• #1

Warum bin ich ständig auf der Suche nach Frauen?

Hallo zusammen,

ich bin männlich, 42 Jahre alt und lebe seit 18 Jahren in einer Beziehung, seit knapp 11 jahren verheiratet. Dazu zwei Kinder im Alter von 6 und 10.
In meiner Ehe bin ich sehr unglücklich. Meine Partnerin und ich haben es spätestens seit den Kindern versäumt eine Paarbeziehung aufzubauen. Auch vorher lief das Paarleben in Form von Freundeskreisen ab; Ganz selten gab es tatsächliche Zweisamkeit mal ausgenommen von gemeinsamen TV-Abenden. Sexuell läuft seit mehreren Monaten nichts mehr, auch sonst der Totalverlust an emotionaler Nähe. Keine Lust auf gemeinsame Zeit (von meiner Seite) und ich fühle eine gewisse Abneigung. Seit gut einem Jahr habe ich eine Affäre mit einer jüngeren Frau, bei der ich zunächst dachte es ginge um Liebe und ich habe auch sehr starke emotionale Gefühle für diese Frau. Ich stehe am Rande einer Scheidung, jedoch bin ich bei meinen Überlegungen grade an einem Punkt angekommen, an dem ich sehr stark an mir selbst Zweifel. Zunächst einmal ist mir natürlich bewusst, dass ich höchst unmoralisch handle und so nicht weitermachen darf.
Mein Problem ist, dass ich bereits seit ich denken kann nicht treu sein konnte und ständig um Frauen geworben habe; Dabei nicht mal halt vor Frauen der Männer meines Freundeskreises halt gemacht habe. Egal wo ich bin suche ich Blickkontakt und Bestätigung; Bin sehr aufgeschlossen und voller Phantasien, habe illoyale Gedanken. Selbst bei der aktuellen Affäre, die mich sexuell seit langem einmal wieder erfüllt bleibt dieses Verhalten, wenn ich Unterwegs bin beim joggen oder einkaufen. Ich komme mir vor wie ein 16 jähriger, der dringend eine Freundin sucht und extrem auf die Reize anderer Frauen reagiert.
Stand jetzt halte ich mich schlichtweg nicht für Beziehungsfähig. Offenbar scheint irgendwas mit meinem Selbstwertgefühl nicht zu stimmen, wobei ich mich eigentlich sehr wohl fühle, beruflich erfolgreich bin und viele Freunde habe.
Ich denke ich habe viel erreicht bislang, aber bei dieser Thematik schlägt es komplett aus und natürlich ist mir klar, dass mein Verhalten absolut daneben ist.
Habt ihr einen Ansatz, wie ich mit diesem Problem umgehen kann?
 
  • #2
Was ich gut finde, ist das du zumindest hier ehrlich bist.Ok- was könntest du machen?
Viele Freunde wirst du ja während der Ausgangsbeschränkungen nicht treffen können. Dafür tobst du dich jetzt beim Joggen und Spazierengehen aus mit Schauen.
Wie wäre es, wenn du die derzeitigen Beschränkungen mal nutzt, um zu dir zu kommen? Wovor läufst du weg? Was macht dir Angst? Intimität also seelische Nähe lässt du ja in deinem Leben kaum zu.Das ist nicht falsch, viele Menschen leben so. Außen top, innen nicht viel los. Angenommen, du würdest schwer krank (und später wieder gesund) welche Menschen würdest du dir an deiner Seite wünschen? Was wäre dir wichtig, wenn im Außen alles wegbricht?
 
  • #3
Mein Problem ist, dass ich bereits seit ich denken kann nicht treu sein konnte und ständig um Frauen geworben habe; Dabei nicht mal halt vor Frauen der Männer meines Freundeskreises halt gemacht habe. Egal wo ich bin suche ich Blickkontakt und Bestätigung; Bin sehr aufgeschlossen und voller Phantasien, habe illoyale Gedanken.
Interessant. Ich finde schon, dass man auch in Gedanken treu ist, wenn man eine gute Partnerschaft mit erfülltem Sexleben hat, aber so sehe ICH das, weil ich so bin. Naja, und ich würde Dein Verhalten auch als Selbstwertproblem ansehen wollen, auch wenn ich nicht weiß, ob es nicht noch andere Gründe geben kann dafür.
Es ist aber noch was anderes, wenn man gemocht werden will, also um andere Frauen wirbt, aber irgendwann ganz überrascht ist, wenn die sich verlieben, als wenn man sexuell interessiert ist und deswegen wirbt.
Ich kenne auch das Bestätigung-Suchen. Das war in ganz jungen Jahren so, weil ich null Selbstwertgefühl hatte, und später, als ich die 40 überschritten hatte und Angst hatte, als Frau nun unsichtbar zu werden, wie das immer so behauptet wurde. Da war ich aber nicht in einer Partnerschaft und es ging mir nur darum, attraktiv gefunden zu werden. Ansonsten habe ich mich aber auch super mit mir selbst gefühlt. Also es war kein mangelndes Selbstwertgefühl an sich.

