• #31
Hallo,

zum Stichwort "Heimeligkeit", welches von @Tomyi angesprochen wurde.
Ein Distanzler(in) kann das natürlich nicht ertragen. Er/Sie sehnt sich schon nach Geborgenheit, aber falls es dann mal doch soweit kommt, dann kommt wieder dieser "Ekel".
Das hängt schon mit diesen traumatischen Erfahrungen in der Kindheit zusammen. Viele haben traumatische Dinge erlebt, aber der Distanzler verarbeitet es eben so. Das ist sein Umgang mit dem Erlebten.
Es wurde auf der einen Seite eine grenzüberschreitende Nähe hergestellt "Missbrauch", und auf der anderen Seite folgte dann eine Eiseskälte (scheußliches Wort, aber so würde ich es beschreiben).

Tritt nun in dieser Logik die Nähe ein, fühlt sich der Distanzler schon wieder getriggert (erinnert). Er weiß, dass es auch abrupt enden kann, oder er hat Angst, dass die Grenzen wieder mal überschritten werden. Das sind Abläufe, die total unterbewußt ablaufen können.
Klar, muss er da jetzt ganz schnell raus.
Um die Kontrolle (Macht über seine Gefühle) wieder zu erlangen (Handlungsfähigkeit), distanziert sich der Distanzler, je nach Möglichkeiten. Das kann dann sehr kreativ werden. Für den Partner eher unangenehm und extrem ärgerlich.

Die Distanzler, die ich kennengelernt habe, hatten alle richtig heftige traumatische Erlebnisse, jeglicher Art. Dafür können sie ja echt nichts. Und ja es stimmt, der weibliche Distanzler, wie @Ejscheff schon sagte, verhält sich da nochmal anders.

Im Endeffekt finde ich, dass ein Distanzler eher mit einer Distanzlerin am Besten bedient ist. Das geht schon. Beide lassen sich in Ruhe, und lassen vor allen Dingen die minimalste Nähe zu.
Es gibt solche Pärchen, das kann funktionieren.

Da geht es auch gar nicht darum, ob ich jetzt 2 Tage nach Rom fahre, und mein Partner dem Fahrradfahren in den Bergen nachgeht.
Da geht es genau um dieses Wir- Gefühl, was für die meisten Menschen ja schön ist, für den Distanzler eine Bedrohung.
w 45
 
  • #32
ich verstehe den Zusammenhang noch nicht ganz. Hier wurde ja bereits widerlegt, dass Distanzmenschen empathielos wären. Und sind Introvertiere denn immer Distanzmenschen? Ich bin laut Tests Extravertiert, jedoch brauche ich auch viel Rückzug um Reize zu verarbeiten. Viele Menschen auf Dauer laugen mich aus, obwohl ich auch gerne viel körperliche Nähe brauche. Gesellig bin ich und auch offen, aufgeschlossen und neugierig-gleichzeitig aber auch sensibel und feinfühlig.

Ich war zweimal mit Distanzmenschen verheiratet, da ging es viel weniger um die gemeinsame Zeit, davon gab es an für sich ausreichend, sondern um emotionale und körperliche Distanz.
Am Anfang, beim Kennenlernen war es noch anders, und wurde dann weniger, ganz schleichend. Bis es nur noch körperliche Nähe gab, wenn Sex gewollt wurde.
Das passt mit meinem Nähebedürfnis nicht, ich fühlte mich viel zu oft alleine, und irgendwann ging auch ich auf Distanz, damit war die Beziehung aber durch.

du beschreibst hier auch meine Vorgeschichte. Ich hatte diese Distanztypen anfangs nicht erkannt, weil sie eben richtig Gas gaben und mich viel sehen wollten. Irgendwann begann es schleichend, da war weniger körperliche Nähe und auch emotionale Nähe da. Man merkte, wie der Mann sich zurückzog und einen nicht an seinem Gefühlsleben teilnehmen lies, Gespräche (geistige Ebene) wurden weniger und man fühlte sich einfach nur einsam an der Seite. Wohl gemerkt fühle ich mich ansonsten selten einsam, weil ich viel lese und ein reiches Innenleben habe. Manchmal muss ich dann aber wieder mit anderen Menschen in Kontakt kommen, weil es langweilig wird. War das bei dir auch so ähnlich, dass du diese Männer nicht als Distanzmenschen erkannt hast?
 
  • #33
Im Endeffekt finde ich, dass ein Distanzler eher mit einer Distanzlerin am Besten bedient ist. Das geht schon. Beide lassen sich in Ruhe, und lassen vor allen Dingen die minimalste Nähe zu.
Es gibt solche Pärchen, das kann funktionieren.

Genau dies beschreibt @frei gut. Sie hat nach einigen Irrungen und Wirrungen wohl den richtigen Partner gefunden. Entscheidend dafür ist meiner Meinung nach, dass bei beiden sexuelles Interesse gering bis nicht ausgeprägt ist.

Das sind aber Spielchen, mit denen Du nicht glücklich wirst ...
Überlege besser für Dich, warum Du einen Mann aussuchst ...
Tipp: hat bei Frauen meistens was mit dem Vater zu tun

Eine perfekte Analyse.

Zumindest Frauen mit einem Distanz Problem suchen gerne nach Männern die eine Pseudonähe (z.B. durch Sex oder Schmetterlinge) aber garantiert keine respektvolle Beziehung dafür Distanz auch in Krisen, Untreue, neue Formen von Partnerschaft anbieten.

Typen die irgendwie zuverlässig wirken werden kumpelsiert, soweit sie dies mitmachen. Etabliert sich doch einmal ein Verbindlicher wird er mit Spielchen bearbeitet. Allen gleich ist aber, dass sie doch wieder Nähe wünschen. Auf jedenfall wird über die bööösen Männer gejammert.

Bei meiner Bekannten (Freundin mag ich sie auf Grund ihrer Spiele nicht mehr nennen) habe ich sehr herum gerätselt. Eine entscheidende Rolle für ihr Verhalten hat aber ihr Vater. Sie sucht primär nach Distanzlern die eine eher väterliche Rolle spielen könnten, wenn sie denn wollten. Unreifes Verhalten sehe ich in ihr aber auch im Verhalten vieler andere Frauen, z.B. dem Verhalten jammernden Affärenfrauen.

Mein eigenes Motiv ist wahrscheinlich, dass ich aus meiner Sicht kranke Zustände verbessern will. Ich erhebe mich dadurch über die von mir als krank definierten Menschen und triumphiere so über meine Eltern. Narzisstisch ist das glaube ich nicht oder nur sehr wenig.

Die meine früheren Threads dominierende Angst habe ich nicht mehr. Aber ich habe auch nur noch wenig Respekt.

Sollte ich mich abwenden? Da geht es mir so wie dem Alkoholiker. Ich brauche das ...

Außerdem will ich mich nicht in einer persönlichen Krise abwenden.
 
