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Gast

  • #1

Vermisse ich den Mensch oder die Umstände? Bloße Angst um die Zukunft?

Ich (m,26) habe mich nach 2,5 J von meiner Partnerin getrennt (keine Gefühle mehr + unterschiedliche Entwicklung). Es ist 9 Mon her. In den ersten 4 Mon nach der Trennung ging es mir relativ gut. Ich stand zu meiner Entscheidung. Dann fing ich an immer mehr Zweifel zu haben. Inzwischen ist es so, dass ich sie gar nicht mehr aus dem Kopf kriege und glaube den größten Fehler meines Lebens gemacht zu haben. Was mich damals gestört hat, empfinde ich nicht mehr so. Ich scheine eine größere Kompromissbereitschaft entwickelt zu haben. Wenn ich an die Beziehung zurück denke, ist sie so schön, dass ich mich frage, wie ich das alles aufgeben konnte. Ich habe mich in die Sache so hineingesteigert, dass ich nun Liebeskummer verspüre. Mein Ess-, Schlaf-, und Arbeitsverhalten sind total gestört. Sehne ich mich einfach nur nach einer Beziehung oder nach der Beziehung mit ihr? Kann man einen Mensch nach der Trennung mehr lieben obwohl kein Kontakt besteht? Sie ist übrigens inzwischen neu liiert.
 
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Gast

  • #2
Das ist gar nicht so ungewöhlich. Oft will man die Dinge haben, die man eben nicht (mehr) haben kann.

Die Frage, ob du wirklich diese Frau vermisst oder nur Sehnsucht nach einer Beziehung hast, läßt sich vermutlich nicht beantworten.

Aber mal andersrum:
Was ist denn aus den Gründen geworden, aus denen du dich getrennt hast? Spielen die nun keine Rolle mehr? Sind die nun verschwunden?

Vergegenwärtige dir doch einmal, warum du dich getrennt hast!
 
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Gast

  • #3
Schwer zu sagen was Du tatsächlich vermisst. Vielleicht hast Du Eure damaligen Probleme einfach verdrängt?? Mir geht es z.B. selbst so, dass ich die negativen Erinnerungen an meine letzte Beziehung immer mehr "vergesse" und mich oft frage warum es nicht geklappt hat. Ich muss dann immer meine "Tagebücher" lesen um mich an Dinge zu erinnern wegen derer wir uns (einvernehmlich) getrennt haben. Hin und wieder treffen wir uns noch und es ist immer sehr schön und harmonisch, danach kommen dann diese Fragen. Warum ging es schief? Zum Glück leide ich nicht unter diesen Fragen und habe ein entspanntes Verhältnis zu meinem Ex (vermutlich weil wir uns nicht im Streit getrennt haben) aber ich kann mich dann wirklich erst mal nicht mehr an die Probleme erinnern. Nach und nach fallen mir dann doch wieder gewisse Dinge ein und ich denke "Ach ja, so war das. Gut das wir uns getrennt haben. Aber schön, dass wir trotzdem Kontakt halten."

Versuche mal genau zu überlegen: Vermisst Du tatsächlich SIE?? Was hast Du an ihr geliebt und warum hast Du Dich getrennt? Würdest Du es heute anders sehen? Wenn ja, warum? Bist Du einfach nur einsam oder haben sich Deine Einstellungen wirklich geändert? Sei ehrlich zu Dir und versuche Deine Bedürfnisse besser zu erkunden. Da sie aber neu vergeben ist, sehe ich keine Chance sie momentan zurück zu erobern. Vielleicht stört Dich aber auch genau die Tatsache, dass sie wieder glücklich ist??

Viel Erfolg bei der Selbsterkenntnis!
 
  • #4
Was pyschologisch gesehen eigentlich dem Selbstschutz des Menschen dient, spielt Dir gerade einen Streich: Der Mensch verklärt die Vergangenheit. Schlechte Erlebnisse erscheinen plötzlich gar nicht mehr so schlimm, die schönen Dinge bleiben fast unverändert stark präsent. Daraus resultiert dann diese "Ach, eigentlich war es ja doch ganz schön"-Einstellung (und im übrgigen auch das "Früher war alles besser"-Gerede). Als logische Folge vermisst Du die Beziehung.

Deshalb ist es sehr wichtig, dass Du versuchtst, Dich ganz genau zu erinnern, wie sehr Dich die Dinge gestört haben, die letztendlich zur Trennung geführt haben. Mir geht es ab und zu mit einer Ex genauso. Wir haben sehr gut zusammen gepasst bis auf sehr wenige, aber sehr ausschlaggende Punkte. Wenn ich manchmal noch an Sie denke, rufe ich mir diese Dinge und wie sehr ich darunter gelitten habe in Erinnerung. Das hilft und die Gedanken sind ganz schnell wieder in der Gegenwart!

Viel Glück!

m38
 
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Gast

  • #5
"(keine Gefühle mehr + unterschiedliche Entwicklung)" Das erste war vermutlich eine Fehleinschätzung. Das vorausgesetzt würde ich folgendes denken:
"Vermisse ich den Mensch": Ja
"oder die Umstände?": Auch
"Bloße Angst um die Zukunft?" Ein wenig.
"mehr lieben".. es ist einseitig. Tut offensichtlich sehr weh. Einen Rat gab es hier den ich sinnvoll finde. Erinnerungstücke aus dem Blickfeld entfernen und keinen Kontakt mehr aufnahmen. M 53J
 
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Gast

  • #6
Hier der FS

@1 hab mich in dieser Beziehung nie wirklich frei gefühlt. Hab sie teilweise ertragen. Meine Ex wollte sesshaft werden, sprich mich heiraten, Kinder zeugen, Häusle bauen. Ich dagegen war dazu noch nicht bereit und wollte eher karriere machen. Hab mich von von ihr immer mehr entfernt, sowohl körperlich als auch geistig. Ich habe mich dann getrennt, auch ihr zuliebe. Mein Weltbild hat sich durch die Trennung verändert und ich kann mir jetzt sehr gut Haus und Familie vorstellen. Wir wären diesbezüglich jetzt auf der gleichen Wellenlänge.

