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  • #1

Verliebt in einen Handwerker

Liebes Forum, vor kurzem habe ich (w 43) völlig unerwartet einen Mann kennengelernt, mit dem ich mich den ganzen Abend über lustig und unverbindlich unterhalten habe. Er redete relativ viel, war aber ansonsten sehr aufmerksam und fürsorglich, höflich und lustig, und vor allem war er sehr freundlich, auch zu anderen Menschen. Seine Nähe war mir, die sonst eher distanziert ist, sehr angenehm.
Wir verabredeten uns also zu einem echten Date; unsere Korrespondenz in der "Wartezeit" war von seiner Seite aus wieder lustig und sehr nett, aber gespickt mit Fehlern. Das erste Date verlief wie das Kennenlernen, und ich merkte, dass mir seine wenig intellektuelle und eher körperbetonte Art sehr gefiel. Als wir nebeneinander liefen, hatte er seine Hand in meinem Rücken, und auch sonst zeigte er sich fürsorglich. Für mich war das ungewohnt, denn die Männer, die ich kenne (allesamt in guten Positionen und studiert), sind zwar in der Regel höflich, aber nicht so aufmerksam und fürsorglich, und vielen mangelt es an Herzenswärme. Daher bin ich wohl auch schon viele Jahre Single.
"Mein" Handwerker hat also alles, was ich von einem Mann immer erhofft hatte, und dazu ist er noch kinderlieb, ehrlich und offen - nur, dass sein Bildungsniveau deutlich unter meinem liegt und der Handwerker denn eben doch manchmal "durchkommt". Ich bin kunst- und kulturinteressiert, er nicht, ich lese viel, er nicht, ich sehe mir gern Dokumentationen an, er mag Animationsfilme.
Mich verwirren meine Gefühle nun sehr. Kennt das jemand von euch - verliebt in einen Menschen, der so völlig aus dem üblichen "Beuteschema" herausfällt? Wie ist es euch damit ergangen? Wie hat es sich entwickelt?
 
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  • #2
Lasse es einfach auf Dich zukommen und zerpflücke das Ganze nicht schon wieder, enttäuschen kann Dich auch ein Studierter.

Geh dahin, wohin Dein Herz Dich trägt, muss denn immer alles mit spitzem Blestift durchgerechnet werden????

w/35
 
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  • #3
Nimm es doch entspannt. Ich war auch schon mit Akademiker zusammen, die weder gerne lasen noch sich speziell für Kunst und Kultur interessierten. Und ich kenne gut ausgebildete Legastheniker, die halt trotz hohem Bildungsniveau Rechtschreibfehler machen. So what - letztlich ist Herzenswärme wertvoller als intellektuelles Kalkül und in einer Partnerschaft sollte es Platz für Freiräume haben, in denen sich jeder seinen individuellen Interessen widmen kann. Und ein paar gemeinsame Interessen werdet ihr doch sicher auch finden.
 
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  • #4
Das musst du doch selbst wissen. Für mich wäre das nichts.
 
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  • #5
Hallo FS,

Sorry aber bei deiner Beschreibung stellen sich mir alle Nackenhaare auf. Wie oberflächlich muss man denn sein, wenn du das alles nur wegen der "geringeren" Bildung in Zweifel ziehst ? Was hat denn bitte der Beruf (und ein Handwerksberuf ist auch nicht ohne!) mit der emotionalen Intelligenz eines Menschen zu tun ?? Und nur um diese geht es doch bei der Liebe !

Ehrlich gesagt würde ich mir wünschen, dass er deinen Beitrag zu lesen bekommt. Er wird sicher intelligent genug sein, um darauf hin das Weite zu suchen.

Viele Grüsse von w35 mit abgeschlossenem Hochschulstudium !
 