  • #34
Ich hatte diese Distanztypen anfangs nicht erkannt, weil sie eben richtig Gas gaben und mich viel sehen wollten. Irgendwann begann es schleichend, da war weniger körperliche Nähe und auch emotionale Nähe da. Man merkte, wie der Mann sich zurückzog und einen nicht an seinem Gefühlsleben teilnehmen lies, Gespräche (geistige Ebene) wurden weniger und man fühlte sich einfach nur einsam an der Seite. Wohl gemerkt fühle ich mich ansonsten selten einsam, weil ich viel lese und ein reiches Innenleben habe. Manchmal muss ich dann aber wieder mit anderen Menschen in Kontakt kommen, weil es langweilig wird.

Auch meine Bekannte (Freundin mag ich sie nicht mehr nennen ...) feiert ihr reiches Innenleben, liest viel, bezeichnet sich als spirituell, liebt die Natur und Ruhe, benötigt viel körperliche Nähe (weniger Sex als Kuscheln).

Sie kombiniert als gleichermaßen Nähe- und Distanzbedarf. Was wann und wie gilt legt sie fest. Bedürfnisse Anderer führen zu Distanzierungsakten. Tja der Distanzler erkennt sich nicht selbst sondern feiert seinen inneren Reichtum.

Im Kontakt mit einigermaßen verbindlichen Kandidaten kann es wenn eigentlich der nächste Schritt (z.B. Überlegungen zum Zusammenleben) an der Türschwelle steht zum Beginn einer gegenseitigen Distanzierungsspirale kommen. Am Ende jammert der Distanzler "schon wieder ein Blender" und hat sich in Wirklichkeit selbst geblendet.

Ich kann zwischen hochsensiblen und distanzierten Frauen nicht unterscheiden. Beide Typen argumentieren in der Regel mit ihrem Inneren Reichtum und Ruhebedürfnis.
 
  • #35
Ich kann zwischen hochsensiblen und distanzierten Frauen nicht unterscheiden. Beide Typen argumentieren in der Regel mit ihrem Inneren Reichtum und Ruhebedürfnis.
Ui... Da fühle ich mich angesprochen, aber nur wegen dem Ruhebedürfnis... Und mist ja, wenn ich versuchen würde, zu erklären, warum ich dieses habe, dann würdest du mich vermutlich auch gleich in die Schublade hochsensibel und distanziert stecken...
und ich dich dann auch tatsächlich in die manipulative.

Die meine früheren Threads dominierende Angst habe ich nicht mehr. Aber ich habe auch nur noch wenig Respekt.

Sollte ich mich abwenden? Da geht es mir so wie dem Alkoholiker. Ich brauche das ...
Schön hast du diese Angst nicht mehr, aber was ist "das"? Und vor was hast du "nur noch wenig Respekt"?
Im ernst Ejscheff, kannst/willst du dir dein Leben nach deiner Krankheit und Scheidung nicht etwas einfacher/lebbarer gestalten?
Oder willst du auf's Alter zynisch und bitter werden?
Du wolltest doch diese Frau unbedingt haben und nun...? Willst sie eigentlich nicht mehr, aber schreibst weiterhin, schon fast wie besessen über sie...
Und schon wieder fällt mir ein Spruch ein: "Die Geister, die ich rief, werde ich nicht mehr los..."
 
  • #36
War das bei dir auch so ähnlich, dass du diese Männer nicht als Distanzmenschen erkannt hast?

Ich habe mir darüber nicht die Gedanken gemacht.
Anfänglich fiel es nicht auf, da waren auch beide bemüht, und gegenteilig, und mit der Zeit ließ es nach.
Ich bezog es auf mich.
Erst durch einen ganz anderen Partner erlebte ich es anders, und weiß heute auch um die Thematik, achte darauf.

Dass aber bei Distanzmenschen negative Erlebnisse stecken, kann ich nicht bestätigen.
Das kann sein, muss nicht, und bei Nähemenschen eben durchaus auch.
 
  • #37
Da geht es genau um dieses Wir- Gefühl, was für die meisten Menschen ja schön ist, für den Distanzler eine Bedrohung.
Ich "bekenne" mich mal. Ich bin ein Distanz-Mensch. Ich bin sehr verwundert über diese Diskussion hier. Die meisten Menschen kommen überhaupt nicht auf die Idee, dass IHRE Bedürfnisse nach Nähe vielleicht unnormal sein könnten. Wer legt denn fest, was normal und was unnormal ist? Ich kenne diese Diskussionen schon mein Leben lang, Menschen, die meinen, sie und ihre Bedürfnisse wären doch das normalste der Welt, die anderen sind es dann, die nicht richtig ticken, die man zur Therapie schicken sollte, die egoistisch ihre Distanz durchsetzen, die Nähe als Bedrohung empfinden.
Wie weit hergeholt und meiner Meinung nach Hobby-Pschologie. Da wird gemutmaßt, interpretiert, usw.
Fakt ist...es gibt solche und solche Menschen. Ein absoluter Nähe-Mensch paßt nicht zu einem Distanz-Mensch und andersrum.
Ich habe lange gebraucht, wollte mich verbiegen für Nähe-Menschen, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Ich habe ein völlig normales nichtpathologisches Distanzbedürfnis und lebe das jetzt auch so .
Angeboren. Ich war schon immer so, ich denke, ich gehöre so.
Warum auch nicht.
Zu mir paßt kein ausgesprochener Nähe-Mensch, ich möchte meine eigene Wohnung und meinen Freiraum. Für immer. Es gibt durchaus Menschen, die auch so leben möchten und inzwischen auch die Reife haben, dazu zu stehen und sich nicht als unnormal zu empfinden deshalb.
W
 
  • #38
Hallo,

der Distanzmensch sucht ja am Anfang diese Nähe. Das ist eigentlich logisch. Er braucht ja erstmal eine Person, von der er sich dann distanzieren kann. Hat er diese Person nicht, fehlt ihm das Distanzierungsmaterial.

Dazu muss er die Person "viel sehen", wie @Irina, das beschreibt.
Hat er diese Person dann herangezogen, dann muss er sich wieder distanzieren. Die Sehnsucht nach einem Partner ist ja durchaus da.
Aber dieser wird dann dazu benutzt, sich abzugrenzen, zu distanzieren und leider leider auch, im Zuge dessen, diesen zu frustrieren.

Der Distanzler benutzt alles (Inhalte) und jeden, um sich zu distanzieren.
Wenn es nach ihm ginge, dann würde er sich auch von seiner eigenen Person distanzieren. Und in der Tat gelingt ihm das auch, wenn er sich mit Substanzen zudröhnt.
Da geht es eigentlich nicht um ein reiches Innenleben, wie das bei schizoid veranlagten Persönlichkeiten oft beschrieben wird.
Ein Distanzler ist froh, wenn er sich stetig abgrenzen kann, hervorgerufen durch diese früheren Erfahrungen.

Eigentlich ist ein Distanzler arm dran, weil er immer jemanden braucht, um sein Verhalten zu praktizieren. Du kannst dich ja schlecht von etwas distanzieren, was es nicht gibt. Diese Beobachtungen basieren natürlich auf den pathologischen Distanzler.

