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Gast

  • #1

Warum gibt es heutzutage so viele emotionale Krüppel und wie geht man mit ihnen um?

In letzter Zeit sind mir sowohl unter den Männern als auch unter den Frauen Menschen begegnet, die nicht in der Lage waren Gefühle angemessen zu erleben bzw. zu reagieren. Ich bin bestimmt auch nicht das, was man weitestgehend als "normal" bezeichnet wird. Aber ruhen sich viele nicht auch darauf aus, Gefühle nicht mehr anzuerkennen oder auszuleben, weil es ja unsere Gesellschaft so will und es so einfacher ist? Nehmen sie einfach keine emotionale Herausforderung mehr an?
 
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Gast

  • #2
Diesen Eindruck habe ich allerdings auch manchmal. Ich glaube schon, dass es heute einfach ist emotionalen Herausforderungen aus dem Weg zu gehen. Sobald es schwierig wird und man ein Minimum an mehr Emotionen investieren müsste, schmeißt man lieber alles hin und sucht sich einen leichteren Weg. Die Welt ist eben groß und bunt und es gibt noch viel zu entdecken... Warum soll man sich da bei Problemen groß anstrengen und nach Lösungen suchen?
 
G

Gast

  • #3
@ Fragesteller: Dass es früher weniger emontionale Krüppel gab, halte ich für ein Märchen aus dem Buch "Früher war alles besser". Wahr ist, dass noch vor fünfzig Jahren in den Familien die Grundversorgung an erster Stelle stand und nicht - wie heute - der Austausch von Gefühlen. In der Erziehung wurde kaum Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kinder genommen. Sie hatten sich an die Bedürfnisse der Eltern anzupassen. Eltern und Lehrer hatten das Züchtigungsrecht und Begriffe wie kindgerecht oder Kuschelpädagogik wären verständnislos belächelt worden. ... und in den Jahrzehnten vorher war alles noch schlimmer. Die damals entstandenen Verkrüppelungen sind heute noch in den folgenden Generationen zu spüren und wohl die Ursache für die mangelnden emotionalen Fähigkeiten vieler Menschen heute.

@#1: Durch die Auflösung gesellschaftlicher, religiöser und anderer Grenzen hat sich die Anzahl der Menschen, mit denen wir eine Freundschaft oder Partnerschaft eingehen könnten erheblich vergrößert. Der Gedanke liegt da nahe, aus dem Vollen zu schöpfen, die Ansprüche immer höher zu schrauben, alte Beziehungen zu beenden und neue zu beginnen. Dass das sehr kurzsichtig ist, da jedes Mal wieder von Null begonnen werden muss und man am Ende auf eine große Anzahl belangloser Bekanntschaften zurückblickt, bedenken dabei die wenigsten. Man kann diesen Weg gehen, muss aber nicht. Seit ich wieder auf Partnersuche bin, frage ich mich, wie ich Menschen erkennen kann, die den selben Weg suchen wie ich.
 
G

Gast

  • #4
@ Fragestellerin: Wenn du dich selbst weitestgehend als N i c h t "normal" bezeichnest, was erwartest du dann eigentlich von unserer Gesellschaft, deren winzigstes Glied du bist? Oder - was ist denn für dich eine "emotionale Herausforderung"? Es wäre sinnvoll deine Frage ein wenig konkreter zu stellen!
 
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JoeRe

  • #5
Das ist wieder eine der Fragen, die in die Richtung geht "Warum sind die Menschen da draußen so schlecht". Das ganze auch so allgemein, dass jeder seine Frustgefühle über "die Gesellschaft, die anderen Menschen, die Mehrheit" oder was auch immer darein projezieren kann.
Diese Threads haben leider die Tendenz, sehr stark in Begriffen wie "wir" und "man" zu sprechen, und gemeint werden dabei immer nur die undifferenzierten anderen. excuse-me's Thread über die Verantwortung zeigte leider eine sehr ähnliche Tendenz.

Ich mag es konkreter. Wer macht genau was? Was heißt, auf "Gefühle angemessen reagieren"? Was ist eine "emotionale Herausforderung" und wann wird sie "nicht angenommen"? War es früher wirklich besser? Wer ist "unsere Gesellschaft" und inwieweit werden wir durch "die Gesellschaft" beeinflusst?
Wo stehen wir dabei?
Ich habe öfters gesagt, dass ich das Forum besonders dann schätze, wenn die Poster über sich selbst schätzen, anstatt über andere und über "die Allgemeinheit".