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  • #6
Habe das mal ein paar Jahre lang gelebt. Immer war der Bildungsunterschied präsent, immer störte es mich, ich genoss trotzdem die Vorzüge dieses herzensguten Menschen und wusste gleichzeitig dass es nicht für´s ganze Leben reicht. Man wird sich fragen, ob es unfair dem Mann gegenüber war, der mich vergötterte. Ich finde nicht, denn wir haben beide daran gewonnen. Wäre er nicht glücklich gewesen, hätte er mich ja verlassen können. Er hat trotzdem später eine Frau gefunden, mit der er nun langjährig glücklich ist.
Das Glück dieser Beziehung war ein anderes als das der nachfolgenden. Es war ein ruhiges, beständiges, verlässliches, tendentiell langweiliges Glück - das spätere war betörend, heiss lodernd, umwälzend bis zerstörerisch.
Heute suche ich irgendetwas dazwischen bzw. von all dem das Gute in einer Person;-) Den könnte ich dann heiraten...

Was kannst Du daraus folgern? Genießen, so lange es sich richtig anfühlt...
 
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  • #7
Für mich käme so was nicht mehr in Frage! War zwei Jahre mit einer bildhübschen Frau zusammen jedoch ungleicher Bildung, hab mich dann getrennt! m
 
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  • #8
Wenn du das schon selbst zum Problem machst, dann solltest du die sich anbahnende Beziehung vielleicht nochmal überdenken, Die Beziehung könnte dann schiefgehen, wenn Du später den Akademiker gegen den Handwerker ausspielst. Der Mann wird sich ja vielleicht auch überlegen, ob er es darauf ankommen lassen will.
Ich, auch kulturell akademisch gebildet, würde da keine Hürden sehen, wenn der Mann mir gefällt.
Umgekehrt sind so viele Nichtakademikerinnen an Akademikern interessiert, das scheint doch auch zu funktionieren.
 
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  • #9
Liebe FS, es kommt wohl vor allem darauf an, ob Dir emotionale Aspekte in einer Partnerschaft wichtiger sind als die Intellektuelle Augenhöhe...für mich klingt das so nach Deiner begeisterten Schilderung über seine aufmerksame und fürsorgliche Art. Lasse Dich einfach mal auf dieses schöne Gefühl ein und genieße diese Entdeckung! Die Zeit wird dann zeigen, ob Dir der Bildungsunterschied zunehmend unwichtiger wird-oder stört. Ich fände letzteres schade-wie Du selbst konstatierst, gibt es unter Akademikern nicht unbedingt viele, die Dich glücklich machen. Männern wird oft unterstellt, dass sie sich der Partnerin überlegen fühlen wollen, nur auf das Äußere achten und deshalb auch "nach unten" daten/ heiraten etc.,nur ich denke, oft sind sie da weniger kompliziert und wählen die Frau, mit der sie sich wohlfühlen.
Trau Dich was und denke nicht zuviel nach, viel Glück!
w
 
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  • #10
Hallo liebe verbündete FS,
also du hast es auch gemerkt. Ich bin aber viel weiter als du. Ich kann gerne über Mathe oder auch über Friedrich Wilhelm Nietzsche mich unterhalten, der sich leider zum Schluss in seinem Wahnsinn zum Gott ernannt hatte. Ist das es wert? Grübeln und philosophieren? Ich war mit dem ganzen Gequatsche so tief in mir drin, dass ich nur grübeln konnte und habe den Bezug fast (Gott sei Dank) zur Realität verloren. Irgendwie verliert man echte Freude am Leben, wenn man „zu viel weißt“ Kam Faust auch nicht zu der gleichen Erkenntnis). Ich kam zur meiner Erkenntnis (Heureka), dass das hochgestochene Gequatsche mich nicht wirklich glücklich gemacht hat. Ich fing es richtig ausgelassen zu lachen, als ich erkannt habe, dass die Nebensächlichkeiten und die Belanglosigkeit mich glücklich machen. Du hast erst daran geleckt. Ich bekenne mich und kann die anderen nur bemitleiden, dass sie in dem Sumpf stecken. Man kann so lange philosophieren (grübeln), bis man depressiv wird. Versuche doch mal. Ich genieße das Leben, so wie es ist. Ich beurteile keinen anhand seiner Ausbildung. Ich will nicht damit sagen, dass alle „studierten“ Männer „hochgestochen“ und eingebildet wären. Also meine Herren keine Aufregung. ;-) Aber für mich persönlich ist es klar, dass ich die Einfachheit genieße. Mir geht es gut.