Denn Distanz halten ist ja per se kein schlechtes Vorgehen.
Sich abzugrenzen von Inhalten, die einem nicht gut tun, ist ja gesund.
Sich von Personen zu distanzieren, die einem nicht gut tun ist auch gut. Auf seine Bedürfnisse zu achten, und diese ernst nehmen ist auch eine gute Sache, solange keiner dadurch geschädigt wird.
Ich kenne viele Distanzler. Da sind eigentlich keine Leute, die mal Ruhe brauchen oder Bücher lesen. Das macht jeder andere Mensch auch, wenn ihn das interessiert.

Zu bemerken wäre noch, dass man sich vom echten Distanzler auch nicht hinters Licht zu führen braucht.
Er hat durchaus enge Kontakte (immer) meist im engsten Familienkreis. Mehr braucht er nicht. Es ist ja auch eine Sache des Vertrauens. Ein echter Distanzler ist von Misstrauen gegenüber seiner Umwelt zerfressen. Überall wittert er Verrat und Verschwörung. Eigentlich richtig bedauernswert. Deswegen vertraut er am liebsten diesen sehr engen Verwandten, wie z.B seiner Mutti, Vati oder zuweilen auch seinen Geschwistern, egal wie toxisch das auch sein mag.

Im Prinzip geht es darum, diese zu erkennen und auch Abstand zu halten. Weil da kommt nix bei raus. Ein Distanzler klebt am Anfang extrem dran, um sich dann nach allen Regeln der Kunst zu distanzieren. Da hat er Freude daran. Ich finde, dass man sich dafür zu schade sein sollte. Pure Zeitverschwendung. Deswegen sofort erkennen, akzeptieren und sich sehr freundlich aber bestimmt verabschieden.
w 45
 
  • #39
Männer, die distanziert sind, lieben nicht. Oder ist das schon jemals der Fall gewesen? Und ich rede nicht von manipulierenden Männern, die in gewissen Momenten ihre Distanziertheit gekonnt überspielen, um an ihre Vorzüge zu kommen!
Es ist abzuraten, sich das schön zu reden! Viele Frauen könnten sich so viel Ärger in ihrem Leben sparen, wenn sie das früh erkennen würden. Es folgt doch immer dem gleichen Muster.
Außerdem würden sich Frauen dann nach wirklich echten Männern umsehen, mit denen man auch was ernstes aufbauen kann. Und das ist niemals ein distanzierter Mann.
Schau dir die glücklichsten Partnerschaften an, da "leistet" vor allem der Mann ziemlich viel Arbeit in Sachen Bereitschaft und Nähe.
Wo das fehlt, da bricht der Tisch zusammen.

Und andersrum, Frauen, die vor Männern scheinbar distanziert abrücken, sich "zieren" und "schüchtern" sind, die sind einfach nicht interessiert. Sogar noch weniger als das. Die bleiben nur höflich und nett.

Ich kenne das gut. Ich finde, das ist ein gutes Anzeichen, dass man sich gerade in einem unsicheren Verhältnis befindet, wo der Mann/die Frau ständig weg ist, aber so langsam zu seinem wahren Ich findet.
Falls du dich selbst in dieser Situation befindest, dann tu das! Eigene Interessen zu haben und zu hegen ist unheimlich wichtig und manchmal erkennt man dann auch ganz spontan, dass der Partner ja nie da ist und nie stolz auf einen ist, der nie Fragen stellt und nie lobt.
 
  • #40
Und schon wieder fällt mir ein Spruch ein: "Die Geister, die ich rief, werde ich nicht mehr los..."

Du hast mit allem recht was du schreibst.

Folge ich meiner eigenen Beurteilung, das Distanzler gerne eine Beziehung zu anderen Distanzlern konstruieren und ist meine Bekannte eine Distanzlerin bin ich vielleicht ebenfalls einer, der sich bewusst eine Frau gesucht hat die keine Nähe zu lässt. Und jetzt bin ich derjenige der Jammert.

Ich verzichte auf den Versuch zu belegen, dass ich kein Distanzler bin.

Warum ich an ihr festhalte? Vielleicht weil ich mir langen Festhalten und Beharrungsvermögen beruflich und privat die letzten Jahre positivere Erfahrungen gemacht habe als dem Gegenteil davon.

Diese Beziehung hat auch den Vorteil, dass mich die Distanz zu wirklich autonomen Verhalten zwingt. Kein Vergleich zu 28 Jahren in einer Beziehung.

Wer legt denn fest, was normal und was unnormal ist? Ich kenne diese Diskussionen schon mein Leben lang, Menschen, die meinen, sie und ihre Bedürfnisse wären doch das normalste der Welt, die anderen sind es dann, die nicht richtig ticken, die man zur Therapie schicken sollte, die egoistisch ihre Distanz durchsetzen, die Nähe als Bedrohung empfinden.

Normal ist das was in einfachen Gesellschaftsstrukuren dem Überleben dient.

In Gesellschaften ohne öffentliches Sozialsystem versorgt die Familie Kranke, Alte, Kinder hilft sich gegenseitig bei Hungersnot oder Naturkatastrophen usw. Konsequente Distanzler haben zwar Verwandte aber keine eigene Familie. Dies wäre ohne Sozialsystem für sie lebensbedrohlich.

Beispiel. Meine Bekannte kümmert sich gerade um ihren schwerstkranken Vater. Wer wird sich um sie kümmern? Ihre Freunde sind dann wenn es soweit ist selbst Pflegefälle.

Das ist nicht sinnvoll und daher nicht normal.
 
  • #41
jedoch brauche ich auch viel Rückzug um Reize zu verarbeiten. Viele Menschen auf Dauer laugen mich aus, obwohl ich auch gerne viel körperliche Nähe brauche.
Irgendwann begann es schleichend, da war weniger körperliche Nähe und auch emotionale Nähe da. Man merkte, wie der Mann sich zurückzog und einen nicht an seinem Gefühlsleben teilnehmen lies, Gespräche (geistige Ebene) wurden weniger und man fühlte sich einfach nur einsam an der Seite. Wohl gemerkt fühle ich mich ansonsten selten einsam, weil ich viel lese und ein reiches Innenleben habe. Manchmal muss ich dann aber wieder mit anderen Menschen in Kontakt kommen, weil es langweilig wird. War das bei dir auch so ähnlich, dass du diese Männer nicht als Distanzmenschen erkannt hast?

Ich benötige auch immer wieder den Rückzug, um Reize zu verarbeiten. Wenn ich einige Stunden mit meinem Freund zusammen war oder dort übernachtet habe, muss ich wieder in meine Wohnung. Ich lese, schweige oder starre einfach aus dem Fenster. Danach habe ich wieder Energie und freue mich auch auf Menschen.

(Nebenbei frage ich mich, ob es in Kulturen, die sehr familienbezogen sind, wo es kein Alleinsein und kein Individuum geben darf, auch Menschen mit unserer Persönlichkeitsstruktur gibt? Und wie können diese überleben?)