Stand jetzt halte ich mich schlichtweg nicht für Beziehungsfähig.
Es gibt ja noch andere Beziehungsformen als die übliche Partnerschaft. Wenn Du Dich getrennt hast, kannst Du auch Affären haben ohne Ende, falls Du den Frauen nicht eine Beziehungsanbahnung vortäuschst, was ich fies fände.
Vielleicht hast Du zu viele Schranken im Kopf und musst Dir einfach nur mal die Gelegenheit geben, unzensiert Deinen Interessen nachzugehen, statt zu denken, man müsste eine Beziehung haben. Dann stellst Du vielleicht fest, dass Sex durchaus unterschiedliche Qualitäten hat und der in einer Liebesbeziehung am schönsten ist. Oder Du verabredest eine offene Beziehung mit einer neuen Partnerin.

Die Lösung ist ja Trennung. Das steht schon mal fest, würde ich sagen. Denn IN der Ehe bleiben bis an Dein Lebensende und die Chance zu verpassen auf eine glückliche Beziehung ... Finde ich ne Horrorvorstellung.
Ich glaube auch nicht, dass Deine Kinder so glücklich werden. Das wäre jetzt mein erstes Problem - wie kann man die Trennung für die Kinder so gestalten, dass sie keine Verlustängste kriegen müssen und nicht verstört werden, dass ihr Zuhause kaputtgeht.
 
  • #4
Lieber Jonas,
du fragst nach dem Warum. Die Küchenpsychologin sagt: Du bist im Außen erfolgreich, aber als Mensch und Mann fühlst du dich nicht gut genug. Das mag daran liegen, dass du in deiner Ursprungsfamilie genau das vermittelt bekommen hast, ggf. dort „gelernt“ hast, dich um Aufmerksamkeit und Anerkennung bemühen zu müssen, ggf. in erster Linie bei deiner Mutter (vielleicht war sie auch abwesend, etwa durch Trennung, Krankheit oder Sucht). Deshalb suchst du schon dein ganzes Leben lang Bestätigung von möglichst vielen Frauen, um irgendwann - so die unbewusste Hoffnung - zur Ruhe kommen zu können und dich gut zu fühlen.
Es ist das sog. innere Kind in dir, dass sich so sehr uneingeschränkte Liebe und Anerkennung von einer Frau wünscht.

Wenn du mal den Begriff „inneres Kind“ googelst, stößt du vielleicht auf Stefanie Stahl; die Bücher und auch ihr Podcast könnten dir erste Anstöße geben.

Selbstliebe zu lernen (also die Erkenntnis „Ich bin gut so, wie ich bin“) ist ein längerer Prozess und bedeutet letztlich, als inzwischen erwachsener Mensch für das eigene innere Kind da zu sein. Beschäftige dich mit dem Thema und du wirst dich, dein Leben und vielleicht auch deine Ehe mit anderen Augen sehen.

Alles Gute dir,
w56
 
  • #5
Vielleicht solltest du endlich mal zu dir stehen, anstatt die Erwartungen anderer zu erfüllen, den netten Sunnyboy und beruflich erfolgreichen Vater zu mimen. Von der "liebenden Ehemann- Fassade" hast du dich ja schon getrennt. Wie stehst du zu deinen Kindern?

Auf jeden Fall könnte dir eine Therapie helfen herauszufinden, woher dein Bedürfnis nach Bestätigung kommt, wie du echte Erfüllung im Leben finden kannst und etwas mehr Mut zur Ehrlichkeit.
 
