G

Gast

  • #1

Unverschämt gutes Bauchgefühl trotz Meinungsverschiedenheiten

Mir widerfährt gerade etwas Seltsames: Seit mehreren Monaten fasziniert mich ein Mann, mit dem sich bei sporadischen Gelegenheiten ungewöhnlich intensive und lange Gespräche entwickeln.
Er ist in einer festen Beziehung, was für mich ein Grund ist, mein Interesse an ihm als Partner auf Null zurückzuschrauben und einfach den Kontakt, die Nähe und die interessanten Inputs zu genießen. Ja, ich kann das - darüber müssen wir hier nicht diskutieren:)

Was mich besonders bewegt: Wir sind oft unterschiedlicher Meinung und schonen einander in keinster Weise. Wir nehmen uns das aber bisher nicht übel, kritisiert zu werden, sondern es entsteht dadurch immer mehr Vertrautheit.
Das habe ich bisher noch nie so erlebt. Der erste Freund gab kaum Anlass zur Kritik, der zweite wollte immer Recht behalten ohne eine andere Meinung gelten zu lassen, der dritte kritsierte zu derb und wertend ohne die Möglichkeit zur Veränderung einzuräumen.

Nun also diese neue Erfahrung. Wir haben uns schon sehr vor den Kopf gestoßen und dennoch immer den Willen, es zum Guten zu wenden. Das gelingt durch gleichzeitige Anerkennung von kleinen Fehlern, der Bereitschaft zu vergessen und der Fähigkeit, es nachweislich besser zu machen.
Ich wundere mich, wie groß das Herz eines Menschen sein kann, dass trotz allem Chaos, dass auch in dieser Bekanntschaft steckt, mein Bauchgefühl kontinuierlich Freudensprünge macht... Da es erfahrungsgemäß mein bester Berater ist, vertraue ich dem auch bedingungslos.

Wie viel Bereitschaft zu verzeihen oder zu verstehen habt Ihr schon erlebt, egal ob als Paar oder unter Freunden? Was habt Ihr verziehen? Seid Ihr schon der Meinung gewesen, dass ein Partner/Freund Euch zu hart oder vorschnell verurteilt hat? Wer hat trotz Meinungsverschiedenheiten eine harmonische Beziehung weitergeführt?

w ü30
 
G

Gast

  • #2
Was du beschreibst, kenne ich auch. Also beides, das unversöhnliche und das versöhnliche Streiten. Letzteres ist möglich, wenn es entweder um nichts geht (er hat eine Beziehung), oder beide ergebnisoffen sind, was die Beziehung angeht.
Verzeihen fällt mir sehr leicht, wenn man darum bittet. Nur wer nicht will, dem verzeihe ich nicht.

w 45
 
G

Gast

  • #3
Mir widerfährt gerade etwas Seltsames: Seit mehreren Monaten fasziniert mich ein Mann, mit dem sich bei sporadischen Gelegenheiten ungewöhnlich intensive und lange Gespräche entwickeln.
Er ist in einer festen Beziehung, was für mich ein Grund ist, mein Interesse an ihm als Partner auf Null zurückzuschrauben und einfach den Kontakt, die Nähe und die interessanten Inputs zu genießen. Ja, ich kann das - darüber müssen wir hier nicht diskutieren:)
w ü30
DU kannst das? ..., gut - dann frage ich mich WAS DICH bewegt überhaupt eine Frage dann HIER zu stellen? FINGER weg junge Frau, ER ist vergeben fertig....es erübrigt sich JEDE FRAGE bei einem VERGEBENEM oder??
W/53
 
  • #4
Das habe ich bisher noch nie so erlebt. Der erste Freund gab kaum Anlass zur Kritik, der zweite wollte immer Recht behalten ohne eine andere Meinung gelten zu lassen, der dritte kritsierte zu derb und wertend ohne die Möglichkeit zur Veränderung einzuräumen.
Nun, dies liegt möglicherweise daran, dass es in der Kommunikation mit den Ex-Partnern implizit auch um Macht ging. Es ist nicht allen Menschen und auch nicht zu jedem Zeitpunkt im Leben möglich stets den intellektuellen Diskurs in den Vordergrund zu stellen. In Beziehungen schwingen häufig noch andere Aspekte mit, die man leichter ausklammern kann, wenn das Verhältnis ein eher "neutraleres" ist.

