• #1

Verläuft das Finden der Liebe denn jemals ohne Hindernisse?

Zugegeben, das Kennenlernen zwischen mir und meiner Freundin gestaltete sich geradezu bilderbuchmässig und wenn ein Single zugesehen hätte, würde er wohl behaupten, dass manche Leute ein geradezu unerhörtes Glück haben.

Aber wenn man bei einem Marathonlauf einfach nur auf die Zielgerade achtet, wird es immer leicht aussehen. Aber ohne meine 7 Jahre als Single hätte ich nicht einmal gewusst, wieso ich gerade auf diese Frau zugehen muss oder wie ich das anstellen sollte.

Es heisst zwar immer, dass man so etwas einfach wüsste. Aber ich für meinen Teil musste es zuerst Schritt für Schritt herausfinden. Am Anfang fiel mir das unglaublich schwer, da erstaunlich viele Leute selbstbewusste Aussagen irgendwie mit Tatsachen verwechseln.

Mir scheint, dass es eher der Normalfall bildet, wenn man zuerst auf die Schwierigkeiten stösst und damit umzugehen lernt, ehe man auf das treffen kann, was man zu finden hofft. Ist es denn irgendeinem von Euch anders ergangen?
 
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  • #2
Das, was du als schwer empfindest, ist nicht die Partnersuche, sondern die Entwicklung deiner Persönlichkeit. Das A und O bei der Suche ist Authentizität und gesundes Selbstbewusstsein.
Das Problem ist, dass du auf die Welt schon mit einem gehörigen Paket kommst, weiter geprägt durch dein Elternhaus und Umgebung. Du musst in mühsamer Arbeit herausfinden, wer du bist und was du willst-dazu gehört eben auch herauszufinden, was du nicht bist und wo sind deine Wünsche und wo die deiner Eltern z. B. . Mühsam ist das alles, weil es Kampf mit sich selber ist.
Ich habe früher unzählige Stunden, Tage, Jahre damit verbracht es allen recht zu machen und zu grübeln, was mit mir nicht stimmt. Heute ist das mir weitestgehend egal. Ich stehe dazu, wer ich bin, aber auch weiss ich, wo ich zu weit gegangen bin. Und es ist mir heute auch egal, warum man mich schlecht behandelt - die Tatsache allein reicht mir völlig, um Kontakt herunterzufahren oder komplett abzubrechen. Wer sich Mühe gibt, der bekommt eine Chance, da schaue ich recht großzügig über irgendwelche Fettnäpfchen oder Unzulänglichkeiten drüber , aber wer sich durchmogeln will, der wird genauestens betrachtet und recht schnell "entsorgt".
 
  • #3
Mir scheint, dass es eher der Normalfall bildet, wenn man zuerst auf die Schwierigkeiten stösst und damit umzugehen lernt, ehe man auf das treffen kann, was man zu finden hofft. Ist es denn irgendeinem von Euch anders ergangen?
Vielleicht hängt es damit zusammen manchmal falsche Vorstellung von etwas zu haben. Manche Dinge stellt man sich einfach vor, andere wiederum schwer, mit manchen Dingen rechnet man nicht, sie passieren einfach.
Wenn man versucht offen zu sein, nicht so eingeschränkte Vorstellungen hat, trotzdem weiß was man sich wünscht und möchte ist es einfacher.
Ein paar Griffe daneben sind bei der Partnersuche wohl bei fast jedem dabei.
Ich hab noch nicht so viele Beziehungen gehabt, auch im online-Dating kenne ich mich nicht aus. Ehrlicherweise finde ich das auch schwierig, also online-Dating, es ist so wie in einem Katalog: du sieht ein Bild, schaust dir das Profil an und schreibst dann an und hoffst die Person ist die richtige, vllt stimmt die Chemie auch nicht, man muss es erst herausfinden, schreibt mit mehreren parallel. Es ist so oberflächlich, ich war bei einer Plattform kurz angemeldet und es war als würden sich zig „hungrige Wölfe“ auf dich stürzen nur weil du oberflächlich betrachtet hübsch aussiehst, viel zu meiner Person hatte ich nicht in meinem Profil geschrieben.
Gar keine Lust die Nadel im Heuhaufen zu finden, auf viele Dates zu gehen und immer wieder enttäuscht zu werden. Man schreibt mit den Menschen, wie sie wirklich drauf sind weiß man nicht.
Ich find es viel schöner jemanden im richtigen Leben kennen zu lernen, durch Zufall, man findet sich nett und lernt sich dann kennen. Im Moment ja nicht so einfach möglich, also ist das Online-Dating wohl die beste Möglichkeit jemanden kennenzulernen und man lernt vllt einen Menschen kennen den man im richtigen Leben niemals kennen gelernt hätte. Man kann vllt auch nicht darauf warten oder hoffen seinen Partner im richtigen Leben über den Weg zu laufen. Alles hat seine vor und Nachteile.
Bei meinem Mann und mir hatte sich eine Beziehung aus einer Freundschaft entwickelt, was ich schön fand.
Ich musste auch noch nie selber super aktiv werden, jemanden anschreiben oder ansprechen, alles hat sich immer so ergeben aus der Situation heraus entwickelt.

W 26
 
  • #4
Mir scheint, dass es eher der Normalfall bildet, wenn man zuerst auf die Schwierigkeiten stösst und damit umzugehen lernt, ehe man auf das treffen kann, was man zu finden hofft. Ist es denn irgendeinem von Euch anders ergangen?
Deine Frage:
Verläuft das Finden der Liebe denn jemals ohne Hindernisse?
Diese Frage lässt sich wie so viele andere Fragen, nicht ohne weiteres für jeden Menschen pauschal beantworten!
Meine Lebenserfahrungen mit den entsprechenden reflektierten Erkenntnissen sagen mir, wenn es passt, dann passt es, dann gibt es auch keine Hindernisse!
Echte und wahre Liebe kennt keine Hindernisse, echte und wahre Liebe geht immer den freien Lauf ohne Widerstand und ohne wenn und aber!
Ob es wirklich echte und wahre Liebe beidseitig war bzw. ist, muss man nicht unbedingt gleich am Anfang erkennen!
Viele Menschen haben geglaubt, sie hätten die echte und wahre Liebe gefunden, jedoch und im Nachhinein hat sich festgestellt, es war genau das Gegenteil, nämlich die Hölle, haben sich täuschen lassen, wurden dabei enttäuscht und verletzt! Wie viele Menschen geben sich das Ja-Wort bei der Eheschließung und wie lange hält im Durchschnitt eine solche Eheschließung mit diesem Ja-Wort?
Da ist doch alles gesagt und lese vier Wochen lang alle Beiträge hier!
 
