Verliebtsein aushalten - wie?

Hallo liebes Forum,

ich (w/35) verliebe mich nicht besonders oft. Klar gibt es immer mal wieder Männer die mich interessieren, aber dass es mich so richtig umhaut passiert nur alle paar Jahre. So nun geschehen vor zwei Wochen :)

Mein "Problem" dabei: ich funktioniere dann nicht mehr. Wenn ich Männer date, bei denen "nur" Anziehung und Sympathie da ist - kein Problem. Ich bin locker, witzig, charmant und kann flirten. Aber sobald mir einer wirklich gefällt und ich diese Schauer merke, wenn ich an ihn denke, ist es vorbei.

Dann wache ich nachts auf, meine Gedanken kreisen nur noch darum. Aber am schlimmsten ist die Ungewissheit, ob es was wird. Die Angst, beim weiteren Kennenlernen etwas "falsch" zu machen. Selbst meine Nachrichten an ihn klingen dann ungelenk, weil ich zu viel darüber nachdenke. Welche Balance ist die richtige, wie viel Interesse zeige ich. Sobald ich verliebt bin, gerät mein Gehirn ins Stocken. Leidtragende sind vor allem meine Freunde, die sich dann alles anhören müssen.

Deshalb wende ich mich nun an Euch ;)

Wie hält man diese Anspannung nur aus, die Angst, dass der andere nicht so empfindet? Wenn man verliebt ist, sehnt man sich ja so nach der anderen Person. Ich habe Angst, dass ich am Ende wieder Trauerarbeit leisten muss, auch wenn ich weiß, dass das immer der Einsatz ist, wenn man darauf einsteigt. Es fällt mir gerade echt schwer, locker zu bleiben.
 
Es fällt mir gerade echt schwer, locker zu bleiben.
Du solltest dich etwas mehr um dich selbst kümmern, habe den Eindruck du magst dich selber nicht, du liebst dich selbst nicht, bist verunsichert und hast eine zu große Erwartungshaltung an andere mit der großen Angst verbunden wieder enttäuscht zu werden, bist von außen und im außen zu sehr fixiert! Es gibt nur eine Erwartungshaltung die ich an mich stelle, sonst gibt es bei mir keine!
 
Ich habe ähnliche Probleme oft gehabt und auch bei mir war eher das fehlende Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen der Grund. Ich konnte seinen Sprüchen nichts mehr entgegnen außer "ich habe eine Wassermelone getragen". Ich fühlte mich wie gelähmt. Man spürt sich selber nicht mehr in solchen Momenten. Das führt zu keiner gesunden Beziehung, denn man ist nicht auf Augenhöhe. Wie soll man ein stabiles Selbst haben, wenn nur die andere Person wahrnimmt und sich selbst nicht mehr? Es kann auch hormonelle Gründe haben, dass du so überreagierst.
 
Ich finde das süß, und dazu sind deine Freunde doch da, dass sie dir in so einer extremen Phase zuhören, auch wenn du immer das Gleiche erzählst, du sagst ja selbst es passiert die eher selten. Um die Freunde mach dir mal echt keinen Kopf.
Auf der Arbeit ist das schon hinderlicher, aber so krass hält das normalerweise nicht lange an, da versuche ich dich zu trösten, dass zumindest die ganz ganz krasse geistesgestörte Verliebtheit im Körper so eine kräftezehrende Ausnahme ist, dass er das meiner Erfahrung nach nur wenige Wochen mitmacht - natürlich kann man ein halbes oder ganzes Jahr gut dauerverliebt sein, aber dann funktioniert man im Alltag trotzdem.
Und wenn du jetzt schon zu sehr an die Trauerphase denkst, bitte nicht! Lass es auf dich zukommen, und wenn es ein passender Typ ist, dann hat er hoffentlich Verständnis dafür, dass du derzeit nicht richtig tickst. Wenn seine Gefühle für dich authentisch sind, sollte das das gegenseitige Vertrauen eher stärken, weil er merkt, dass es für dich keine 0815 Beziehungsanbahnung ist, die du schon allzu oft durchgemacht hast.
Ich drücke dir ganz doll die Daumen.
 
