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  • #1

Unterschiede zwischen Ausbildung, FH, Uni

Nachdem wieder einmal ein Nachbarthread um ein Haar in die übliche FH/Uni-Keiferei abgeglitten wäre, will ich hier einmal ganz gezielt die Frage stellen worin Ihr die Unterschiede zwischen den drei hier meist genannten Ausbildungssträngen seht.
Bitte versucht es mit objektiver Beschreibung und lasst "moralische" Bewertungen, Gedanken zu den Chancen auf dem Partnermarkt oder anderes Nichtberufliches aussen vor.
Beim Lesen von abgeglittenen Treads habe ich nämlich immer den Eindruck, ein grosser Teil der Uneinigkeit stammt schlicht auch Unwissen bzw. veraltetem Wissen.
(Nur als Beispiel: Wem hier ist bewusst, dass seit einigen Jahren - beginnend schon vor Bologna - die Durchlässigkeit von der FH zur Promotion immer grösser wird und keine nennenswerten Hürden mehr bestehen?)
 
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  • #2
Hier FS:
Wie auch im Nachbarthread in einigen Antworten angeklungen ist sehe auch ich einen Hauptunterschied zwischen den drei Ausbildungssträngen in den vermittelten Herangehensweisen an ein Problem.

Stark vereinfacht könnte man sagen,
die Ausbilung ist darauf ausgerichtet, mit gegebenen Rezepten einem gewünschten Ziel schnell so nahe wie möglich zu kommen,
das FH-Studium ist darauf ausgerichtet, das Ziel genau zu treffen und dabei bekannte Rezepte als grobe Leitlinie zu verwenden
und das Unistudium ist darauf ausgerichtet, Rezepte zu entwickeln und dabei Ziele als untergeordnete Hilfsmittel zu berachten.


Ein anderer Aspekt der mir oft auffällt ist die Betonung der Ausbildungszeitunterschiede FH/Uni. Der Unterschied der Organisation innerhalb der Zeit wird nur selten erwähnt.

Das öffentliche Bild der Uniorganisation ist:
Die Profs. zeichnen für von ihren Assis durchgeführte Lehrveranstaltungen verantwortlich, ohne auf die organisatorischen Belange der Studenten Rücksicht zu nehmen. Gelegentlich halten sie eine Vorlesung selbst. Am Semesterende sind Prüfungen die man beliebig oft widerholen kann. Das Studienende ist erreicht, wenn genug anrechnungsfähige Scheine gesammelt wurden und eine oder mehrere Abschlussprüfung(en) absolviert wurden.

Weniger bekannt ist die Organisation an der FH (die kenne ich von innen):
Die Vorlesungen sind stark verschult, werden meist vom Prof. persönlich gehalten und es gibt in der Regel die Möglichkeit, direkt in der Vorlesung nachzufragen. Die Fachauswahl ist stärker reglementiert als an der Uni, fachfremde Vorlesungen werden nur eingeschränkt angerechnet, dafür gibt es aber einen zeitlich abgestimmten Vorlesungsplan für jedes Semester. Wenn man sich daran hält, dann wird man in der Regelstudienzeit fertig.
In der Regel hat man von Morgens bis Spätnachmittags ununterbrochen Vorlesungen, Labors und Übungsstunden, nicht selten mit Anwesenheitspflicht. Wer eine Prüfung im vorgesehenen Semester versemmelt muss selbst zuschauen, wann und wie er Gelegenheit findet, das Fach zu widerholen denn das nächste Semester ist ebenso verplant.
Wer eine Prüfung zweimal versemmelt, muss einen begründeten Härteantrag stellen um die Prüfung noch einmal wiederholen zu dürfen. Wird der Antrag nicht genehmigt, fliegt man raus.
Wer die Prüfung dann nochmal versiebt fliegt raus. Wer seine drei erlaubten Härteanträge im Gesamtstudium verbraucht hat fliegt raus. Wer das Vordiplom nicht in der vorgegebenen Zeit absolviert (ich glaube es waren vier Semester) fliegt raus und auch wer den Abschluss nicht in der Vorgegebenen Zeit erreicht fliegt ebenfalls raus.
 