  • #6
Du hast eine Leere in dir und hoffst, dass jemand anderer sie füllen kann. Das ist heutzutage bei vielen Menschen der Fall. War bei mir auch so, bis ich an mir gearbeitet habe. Man findet immer wieder jemanden, in den man seine Hoffnungen setzt und irgendwann ist es vorbei weil natürlich kein Mensch perfekt ist und schon gar nicht dazu da, unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Außerdem kann auch niemand den Erwartungen gerecht werden. Ein falsches Wort an falscher Stelle und schon bricht die Welt zusammen.
Du wärest gut beraten, in einem Coaching an den Ursachen zu arbeiten und dann auch daran, diese Art von emotionaler Abhängigkeit zu überwinden und in dir selbst frei zu sein. Viele Menschen betäuben sich mit exzessiven Feiern, Sex, Geschwindigkeit, Alkohol, zu viel Arbeit, zu große Ergebenheit für ihre Kinder usw. Alles, was zu viel ist ist ungesund und zeigt, wie leer ein Mensch selbst ist und wie wenig er sich selbst spürt. Deshalb braucht man dann Ablenkung, um bloß nicht in sich zu schauen, lieber macht man sich unglücklich im Job, in der Beziehung usw. Sieht man auch gerade jetzt in der Corona Krise, wie viele Menschen mit sich selbst und mit ihren Familien nichts anfangen können. Weil alles nur eine Fassade ist und die Existenz nur aufgrund der Ablenkung vom Aussen möglich ist. Man ist getrieben von den Aktivitäten jeder Art, vom Verblödungs-Fernsehen und vor allem von dem, was die Medien und die Trendsetter uns gerne suggerieren, was wir alles haben müssen, was wir alles angeblich unbedingt brauchen, wie wir aussehen müssen usw. Und alles sind nur Ersatzbefriedigungen dafür, dass man sich von sich selbst entfernt hat. Und leider werden auch Menschen wie Gegenstände behandelt. Und trotzdem findet man keine Befriedigung, die Leere bleibt.
Ich habe mich zB noch nicht eine Sekunde zu Hause mit mir selbst und meinem Leben gelangweilt, im Gegenteil, wenn nicht Menschen an der Krankheit sterben würden und Existenzen gefährdet wären würde ich diese kollektive Auszeit als Segen empfinden. Das wäre früher anders gewesen. Immer musste ich das x-te Geschirr haben, die neuesten Pflegeprodukte, Klamotten gekauft und nie getragen, usw. Jetzt sagt jeder, ich bin die Frau mit den wenigsten Klamotten und Schuhen :D Dafür kaufe ich das, was ich wirklich will und toll finde, auch wenn es dann teurer ist. Qualität vor Quantität - auch in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich brauche keine tausend "Freunde", dafür die richtigen. Und keine Beziehung, die meinen Partner und mich auf die Dauer mehr belastet und uns Energie raubt als dass wir glücklich miteinander sind. Du merkst es doch selbst, du und deine Partnerin macht euch gegenseitig unglücklich. Ein Teufelskreis. Schau bei dir, niemand kann dich glücklich machen, keine Frau der Welt kann das leisten, das kannst nur du selbst.
 
  • #7
In meiner Ehe bin ich sehr unglücklich. Meine Partnerin und ich haben es spätestens seit den Kindern versäumt eine Paarbeziehung aufzubauen. Auch vorher lief das Paarleben in Form von Freundeskreisen ab;
Das ist sicher der Grundfehler in vielen Beziehungen mit Kindern. Um die Beziehung kümmert man sich nicht wirklich und wenn dann irgendwann Kinder "anstehen", dann setzt man die halt in die Welt...

Ich würde an Deiner Stelle das Thema Beziehung gemeinsam mit Deiner Frau und ggf. einem Coach/Therapeuten angehen und dann ggf. die Konsequenzen ziehen.
 
  • #8
Ich glaube du hast unterbewußt nur das Gefühl etwas verpasst zu haben, in deiner Ehe und mit den Kindern. Aber du hast weder etwas verpasst noch hast du etwas falsch gemacht. Vielleicht sind deine Träume auf der Strecke geblieben, vielleicht lässt deine Frau dich nicht ganz Mann sein, gibt dir das Gefühl nur der Papi und der Versorger zu sein. Dein Grundproblem haben sehr viele Männer und gerade hier im Forum schreiben einige ganz offen darüber. Lese hier mal eine Zeitlang mit und du wirst erkennen das du mit deinem Frauenkosum nicht alleine bist. Das nimmt der Sache erst mal die schärfe. Ich plauder mal aus dem Nähkästchen, dieses Flirten und der Blickkontakt von fremden oder auch nicht so fremden Männern kennt jede Frau, will nur damit sagen du bist normal. Viele Frauen sind regelrecht angep.... wenn sie keinen frechen Blick vom Mann bekommen. Bleib gelassen.
 
