• #1

Wann lohnt es sich an Freundschaften zu arbeiten und wann ist sie gescheitert?

Ich habe eine gute ältere Bekannte, die ich seit Jahren kenne. Wir sehen uns regelmäßig (1-3 mal im Monat) und es hat sich eine vertrauliche Ebene entwickelt. Ich mag sie sehr. Der Altersunterschied war nie ein Problem für mich, da sie eine sehr agile und vielseitig interessierte Person ist. Ich habe Freunde aus sehr unterschiedlichen Altersklassen. Nun hat diese Bekannte in den letzten Monaten -wenn überhaupt- immer nur spontan Zeit. Frage ich nach einem Treffen am kommenden WE, kommt die Antwort, sie sage mir in den nächsten Tagen Bescheid ob es klappt, es hänge auch vom Wetter ab...
Zu sich nach Hause lud sie mich noch nie richtig ein.
Gestern lief folgendes ab: am Vorabend hatten wir telefoniert und abgemacht, dass sie gestern abend um 20:00 bei mir sein wollte, damit wir noch zu einem Straßenfest gehen können. Sie sagte, sie sei zwar vorher noch verabredet, aber dies dauere nicht so lang und sie hätte am Abend auf jeden Fall Zeit. Ich machte mich fertig und wartete auf sie. Prompt kam um 19:45 die SMS- sie sei doch noch unterwegs und es werde wohl zu spät...ich war sehr enttäuscht und sagte ihr, dass ich so nicht mit mir umspringen lasse und bereits auf sie warten würde. Sie meinte, sie habe unsere Verabredung als nicht verbindlich gesehen, sondern es sei besprochen gewesen, dass sie sich meldet, wenn sie von der anderen Verabredung wieder zurück ist und klären, ob wir überhaupt noch zusammen los wollen. Aus meiner Sicht stimmt das nicht. Fakt ist, dass ich den Eindruck habe, ich bin bei ihr nur der Notnagel, wenn ihre anderen Freunde keine Zeit haben und dass sie die andere Verabredung gestern doch vorgezogen hat und mich am Ende vor vollendete Tatsachen stellte und absagte. Sie meinte, es handele sich wohl um ein Missverständnis und sie hoffe, unsere Freundschaft habe jetzt keinen Knacks bekommen...ich dagegen sehe sie aufgrund dieses Verhaltens nicht als Freundin und würde mich nun zurückziehen.
Was sind für euch NOGO´s in Freundschaften oder was sind für euch überhaupt richtige Freunde?
 
  • #2
In deinem Fall kommen für mich gerade einige NOGOs zusammen. Das wichtigste an einer Freundschaft ist für mich gegenseitiges Vertrauen und Respekt. Das vermisse ich bei deiner "Freundin". Sie will einzig und alleine bestimmen, wann ihr euch trefft. Du hast dich dem zu fügen, oder wie Du es richtig sagst, Du bist der Notnagel. Sie kommt gerne auf dich zurück, wenn sie gerade niemand anderes hat, mit dem sie die Zeit verbringen kann. Du bist also so etwas wie ein Lückenbüsser.
Das widersprecht für mich fundamental meinem Verständnis von Freundschaft. Freundschaften pflegt man, weil man eine Person mag, mit ihr gern zusammen etwas unternimmt etc. Bei ihr habe ich aber den Eindruck, dass sie einfach irgendjemanden an ihrer Seite braucht.
Zudem sollte man bei Freundschaften immer auch auf sein Bauchgefühl hören. Wenn ich deinen Beitrag lese, habe ich den Eindruck, dass Du mitterleweile ein schlechtes Bauchgefühl hast, was die Zukunft dieser Freundschaft betrifft. Du sagst auch klar, dass Du sie nicht als Freundin betrachtest, darauf würde ich auch hören.

Interessant finde ich auch, dass Du am Anfang deines Beitrages sie als "Bekannte" bezeichnest, deshalb solltest Du dich fragen, ob sie denn wirklich einmal eine "Freundin" war oder Du immer schon das Gefühl hattest (auf das ich hören würde), dass zu wenig Vertaruen zwischen euch ist und sie deshalb eigentlich immer nur eine "Bekannte" war. Denn "Bekannte" und "Freunde" sind doch ein grosser Unterschied.
 
  • #3
Was Du beschreibst ist keine echte Freundschaft, vielmehr sieht sie Dich - wie Du es selber beschreibst - als Notnagel. Eine echte Freundschaft charakterisiert sich u.a. auch durch Verlässlichkeit, ist bei irh nicht gegeben. Zudem lässt man einen echten Freund auch ins Haus, sprich in den privatesten Bereich.
 
  • #4
Hallo Meeresbrandung,

ich finde ihr Verhalten respektlos und sie ist unzuverlässig. Siehst du sie wirklich als Freundin? Vielleicht siehst du in ihr mehr als sie in dir?
Vermutlich bist du für sie nur eine Bekannte, mit der man mal unternimmt, wenn sonst keiner Zeit hat- also ein Notnagel.
Wie alt seid ihr beide denn? Ist der Altersunterschied sehr groß?
 
  • #5
Bei solchen Themen sollte man echt auf sein Bauchgefühl hören und nicht kämpfen! Ich weiß das. Ich habe neulich selber zu 2 "Bekannten" den Kontakt abgebrochen.
1. Zu einem Mann, den ich mir als Freund/ Kumpel gewünscht hätte.
Ich kannte ihn aus einem Urlaub. Ich habe auch später seine Frau kennen gelernt, die total nett war. Mich störte aber das ich mit ihm über nichts reden konnte, weil er den Hörer ständig auf laut geschaltet hat, damit seine Frau alles hört und ständig seine Frau alles haarklein wissen wollte und sich ständig eingemischt hat.
Furchtbar! Ich habe ihm gesagt was mich stört, er hat es nicht
geändert. Ok. Dann passt es eben nicht.
2. Eine Frau, die immer nur kurz angebunden war und nie Interesse an mir gezeigt hat. Nie hat sie zurück gerufen, etc. Also habe ich es sein lassen…

Es ist wie wie mit allen Beziehungen. Hinterherlaufen bringt nix. Entweder es kommt etwas zurück oder nicht.
 