  • #3
Die Uni setzt vorallem Beharrlichkeit, Selbständigkeit, Eigenmotivation sowie Intelligenz, Lernvermögen und abstraktes Denken voraus. Sie vermittelt Diskussionsvermögen, analytisches Denken und eigenständiges Arbeiten in einem ganz andere Maße als andere Qualifikationen. Wissenschaftlicher Diskurs wird großgeschrieben, es werden Fächer vermittelt, die wirklich anspruchsvoll sind.

FH ist verschulter, hat einen deutlichen geringeren Anspruch an die Studenten und bildet letztlich nicht wirklich zu akademisch denkenden Menschen aus, sondern hat mehr die konkrete Berufsqualifizierung als Ziel. Dass man daraus auch promovieren kann, ist reine Verwässerung des Systems und kontraproduktiv. Gleichmacherei hat noch nie zur Elite geführt, die das Land dringend bräuchte.

Ausbildung ist stark angeleitet, früh auf produktive Tätigkeit, wenig Selbständigkeit, Befolgen von Anweisungen, Eingliedern in die Hierarchie, Arbeiten auf Anweisung ausgerichtet. Ausbildungsberufe sind im allgemeinen Beruf, nicht Berufung. Nur ein kleiner Bruchteil ist geeignet zu mehr und wird mit Meisterausbildung und beruflicher Selbständigkeit mehr daraus machen.

Im wesentlichen sind die Ausbildungsstränge aber auch dadurch gekennzeichnet, dass sie ein soziales Umfeld vorgeben, quasi als selbsterfüllende Prophezeiung.
 
  • #4
die Ausbilung ist darauf ausgerichtet, mit gegebenen Rezepten einem gewünschten Ziel schnell so nahe wie möglich zu kommen,

das FH-Studium ist darauf ausgerichtet, das Ziel genau zu treffen und dabei bekannte Rezepte als grobe Leitlinie zu verwenden

und das Unistudium ist darauf ausgerichtet, Rezepte zu entwickeln und dabei Ziele als untergeordnete Hilfsmittel zu berachten.
Klasse zusammengefasst -- so könnte man es in etwas beschreiben.
 
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  • #5
Wenn man heute junge Uniabsolventen fragt wie sie ihr Studium beurteilen beklagen sie sich vor allem darüber, dass die Hörsäle überfüllt sind, die Professoren oft nicht richtig vorbereitet sind und das einzige Ziel ist es die Klausuren zu schaffen. Da wird gepaukt bis zum Umfallen.

Der ganze Bologna-Prozess hat heute nicht mehr viel mit der Vermittlung von Wissen zu tun, sondern mit Power-Learning. Mit einem FH-Studium zu promovieren ist nicht ganz so einfach wie hier dargestellt. Man braucht einen Doktorvater der das unterstützt.

An den FH`s ist es mittlerweile nicht mehr anders. Nur kommt da eben noch die praktische Komponente mit rein.

Ich denke jeder Studiengang hat für sich seinen Stellenwert. Ich denke das muss jeder für sich entscheiden was für ihn selber gut ist. Braucht er mehr Anleitung, mehr Druck, dann FH.
Wer lieber gemeinsam mit 300 Studenten in kalten Vorlesungssälen sitzen will wählt die Uni:))

Was ich persönlich gut finde ist die Tatsache, dass man an Unis nicht mehr bis zur Rente studieren kann, da waren ja auch so einige Paradiesvögel dabei die 30 Semester studiert haben ohne ein Ziel.

Was die Elite anbelangt, ich dachte die gibt es in Deutschland. Es fehlt nicht an der Elite, es fehlt daran aus den Fähigkeiten die man sich angeeignet hat sowohl fachlich als auch menschlich was zu machen. An letzterem mangelt es am ehesten wenn man sich die Führungsetagen mal so anschaut. Wobei ich diesen Begriff "Elite" schon nicht mehr hören kann.

w
 
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  • #6
Die Fachhochschulen nennen sich mittlerweile "Hochschule für angewandte Wissenschaft". Und genau das markiert den offiziellen Unterschied: An "FH"s wird üblicherweise der Schwerpunkt weniger auf die Erforschung des noch unbekannten und das Entwickeln neuer Theorien gelegt, sondern auf Umsetzung, Erprobung und Verfeinerung von Methoden, Erkenntnissen im Praxisbezug, bzw. auf sehr praxisbezogene Forschung.