Ich gehe jetzt mal davon aus, dass er nicht vergeben ist, kein ahnungsloser Kollege ist oder Dein Chef, sondern, dass ihr euch mit Beziehungsabsichten kennengelernt und schon zu einem oder zwei Dates getroffen habt.

Du kennst den Mann ja noch gar nicht, also so phantastisch, wie Du ihn jetzt siehst, muss er nicht sein. Das ist eine Kiepe Vorschusslorbeeren, die Du da gibst.
Zwei Wochen und vermutlich ein, zwei Dates. Vielleicht kannst Du von "will haben" erstmal einen Schritt zurückgehen zu "will prüfen, ob".
Du hast Dich ja nun anscheinend schon getäuscht und Liebeskummer gehabt, weil es nichts wurde, vielleicht schon öfter. Also Feuerwerk im Kopf ist eigentlich noch gar nicht angebracht mit so einer unsicheren Bekanntschaft. Und es kann den Mann auch misstrauisch machen, denn er könnte sich sagen: Sie kennt mich noch gar nicht und flippt so aus. Klar merkt man auf den ersten Blick, ob man sich anziehend findet, aber doch nicht, ob man zueinander passt.

Wie hält man diese Anspannung nur aus, die Angst, dass der andere nicht so empfindet?
Du bist schon total verkrampft auf den Mann fixiert. Das ist nicht gut, weil Du ihn noch gar nicht richtig kennst. Hast Du keine Signale bekommen, dass er Dich auch gut findet? Seid ihr zu einem weiteren Date verabredet?

Ich habe Angst, dass ich am Ende wieder Trauerarbeit leisten muss
Kann sein, aber wenn Du das vermeiden willst, darfst Du Dich ja nicht mehr verlieben. Du bist "zu schnell" begeistert, finde ich. Nicht vorsichtig mit Deinen Gefühlen. Das Risiko, enttäuscht zu werden, ist viel größer, wenn man so eine Begeisterung für einen Mann als untrügliches Zeichen großer Liebe nimmt.
Ich finde nicht die Gefühle falsch, aber was Du alles dahinter legst, ist viel zu viel. Du bist ja schon beziehungsbereit ohne weitere Prüfungen, ob es nicht ein Lügner ist, nur ein Trostpflaster sucht, Dich nur ins Bett kriegen will.

Welche Balance ist die richtige, wie viel Interesse zeige ich.
Angemessenes (ich weiß, ne doofe Antwort). Würdest Du einen Menschen, den Du 2 W kennst, allein in Deiner Wohnung lassen? Würdest Du ihm Dein ganzes Geld borgen ohne Schuldschein? Ich hoffe, nicht. Aber es läuten ja sinngemäß schon die Hochzeitsglocken in Deinem Kopf. Das passt nicht an Vertrauensvorschuss, dass das der Richtige sein muss.
Vielleicht helfen Dir solche Fragen, den Abstand wieder zu merken. Auch sich erinnern an vergangene Liebespleiten und das Sehen, dass Du da genauso begeistert warst, kann helfen, diese Gefühle nicht zu ernst zu nehmen. Denn anscheinend bedeuten sie nicht, dass es klappen muss.
Man sollte niemanden überrennen. Würde Dich sicher auch abschrecken. Wenn also Dein Drang ist, ihn jede Stunde einmal anzurufen, ihm Heiratsanträge zu machen oder unter der Gürtellinie anzubaggern, solltest Du dem widerstehen.
 
Ich denke, es fehlt dir Erdung, geh in die Natur, zentriere Dich, atme tief.

Ich habe deswegen ein ganzes Monat mal nicht geschlafen, tja, dann war ich nicht mehr zu gebrauchen, die Anbahnung scheiterte, weil ich einfach zu müde war, wenn wir uns dann tatsächlich gesehen haben.

Vielleicht könnte Dir helfen zu denken, er ist nur einer von den tollen Männern, die an dir interessiert sind. Sei dankbar für die schönen Momente, die du erlebst, was Du jetzt fühlen darfst - mach es nicht am Mann fest - es sind Deine Gefühle, du bist zu einer sehr tiefen Empfindung fähig, das sind die meisten anderen Menschen nicht! Der richtige sehnt sich danach diese tiefe der Empfindung mit dir zu teilen! Du bist der tollste Mensch in deinem Leben, die Nr. 1, lenke die Aufmerksamkeit dort hin.

