• #1

Trennung trotz Gefühle - wer hat Erfahrungen damit?

Liebe Forumsmitglieder,

mein Partner und ich sind seit über drei Jahren zusammen. Es war von Anfang an (ungewollt) eine Fernbeziehung, erst über 500 km, seit einem Jahr trennen uns "nur" noch 160 km (ich bin in seine "Ecke" gezogen). Obwohl wir es schaffen, uns fast jedes Wochenende zu sehen, merke ich, wie ich immer unglücklicher werde. Wenn wir uns sehen, ist alles gut, aber sobald ich Sonntagmorgens aufwache, bekomme ich Bauchschmerzen, weil es wieder heißt, Abschied zu nehmen. Ich bin ein sehr nähebedürftiger Mensch und unter der Woche fühlt es sich für mich an, als wäre ich Single. Wenn ich von der Arbeit aus zu Veranstaltungen unter der Woche eingeladen bin und alle bringen ihren Partner mit, gehe ich alleine oder frage eine Freundin. Wenn ich nach einem langen Tag nach Hause komme und mich gerne zu ihm setzen, eine Umarmung, einen Kuss bekommen würde, ist die Wohnung leer (wohne alleine). Dadurch, dass wir uns nur an den Wochenenden sehen, unternehmen wir beide kaum noch etwas mit unseren Freunden, denn man möchte ja so viel Zeit wie möglich mit dem anderen verbringen. Alle negativen Aspekte einer Fernebeziehung eben.

In letzter Zeit frage ich mich immer öfter, ob es nicht besser wäre, sich zu trennen, zumal wir bis jetzt keine Lösung für eine gemeinsame Zukunft gefunden haben. Er hat Haus und Hof geerbt, wohnt sehr abgelegen in der nordischen Provinz, ich in der einzigen größeren Stadt dort oben. Er könnte als Facharzt zwar überall arbeiten, aber zieht es vor, seine eigene Praxis im Nachbarort fortzuführen, für mich kommt ein Umzug nicht in Frage, da ich dort als Akademikerin keinerlei berufliche Chancen hätte und dem Landleben ohne Nähe zu einer Stadt nichts abgewinnen kann. Auch behagt mir die Nähe zu seiner Familie nicht wirklich, fühle mich dort immer noch sehr fremd. In die Mitte ziehen haben wir schon überlegt und wieder verworfen, da dann beide lange pendeln müssten und wir wieder auf dem Land landen würden.

Er ist der erste Mann, mit dem ich mir eine Familiengründung vorstellen könnte, wir lieben uns, aber ich weiß nicht, ob ich diesen ungewissen Zustand noch weitere Jahre aushalte. Ich bin Anfang dreißig und möchte irgendwann Kinder haben. Aber alles schmerzt bei dem Gedanken, dass wir uns trennen. Wie soll man über jemanden hinwegkommen, für den man noch so viel empfindet? Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht? Verwindet man es irgendwann? Bin für Rat und Erfahrungsaustausch dankbar.
 
  • #2
Hallo liebe FS,
das hört sich danach an, als ob Du schon am Aufgeben bist. Finde ich persönlich sehr schade, da Du schreibst, dass Ihr Euch liebt. Ich weiß ja nicht, was Du als Akademikerin beruflich machst, aber z.B. im Hochschulbereich gibt es heutzutage viele Optionen, beruflich erfolgreich tätig zu sein, ohne ständig vor Ort sein zu müssen. Dies nur als ein Beispiel, wie man sich beruflich etwas verändern kann (z.B. online arbeiten plus einige Präsenztage am Arbeitsort), um einen gemeinsamen Wohnsitz mit deutlich mehr Zeit füreinander zu realisieren. Und auch das muss ja nicht die endgültige Lösung sein, denn es gibt meist mehr Möglichkeiten, als man denkt. Das gilt übrigens für beide Partner, vorausgesetzt, man ist etwas flexibel und möchte sich im wahrsten Sinne des Wortes "entgegen" kommen. Letztlich ist es eine deutliche Prioritätensetzung für oder gegen die Liebe. Ich verstehe durchaus das Problem, das Du beschreibst, aber trennen würde ich mich deshalb sicher nicht. Daher kann ich in Bezug auf eine "Trennung trotz Liebe" keinerlei Erfahrungen mitteilen.
 