  • #6
Liebe FS,
mit der Verabredung für 20.00 Uhr ist eben mal was schiefgelaufen. Du übertreibst hier ein wenig, wenn du sowas als Anlass siehst dich aus der Freundschaft zurück zu ziehen. Sie hat dir frühzeitig gesagt, dass sie bereits verabredet ist und sowas kann auch mal länger dauern. Ihr hättet für den Abend keine 2. Verabredung treffen sollen, das ist doch Freizeitstress pur für alle Beteiligten. Ihr habt eben "überbucht" wie bei der Lufthansa. Ehrlich, auf ein Strassenfesten kann man auch alleine gehen und Spaß haben. Ich bekomme den Eindruck, dass du wie eine "kleine Klette" an der Bekannten hängst. Das ist nervig, anstrengend und überfordert sie. Die Lösung wäre, dass du dir eine 2. und 3. Freundin suchst und dann abwechselst. Du bist zu fixiert auf eine Bekannte. Verabrede dich mal mit anderen Menschen oder in der kleinen Gruppe, so entsteht wieder eine gesunde Eigendynamik. Auch dass sich deine Bekannte eine Bedenkzeit erbittet und den Wetterbericht abwartet, finde ich völlig vernünftig. Ich mag es auch nicht überrollt zu werden. Niemand schreit juhuuu, nur weil du X und Y am freien Wochenende machen willst. Unsere Freizeit ist heute spärlich. Und man braucht auch mal Ruhe. Vielleicht kannst du ja mal nach ihren Vorschlägen fragen und auf ihre Wünsche eingehen? Dann unternimmt sie sicher auch gerne wieder was mit dir. Du klingst mir arg aufdringlich und bestimmend, sorry. Sei froh, dass du so eine liebe und geduldige Freundin hast. Andere Menschen würden nicht mehr ans Telefon gehen.
 
  • #7
Ich habe auch so eine Bekannte/Freundin, die mich (und auch andere) zu ihrem Notnagel erkoren hatte. Sie pflegt einen großen Bekanntenkreis und schaut immer erst, welches das für sie beste Angebot für z. B. das Wochenende ist. Diesem sagt sie dann zu - allen anderen spontan ab. Auch verpflichtet sie sich im Vorfeld nie wirklich fix zu einer Verabredung.

Ich hab mir das genau zwei Mal angeguckt bzw. mich von ihr vera... lassen. Seitdem habe ich peinlichst genau drauf geachtet, mich nie wieder selbst ohne "Absicherung" mit ihr zu verabreden. Z. B. verabrede ich mich mit ihr allein zum Shoppen, weil ich das - falls sie absagt - auch allein machen kann.
Bei einem Konzert oder einer Lesung (ich gehe nicht gern allein auf solche Veranstaltungen) sehe ich immer zu, dass noch jemand mitkommt, so dass ich im Fall der Fälle nicht allein dastehe.

Ich denke, das sind Menschen bar jeder Vorstellungskraft (Interesse?), wie der andere sich fühlt, wenn er spontan sitzen gelassen wird.
Eine enge Freundin kann so ein Mensch für mich niemals werden - da fehlt mir einfach die Verlässlichkeit und dass ich als Mensch gewertschätzt werde.
Eine Verabredung für eine Outdoor-Aktivität kann man bei schlechtem Wetter auch in eine Indoor- umwandeln. Mir ist eh wichtiger, die Freundin zu sehen - die Aktivität selbst ist für mich nur schmückendes Beiwerk.
Eine Freundschaft canceln würde ich deswegen nicht. Aber mich emotional nicht so reinhängen. Entweder es passt mal, dass man sich sieht, oder eben nicht. Eine eher lockere Sache.
 
  • #8
Wenn das nur 1x vorkommt, dass sie dann doch keine Zeit hat.. jo mei kann passieren. Aber wenn sie nie langfristig & verlässlich planen kann, wäre das auch für mich ein Problem.

Wenn abgemacht war, dass sie mit aufs Fest geht, dann auf sie gewartet & damit Zeit verschwendet wird für nichts, wäre ich auch böse. Für mich wäre es auch schwer am Samstag Abend noch spontan jemand anderen zu finden der Zeit hat, weil da einfach alle verplant sind
Freizeit ist spärlich, umso mehr will ich sie nutzen & nicht mit warten auf jemanden verplempern, der dann sowieso nicht kommt.

Ich würde schon klar machen, dass ich zu bestimmten Anlässen doch eine fixe Zu- oder Absage brauche/erwarte & das nicht erst 10 Minuten vorher, weil dann könnte man den Tag anders verbringen, falls sie keine Zeit hat.
Wenn das nicht geht, würde ich mir in Zukunft mit anderen Freunden planen & mich nicht mehr darauf verlassen, dass sie Zeit hat.
Die "beste Freundin", wird sie wohl nicht werden..
 
