• #31
Nur einfach ein niedriges Selbstwertgefühl, das bewirkt, dass einer den anderen runtermacht, ist es ja nicht.
Ich weiss nicht, ob es der passive Narzissmus ist, aber das gemeine an diesem Verhalten ist ja nicht das offensichtliche Runtermachen, sondern die Aussagen, die einem vermitteln, "wenn man sich nur ein bisschen mehr anstrengen würde, dann wäre man gut genug".
So jedenfalls war es bei mir. Dieser Mann hat mich ja nicht offensichtlich schlecht gemacht, aber mir immer das Gefühl vermittelt, dass alles, was ich mache und wie ich bin, nicht gut genug ist.
Insbesondere Gefühle wie Scham und Unsicherheit wurden dort weiter entwickelt, also wenn ich zB wegen etwas unsicher war, legte er gerne nochmal den Finger in die Wunde. "ja, das war wirklich ungeschickt von mir", "ja, er hätte das ganz klar anders gemacht"., " ach, was habe ich mir nur dabei gedacht".
Er liebte es auch, mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Sowohl meine Familie als auch meine Freunde waren einfach nicht gut genug. Meine Hobbys zu belächeln. Mein Humor war peinlich und mein Verhalten in der Öffentlichkeit beschämend.
Zur Trennung (von mir eingeleitet) erhielt ich eine Liste mit Körperteilen, die er unattraktiv an mir fand. Sagen wir mal so, die positive Liste wäre wohl kürzer gewesen.
Klassische Symptome sind die passive Aggression, Gaslightening, Mindgames, future faking etc.
ohja, er ist fremdgegangen, es kam durch eine STD heraus und er verdrehte die Tatsachen so sehr, und meinte, dass ich Schuld sein muss. Und er könne mir ja vergeben!
Als ich die Beziehung beendete, war mein Selbstwert weg. Ich hatte panische Angst Menschen vor den Kopf zu stossen und nein zu sagen. Das brachte mich in unglaublich schlimme Situationen mit anderen Männern, und war wie eine "Downward Spirale" aus er ich mich erst mit extensiver Therapie befreite.

Warum ich so lange bei ihm blieb? Naja, da war ich einerseits jung und unerfahren, hatte endlich einen Freund und nach aussen hin waren wir ja ein tolles Paar. Ich dachte die ganze Zeit, ich jammer einfach auf hohem Niveau, weil er mich ja nicht beleidigte, oder schlug oder so etwas. Als wir uns trennten hatten alle Mitleid mit mir, dass es mit so einem tollen Mann vorbei ist. Nach aussen schien er so perfekt, wenn die wüssten, wie schlecht er über alle geredet hat.

Ich würde jetzt nicht soweit gehen und ihm eine klinische Störung zu diagnostizieren, aber ein empathiebefreiter, manipulativer Mensch war er. Sehr intelligent und im Job überaus erfolgreich. Ich habe seine Mutter kennengelernt und weiss daher auch, woher er das hat.
 
  • #32
"wenn man sich nur ein bisschen mehr anstrengen würde, dann wäre man gut genug"
Ah ja. Vielen Dank für Deine Schilderungen. Ich kenne sowas auch alles, aber nicht von Partnern, sondern von Hause aus. Wie schon vermutet, ist sowas Bestandteil von Erziehung, ich würde sagen, bei vielen.
Die Sache mit dem schlechten Gewissen lief bei mir so weit, dass ich mir um irgendwelche Leute einen Kopf machte, die ich angeblich gekränkt hätte, die das aber längst vergessen hatten, was ich gesagt hatte, und das ganz sicher OHNE gekränkt zu sein. Es muss total schön sein für solche Menschen zu sehen, dass sich jemand, der in ihrer Abhängigkeit ist, nicht wohl mit sich fühlt und grämt. Oder besser, sich genauso fühlt, wie sie IMMER. Denn ich glaube, diese Menschen können Menschen nicht ertragen, die sich frei und glücklich fühlen. Das wird ein richtiges Muster in der Seele, dass man dann auch immer nach was sucht, weswegen man sich nicht so fühlen sollte und hypersensibel auf die Launen anderer Leute achtet. Könnte ja daran liegen, dass man irgendwas gesagt hatte.