Der Vorteil von Fachhochschulen war lange Zeit, dass sie eine Weiterbildungsmöglichkeit für Leute war, die aus der Praxis kamen und die als Kind nicht die Möglichkeit hatten auf ein Gymnasium zu gehen und so den klassischen Bildungsweg einzuschlagen. In diesem Sinne, waren bis vor ein, zwei Jahrzehnten die FH's von intelligenten jungen Menschen bevölkert, die oft von der Hauptschule her, sich nach und nach die Bildungsleiter hochgekämpft hatten und nicht wenige setzten dann auch noch einen UNI-Master drauf. Lange Zeit waren die Erstsemester an FH's deshalb Anfang zwanzig bis Ende zwanzig, heute sieht man dort fast nur noch sehr junge Gesichter.

Was heute die FH's absolut ins Hintertreffen bringt, ist meines Erachtens :

a) Die Einführung des Bachelors, der so gut wie gar nichts darstellt. Eine Lehrausbildung und danach eine Technikerschule bringen eine deutlich bessere berufliche Qualifikation.

b) Dass heute jeder mittelmäßige Gymnasiast meint studieren zu müssen, aber nie eine UNI-Ausbildung schaffen würde. Nicht aus dem Grund, weshalb früher das FH-Studium der einzige Weiterbildungsweg war: Die eingeschränktere schulische Vorbildung aufgrund des zweiten Bildungswegs sondern, weil er schlichtweg zu wenig in der Birne hat.

Ich persönlich halte die letztere Entwicklung für fatal, denn dadurch werden hochintelligenten jungen Leuten, die sich nach und nach nach vorne gekämpft haben Studienplätze vorenthalten. Und auch praxiserprobten Menschen die Weiterbildung verwehrt, zukünftigen sehr praktisch denkenen Ingenieuren, die unser Land dringender braucht, als irgendwelche abgehobenen Theoretiker.

Wenn hier manchmal diskutiert wird, ob eine FH-Ausbildung einer UNI-Ausbildung unterlegen ist, dann kann ich nur sagen: Es kommt auf die Hintergründe an. Und je nach Hintergrund habe ich persönlich vor einem FH-Diplom mehr Respekt, als vor einem UNI-Diplom.
 
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  • #7
[...]hat einen deutlichen geringeren Anspruch an die Studenten und bildet letztlich nicht wirklich zu akademisch denkenden Menschen aus, sondern hat mehr die konkrete Berufsqualifizierung als Ziel. [...]
(FS)
Mit Verlaub, Frederika, da muss ich Dir widersprechen. Der geringere Anspruch den Du zu sehen glaubst ist, denke ich, Folge der unterschiedlichen Ausrichtung: FH ist zweifelsohne weniger theoriebetont, in Gegenzug wird aber gerade die schnelle Aneignung der wesentlichen Elemente einer Theorie und der schnelle Transfer in die Praxis gefördert. Das ist anders, aber ebenso anspruchsvoll.
Ich selbst bin z.B. ständig mit Fehlersuche an mir häufig unbekannten Anlagen beschäftigt. Das auch noch meist per Telefon/Computer, in fremder Sprache und unter starkem Zeitdruck. Da muss man schnell im Kopf Hypothesen entwickeln, die zugehörigen Tests um die Hypothesen zu überprüfen, diese Tests dem Gegenüber (meist "nur" mit Ausbildung) erklären, dessen Resultate dann auf Plausibilität prüfen und dann Schlussfolgerungen ziehen und Abhilfemassnahmen einleiten.
Sooo unterschiedlich zur Forschung ist diese Vorgehensweise nicht. Deshalb würde ich sie schon als akademisch bezeichnen.
Würde die FH nur berufsqualifizierend sein, dann könnte ich einen wesentlich grösseren Teil meiner Vorlesungsinhalte heute direkt Nutzen. Tatsache ist - das Fachwissen war zwar ganz nett, aber das eigentlich Wichtige was mir das Studium vermittelt hat waren die Dinge, die Du als uniexklusiv aufzählst.

Meiner Meinung nach ist der einzige Unterschied, wo die Scheuklappen montiert werden:
In der FH links und rechts, denn vor allem das Ziel zählt (und der Auftraggeber, bzw. man selbst, ist glücklich)
In der Uni vorne, denn man will ein Thema vollständig verstehen, egal ob es am Ende für etwas gut ist oder nicht.

