• #1

Wann sollte man seinem Nachwuchs sagen, dass er adoptiert ist?

Mein Mann und ich haben nach einer ziemlich umständlichen Prozedur einen Jungen aus Brasilien adoptieren können. Wir lieben Ihn, wie einen eigenen Sohn. Er ist nun mittlerweile schon 5 Jahre alt (wir haben Ihn als 1-jährigen adoptiert). Bisher haben wir nicht über seine wahre Herkunft gesprochen. Doch nun wird er von den Kindern im Kindergarten häufig verspottet, weil er so ganz anders aussieht als wir. Wir wollen Ihn nicht verschrecken und möglichst behutsam vorgehen. Meint Ihr man kann das Thema Adoption einem Fünfjährigen schon plausibel begreiflich machen? Wir sind ziemlich ratlos, wie wir das am besten kommunizieren sollten? Ich habe schon schlaflose Nächte deswegen...
 
  • #2
Das ist eine extrem schwierige Frage. Kein Zeitpunkt ist der richtige. Einerseits soll er sich uneingeschränkt und zweifellos als Euer Kind fühlen, was er ja auch ist, und in diesem Bewußtsein aufwachsen. Andererseits soll er nicht eines Tages denken, Ihr hättet ihm die Wahrheit vorenthalten.

Da aber seine anderweitige Herkunft offensichtlich ist, glaube ich, daß ihr ihm behutsam beibringen solltet, daß er aus einem anderen Land kommt, und Ihr trotzdem seine Eltern seid. Er wird ohnehin bald merken, daß "etwas nicht stimmt". Da solltet Ihr lieber vorher aktiv werden und das in die richtigen Bahnen lenken, bevor ihm von dritter Seite und den anderen Kindern irgendwelcher Unsinn erzählt wird. Allerdings glaube ich nicht, daß man einem 5-Jährigen inhaltlich wirklich nahebringen kann, was Adoption ist. Vielleicht wendet Ihr Euch einfach ratsuchend an die Adoptionsstelle des Jugendamtes und an die Leiterin des Kindergartens. Manchmal kann auch ein Gespräch mit den Eltern der Kinder helfen, die ihn verspotten.
 
G

Gast

  • #3
Besser ist es, dem Kind früh und auf spielerische Weise mitzuteilen, dass es adoptiert ist. Zur Not einen Kinderpsychologen hinzuziehen. Wenn der Kleine es jetzt erfährt, lernt er im Laufe der nächsten Jahre damit umzugehen und stellt immer wieder Fragen, die ihm noch offen sind. Wartet ihr aber bis zum Pubertätsalter, könnte es schon zu spät sein und er wird nicht so gut damit umgehen können wie es im Kindesalter hätte möglich sein können. Zudem besteht die Gefahr, dass er es aufgrund seines Aussehens von fremden Kindern im Kindergarten oder in der Grundschule gesagt bekommt. Die werden sicherlich mit ihren Eltern zu Hause darüber gesprochen haben, warum ihr Kindergartenfreund eine andere Hautfarbe hat als sie selbst und seine Eltern. DAS wäre der Schock seines Lebens. Nehmt es lieber jetzt behutsam und kindgerecht in Angriff!
 
  • #4
Ich schätze, es ist sogar schon zu spät dafür. Mit fünf sind viele Kinder schon richtig pfiffig und sich ihrer selbst bewusst. Ihr müsst ganz schnell ehrlich sein und ihn schonend aufklären.

Eigentlich empfiehlt man, dies schon ganz früh und völlig selbstverständlich zu beginnen. Lasst Euch notfalls dazu beraten, aber nehmt es ganz zügig in Angriff.
 