Das auch noch. Aber als Muster kommt es mir plausibel vor - es geht immer um das mickrige Selbstwertgefühl, das sie versuchen, irgendwo aufzupumpen. Mit den Mitteln wie oben geschrieben und mit der Akquise neuer "Kunden".

empathiebefreiter, manipulativer Mensch war er. Sehr intelligent und im Job überaus erfolgreich
Tja, irgendwie kommen diese Typen gut klar, weil sie immer drauf aus sind, den anderen zu ködern, statt sich einfach zu präsentieren und dann mit der Reaktion darauf zu leben.
Ich denke mal, die wissen gar nicht, was sie ändern sollten an sich. Sie finden immer wen, der auf sie reinfällt, und sie kommen gut durchs Leben. Wo ist da eine Krise, die Umdenken bewirken sollte? Dass sie nicht lieben können, wissen sie ja nicht und es fehlt ihnen auch nicht.
Das einzige, was ich mir vorstellen könnte, woran sie leiden, ist, dass es nie genug sein kann fürs Ego. Also sie werden sich auch schon mal klein fühlen. Und ich denke auch, sie könnten mal einem Narzissten zum Opfer fallen, der stärker ist als sie. So wie diese Mutter z.B..
 
  • #33
So ist es. Vielfach wird in dem Zusammenhang von Grenzen gesprochen und warum man die nicht geschützt hat und was mit einem selbst falsch sein könnte, dass man zum Opfer eines solchen Menschen wird.

Ich für mich kann sagen, das ich vor einigen Jahren nicht mal wusste, dass ich Grenzen haben darf. Das hat mir schlicht niemand beigebracht. Wenn ein Mensch komisch zu mir war, frech, anmaßend, launisch, fies - ich habe die Schuld stets bei mir gesucht. Sei es im Kindergarten. Schule, Ausbildung, Arbeitsplatz ... Ich wurde älter und älter, und irgendwann merkte ich, dass ich mich hinsichtlich Wehrhaftigkeit nie (!) weiterentwickelt hatte. Insofern bin ich auf dem Stand des kleinen Mädchens stehengeblieben, das Gemeinheiten schweigend hinnahm oder heimlich in Tränen ausbrach.

Selbst in den Jahren 2016/17 war ich noch nicht so weit. Jahrzehnte nach meiner Kindheit.
Da sind Dinge passiert, die mir nie wieder passieren werden. Aber ich bereue es, meine Grenzen, die ich heute gut kenne, nicht verteidigt zu haben.
Liebe Cassel, tut mir sehr leid für Dich.

Und genau das wäre für mich das Thema - nicht die Diagnostik und Analyse der Täter*innen, sondern wie werde ich nicht Opfer, wie erziehe ich meine Kinder, wie sollen Kinder geschult werden, um nicht Opfer zu werden. (und auch nicht Täter*innen)

Mitgeben von Liebe und Urvertrauen - ein geliebtes Kind entwickelt Selbstliebe, Selbstwert, Selbstbewusstsein.
Lernen, dass man Stopp sagen darf, Bedürfnisse haben, Grenzen setzen.
Das Entwickeln von Achtsamkeit sich selbst gegenüber und der Umwelt, und ein gesundes Bauchgefühl.

Zu Narzissten und anderen verhaltensauffälligen Mensch gibt es den Co-xx. Warum?

Wie wird man selbst nicht zum Opfer - DAS wäre DIE Frage.
Nicht die 100. Küchenpsychologische Analyse von Narzissten.

@Joggerin - psychischer Missbrauch, weil viel schwerer greifbar, kann deutlich tiefere Spuren hinterlassen als körperlicher. Man muss es erst mal begreifen. Ich habe über 25 Jahre gebraucht...

W,50
 
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