Und gerade weil ich so bin, verwundert es mich, dass es Männer gibt, die mein Distanzbedürfnis noch toppen. Es gibt sogar jede Menge davon.
Aber es geht nicht nur um qualitativ verbrachte Zeit. Viele Männer halten Frauen emotional und kommunikativ auf Abstand. Sie legen sich nicht fest, wollen keine Zukunft planen. In extremen Fällen, wird Alkohol konsumiert, was ja auch emotional kalt macht und nicht gerade beziehungsförderlich ist.
Der schweigsame, zurückgezogene Mann, der auch nicht viel körperliche Nähe sucht (außer beim Sex) ist doch der Klassiker.
Wenn ich Paare auf der Strasse sehe, auch junge, dann fällt auf: der Mann sitzt lässig mit verschränkten Armen da, nicht zugewandt, während die Frau körperliche Nähe und das Gespräch sucht. Der Mann geht trotzdem nicht darauf ein.
Vielleicht passen Frauen und Männer nicht wirklich zusammen und versuchen es auf Biegen und Brechen passend zu machen. Die Interessen, Nähebedürfnisse, Gesprächsthemen sind zu unterschiedlich. Es gibt zwar Männer, die Frauen ähnlicher sind, aber die finde ich nicht erotisch und sie taugen nur als guter Freund.

Eure Beiträge waren klasse und vieles war so toll auf den Punkt gebracht. Auch sprachlich ein Genuss, wie z.B. Cressidas "Distanzierungsmaterial". Es macht Spaß hier zu lesen.
 
  • #42
Ich benötige auch immer wieder den Rückzug, um Reize zu verarbeiten. Wenn ich einige Stunden mit meinem Freund zusammen war oder dort übernachtet habe, muss ich wieder in meine Wohnung. Ich lese, schweige oder starre einfach aus dem Fenster. Danach habe ich wieder Energie und freue mich auch auf Menschen..

Wird diese Pause von deinen jeweiligen Partnern akzeptiert? Erklärst du ihnen warum du diese Pausen brauchst? Oder signalisiert du dies anders, ggf. dramatisch?

Viele Männer halten Frauen emotional und kommunikativ auf Abstand. Sie legen sich nicht fest, wollen keine Zukunft planen. In extremen Fällen, wird Alkohol konsumiert, was ja auch emotional kalt macht.

In welcher Form willst du eine gemeinsame Zukunft planen wenn du regelmäßig ordentlich Distanz brauchst. Zusammen ziehen, heiraten, Kinder scheiden dann ja aus oder sehe ich das falsch?

Vielleicht passen Frauen und Männer nicht wirklich zusammen ... Interessen, Nähebedürfnisse, Gesprächsthemen sind zu unterschiedlich. Es gibt zwar Männer, die Frauen ähnlicher sind, aber die finde ich nicht erotisch und sie taugen nur als guter Freund..

Du hast ein Bedürfniss auf Nähe (auch körperlich daher Zärtlichkeit) und Gespräch mit Männern, lehnst die Kälte einiger Männer ab, zugleich findest du Männer die nicht kalt sind und deinen Ansprüche nahe kommen unerotisch und kumpelsierst sie?

Bist du meine Bekannte? Sicher nicht, du bist ja nicht dramatisch und stehst sicher nicht nur auf ältere Männer.

Und andersrum, Frauen, die vor Männern scheinbar distanziert abrücken, sich "zieren" und "schüchtern" sind, die sind einfach nicht interessiert. Sogar noch weniger als das. Die bleiben nur höflich und nett.

Das sind nicht interessierte und keine distanzierten Frauen. Die desinteressierten Frauen wollen überhaupt keinen Kontakt.

Die distanzierten Frauen wollen viel Nähe, die ihnen dann zu viel wird. Sie finden männliche Distanzler erotisch weil sie wissen, dass diese niemals richtig Nähe bieten. Nähe reduziert sich mit denen dann auf Eros - Sex.

Sie suchen aber auch verständnisvolle Männer. Die machen sie dann zu Freunden.

Sprich der geliebte Idealmann wird von ihnen auf zwei reale Männer aufgeteilt. Den kalten Helden (Eros) und den lieben Freund.

Durchbricht einer diese Aufteilung folgen Dramen. Das gibt es aber wohl nur selten.
 
  • #43
Der Rückzug wird von den Männern nicht nur akzeptiert, sondern dankbar aufgenommen, weil sie auch so sind. Wenn mein Freund bei mir schläft, dann sagt er nach dem Aufstehen "Ich geh dann mal rüber" (er wohnt ein paar Häuser weiter).

Mit den drei Männern, mit denen ich zusammen wohnte, war es auch so: jeder zog sich immer wieder in sein eigenes Zimmer zurück oder wir unternahmen getrennte Sachen. Ich kenne das gar nicht anders. Mal abgesehen von meinem angeborenen Ruhebedürfnis habe ich mich im Laufe der Beziehungen auch angepasst.

Aber wie schon geschrieben; die Männer toppen mich in meinem Distanzbedürfnis ohnehin. Meistens bin ich die erste, die sich nach einem Rückzug wieder meldet.
Früher hab ich das Zusammenziehen voran getrieben. Das würde ich nicht mehr tun. Von alleine hätte nie ein Mann den Wunsch.
Kinder scheiden aus, weil das kein Mann wollte.
Dramatisch bin ich übrigens überhaupt nicht. Eher ruhig und sachlich.
 
  • #44
Die meisten Menschen kommen überhaupt nicht auf die Idee, dass IHRE Bedürfnisse nach Nähe vielleicht unnormal sein könnten. Wer legt denn fest, was normal und was unnormal ist?
Wohl wahr. Zum einen mißt sich die Qualität einer Beziehung ja nicht daran, daß die Partner möglichst eng aufeinander glucken. Zum anderen ist an der beklagten Distanz nicht automatisch derjenige schuld, der etwas mehr Abstand sucht. Es kann auch am jeweils anderen liegen.

Die Sache ist doch: eigentlich spürt immer nur einer der beiden Partner die Fesseln, die das physische Nähebedürfnis auferlegt. Wenn, sagen wir mal, zwei zusammen auf der Skipiste sind, setzt der Ungeübte das Limit. Es schränkt ihn jedoch in keinster Weise ein. Den anderen schon. Oder: wenn einer tagein tagaus nörgelt, stört das nur den Angenörgelten, der Nörgler selbst bleibt unbehelligt. Wenn der eine permanent das Wunsch-Urlaubsziel des anderen blockiert, umgekehrt aber nicht, muß nur einer von beiden mit einem Zugeständnis zurechtkommen. Wenn einer dann am Strand kein Buch lesen kann, weil er vom anderen alle paar Minuten angetextet wird, beeinträchtigt das den Kommunikationsfreudigen nicht im geringsten: er will ja selber nicht lesen. Und so zieht sich das durch.

Normalerweise käme vom Ski-Anfänger irgendwann so etwas wie: ich könnte mir vorstellen, daß du nicht den ganzen Tag mit mir auf dem Babyhang zubringen willst, geh’ du mal schön ein paar schwarze Pisten fahren, ich übe derweilen allein.

Der Symbiose-Vertreter hingegen würde sagen: zusammen auf dem Babyhang ist es doch viel schöner, als wenn jeder für sich irgendwo unterwegs ist.