Jetzt kommt. Wenn deinem Handwerker es nicht stört, dass du höhere Bildung als er hat und er sich in seiner Männlichkeit nicht beschnitten fühlt. Bleibe bei ihm. Dir geht es doch gut. Merkst du das nicht? Tauche richtig in die Welt ein. Es ist wirklich schön. Es ist befreiend. Hauptsache, er bleibt ein Mann, in wahrstem Sinne des Wortes und du dich wie eine Frau fühlen kannst. Ich bin neidisch. ;-)
w(45)
 
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  • #11
Bildungsunterschiede stören im Laufe einer Beziehung immer mehr. Ich bin in jüngeren Jahren an eine Frau mit geringer Bildung geraten und - da sie sofort von mir schwanger war - auch mit ihr beim Standesamt gelandet. Anfangs kann man den fehlenden Gesprächsstoff und die wechselseitig irritierenden geistigen Interessen noch kompensieren, irgendwan stören sie, besonders wenn ein gemeinsames Kind da ist, das dann von einer Seite auch bildungsfern erzogen wird.
 
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  • #12
Ist es nicht sehr holzschnittartig gedacht, Handwerk mit Bildungsferne zu assoziieren?
Bildungsfern. Ist das nicht das Wort, das besonders solche Menschen gern verwenden die so verkopft sind, dass sie unfähig sind, einen Nagel unfallfrei in die Wand zu schlagen?
Ja, auch ich bin ein Handwerker. Ich bin ebenfalls nicht sonderlich an Kunst und Kultur interessiert. Ich ziehe die Vielfalt an Formen, Farben, Gerüchen und Klängen, die die Natur bietet vor.
Dafür interessieren mich Technik, Geschichte, Kosmologie, Geologie und auch Philosophie sofern sie nicht zu verquast daher kommt.
Ich lese fast alles was mir in die Finger kommt. Ich habe schon als Kind gern gelesen.
Das trifft zwar nicht auf alle Handwerker zu, die ich kenne, aber zumindest auf einige.
So wie ich auch ein paar Akademiker kenne, die nicht nur Nägel unfallfrei in Wände klopfen, sondern sogar noch ein Bild gerade dran aufhängen können. ;-)
 
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  • #13
Das Problem ist doch nicht der "Handwerksmeister", sondern ... " dass sein Bildungsniveau deutlich unter meinem liegt ... Ich bin kunst- und kulturinteressiert, er nicht, ich lese viel, er nicht, ich sehe mir gern Dokumentationen an, er mag Animationsfilme" und DAS sind zentrale Punkte, die auf Dauer über die Tragfähigkeit einer Beziehung entscheiden. Bei dem, was die FS bei ihrer Bekanntschaft findet, "Herzenswärme" und "Fürsorglichkeit" - sprich: Empathie - handelt es sich zweifellos um Eigenschaften, die für eine Partnerschaft unverzichtbar sind - aber langfristig gesehen nicht alleine eine tragfähige Basis abgeben können. Das Kommunikations- und Interessenniveau muss auch stimmen.
 
