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  • #1

Unterschiedliches Nähe-Distanz-Bedürfnis: Mache ich was falsch?

Mein Freund 47, reagiert sehr oft beleidigt oder mit Schweigen, wenn ich ihm z.B. sachlich erkläre,
wie ich mir eine Beziehung vorstelle und ihm auch meine Kompromissbereitschaft dazu signalisiere.
Ich mache ihm dabei keine Vorwürfe, vllt. sieht er das aber ganz anders.
Wir haben nämlich ein sehr unterschiedliches Nähe-Distanzbedürfnis, so dass es deswegen in letzter Zeit zu "Irritationen" meinerseits gekommen ist und ich das mit ihm in einem Gespräch klären möchte.
Seine Reaktion, siehe oben.
Was hat das zu bedeuten, verhalte ich mich falsch?
Ich bin verunsichert.
Mir kommt es vor, als wenn ich dann gegen eine Wand rede.
Manchmal verdreht er die Inhalte, so dass etwas Konstruktives nicht möglich ist.
Wir sind übrigens seit über 1 Jahr zusammen und sehen uns eher selten.
Danke schon mal für Eure Meinungen dazu!
 
  • #2
Bei einem sehr unterschiedlichen Nähe-Distanz-Bedürfnis reden Menschen oft aneinander vorbei, weil sie einfach emotional nicht erfassen können, wie jemand so anders fühlen kann. Solche Menschen sind einfach inkompatibel und sollten keine Partnerschaft zusammen versuchen zu führen, und zwar weil jeder Kompromiss für beide schmerzhaft wäre. Imemr würde sich mindestens einer eingeschränkt oder gezwungen vorkommen und leiden.

Ich würde niemals wieder eine Beziehung entgegen eines unterschiedlichen Nähe-Distanz-Bedürfnisses eingehen oder aufrecht erhalten. Leid ist vermeidbar. Da muss man einfach Prioritäten setzen und lieber ein schnelles Ende als ewigen Kummer akzeptieren.

Warum jemand bei Diskussionen nur schweigt oder schnell beleidigt ist, kann man kaum genau begründen, ich würde sagen, diese Menschen sind einfach so. Sie haben Sozialisierungs- und Kommunikationsdefizite, die man nicht einfach so beheben kann. Konstruktive Diskussionen und Konfliktlösungen sind unter solchen Umständen kaum möglich.
 
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  • #3
Was Du falsch machst?

Du hast wahrscheinlich diese Problematik wesentlich eher erkannt, versucht, darüber zu sprechen und gemerkt, dass sich nichts ändert - und diese ' Beziehung' bis jetzt weitergeführt.


Du hast längst erkannt, dass Ihr in ganz wesentlichen Ansichten nicht kompatibel seid und trotzdem keine Konsequenzen gezogen (suchst scheinbar noch jetzt nach Entschuldigungen dafür, es nicht tun zu müssen). Das machst Du falsch!
 
  • #4
@Frederika: Du hast es prima auf den Punkt gebracht.

@FS: Es gibt Menschen, die eine symbiotische Beziehung suchen und andere, bei denen bereits längeres Beisammensein, Verbindlichkeit und Zukunftsplanung als Einschränkung ihrer Freiheit empfunden wird. Die Mehrheit bewegt sich irgendwo dazwischen.

Ich glaube, ähnlich wie Frederika, dass dies ein Teil der Persönlichkeit ist, der letztlich nicht wirklich änderbar ist. Und vor allem: Stark unterschiedliche Bedürfnisse in Bezug auf Nähe/Distanz lassen eine Beziehung extrem anstengend oder gar unmöglich werden.

Mitunter liegt es aber nicht unbedingt an unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmalen, sondern schlicht und ergreifend daran, dass einer den anderen nicht so wirklich mag, d.h. er vermag es nicht, sich nicht ohne wenn und aber für den anderen zu entscheiden, ist aber andererseits zu bequem oder feige, um die Beziehung zu beenden oder nach den Dingen zu suchen, die ihn davon abhalten, sich wirklich auf den anderen einzulassen. Derjenige, der sich nicht wirklich auf den anderen einzulassen vermag, wird immer ein gewisses Maß an Distanz & Unverbndlichkeit suchen - auch bei einer Persönlichkeit mit einem "normalen" Nähe-/Distanz-Bedürfnis. Und weiter gilt in solchen Fällen: Derjenige, der Distanz deshalb wahrt, weil er letztlich fühlt, dass der Partner nicht ganz der richtige ist, also ihm der Text von Ich & Ich ("So soll es sein, so soll es bleiben, ...") so gar nicht über die Lippen geht, wird auch Gespräche über diese Thematik vermeiden. Denn bei diesen Gesprächen müsste er ja, sofern er nicht um den heißen Brei herumredet, zugeben, dass er den Partner nicht so mag, wie es eine Beziehung an sich voraussetzt.