Kein Mensch will aber auf Dauer so viele Zugeständnisse machen müssen, daß er praktisch das Leben des anderen lebt, weil sein eigenes nicht mehr stattfinden kann. Der „Distanzmensch” liebt also nicht die Distanz an sich, sondern beugt im wesentlichen nur der totalen Vereinnahmung seines Lebens durch den Symbiosemenschen vor. Mit einem toleranteren Partner wäre das alles kein Problem. Wenn aber „möglichst viel gemeinsam machen” zum Prinzip erhoben wird, natürlich schon. Zumindest für einen.
 
  • #45
Vor einigen Jahren hatte ich mal einen sehr distanzbedürftigen Partner, der war dermaßen abweisend, dass es mir an´s Ego ging.
Irgendwann erklärte er mir mal, dass ich beispielsweise eben abwarten müsse, bis ihm mal nach einer Umarmung sei.
Ich bin doch kein Hund, der sich artig freut, wenn er mal getätschelt wird ,-)
Ich kam jedenfalls deutlich zu kurz und mir wurde eingeredet, ich wolle Zuviel. Hmmm. Nach seinen Maßstäben ganz gewiss.
Also hielt ich mich "artig" zurück, was mich keineswegs glücklich machte. Und es ging mir NICHT um´s ständig zusammenkleben.
Nur kam da so wenig, dass ich mich gar nicht mehr traute, irgendwie Nähe herzustellen, weil die ja störte.
Zog sich durch die ganze Beziehung, dieses Gefühl zu stören.
Das habe ich momentan auch und dieser Mann hat Kinder und braucht auch meistens Zeit für sich selbst, da er auch noch ADS hat und ich komme eindeutig zu kurz und war total unglücklich in letzter Zeit, denn was er mir gab, kann man als 5 Minuten aus 24 Stunden sehen. Anstrengend, weil manche Menschen, die psychische Probleme haben (depressive Verstimmung u.a.) sehr egozentrisch sind und nicht (mehr) die Wünsche und Bedürfnisse aber auch das Leiden ihre Partner wahrnehmen. Auch er versuchte mir einmal einzureden, dass es nicht normal sei, wenn man so viel Liebe machen wolle, obwohl das wohltuend und beglückend ist. Er schien kein so grosses Bedürfnis danach zu haben und wir hatten zwischen unserem Wiedersehen sehr wenig Kontakt, weil er sich oft zurückzog oder fast alles im Alleingang gemacht hat. Neigt zu Grübeleien und depressiven Verstimmungen und Antriebslosigkeit.

Solchen Männern habe ich immer entgegnet indem ich von anderen Paaren sprach und sagte: „was ist mit Paaren, die Jahre lang verheiratet sind, zusammen im gleichen Bett schlafen und häufig (mehrmals pro Woche) Liebe machen, sind sie nicht normal oder sind sie vielleicht psychisch gestört, wenn sie so leben?“

Daraufhin kam nie eine Antwort, weil diese Männer, die ein solches Distanzbedürfnis haben, wissen selbst, dass mit ihnen etwas nicht stimmt.
Indem man sie darauf hinweist, wie die meisten Menschen leben, zeigt man ihnen, dass das ein normales menschliches Bedürfnis ist nichts abartiges oder unnatürliches und muss sich selbst nicht für seine Wünsche und Bedürfnisse rechtfertigen. Das darf man sowieso nicht. Sie sehen wie andere Liebespaare oder Ehepaare leben aber können es selbst nicht schaffen, eine emotional nahe Beziehung aufzubauen und zu führen! Diesen Schuh ziehe ich mir nicht an, wenn mir jemand damit kommt, meine Wünsche und Bedürfnisse nach vertrauensvoller und verbindlicher Liebesbeziehung seien übertrieben oder nicht normal!
 
  • #46
Moin,

das Distanzbedürfnis wandelt sich auch... Wenn man vertrauter ist, ist Zusammensein weniger anstrengend bzw nimmt einen nicht mehr so sehr in Anspruch, dass man sich auf nichts anderes konzentrieren kann. Auch Sex ist nicht zuletzt Trainingssache.

manchmal
 
  • #47
Solchen Männern habe ich immer entgegnet indem ich von anderen Paaren sprach und sagte: „was ist mit Paaren, die Jahre lang verheiratet sind, zusammen im gleichen Bett schlafen und häufig (mehrmals pro Woche) Liebe machen, sind sie nicht normal oder sind sie vielleicht psychisch gestört, wenn sie so leben?“


Ich glaube nicht, dass real viele Paare jahrelang zusammen sind und dann jede Woche mehrmals Sex haben. Ich glaube die meisten die dies sagen übertreiben.

Allerdings ist es meiner Meinung nach sinnvoll durchschnittlich ein- bis zweimal in der Woche Sex zu haben, da Sex wie Küssen, Lachen, Tanzen und Singen zu den Dingen gehört die glücklich machen (Glückshormone) und damit gesund sind (Stärkung des Imunsystems und der Psyche) sowie die die Paarbindung stärken und die Beziehung stabilisieren (Bindungshormone).

Häufiger als ein-/zweimal Sex in der Woche artet aber meiner Meinung nach in negativen Stress aus. Eine sexlose Zeit bedingt durch Krankheiten oder externen Stress ist auch kein Problem, sofern es in absehbarer Zeit wieder zu Sex kommt.

Verweigerung von Sex sehe ich als respektlose Machtausübung an. Ebenso wie ständiges sexuelles Bedrängen ist dies für eine Beziehung zerstörerisch. Wer länger oder sogar dauerhaft nicht will oder kann, sollte dies gegenüber einem Partner mit Verlangen auch begründen und nicht einfach nur sagen, dies ist mein Körper und über den entscheide ich. Grundsätzlich ist das zwar richtig aber auch eine aus Sicht des Partners willkürliche Entscheidung gegen ihn, die ihn dann automatisch von sexuellen Treueansprüchen entbindet.

Diesen Schuh ziehe ich mir nicht an, wenn mir jemand damit kommt, meine Wünsche und Bedürfnisse nach vertrauensvoller und verbindlicher Liebesbeziehung seien übertrieben oder nicht normal!

Verbindliche und vertrauensvolle Beziehungen (nicht nur Liebesbeziehungen) dienen dem Schutz, der Gesundheit und der Existenzsicherung eines Menschen. Distanzierung ist daher primär gegenüber Konkurrenten, Feinden sowie Fremden bei denen man sich unsicher ist, welche Absichten sie haben, sinnvoll.

Distanzierung in der Beziehung kommt daher oft auch aus Erlebnissen in den sich Menschen denen man vertraut als Feinde herausgestellt haben (z.B. Missbrauch in der Familie -> nicht nur sexuell sondern z.B. auch psychisch). Solche Traumatisierungen prägen dann das Beziehungsverhalten. Anstelle von Distanz können solche Erfahrungen natürlich das andere Extrem, massives Klammern, begründen.

Dies sagt eigentlich genug darüber aus, was normal, gut oder richtig ist.
 