  • #3
Er ist der erste Mann, mit dem ich mir eine Familiengründung vorstellen könnte, wir lieben uns, aber ich weiß nicht, ob ich diesen ungewissen Zustand noch weitere Jahre aushalte.
Dass du ihn liebst mag schon stimmen, dass er dich liebt bezweifle ich an seinem Verhalten!
Das Ungleichgewicht ist eindeutig zu spüren, da du ihm zu sehr entgegenkommst, du machst es ihm zu einfach, dass er nicht in die Potte kommen braucht, was er eh nicht machen würde! Ich sehe für dich mit ihm keine Chance! Er hält dich nur hin und warm!
 
  • #4
Das ist eine existenzielle Frage, die ihr gemeinsam von allen Seiten beleuchten müsst. Wenn ihr eine gesunde Beziehung führt, dann wird das möglich sein. Was am Ende steht, ist offen.
Ich kann dir kaum was raten. Ich selber hätte kein Problem auf dem Lande zu leben, verstehe aber auch, dass es Menschen gibt, für die das nicht in Frage kommt. Ich kann deinen Freund verstehen: Eine Praxis im Heimatort mit eigenem Haus und Hof - so was gibt man nicht auf. Ich kann dich verstehen: Du willst beruflich nicht zurückstecken. Schwierige Situation. Ich denke, einer muss sich bewegen. In der Mitte treffen, ist tatsächlich keine Lösung. 75 km jeden Tag pendeln geht meiner Meinung nach nicht, schon gar nicht mit Kindern.

Ich weiß nicht, in welchem Bereich zu arbeitest. Gibt es wirklich gar nichts, was du dort in der Nähe machen kannst? Selbst mit Abstrichen im finanziellen Bereich oder wenn es weniger spannend ist? Man kann manchmal nicht alles haben im Leben: Eine tolle Familie UND einen tollen, gut bezahlten Job.

Also, überlegt mal beide, nehmt euch viel Zeit, redet... Trennung sollte meiner Meinung nach die aller- allerletzte Lösung sein.
 
  • #5
Hallo Lucca!
Das ist so eine Geschichte, da muss ich dir einfach schreiben. Ich habe genau diese Erfahrung gemacht.
Es lief darauf hinaus, dass wir gegen Ende nur mehr am streiten und diskutieren waren. Keiner konnte nachgeben, und ich habe mich unverstanden gefühlt. Die Distanz war bei mir sogar sehr ähnlich (120 km) aber er war derjenige, mit dem größeren Nähebedürfnis. Mir hätte das nichts ausgemacht, wenn man sich nur am Wochenende sieht.
Ich hätte mir aber von meinem, inzwischen Ex, erwartet, dass er mehr Verständnis dafür hat, dass ich nicht zu ihm ziehen kann. Für mich gibt es dort auch keine Aussichten auf einen Job.
Ich bekam immer mehr das Gefühl, dass er mich gar nicht verstehen wollte, und dass er mir auch gar nicht entgegen kommen wollte. Es fühlte sich an, als wollte er sein Ding, an seinem Ort, zu seinen Bedingungen - friss oder stirb.
Jetzt sind wir seit 3 Monaten getrennt, und ich habe auch schon versucht, eine neue Beziehung zu einem Mann bei mir ums Eck aufzubauen. Es hat nicht geklappt, weil ich dafür einfach nicht offen war. Ich denke immer noch oft an meinen Ex. Inzwischen ist die Wut über die fehlende gegenseitige Annäherung verschwunden und ich vermisse ihn. Ihm scheint es ähnlich zu gehen, da er wieder den Kontakt zu mir sucht, und sich mir wieder annähert. Das Problem wird dasselbe bleiben, und ich weiß selber nicht, was ich tun soll.
 