  • #9
Ich sehe in Freundschaften ziemlich viel nach. Manchmal ist die Freundin ein bisschen neben den Schuhen, manchmal bin ich es und bin auf ihr Wohlwollen angewiesen. Deine Freundin hat die Verabredung anders verstanden als du - das würde ich ihr einfach mal glauben. Dass du nun meinst, du seist für sie ein Notnagel, kann auch einfach daher rühren, dass man sich zuweilen bei einem Ärger ziemlich in etwas reinsteigert, das dann nach zwei Mal drüber schlafen schon nicht mehr als so schlimm erscheint.

Richtige Freunde sind für mich Menschen, die mir nicht bei der ersten Missstimmung die Freundschaft kündigen.

Frau 51
 
T

Toi et moi

  • #10
Naja, die Frage ist, was sie unter eine Freundschaft versteht. Du bezeichnest sie doch als eine Bekannte, während sie von einer Freundschaft spricht. Meine Cousine hat 4000 FB Freunde :).....Da muss ich jedes Mal lachen...... Echte Freundschaften gibt es vielleicht nur in der Kindheit? Neulich habe ich meine Tochter beobachtet wie sie mit ihrer Freundin spricht, sie hatten sich viele Tage nicht gesehen und als sie sich sahen, haben sie sich die Hand gegeben und zusammen weggerannt und freuten sich einfach, dass sie sich wieder gesehen haben.......Ich habe Freundinnen, diese sehe ich vielleicht alle 5 Jahre. Wir schreiben uns ab und zu via WA und alles was uns verbindet, ist die Kindheit oder die Schulzeit, eben die Vergangenheit. Es ist schön von ihnen zu hören wir erzählen uns auch über unser Leben aber wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass ich keine echte Freundschaft mehr zu denen spüre. Da habe ich auch keine sehr hohe Erwartung von ihnen. Es gibt aber auch Andere, wo ich nie für möglich gehalten hätte, dass wir wirkliche Freunde werden und in einem wichtigen Moment haben sie Charakter gezeigt. Generell bezeichne ich Menschen mit denen ich mal ins Kino gegangen bin nicht unbedingt als meine Freunde. Diese sind eben Bekannte, mit denen man Zeit verbringt. Ich verstehe mich wohl oder übel mit vielen Menschen sehr gut aber Freundschaft hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Man hat vielleicht wenn überhaupt zwei, drei wirkliche Freundschaften und eine Freundschaft entwickelt sich mit der Zeit und muss auch wie alles andere auf der Welt Prüfungen überstehen. Vielleicht deshalb habe ich auch wirklich keine Freunde, die Lebenslang geblieben sind. Ich empfinde es als sehr traurig und schade aber habe gelernt keine sehr hohe Erwartungen zu haben. Freundschaft gibt es vielleicht nur in der Kindheit. Im Erwachsenen Alter hat man viele Bekannte bei denen habe ich keine sehr hohe Erwartung. Wenn sie da sind ist schön, wenn sie aber auch absagen, auch ok. Vielleicht ist es eine Art Schutzmechanismus um nicht verletzt zu werden.
 
  • #11
Zudem sollte man bei Freundschaften immer auch auf sein Bauchgefühl hören. Wenn ich deinen Beitrag lese, habe ich den Eindruck, dass Du mitterleweile ein schlechtes Bauchgefühl hast, was die Zukunft dieser Freundschaft betrifft. Du sagst auch klar, dass Du sie nicht als Freundin betrachtest, darauf würde ich auch hören.
Interessant finde ich auch, dass Du am Anfang deines Beitrages sie als "Bekannte" bezeichnest
Ich sah sie überwiegend als Bekannte, weil sie so enorm viele andere Freunde und Bekannte hat, dass ich mir eher wie eine von vielen vorkam. Daher habe ich von vornherein schon innerlich einen gewissen Abstand gehalten. Sie hat gestern von Freundschaft gesprochen, das hat mich eher überrascht, denn ich hatte auch das Gefühl, sie sieht mich als lockere Bekannte- eben weil sie in letzter Zeit so unverbindlich war und mich ja gestern fast sitzenließ...dabei ging der Vorschlag für das Straßenfest eindeutig von ihr aus, obwohl sie ja noch die andere Verabredung geplant hatte. Schlimm fand ich besonders ihre Absage 10 Minuten vor der verabredeten Zeit. Ich finde sie hätte wenigstens früher Bescheid sagen können, damit ich noch umplanen kann.
 
  • #12
Ich habe fast kein Hobby, für das ich einen bestimmten Menschen brauche, Tennisspielen oder sowas.
Die wenigen Freunde, die ich habe, möchte ich als Mensch haben, nicht als Erfüllungsgehilfen.
Daher spielt es bei meinen Verabredungen keine Rolle, wie die äußeren Umstände, z.B. das Wetter sind.
Der Kern der Verabredung ist, dass wir uns treffen, was wir dann konkret machen, ist ziemlich schnuppe.

Wenn eine Freundin es also vom Wetter abhängig machte, ob wir uns treffen, lasse ich es sein.
Wenn ich merke, dass eine Freundin erst mal guckt, ob es noch was besseres gibt wie @Jana_09/15 es beschreibt, lasse ich es sein.
Wenn eine Freundin immer unpünktlich oder unzuverlässig ist, lasse ich es sein.

Ich habe wenig Zeit, die verschwende ich nicht mit Freundinnen, denen ich nicht wichtig bin.