G

Gast

  • #5
Liebe Fragestellerin

Bitte keine Aengste. Kinder gehen ganz natürlich um mit solchen Fragen. Ich bin selbst Adoptivmutter eines mittlerweilen 17 jährigen wunderbaren Sohnes. Mit ca. ç Jahren, als er eine schwangere Frau sah, sagte er zu mir: Mama, gell, so war ich auch in Deinem Bauch...? Es kostete mich eine Sekunde, um tief Luft zu holen, dann sagte ich: Schatz, Du warst auch so in einem Bauch, aber nicht in meinem Bauch, sondern im Bauch einer anderen Frau. Aber jetzt bist du hier in meinem Herzen (und ich zeigte auf mein Herz). Mein Sohn fand das das nütürlichste von der Welt! Später dann fragte er nach: ja in welchem Bauch war ich denn eigentlich... etc. In der Adoption gilt die Faustegel: immer soviel sagen, wie das Kind wissen will und nur altersgerecht. Klar sagt man einem Kind nicht: hey, du wurdest ausgesetzt oder deine Eltern waren drogensüchtig, sondern mit der Frage kann man vielleicht behutsam sagen: Deine Eltern konnten nicht zu dir schauen... Adoptivkinder finden die richtige Frage. Aber bitte keine Lügen, das nehmen sie einem später krumm... Gibt übrigens viel gute Literatur und Selbsthilfegruppen zu diesem Thema. Alles Gute!
 
  • #6
Mir ist es unbegreiflich, wieso Ihr darüber bisher noch nicht nachgedacht habt.
Das muss doch eine der grundlegenden Fragen sein, wenn ich ein Kind adoptiere. Schon erstrecht, wenn es "anders" aussieht, als seine Eltern.
Es ist unglaublich wichtig, dass Ihr Eurem Sohn vermittelt, dass die Adoption etwas gutes und wunderbares ist, und es für Euch keinen Unterschied macht. Dazu gehört natürlich ein ungezwungener und natürlicher Umgang mit diesem Thema.
Lass Euch am besten schnellstmöglich hierzu beraten!
 
G

Gast

  • #7
Wenn das Kind in einem "Irrglauben" aufwächst und sich dies später klärt, gerade erst durch "Vorhalte" von außen, wird das ein Schock. Keiner möchte die Erfahrung machen, mit einer "falschen" Identität aufgewachsen zu sein.

Am besten ist es meiner Meinung nach, Kinder frühzeitig auf einfühlsame, ungezwungene und etwas spielerische Art an das Thema heranzuführen. Macht Euch mit Literatur schlau, wie es am besten vermittelt wird.

Ich glaube, warum Ihr das Thema bisher zurück gehalten habt, ist nicht nur der Schutz des Kindes - denn das Kind wäre doch von Anfang an in dieses Wissen hinein gewachsen. Es ist vielleicht auch etwas Angst bei Euch dabei, als "nur" Adoptiveltern zu gelten.

Ihr selbst wisst, dass Ihr das Kind über alles liebt. Gerade bei Adoptiveltern ist Elternliebe immer da, die dagegen so manches leibliche Kind vermisst. Wenn Ihr das dem Kind vermittelt, wird es Euch nie als "nur" Adoptiveltern sehen, sondern als "seine" Eltern. Und genauso wird es auch mit der Tatsache, adoptiert zu sein, klar kommen. Selbst wenn er irgendwann seine leiblichen Eltern sucht, dann nur, weil er seine Herkunft kennen will und nicht, weil ihr ihm als Eltern nicht alles gegeben habt.

Also habt keine Angst, Eurer Kind über die Adoption aufzuklären. Ihr merkt, dass es von außen darauf gestoßen wird und dass es dadurch selbst Zweifel über seine Herkunft bekommt. Diese solltet Ihr Eurem Kind durch Gewissheit ersparen. Ein Kind muss wissen, wo es herkommt und zu wem es gehört. Die fehlende biologische Abstammung ist doch keinerlei Manko, wenn die Elternliebe so groß ist.

Zur Beruhigung: Mein Bruder wurde im Kleinkindalter aus Südamerika adoptiert, ebenso zwei Kinder im Bekanntenkreis meiner Eltern. Alle Kinder wurden nach der Adoption psychologisch untersucht, ob sie (gerade wegen den vorhandenen leiblichen Geschwistern) sich als gleichwertig zugehörig ansehen. Ja, das taten sie. Sie wussten von der Adoption, erklärten aber ebenso auch, wer ihre Eltern sind - nämlich die Adoptiveltern. Das Kind ist da "zu Hause", wo die Liebe ist.
 