Und ich gebe Dir Recht: Die Promotion passt besser zur zweiten Denkweise.
Trotzdem sehe ich in der Politik der zweiten und dritten Bildungswege keine Gleichmacherei, sondern lediglich die Möglichkeit, unterschiedliche Wege zum selben(!) Ziel zu gehen. Wer Mathe I an der FH hatte braucht es nicht nochmal an der Uni wiederholen, nur um eine Promotion beginnen zu dürfen.
 
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  • #8
Vor allem sehe ich die Unterschiede in der Qualität. Vor allem die Anforderungen an Abschlussarbeiten, da war ich sehr erschrocken WIE wenig Qualität und Anforderungen an die Arbeiten einer FH gelegt wurden, dass hätte bei uns an der Uni (Rechtswissenschaften) nicht mal für eine Grundstudiumhausarbeit gerecht.

Ich denke nicht ohne Grund gibt es die Maßgabe, dass man nach dem Diplom auch seinen Zusatz FH dranhängen muss. Diplom (FH).

Mir war gleich klar, dass der FS, schon bei seinem ersten Postings die FH aufwerten will.
FH ist einfach eine Verschulung und mit klassischen Uniwerten nicht zu vergleichen.
Nicht ohne Grund wehrt sich zum Glück der fast letzte Fachbereich ohne bac. und master als Abschluss die Juristen ERFOLGREICH gegen eine Aberkennung und Degradierung des Staatsexamens.
 
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  • #9
Hier FS:

Das öffentliche Bild der Uniorganisation ist:
Die Profs. zeichnen für von ihren Assis durchgeführte Lehrveranstaltungen verantwortlich, ohne auf die organisatorischen Belange der Studenten Rücksicht zu nehmen. Gelegentlich halten sie eine Vorlesung selbst. Am Semesterende sind Prüfungen die man beliebig oft widerholen kann. Das Studienende ist erreicht, wenn genug anrechnungsfähige Scheine gesammelt wurden und eine oder mehrere Abschlussprüfung(en) absolviert wurden.
Wenn der FS selbst an einer FH studiert hat (lässt sich ja aus seinem Text relativ gut ableiten ;-))
kennt er die Bedingungen an Unis wohl eher vom Hörensagen ("das öffentliche Bild der Uniorganisation ist"). Wenn er schreibt, an FHs dürfe man bestimmte Prüfungen selten wiederholen, an der Uni aber quasi ad ultimo, dann muss ich da kräftig widersprechen. Bin gerade selbst Studentin an einer Uni (medizinisches Studium). Bei jedem Schein ist es so, dass man maximal drei Versuche hat, jeder Schein kann also das Studienende bedeuten, was z.B. in der Vorklinik bei Durchfallquoten von teilweise 70-80% in mehreren wichtigen Fächern sicher nicht unwahrscheinlich ist.
 
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  • #10
Wenn hier schon auf diese Art über "Elite" diskutiert wird, dann sollte bittte auch das Nord-Süd-Gefälle in Deutschland beachtet werden.
Ich kenne einige Fälle, bei denen Studenten Ihre FH- und Uni-Prüfungen in Süddeutschland nur mit Ach und Krach bestanden. Manche flogen sogar durch. Kaum wechselten diese Studenten an eine norddeutsche FH oder Uni, besserten sich ihre Noten schlagartig. In einem Fall wurde am Ende sogar der beste Abschluß des dortigen Semesters erreicht. Nach dessen Aussage geschah dies mit weniger Arbeitsaufwand als an der süddeutschen FH, an der er die Prüfungen kaum bestanden hatte.

Auch ich konnte diese Erfahrung machen. Ich habe als Süddeutsche eine Weile an einer norddeutschen Gesamtschule unterrichtet und konnte kaum fassen auf welchem Niveau sich besipielsweise der Lehrplan der neunten und zehnten Klasse befindet. Mit den Abschlußprüfungen, die in Norddeutschland zu einem Realschulabschluß qualifizieren, würde man in Bayern noch nicht mal einen Hauptschulabschluß bekommen.
 