Ich wünsch Dir ganz viel Kraft!
 
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Hallo Alessi,
Das ist bei mir ganz genauso. Ich werde dann sehr weich und kindisch und mache und sage Dinge die ich anderen selber abraten würde...lach. Und im nächsten Moment bin ich dann zu der begehrten Person wieder wie ein eiskalter Engel und abweisend und zeige ganz klar meine Grenzen. Bis ich dann wieder zusammenfalle wie ein Softeis in der Sonne. Ich weiß das ich dann einfach nicht mehr richtig ticke. Ich fahre dann praktisch Achterbahn der Gefühle. Gerade vor diesen Gefühlswallungen haben viele Menschen Angst und gehen dann lieber mit Partnern zusammen wo sie ihre Kontrolle behalten können über sich selbst. Und die wahre Liebe stoßen sie dann mit Füssen weg. Denn dann müssten sie ja ihre Schwächen offen legen. Glaube mir, wenn du so verliebt bist, dass du nicht mehr weißt, was hinten und vorne ist, dann bist du auf dem richtigen Weg. Alles andere ist Harmoniebedürfnis, schön und gut, aber wie gesagt ,die Schwingen der wahren Liebe sind stürmisch und das Schwert ist scharf. Will heißen, um so verliebter,desto größer der Liebeskummer....ist so.
Also trage deine Wassermelonen mit Humor ( Tanzfilm mit Patrick Swayze) .
 
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Ich verstehe Dich. Ich bin dann auch oft so aufgeregt und jeden Schritt durchdenkt man 50 mal, weil man so begeistert ist, dann soll es nicht an einfachen Sachen scheitern, weil man sich zu oft meldet oder zu enthusiastisch wirkt, was vielleicht auch als verzweifelt wirken könnte und man will ja auch nicht klammern ...und tausend andere Sachen ....

Ich habe dann mal einen Freund zugeschnattert. Der sagte mir einen schönen Satz: Bei dem Richtigen kann man nichts falsch machen und bei dem Falschen nichts richtig.
Mir hat das sehr geholfen.
 
Welchen Anlass gibt es, dass du verunsichert bist?

Verhält sich der Schwarm distanziert?
Oder hast du das Gefühl, den Anforderungen des Gegenübers nicht gerecht werden zu können?
Welche Unsicherheiten sind das? Was wirfst du dir selbst vor?

LG

Gute Frage... Nein, die Initiative des Kontaktes ging von ihm aus. Haben uns auf einer privaten Feier kennengelernt und er hat meine Nummer rausgefunden und mich angeschrieben. Er scheint mich auf jeden Fall äußerlich attraktiv zu finden. Und ich glaube, genau das ist es.

Ich habe schon sehr oft erlebt, dass Männer sich vom Äußeren angezogen fühlen, aber dann sehr schnell wieder weg waren.

Ich glaube, ich habe Angst, als Mensch nicht überzeugen zu können. Wieder enttäuscht zu werden bzw. dass sich auf seiner Seite keine Gefühle entwickeln. Mir ist bewusst: das ist das Leben, es geht weiter. Aber grade wenn man so "verknallt" ist, ist es schwer, die Biochemie zu unterdrücken. Jeder, den es schon einmal so erwischt hat weiß, wie sehr man sich dann sehnen kann, auch wenn der Kopf sagt: verhalte dich nicht wie ein verliebter Teenager, jetzt reiß dich Mal zusammen ;)
 
Liebe Alessia. Zunächst einmal: das Gehirn eines Verliebten ähnelt ganz genau dem eines Drogenkonsumenten:) . Aussetzer sind daher normal.

Aber ich glaube, ich weiß was Dich umtreibt. Es gibt Millionen Verliebte auf dieser Welt und die tun genau das was man tun sollte: glücklich sein und es geniessen. Und das will Dir, und mir früher auch, nicht so recht gelingen.

Verliebtsein kann ganz erheblich viele Defizite in uns triggern. Da ist da zum Beispiel noch das kleine Kind in uns, das schon ganz früh von den ersten Bezugspersonen enttäuscht wurde. Ich beispielsweise wurde als Kleinkind ausser Haus gegeben und habe später extreme Verlustängste entwickelt.