  • #6
Ich kann Dir auch nur von schlechten Erfahrungen berichten mit FB. Dabei war ich es nicht, die ein Problem damit hatte, es war mein Ex. Null Verständnis dafür, dass man auch noch eigene Ziele im Leben hat außer einer Partnerschaft, und wenn es um berufliche Perspektiven ging, dann seine und ich pass mich mit meinen an.
Mit meinen Erfahrungen würde ich nur jedem raten, sich nicht darauf einzulassen, irgendwelche Berufsziele aufzugeben wegen eines Partners. Das muss die Beziehung hinnehmen können, dass jeder seine Ziele verfolgen kann und der, der die größeren Probleme mit der Situation hat, muss sich entscheiden. Wenn es nicht passt, dann passt es nicht. Mit ihm wirst Du dort nicht glücklich, ohne ihn vermutlich auch nicht, aber wenn man eine Dynamik mal voraussehen darf: Wenn Du Dich nicht aus freiem Willen und DEINETWEGEN, nicht EURETWEGEN für das Landleben entscheidest, wird Deine Unzufriedenheit die Beziehung mit Sicherheit belasten. Unbewusst wirft man es dem anderen dann meist vor, dass man in dieser Situation ist, nur weil er sich nicht bewegen wollte. Und das ist dann sowieso der Anfang vom Ende.
Soll heißen, entweder Du lebst mit der Distanz oder Du lernst, das Landleben zu lieben. Es nicht zu lieben und trotzdem hinzuziehen, fällt irgendwann in ein negatives Gewicht in der Beziehung.
 
  • #7
Wie soll man über jemanden hinwegkommen, für den man noch so viel empfindet? Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht? Verwindet man es irgendwann? Bin für Rat und Erfahrungsaustausch dankbar.
Ja, das verwindet man. Sogar schneller als gedacht, da man sich aufgrund der grossen Distanz sowieso gewohnt ist, fünf Tage in der Woche alleine und unabhängig klar zu kommen. Weiterhin keine gemeinsame Wohnung, Finanzen, Kinder oder Freundeskreis vorhanden sind und daher kaum Streitpunkte. Du wirst leben wie jetzt, einfach ohne diesen konstanten Schmerz, die Unsicherheit und die Enttäuschung. Ein ent-dramatisiertes Leben, das zugegebenermassen weniger Höhen, aber auch viel weniger Tiefen mit sich bringen wird.
Zieh aus dem Kompromiss-Ort, an den du seinetwegen gezogen bist, wieder in eine schönere Stadt. Geniess' alles, was du an den letzten Wochenenden verpasst hast seinetwegen. Schau, dass du beruflich was machst, das dir Freude bereitet. Das Leben ist schön und kostbar, verschwende es nicht in der Warteschleife auf die Liebe und das Commitment eines Mannes.
 
  • #8
Wie wäre es mit:

A) zu ihm ziehen, Deiner Liebe wegen.

B) Kinder mit ihm zu bekommen. Da wirst Du erst mal so beschäftigt sein, dass Dir gar nicht täglich auffallen wird, welche Dinge Du gerade in der Stadt verpassen könntest.

C) Einen - Deinem akademischen Grad entsprechenden - interessanten Fern-Job (drei, vier home office-Tage gemischt mit ein, zwei Tage vor Ort) annehmen.

und

D) Eine kleine Wohnung in der Stadt kaufen oder anmieten, damit Du, so oft Du das Bedürfnis hat, Dich in der Stadt austoben kannst. Deine große Liebe ist Arzt, hat nebenbei noch Haus und Hof geerbt und Du bist Akademikerin. Sag jetzt bitte nicht, Ihr könntet Euch keine kl. gemeinsame Wohnung in der Stadt leisten.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Mit scheint es aber so, als ob IHR BEIDE eher Ausreden als Lösungen sucht. Und die Liebe vielleicht gar nicht soooooooo groß ist?
 