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  • #11
Vor allem die Anforderungen an Abschlussarbeiten, da war ich sehr erschrocken WIE wenig Qualität und Anforderungen an die Arbeiten einer FH gelegt wurden, dass hätte bei uns an der Uni (Rechtswissenschaften) nicht mal für eine Grundstudiumhausarbeit gerecht.
Ja, das ist von Fach zu Fach unterschiedlich.
Ich habe die Doktorarbeit (Medizin, DIN A5, ca. 50 Seiten inkl. Anhang) meines Vetters gelesen und ebenfalls gedacht, dass das bei uns eine Semesterarbeit gewesen wäre.
Ich behaupte aber nicht, dass das etwas über das Jura-Staatsexamen aussagen würde, da völlig anderer Fachbereich. Zumal in dem speziellen, a priori exklusiv theoretischem Fach zusätzlich die Werdegänge extrem durchbürokratisiert sind und es die "FH-Karriere" überhaupt nicht gibt (korrigiere mich, falls es z.B. den Rechtanwalt (FH) oder Richter (FH) geben sollte). Eine schlechte Voraussetzung, um belastbare Vergleiche zwischen Uni und FH anzustellen...

Ich denke nicht ohne Grund gibt es die Maßgabe, dass man nach dem Diplom auch seinen Zusatz FH dranhängen muss. Diplom (FH).
Das sehe ich wie "Made in Germany". Die Deklaration ist in England ursprünglich auch mit dem Ziel der Diskriminierung deutscher Produkte eingeführt worden...
;-)

Mir war gleich klar, dass der FS, schon bei seinem ersten Postings die FH aufwerten will.
Nö, ich wollte, dass die Unterschiede gesehen werden.
Niemand nimmt einen Hammer zum Graben und einen Spaten um Nägen einzuschlagen. Was "besser" ist kommt auf das Ziel an.
Die Methodiken sind nahezu dieselben, jedoch auf ein jeweils anderes Ziel gerichtet. Mich erschreckt und verwundert immer wieder, warum gerade viele Uniabsolventen, die ja gerade auf hohe Abstraktionsfähigkeit getrimmt werden das nicht zu erkennen scheinen.
Das klingt für mich immer, als würden sich Landwirt und Bäcker darum streiten, wer wichtiger dafür ist, Brot auf den Tisch zu bekommen.
 
  • #12
(Nur als Beispiel: Wem hier ist bewusst, dass seit einigen Jahren - beginnend schon vor Bologna - die Durchlässigkeit von der FH zur Promotion immer grösser wird und keine nennenswerten Hürden mehr bestehen?)
Das stimmt leider nur so halb. Zwar wurden die formalen Hürden für eine Promotion mit FH-Abschluss in vielen Bundesländern schon vor einer halben Ewigkeit deutlich abgesenkt. An den faktischen Hürden hat sich jedoch bis heute bisweilen genau gar nichts geändert, z.T. müssen FH-Absolventen auch heute noch fast das gesamte wissenschaftliche Studium durchlaufen um dann irgendwann promovieren zu dürfen. Nur die Begründung ist eine andere. Früher hat man hier in NRW auf §XY im WissHG gezeigt und gesagt "Da stehts. Mach hier Dein Diplom nochmal und dann komm wieder.". Heute locken die vermeintlich gelockerten Regeln die FH-Absolventen an und wenn sie dann da sind streckt man ihnen die Zunge raus und sagt "Im HG-NRW steht zwar, dass Du hier promovieren darfst, aber Du findest hier trotzdem erst eine Betreuerin oder einen Betreuer, wenn Du hier brav nochmal studiert hast.". Da war mit die alte Variante deutlich lieber, die war wenigstens noch offen und ehrlich.
 
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  • #13
Ich denke nicht ohne Grund gibt es die Maßgabe, dass man nach dem Diplom auch seinen Zusatz FH dranhängen muss. Diplom (FH).
Das ist übrigens auch einer der Punkte der Ausgangsfrage: Veraltetes Wissen.
Zugegeben, obiges ist auch der Stand, der mir noch im Kopf herumspuckt, aber um Herrn Wiki zu zitieren:
"Der Bachelor-Grad darf nicht um einen fachlichen Zusatz oder einen Hinweis auf die Art der Bildungseinrichtung ergänzt werden, die den Bachelor-Grad verliehen hat (z. B.: (FH) oder (Univ.)). Der Grund dafür ist, dass es keine für die Hochschulart spezifisch unterschiedlichen Vorgaben (z. B. Dauer des Studiums) gibt und alle Hochschulen denselben Akkreditierungsanforderungen unterliegen."
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bachelor#Grundkonzept)

Und das Diplom ist bekanntlich inzwischen so gut wie tot, damit auch die "Anhängsel".
 