  • #5
Ich seh das so, wie es @realwoman beschrieb in ihrem ersten Post. Man muss sich erst finden und zu sich stehen, bevor man die passenden Menschen erkennt und anziehen kann.

Aber ohne meine 7 Jahre als Single hätte ich nicht einmal gewusst, wieso ich gerade auf diese Frau zugehen muss oder wie ich das anstellen sollte.
Dann scheinen sich sowohl Dein "Beuteschema" als auch Deine Wesensart geändert zu haben. So empfinde ich das auch.

Ich würde sagen, es gibt Menschen, die schon von Hause aus gute Möglichkeiten haben, ihre Eigenart und ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Das Umfeld passt gut und sie lernen Liebe nicht als "verleugne dich" kennen oder als manipulatives Spiel, in dem sie, die ehrlich empfinden, dauernd ausgetrickst werden von Leuten (die Eltern), die um die Abhängigkeit wissen und das missbrauchen.
Aber das ist es nicht nur. Manche neigen eher zu Idealisierungen, andere weniger. Manche haben das Ziel "Familie gründen" und nehmen, was dazu funktioniert und passt, andere suchen die wahre Liebe und Verschmelzung, die natürlich viel schwerer zu finden ist, da hier viel Fantasie mit hineinspielt.
Das ist nicht gut oder schlecht, es heißt nur, dass der letztere Typus nicht davon ausgehen darf, dass die Beziehungen um ihn rum so sind, wie er sich das so traumhaft vorstellt, und nur er leer ausgeht. Er wird auch erkennen, dass es für ihn vielleicht schöner ist, Single zu sein, als in so einer Alltagsbeziehung, die gut funktioniert.


Mir scheint, dass es eher der Normalfall bildet, wenn man zuerst auf die Schwierigkeiten stösst und damit umzugehen lernt, ehe man auf das treffen kann, was man zu finden hofft. Ist es denn irgendeinem von Euch anders ergangen?
Nein, obwohl der letzte Schritt noch aussteht. Aber mein "Beuteschema" hat sich geändert, und das nicht aus einer Not heraus, sondern aus der Erkenntnis, was mich wirklich glücklich machen würde. Das ist nicht, dass der Mann 5 cm größer ist oder sowas. Na, und mein Wesen hat sich auch geändert.
es ist mir heute auch egal, warum man mich schlecht behandelt - die Tatsache allein reicht mir völlig, um Kontakt herunterzufahren oder komplett abzubrechen
Das zum Beispiel.
 
  • #6
Meine Entscheidungen in Bezug auf Partnerschaft waren immer intuitiv. Ich habe nie groß überlegen müssen. Ich denke genau deshalb habe ich diese Entscheidungen auch nie bereut. Ich denke es ist auch eine Typfrage. Manche benötigen mehr Zeit und andere sind ungeduldig und wollen die Ideen sofort umsetzen.
 
  • #7
Es heisst zwar immer, dass man so etwas einfach wüsste. Aber ich für meinen Teil musste es zuerst Schritt für Schritt herausfinden.

Das war bei mir genauso: eine allmählicher Lern- und Entwicklungsprozess.

Mir scheint, dass es eher der Normalfall bildet, wenn man zuerst auf die Schwierigkeiten stösst und damit umzugehen lernt, ehe man auf das treffen kann, was man zu finden hofft.

Was ist dem im Leben ohne Hindernisse. Wer die Liebe so idealisiert, oder eine derart unrealistische Vorstellung hat, kennt eben das Leben nicht und muss es erst noch kennenlernen.

Das was den außenstehenden als Leichtigkeit und Glück erscheint, kommt tatsächlich nur vor dem Hintergrund großen Aufwands zustande. Wer nicht den Eindruck beim Spiel eines Pianisten von Leichtigkeit ...
 
  • #8
Das, was du als schwer empfindest, ist nicht die Partnersuche, sondern die Entwicklung deiner Persönlichkeit. Das A und O bei der Suche ist Authentizität und gesundes Selbstbewusstsein.
Ja so sehe ich es auch.
Manche Menschen haben das Glück selbstbewusst und ohne große Macken aus ihrer Kindheit ins Erwachsenseins zu wechseln.
Solche Leute sind mir schon begegnet, ich bin aber keine davon.
Für sie ist im entsprechenden Umfeld (ebenso , ich sag Mal gesunde Jugendliche) das Entdecken der Liebe tatsächlich einfach, wunderschön und stärkend.
So wäre es für alle wünschenswert.
Leider kommen viele mit einigen Problemen als Erwachsener im Leben an und da ist Chaos vorprogrammiert.
Vor der Selbstfindung, kein Glück in der Liebe.
( Meistens)
 
  • #9
Unser Inspirationsmeister behauptet ja immer Frauen würden nur im außen suchen. Tatsächlich ist mir das aber auch oft bei Männern aufgefallen : sie war nett , sie war hübsch, sie hat mir einfach gefallen . Später hat sie sich verändert . Das sind so Standardaussagen, die ich immer wieder gehört habe . Eva Maria Zuhorst sagt hingegen wir suchen alle aus den falschen Motiven und sind dann enttäuscht . Es gäbe gar keinen idealen Partner. Da begänne erst die lohnende Arbeit in der Partnerschaft. Was aber wenn der andere an nichts arbeiten möchte . Ich habe immer noch keine Lösung . Was wenn mir ein netter Mann gar nicht auffällt weil mein Leben von Geburt an nur aus Katastrophen und Drama bestand ? Tausend Fragen, je älter ich werde . Vielleicht ist es auch Glück wenn man die richtige Person findet , die einen erkennt in der Tiefe seines Seins und bedingungslos akzeptiert mit all unseren Stärken , unseren Brüchen , unserer Verletzlichkeit . Letztendlich nackt vor dem anderen stehen zu können so unvollkommen wir sind und dennoch Liebe zu erfahren , das ist doch das nachdem sich die meisten Menschen sehnen.
 