Ausnahme: meine venezianische Freundin, denn die ist mir wichtig, weil der Kontakt einzigartig ist. Naja, nein, auch von ihr würde ich mich trennen, wenn ich solches wie oben beschrieben bemerken würde. Ich halte an dieser Freundschaft fest, obwohl diese Frau ein paar geringe Eigenschaften hat, die ich nicht schätze.
Die hat aber jeder Mensch, denn es gibt niemanden, der alles komplett so sieht und tut wie man selbst.
Ein paar kleine Kompromisse kann und muss man eingehen, sonst kann man keine sozialen Kontakte pflegen.
Wie immer macht das Gift die Dosis.
Das was die FS beschreibt wäre mir persönlich zu toxisch, dafür toleriere ich sicher anderes, was für andere unerträglich wäre.

w 50
 
  • #13
Liebe FS,
ich glaube, jedem von uns ist es schon mal passiert, dass wir mehrere Termine zu knapp geplant haben und es dann eine Kollision gegeben hat oder dass es ein Missverständnis gegeben hat, wie verbindlich eine Verabredung vereinbart war. Wenn das in einer Freundschaft einmal passiert, würde ich das nicht überbewerten, sondern erstmal einen "Freundschaftsbonus" gewähren und davon ausgehen, dass es zwar blöd gelaufen ist, es aber auch kein Drama ist, sondern ein Missverständnis oder eine entschuldbare Fehlplanung.
Ob sie ernsthaft an einer Freundschaft mit dir interessiert ist, kannst du leicht erkennen, indem du einfach abwartest, ob sie von sich aus auf dich zukommt und dich kontaktiert, um sich mit dir zu verabreden. Falls ja - fein. Falls nein, ist sie eben nicht interessiert oder nicht so stark wie umgekehrt. Das heißt nicht, dass du dann den Kontakt abbrechen musst, aber du weißt dann, dass ihr beide eine andere Intensität der Beziehung wollt. Wenn du sie so sehr magst, dass du damit leben kannst, dass du für sie vielleicht weniger wichtig bist als sie für dich, könnt ihr euch auf dieser Basis trotzdem ab und an treffen; das wird dann aber wohl immer eher auf deine Initiative sein.
Jeder Mensch tickt anders - manche sind sehr zuverlässig und strukturiert, andere lockerer und unverbindlicher. Manche suchen viel Nähe, bei anderen bleibt immer eine gewisse Distanz. Das klappt in Beziehungen nicht immer gut. Eine Empfehlung: Es gibt ein Buch, das für das Erkennen von Beziehungsdynamiken hilfreich ist. Es heißt "Er steht auf mich". Zwar geht es darin um Partnersuche, aber darin ist sehr gut beschrieben, welche verschiedenen Persönlichkeitstypen es gibt, und dieses Verständnis hilft auch bei freundschaftlichen Beziehungen.
 
  • #14
Ich sah sie überwiegend als Bekannte, weil sie so enorm viele andere Freunde und Bekannte hat, dass ich mir eher wie eine von vielen vorkam.
Ich habe auch in den letzten Monaten zwei Freundschaftsversuche gehabt. Okay - eigentlich Brieffreundschaften. Aber diese beiden Frauen sind beide in Frührente und haben ein ausgefülltes Leben mit vielen Bekannten und Freunden. Ich sehe das realistisch: Mir wäre das wichtig (gewesen), die aber brauchen mich eigentlich nicht.

Bei der einen Frau, die ich erst im Juli wiedergefunden habe - ich kenne sie aus einer Zeit, wo wir beide gehandicapt im Krankenhaus waren - schrieb gestern sinngemäß, dass ich ein bestimmtes Thema nicht mehr erwähnen soll. Sollte ich noch etwas zu diesem Thema schreiben, werde sie es nicht lesen. Das fand ich hart. Ich schrieb ihr gestern Abend noch, dass sie bitte nicht glauben möge, dass ich "seelischen Müll" bei ihr ablassen wolle (nichts liegt mir ferner). Sie schrieb sofort zurück, dass sie das auch nicht so empfunden habe. Aber von mir aus werde ich sie nicht mehr kontaktieren. Mir klopfte gestern Abend das Herz bis zum Hals - auch vor Scham.

Ich weiß aber, dass man wirklichen Freunden alles anvertrauen kann. Die sind auch in schlechten Zeiten für einen da. Deswegen: Wer nur einen einzigen echten Freund hat - in guten wie in schlechten Zeiten - der kann sich schon glücklich schätzen.
 
  • #15
Es gab eine Zeit, da bestand mein Leben unter der Woche nur aus Schlafen-Arbeiten-Schlafen. Meist war ich bis spät abends/teilweise nachts im Büro.
Zum Entspannen und Freunde treffen blieb da nur das Wochenende.
In der Zeit habe ich einen Freund kennengelernt, der es mit Pünktlichkeit auch nicht so hat. Er selbst war selbständig und konnte sich seine Zeit frei einteilen.
Einmal hat er es gebracht, wir waren locker für den Samstag Mittag/frühen Nachmittag verabredet, sich bis Samstag Mittag noch nicht zu melden, während ich natürlich auf glühenden Kohlen saß und das Gefühl hatte, ich verplempere meine wertvolle wenige Freizeit mit Warten auf ihn. Hab ich ihm dann auch geschrieben und seitdem ging es dann.
Seine Unpünktlichkeit hat er aber behalten. Von der geplanten Zeit kann man immer eine halbe Stunde draufschlagen, die er zu spät kommt. Damit kann ich aber leben und kalkuliere das gleich mit ein.
Mit dem anderen könnte ich nicht leben. Ich arbeite zwar nicht mehr so viel wie damals, trotzdem ist mir meine Zeit dafür zu schade. 2-3 Tage vorher kann man sich durchaus halbwegs verbindlich festlegen. Wer sich alle Flexibilität offen halten will, mich oder andere zu treffen, muss dann damit leben, dass ich meine Zeit anderweitig plane und nicht als Notnagel herhalte, wenn irgendwer abgesprungen ist.