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  • #14
Bildung ist nicht das was auf einer Urkunde steht, sonder das was man vom erlernten nicht wieder vergessen hat.
Zwei verschiedenen Menschen werden immer Unterschiede zwischen ihren Interessensgebieten finden. Ich lese viel, meine Freundin liest wenig. Ich sehe gern Dokus oder SciFi, sie lieber Krimis oder Talkshows im Spätprogramm von ARD und ZDF.
Ich mag Formel 1, sie lieber Fußball. Ich schau gern Simpsons wegen der vielen lustigen Anspielungen auf reale Personen oder Ereignisse. Vieles sehen wir uns inzwischen gemeinsam an, anderes kaum noch. Manches schaut sie an während ich lese. Oft sitzen wir einfach beieinander und reden über dies und das. Es kommt dabei nicht auf die Unterschiede an, sondern auf die Schnittmenge. Die ist bei uns so groß, dass die Unterschiede zwar vorhanden aber kaum spürbar sind.
 
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  • #15
ist es dein problem dass dieser tolle mann handwerker ist? dann tu ihm einen gefallen und lass ihn in ruhe.

m.E. ist das problem nicht die schulische bildung, sondern meine interesse und was ich aus meinem leben machen, wie ich mich wohl fühle. da sollte schon die richtung stimmen oder aber der andere sollte interesse für meine hobbies etc haben.

das fängt beim TV programm an und geht über die musik zu freunden etc. man muss nicht alles zusammen machen (schließlich sucht man einen partner und keinen siamesischen zwilling) aber die tendenz muss passen.

mein mann hat nicht studiert. schweißer lehre, dann irgendwie bei der feuerwehr gelandet. wir passen trotzdem bestens zusammen. wir hören die gleiche musik, gehen beide gern zum sport, lieben die gleichen urlaubsländer, kochen beide gern zusammen, haben gemeinsame freunde, können viel zusammen lachen. wir lesen total unterschiedliche bücher und er geht nicht gern ins theater...na und, dann geh ich mit einer freundin. aber dieser mann ist der höflichste und aufmerksamste mensch den man sich vorstellen kann. er ist liebevoll und trägt mich auf händen. besser kann es mir bei keinem mann auf der welt gehen.

entweder zu kannst ihn geniessen ohne vorbehalte oder du lässt die finger von ihm....
 
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  • #16
Ihr scheint euch doch gut zu verstehen. Manchmal ziehen sich Gegensätze an! Ich bin Akademikerin mit 2 linken Händen! Ein Handwerker ist doch praktisch!
 
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  • #17
Du kannst es letztendlich nur ausprobieren. Mag sein, dass dich - wenn die erste Verliebtheit nachgelassen hat - die unterschiedlichen Bildungsniveaus und Interessen immer mehr stören. Es kann aber auch sein, dass ihr euch mit der Zeit angleicht und jeder von der Andersartigkeit des anderen profitiert. Eine Progrose ist da schwierig
 
  • #18
Liebe FS, so etwas ist nur für die körperliche Anziehung. Genieße den Sex mit ihm. Wenn sich das verbraucht hat bleibt dann nicht mehr viel. Auf Dauer muß man auch geistig auf einer Höhe sein, so sind meine Erfahrungen. w51
 
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  • #19
Für eine langjährige Beziehung mit Zukunft kann es durch das unterschiedliche Bildungsniveau problematisch werden. Hierbei spielt es eine Rolle, um welchen Typ es sich handelt.

Dumm i.S.:
a) unwissend, aber offen für Horizonterweiterung. Selbserkenntniss, dass man dumm ist => heilbar
b) unwissend, aber kein Drang zur Verbesserung. Keine Erkenntnis, dass man dumm ist; sturköpfig => unheilbar

Neben dem Grips (IQ) gibt es die Emotionale Intelligenz, die für mich noch wichtiger ist. Dein Freund scheint viel EI zu verfügen. Wenn er dann noch Typ a) entspricht, könnte es für Euch beziehungstechnisch funktionieren.

