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Gast

  • #1

Verlerne ich durch das Single-Leben das Sprechen?

Seit 5 Jahren lebe ich alleine. Ich stehe zwar voll im Berufsleben, treffe mich und telefoniere regelmäßig mit Verwandten und Freunden, aber trotzdem kommt mir vor, ich komme kaum zum Reden und verlerne es richtiggehend durch das Alleinesein. Vor allem spüre ich dies im Beruf. Hier sind Leute um mich, die es gewohnt sind, viel vor Publikum zu sprechen, also zum Teil richtige „Plaudertaschen“ sind und alle Familie zuhause haben, also sprachlich voll gefordert sind. Wenn ich nach Hause komme, ist da kein Ansprechpartner, das Gespräch mit dem Fernseher und mit dem Radio ist auch eher einseitig…
Wie kann ich dem entgegenwirken? Bin schon ein wenig verzweifelt…
w/49
 
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Gast

  • #2
Liebe FS

Ich kann gut nachfühlen, was du meinst. Bin auch schon länger Single. Im Beruf muss ich sehr viel sprechen. Es gab eine Zeit, da habe ich freitags im Büro das letzte Wort gesprochen und dann wieder Montag früh im Büro.

Mir scheint, du hast zu wenig Kontakt, der dir gut tut. Also, z.B. eine richtig gute Freundin zum quatschen. Keine Angst, das Sprechen verlernt man nicht so schnell, den sozialen Umgang hingegen schon. D.h. sich zu öffnen, zu erzählen was einen bewegt, sich im Gespräch aktiv einzubringen. Ich würde dir empfehlen in einen Verein einzutreten. Hast du für etwas eine Leidenschaft? Kultur? Im Verein kommst du zum Reden und lernst neue Leute kennen.

Alles Liebe!
w39
 
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Gast

  • #3
Liebe FS, ich bin w, Mitte 40 und auch Single.
Ich arbeite im pädagogischen Bereich, muss beruflich täglich viele Gespräche und Telefonate führen.
Oft bin ich froh, wenn ich abends endlich Ruhe habe, aber manchmal fehlt mir zu Hause auch ein Ansprechpartner. Telefonieren mit Freunden ist ja ok, manchmal auch 1 bis 2 Stunden, aber ein persönliches Gegenüber bringt mir emotional einfach mehr. Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, einfach wieder mehr unter Leute zu gehen und mehr zu unternehmen. Es fällt manchmal schwer, ich weiß, aber es ist wohl der einzige Weg.
 
  • #4
Finde deine Frage spannend. Als Single verlieren wir vielleicht die "Paarsprache" und werden kauzig. Vielleicht möchten wir das jedoch nicht oder fühlen uns nicht gut dabei.
Ich habe mir im Laufe der letzten Jahre mit einigen Freundinnen und Freunden so eine Art Spontannetzwerk aufgebaut. Sie sind auch Singles oder sonst in sehr unabhängigen Lebenssituationen oder leben mit Partnern, die nicht gern reden. Bei ihnen melde ich mich bei Gesprächsbedürfnis dann spontan. Wir telefonieren oder gehen schnell und kurz was essen oder so. Gut ist es, dass ich mehrere solche Menschen in meinem Leben habe, dann klappt es meistens, wenn ich reden will oder einfach nicht allein sein mag. Zudem melden sich diese Menschen dann auch. Sie ersetzen keine neue Beziehung, doch mit ihnen kann ich weiterhin im Alltagsgespräch bleiben. Hab aber gemerkt, dass bei einem neuen Beziehungsversuch immer wieder eine neue Sprache gefunden werden muss. Da hilft auch Training in den Zwischenzeiten wenig. Es geht nicht nur um die Sprache, sondern überhaupt darum, mit jemand anderem sprachliche Kleinigkeiten zu teilen. Wie etwa "ich hab jetzt Kopfschmerzen" oder "Bist du auch so müde?" oder "Freust du dich auch über xxx....?". Da bin ich dann auch schnell mal eingerostet. Doch man kann auch mit Partner aus der Gesprächübung geraten und sich nix mehr sagen oder sich über die alltäglichen Belanglosigkeiten der Gespräche langweilen. Und das hab ich auch nicht immer als angenehm erlebt.
 