  • #48
Sie sehen wie andere Liebespaare oder Ehepaare leben aber können es selbst nicht schaffen, eine emotional nahe Beziehung aufzubauen und zu führen!
Es macht aber auch keinen Sinn, einem Distanzler einreden zu wollen, dass er keine nahe Beziehung aufbauen und leben kann.
Natürlich kann er oder sie das. Nur eben in anderer Form als ein Nähe-Typ. Die Distanzen , von denen z.B. Efscheff schreibt, beruhen nochmal wieder auf einer anderen Grundlage, er hält diese Person für eine Frau mit Borderline-Störung. Das ist etwas völlig anderes als ein Distanzler ohne Persönlichkeitsstörung.
Man kann sich doch nicht gegenseitig vorwerfen, das jeweils der andere falsch und unnormal tickt, nur weil eigene Bedürfnisse nicht erfüllt werden.
Daraufhin kam nie eine Antwort, weil diese Männer, die ein solches Distanzbedürfnis haben, wissen selbst, dass mit ihnen etwas nicht stimmt.
Warum auch, Mandoline. Nur weil Du dieser Meinung bist, muß es ein Mensch mit Distanzbedürfnis noch lange nicht sein.
Die Antwort könnte da sein, das zwei Menschen mit ähnlichen Bedürfnissen eine Beziehung leben. Einem Menschen mit Distanzbedürfnis andere Paare als Vorbild aufzuzeigen, macht keinen Sinn. Könnte man sogar als manipulativ empfinden. Die Botschaft ist ja....guck, die anderen und ich sind normal, Du nicht.
W
 
  • #49
Der Symbiose-Vertreter hingegen würde sagen: zusammen auf dem Babyhang ist es doch viel schöner, als wenn jeder für sich irgendwo unterwegs ist..

Da hast Du Recht. Es gibt auch Symbiose-Vertreter, meist Frauen, die sich keinen Moment alleine beschäftigen können. Ich sage dann gerne, wenn Du Dich selbst mit Dir langweilst, wie geht es dann Deiner Umwelt?! :-D Mich nervt es, ich finde es kindisch, wenn erwachsene Menschen ein Problem damit haben, wenn der Partner ein Wochenende wegfährt oder einem Hobby nachgeht.

Bei dem Beispiel mit dem Skiurlaub wird sich ein echter Distanzler aber schon garnicht auf einen gemeinsamen geplanten Urlaub einlassen, auf der Skipiste wäre er plötzlich weg usw.

Solange Du mit Deiner Partnerin in Urlaub fahren willst, ohne gleich über Fluchtmöglichkeiten aus der Zweisamkeit nachzudenken, bist Du eher kein Distanzler
 
  • #50
Die Distanzen , von denen z.B. Efscheff schreibt, beruhen nochmal wieder auf einer anderen Grundlage, er hält diese Person für eine Frau mit Borderline-Störung. Das ist etwas völlig anderes als ein Distanzler ohne Persönlichkeitsstörung.

Nein. So ist mein Kommentar nicht gemeint. Borderline oder eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ist das absolute Extrem einer Nähe-Distanz- oder Beziehungs-Störung.

Zwischen Extremen und dem "normalen" Bereich gibt es es ein breites grauzonen Spektrum. Auch Borderline und der "normale" Bereich sind grau und nicht schwarz bzw. weiß.

Da distanziertes Verhalten oder Klammern aber nicht vom Himmel fällt denke ich, dass eine entsprechende Prägung generell in der Kindheit, Jugend oder vielleicht durch Erfahrungen im Laufe des späteren Lebens erfolgt ist. Es ist aus meiner Sicht auch normal, dass der Distanzierte sein Verhalten als akzeptabel und nicht irgendwie abseits der Normen empfindet. Er ist ja mit seinem Charakter erst einmal selbst fein und wendet sich in der Regel von Kritikern ab seinem reichen Innenleben zu.

Für Nicht-Distanzierte ist es schwierig Distanzierten zu vertrauen, denn es ist sehr schwer zu erkennen, bewegt sich der Distanzierte in "seinem normalen Bereich" oder ist er ggf. Extra-Distanziert weil ihm irgend etwas nicht passt. Da der Distanzierte ungerne über seine Probleme spricht, kommt es dann oft zu Extremlösungen wie z.B. einer Trennung.

Der Distanzierte kann sich dann weiterhin ungestört in seinem eigen Weltbild bewegen und begibt sich auf die Suche nach einem neuen Partner, der ihn dann vielleicht als Strohfeuermann/-frau erlebt. Der Distanzierte sieht das aber total anders.
 

Laleila

Cilia
  • #51
Mich würde interessieren, wie ihr damit umgeht, wenn der Partner ein ausgeprägteres Distanzbedürfnis hat.
Gar nicht. Eine Beziehung zu einem Mann mit größerem Distanzbedürfnis ginge ich nicht ein., denn 'ja' ich fühlte mich von solch einem Menschen wohl weniger geliebt und könnte nicht die Verbindlichkeitsgefühle entwickeln, wie sie für eine Beziehung unabdingbar sind.

Das Beispiel mit dem Skifahren fand ich albern und hat m.M.n. Gar nichts mit Nähe und Distanz zu tun. Fährt mein Partner Ski, geht Bergwandern oder meint mit dem Rad quer durch Island und zurück radeln zu müssen, während ich das nicht kann, dann darf er das sehr gern allein tun, solange es nicht unsere komplette Paarzeit auffrisst. Möchte er jedoch eines dieser Dinge unbedingt mit mir tun, dann bin selbstverständlich ich, als Ungeübte, der Maßstab.
Heisst: er rutscht mit mir gefälligst glückluch und vergnügt so lange den Idiotenhügel runter, bis ich es endlich kann.
Alternativ fallen mir nämlich 100 schöne Dinge ein, die ich stattdessen und lieber tue.
 
  • #52
Leben und Leben lassen. @Laleila hat es schön beschrieben. Mir ist es wichtig, dass wir als Paar nicht nur aus der Arbeit nach Hause kommen und die Paarzeit dann für "uns" nutzen, sondern das auch machen wenn jeder aus "seiner" Freizeit nach Hause kommt.
Ich habe mit der Zeit gelernt, dass es auch möglich ist, ein Beziehungsleben harmonisch gestalten zu können. Dafür muss man sich nur einig sein, was m.M.n. meistens in den Beziehungen der Knackpunkt sein dürfte. Hier ist dann reden ausnahmsweise mal Gold.
m47
 
  • #53
Mir geht es bei dem Thema Nähe nur bedingt um Zeit.

Mir geht es um körperliche Nähe, um Zärtlichkeiten, um das sich mal beiläufig berühren, sich in den Arm nehmen - sich nahe fühlen, zusammen liegen können, einfach Arm in Arm, schweigen, Musik hören, in den Himmel schauen. Sich entsprechend begrüßen, verabschieden...Um gerne küssen, in allen Varianten.
Um seelische Nähe, dass man den anderen als anvertrauen kann, über alles reden kann, dass man sich auch wortlos versteht, ernst genommen wird, sich vertraut und verbunden fühlt. Sich füreinander interessiert, sich gegenseitig wertschätzt, respektiert, achtsam umgeht.

Ob man dann seine Zeiten für sich braucht, eigene Aktivitäten hat, ist ein ganz anderes Thema.

Neben einem Mann, der nicht ähnlich geartet ist, fühle ich mich nicht nur alleine, sondern einsam. Da fehlt für mich die Bindung.