Leider gehören die meisten dummen Menschen zu Typ b) und bleiben dumm, da sie keinen Drang haben, sich intellektuell weiterzuentwickeln. Sie lassen sich auch von niemandem belehren etc. Eine Beziehung mit so einem Menschen wäre für mich eine Katastrophe, denn mit einem dummen Menschen kann und sollte man sich einfach nicht streiten. Solche Menschen haben ihrer Meinung nach IMMER Recht!

w30
 
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  • #20
Du klingst sehr arrogant und unrealistisch, ich würde an deiner stelle nicht glauben dass dein Bildungsniveau über dem deines Handwerkers liegt (wenn's wirklich so wäre würdest du das nicht so hervorheben) bestenfalls ist dein bildungsniveau ein anderes.
Ich finde er hat keine Partnerin verdient die ihn für ungebildet hält. Und wer bestimmt eigentlich was hohe bildung und was primitive bildung ist. ich bin mir sicher ein handwerker ist durch seine bildung eher in der lage jemandem bei einem "richtigen" Problem zu helfen als du und vermutlich hat er mit seiner bildung und seinen interessen auch nicht weniger zu lachen als du und bringt auch mehr andere Menschen zum lachen.
Weshalb ist also deine Bildung höher angesiedelt?
M28
 
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  • #21
Liebe FS

Tue dem Handwerker einen Gefallen und beende den Kontakt. Wenn du nur etwas Ehre und Anstand hast, ist dies der einzige Weg. Er ist sehr fürsorglich, schaut nach dir, gibt sich redlich Mühe und trotzdem verachtest du ihn im inneren. Er ist nicht dein Butler und auch nicht nur Sexobjekt.

Du gehörst zu der Sorte Akademiker, die immer auf die Nichtakademiker herunterschauen.

Was machst du, wenn dein Auto nicht mehr fährt oder ein Gerät in deiner Küche kaputt ist? Dann brauchst du den Handwerker, der von seiner Materie eine Ahnung hat. Nicht jedem ist die Kopfarbeit gegeben, nicht jedem die Handarbeit. Beide sind auf ihre Weise intelligent.

Wie du ja selbst schreibst, haben die Akademiker nie so fürsorglich zu dir geschaut...dürften alle von deinem Schlag gewesen sein. Mit solchen Menschen möchte ich nichts zu tun haben, egal ob nun Handwerker oder Akademiker.
 
  • #22
Liebe FS,
ich hoffe du hattest den Mut euch beiden eine Chance zu geben.

In meinem Bekanntenkreis sind auch einige Akademiker(innen) und mit denen unterhalte ich mich als "Nur-Handwerksmeister" über alle möglichen Themen.
Mich interessiert halt keine Kunst aber mich kann man dafür auch mal am WE anrufen ob ich bei einer Reparatur helfen kann, das Kind bei mir übernachten kann usw.
Freundschaft und Hilfsbereitschaft werden vermutlich mehr geschätzt als der reine akademische Grad.

P.S. Auch finanziell gesehen muss ein Handwerker nicht unbedingt von Nachteil sein. Die Ingenieursfamilien, die bei uns im Münchner Norden zur Miete wohnen, zahlen 1.500€ und mehr an Monatsmiete für ein kleines Haus. Ich hab meins mit mit eigener Arbeit und der Hilfe meiner Freunde selbst herrichten können. Es ist zwar keine luxuriöse Stadtvilla um anzugeben und in der ja keiner was anfassen soll. Eine neue Partnerin dürfte ins Familienhaus auch Kinder mitbringen. Wenn die oder mein Sohn dann das Parkett versehentlich zerkratzen, bessere ich das einfach aus.
 
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  • #23
Eine Bekannte von mir ist Bauingenieurin (A12) Leitungsposition. Ihr Mann ist gelernter Koch und Maurer (ohne Meister), er arbeitet nun im ÖD in Gruppe E5 (Option auf E6). Die Beiden verstehen sich und sind schon lange verheiratet. Das geht alles.
 