Resümee: Sowohl inkompatible Persönlichkeiten als auch ein Partner, der sich auf den anderen nicht wirklich einlässt, sind für eine erfüllte Beziehung Gift. Letzteres kommt häufiger vor, als man denkt: Ich habe schon öfters gehört und gelesen, dass ein Partner immer sooo viel zu tun hat, dass Urlaub nicht oder nur kurz machbar sei, dass für's Ausgehen am Abend keine Zeit sei und er/sie viel zu müde wäre---- und dann mit der Neuen (oder dem Neuen) ist auf einmal Zeit da und die Müdigkeit komplett verflogen.
 
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  • #5
Ich finde es ganz wichtig, zu differenzieren zwischen:

a) unterschiedliche Bedürfnisse nach Autonomie und Bindung
b) fehlendes Interesse an der Person
c) fehlende kommunikative Fertigkeiten
d) fehlende Zeit wegen anderer, echter Prioritäten

Das kann alles unabhängig voneinander auftreten, oder auch in mehreren Punkten zutreffen.
Ein fairer Umgang miteinander erfordert immer, dass man sich genug Zeit nimmt, herauszufinden, was es wirklich ist. Dazu zählt aufrichtige Kommunikation.
Nach dem Gespräch sieht man zumindest klarer, ob es einen gemeinsamen Weg gibt oder nicht.
 
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  • #6
Ich denke, dass du diese Beziehung noch Jahre so weiterführen könntest, ohne dass sich etwas ändern würde. Wahrscheinlich hast du dich - aus Angst vor der Konsequenz - bisher davon zurückgehalten, von deinem Freund eine konkrete Antwort erhalten zu wollen. Denn sonst hätte er dir vielleicht schon knallhart gesagt, dass du ihn damit in Ruhe lassen sollst. Wieso bist du es dir nicht wert, einen Partner zu haben, der auf deine Bedürfnisse eingeht, dich liebt und dir das auch zeigt, anstatt deine Zukunft von der emotionalen Bindung zu einem Mann blockieren lassen, der sich in Wirklichkeit nicht festlegen will - zumindest nicht bei dir ...
 
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  • #7
Hi FS,
diese Problematik hatte ich auch in meiner letzten Partnerschaft, die ich nach ca. 5 Monaten beendet habe. Es hat keinen Sinn zu grübeln oder sich tiefgreifende Gedanken zu machen, wenn der andere einfach keine Bereitschaft signalisiert. Viele Menschen sind auch einfach nicht beziehungsfähig und suchen, suchen, suchen, weil sie denken, es könnte für sie in dem richtigen, einen Menschen die Erlösung gefunden werden. Manche Menschen sind einfach auch nicht beziehungsfähig und es lohnt nicht, seine Zeit und seine Liebe zu investieren.

Du findest den Menschen, der Dich auch verdient, wenn Du es schaffst Dich von dem zu lösen, was Dich nicht glücklich macht.

Viel, viel Glück.

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  • #8
Hier die FS,
danke schon mal für Eure hilfreichen Beiträge.

#5/6 Ihr habt den entscheidenden Punkt getroffen.
Wie lange soll ich solch eine einseitige Beziehung noch aufrecht erhalten?
Da bin ich mir doch mehr wert!
#4 Mein Freund hat, so habe ich das Gefühl, grundsätzlich das Interesse an mir bzw. meinen Bedürfnissen verloren.
Das spüre ich!
Den Grund dafür kenne ich leider nicht. Den wird er mir, so wie ich ihn einschätze, auch nicht nennen.
Irgendwie treffen alle Deine aufgeführten Punkte zu.
Traurig, aber wahr!
 
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  • #9
Hallo,
Ich bin durch Zufall auf dieses Forum gestoßen. Ich führe seit über 4 Jahren eine Fernbeziehung. Mit mehreren problematiken. weite Entfernung, Altersunterschied von 11 Jahren, wobei keiner mal eben den Wohnort wechseln kann. Mein partner geht in 5 Jahren in Rente und ich dacht dann zieht er zu mir. Aber jetzt sagt er nein. Er kämevdann öfter, aber nicht ganz. Er fühlt sich nur seiner stadt zu Hause. Und nun sieht es für mich so aus, dass wir nur eine freizeitbeziehung führen und führen werden. Und zum Thema Nähe und Distanz sehe ich jetzt auch so langsam das wir wohl sehr unterschiedlich denken und langsam glaube ich auch es hat keine Zukunft wenn ein paar unterschiedliche Bedürfnisse in den Bereich hat. Und das zu erkennen tut weh
 
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