  • #11
Was ist dem im Leben ohne Hindernisse. Wer die Liebe so idealisiert, oder eine derart unrealistische Vorstellung hat, kennt eben das Leben nicht und muss
Es geht hierbei nicht um verkopftes, zweckbedingtes Alltagsleben, das wird meist verwechselt mit echter, wahrer Liebe! Echte Liebe läßt sich nicht kaufen und nicht mit dem Verstand erklären! Entweder man liebt sie oder nicht! Punkt.
Das was den außenstehenden als Leichtigkeit und Glück erscheint, kommt tatsächlich nur vor dem Hintergrund großen Aufwands zustande. Wer nicht den Eindruck beim Spiel eines Pianisten von Leichtigkeit ...
Diese Antwort geht voll an der echten und wahren Liebe vorbei,hat damit nichts zu tun!
 
  • #12
Ja, das Finden der echten Liebe verläuft immer ohne Hindernisse.
Diese Hindernisse, von denen du redest, muss man erstmal selbst aus dem Weg räumen:
Man muss unabhängig sein, man muss wissen, wer man ist und die vernünftigen Leute ansprechen. Dafür kann man im Vorfeld einiges tun. Viele Menschen stehen sich einfach nur selbst im Weg herum und schieben es auf den falschen Partner. Z. B. versucht man es grundsätzlich nicht an vergebenen Leuten, wie die meisten.

Es gibt kein Glück. Man sucht sich schlichtweg offene Leute, wenn man eine Beziehung möchte, schraubt dafür etwas sein Ego und seine Leidenschaft zurück. Dafür braucht es Reife.

Schaue, dass du dir dein "Glück" bewahrst. Beziehungsarbeit ist tägliche Arbeit.

Es wird auch bei euch eines Tages zu Problemen und Unstimmigkeiten kommen. Die Frage ist aber, wie man damit umgeht und ob man die Reife und Standhaftigkeit besitzt, vernünftigt darauf einzugehen.
 
  • #13
Das A und O bei der Suche ist Authentizität und gesundes Selbstbewusstsein.
Verraten sich Menschen, die mehr als Freundschaft empfinden denn nicht gerade damit, dass sie sich unnatürlich verhalten und ihnen ihr Selbstbewusstsein ein wenig Probleme bereitet?

Ist es denn wirklich nötig, jeden Selbstzweifel auszuräumen, um einen anderen Menschen lieben können? Oder ist es nicht eher so, dass Niemand perfekt ist, aber zwei Menschen perfekt zusammenpassen können?

Hat Selbstbewusstsein denn wirklich so viel mit Liebe zu tun oder ist es viel eher nur so, dass wir fälschlicherweise annehmen, wir dürfen uns im Angesicht der Menschen, die uns lieben keine Blösse leisten?
 
  • #14
Ist es denn wirklich nötig, jeden Selbstzweifel auszuräumen, um einen anderen Menschen lieben können?

Selbstzweifel machen Probleme dabei, sich geliebt zu fühlen. Oder dabei, jemanden zu umwerben. Irgendwann muss man sie ja überwinden, sonst glaubt man dem anderen nicht, dass er einen toll findet. Oder man tut nichts vor lauter Verzagtheit. Oder man bleibt in schlechten Beziehungen, weil man denkt, man findet sowieso niemanden mehr.

Aber @realwoman sprach auch von Selbstbewusstsein. Sich seiner selbst bewusst sein, was man ist, was man will, was man nicht will. Selbstwertgefühl - man lässt sich nicht alles gefallen, nur damit der geliebte Mensch bleibt. Das sind alles Dinge, die wichtig sind, wenn man eine Beziehung führen will.

Oder ist es nicht eher so, dass Niemand perfekt ist, aber zwei Menschen perfekt zusammenpassen können?
Naja ... Manchmal passen Neurosen auch perfekt zusammen. Oder Minderwertigkeitsgefühle und Überhöhungsneigung. Das ist dann eine Lernaufgabe für beide, an der Beziehung zu reifen, und danach muss man gucken, ob noch was übrig bleibt in der Basis, das der Beziehung einen Wert gibt, um sie dann auch zu erhalten.

Nein, ich denke nicht, dass es zwei Menschen gibt, die perfekt zusammenpassen. Aber es kann so viel da sein zwischen ihnen, dass sie das, was nicht passt, meistern. Entweder durch Kompromisse oder durch Freiheiten geben in diesem Punkt.

Und ich würde auch sagen, man hüte sich ein bisschen vor "perfekt passenden Partnern". Oft sieht das so aus, weil der andere sich sehr zurücknimmt, weil er gemocht und gewollt werden will. Er stellt seine Bedürfnisse hinten an, verbiegt sich für Liebe des anderen, lässt den aber dadurch auch nicht nah an sich ran. Das Verbiegen für Liebe haben viele gelernt in der Kindheit.
Manchmal denke ich, dass Frauen eher dazu neigen, erstmal alles zu akzeptieren und gut zu finden, bis sie denken, der Mann sei nun sicher. Dann kommen die Umerziehungsversuche.
 