W32
 
  • #16
Ich finde es immer schon ein wenig befremdlich, das Thema Freundschaft zu thematisieren. Also dass sie nachfragt, ob das eurer Freundschaft geschadet hätte. Ich fände das sehr seltsam, wenn ein Freund oder Freundin mich das fragen würde. Sie hat ja bemerkt, dass du sauer warst, also wäre die einzig logische Konsequenz, sich in Zukunft anders zu verhalten, wenn einem was an der Freundschaft liegt. Aber es scheint ja nicht das erste Mal passiert zu sein. Ist es denn 100% klar, dass ihr beide nur Freundschaft wollt? Bist du Mann oder Frau? So oder so brauchst du noch andere Freunde, falls du keine oder wenige hast, auf die du ausweichen kannst.
 
  • #17
In Freundschaften ist es wie in Beziehungen.

Entweder man passt in seiner grundsätzlichen Art seinen Werten und Einstellungen zusammen oder eben nicht.

Ich mag auch lieber Leute, auf die man sich verlassen kann. Wo Verabredungen eingehalten werden, das hat für mich auch etwas mit Respekt zu tun.

Deine Freundin ist eher der Typ, der es allen recht machen will und auf jeder Hochzeit tanzen will und dann sich dabei verkalkuliert, vielleicht ist es gar nicht mal böse gemeint, aber sie ist dann eben entsprechend chaotisch.

Sie wird sich in ihrer Art nicht ändern, entweder lernst du damit umzugehen das nicht persönlich zu nehmen oder du beendest den Kontakt.

Für mich persönlich wäre das nichts,ich finde das zu frustrierend.
 
  • #18
Um auf die Eingangsfrage zu antworten- eine Freundschaft ist dann gescheitert, wenn es keine gemeinsame Basis mehr gibt.
In meinem Fall sind das entweder a) unterschiedliche Lebenskonzepte (ich: kinderlos, Freundin: Ehe und Kind) und damit verbundene unterschiedliche Interessen (ich: Kino, Theater, Ausgehen, sie: Kita, Erziehung, Kinderkrankheiten) oder b) neue Partner, die soviel Freizeit einnehmen, dass die "Freundin" keine Zeit mehr für Treffen hat.

Und da dann auch nicht mehr nach einem Treffen gefragt wird, versandet die einst so gute Frauenfreundschaft.
Ich habe zudem beobachtet, dass primär Single-Frauen ihre Freundschaften pflegen. Sie wollen schließlich nicht alleine auf Männerfang gehen... sobald dann ein Mann "am Start" ist, werden die ach so guten "Freundschaften" gekappt mit "Keine Zeit! Schatz und ich sind beim Pärchenabend" oder "Wir machen heute n ruhigen Abend auf der Couch."
 
  • #19
Mich würde interessieren, wie viele Jahre ihr Euch kennt und seit wann Du dieses Gefühl hast, der Notnagel zu sein.

Hast Du das Gefühl schon immer, wird sich das nicht ändern. Kennt ihr euch erst seit 2 oder 3 Jahren ist es anders als wenn ihr schon seit 20-30 Jahren verbunden seid.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten damit umzugehen.

Du kannst ihr Verhalten akzeptieren, weil es nur eine aktuelle Phase ist, dass sie jetzt so verplant ist, oder weil es doch nett ist, ab und zu mit ihr nett einen Kaffee zu trinken.

Warum sprichst Du nicht mit Deiner Bekannten? Genau wie sie sich nur spontan verabreden kann, hast Du das Recht Dich mit entsprechendem Vorlauf verabreden zu wollen. Sage ihr doch, dass Dir spontane Verabredung nicht liegen.
Ich habe eine sehr gute Freundin, ohne besonderem Terminkalender o.ä. die aber für ihr ruhiges, bedachtes Gemüt mindestens 10 Tage Vorlauf für ein nettes Essen beim Italiener braucht. Gerade diese ganz strukturierte, bedachte Art gefällt mir aber an ihr.

Ich lade z.B. selten einzelne Menschen zu mir ein, aber nicht weil ich sie nicht mag, oder etwas verstecken will, sondern weil es für mich ein wenig langweilig zuhause ist. Da gehe ich lieber raus, oder ich lade viele Gäste ein.
Ich selbst finde es aber auch nicht schlimm, wenn eine Bekannte oder Freundin sagt, sie kommt jetzt auf einen Kaffee zu mir. Ganz im Gegenteil.
 
  • #20
Deine Bekannte versteht vermutlich was ganz anderes unter dem Begriff "Freundin". Ich denke mal, das sind alle, mit denen sie ab und zu freiwillig was unternimmt.

NOGOs. Hm. Es gibt viele.
- Weitertratschen, was ich erzähle über mich und irgendwelche Probleme.

- Sich dauernd mit mir vergleichen und das als Grundlage für Reden und Handeln nehmen (das hatte ich bei den Frauen, die ich als meine besten Freundinnen bezeichnet hätte, und hab das jahrelang nicht bemerkt. Es war nicht nur das, aber ein Teil der Basis, dass sie sich überhaupt mit mir abgegeben haben). Damit zusammenhängend: Missgunst.

- Zum Notnagel gemacht werden.

Ich geh mal davon aus, dass man sich bei zu großen Interessensunterschiedlichkeiten nicht erst anfreundet. Ebenso bei zu unterschiedlichen Reifegraden.