Was Deinen übrigen Text betrifft, würde ich mir an Deiner Stelle schon Sorgen machen. Du bläst ein ziemlich großes imaginäres Bubble auf: Es "geschieht" dir "Faszinierendes", Du willst "bedingungslos" Deinem "Bauchgefühl" vertrauen. Davor kann ich nur warnen:
Es geschieht Dir nichts, sondern Du bist auch handelnde Akteurin in dieser Begegung, deshalb vertraue keinesfalls bedingunglos Deinem Bauchgefühl! Möglicherweise bist Du auf dem besten Weg Dich unglücklich zu verlieben! Sei vorsichtig mit Idealisierungen dieses Mannes. Ihr begegnet Euch, vornehmlich in intensiven Gesprächen, gerade hier baut man sich sehr oft imaginäre Luftschlösser zusammen auf, die der Wirklichkeit selten standhalten. Wenn er Dir ein guter Freund und Berater sein soll, dann miß ihn auch an seinen Taten.

Was Deine eigentlichen Fragen nach den Meinungsverschiedenheiten betrifft: zwischen meinem Mann und mir liegen weltanschaulich bisweilen Welten. Aber darüber, dass wir uns lieben und zusammenhalten wollen, herrscht grundsätzlicher Konsens, so dass wir immer wieder zusammenfinden :)
 
G

Gast

  • #5
Ich wundere mich, wie groß das Herz eines Menschen sein kann, dass trotz allem Chaos, dass auch in dieser Bekanntschaft steckt, mein Bauchgefühl kontinuierlich Freudensprünge macht... Da es erfahrungsgemäß mein bester Berater ist, vertraue ich dem auch bedingungslos.
w ü30
Liebe FS,

mit jedem Menschen, mit dem Frau/Mann eine besondere Beziehung, egal welcher Art, eingeht, gibt einem eine Aufgabe zu Lernen.

Wer weis, was du mithilfe dieses Mannes in dir stillst, in dir weiterentwickelst oder heilst?

Wie war eigentlich deine Beziehung zu deinem Vater in der Pubertät?

Solange du emotional nicht in diesen Mann verliebt bist, würde ich diese Art von Freundschaft weiter pflegen. Ich wäre nicht so rigeros, wie einige hier diese Bekanntschaft zu beenden.

Sich mit einem Mann trotz div. Meinungsverschiedenheiten gut zu streiten und sich trotzdem wertzuschätzen ist ein wirklich seltenes Phänomen. Mir würde es ähnlich wie dir gehen, dass ich diese Bekanntschaft schätzen würde. Aus Erfahrung weis ich aber auch, dass ein Zeitpunkt kommen wird, wo du diesen Mann nicht mehr interessant finden wirst. Warum? Weil dann die Aufgabe, die er bei dir hatte, gelöst hat.

Meine Devise ist, solange es mir mit einem Menschen, egal ob Frau oder Mann emotional gut geht und dieser Mensch mich positiv beflügelt, werde ich jeden Augenblick mit ihm/ihr nutzen. Es gibt nämlich zu viele toxische Menschen, in deren Gegenwart man sich einfach unwohl fühlt.

w 50
 
  • #6
Liebe FS

Nüchtern betrachtet sind es zwei völlig verschiedene Situationen, ob man sich mit einem Bekannten eifrige Diskurse liefert und dabei schaut, wie weit man gehen kann, oder ob es um die Kommunikation und Streitkultur in einer Beziehung geht.

Deine Bekanntschaft scheint es zu mögen, sich mit dir verbale Gefechte zu liefen. Das kann ja auch sehr reizvoll sein. Ob er dich als Partnerin wollte, bleibt fraglich. Zumal er eh in einer Beziehung ist.

Mehr Bedeutung würde ich dem Ganzen nicht beimessen.
 
G

Gast

  • #7
@FS:

Wieso vergleichst du einen gebundene Bekannten mit deinen ehemaligen Partnern?
Du willst mehr von ihm, stimmts?