  • #15
Hat Selbstbewusstsein denn wirklich so viel mit Liebe zu tun
Ja. Wenn Du Dir Deiner selbst bewusst bist, dann weißt Du auch um Deine Schwächen. Du kannst Dich annehmen und erwartest von Dir nicht mehr Perfektheit. Und erst dann, wenn Du Dich selbst so annehmen kannst, kannst Du auch einer Partnerin verzeihen, dass sie selbst auch nicht perfekt ist, manchmal doof ist, Dich aufregt usw.. Wer sich selbst nicht liebt, und damit ist nicht sich supercool finden oder denken, man sei der Tollste, Schönste, ..., wer sich selbst nicht liebt, kann auch einen anderen nicht lieben, sondern hat da auch nur Schablonen und Abziehbilder, denen der andere möglichst angepasst sein soll.
Mit Selbstbewusstsein (nicht Arroganz oder dergleichen) überhöht man sich nicht, aber stellt sich auch nicht irgendwo tiefer.
Mit sich selbst lieben ist auch der Selbstschutz aktiviert, das Selbstwertgefühl. Man lässt sich nicht im Namen der Beziehung alles gefallen, weil man um Liebe kämpft oder so was.


ist es viel eher nur so, dass wir fälschlicherweise annehmen, wir dürfen uns im Angesicht der Menschen, die uns lieben keine Blösse leisten?
Du verstehst den Begriff falsch, glaube ich. Selbstbewusstsein heißt doch nicht Überheblichkeit, Arroganz oder Überlegenheitsgefühle, sich auf einen Sockel stellen. Man ist damit auch nicht automatisch immer total selbstsicher.

Es ist das, was ich oben schrieb: Sich seiner selbst bewusst sein, erkennt und verzeiht sich auch die eigenen Macken, die man nicht ändern kann, und hält sich nicht für den Größten, der keine Schwäche zeigen darf, damit sein Bild, von dem er selbst denkt, es sei makellos, nicht angekratzt wird.

So würde ich das jedenfalls umschreiben. Vielleicht hat @realwoman noch andere Gedanken für Dich zu dem Thema.
 
  • #16
Hat Selbstbewusstsein denn wirklich so viel mit Liebe zu tun oder ist es viel eher nur so, dass wir fälschlicherweise annehmen, wir dürfen uns im Angesicht der Menschen, die uns lieben keine Blösse leisten?
Im Laufe der Zeit kommen Unzulänglichkeiten und Defizite einfach an die Oberfläche, da kann man nichts vertuschen langfristig, zumindest wenn man nicht gerade narzisstische Züge hat - gemeint ist hier eher dass man nicht gut Grenzen setzen kann und der Partner diese dann überreizt, wenn man seinen eigenen Wert erkennt, kann er auch im Außen erkannt und geschätzt werden, vorher eben kommt man oder frau unter die Räder. Aber es gibt natürlich Ausnahmen, gutes Karma oder gute Qualitäten die für den Partner nützlich sind, entweder fürs Ego, finanziell oder sonst was...ach, bin ich verbittert ...J
 
  • #17
Verraten sich Menschen, die mehr als Freundschaft empfinden denn nicht gerade damit, dass sie sich unnatürlich verhalten und ihnen ihr Selbstbewusstsein ein wenig Probleme bereitet
Unnatürliches Verhalten und Selbstbewusstsein schließen sich aus, weil, wie Void ausführlich erklärt hat (Danke wieder mal😉), Selbstbewusstsein ist eben sich selbst bewusst zu sein - man verhält sich authentisch und natürlich, weil man weiss, wer man ist und wer nicht.
Ist es denn wirklich nötig, jeden Selbstzweifel auszuräumen, um einen anderen Menschen lieben können? Oder ist es nicht eher so, dass Niemand perfekt ist, aber zwei Menschen perfekt zusammenpassen können?
Jeden Zweifel auszuräumen reicht nicht mal ein Leben, muss man auch nicht - gerade unsere Schwächen zeigen uns menschlich und manch einer wird gerade deswegen oder auch deswegen dafür geliebt, das ist sein Markenzeichen quasi.
Hat Selbstbewusstsein denn wirklich so viel mit Liebe zu tun oder ist es viel eher nur so, dass wir fälschlicherweise annehmen, wir dürfen uns im Angesicht der Menschen, die uns lieben keine Blösse leisten?
Liebe hat in erster Linie mit Selbstliebe zu tun und wenn ich selbstbewusst bin, dann stehe ich zu dem, was ich bin und was mich ausmacht, ich fühle mich nicht bloßgestellt, weil ich schäme mich nicht dafür, wer ich bin. Natürlich wenn wir jemanden lieben, machen wir uns verletzlich, wir öffnen unser Innerstes und lassen jemanden rein, der uns eventuell weh tun könnte. Aber Selbstbewusstsein gibt uns auch das Gefühl, gut für sich sorgen zu können , auch wenn uns jemand verletzt, ausserdem das Gefühl der Wertigkeit - wir sind gut genug, auch wenn uns niemand liebt oder nicht mehr liebt, schließlich ist der andere Mensch nicht verpflichtet, bei uns zu bleiben, sogar dann, wenn er uns liebt - jemanden zu lieben und mit ihm eine Beziehung zu führen ist nicht immer einunddasselbe.
 
  • #18
wenn wir jemanden lieben, machen wir uns verletzlich, wir öffnen unser Innerstes und lassen jemanden rein, der uns eventuell weh tun könnte.
Ich würde es eher so ausdrücken, dass ein geliebter Mensch einem lehren kann, dass es von Anfang an ein Fehler war, unser Innerstes vor der Welt verbergen zu wollen.

Denn verletzlich sind wir immer und überall und der Versuch, es nicht sein zu wollen, ist der Punkt, wo wir uns selber die tiefste Wunde schlagen.
 
  • #19
Ich würde es eher so ausdrücken, dass ein geliebter Mensch einem lehren kann, dass es von Anfang an ein Fehler war, unser Innerstes vor der Welt verbergen zu wollen.
Ja, aber nur dann, wenn der Partner immer wieder an der Mauer abprallt, die man selbst hochgezogen hat, und irgendwann geht, weil ihm zu wenig Emotionalität in der Beziehung ist und von einem selbst immer eine überlegene oder eine schützende Fassade aufrecht erhalten werden mus.