G

Gast

  • #8
liebe dorothea,
ich habe selbst 2 adoptivkinder, jetzt im schulalter. such dir UNBEDINGT rat beim verein der pflege- und adoptiveltern (googel). die besitzen die notwendige kompetenz. mach schnell!
viel glück
m
 
G

Gast

  • #9
Wie seid ihr denn bisher damit umgegangen? Gab es nie Situationen, in denen er gefragt hat?

Am besten geht man ganz normal damit um. Euer gesamter Bekanntenkreis und die Familie wissen doch auch, dass euer Sohn adoptiert ist. Wenn ihr euch nicht ganz schleunig daran macht, ihm zu erklären, dass er "nicht aus deinem Bauch" ist, wird er später das Gefühl haben, schrecklich hintergangen worden zu sein.
Meine Schwester hat hier in Deutschland adoptiert und wir gehen alle ganz normal damit um. In vielen kleinen Äußerungen kommt das Thema immer wieder zur Sprache. Beispiel: "Na toll, die einzige Person, die auf dem Foto gut aussieht, wurde nicht in die Familie hineingeboren." Das versteht die Kleine (inzwischen vier Jahre alt) zwar noch nicht, aber so wird das Thema alltäglich und nicht zu einem Tabu. Vor einiger Zeit hat die Kleine gefragt, ob meine Schwester sie auch gestillt habe (eine Freundin war schwanger). Da musste meine Schwester ihr dann erklären, dass die Kleine nicht aus "Mamis" Bauch kommt, sondern bei einer anderen Frau im Bauch war.

Bevor Paare hier in Deutschland ein Kind adoptieren können, müssen sie an einem Kurs teilnehmen, der ihnen dem Umgang mit dem Thema Adoption Hilfestellung gibt. Das ist sehr hilfreich. Hier wird immer wieder betont, dass die Adoption ganz alltäglich sein muss.

Der Tipp mit dem Jugendamt von #1 war schon nicht schlecht. Dort könnt ihr evtl. auch Kontakte zu anderen Adoptiveltern knüpfen...
Nur bitte macht die Adoption nicht zu einem Tabu-Thema! Wenn ihr es aufschiebt, euren Sohn darüber zu informieren, kann es passieren, dass er es euch sehr lange übel nimmt.
Viel Glück und alles Gute
 
  • #10
von Anfang an hättet ihr das mit dem Kind offen kommunizieren müssen. Vor allem weil ja das Äußere ganz klar macht, das ihr nicht die leiblichen Eltern sein könnt. Er ist 5 Jahre alt und weiss das er belogen wird und er hat noch nicht einmal Strategien zur Verteidigung entwickeln können weil er gegen alle Vernunft wohl behauptet ihr seit seine Eltern. Laßt euch auf alle Fälle beraten und zwar sofort damit ihr sofort mit ihm sprechen könnt und sein Leidern reduzieren könnt. Unverandwortlich wie ihr bisher damit umgegangen seit
 
G

Gast

  • #11
hallo, ich bin selber adoptiert, mein Bruder auch. Unsere Eltern haben es uns sehr bald gesagt. Ich war damals so drei, wir standen im Supermarkt bei der Kasse, vor uns eine Schwangere. Ich fragte damals meine Mutter, wie das so war, als ich bei ihr im Bauch war. Sie hat mich damals bei der Kasse angelogen und gesagt, dass es so und so war. als wir daheim waren, hat sie mir erzählt, hat sie mich gleich hergeholt und mir erklärt, wie es wirklich war. ich denke nicht, dass ich das damals wirklich begriffen habe, aber es war gut. in regelmäßigen Abständen haben unsere Eltern mit uns darüber gesprochen. wir hatten auch immer Zugang zu allen Akten, mit Geburtsurkunde und Name der leiblichen Mutter. Es war für uns nie ein Problem oder Thema, wahrscheinlich weil bei uns daheim alles sehr offen abgelaufen ist.
Ich denke man sollte so früh wie möglich beginnen das Thema zu kommunizieren. Was ich meinen Eltern auch sehr hoch anrechne, sie haben nie ein schlechtes Wort über die leiblichen Eltern verloren, obwohl beide, meine leibliche Mutter und die meines Bruders während der Schwangeschaft nicht darauf geachtet haben ob sie trinken oder rauchen, und mein Bruder und ich als Säuglinge sehr schwach und krank waren. Sie haben uns nur gesagt, dass diese Frauen einfach nicht in der Lage waren uns großzuziehen und überfordert waren, und dass sie froh sind, dass sie uns bekommen haben.
Ehrliche Kommunikation ist in dem Fall einfach alles!
 