Ich glaube nicht, dass viele bewusst an einer Freundschaft arbeiten wollen. Das zerbricht doch eher als eine Beziehung, also in die wird mehr Arbeit reingesteckt, falls es kriselt, als dass sich Freunde dann hinsetzen und lange diskutieren, um eine Lösung für sich zu finden, weil die Freundschaft unbedingt erhalten werden müsste. Ich seh das so, dass einer immer hinterherrennen muss bei einer Freundschaft, wenn sie über eine Krise oder einen Bruch hinweg gehalten werden soll. Bislang war ich dann diese Person und es kam aber doch rum, dass dem anderen nicht so viel an der Freundschaft liegt und ich durch mein "Kämpfen" darum dem anderen nur meine "Bedürftigkeit" zeigte. Sie schätzten es einfach nur sowieso nicht so besonders, mit mir befreundet zu sein, und dass ich mich so drum bemühte, nahmen sie dann hin und dann lief es wieder, und wenn nicht, wäre es auch okay gewesen.

Ich hab den Eindruck, dass viele Menschen keine Freunde wollen und brauchen, wenn man Freundschaft damit verbindet, dass es auch Energie kostet, sie zu erhalten. Also Zuhören, wenn es bei einem Probleme gibt, sich Gedanken machen, schon mal was helfen, wenn man gebraucht wird.
Das, was sie brauchen, sind ab und an mal Menschen, mit denen sie was unternehmen können, mit denen es ganz unterhaltsam ist, aber eine echte Freundschaft beinhaltet ja auch ein Öffnen, und das machen ja insbesondere die Vergleicher nicht, weil es denen immer nur drum geht, vor dem andere toll dazustehen, damit der sie beneide, weil sie sonst neidisch werden würden. Ich denke, für viele soll eine Freundschaft Spaß und Vergnügen sein. Da passt Arbeiten daran nicht. Das haben ja viele schon genug mit ihrer Beziehung.
 
  • #21
Ist es denn 100% klar, dass ihr beide nur Freundschaft wollt? Bist du Mann oder Frau? So oder so brauchst du noch andere Freunde, falls du keine oder wenige hast, auf die du ausweichen kannst.
wir sind beide weiblich und es ist definitiv reine "Freundschaft/Bekanntschaft" und keine Liebesbeziehung.

Klar sollte man mehrere Freunde haben, aber wenn jemand so kurzfristig absagt, nutzen mir die anderen Freunde auch nix, denn die sind dann anderweitig verplant. Zudem ist es schwer neue Freunde zu finden, wenn man auf die 40 zugeht. Richtige Freundschaft baut sich über Jahre auf und Zuverlässigkeit ist für mich das oberste Gebot.
 
  • #22
Mich würde interessieren, wie viele Jahre ihr Euch kennt und seit wann Du dieses Gefühl hast, der Notnagel zu sein.
wir kennen uns von der Arbeit her seit 7 Jahren. Sie war nie eine direkte Kollegin. In den letzten 3 Jahren haben wir uns immer öfter verabredet. Wir waren zu einigen kulturellen Veranstaltungen und sie war auch schon bei mir zu Hause zum Essen. Sie dagegen hat mich noch nie richtig zu sich eingeladen und ich kenne auch ihre Kinder nicht (bereits erwachsen). Zu einem der beiden Kinder besteht kein Kontakt mehr...ich habe sie gefragt weshalb dem so ist und sie meinte, dass sich ihre Tochter nicht mehr melden würde...
Sie ist schon berentet, mehrfach geschieden und aus meiner Sicht ist sie rastlos. Permanent unterwegs, immer auf Achse. Ich merke, dass es immer oberflächlicher wird, weil sie zu viele Verabredungen hat. Ich habe auch das Gefühl, sie kommt sich langsam wie ein Star vor, weil sie so gefragt ist. Daher hat sie auch den Bogen bei mir völlig überspannt- sie ist in letzter Zeit immer maßloser geworden und verliert die Bodenhaftung.
 
  • #23
Solchen Leuten ist schnell langweilig. Die brauchen immer was Neues um sich, immer andere neue Leute. Ganz ehrlich - rastlose Menschen beneide ich nicht. Andernfalls können solche Leute mit Introvertierten (so wie mich) nicht viel anfangen.

Ich habe nun für mich festgestellt, dass (erhoffte) Freundschaften ganz schön anstrengend sein können. Freundschaften müssen gepflegt werden. Und ich frage mich manchmal wirklich, wie Menschen mit großem Freundeskreis das hinbekommen.
 
  • #24
Da hast du doch schon tief in deine Freundin hinein gesehen.
Diese rastlosen Menschen suchen etwas ganz Bestimmtes in ihrem Leben, das sie dringend benötigen.
Bei deiner Freundin offenbar das Gefühl, geliebt zu werden, wichtig zu sein, begehrt zu sein. Bei den meisten Frauen löst ein Partner irgendwann diese innere Spannung. Das sind dann auch die Kandidaten, die von jetzt auf gleich all ihre Freunde vergessen, wenn sie ihr primäres Befriedigungsziel erreicht haben.

Bis dahin müssen die Bekannten und Freunde zur Kompensation herhalten, als Ersatz-Befriedigung.
In der logischen Schlussfolgerung dessen wirst du nicht von ihr erhalten, was du dir wünschst (also eine echte, stabile Freundschaft). Weil es nicht ihren Wünschen entspricht.
Du brauchst mit ihr darüber weder zu reden, noch es von ihr einzufordern. Kannst sie nehmen, wie sie ist, ohne tiefere freundschaftliche Gefühle zu investieren. Diese wird sie wieder enttäuschen. Oder du brichst den Kontakt ab, weil du dazu keine Lust hast. Diese beiden Möglichkeiten stehen dir offen.

Drei meiner engeren Freunde haben in den letzten Jahren ihre Primärbefriedigung gefunden, unsere Freundschaften sind zu losen Bekanntschaften geworden. Ich hab eigentlich auch immer gewusst, dass sie etwas Bestimmtes suchen (einen Partner). Irgendwie hab ich's nicht wahrhaben wollen und immer gehofft, es käme anders und die Freundschaft würde halten. Hat sie aber nicht, es kam wie es kommen musste. Ich werde mich in Zukunft emotional von solchen "Suchenden" fern halten.
 