Was @realwoman beschrieb, ist ja eher, dass der Partner nicht gut damit umgeht, dass man sich geöffnet hat. Dass er Dinge, die er nun weiß, benutzt, um die Macht oder die Oberhand irgendwo zu gewinnen, indem er einen an der empfindlichsten Stelle trifft, die er leider nun kennt.

Denn verletzlich sind wir immer und überall und der Versuch, es nicht sein zu wollen, ist der Punkt, wo wir uns selber die tiefste Wunde schlagen.
Ich würde sagen: Wenn man sich nicht öffnet, kann man schlecht lieben und einen unperfekten Menschen an sich ranlassen, der meint, einen zu lieben oder es wirklich tut. Dieses ängstliche Vermeiden tut am Ende am meisten weh, weil es Einsamkeit bedeutet. So lautet zumindest die positive Variante. Es gibt auch Menschen, die lieber einsam sind als zu riskieren, sich von einem Partner verletzen zu lassen, vielleicht sind sie viel sensibler als viele anderen Menschen und wissen das auch, oder sie sind empfindlicher aufgrund früherer Verletzungen, die sie noch nicht aufgelöst haben für sich selbst.
Ich denke auch, dass das kein erstrebenswerter Zustand ist und man lieber lernen sollte zu differenzieren. Wollte man mich mit Absicht verletzen, habe ich wirklich Grund, verletzt zu sein, ist der andere hier nur unsensibel oder unwissend und hat mich deswegen verletzt.

Aber diese Weisheiten sind Ideale. Wenn eine Beziehung gelebt wird, kommt die Nagelprobe, ob man es wirklich umsetzen kann, was man als Ideal weiß.
 
  • #20
Seltsamerweise versucht mir hier fast jeder weiss zu machen, dass das Finden einer geliebten Person vor allem eine innere Aufgabe sei. Es mag sein, dass dies auch dazugehört, aber viel interessanter als die Frage, wer man sei, ist doch die Frage, wer denn die anderen sind.

Mir war von Anfang an klar, dass irgendwo da draussen jemand ist, der sich über mich freuen würde. Doch wenn ich nur zu Hause herumhocke und über mein Leben brüte, werde ich es wohl kaum herausfinden. Ich musste aus mir selber herauskommen, auf andere Menschen zugehen und Erfahrungen mit ihnen machen, damit ich überhaupt wissen konnte, mit welchen Leuten ich mich umgeben will.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dies durch reines Selbststudium herausfinden könnte. Auch wüsste ich nicht, wieso ich eine bestimmte Reife erlangen müsste, wo es doch ebenso unreife Leute wie mich geben muss, die noch so froh wären, sie könnten Erfahrungen machen.

Vielleicht gäbe es direktere Wege, um an sein Gegenstück zu kommen, aber mit jedem Umweg habe ich doch auch einen anderen Menschen ein Stück weiter auf dem seinem Weg vorangebracht, oder?

Mag sein, dass es als Ideal gilt, seine erste Jugendliebe zum Lebenslangen Partner zu machen. Dafür gibt es aber nur eine einzige Chance. Alle anderen werden wohl wesentlich aufwändigere und abenteuerlichere Wege gehen müssen, die aber letztendlich auch an ein wünschenswertes Ziel führen.
 
  • #21
Mir war von Anfang an klar, dass irgendwo da draussen jemand ist, der sich über mich freuen würde. Doch wenn ich nur zu Hause herumhocke und über mein Leben brüte, werde ich es wohl kaum herausfinden. Ich musste aus mir selber herauskommen, auf andere Menschen zugehen und Erfahrungen mit ihnen machen, damit ich überhaupt wissen konnte, mit welchen Leuten ich mich umgeben will.

Richtig. Aber wie Du das tust hängt von Deinem Inneren, Deiner Selbsterkenntnis ab. Wenn Du nicht in Übereinstimmung mit Dir selbst agierst, wird das nichts oder es wird bizarr.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dies durch reines Selbststudium herausfinden könnte.

Das wollten wir auch nicht behauptet haben.

Auch wüsste ich nicht, wieso ich eine bestimmte Reife erlangen müsste, wo es doch ebenso unreife Leute wie mich geben muss, die noch so froh wären, sie könnten Erfahrungen machen.

Es wird eben spukig ohne Reife. Aber gut, das ist dann ein Entwicklungsprozess. KLar ist es besser, Du stürzt Dich in Getümmel. Die Reife ergibt sich dann durch die Erfahrungen. Irgendwann wirst Du auch verstehen, wie das, was wir gesagt haben, gemeint war.

Vielleicht gäbe es direktere Wege, um an sein Gegenstück zu kommen, aber mit jedem Umweg habe ich doch auch einen anderen Menschen ein Stück weiter auf dem seinem Weg vorangebracht, oder?

richtig

Mag sein, dass es als Ideal gilt, seine erste Jugendliebe zum Lebenslangen Partner zu machen. Dafür gibt es aber nur eine einzige Chance. Alle anderen werden wohl wesentlich aufwändigere und abenteuerlichere Wege gehen müssen, die aber letztendlich auch an ein wünschenswertes Ziel führen.

Abermals Zustimmung. Das Ideal der Jugendliebe für's Leben ist das Ideal lebensängstlicher Menschen. Das wird nichts.

Das Leben ist ein Abenteuer. Nur zu!
 
