschließlichkeit.

Mich regt nur diese typische Tätersolidarisierung und -bemitleidung, die man neuerdings ständig in unserem Land erleben muss, auf. Was aus dem Opfer wird, interessiert niemanden.


Abstand und Professionalisierung der Hilfe vor übereilten Schritten!

Übereilt ist hier mit Sicherheit überhaupt nichts. Vielmehr schon viel zu spät. Denn die FS hat es schon vor langem versäumt, Grenzen zu setzen. Nur dadurch konnte sich eine derartige Gewaltspirale entwickeln.

Man kann nicht einfach nur die psychische Disposition des Mannes betrachten, ohne die gesamte Beziehungsdynamik einzubeziehen.

Die Fragestellerin hat aufgrund der vielen guten Beiträge dies offenbar nun realisiert und auch sehr gut reflektiert, wie aus ihren letzten Postings hervorgeht.

Aus dem Wunsch unbedingt eine Partnerschaft zu erhalten ist sie zu der Einsicht gelangt, dass ihre Sicherheit Vorrang hat.

Und dass es sich selbst etwas über das Wesen ihrer Beziehung vorgemacht hat.

Natürlich kann man der Fragestellerin sagen dass der Mann sich in Behandlung geben sollte. Das liegt aber nicht in ihren Wirkungskreis.

In ihrem Wirkungskreis liegt nur das, was sie selbst veranlassen kann, um etwas zu ändern.
 
  • #83
Es werden über 50% aller Gewaltverbrechen unter Alkohol begangen. Auch bei Mord, sexuellen Übergriffen, gefährlicher (mit Waffe begangener) Körperverletzung und häuslicher Gewalt ist sehr häufig Alkohol im Spiel.
Ja, weil bei diesen Menschen derselbe Mechanismus abläuft, wie bei dem Freund der FS. Sie haben Aggressionen und Spannungsgefühle und bedienen sich des Alkohols, weil sie durch ihn enthemmter werden.
Die meisten Menschen sind jedoch unter Alkoholeinfluss/Alkoholrausch NICHT gewalttätig. Viele der Menschen, die gewalttätig sind, brauchen hingegen nicht unbedingt Alkohol dazu.
Die Gleichung, die du aufmachst, bzw. der Umkehrschluss, den zu ziehst: Alkohol führt zu Gewalt - Alkoholabstinenz verhindert Gewalt, ist nicht zutreffend.
Es hat auch nichts mit dem Abbau von Spannungen zu tun, wenn Männer (oder auch selten Frauen) unter Alkohol aggressiv sind.
Aber sicher hat das mit dem Abbau von Spannungen zu tun! Mit nichts anderem! Der Abbau von Spannungen und Aggressionen in sozial verträglicher Weise ist in erster Linie etwas, was erlernt und in Kindheit und Jugend durch Beziehungserfahrung geprägt wird. Dass sich Jugendliche durch regelmäßiges exzessives Saufen schon ihr Gehirn dermaßen schädigen, dass sie wie ein Zombie unter Alkohol gewalttätig reagieren, mag es geben, wird jedoch nicht überwiegend der Fall sein. Solche Jugendliche bringen nämlich auch insgesamt kein "normales", erfolgreiches Leben zustande. Das Leben des Freundes der FS scheint jedoch erfolgreich und gut zu sein.
Die ursächlichen Probleme, die jemanden zur Regulation von Gefühlen und Stimmungen durch Alkohol treibt, die bleiben natürlich auch bestehen, wenn jemand nicht mehr trinkt.
Eben! Und es entbehrt jeder Logik, anzunehmen, dieser Mensch könne seinen inneren Druck und seine unangenehmen Gefühle plötzlich auch ohne Gewaltausbrüche regulieren, wenn er keinen Alkohol mehr zur Verfügung hat. Wenn er das könnte, würde er es nämlich längst tun. Im "besten" Fall wird so ein Mensch anfangen, die Aggressionen gegen sich selbst zu richten und sich selbst massiv zu schädigen - mit Umstieg auf Gummibärchen und Videos wird es nich getan sein!

w52
 
  • #84
Die Gleichung, die du aufmachst, bzw. der Umkehrschluss, den zu ziehst: Alkohol führt zu Gewalt - Alkoholabstinenz verhindert Gewalt, ist nicht zutreffend.

Sie tun so, als wenn sich gewalttätige Menschen Alkohol suchen würden, um dann die Gewalttaten zu begehen.

Diese Menschen besitzen allerdings eine Hemmschwelle, eine Selbstkontrolle, die im nüchternen Zustand tadellos funktioniert.

Deswegen hilft Abstinenz von Alkohol im Hinblick auf die Sicherheit des Umfeldes. Aus dem Grunde wird eben Alkohol bei den meisten Demonstrationen verboten.