G

Gast

  • #12
Ich kann mich den Vorrednern nur anschließen!

Gute Freunde von mir haben auch zwei Kinder aus "Dritte Welt Ländern" adoptiert. Sie haben hier von der Adoptionsstelle des Jugendamtes Hilfe genau für den Umgang mit diesen Themen angeboten bekommen, und haben diese angenommen. Die Adoptionsstellen des Jugendamtes lässt Adoptiveltern eigentlich nicht allein mit den adoptionsspezifischen Erziehungsfragen - deshalb wundert mich ein wenig, dass ihr da gar keine Anbindung zu haben scheint!
Meine Freunde sind mit ihren Adoptivkindern von Anfang an offen mit dem Thema umgegangen. Das ist heute absolut üblich und die Empfehlung von Fachleuten. Wie die Vorredner hier schon schreiben: Kein Tabu aus der Adoption machen, absolut normal mit dem Fakt Adoption umgehen!
Meine Freunde versuchen z.B. ihren Kindern möglichst viel über ihr Heimatland zu vermitteln. Sie sind sogar schon als Familie dort hin in den Urlaub gefahren und haben den Heimatort besucht. Die Kinder (ebenfalls "fremdländisch" aussehend) entwickeln sowieso früher oder später das Bedürfnis, ihre Wurzeln kennenzulernen, da kann man also gleich offensiv in diese Richtung gehen. Tabuisiert man das Thema oder die Herkunft, kommt das Kind später womöglich in einen Loyalitätskonflikt, bekommt ein schlechtes Gewissen gegenüber den Adoptiveltern, weil es sich für seine Wurzeln interessiert.
Das eine Kind meiner Freunde geht mit der Tatsache, dass es adoptiert ist, übrigens unkomplizierter um, das andere steckt diese Tatsache nicht so leicht weg und hatte schon kleinere Krisen deshalb - auch das ist normal!

Liebe FS, wende dich möglichst schnell an die Adoptionsstelle des Jugendamtes und lasst euch beraten und unterstützen!
Später, in der Pubertät, können vorübergehend noch weitere typische Probleme auf euch zukommen, wenn das Kind vorwurfsvoll sagt: Ihr seid ja gar nicht meine Eltern, ihr habt mir nichts zu sagen! usw. Spätestens dann braucht ihr vielleicht nochmal Beratung, wie man mit der besonderen Situation umgeht.

Adoption ist in ihrer ganzen Tragweite nicht so ganz einfach! Ich habe deshalb Respekt vor Adoptiveltern! Aber holt euch Unterstützung!

w42
 
G

Gast

  • #13
Ich habe die vorherigen Beiträge (noch) nicht gelesen, aber:

Ich kenne zwei Fälle. Im einen Fall haben die Eltern ihrem Adoptivkind etwa im Alter Deines Kindes von der Adoption erzählt. In etwa so, dass sie ein Kind haben wollten, dass sie sich AUSGESUCHT haben, eines, das "nicht nur" zufällig entstanden ist. Sie sagten ihm, dass es GENAU dieses Kind war, dass sie sich gewünscht hatten und um die halbe Welt geflogen waren, um es zu finden. Dass sie sich schon beim ersten Anblick in das Kind verliebt hatten und ohne es nicht gehen wollten... usw usw. Sie haben also dem Kind ein Gefühl von Einmaligkeit vermittelt. Das Kind ist mit der Adoption zurecht gekommen, hat ein hervorragendes Verhältnis zu den Eltern und zitiert heute noch mit 30 Jahren mit einem Augenzwinkern diese Unterhaltungen von früher. Gut gelöst, finde ich.

Der andere Fall ist in die Hose gegangen: Die Eltern haben es dem Kind nie gesagt (nicht Euer Fall)!!! Unglaublich. Das Hundsgemeine an der Sache ist, dass ALLE anderen, die gesamte Großfamilie, Bescheid wissen. Dieser Mann, mein Cousin, heute 35, ist m.E. sozial auffällig. Vielleicht hat er eben doch immer gespürt hat, dass irgendetwas nicht stimmt.