  • #22
Seltsamerweise versucht mir hier fast jeder weiss zu machen, dass das Finden einer geliebten Person vor allem eine innere Aufgabe sei. Es mag sein, dass dies auch dazugehört, aber viel interessanter als die Frage, wer man sei, ist doch die Frage, wer denn die anderen sind.
Was ist daran seltsam ? Wie möchtest du einen Menschen finden, der zu dir passt, wenn du nicht einmal weißt, was dich ausmacht ? Das funktioniert natürlich nicht im Alleingang und auch nicht indem man hypothetische Gedankenspiele vollzieht. Sondern indem man entsprechende Erfahrungen sammelt, aus denen man im Idealfall dann auch die richtigen Rückschlüsse zieht. Wahrheitsfindung ist nun einmal
das Produkt von Versuch und Irrtum. 🤷🏻‍♀️



Mir war von Anfang an klar, dass irgendwo da draussen jemand ist, der sich über mich freuen würde. Doch wenn ich nur zu Hause herumhocke und über mein Leben brüte, werde ich es wohl kaum herausfinden.
Das stimmt.... Selbst für den Therapieerfolg ist die Beziehung zwischen Klienten und Therapeuten zu 70% am Erfolg beteiligt und nur 30% die Methodik.
Vielleicht gäbe es direktere Wege, um an sein Gegenstück zu kommen, aber mit jedem Umweg habe ich doch auch einen anderen Menschen ein Stück weiter auf dem seinem Weg vorangebracht, oder?
Ich bezweifle stark, dass ein direkter Weg existiert - genauso wenig wie ein Selbst.

Du bist mit 20 Jahren ein anderer Mensch, als du es mit 40 bist/ sein wirst. Die Frau, die dich dann begeistert, hätte dich in deinen 20ern vielleicht kalt gelassen. Demnach kann es gar nicht „die Richtige“ geben, weil das, was man als richtig empfindet, von so vielen Faktoren abhängt, die selbst wiederum nicht starr sind.

ebenso verhält es sich mit dem Selbst, das kein starres Gebilde ist, das es lediglich zu finden gilt. Sich selbst kennenzulernen ist ein lebenslanger Prozess, der nie endet.
Mag sein, dass es als Ideal gilt, seine erste Jugendliebe zum Lebenslangen Partner zu machen.
Da würde ich mal schauen, was hinter diesem Ideal wirklich steckt. Denn das sind in erster Linie Menschen, die keine Veränderungen wollen und eine Konstante in ihrem Leben brauchen, die ihnen Sicherheit vermittelt. Je unstetiger die Zeiten, je größer wird das Bedürfnis nach stabilen und langfristigen Beziehungen.
 
  • #23
Sehr interessantes Thema und ich weiß gar nicht, was ich noch groß dazu beitragen kann, da schon viel Wertvolles hier genannt wurde.

Seltsamerweise versucht mir hier fast jeder weiss zu machen, dass das Finden einer geliebten Person vor allem eine innere Aufgabe sei. Es mag sein, dass dies auch dazugehört, aber viel interessanter als die Frage, wer man sei, ist doch die Frage, wer denn die anderen sind.

Bist Du in Deiner Persönlichkeitsentwicklung vorangekommen und selbstbewusst (zumindest selbstbewusster und zufriedener mit Dir als zuvor) und dann strahlst Du diese Sicherheit nach außen hin aus. Das spüren die Anderen intuitiv. Du wirkst einfach safe, so würde ich es beschreiben. Du versteckst Dich nicht, zeigst Dich und Deine Schwächen. Und ziehst damit Menschen in Deine Nähe, die sich bei Dir einfach gut fühlen. Das macht das Finden einer geliebten Person dann einfacher.

Ich habe vor einem halben Jahr eine Frau in meinem Sportverein kennengelernt. Der Kontakt war von Anfang an positiv, die ist offen, selbstbewusst, klar - einfach safe.
Wir haben uns von Anfang an gut verstanden, die strahlt das einfach aus - dummerweise ist die natürlich verheiratet.

Der Kontakt ist positiv und das kommt m.M.n. durch ein selbstbewusstes Auftreten. Entweder hat man dies schon seit Kindesbeinen an oder man muss es (so wie ich und viele andere) in seinem Leben lernen und an sich arbeiten.


Ja, das Finden der echten Liebe verläuft immer ohne Hindernisse.
Diese Hindernisse, von denen du redest, muss man erstmal selbst aus dem Weg räumen:

Was ist echte Liebe?
Ohne Hindernisse?
Ne, das glaube ich nicht.
Glaubt man nicht bei (fast) jedem Partner: Der ist es!
Und erkennt man dann erst spät, dass man sich getäuscht hat??

Es gibt kein Glück. Man sucht sich schlichtweg offene Leute, wenn man eine Beziehung möchte, schraubt dafür etwas sein Ego und seine Leidenschaft zurück. Dafür braucht es Reife.

Ich denke, es gehört eine dicke Portion "Glück" dazu. Zum richtigen Zeitpunkt der "richtigen Partner" zu treffen. Jemand, der interessiert und verfügbar ist. Vieles im Leben ist Zufall. Gehe ich nur fünf Minuten später in eine Geschäft begegnen mir andere Menschen.
 
  • #24
Doch wenn ich nur zu Hause herumhocke und über mein Leben brüte, werde ich es wohl kaum herausfinden.
Das ist doch klar und so ist es ja auch nicht gemeint, also von mir jedenfalls nicht. Jedes hat seine Zeit. Man macht eine Erfahrung, es geht schief, man geht in sich und fragt sich, warum das alles so kam und welchen Anteil man selbst hat. Und natürlich, warum man gerade diesen Partner angezogen oder zumindest ohne Bremse in sein Leben gelassen hat (und das "warum" ist hier nicht als verzweifeltes "wie konnte ich so blöd sein" gemeint, sondern als wirkliche Frage zum Reflektieren).

Ich musste aus mir selber herauskommen, auf andere Menschen zugehen und Erfahrungen mit ihnen machen, damit ich überhaupt wissen konnte, mit welchen Leuten ich mich umgeben will.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dies durch reines Selbststudium herausfinden könnte.
Das ist ja auch nicht so. Ich seh das auch so, dass die Begegnung notwendig ist zum Lernen auch über sich selbst.
Aber Du klingst in Deinem Eingangspost so, als dächtest Du, jetzt sei alles klar und ab jetzt wäre es einfach nur noch Wonne. Ich wünsche es Dir und vielleicht gibt es das. Aber meist gibt es eben doch Probleme, und je reifer man ist, je besser man weiß, wer man ist, umso besser wird aber der Partner passen und umso leichter wird es sein, eine unpassende Beziehung wieder zu beenden, statt sich oder den anderen verbiegen zu wollen.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #25
Auch wüsste ich nicht, wieso ich eine bestimmte Reife erlangen müsste, wo es doch ebenso unreife Leute wie mich geben muss, die noch so froh wären, sie könnten Erfahrungen machen.
Ja, aber es hängt auch vom Menschen ab, denn Erfahrungen bedeuten ja meist Leid und viele wollen kein Leid, sondern ewig währendes Glück und denken, das sei machbar.