  • #9
Liebe FS,
Ich kann Dich sehr gut verstehen, denn ich war bis vor 1.5 Jahren in einer ähnlichen Situation wie Du. Dein Post hätte auch von mir sein können, nur dass ich mit meinem damaligen Freund schon 7 Jahre zusammen war. Es heißt immer, dass wenn die Liebe doch so groß ist, man sich nicht trennen kann. Viele verstehen einen nicht. Im Leben zählt aber nicht nur die Liebe, sondern auch die Rahmenbedingungen. In unserem Alter denkt man natürlich an Familie und ich glaube nicht, dass Du hochschwanger diese Fernbeziehung aufrecht erhalten möchtest. Fakt ist, dass ihr an einem Strang ziehen müsst, sonst wird die Beziehung nicht funktionieren. Ihr habt also 3 Möglichkeiten. 1. er zieht in Deine Stadt und ist unglücklich. 2. Du ziehst zu ihm und hängst Deine Karriere an den Nagel, wirst Mama und Hausfrau unter der Bedingung, in 5-10 Jahren Deine beruflichen Träume zu verwirklichen. Falls das dann überhaupt noch möglich ist!? Wenn es für Dich dort so gar keinen Job gibt, wie hat sich das Dein Freund dann überhaupt für Dich vorgestellt? Was sagt er dazu?
3. ihr trennt euch.
Ich habe mich für Nr. 3 entschieden und ja, es ist hart. Aber mir geht es dennoch besser damit. Viel schlimmer war nämlich das Gefühl, dass Du jetzt Sonntag abends hast oder wenn Du an Eure Zukunft denkst.
Es kommt trotzdem darauf an, wie er zu der Sache steht. Wenn er nur sein Ding durchziehen will ohne Rücksicht auf Dich zu nehmen, dann kannst Du ihn sowieso vergessen. Bietet er Dir aber was an, zB dass er Dich die ersten Jahre mitfinanziert und ihr euch eine Familie aufbaut und Du dann mit ihm in eine andere Stadt umziehst, dann wäre das fair und dann könntet ihr sicherlich eine Lösung finden. Es kann natürlich auch sein, dass Dich das Landleben so langweilen wird, dass Du unglücklich wirst. Wie gesagt...die Rahmenbedingungen!
Alles Gute für Dich.
 
  • #10
Liebe FS
Fern - und Wochenendbeziehungen haben sehr selten eine Zukunft . Ich kenne kein Paar wo das gut geht , habe nur vom hören sagen davon gehört .
Dein Freund wäre in der Lage sich auf Dich zuzubewegen . Dazu muß er seine Praxis und den Hof in der Provinz nicht aufgeben . Je nach finanziellem Polster könnte er eine 2. Praxis in der Stadt eröffnen wo Du wohnst , dazu eine gemeinsame Wohnung mieten und dann schauen ob und wie gut das klappt . Wo ein Wille ist , ist auch ein Weg . Also er könnte es (Provinz --> Stadt) . Du kannst es aber nicht (Stadt --> Provinz) .
Hast Du mal überlegt ihn vor die Wahl zu stellen = entweder / oder ?
Das kann so oder so ausgehen .

Ich hab eine ähnliche Geschichte erlebt mit 675 km Entfernung , die Liebe war groß , wir feilten nach 3 Monate pendeln an ihrem Umzug zu mir , wir renovierten meine Wohnung , hatten einen Kindergartenplatz für ihr Nesthäkchen , der Umzugswagen war bestellt .... und dann kam eine lange Mail . Kurzfassung ... habe ich mich entschlossen mein Haus , meine erwachsenen Kinder , meine Freunde und mein Umfeld nicht aufzugeben ... solltest Du hier eine Arbeit finden lass es mich wissen , dann kannst du jederzeit bei mir einziehen ..... ich hab einiges versucht wegen Arbeit aber nichts passendes gefunden , wie auch , mit 50 ist das nicht ganz so einfach . Sie wollte nicht , ich konnte nicht . Drumherum gab es noch viele Details die ich hier nicht erwähnen möchte .
Fazit aus der Geschichte liebe FS = es tut verdammt weh , aber es geht nicht . Du hast den Vorteil noch sehr viel jünger zu sein als ich . Eigentum kann oft ein großer "Ballast" sein .
Wie auch immer , ich wünsche Dir viel Glück .
 