Ich hatte das Glück, auch einmal obiges erleben zu dürfen.
Es war wunderbar.

Nie wieder weniger.
 
  • #54
Ich glaube das Thema Nähe-Distanz ist komplizierter und man muss es auseinandernehmen, um zu verstehen, was da grad läuft.

Im Grundsatz bin ich ein Distanzmensch. Ich lege nicht viel Wert auf Kontakte zu anderen Menschen. Für mich macht es bei den meisten Menschen keinen Unterschied, ob es sie gibt oder nicht, d.h. Kontakte aufrecht zu erhalten ist echte Arbeit.
Ausnahme sind diejenigen, zu denen ich eine tiefe Verbindung habe (Freunde, Teile der Familie, Partner, wenige Kollegen), da gibt es einen Wunsch nach Kontakt.

Mit meinem Partner bin ich tief verbunden und trotzdem brauche ich meine Offzeiten. Diese werden sicherlich mehr, wenn wir zusammen wohnen. Das liegt nicht am Wunsch nach Distanz sondern an den Ruhephasen, die ich als Intro brauche - ist was ganz anderes und das müssen beide Partner unterscheiden und erkennen können, wenn sich daraus keine Konflikte ergeben sollen.
Glücklicherweise ist mein Partner keine Klette, kann seine Zeit gut gestalten und versteht die Thematik auch, sodass er sich nicht zurückgesetzt fühlt.

Zu meinen Offzeiten haben wir auch noch eigene Interessen und Kontakte, die wir pflegen. Auch das hat nichts mit Distanz oder Abgrenzung zu tun sondern sind eigene Bedürfnisse.
Früher könnte ich das nicht so klar erkennen und ich hatte auch keine Partner, die sowas erkennen sowie für sich reflektieren könnten. Daraus ergaben sich immer Konflikte in den Beziehungen - große Anzahl an kleinen Enttäuschungen und vermeintlichen Zurückweisungen, die zum Scheitern einer Beziehung führten.

Ausserdem glaube ich, dass ich bis auf 2 Beziehungen (die erste und die aktuelle) eher Vernunftbeziehungen hatte, Typ "passt ganz gut" statt dass ich echte Nähe empfand.
Mein Eindruck ist, dass in vielen Partnerschaften es für einen von beiden so ist - er ist dann der Distanzierte und zwar nur in dieser Partnerschaft, nicht als generelles Persönlichkeitsmerkmal.
 
  • #55
Ich glaube das Thema Nähe-Distanz ist komplizierter und man muss es auseinandernehmen, um zu verstehen, was da grad läuft.
...
Mit meinem Partner bin ich tief verbunden und trotzdem brauche ich meine Offzeiten. Diese werden sicherlich mehr, wenn wir zusammen wohnen.

Wenn man sich des eigenen Distanzbedürfnis bewusst ist und sein Bedürfnis auch so klar kommunizieren kann, dass ein möglicher Partner versteht und akzeptiert, was da passiert ist alles gut. So sollte eine Partnerschaft funktionieren egal wie hoch der Distanzbedarf ist. Man respektiert sich gegenseitig. Auch Respekt ist Nähe.

Dummerweise läuft bei Nähe-Distanz-Problemen viel ohne diese klare dafür viel mit dramatischer Kommunikation. Nicht wenige Distanzierte drücken ihre Bedürfnisse nicht nachvollziehbar aus, sondern schaffen Distanz mit dramatischen Aktionen, Unverbindlichkeit, Unbeständigkeit. Eine hohe Partnerfluktuation und zügige Trennung ist für sie normal. Sie kennen es überhaupt nicht anders.

Die Frage ist wollen diese Menschen es tatsächlich so oder kennen Sie ihre eigenen wirklichen Bedürfnisse nicht bzw. haben ihre Gründe sich damit nicht zu beschäftigen?

Das Ergebnis sind Strohfeuer, Affären, Dramen die widerherum Grund schaffen nicht zu Vertrauen und sich abzuwenden. Der Wunsch dies nicht zu akzeptieren ist vielleicht eines meiner Motive.
 
  • #56
Wenn man sich des eigenen Distanzbedürfnis bewusst ist und sein Bedürfnis auch so klar kommunizieren kann, dass ein möglicher Partner versteht und akzeptiert, was da passiert ist alles gut. So sollte eine Partnerschaft funktionieren egal wie hoch der Distanzbedarf ist. Man respektiert sich gegenseitig. Auch Respekt ist Nähe.

Dummerweise läuft bei Nähe-Distanz-Problemen viel ohne diese klare dafür viel mit dramatischer Kommunikation. Nicht wenige Distanzierte drücken ihre Bedürfnisse nicht nachvollziehbar aus, sondern schaffen Distanz mit dramatischen Aktionen, Unverbindlichkeit, Unbeständigkeit. Eine hohe Partnerfluktuation und zügige Trennung ist für sie normal. Sie kennen es überhaupt nicht anders.
Ich sehe es auch so und vielleicht liegt es daran, dass Menschen gar nicht bewusst spüren, was mit denen los ist und nicht merken, dass sie eigentlich Ruhe und Distanz brauchen würden für eine gewisse Zeit. Die haben vielleicht diffuse Beklemmungsgefühle können nicht genau benennen, was sie brauchen und stattdessen haben sie sozusagen keine andere Strategie als die Distanz. Und genau diese Fluchttendenz weckt dann beim Nähe suchenden Partner Verlustängste und aus Angst den Partner zu verlieren, klammert er umso mehr und dieses Klammern treibt den anderen noch weiter in die Flucht oder wenn nichts anderes übrig bleibt, beendet er diese Beziehung, wenn er nicht eben vorher eine andere Affäre begonnen hat, um sich dann darin zu flüchten.

Wenn sie dem Partner sagen könnten: „habe keine Angst, ich will die Beziehung nicht beenden, sondern brauche ein bisschen mehr Zeit für mich alleine, um mich zu erholen und meine Batterien aufzutanken“ Dann würde dieser keine Verlustängste erleiden und nicht zu klammern beginnen. So können beide hoffentlich entspannter ihre Beziehung sehen. Nur wenn aber der Distanzierte zu viel und zu oft Distanz braucht und das auch immer regelmäßig mitteilt, so bleiben die Bedürfnisse des Nähe suchenden Partners trotz Vorankündigung unbefriedigt. Das macht einsam, traurig, wütend, enttäuscht vermittelt ihm das Gefühl unwichtig und unbedeutend zu sein. Wenn die Unterschiede zwischen Nähe- und Distanzbedürfnis zu groß sind, ist das insbesondere für Nähe-Menschen unerträglich. Er trennt sich und dann kann der Pendel in die andere Richtung schlagen und der verlassene distanzierte Mensch spürt plötzlich das eigene Bedürfnis nach Nähe und könnte um seinen Partner kämpfen. Das Spiel könnte von vorne beginnen - ein ewiges Katz und Maus Spiel.

Der Ausweg wäre, wenn insbesondere der Nähe suchende Mensch gelassen bleibt und weiss, dass der Partner wieder kommt. Das ist aber seltener der Fall, sondern es läuten immer die Alarmglocken. Die Frage ist: wann kommt er zurück nach 5 Tagen oder nach 5 Wochen? Wann wird er selbst Bedürfnis nach Nähe spüren? Und genau das weiß niemand im Voraus. Das weckt Ängste und vielleicht auch Verzweiflung.
 