  • #14
Vor allem sehe ich die Unterschiede in der Qualität. Vor allem die Anforderungen an Abschlussarbeiten, da war ich sehr erschrocken WIE wenig Qualität und Anforderungen an die Arbeiten einer FH gelegt wurden, dass hätte bei uns an der Uni (Rechtswissenschaften) nicht mal für eine Grundstudiumhausarbeit gerecht.
Man führe sich nochmal die "Qualität" der Dissertationsschrift des Herrn zu Guttenberg vor Augen und überlege sich erneut, ob ausgerechnet die rechtswissenschaften Fakultäten deutscher Hochschulen den Anspruch erheben sollten über die Qualität und Anspruch der Abschlussarbeiten anderer Hochschulen so pauschal und abwertend zu urteilen.

Ich habe auch schon die eine oder andere FH-Abschlussarbeit gelesen. Ja, da waren einige (wenige) darunter, die meinen Ansprüchen an die sprachliche Darstellung der bearbeiteten Sachverhalte nicht wirklich genügt haben. Aber allen war immerhin gemein, dass sie erkennbar eigenhändig verfasst waren und dass man aus ihnen, ggf. mit ein wenig Mühe ob der Mängel in der Darstellung, den jeweiligen Kern der Arbeit extrahieren und die wesentlichen Gedankengänge und Argumentationen halbwegs nachvollziehen konnte. Das, die ggf. noch etwas wirre und unbeholfene, mit etwas gutem Willen aber durchaus lesbare, textliche Aufarbeitung eigener Arbeit, ist zumindest mir wesentlich lieber als Dissertationen, die nur dehalb nett zu lesen sind, weil sie gleich seiten- und kapitelweise plagiiert sind.

Das ist ganz ähnlich wie bei einigen Profilen hier: Manchmal muss man vielleicht die eine oder andere Formulierung zweimal lesen um zu verstehen worauf der Profilinhaber hinaus will, aber das ist mir allemal lieber als Sätze, bei denen ich noch nicht nicht mal die gute alte Tante Google bemühen muss um zu erkennen, dass sie irgendwo zusammengeklaut sind.
 
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  • #15
Die FH bilder die Studenten praxisorientierer aus und damit berufsfähiger aus. Kenne viel Uni- als auch FH- Absolventen undmuss sagen, die FHler packen alles leichte an ohne sich zu verkopfen.
Übrigens FHler zählen genauso zu den Akademikern und somt zur Elite!
 
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  • #16
Das das Thema Guttenberg jetzt auf dem Tisch kommt habe ich mir fast gedacht.
Ja, eine gute Qualitätssicherung hätte es geben müssen, dass wurde verfehlt ABER es sichert trotzdem die Qualität, dass eben dann auch einen Herrn Minister diese "Leistung" die er angeblich gebracht hat wieder aberkannt wurde, und so ging es ja allen bei denen Plagiate festgestellt wurden. Wenn jemand nicht wissenschaftlich arbeitet und das rauskommt, dann wird ihm diese Leistung entzogen, somit hat er sie auch nicht geleistet.

Die FH kann jeder Abiabbrecher besuchen, oder ein Hauptschüler mit entsprechender Ausbildung.
Sorry, auch wenn die FHler versuchen (und das wird ja einen Grund haben) ihr Niveau auf das einer Uni anzureden, dass klappt nicht. Wenn sie meinen, sie wären gleichzusetzten dann bitte schön fangt auch nicht solche (meines Erachtens) schon provozierenden Frage an.

Letztendlich gibt der Arbeitsmarkt die Antwort, ob ein Masterabsolvent (und da meine ich keinen Bac.) gleichzusetzen ist mit einem FHler.

Wir haben hier bei uns einen BWL (FHler) der leider noch Jura studieren muss, weil dass Diplom (FH) ihn auf dem Arbeitsmarkt nichtb bringt. In den Naturwissenschaften mag das anders sein und es mag auch Ausnahmen geben (Diplom Finanzwirt) in dem man FHler mit Uni Absolventen vergleichen könnte.
 
  • #17
Das sehe ich wie "Made in Germany". Die Deklaration ist in England ursprünglich auch mit dem Ziel der Diskriminierung deutscher Produkte eingeführt worden...;-)
Touché.
Wer als FH-Absolvent das "FH" im akademischen Grad nicht freiwillig und gerne führt sonder zu verstecken sucht hat, um es im Marketingsprech zu formulieren, den Markenkern seiner formalen Bildungsqualifikation noch nicht erkannt. Und das sage ich als durch und durch verwissenschaftlicher Dipl.-Ing. einer Universität in der Endphase seiner Promotion.