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  • #24
Liebe FS,

für mich hat Bildungsniveau nicht zwingend mit Handwerker zu tun. Mein Exmann ist auch Handwerker und doch sehr gebildet und vielseitig interessiert.

Jedoch weiss ich was Du meinst. Ich hatte nach meiner Ehe auch einen Mann kennengelernt, welcher keine Bücher besass, geschweige gelesen hat. Kultur war ein Fremdwort und Dokumentationen zu anstrengend. Grundsätzlich wäre das kein Problem für mich gewesen, Kulturreisen konnte ich mit einer Freundin (wenn ich dies auch gerne mit Partner machen würde) machen, lesen kann ich für mich alleine und eine Doku sehe ich mir an wenn ich es will.

Ich war sehr verliebt und fand genug andere Dinge super an ihm. Doch der gnädige Herr konnte mit meinen Interessen nicht umgehen und warf mir immer öfters genau diesen Unterschied vor. Wenn ich irgendwas erzählte, sagte er oft: in welchen gescheiten Buch hast Du das wieder gelesen. Dazu kam das er noch sehr ungeschickt in handwerklichen Dinge war, genau in dem Bereich wo er doch arbeitet. Das ertrug er nicht, obwohl ich mich wirklich immer zurück hielt. Als er mir jedoch eine Schranktüre bei Aufbau von diesem so sehr zerkratzte, weil er nichts unterlegt hatte...............da war ich echt sauer, wohlgemerkt es war ein neuer Schrank. Er tat das so lapidar ab, das ich einfach richtig wütend wurde. Klingt jetzt kleinlich, doch es gingen ja viele Geschichten voraus.

Heute bin ich mit einem anderen Mann zusammen, der handwerklich begabt und gebildet ist. Wohlbemerkt ich habe nicht studiert. Doch mit ihm läuft es einfach gut, weil wir uns ergänzen und auch von einander lernen können. Jeder bringt das ein was er kann und weiss, ohne das sich einer zurückversetzt fühlt.

Wenn ich Deine Geschichte lese, erscheint mir dieser Mann jedoch sehr nett und darum mein Tipp: probiere es aus und Du wirst sehen was passiert. Viel Glück
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #25
Es kann in der Tat ein Problem sein, wenn sie allseitig gebildet ist, und er keine Lust hat, auch mal ein Buch zur Hand zu nehmen.....
Ich denke jedoch, du solltest es ausprobieren, schließlich fühlst du dich in seiner Gesellschaft wohl....und ich bin überzeugt davon, daß bestimmte Interessen und Gemeinsamkeiten auch wachsen können, vorausgesetzt natürlich, beide wollen es.
Viel Glück!
 
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  • #26
Allein schon die Überschrift ist doch erheiternd.
Keine Sorge, ich bin Naturwissenschaftler und war sogar schon mit einer Germanistin zusammen. Auch das kann klappen, obwohl leichteste technische Zusammenhänge für sie böhmische Dörfer waren und jegliche Reparaturen an mir hängen blieben. Mathematische Zusammenhänge sowieso.
Handwerker bedeutet keineswegs sich nur handwerklich auszukennen, ebenso bedeutet Akademiker (wie meine Exfreundin) auch nicht, dass man fundiertes Allgemeinwissen hat.
Viele (vor allem Geisteswissenschaftler) Akademiker finden es sogar elitär, sich mit handwerklichen Dingen oder technischen Geräten nicht auszukennen.
Die Werke von Goethe zu kennen, aber nicht zu wissen, wie ein Automotor funktioniert, mag zwar in bestimmten pseudointellektuellen Kreisen als normal angesehen werden, ist in Wirklichkeit aber nichts anderes als ein eklatanter Mangel an Allgemeinbildung.
 