Pass auf dich auf.

Genieß es, einen neuen wertvollen Menschen kennengelernt zu haben und lerne durch sein für dich neues Verhalten und diese neue Erfahrung. Auch ich habe das erlebt und bin innerlich weitergekommen.

Du darfst auch nicht vergessen, dass man Freunden und Bekannten mehr Toleranz entgegenbringt und mehr Streitgespräch zubilligt als man es bei einem Partner tun würde. Denn Meinungsverschiedenheiten die mit Bekannten interessant sind, können in einer Beziehung weh tun..... das sind zwei Paar Schuhe.
 
  • #8
Liebe Fs,

was bitte ist daran so aussergewöhnlich- so etwas nennt man Freundschaft. Gute Freunde dürfen nicht nur, sie müssen Klartext reden. Dinge die in einer Beziehung gerne als Machtspielchen missverstanden werden nimmt man von einem Freund bei dem kein romantisches Interesse besteht an. Ihm unterstellt man einfach keine unlauteren Motive. Würdest Du mit diesem Freund eine Beziehung eingehen würden Dich diese klaren Ansagen leicht mal verletzen.

Ich geb Dir ein Beispiel: Ich hab vor etlichen Jahren zu viel gegessen und mich zu wenig bewegt. Auf Deutsch- ich wurde Dick und war schon am Rande zum Fett werden. Die klare Ansage meines besten Freundes hat mich zur Besinnung gebracht- versuch mal Deinem Partner zu sagen dass Er zu Fett wird und dringend was tun muss! Was dann passiert kannst Du in diversen Treads hier nachlesen.

Aber, die Art der Fragestellung legt nahe dass Du auf dem besten Weg bist Dich zu verlieben. Ist Dir möglicherweise nicht bewusst aber das ganze kommt ziemlich Hormongeschwängert rüber.
Da solltest Du achtgeben.
 
G

Gast

  • #9
Die toleranz bei Meinungsverschiedenheiten ist umso größer, je weiter der Mensch von einem netfernt ist. Wenn der Bekannte doch fest vergeben ist, hat er doch überhaupt kein Interesse daran, irgendwelche Machtspielchen oder sonstige Bezeihungsthemen auszuleben. Er hat Freude wie du am Meinungsaustausch. Du aber siehst darin mehr, deine "Faszination" sagt es ja bereits. Also hat er was, was dich fasziniert. Nimm genau dies - und nicht mehr- aus dieser Begegnung mit....
 
G

Gast

  • #10
Das eine nenne ich Respekt. Das andere nenne ich Großzügigkeit. Die besten Voraussetzungen für eine Beziehung, wenn die Grenzen dabei nicht überschritten werden. Er ist in einer festen Beziehung, somit wäre die Grenze für mich persönlich überschritten. Finger weg, von liierten Männern, auch wenn du das nicht hören möchtest.
 
G

Gast

  • #11
Vielen Dank für Eure differenzierten Antworten - sie haben mich nochmal komplett geerdet... ;)

Natürlich springt mein Single-Hormonhaushalt auf so ein besonderes Exemplar Mann an! Keine Frage. Zum Glück verfüge ich noch über weitere Neurotransmitter-gesteuerte Verhaltensfunktionen, die ich sofort "angeschaltet" habe, nachdem ich von seiner Beziehung erfahren habe.
Es wäre ein zu großer Verlust, auf diese wundervollen Diskurse zu verzichten. Ich habe dabei großen Respekt vor seiner Beziehung, die für mich definitiv unantastbar ist, und bringe das auch zum Ausdruck.
Tatsache ist, dass unsere "Fehler" oder Überreaktionen aus früheren Verletzungen bzw. überdimensionalem Erfolgsdruck resultieren. Das erkennen wir jeweils und geben uns die Chance, damit anders umzugehen. Es arbeitet immer in uns bis zur nächsten Begegnung, und wir machen dann jeweils das, was den anderen "heilt".

Es ist ein echtes Geschenk, diesen Menschen getroffen zu haben - und ja, es bleibt möglicherweise eine zeitlich begrenzte Erfahrung.

Die FS