  • #57
Möchte er jedoch eines dieser Dinge unbedingt mit mir tun, dann bin selbstverständlich ich, als Ungeübte, der Maßstab.
Das scheint mir (auch wenn es mein Beispiel auf den Kopf stellt) ein sehr sinnvoller Ansatz zu sein: wer mehr Paarzeit möchte, muß sich den Interessen des anderen anpassen. Nicht umgekehrt!

Beim Skilaufen versteht es sich von selbst, daß einer nicht gleichzeitig Gemeinsamkeit und das Befahren anspruchsvoller Pisten einfordern kann. Anders beim Lesen: wer sich zum lesenden Partner setzt oder legt, um in seiner Nähe zu sein, sollte ihn nicht nötigen, sofort das Buch wegzulegen („ich bin deine Freundin, du beschäftigst dich jetzt gefälligst mit mir statt mit dem Buch”). Zumindest dann nicht, wenn die eigene Allgegenwart dem Partner keine Lücke mehr für ein gutes Buch läßt. Und für völlig intolerabel halte ich Zeitforderungen, die in den Broterwerb des anderen eingreifen („kannst du dir denn nicht hin und wieder einen halben Arbeitstag für uns frei schaufeln?”).

Natürlich ließen sich mit etwas gutem Willen (sprich: die Freizeit des anderen nicht zu 100% mit Beschlag belegen) fast überall Kompromisse finden. Damit tun sich die Klammermenschen aber offenbar sehr schwer („verstehe ich nicht, es gibt doch nichts schöneres als das”), und so muß es nicht verwundern, daß sich der andere dann mehr und mehr zum Distanzmenschen entwickelt, der diese Vereinnahmung nie nie nie wieder haben will. Und das dann eben auch rechtzeitig zu erkennen gibt bzw. sofort panisch reagiert, wenn sich davon auch nur der kleinste Ansatz abzeichnet.

Ich bin mir aber relativ sicher, daß sich etwas Nachgiebigkeit beim Einfordern von Paarzeit in freiwilligem Entgegenkommen des anderen niederschlägt: der Skiläufer kommt doch, nachdem er seine eigenen Pistengelüste befriedigt hat, ganz von allein an den Babyhang zurück. Und der Literaturfreund wird sicher am Ende des Kapitels nicht sofort das nächste beginnen, wenn der Partner neben ihm sitzt und sich lieber unterhalten will. Die Geduld, ihn wenigstens das eine Kapitel zu Ende lesen zu lassen, will ja schließlich belohnt werden.
 
  • #58
Ich habe mich mal an einem distanzieren Partner abgearbeitet.
Das er meiner Meinung nach auch psychisch Einschläge hatte, denke ich auch, allerdings nicht wegen seiner Grunddistanz.

Innerhalb der Beziehung dachte ich natürlich auch, dass es nur an seiner einsamen Seele liegt, die durch Liebe errettbar ist. Weil mir das bis dato völlig fremd war...
Heute sage ich, er bzw auch andere Distanzmensch sind so! Damit sind sie zufrieden und somit auch psychisch nicht abnormaler als Nähemenschen.
Unzuverlässig oder wortlos völlig abtauchend war er nicht, auch hat er offen zu mir gestanden.
Ich wurde auch geküsst oder hörte mal ein: hab dich sooo lieb.

Aber eben selten und vorallem gab es die für mich logischen Schritte nicht.
Er bekam meinen Haustürschlüssel früh, falls er vor mir da ist.
Ich musste mehrfach moppernd vor seiner Tür sitzen, bis ich ihn nach 3 Jahren bekam.
Ich wurde zumindest nicht bekannt vermisst oder spontan besucht oder Medikamente besorgt etc.
Dann ist das eben so...
Ich fühlte mich immer einsamer in der Beziehung und er konnte das nicht verstehen.
Aufgrund der Unterschiede konnte man sich nicht verstehen, weil die Gefühlsebenen sich nicht kennen.
Diskutieren hätten wir genauso in Russisch oder Chinesisch tun können.
Für ihn war eher ich gestört, mit meinen offenen Emotionen.

Somit sind die Menschen nicht psychisch gestört aber unterschiedlich.
Das zu wissen und zu respektieren, heißt trotzdem nicht, damit leben zu können.
Mit der Zeit leiden solche Paare meist.
 
  • #59
I
Somit sind die Menschen nicht psychisch gestört aber unterschiedlich.
Das zu wissen und zu respektieren, heißt trotzdem nicht, damit leben zu können.

Jein. Es gibt ein Grauzonen-Spektrum welches von einer Verhaltens-Problematik bis zu einer Störung reichen kann.

Beides basiert wahrscheinlich überwiegend auf Lebenserfahrung und der Prägung in der (frühen) Kindheit. Distanziertheit, Abwesenheit, Unzuverkässigkeit, Liebesentzug, Missbrauch (nicht nur sexueller) führen zu unterschiedlich starken Ausprägungen von Distanziertheit oder umgekehrt Klammern, ggf. auch den Wechsel zwischen beiden Verhaltensweisen.

Wenn man in einer Beziehungsanbahnung solch ein Konfliktpotential erkennt kann man selbstschützend die Anbahnung abbrechen oder (meistens sich selbst überschätzend) es doch versuchen.

Ich finde es auch interessant wenn Distanzierte selbst Empathie für ihre Krankheiten bzw. Krankheiten ihrer Verwandten einfordern, dann enttäuscht sind wenn sie dann keine Hilfe bekommen, ihrerseits sich aber entziehen wenn sie Not erkennen müssten. Ich habe keine Ahnung wie verbreitet dieses Verhalten bei Distanzierten ist.
 
  • #60
Wie sich die Geschichten gleichen. Pixies Schilderung kommt mir sehr bekannt vor. Ich musste das mehrfach ansprechen, bis ich seinen Schlüssel bekam (er hatte meinen schon nach 3 Monaten). Er gab mir dann seinen Schlüssel irgendwann, aber das hat nicht die gleiche Symbolkraft, wie wenn er selbst auf die Idee gekommen wäre.
Genauso spontane Besuche, Überraschungen, Begrüßungen, vor dem Einschlafen umarmt werden, Zugewandtheit im Gespräch, sich als erstes wieder melden, Unternehmungen vorschlagen... Für Distanzmänner hat frau eben keine große Bedeutung. Sie können einfach nicht mehr geben, auch keiner anderen Frau. Wenn sie selbst ein Problem haben, fordern sie dennoch maximales Interesse vom Partner.
Wenn man sich ihre Beziehungshistorie anschaut, dann finden sich da selten lange und stabile Beziehungen. In Beziehungen sind sie einfach keine Langstreckenläufer. Nur anfangs können sie zugewandt sein, dann kühlt das schnell ab.
@Pixie: du bist deinen Zeilen nach mindestens 3 Jahre mit einem solchen Mann zusammen gewesen? Wie hast du das geschafft?
 
Top