Viel Glück!
 
  • #14
Es ist sicher nicht leicht, aber nicht unmöglich, dies einem Kind klar zu machen. Wichtig ist nur, dass das Kind sicher weiß, dass es geliebt wird.

Ich hatte eine leibliche Mutter und einen Adoptivvater. Mein Papa (für mich war er das immer) hat mich auch früh und besonders darüber aufgeklärt. In der Nachkriegszeit hat man noch nicht so viel über Kinderpsychologie etc. gewußt. Mein Papa hatte einfach die richtige Einstellung und Liebe, um mir das verständlich zu machen.

Er hat mir damals erklärt, dass mein richtiger Vater sich nicht um mich kümmern konnte. Als er meine Mutter lieb gewann, lernte er auch mich kennen. Und er stellte fest, dass ich genau so war, wie er sich immer seine Tochter vorgestellt hat (hat er mir gesagt). Deshalb habe er mich adoptiert und sei nun mein ganz richtiger Papa. Damals war ich 3 1/2 J.

Als ich in der Schule gelegentlich am Anfang gehänselt wurde, weil ich ja gar keinen 'richtigen' Papa hätte, habe ich geantwortet, dass mir das egal ist. Außerdem hätte mein Papa mich ja aussuchen können, was die Väter der anderen Kinder ja nicht konnten.

Mit dieser kindlichen Logik bin ich damals gut klar gekommen. Die Kinder waren ja auch nicht älter als ich. Nach eine Weile war das kein Thema mehr.

Spätere Fragen nach meinem Erzeuger gab es von mir nicht, jedenfalls als Kind nicht. Ich vermißte ja nichts. Ich bekam, was am Wichtigsten war: Liebe - und keine Lügen.

Natürlich wurde ich später auch über meinen Erzeuger aufgeklärt. Aber es war mir nie wichtig. Für mich ist auch heute ein richtiger Vater der, der sich um die Kinder kümmert, sie liebt, großzieht und umsorgt. Mit der Zeugung hat das für mich nichts bzw. nur sehr wenig zu tun.

Es gibt also viele Möglichkeiten, mit einer Adoption umzugehen. Alles kann richtig sein - falsch ist Verschweigen und Lügen.

Liebe ist das Zauberwort - ein Kind braucht ein Nest, in dem es sich Zuhause fühlt. Dann hat es auch nur altersgerechte Fragen.

Es wird also höchste Zeit, liebe FS. Holt euch Hilfe, wenn ihr unsicher seid - nur nicht länger warten!
 
G

Gast

  • #15
Also ich habe Bekannte, die im Abstand von einigen Jahren zwei Kinder adoptiert haben. Sie haben die Babies bekommen als diese gerade ein paar Tage alt waren. Das Jugendamt hat den Adoptiveltern geraten, ihren Kindern schon in der Wiege immer wieder zu erzählen, dass sie adoptiert wurden, dass sie sie im Krankenhaus abgeholt haben und dass ihre leiblichen Eltern sie nicht behalten konnten.

Zuerst wirkt das Ganze ja etwas abstrus - einem Säugling sowas zu erzählen, schließlich versteht es null. Aber dann wird ganz schnell klar wie gut der Tipp wirklich ist. Denn es geht dabei zuerst einmal einzig und allein darum, dass sie die Eltern daran gewöhnen, diese Worte, diese Sätze auszusprechen - und zwar dem Kind gegenüber. Zuerst ist da noch der Schutz, dass das Baby gar nichts versteht. Aber erzählen die Eltern das den Kindern immer und immer wieder, so geht es ihnen in Fleisch und Blut über. Irgendwann verstehen die Kinder ein kleines bißchen, dann immer mehr. Im Falle meiner Bekannten haben die Kinder das nicht nur leicht weggesteckt, zuerst erschien es ihnen als total normal an, dass man Kinder im Krankenhaus abholt. Mittlerweile haben sie verstanden, dass andere Eltern ihre Kinder nicht einfach im Krankenhaus abholen, sondern die Mutter das Kind dort selbst zur Welt bringt. Beide sind jetzt im Schulalter und haben (zumindest bisher) keinerlei Problem damit, dass ihre Eltern nicht ihre Eltern sind.