  • #27
"Mein" Handwerker hat also alles, was ich von einem Mann immer erhofft hatte, und dazu ist er noch kinderlieb, ehrlich und offen - nur, dass sein Bildungsniveau deutlich unter meinem liegt und der Handwerker denn eben doch manchmal "durchkommt". Ich bin kunst- und kulturinteressiert, er nicht, ich lese viel, er nicht, ich sehe mir gern Dokumentationen an, er mag Animationsfilme.
Mich verwirren meine Gefühle nun sehr. Kennt das jemand von euch - verliebt in einen Menschen, der so völlig aus dem üblichen "Beuteschema" herausfällt? Wie ist es euch damit ergangen? Wie hat es sich entwickelt?
Liebe FS,
mir geht es fast immer so, dass durch meine Hobbys ein Teil der Interessen nicht passen. Als Informatiker habe ich einen Hang zur Logik und Analyse. Das passt nie :)

Auch ich habe jemand ganz Liebes kennen gelernt. Sie war nicht mein und ich nicht ihr Beuteschema. Jedoch, je länger das Date ging um so interessanter wurde der Andere. Wir unterscheiden uns in vielen Punkten. Aber, wenn man sich dem Anderen und seinen Interessen öffnet, kann das auch den eigenen Horizont erweitern. Wir sind immer noch glücklich. Evtl. vereint uns die Suche nach gemeinsamen Dingen. Zumindest sorgt das dafür, dass man immer wieder neue Seiten am Anderen entdeckt.

Viel Glück.
 
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  • #28
Liebe FS,
die Frage ist doch, wie sich das Bildungsgefälle im täglichen Leben auswirkt. Ich habe das Modell in 20 Jahren Ehe gelebt. Was du "gespickt mit Fehlern" nennst, würde ich im nachhinein Peinlichkeiten nenne, die meine Sozialkontakte massiv eingeschränkt haben. Ich habe mich insofern total an ihm orierntiert, downsizing gelebt, während er sich in keiner Weise um upgrading bemüht hat.
Mir hat immer ein echter Gesprächspartner gefehlt - egal, worum es ging, er konnte einfach nicht komplex genug denken. Über einen Film oder ein Buch sprechen, was mich interessiert, war nicht drin. Die fehleden Kommunikationsbasis hat uns dann auch getrennt. Er war zum x-ten Mal fremdgegangen (Kompensation seines Unterlegenheitsgefühls), ich habe versucht, es hinzubekommen. Er war einfach nicht in der Lage, sich mal in meine Position zu versetzen und nur ansatzweise zu verstehen, wie es aus meiner Perspektive aussieht. Ich bin kein Mensch der leicht aufgibt, mein Job erfordert ein enormes Spektrum auch an sozialen Kompetenzen und Durchhaltevermögen. " Jahre habe ich es versucht. Dann fiel mir ein, was mir die Therapeutin ganz zu Anfang nach einem Gespräch mit ihm gesagt hat, weil sie auch seine Sicht der Dinge hören wollte "es ist mir ein Rätsel, wie ein Mensch, der so komplex in seinem Denken ist, so lange mit so einem schlichten Gemüt zusammensein kann. Ich bin 20 Jahre lang im Job, aber ich habe noch nie erlebt, dass ich in einem 90-minütigen Gespräch jemandem nicht ansatzweise das Problem vermitteln konnte". Nach 2 Jahren konnte ich das Bemühen endlich aufgeben. Leider waren die ersten 10 Jahre die Zeit, in der ich noch gute Prtneroptionen gehabt hätte.

Wenn Du also merkst: Peinlichkeiten vor andern, er ist Dir keine Gesprächspartner, außer seiern Fürsorglichkeit verbindet Euch nichts - dann frag' Dich kritisch ob das reicht. Das Gefühl von Peinlichkeiten geht m.E. garnicht.

Ja, den Akademikern fehlt oft die Wärme, da wird zuviel gedacht - trotzdem wäre es für mich besser gewesen, weil ohne Kopf geht erst recht nicht auf Dauer.
w, 55