  • #25
Sie ist schon berentet, mehrfach geschieden und aus meiner Sicht ist sie rastlos. Permanent unterwegs, immer auf Achse. Ich merke, dass es immer oberflächlicher wird, weil sie zu viele Verabredungen hat. Ich habe auch das Gefühl, sie kommt sich langsam wie ein Star vor, weil sie so gefragt ist. Daher hat sie auch den Bogen bei mir völlig überspannt- sie ist in letzter Zeit immer maßloser geworden und verliert die Bodenhaftung.
Du hast ihr Verhalten analysiert, ihr Eigenschaften zugeschrieben. Das finde ich immer spannend.

Hast Du in gleicher Weise Dein eigenes Verhalten, Deine eigenen Eigenschaften, Deine eigene Motivation für diese Freundschaft reflektiert?

Mir ist aufgefallen:
Du bist Ende 30. Du findest es schwer in Deinem "hohen" Alter neue Freunde zu finden. Du sitzt alleine zu hause, wenn Deine Bekannte Dich kurzfristig versetzt.

Sie ist berentet (auch viel älter?). Sie fühlt sich wie ein Star, weil sie gefragt ist. Sie ist ständig unterwegs.
 
  • #26
Klar sollte man mehrere Freunde haben, aber wenn jemand so kurzfristig absagt, nutzen mir die anderen Freunde auch nix, denn die sind dann anderweitig verplant. Zudem ist es schwer neue Freunde zu finden, wenn man auf die 40 zugeht. Richtige Freundschaft baut sich über Jahre auf und Zuverlässigkeit ist für mich das oberste Gebot.
Dem kann ich so nicht zustimmen, ich verabrede mich manchmal auch sehr spontan und finde es auch nicht schlimm, wenn jemand mich spontan fragt, weil jemand anders abgesagt hat. Und man kann sich ja auch mit mehreren Leuten gleichzeitig treffen, nicht nur zu zweit. Zuverlässigkeit ist für jeden das oberste Gebot und zwar in jeder Beziehung, ansonsten hat es ja überhaupt keinen Wert.
Ich bin auch Mitte 30 und lerne überall ständig Leute kennen, bei der Arbeit, beim Sport, im Museum, durch die Online-Partnersuche, durch andere Freunde, im Verein... Klar sind das nicht alles gute Freunde, aber man kann auch eine Freundschaft aufbauen, ohne dass es Jahre dauert. Ich habe Freunde, die ich aus dem Kindergarten kenne, aus der Schule, aus dem Studium und welche, die ich bei der Arbeit und jetzt nach meinem Umzug in eine andere Stadt kennen gelernt habe. Natürlich sind letztere für den Alltag am wichtigsten, weil die anderen einfach zu weit weg wohnen. Da ist es mir dann auch nicht so wichtig, ob das zu dem Zeitpunkt schon lebenslange Freunde sind, sondern wir verbringen eine gute Zeit zusammen. Vielleicht verhalten ich mich manchmal auch wie deine Freundin, wenn ich mich verzettele oder einfach doch zu platt bin. Bisher hatte ich aber nicht den Eindruck, dass jemand es mir übel genommen hat, zumal ich es vielleicht schon angedeutet hatte oder es nur sehr selten passiert.
Aber wie gesagt, sobald man eine Freundschaft (negativ) thematisiert, stimmt m.E. schon irgendwas nicht. Es wurde ja auch schon erwähnt, dass Freundschaften meistens keinen festen Endpunkt haben wie eine Partnerschaft, sondern einfach "versanden", irgendwann stellt man fest, dass man kaum noch Kontakt hat und meistens belässt man es dann dabei, weil einfach kein Interesse mehr vorhanden ist. Mit der besagten Freundin würde ich nur noch Verabredungen ausmachen, die fest sind und bei der die Wahrscheinlichkeit, dass sie doch nicht kann, minimiert ist (durch vorherige oder nachfolgende Termine). Sie scheint auch um einiges älter zu sein, wenn du Ende 30 bist und sie schon erwachsene Kinder hat, oder? Kann sie nicht Termine mit ihren vielen anderen Bekannten und dir verbinden, statt sich immer nur einzeln mit dir zu treffen?
 
  • #27
Hast Du in gleicher Weise Dein eigenes Verhalten, Deine eigenen Eigenschaften, Deine eigene Motivation für diese Freundschaft reflektiert?

Mir ist aufgefallen:
Du bist Ende 30. Du findest es schwer in Deinem "hohen" Alter neue Freunde zu finden. Du sitzt alleine zu hause, wenn Deine Bekannte Dich kurzfristig versetzt.
ich hatte vor 10 Jahren sehr viele Freunde, darunter auch recht viele eng Vertraute. Bin dann vom Land in die Großstadt gezogen, habe studiert und viele aus den Augen verloren. Die meisten sind eben nun verheiratet und haben Familien. Daher ist es nicht leicht, sich einen neuen Freundeskreis aufzubauen. Mir ist klar geworden, was ich früher für gute Freunde hatte. So etwas kommt nicht zurück...
Anknüpfen an frühere Zeiten ist kalter Kaffee, es wird niemehr so wie es war. Sporadisch habe ich noch zu einigen Kontakt, aber es hat sich eben alles sehr verändert. Ich habe den Eindruck, dass man zwar schnell neue Menschen kennenlernen kann, sofern man sich gesellig und offen gibt, aber zuverlässige und wirklich tiefgründig interessierte Menschen sind nicht leicht zu finden.
 