Denn die Leute, die da regelmäßig Straftaten begehen würden, sind dann plötzlich kein Problem mehr.

Jemand, der nüchtern eine Straftat begeht, wird in den meisten Fällen sehr genau Kosten und Nutzen abwägen und dafür sorgen, dass er nicht so leicht erwischt wird.
 
  • #85
Nein, es wird sich nicht ändern.....wenn Du nichts änderst, denn es ist tatsächlich die Frage, was es auslöst - Du schreibst sehr ausführlich was Du alles DANACH tust um ihn zu beruhigen - mich interessiert, was Du DAVOR tust um ihn zum Ausrasten zu bringen - nicht immer sind die Unschuldslämmer auch Unschuldslämmer - frage Dich, wenn er Dir WIRKLICH wichtig ist, ganz ehrlich, was Du tust um ihn in Wut zu bringen. Viel zu gerne sagen wir, vor allem, wenn es der Mann ist, der wütend wird, dass es an ihm liegt, das ist oft nicht der Fall. Ich kenne viel Fälle, da tut der Partner, die Partnerin ganz subtil das was den/die Andere(n) massiv aufregt und Abqualifiziert - und zwar ständig, so lange bis der Andere ausrastet. Und sie/ihn anschreit, oder gar schlägt - sehr oft sind die (vermeintlichen) Opfer nämlich die (eigentlichen) Täter - das hören wir nicht gerne....hörst Du es gerne??? Vielleicht ist er wirklich gewalttätig, aber vielleicht bist auch nur Du eine geschickte Manipulateurin, die mit ihm spielt......diese Frage ehrlich beantworten - und die Konsequenzen daraus ziehen, das kannst nur Du selbst.
 
  • #86
Diese Menschen besitzen allerdings eine Hemmschwelle, eine Selbstkontrolle, die im nüchternen Zustand tadellos funktioniert.
Aber was ist mit dem, was da hinter der Hemmschwelle gehalten werden muss? Es ist doch bei denen, die gewalttätig werden, wirklich DA, es darf nur nicht raus, weil der Mensch es unter Kontrolle halten kann, wenn ihm noch wichtig ist, was andere von ihm denken und er sich zusammenreißt.

Ich finde es interessant, ob wirklich entspannte und echt friedfertige Menschen, die ihre Aggressionen - und die hat jeder - durch Sport und anderes los werden, auch unter Alkoholeinfluss zu Gewalttätern werden. Ich glaube das nicht, ich denke, Alkohol lässt nur das raus, was wirklich da ist. Und das unkontrolliert und ungehemmt, dh. würde derjenige dann nüchtern einen Sandsack bearbeiten, wär das besser. Und gäbe es den Alkohol nicht, müsste es sich doch irgendwie entladen oder der Mensch wird krank, weil sich die Aggressionen gegen ihn selbst richten oder er sie auf andere projiziert und dann eben einen gewalttätigen Mitmenschen hat, unter dem er leidet.
 
  • #87
Das ist ein Aspekt, den man immer wieder vergisst.
Es ist nicht damit getan, so ganz "einfach" den Alkohol weg zu lassen, was im Suchtfall den wenigsten erfolgreich gelingt.

Alkoholismus ist aus meiner Laiensicht, und dem, was ich bei Betroffenen erlebt habe, ein Symptom, dahinter stecken oft ganz andere Themen.
Diese Fragen
- Warum trinkt ein Mensch überhaupt in solchen Maßen,
- warum entwickelt er eine Sucht, etc.
Von Spannungsabbau, Belastungsstörungen, Problemen mit Gefühlen adäquat umzugehen, Problemen mit Selbstwert, es ist eine ganze Palette, was dahinter steht.
Sehr oft ist Alkohol leider auch ein Mittel zum Verdrängen, wenn belastende Erinnerungen kommen.

Ohne die Ursache zu finden, ist der reine Verzicht nicht zielführend, sehr oft nicht dauerhaft
Und der Beginn ist die Einsicht, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass Handlungsbedarf besteht und der Wille zur Veränderung.

Es ist allerdings generell niemand schuld daran, wenn ein anderer seine Aggressionen an ihm abbaut, ob Kinder, Frauen, andere Schwächere.
Es kann immer "Provokationen" geben, etwas, was der Aggressor als provokativ empfindet, die Verantwortung, dafür, dass er seine Aggressionen durch Gewalt auslebt, trägt der Mensch selbst.
Nicht das Opfer ist schuld, die Verantwortung bleibt alleine beim Täter.

Wenn mich jemand regelmäßig provozieren würde, ich bemerken würde, dass ich so wütend werde, dass ich meine Kontrolle verliere, dann muss ich, wenn ich keinen anderen Lösungsweg finde, den Kontakt beenden.
Gehen kann man immer.