Und auch der Hinweis auf den Bauern und den Bäcker trifft den Nagel auf den Kopf, leckeres Brot gibt es dann und nur dann, wenn beide gute Arbeit geleistet haben.
 
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  • #18
@ 14

Nur weil man über einen akademischen Abschluss verfügt, gehört man noch lange nicht zur Elite!
 
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  • #19
Letztendlich gibt der Arbeitsmarkt die Antwort, ob ein Masterabsolvent (und da meine ich keinen Bac.) gleichzusetzen ist mit einem FHler.
Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal einem Juristen wärmstens empfehlen würde, sich einmal mit den geltenden Gesetzen und Bestimmungen auseinander zu setzen, aber dank Dir darf ich diese Erfahrung machen. Danke dafür!
Nein, Ein Master ist in der Tat kein Bachelor. Und beide können der Hochschulform entstammen, die einst FH hiess. Oder auch einer Uni. Dem Titel sieht an das nicht an.
Nachzulesen in geltenden Gesetzen. Oder in Wikipedia, da ist es weniger verquast ausgedrückt.
Da gibt es sogar Schaubilder in denen die verschiedenen Modelle (auch ausländische) gegenüber gestellt werden.

Wir haben hier bei uns einen BWL (FHler) der leider noch Jura studieren muss,
Ja, der Kerl ist echt zu bedauern.
(Danke für die Steilvorlage, konnte nicht widerstehen.)

Warum ist die Abwehr einer vermeintlich unterqualifizierten Bedrohung gerade von einem Juristen so vehement? Die von Dir attackierten unqualifizieren FH-Juristen gibt es doch gar nicht (oder doch?). Oder willst Du etwa allen Ernstes einen Dipl.-Ing. (FH) Physikalische Technik mit einem M.Sc. in Mikrobiologie, einem M.F.A. oder meinetwegen auch einem Volljuristen vergleichen?
Das klänge dann nämlich verdächtig nach: "Die Teenage Mutant Ninja Turtels sind aber besser als TKKG!"
Du(?) hast doch in der Antwort weiter oben darauf hingewiesen, dass die juristischen Studiengänge als einzige noch die alten Banner hochhalten, sozusagen als letzte Vertreter des Ancien Régime.
Damit stellt sich für Juristen die Frage nach Bachelor und Master gar nicht (dieser "Vereintes-Europa"-Humbug wird sich ja sicher bald totlaufen, gell?) und die Sache mit dem Diplom und dem (FH)... wie gesagt, ist sowieso nicht mehr ganz so aktuell seit ungefähr einem Jahrzehnt.
 
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  • #20
Hier haben einige noch gar nicht begirffen, daß es sich beim Unidiplom und FH-Diplom um akademische Grade mit völlig unterschiedlicher Wertung handelt. Es ist der Tanz ums goldene Kalb, beides gleichzustellen. Ein Vorteil von Bologna ist, daß die Wertigkeit verifizierbar im Arbeitsaufwand ist (1 ECTS = 30h Arbeitsaufwand).

Demnach bekommt:

Ein Bachelor (6 sem.) 180 ECTS = 5400 h
Ein Fh-Diplom (8 Sem.) 240 ECTS = 7200 h
Ein Unidiplom/Master (10 Sem) 300 ECTS = 9000 h

Zur Unterscheidung der Ziele der einzelnen Ausbildungen:

Beispiel aus der Ingenieurwissenschaft, die Wavelettheorie:

Uni: Die Wavelettheorie ist mathematisch herzuleiten und weiterzuentwickeln
FH: Die Wavelettheorie ist mathematisch zu begreifen, man kann sie berechnen und man kann sie anwenden, um z. B. neue Bildkompressionsalgorithmen zu entwickeln
Ausbildung: Hä? Was ist ein Wavelet?

Außerdem ist der Anspruch zwischen Uni und FH auch quer der Studienrichtungen recht unterschiedlich. So werden wohl einige Mathe-Lehramtsstudenten, die eine Uni absolviert haben, an einem Fach wie technischer Mathe oder ET an der FH scheitern. Auskunft über den Schwierigkeitsgrad gibt das Studierendensurvey der Uni Konstanz.