  • #5
Les ich das richtig?

Dein Leben spielt sich mehr oder weniger zwischen Büro und Sofa ab?

Raus aus dem Trott! Lebe!

Und jetzt kommt eine Deutsche Spezialität ins Spiel: Vereine. Da gibts jede Menge Menschen mit denen Du was unternehmen kannst, mithelfen kannst, Freundschaften schliessen, und--- ja klar, auch reden kannst.

Der Mensch ist ein Herdentier, auf dem Sofa wirst Du zur wunderlichen alten Dame....
 
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Gast

  • #6
Das kenne ich auch, ich habe glück dass ich einen Arbeitskollegen habe mit dem ich jede Menge diskusionen führen kann, zudem treffe ich mich 2 mal die Woche mit einem Kumpel und rede dort auch jede Menge aber ist schon ein eigenartiges gefühl wenn sich die Stimmbänder über 12h am Tag 0 bewegen :) aber irgendwie auch schön.
 
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Gast

  • #7
ich spüre das auch. Meine Mädels wohnen zwar noch bei mir, sind aber erwachsen und haben ein eigens Leben. So kann es passieren, dass ich nach hause komme und niemand ist da. Kleine Zettel oder eine sms die mir dann sagen, so bleibt es das ganze Wochenende. An sich kann ich gut damit umgehen, da ich einen intensiven Freundeskreis pflege und auch gern mit mir selbst sein kann. Meine liebste Freundin ist in einer Partnerschaft, die sich auf das Wochenende fixiert und kommt am WE selten für mich in Frage. Andere haben Wochenenddienste und sind dann auch oft nicht ansprechbar um etwas zu unternehmen, was ich auch sehr gut verstehe. Eine gute Freundin wohnt 70 km weg von mir und sodass ein ständiges sehen auch nicht möglich ist, wir telefonieren aber wöchentlich mindestens 1x miteinander. In der Woche habe ich abends oft Verabredungen und damit ich mich am WE nicht immer häufiger so allein fühle, habe ich nun Workshops bei der VHS gebucht, die am Wochenende liegen. Das erste ist Samstag und ich freue mich schon sehr darauf.
Ich denke es ist wie Kalle schon sagt "Raus aus dem Trott".
Viel Erfolg und Spass bei neuen Maßnahmen für dich :)
w50
 
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Gast

  • #8
Meinst du wirklich, dass es die Beziehung ist, die Menschen zu kommunikativen Personen machen?
Na, dann mach dir mal den Spaß und setzt dich in ein voll besetztes Cafe (vor allem im Urlaub) und schau den Leuten zu.
Wer redet, wer schweigt? Paare sitzen meist da und schweigen sich an, reden tun die Singles, Freundinnen, Gruppen von Freunden, auch Männerrunden. Paare, die sich unterhalten sind meist noch ganz frisch zusammen oder es handelt sich grad um ein Date.

Ganz viele Paare reden täglich nicht mehr als 10 Minuten miteinander. Also darauf kannst du verzichten, in den 10 Minuten lernst du auch nicht das Reden.
Geh raus, triff dich mit Freunden, das ist viel wichtiger.
 