  • #11
Ich habe auch oft - hier, und von Freunden - den Rat bekommen.
"Zieh doch hin, sonst liebst du ihn nicht".
Aber, so einfach ist das nicht. Wenn man studiert hat, sich eine Karriere geschaffen hat, und finanzielle Unabhängigkeit gelernt hat, gibt man das nicht einfach auf. Ich kann die FS gut verstehen. Fernjobs, und Jobs in jedem Ort gibt es auch gar nicht für jede Branche. Wenn du, liebe FS, nur um der Liebe wegen, dort hin ziehen würdest, und es dort wirklich keine Möglichkeit gibt, einen passenden Job zu finden, bist du nur mehr sein Anhängsel. Obwohl ich mit dem Landleben kein Problem hätte, wäre das nicht mehr meine Vorstellung einer Beziehung. Den Partner als einzigen Lebensinhalt, und "Hausfrau und Mutti" als einzige Aufgaben - für mich nicht das Richtige.
Ich habe in den letzten 3 Monaten viel über genau dieses Dilemma nachhgedacht, denn die Gefühle sind hier auch noch auf beiden Seiten stark. Aber, das wurde bei meiner Frage, und hier auch schon gesagt, es braucht Entgegenkommen und Kompromisse von beiden Seiten.
Du bist schon in seine Ecke gezogen, und für dich ist es immer noch zu wenig. Was wäre er bereit für dich zu tun?
 
  • #12
Erst einmal danke für die bisherigen Antworten! Dass ich nur noch sein "Anhängsel" sein könnte ist tatsächlich meine Angst. Er ist dort sehr verwurzelt, macht viel mit seiner Familie und den Leuten, die er noch von früher kennt. Ich bin mit seiner Familie jedoch nie warm geworden (oder besser gesagt, sie nicht mit mir) und fühle mich einfach nur fehl am Platz in einem Dorf mit gerade mal 1000 Einwohnern. Ich könnte dort sicher irgendetwas kleines arbeiten und die Liebe kam und kommt für mich an erster Stelle. Aber ich hätte Angst, dort finanziell von ihm abhängig zu sein, meinen Freundeskreis hier zu verlassen und unglücklich zu sein. Für ein Wochenende finde ich es dort entspannend und landschaftlich schön, aber auf Dauer bedrückt mich diese Dorfatmosphäre. (Nicht böse sein, wer vom Land kommt). Viele seiner alten Bekannten haben ihre Heimat nie verlassen und sind trotz ihrer jungen Jahre erschreckend engstirnig und ich habe mich schon oft über ihr Weltbild erschrocken (z.B. Homosexualität sei unnatürlich etc.) Ein Umzug dorthin scheidet für mich tatsächlich aus. Eine gemeinsame Wohnung in der Stadt haben wir angedacht, aber dann wäre es immer noch eine Wochenendbeziehung. Sofort Mutter werden möchte ich noch nicht. Es ist alles sehr vertrackt und frustrierend, weil ich weiß, dass wir an einem gemeinsamen Ort glücklich sein könnten. Ich kann aber auch verstehen, dass er seine (gut laufende) Praxis nicht aufgeben will und eine neue ist mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden.
 
  • #13
Schwierige Situation.
Nun, so wie es jetzt ist, ist es nicht gut.