Jetzt zu fragen, ob nicht die FS durch ihr Verhalten erst die Gewalt provoziert, ist unerträglich.
 
  • #88
Es ist doch bei denen, die gewalttätig werden, wirklich DA, es darf nur nicht raus, weil der Mensch es unter Kontrolle halten kann, wenn ihm noch wichtig ist, was andere von ihm denken und er sich zusammenreißt.

Das woran Du glaubst ist ein Überdruckmodell von Aggression.

Ich glaube nicht, dass die Unterscheidung zwischen gewalttätigen Menschen, die irgendwann den Druck rauslassen müssen und dann Gewalt anwenden und den guten anderen, die nie aggressiv werden könnten, hinhaut.

Mit den Milgram-Experiment wollte man ca. 1960 feststellen, dass es bestimmte Menschen gibt (die bösen Deutschen), die Gewalt gegen anderen Menschen anwenden und andere (die guten Amerikaner) nicht.

Es hat sich aber gezeigt, dass über 2/3 der repräsentativen Durchschnittsamerikaner Gewalt (teilweise bis zum Tod) anwenden würden, wenn eine Autorität das gutheisst. Eine gewalttätige Struktur wie in Nazideutschland wäre überall da möglich, wo Menschen Autorität nicht in Frage stellen.

Später hat man bei dem Chicago Prison Experiment psychisch gesunde College Studenten in Wärter und Gefangene eingeteilt und wiederum erlebt, dass ganz normale Menschen schlimmste Gewalt bis hin zur Folter anwenden, wenn eine Autorität die Notwendigkeit begründet.

Insofern ist die Unterteilung in gute friedliche Menschen und gewalttätige Menschen schwierig. Die Leute sind in den Experimenten gewalttätig geworden, weil jemand deren Hemmschwellen als Autoritätsperson abgeschaltet hat.

Und das war in dem Setting besonders bei denen möglich, die dem Studienleiter ein besonders großes Vertrauen entgegen gebracht haben. Also Menschen mit besonders sozial-erwünschten Charakterzügen und gerade nicht die, die man eher als asozial und schwierig bezeichnen würde.

Aggression hat auch mit langfristig nicht erfüllten Bedürfnissen zu tun. Und mit sozialer Ausgrenzung. Wut ist aber per se nichts schlechtes, da sie eine große Energiequelle für Veränderung und Durchsetzung der eigenen Interessen darstellt. Es wird nur dann schwierig, wenn sich friedlich nichts an der Lebenssituation verbessern läßt.

Daher tut jede Gesellschaft gut daran, für den sozialen Ausgleich und Lebenschancen für alle zu sorgen.
 
  • #89
Ich finde es unsäglich, dass nun geargwohnt wird, die FS würde ihren Partner zu solchen Aggressionsausbrüchen provozieren! Was sollte sie denn damit erreichen wollen? Dass sie in Lebensgefahr ist?

Genau solche Mutmassungen machen es doch den Opfern psychischer wie physischer Gewalt so schwer: "sie wird sicher das ihre dazu beigetragen haben". Was soll das???? Das sind ja exakt dieselben Äusserungen, die die Täter selber rauslassen, um ihr inakzeptables Verhalten damit zu entschuldigen und die Opfer noch zusätzlich klein und gefügig zu halten.

Wenn hier beschrieben wird, dass der Freund der FS betrunken nach Hause kommt und sogleich wie ein Berserker zu wüten beginnt - vor der Freundin der FS - wie kommt man dann darauf, dass sie ihn dazu provoziert haben soll?

Es gibt schlicht keine Entschuldigung für solche exzessiven Gewaltausbrüche.
 
  • #90
... wenn es der Mann ist, der wütend wird, dass es an ihm liegt, das ist oft nicht der Fall. Ich kenne viel Fälle, da tut der Partner, die Partnerin ganz subtil das was den/die Andere(n) massiv aufregt und Abqualifiziert - und zwar ständig, so lange bis der Andere ausrastet. Und sie/ihn anschreit, oder gar schlägt -
Sorry, aber das hier nun das Opfer zum Täter gemacht wird und solche Aussagen noch mit Temporaladverbien wie "oft" und "immer" untermauert werden ist mehr als unsäglich.
Es gibt mit Sicherheit innerhalb von Beziehungen Situationen, in denen jemand mal bis zum Ausrasten "provoziert" wurde. Aber jeder Mensch, der seine Impulse halbwegs kontrollieren kann, weiß bzw. hat gelernt wie er mit derlei (möglichen) Provokationen umzugehen hat. Nämlich sich aus der Situation zu entfernen und wenn die Provokationen/Erniedrigungen sich wiederholen - die Beziehung rechtzeitig zu beenden.
Insofern liegt es sehr wohl am gewalttätig werdenden Menschen, an sich zu arbeiten und seine Situation zu ändern.
 
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