  • #28
@Meeresbrandung: Dein letzter Post spricht mir aus der Seele! Diese innigen tiefgehenden Freundschaften, die ich aus der Schule und dem Studium hatte, habe ich nie wieder aufbauen können. Meine beiden ehemals besten Freundinnen sind für mich völlig untern durch. Seit sie in Partnerschaften sind, haben sie mich fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Das hätte ich nie für möglich gehalten, dass eine Freundin dann so gleichgültig sein kann. Zumal sie flüchtig mitbekommen haben, das ich extrem schwere Zeiten (burn out, Jobverlust etc.) durchgemacht habe. Es kam noch nicht mal eine Frage, wie es mir geht. Seitdem zweifele ich generell an Freunschaften. Ich habe zwar ein paar neue Leute kennengelernt, aber es ist dermaßen oberflächlich. Die eine Bekannte ist zwar lieb und nett, brauch aber 24/7 die Bestätigung, wie klasse sie ist. Momentan kann ich irgendwie gar keinen mehr um mich ertragen, bin damit aber auch unglücklich. Man is ja ein soziales Wesen.
 
  • #29
Ich kann nachvollziehen, dsss es nicht leicht ist, neue Freunde zu finden. Aber gerade in der Großstadt müsste das doch möglich sein. Hast du keine Freunde aus dem Studium, die auch noch da wohnen? Natürlich braucht es Zeit, aber ich bin mir ganz sicher, dass man auch in unserem Alter noch neue Freunde kennenlernen kann. Ging mir zumindest so, aber zusätzlich hatte ich auch Glück, dass meine anderen Freunde trotz Partnerschaft und Familie noch Interesse an mir haben, so wie ich auch an ihnen. Ich besuche die regelmäßig, bin da Patentante und spätestens seit WhatsApp ist alles noch einfacher. Sei aktiv auf der Suche, dann ergibt sich auch was. Du klingst etwas resigniert, "sofern man sich offen und gesellig gibt" als ob du es nicht tun würdest und es dir auch zu anstrengend wäre, weil es eh nie wieder wird wie früher. Ich gehe davon aus, dass du Single bist und "wir" Singles brauchen theoretisch einen doppelt so großen Freundeskreis, um Freizeit gestalten zu können, müssen also viel härter daran arbeiten, Kontakte zu bekommen.
 
  • #30
Ich denke, es kommt zweierlei zusammen, wenn es Ärger über Freundschaften gibt. Entweder man selber hat zu hohe Erwartungen daran, wie wichtig man noch sein kann für einen anderen, wenn der Partner und Familie hat, oder aber der "Freund" entpuppt sich als mies und ausnutzend und man konnte ihn vorher nicht durchschauen, weil er die Freundschaft brauchte und den anderen nur deswegen noch nicht entsorgt hatte.

1. Man wird erwachsen. Also ein Mann, der mit 30 noch am Rockzipfel seiner Kumpels hängt, obwohl er eine Partnerschaft eingegangen ist, hat noch die Eierschalen hinterm Ohr und klammert sich an seine Teenagerzeiten. Ich meine hier nicht, dass er die Kumpels nicht treffen darf usw., aber wenn das wichtiger wird als die Partnerschaft (ich geh mal davon aus, dass die Frau den Mann nicht besetzen will) und sich alles nach den wöchentlichen Treffen dieser Leute richtet, ist das unreif und der Mann hätte erstmal noch Single bleiben sollen, bis er bei den anderen Kumpels sieht, wie die das mit der Familie handhaben. Die sind nämlich dann sehr schnell nicht mehr verfügbar, wenn sie Frau und Kinder haben, und das ganz ohne Zwang.
Ich seh das auch so wie bei Partnern: Der, den man mit 16 wollte und passend fand, wird nicht der sein, den man mit 25 passend findet. Also wenn das kein Verein ist oder gemeinsame Interessen wie irgendein Sport die Leute verbindet, geht das auch durch unterschiedliche Lebenswege und Interessen auseinander. Wenn man sich in die gleiche Richtung entwickelt, ist das schön und kann eine lange dauerhafte Freundschaft werden oder man trifft sich zumindest später ab und an noch mal, um zu hören, was beim anderen los ist.

2. Die eigenen Erwartungen und die eigene Blindheit für den anderen Menschen. Ich denke, auch ein Freund erfüllt in frühen Jahren eine gewisse Funktion. Er zieht einen mit oder er folgt, man will von ihm Anerkennung oder Abhängigkeit, man hat endlich wen gefunden, der einen akzeptiert, mancher will sich vergleichen und besser abschneiden usw.. Wenn man hier manchmal liest, wie sich Threadersteller von ihren "Freunden" behandeln lassen, kann es nicht sein, dass es das gute Gefühl mit denen ist. Ich seh das wie bei Beziehungen mit den möglichen Projektionen auf den anderen.
Wenn sich das auflöst, weil der "Freund" eine andere Person gefunden hat, ist der Zurückgebliebene natürlich überrascht. Aber die Basis der Freundschaft ist weg, man wird nicht mehr GEBRAUCHT.
Ich denke auch, dass man nicht erwarten kann, dass einem viel bei Problemlösungen bei Krisen geholfen wird, weil so viele einfach durch ihre eigenen Probleme mit sich, Mann, Kindern belastet sind und da die ganze Energie hinfließt. Die Prioritäten setzt ja jeder selbst, also wer an Freundschaft sowieso nur gut fand, dass er den anderen brauchen konnte, der schmeißt das auch schnell weg, wenn er einen brauchbaren anderen gefunden hat, der ihm nun, wo er Partner und/oder Kind hat, mehr nützt.