Ja, komisch. Wenn ich keinen Partner habe, dann gelingt es mir vorzüglich, mich in meinem Leben einzurichten. Da bin ich ausserordentlich lebenstüchtig. Aber wenn ich mich so gaaanz tief verliebe, wenn ich die Kontrolle über meine Stärke aufgebe, da kommen alle meine Themen ans Tageslicht, die ureigenste Angst verlassen zu werden. Da übernehmen Viren auf meiner seelischen Festplatte die Kontrolle, die archaische Programme aktivieren: verlassenwerden=gefährlich=ich bin alleine=mein Überleben ist gefährdet=, so sind wir in unseren Instinkten programmiert.

Da wird auf einmal das kleine Kind wieder wach, das ständig der Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern hinterherhecheln muß und in ständiger Angst vor Ablehnung lebt. Und sowas wird von einem kleinen Kind als bedrohlich erlebt.

Verliebtsein bringt Unsicherheit mit sich und kann ein vorzüglicher Trigger für all diese archaischen Programme sein, die dann in einer geschädigten Seele aktiv werden. Daher erlebst Du nun alle Szenarien, die mit Verliebtsein eigentlich erstmal gar nichts zu tun haben.

Ich kann Dir nochwas verraten: ich behaupte, dass Du Trennungen auch schwerer überwindest wie andere Menschen, aus genau den gleichen Gründen. Du hast nun einige Themen aufzuarbeiten, vermute ich mal. Viel Glück.
 
Liebe Alessia. Zunächst einmal: das Gehirn eines Verliebten ähnelt ganz genau dem eines Drogenkonsumenten:) . Aussetzer sind daher normal.

Aber ich glaube, ich weiß was Dich umtreibt. Es gibt Millionen Verliebte auf dieser Welt und die tun genau das was man tun sollte: glücklich sein und es geniessen. Und das will Dir, und mir früher auch, nicht so recht gelingen.

Verliebtsein kann ganz erheblich viele Defizite in uns triggern. Da ist da zum Beispiel noch das kleine Kind in uns, das schon ganz früh von den ersten Bezugspersonen enttäuscht wurde. Ich beispielsweise wurde als Kleinkind ausser Haus gegeben und habe später extreme Verlustängste entwickelt.

Ja, komisch. Wenn ich keinen Partner habe, dann gelingt es mir vorzüglich, mich in meinem Leben einzurichten. Da bin ich ausserordentlich lebenstüchtig. Aber wenn ich mich so gaaanz tief verliebe, wenn ich die Kontrolle über meine Stärke aufgebe, da kommen alle meine Themen ans Tageslicht, die ureigenste Angst verlassen zu werden. Da übernehmen Viren auf meiner seelischen Festplatte die Kontrolle, die archaische Programme aktivieren: verlassenwerden=gefährlich=ich bin alleine=mein Überleben ist gefährdet=, so sind wir in unseren Instinkten programmiert.

Da wird auf einmal das kleine Kind wieder wach, das ständig der Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern hinterherhecheln muß und in ständiger Angst vor Ablehnung lebt. Und sowas wird von einem kleinen Kind als bedrohlich erlebt.

Verliebtsein bringt Unsicherheit mit sich und kann ein vorzüglicher Trigger für all diese archaischen Programme sein, die dann in einer geschädigten Seele aktiv werden. Daher erlebst Du nun alle Szenarien, die mit Verliebtsein eigentlich erstmal gar nichts zu tun haben.

Ich kann Dir nochwas verraten: ich behaupte, dass Du Trennungen auch schwerer überwindest wie andere Menschen, aus genau den gleichen Gründen. Du hast nun einige Themen aufzuarbeiten, vermute ich mal. Viel Glück.

Danke für deinen Beitrag Moona. Es ist ganz genau so, wie du schreibst. Das sind genau die Themen, an denen ich seit Jahren arbeite.

Verlieben > Annäherung > Gefühl von Geborgenheit und Nähe > Angst vor dem wieder alleine sein

(Bin diagnostiziert mit Borderline. Dadurch alle Empfindungen nochmal 200% stärker).
 
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