@2 Genau das ist es, was mich so wurmt. Mit meinen jetzigen Einstellungen würden wir funktionieren, mit den damaligen konnten wir es nicht.
Ob ich tatsächlich SIE vermisse, weiß ich nicht. Im letzten halben Beziehungsjahr habe ich sie nicht mehr vermisst, obwohl ich nur an den Wochenenden zuhause war. Ich bin ehrlich gesagt, gar nicht mehr gern nach Hause gefahren. Obwohl sie alles für mich getan hat, konnte ich sie irgendwie nicht mehr leiden. Ich weiß nicht, ob es nur eine Phase war, die ich hätte durchstehen müssen. Damals konnte ich es nicht. Aber der Schmerz, den ich zurzeit emfinde, ist so groß, dass mir die Beziehung unter den damaligen Umständen doch zigmal lieber ist. Denn sie war mein Lebensmittelpunkt.
Es gibt kein Zurück mehr, das ist klar. Jetzt erst recht da sie vergeben ist. Das tut natürlich auch weh, zu wissen, dass sie jetzt mit jemandem anderen das Glück erfahren wird, das ich ihr, zumindest jetzt, hätte geben können.

@3 Genau da liegt mein Problem. Die Trennungsgründe finde ich überhaupt nicht mehr angemessen. Ich fühle mich, als wäre ich verlassen worden und schaffe es nicht mehr zu meiner damaligen Entscheidung zu stehen, was mich sehr depressiv stimmt.

@4 Die Erinnerungsstücke sind entfernt. Es tut aber nichts zur Sache, da das ganze Kino sich in meinem Kopf abspielt.
 
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Gast

  • #7
Aus meiner Sicht ist es auch ein Nähe-Problem ( wurde oben schon mal gesagt, glaube ich)
Wenn das Gute verfügbar ist, ist es nichts wert. Kann man es nicht mehr haben, dann brauch man es plötzlich. Das heisst, Nähe macht Angst. In deinem Fall, wie du geschildert hast, das völlige Einlassen mit Haus und Kindern.
Durch die große Ferne jetzt, und auch durch das Wissen, es kommt nicht mehr, ist diese Nähe plötzlich nicht mehr bedrohlich und damit wäre sie angenehm.
Denk mal intensiv darüber nach, Selbstreflektion kann so schmerzlich sein.
Jetzt geht es aber um deine Zukunft. Dazu am besten ein Schritt nach dem anderen.

1 Wir machen es uns im Leben leichter, wenn wir Situationen so akzeptieren, wie sie sind. Ohne wenn und aber. Das Dagegenstellen kostet viel Kraft und ändert nichts.

2 Das heisst aber auch, traurig sein darft du, verzweifelt auch und ärgern darfst du dich auch. Am besten du nimmst dies alles in deine Arme ( bildlich gesprochen ) und gehst mit deinen Emotionen liebevoll um. Du bist dir dein bester Freund und tust dir Gutes.

3 Wenn du das einigermaßen verarbeitet hast, kannst du doch wieder eine Frau treffen, mit der du das alles verwirklichen kannst. Vielleicht tritt dann das Näheproblem wieder auf. Dass es dir zu eng wird und du dich vielleicht doch nicht ganz einlassen willst. Dann denk daran zurück und sprich mit deiner Liebsten darüber. Vielleicht gehts dann in kleinen Schritten.

Noch ein Buchtipp:Stefanie Stahl: Jein! Bindungsängste erkennen und bewältigen.
Vielleicht hast du Lust es zu lesen. Damit kann man auch verarbeiten.

Wünsche dir viel Kraft und eine glückliche Zukunft.
w
 
  • #8
Hier nochmal #3

Wenn Du definitiv Deine Trennungsgründe nicht mehr nachvollziehen kannst, sie jedoch wieder vergeben ist, dann gibt es wohl nur noch einen schmerzhaften Ausweg: Versuch, nicht mehr an sie zu denken (ja, klar, super einfacher Tipp, ich weiß) und schau nach vorn. Suche Dir eine neue Partnerin, bei der Du dann diesen Fehler nicht mehr machst. So - nämlich aus Fehlern - lernen wir übrigens alle hier.

Schließ ab mit ihr, es gibt kein Zurück mehr! Vielleicht denkst Du in ein paar Jahren an diese Zeit hier zurück und bist dankbar, dass Du diese Erfahrung gemacht hast. Viel Glück!
 
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Gast

  • #9
Ich war in einer ähnlichen Situation wie du sie hier beschreibst.
Hatte das Ende der Beziehung gewollt und war mit meiner Entscheidung vollkommen zufrieden, ein halbes Jahr später begann ich ihn zu vermissen und über unsere Beziehung nachzudenken.
Das gefährliche daran...man vergisst wieso man eigentlich den Schlussstrich gezogen hat und man erinnert sich nur mehr an die schönen Dinge!
Versuche dir auch die schlechten Dinge ins Gedächtniss zu rufen.
Bei mir war es nur eine Phase und auch wenn ich gerne an die schönen Zeiten zurück denke und mir manchmal auch wünsche es wäre wieder wie früher, weiß ich trotzdem dass es nie mehr so werden würde wie es mal war und so denke ich es ist gut wie es war aber auch gut so wie es ist.
Viel Glück für dich!