Unreife Menschen führen unreife Beziehungen, und wie schon hier wo mal angedeutet, kann es sein, dass die Beziehung am Ende nicht mehr passt, weil alle machbaren Erfahrungen zur Reife gemacht wurden und weiter keine Basis vorhanden ist.

Die Frage ist, was man sich von Beziehungen erhofft. Wenn einer schnell loslassen kann, seine Lehre draus gezogen hat und nicht lange leiden muss, dann ist es vielleicht ein guter Weg für ihn, sich einfach immer wieder einzulassen.
Andere leiden länger und haben gesehen, dass sie auch bestimmte Reifeschritte allein machen können.
Wenn man hier z.B. länger mitliest, kann man doch aus den Erfahrungen anderer seine Ableitungen für sich selbst machen und muss nicht mehr JEDE Erfahrung mitnehmen mit irgendwelchen Hoffnungen, die sich nicht erfüllen können, weil es nunmal doch auch Grundmuster gibt, die überall im Groben gleich laufen oder zumindest es sehr wahrscheinlich ist, dass es auch so laufen wird. Das heißt nicht, dass man diese Erfahrung nicht vielleicht auch machen kann oder will, aber zumindest hat man vorher schon mal drüber nachgedacht, was passieren KÖNNTE, und stolpert nicht mehr blind in typische Probleme hinein.
Vielleicht sind manche Menschen verletzlicher und glauben noch dran, dass sie was finden, das bis ans Lebensende hält, können vielleicht auch schlecht was loslassen. Die haben mehr Probleme damit, Beziehungen als "Lernaufgabe für innere Reife" zu begreifen. Oder sie sehen das gar nicht so und zoffen sich mit 80 noch über Dinge, über die sie sich schon am Anfang der Beziehung zofften, weil bei ihnen verankert ist, dass die Beziehung erhalten bleiben MUSS.

Beziehungen, also das ERHALTEN von Beziehungen als inneren Trieb, können auch bewirken, dass man NICHT reift. Weil Reifeschritte und das Erkennen des Selbst bedeuten würden, dass man auch erkennt, dass diese Beziehung nicht mehr passt. Dann wird entweder "dran gearbeitet", vielleicht in der x-ten Ehetherapie, man geht runter auf einen sehr kleinen gemeinsamen Nenner und versucht, eine positive Haltung zu dem ganzen einzunehmen und sagt sich "mit dem Nächsten gäbe es ja auch Probleme". Das ist auch so eine Sache - ja, gäbe es sicher. Aber wenn was grundlegend passt zwischen zwei Menschen, gibt es weniger Probleme, man löst sie besser und hat weniger Frust.
Es gibt Menschen, die mögen keine Veränderung. Von daher werden sie Deine Haltung des abenteuerlichen Weges beim Liebefinden vielleicht auch nicht übernehmen wollen.
 
  • #26
Meiner Erfahrung nach klappt es am besten auf Anhieb bei Personen, die selbst recht "problemlos" daherkommen, einen ebensolchen Partner haben und noch wenig Enttäuschungen verdauen mussten und idealerweise aus einem intakten Elternhaus kommen (nein, ich gehöre nicht dazu, habe aber das Glück, einen solchen Partner ergattert zu haben. Der hatte zum Glück keine Ahnung davon, dass er von mir besser die Finger gelassen hätte zumindest nach meinem Lebenslauf :)).

Ja, es gibt sie, die Menschen, die sich lebenslänglich verpartnern, manchmal sogar mit der ersten Beziehung. Das zieht sich dann bemerkenswerter Weise durch ganze Familien durch mehrere Generationen. Das sind dann aber auch die Leute, die niemals in Singlebörsen unterwegs sind und schon gar nicht hier in diesem Forum. Die ahnen noch nicht einmal, welche Probleme es geben kann, weil sie sie einfach nicht haben.

Es gibt sie, diese andere Welt, ich habe sie gesehen. Und bemerkenswerter Weise sind solche Leute auch gleich eher mit ihresgleichen befreundet. So kann es sein, dass man auf einer Geburtstagsfeier eingeladen ist, die aus 90% auf über 50jährigen besteht, die mindestens die Silberhochzeit hinter sich haben und die goldene auch noch erleben werden.
 
  • #27
Wenn man hier z.B. länger mitliest, kann man doch aus den Erfahrungen anderer seine Ableitungen für sich selbst machen und muss nicht mehr JEDE Erfahrung mitnehmen mit irgendwelchen Hoffnungen, die sich nicht erfüllen können, weil es nunmal doch auch Grundmuster gibt, die überall im Groben gleich laufen oder zumindest es sehr wahrscheinlich ist, dass es auch so laufen wird.
An diesem Punkt muss ich Dir widersprechen. Denn die Berichte anderer Menschen können keine echten Gefühle vermitteln. Emotionales Wachstum geschieht erst, wenn man selber involviert ist.

Wie man beispielsweise mit Liebeskummer umgeht, muss jeder selber herausfinden. Ich selber betrachtete es als Beweis dafür, dass mein Herz zur Liebe fähig ist, ebenso dass ich mit einer schwieregen Situation umgehen und daran wachsen kann.

Viele Berichte hier taxieren schwierige Gefühle als Sinloses Leid und hätte ich dem Beachtung geschenkt, würde ich noch heute vor meinen Gefühlen weglaufen und meinen Kopf an einer Aufgabe zerbrechen, die er nicht lösen kann.
 