  • #9
Mein Problem ist, dass ich bereits seit ich denken kann nicht treu sein konnte und ständig um Frauen geworben habe; Dabei nicht mal halt vor Frauen der Männer meines Freundeskreises halt gemacht habe. Egal wo ich bin suche ich Blickkontakt und Bestätigung;
Lieber Jonas
So wie du dich beschreibst, hat dein jetziges Verhalten nicht so viel mit deiner Ehefrau zu tun, sondern vor allem mit dir selbst. Da du noch nie treu sein konntest. Für mich klingst du wie ein Süchtiger, der selbst die ihm wichtigsten Beziehungen riskiert, lügt und betrügt, wenn's darum geht, seinen "Stoff" zu kriegen. Ohne Rücksicht auf langfristige Verluste und selbst im Wissen, dass es falsch ist.
Ich meine, könnte es u.U. sogar Sexsucht sein, was dich antreibt? Oder hältst du das für abwegig?
Habt ihr einen Ansatz, wie ich mit diesem Problem umgehen kann?
Ich würde dir dringend zu einer Therapie bei einem sympathischen Therapeuten raten. Aktuell scheinst du viele unangenehme Gefühle noch verdrängen zu können; berichtest uns, dass du dich "eigentlich ganz wohl" fühlst. Aber das alles kann in sich zusammen fallen, wenn deine Affäre auffliegt oder eine der Frauen genug hat. Bei dir steht entweder eine Scheidung an, mit jahrelangen Anpassungsprozessen für dich und alle Beteiligten, oder eine Veränderung deiner lebenslangen Gewohnheiten (oder weitere Jahre der Geheimniskrämerei und Scham). Was du beschreibst ist keine Lappalie, die man mit ein paar Ratschlägen angehen kann. Oder was sich durch einen Partnerwechsel erledigen wird. Du scheinst im Grunde deines Herzens nicht nach deinen Werten und Ansichten leben zu können.
 
  • #10
Hallo
Der erste Schritt zur Veränderung ist mal Reflektion und deine Selbsterkenntnis.
Ich würde mich eben fragen warum du das machst. Selbstwert? Dein Ego braucht Bestätigung und du holst dir das im Aussen. Ich kenne das. Das Gefühl geliebt werden zu wollen. Liebe dich selber und du brauchst es nicht mehr im Aussen holen. Deine Ehe ist zu retten wenn du das möchtest. Such das Gespräch mit deiner Frau. Oder hast du Lust deine Kinder nur noch am Wochenende zu sehen? Schau deiner Frau mal wieder tief in die Augen und frag sie mal wie es ihr wirklich geht. Redet offen über eure Gefühle, nackt kuscheln, deine Frau zu fühlen bringt sehr viel Nähe. Vielleicht ist es auch zu spät. Ich würde es auf jeden Fall versuchen, damit ihr euch hinterher nicht sagen müsst, hätten wir doch mehr für uns getan. Liebe dich selber. Dafür gibt es Videos und Bücher ohne Ende!!! Viel Glück!!
 
  • #11
Hallo Jonas, ich kann Dich sehr gut verstehen.
Denn ich ticke recht ähnlich. Mit dem Unterschied, dass ich meinen Mann, mit dem ich seit 25 Jahren verheiratet bin, sehr liebe.
Dennoch kann ich nicht monogam leben. Seit nunmehr 14 Jahren habe ich einen zweiten Lebenspartner, der auch bei uns lebt. Für die meisten schwer vorstellbar, haben wir ein schönes harmonisches Leben und empfinden uns als Familie.
Eigentlich habe ich alles was Frau sich wünschen kann. Und mehr.
Dennoch, ich habe immer wieder Afgären. Manche dauern nur ein paar Wochen. Andere schon mal ein paar Jahre. Und ich verliebe mich in diese Männer. Temporär.
Ich halte mich für einen sehr reflektierten Menschen. Über viele Jahre analysierte ich mich, nahm mich immer wieder auseinander, hinterfragte und setzte mich neu zusammen. Dennoch, ich blieb ich und in mir blieb diese Sehn - Sucht nach einer neuen Liebe, neuen ersten yküssen, nach den ersten 9 Wochen des ywahnsinns der Verliebtheit.
Mittlerweile akzeptiere ich mich wie ich bin. Es ist wie es ist.
Seitdem geht es mir besser. Vielleicht wäre das auch für Dich eine Option?
 
  • #12
Ein sehr ehrliches Post.
Du solltest dich hinterfragen, wo diese Verhaltensweisen herkommen. Jeglicher Grundstock wird in der Jugend gelegt. Wie war das Verhaeltnis zu deinen Eltern, wie hast du deinen Vater, deine Mutter wahrgenommen? Warst du sicher-gebunden? Geh mal in dich ,nimm dir Zeit, lass Gefuehle zu, schau ehrlich hin, was dir als Kind gefehlt hat, zu kurz gekommen ist, im Uebemass da war. Und dann wirst du ein Muster zu deinen vergangenen/ aktuellen Beziehungen erkennen. Nicht nur Liebesbeziehungen. Wie oben schon geschrieben, versuchst du deine innere Leere im Aussen zu fuellen. Das funktioniert nicht!