Welche Optionen habt ihr wirklich?
(1) Weiterhin Fernbeziehung - eher nicht.
(2) Naheliegend und durchaus klassisch, Du ziehst zu ihm - dann ist endlich Paarleben und später Familie möglich. Aber - Du magst die Gegend, das ganz Ländliche nicht wirklich, magst die Nähe zur Familie nicht wirklich, Du gibst wieder Deine Sozialkontakte auf, Deine Jobmöglichkeiten sind schwierig (da wäre wohl noch am ehesten eine Lösung möglich).
Dass er aufgrund Eigentum, beruflicher Existenz und dem ganzen sozialen Netzwerk, Familie, Freunde dort bleiben möchte, ist verständlich.
Also müsstest Du für Dich prüfen, ob Du Dich an seinem Ort doch wohlfühlen könntest, wirklich heimisch werden. Wenn das nicht geht, ist das keine Option, die Belastung für Eure Beziehung ist auf Dauer zu groß, irgendwann trägst Du die nachvollziehbare Unzufriedenheit, das Unwohlsein in die Partnerschaft, evtl. mit Vorwürfen.

(3) Genauso verständlich, die andere Variante, wenn sein Ort nie Deiner werden kann. Er verkauft alles, und ihr fangt gemeinsam an einem Ort an, wo ihr Euch beide wohlfühlen könnt, schafft gemeinsames Eigentum, berufliche Grundlagen, ein soziales Netzwerk... Aber wäre er bereit dazu, auch das dürfte nicht nur Dir zuliebe erfolgen - es müsste eine Entscheidung sein, hinter der ihr beide ganz und gar stehen könnt.

(4) Trennung, weil auf Dauer mit den Prämissen keine Zukunft möglich ist, kein wirklich gemeinsames Lebensumfeld möglich ist. Und dann eben den Verlust aushalten.

Ich würde für mich prüfen, wie stark sind meine Gefühle, was will ich wirklich, welche Kompromisse kann ich gut realisieren, wo sind meine Grenzen, Prioritäten. Mir die verschiedenen Optionen einer möglichen gemeinsamen Zukunft anschauen...
Und dann mit meinem Partner reden, was will er, etc. Vielleicht ergeben sich ganz andere Optionen, wenn ihr beide Eure Beziehung wirklich wollt?
Vieles kommt am Ende doch ganz anders als man anfänglich dachte. Meistens finden sich ganz unerwartete Lösungen.
 
  • #14
Liebe Lucca!
Ich kann deine Vorbehalte gegen seinen Ort verstehen, geht es mir doch sehr ähnlich. Er hat alles dort, und du (oder ich), nichts und niemanden. Ich finde seine Familie ganz nett, aber alle anderen Menschen, die ich dort kennen lernen könnte, wären auch wieder seine Freunde. Er ist dort in Vereinen engagiert, hat Freunde noch aus der Kindheit dort. Und auch in meinem Fall sind dort einfach Leute, mit deren Einstellungen ich nichts anfangen kann ("Es ist keine richtige Familie, wenn die Frau nicht daheim bleibt.") Trotz alledem ist es für mich denkbar, eine halbe Woche dort zu verbringen (einen Tag aus der Ferne arbeiten hatte ich schon genehmigt bekommen).

Bei mir war es eben er, der das größere Nähebedürfnis hatte. Aber eben keine Kompromissfähigkeit. Alles was ich mir an Lösungen ausgedacht hatte, war ihm zu wenig. Und das ist der Punkt, den ihr für euch überlegen und entscheiden müsst.
Welche Kompromisse gibt es? Welche Möglichkeiten hat jeder von euch? Und, am Wichtigsten: seid ihr bereit, diese Kompromisse zu leben?
Ich persönlich würde mich nie in seine finanzielle Abhängigkeit begeben. Das Risiko, dass es nicht klappt, und ich dann in der Fremde vor die Tür gesetzt werde, ist mir zu groß.
 