  • #28
An diesem Punkt muss ich Dir widersprechen. Denn die Berichte anderer Menschen können keine echten Gefühle vermitteln. Emotionales Wachstum geschieht erst, wenn man selber involviert ist.
Wenn jemand ein Problem X hat, z.B. "verliebt in eine vergebene Person" und nicht weiter weiß, wie er mit dem Verhalten des anderen umgehen soll, weil der z.B. widersprüchliche Signale sendet, dann muss er doch nicht erst ins offene Messer laufen und die vergebene Person ansprechen, dass sie ihr Verhalten erklären möge. Wenn hier zig Leute schreiben: "Kenne ich, bei mir war das so und so, hat auch nichts bedeutet", dann kann die betroffene Person gucken, ob es noch weitere Parallelen bei ihr gibt und die Situation mal weiterdenken. Es gibt andere Blickwinkel, es gibt Erfahrungen, die schon gemacht wurden.
Und natürlich ist derjenige selbst emotional involviert, aber er muss Fehler, die andere hier beschrieben haben und den Fortgang ihrer Situation schilderten, ja nicht auch machen.

Also wenn das niemand weiter so macht - ich bin dann das einzige Gegenbeispiel, das Dir in Deinem Zitat dann auch widersprechen muss. Ich habe vor Jahren hier als Gast einen Thread gehabt und mir haben die Erfahrungsberichte sehr geholfen, dass ich meine damalige Situation viel besser "von oben" betrachten konnte und wusste, dass ich kein Einzelfall bin. Es gibt nunmal Muster. Ja, man wird im Zweifelsfall immer glauben "bei mir ist es anders" und wenn es sich richtig anfühlt, irgendwas zu tun, dann sollte man es auch tun. Aber Anzeichen, dass was schiefgeht bei bestimmten Situationen, werden sich meist nicht krass unterscheiden.
Wie man beispielsweise mit Liebeskummer umgeht, muss jeder selber herausfinden.
Ja klar, ich habe auch kein Rezept. Aber ich weiß, dass Gefühle verdrängen mehr weh tun kann und dass sie irgendwo bleiben. Das ist bei jedem so. Wie sich das auswirkt, ist eine andere Frage.

Solange es nur einen selbst betrifft, dass man irgendwelche Gefühle verdrängt hat, ist es auch ok. Wenn dann die Kinder drunter leiden müssen, weil der betroffene Mensch nicht mit deren freier Gefühlswelt umgehen kann, wird es schlecht.

Viele Berichte hier taxieren schwierige Gefühle als Sinloses Leid und hätte ich dem Beachtung geschenkt, würde ich noch heute vor meinen Gefühlen weglaufen
Du musst natürlich SELBST auswählen, was Dir hilft. Von anderen lernen oder sich Tipps geben lassen, heißt nicht, blind einer Anweisung zu folgen oder einfach eine Erfahrung anderer als eigene zu betrachten und danach zu handeln.
Verantwortung für sein Handeln hat man immer selbst und kann nur das als Anregung nehmen, was sich für einen auch richtig anfühlt. Manche Erfahrung muss erstmal selbst gemacht werden. Bei anderen sind die Schilderung von anderen Betroffenen so schlüssig, dass man einen Fehler nicht auch machen muss.
 
  • #29
Verantwortung für sein Handeln hat man immer selbst und kann nur das als Anregung nehmen, was sich für einen auch richtig anfühlt.
Für mich fühlt es sich einfach nur unsinnig an, Selbstbewusstsein erlangen zu wollen, welches ja automatisch nach Überwinden der Herausforderungen kommt.

Üblicherweise ist es eine fahrlässige Idee, Selbstvertrauen als Ersatz für Erfahrung anzusehen. Aber in der Liebe wird es auf einmal zur Tugend?

Oder ist es einfach nur eine Verzweiflungsstrategie in Ermangelung kreativer Ansätze? Den Meister der Originalität haben wir ja hier nicht gerade im Forum, oder?
 
  • #30
Für mich fühlt es sich einfach nur unsinnig an, Selbstbewusstsein erlangen zu wollen, welches ja automatisch nach Überwinden der Herausforderungen kommt.
Sich seiner selbst bewusst werden ist mE ein vielschichtiger Prozess. Ja, Erfahrung, auch Befassen damit, welche Fehler man gemacht hat.
Ich kann aber Dein von mir zitierten Beitrag nicht mit dem in Zusammenhang bringen, was Du von mir zitiert hast.
Üblicherweise ist es eine fahrlässige Idee, Selbstvertrauen als Ersatz für Erfahrung anzusehen.
Wer hat sowas behauptet? Ich kann Dir nicht folgen.

Aber in der Liebe wird es auf einmal zur Tugend?
Hm, wenn ich das jetzt richtig verstehe, willst Du darauf hinaus, dass Du verneinst, dass jemand, der Selbsterkenntnis hat, besser in der Liebe zurecht kommt als einer, der die Erfahrungen noch machen muss. Das ist für mich sinnlos, so ranzugehen, weil der mit der Erkenntnis sie auch sicher nur durch Erfahrung gewonnen hat. Ob nun durch eigenes leidvolles Erleben oder dadurch, dass ihm ein anderer, dem er vertraut, was das Ratgeben angeht, nachvollziehbar schildern kann, was los ist in dieser speziellen Situation. So unterschiedlich ist das alles meist nicht.

Und ich denke schon, je besser man sich kennt und je mehr Selbstwertgefühl man entwickelt hat, umso eher kann man Situationen beenden, die einen unglücklich machen (unglücklich durch den anderen) und man harrt daher nicht aus, was krank machen kann oder Alkoholtrinkerei bewirkt usw..

Oder ist es einfach nur eine Verzweiflungsstrategie in Ermangelung kreativer Ansätze?
Das funktioniert so ja nicht, also eine Strategie kann es nicht sein.
Den Meister der Originalität haben wir ja hier nicht gerade im Forum, oder?
Meinst Du den Inspirationsmaster mit seinen S-Beiträgen?

Ich finde schon, dass man hier sehr viel von anderen profitieren kann. Schon allein, wenn Erfahrungen geschildert werden und man merkt, man ist nicht allein mit dem Problem, beruhigt manchmal.
 
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