Deshalb ich werde selbst konkreter mit eigenen Erfahrungen:
Ich war früher sehr viel introvertierter, verschlossener und hatte nicht im Ansatz an Gefühl für die Bedürfnisse anderer. Ich war überzeugt davon, dass ich mit meinem abstrakten Denkvermögen sehr viel wettmachen konnte. Ich war sehr oft einsam, manchmal frustiert, aber ich dachte, später gibt sich das.
Heute glaube ich, dass die Anerkennung meiner eigenen Gefühle und die Fähigkeit, mit den Gefühlen anderer umzugehen, extrem wichtig ist -- sowohl im Job als auch im Privatleben, und insbesondere im Liebesleben. Ich bin immer noch kein Partyknaller, die Amplitude meiner Gefühle ist immer noch nicht hoch, aber ich kann sie einschätzen, und ich lerne, die Gefühle anderer sowie deren Motivation und Interessen einzuschätzen.
Im Privatleben helfen mir kleine Dinge -- z.B. manchmal einfach mal zuhören und versuchen, den anderen zu verstehen -- an Personen näher ranzukommen, sie interessanter zu finden und ene Tiefe in ihnen zu entdecken, die mir früher verborgen geblieben ist. Im Berufsleben hilft es mir, Interessenskonflikte aufzulösen oder zumindest die Interessen konkret anzusprechen. Klar, manchmal falle ich in alte Verhaltensmuster zurück und ärgere mich darüber. Mit Gruppensoziologie komme ich immer noch nicht klar. Ich habe immer noch Ängste, habe immer noch intime Gefühlswelten, die ich nur schwer ausspreche.
Aber ich sehe, wie wertvoll und bereichend es für mich ist, diese Gefühle zu teilen und die anderer mit mir teilen zu lassen.
Ich nehme auch endlich war, dass sehr viele Leute einen Ausgang für ihre Gefühle benötigen, oftmals eine Person, der sie sich anvertrauen können. Ich kenne wenige, die ihre Gefühle weiterhin bewusst unterdrücken und "nicht ausleben" -- nur viele, die nicht die entsprechende Situation oder den Kontext finden, das zu tun. Manchmal erfahre ich allein durch offenes, ehrliches Interesse mehr über ihr Denkschema und warum sie sich so verhalten, wie sie sich verhalten.

Ach so, und eines, an was ich überhaupt nicht glaube, ist ein "normaler" Umgang mit Gefühlen. Das ist für mich ein Begriff, der sich perfekt zur Manipulation eignet (und auch gerade hier im Forum so benutzt wird).

--JoeRe, 7E1F7A5D
 
G

Gast

  • #6
Fragestellerin: @#3: Als "normal" bezeichnet man doch "weitestgehend" die Perfekten unter uns. Aber die gibt es gar nicht. Wenn es die doch gar nicht gibt, wer ist dann normal? Eine emotionale Herausforderung sehe ich in der Bereitschaft jemand anderen in sein scheinbar perfektes Leben zu lassen.
 
G

Gast

  • #7
Dein Ton ist viel zu rau als dass man mit dir diskutieren möchte.
Als Partner oder Partnerin kannst mit einem flaschen Wort ausgeschieden sein.
 
E

excuse-me

  • #8
Oha - hört sich nach "abgeblitzt" an.
Oh-oooh - Forderung "in sein Leben gelassen zu werden" - ganz schlecht.
Wer wird schon gern mit Forderungen konfrontiert - also damit dürfte man mir auch nicht kommen.
 
G

Gast

  • #9
Lisa
@Fragestellerin. Der Begriff "normal" rührt aus der Statistik und bezeichnet den Mittelpunkt einer Kuhglockenähnlichen geschwungenen Linie. Alles was rechts und links von diesem Mittelpunkt abweicht ist "nicht normal"! Du bezeichnest dich selbst als "anormal"! Also, wie definierst du deine "Anormalität" in Bezug auf was?
Beantworte doch erst mal die Antworten/Fragen von @3 und @4 um deine schwammigen Begriffe und Verallgemeinerungen zu klären!
 
V

VirginiaWoolf

  • #10
Darf ich das ein wenig korrigieren, @Lisa?
Was in den Medien oder hier bisweilen als Statistik verkauft wird - da gruselt den/die Mathematiker/in - wie war das doch gleich mit der Kuh und dem Teich?