"Die FH kann jeder Abiabbrecher besuchen, oder ein Hauptschüler mit entsprechender Ausbildung.
Blödsinn. Für die FH braucht man den Abschluß der 12. Klasse an einer BOS, FOS oder einem Gym. Seit 2009 werden auch Meister an FH und Uni!!!! zum Studium zugelassen.
 
  • #21
Blödsinn. Für die FH braucht man den Abschluß der 12. Klasse an einer BOS, FOS oder einem Gym. Seit 2009 werden auch Meister an FH und Uni!!!! zum Studium zugelassen.
Dazu vielleicht noch ein paar Fakten: Mehr als 50% aller Studierenden an deutschen Fachhochschulen besitzen die allgemeine Hochschulreife, fast weitere 40% verfügen über die Fachhochschulreife. Eine fachgebundene Hochschulreife haben 8% aller Fachhochschüler vorzuweisen, andere Formen der Zugangsberechtigung machen gerade mal 1% aus (Quelle: 19. Sozialerhebung des DSW, seit Ewigkeiten in der jeweils aktuellsten Fassung das Standardwerk zu solchen Fragestellungen).

Wenn also jemand in einer dieser unsäglichen "Uni vs. FH"-Diskussionen, die eigentlich allesamt schon mit dem seit 20 Jahren formulierten Kernsatz "andersartig, aber gleichwertig" erledigt sind mal wieder das Beispiel des "Schulversagers", der es irgendwie ohne formal "hochwertigen" Schulabschluss bis zu einem FH-Diplom und dann wohlmöglich, welch Schrecken für das Abendland, zu einer Promotionsstelle an einer wissenschaftlichen Hochschule gekommen ist hinterm Ofen hervorkramt, dann gilt es dazu zwei Dinge festzuhalten:
Einmal, dass das auch an FHen die große, große Ausnahme ist -- deutlich weniger als 1% nimmt einen solchen Weg. Und zweitens, dass es gut ist, dass es die Ausnahme war, ist und bleibt und das es ebenso gut ist, dass es diese Ausnahmen gibt.
Das Gros der Menschen ohne entsprechend qualifizierenden Schulabschluss bringt die an Hochschulen geforderten Fähigkeiten schlicht nicht mit und wäre dort folgerichtig nicht sonderlich gut aufgehoben. Das macht sie nicht zu schlechteren oder weniger wertvollen Menschen, sondern lediglich zu Menschen, die eben genau diese Fähigkeiten nicht besitzen. Ich tauge auch nicht zum Handwerker, Fußballprofi oder Rockmusiker, so what?
Gleichzeitig gibt es aber diese Ausnahmen. Wer sich vor dem oben geschilderten Hintergrund auch ohne "guten" Schulabschluss am Ende bis zu einer Promotion weiterentwickelt hat, der hat sich das meist hart und gegen so manchen Widerstand erarbeitet und mehr als verdient. Und wer damit dann aus Standesdünkel oder anderen Gründen heraus irgendein Problem hat, der soll es halt ruhig haben. Ich für meinen Teil finde es richtig und wichtig, das entsprechende Möglichkeiten exisiteren, und das Vorhandensein entsprechender gesetzlicher Regelungen spricht dafür, dass ich da mit meiner Meinung nicht völlig alleine stehe.
 
  • #22
Man sollte jetzt mal unterscheiden. An den Universitäten wird Grundlagenwissen für die spätere Forschung und Entwicklung vermittelt. Die Fachhochschulen waren früher die Ingenieurhochschulen, die das Bindeglied zw. Forschung und Praxis bilden. Demzufolge sind die Fachhochschulen praxisbezogener ausgerichtet. Mit verschult oder unselbstständigen Denken hat das nichts zu tun.

Als Beispiel:
Wir hatten wegen eines komplizierten Altbausanierungsfalles mehrere Architekten und Bauingenieure zur Begutachtung eingeladen. Bei der Frage, wen wir die Leitung der Sanierung zutragen, kamen die FH-Ingenieure und-Architekten in die engere Wahl. Die Uni-Leute hatten schon bei der Materialprobe (Bausubstanz) auf der ganzen Linie versagt. Nicht einer dieser Uni-Leute hatte mal auf dem Bau gearbeitet.

Die Frage ist nicht, wer qualifizierter oder besser ist, sondern wofür er sich am besten eignet.