Ich wundere mich, dass der FS von Jugendamt und sonstigen Stellen nicht ähnliches empfohlen wurde. Wenn man es nämlich nicht so handhabt wie meine Bekannten, dann kommt das Problem: Wann ist denn der richtige Zeitpunkt? Bei einem Säugling, Baby sagt man sich dann: "Das versteht ja noch null." Bei einem Kleinkind sagt man dann, dass es zwar in der Lage sein wird, die Sätze zu verstehen, nicht aber deren wahren Inhalt, Bedeutung. Kommt das Kind in den Kindergarten, wäre meiner Meinung nach der allerspäteste Zeitpunkt für eine Aufklärung, vor allem dann, wenn das Kind auch für die Umwelt ganz klar als nicht-leibliches Kind erkennbar ist. Und ein Kindergartenkind kann das alles schon verstehen, denke ich. Dass die FS bis jetzt gewartet hat, finde ich auch seehr spät, wohl auch zu spät. Aber natürlich ist noch nichts verloren wenn man dem Kind jetzt alles schonend beibringt. Aber jedes weitere Warten lässt die Wahrscheinlichkeit steigen, dass alles in einer mittleren Katastrophe endet.
 
G

Gast

  • #16
Was für eine doofe Kita ist das denn ? Ich bin Leiterin in einer internationalen Kita und bei uns wird kein Kind gehänselt, weil es "anders" aussieht.

Ich würde es so machen, wie es hier schon vorgeschlagen wurde.
Bestimmt trefft Ihr bald mal in der Kita eine schwangere Frau. Dann erklärst Du Deinem Sohn einfach ganz beiläufig , dass er bei einer anderen Frau im Bauch war. Aber sein Papa (Dein Mann) und Du habt Euch so sehr einen kleinen Jungen gewünscht.
Deshalb seid Ihr mit dem Flugzeug ganz weit nach Brasilien geflogen und habt ihn da abgeholt. Denn er ist genau der allerliebste, kleine Junge, den Ihr Euch ganz doll gewünscht habt.
Das versteht er.

Vielleicht mag er sich dann auch mit Euch Bilder aus dem Land angucken, in dem er auf die Welt gekommen ist.
Viel Glück und alles Gute für die ganze Familie !
 
G

Gast

  • #17
Habt Ihr Euch in den vergangenen 5 Jahren keine Gedanken darüber gemacht, was und wann Ihr dem Kind erzählen wollt?
Darüber sollte man sich informieren, bevor das Kind ins Haus geholt wird. Seit einigen Jahren weiss man, dass man es so früh wie möglich dem Kind sagen sollte, dass es adoptiert wurde.
Ein Kind ist eine grosse Verantwortung.
Deshalb muss man in Deutschland auch umfangreiche Tests absolvieren, bevor das Amt ein Adoptivkind anvertraut.

Oben sind genug Beispiele, wie man das tun kann.
Kinder fragen ab dem 3. Lebensjahr, wie es für sie als Baby war etc. Bereits da hättet Ihr Fotos vom Abholen zeigen sollen und Eure langwierige, beschwerliche Suche nach dem tollsten Kind der Welt erzählen können.
Euer Kind ist etwas ganz Besonderes, etwas ganz stark Ersehntes, das müsst Ihr ihm klarmachen!

Ich frage mich genauso wie die Kitaleiterin, welche Kita es duldet, dass Kinder verspottet werden.
Ich würde ein sehr ernstes Wort mit den Erzieherinnen und der Leitung reden. Notfalls würde ich die Kita wechseln. Egal ob Vorschulstufe oder nicht, sowas geht überhaupt nicht. Toleranz und Respekt fängt in der Kita an. Die Erzieher haben den Beruf verfehlt.

Aber wer seinem Kind nicht erzählen kann, wo es herkommt, kann es auch nicht vor unfähigen Erziehern schützen. Liebe bedeutet nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen sondern auch für das Kind un sein Wohl einstehen, auch wenn es schwierig wird.
Mir tut das Kind leid.