  • #15
weil ich weiß, dass wir an einem gemeinsamen Ort glücklich sein könnten. Ich kann aber auch verstehen, dass er seine (gut laufende) Praxis nicht aufgeben will und eine neue ist mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden.
Ich war schon zweimal in derselben Situation (immer mit demselben Mann). Für mich war es keine Frage... Er hatte deutlich mehr "zu verlieren" - dein Freund auch, mit einer gut laufenden Praxis. Und für mich war immer im Hinterkopf, wenn mal Kinder da sind - bzw. beim zweiten Mal waren schon Kinder da sind, bin ich es, die schon rein naturgegeben zurückstecken will. Auch wir haben unter dem Getrenntsein gelitten, die Beziehung auch irgendwann. Für mich war es kein großes Problem, dass ich beim zweiten Mal finanzielle Rückschritte gemacht habe und vor allem mir ein neues "Standing" aufbauen musste. Wir sind auch aus der Stadt auf`s Land gezogen - vorab fand ich es nicht erstrebenswert, die Kinder auch nicht. Aber ich glaube, es ist auch viel Einstellungssache. Für mich/für uns stand unsere Liebe an erster Stelle, das Zurückstecken fiel mir für unsere Liebe und für unsere Familie nicht schwer, ich habe dafür ganz viel zurück bekommen. Unser Leben ist jetzt anders, aber nicht schlechter. Man kann sich übrigens auch auf dem Land aussuchen, mit wem man Kontakt haben möchte..., man kann alte Kontakte auch pflegen, vieles ergibt sich einfach, selbst unsere drei Kinder finden es gut hier, beruflich passt es für mich durch glückliche Umstände und einige Organisation auch super. Ich bin positiv an die Sache ran gegangen und habe es nicht als "Opfer" empfunden, sondern als eine Chance für unsere Beziehung.
 
  • #16
Wie soll man über jemanden hinwegkommen, für den man noch so viel empfindet? Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht?

Liebe FS,
genau so wie es Dir geht, ging es mir vor einigen Jahren in einer Fernbeziehung einmal längs durch Deutschland. Es war alles so, wie Du es beschreibst - nach 2 Jahren war ich nirgendwo zuhause, nicht mehr in HH und nicht bei ihm. Ich reiste wegen flexibler Arbeitszeiten nahezu jede Woche zu ihm.

Auch ich hatte keine Chance in seiner ländlichen Region entsprechend meiner beruflichen Qualifikation zu arbeiten ohne dass wir trotzdem eine Fernbeziehung über mehr als 100 km hätten führen müssen. Er als Facharzt in leitender Position hatte eine Stelle in einer Klinik, in welcher er sehr selbstbestimmt arbeiten konnte. Solche Arbeitsbedingungen sind in Klinikhierarchien sehr selten. Daher konnte ich gut nachvollziehen, dass er nicht wechseln wollte, was möglich war.
Bei seiner Familie und seinen Freunden wurde ich aber sehr gut aufgenommen, fühlte mich bei ihnen wohl.

Glücklicherweise hatte ich das Familienalter hinter mir, denn das hätte mich vermutlich dazu gebracht, seinetwegen beruflich zurückzuschrauben.
Nach 2 Jahren habe ich mich getrennt, weil es mir exakt so ging, wie Du es beschreibst - ich war überwiegend unglücklich, gestresst von der Pendelei und dauererschöpft.

Mir ist das bisher nicht gelungen, obwohl es schon ein paar Jahre her ist - es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke, mit guten Gedanken. An ihn ist kein anderer Mann nur ansatzweise herangekommen.
Und trotzdem war die Trennung für mich richtig - das ist die schwer zu verstehende Crux an der Sache.

Seit ich weiß, dass es solche Männer gibt und ich einen von ihnen für mich begeistern konnte, mache ich erst recht keine Beziehungskompromisse mehr, denn ich hatte trotz meines hohen Lebensalters zwar nur wenige Beziehungen und vor allen Dingen sehr wenige gute Beziehungen (inkl. schlechter Langzeitehe). Ich weiß jetzt genau, wie sich eine gute Beziehung mit dem richtigen Mann anfühlt.
 
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