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Gast

  • #9
Ich glaube nicht, dass der Grund für das Nicht-Sprechen das Single-Leben ist, sondern mangelnde Kontakte sowie mangelndes Interesse an intellektuelleren Themen als Alltag und Arbeit. Wenn du Wert auf gepflegte Diskussionen legst, dann schließe dich doch Interessenkreisen an, in denen dein Beitrag gefordert ist. In einem kleinen Literaturkreis beispielsweise könntest du dich über Bücher austauschen, bei geführten Museumsbesuchen mit den Teilnehmern über Kunst unterhalten usw. An jeder VHS gibt es Gesprächskreise zu zeitgeschichtlichen Themen. Natürlich wird man schweigsam und verlernt zu denken, wenn man sich nur berieseln lässt.... Du könntest deinen Geist aber auch durch Lesen oder Schreiben schulen.
Ganz nebenbei gesagt finde ich ein Dasein als Plaudertasche nicht gerade sonderlich erstrebenswert, und auch das Sprechen vor großem Publikum gehört nicht zwingend zu den vn mir geforderten privaten Kernkompetenzen. Ob vor allem die Plaudertaschen und Familienmenschen auch "voll gefordert" sind, wage ich ebenfalls zu bezweifeln, wenn ich mir manchmal so anhöre, wie Erwachsene mit ihren Kleinkindern reden.

Vielleicht solltest du dir vornehmen, an mindestens zwei bis drei Abenden pro Woche Konversation zu betreiben - sprich: Leute zu treffen, Kurse zu besuchen, auf jeden Fall nicht zu Hause vor der Glotze zu hängen.
Viel Glück
w, 41
 
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Gast

  • #10
Dein Beitrag und Eure Kommentare erleichtern mich (... bin heute das 1. Mal im Forum), da ich bisher dachte, ich sei irgendwie "abnormal".
Ich habe an mir - seit 1 1/2 Jahren Single/ zuvor langjährige Ehe mit Kindern - festgestellt, dass sich mein Sprachbedürfnis und meine Sprachfähigkeit ändern.
Nachdem ich anfänglich schon mit dem Wochenende alleine gewisse Probleme hatte (... nicht in negative Stimmungen abzugleiten) ist es mir diese Weihnachtstage "gelungen", 2 1/2 Wochen mit sehr eingeschränkten Kontakten und Kommunikation wirklich gut drauf zu sein!
Auf der einen Seite ist das sehr erleichternd für mich, auf der anderen Seite auch befremdlich. Und ich frage mich, ob ich - wenn sich die Situation fortsetzt - sehr kauzig und nicht mehr in meiner Altersstufe "sozialisierbar" bin.
Mit den Kontakten habt ihr Recht. Da bin ich dran. Aber das geht nur Schritt für Schritt.
w, 46
 
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Gast

  • #11
Liegbe FS,

leider gibt es das wirklich. Es passiert oft Müttern mit kleinen Kindern. Die verlernen es längere Sätze zu sprchen.

Lässt sich mit Übung aber alles beheben. Schlimmstenfalls könntest Du zur Abwendung mit Dir selbst sprechen. Viel besser wäre es natürlich raus zu gehen und Menschen zu treffen. Wenn Du das nicht (nohc nicht) möchtest, könntest Du Dir aus einer guten Zeitung oder einem guten Buch selbst vorlesen. Es geht darum, den aktiven Wortschatz zu schulen und die Fomulierungfertigkeiten. Du bekommst das sicher wieder hin!

Liebe Grüße und Kopf hoch, Mund auf Stimme an

W/47
 
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Gast

  • #12
Ich muss der FS zustimmen. Nachdem ich in der Diskussion quer gelesen habe schienen gut 50% der Meinung zu sein, dass es wirklich so ist. Ich selbst kenne aber noch stärkere Sympthome.
- Die Lautstärke, mit der man spricht, nimmt ab. Dadurch wird man weniger gehört.
- Man trifft die Zehntelsekunde immer schlechter, zu der man sich in ein Gespräch einmischen kann. So kommt man immer weniger zu Wort.
- Man wird allgemein immer weniger ernst genommen. Die eigenen Argumente wiegen immer weniger. Man erhält Widerspruch von jedem beliebigen Kollegen.

Wenn dieser Zusammenhang eines Beweises bedarf, so muss man sich nur umschauen. Viele sind auf hohen Posten allein aufgrund ihres Auftretens, das eben stark extrovertiert, laut, wichtig, sicher und dominant ist.