Es heißt zwar "NORMALVerteilung", und gibt Häufigkeiten einer bestimmten Eigenschaft einer hinreichend großen Anzahl Untersuchungen (Stichprobe oder Grundgesamtheit) an.
Alles was dann sehr weit links oder rechts vom Maximum der Gaußschen Glockenkurve auftritt, ist dann eben nicht mehr sehr häufig. Die Schlussfolderung, dass das un- oder anormal sei resultiert dann eher aus unserem gesellschaftlich naerzogenen NORMbereich, der bekanntlich wegen NoGos und Vorurteilen arg zu wünschen übrig lässt.
Daher vermeide ich (weitestgehend), das Wort "NORMAL" im Zusammenhäng mit Menschen, Gefühlen usw. zu verwenden.

Ich habe in meinem Umfeld beobachtet, dass schon einige nicht mehr sozial wahrnehmen können, vom Wollen ganz zu schweigen.
 
G

Gast

  • #11
Lisa
@9 Ja, du darfst.
Allerdings kommt man z. B. in der Soziologie nicht umhin, das Verhalten von Menschen als "normal" oder nicht "normal" zu klassifizieren, wie sonst liessen sich die Devianten davon abgrenzen.
 
G

Gast

  • #12
Statitisch "NORMAL" kann auch emotional defizitär sein, wenn gesellschaftlich und sozial etwas in die falsche Richtung läuft!
 
J

JoeRe

  • #13
@9
Sehr schön gesagt, Virginia.
---

Warum wird die Partnersuche so oft auf ein Soziologieexperiment reduziert?
Nochmals: Ich will dort keine soziologischen Kategorien haben. Ich brauche sie nicht.

Was in der Soziologie normal ist, ist im privaten Bereich gewöhnlich. Was in der Soziologie anormal ist, ist privat außergewöhnlich.
Ich entscheide mich für außergewöhnlich.
 
G

Gast

  • #14
Was heißt: "unsere Gesellschaft"? Die der Mitschwimmer, Jasager, sich-Verbieger... damit die Kinder (und nicht die von Frau von der Leyen und die von ihr propagierten)eine Zukunft haben?
Es geht nicht ausschließlich ums Geld, aber ohne ist es halt auch sehr schwer zu leben.
Akzeptiert, dass es zwangsläufig viel mehr ums Materielle geht, das heißt, um die schiere Existenz - und ganz anders, als das bei meinen Eltern, mit Kriegs-und Fluchtsituationen noch der Fall war, ehe sie (für damalige Verhältnisse spät, mein Vater hatte seit seinem 27. Lebensjahr 10 Jahre in Krieg und Gefangenschaft verbracht, eine Familie gründeten - er war bei meiner Geburt "schon" 40 damals).
Natürlich geht es um Werte, die wir unseren Kindern sozial, empathisch usw. vermitteln mögen (auch ich bin eine "späte Mutter" mit einer endlich begnadeten, natürlichen Schwangerschaft.mit 40), mein Sohn hatte bisher nie ein Problem damit und auch nicht, als er, auch wegen des kleinen/für ihn besseren Gymnasiums mal 2 Jahre bei seineem Vater lebte,
nur 60km weg, aber täglich über den Schwarzwald weg nicht täglich zu schaffen.
Eine Erfahrung für alle..
Du scheinst, wie ich auch, manches zu vermissen, mir scheint auch, dass es ziemlich "hinübergegangen" ist, eine Grundachtung vor einem anderen Menschen zu haben, eine "Freundlichkeit des Herzens" - das sieht man ja auch hier auf dem Portal, mit schlampig ausgefüllten Profilen, denen gleichzeitig hohe Anforderungen entgegen stehen..., aber dies ist hier nicht Thema.
Ja,es gibt Menschen, die auf die innere Stimme hören und egal ob Taxifahrer oder Professor, Arzt, Mechaniker oder Fließbandwerker... eine große menschliche Weite haben, einen offenen Horizont, eine große Tiefe, die "emotionale Anfordrungen" aufnimmt - Menschen, die authentisch sind.
Was suchst Du? Oder hast Du die Frage generell gestellt? (Sie ist mir persönlich zu generell:)

Gleichzeitig danke ich Dir, JoeRe #4, für Deine Gedanken!

Ylva