• #1

Warum hat er so reagiert?

Es geht um einen Arbeitskollegen, er wurde neu integriert. Und das vor paar Monaten. Es gab so eine Kolleginnengruppe, die sich zusammengetan hat und ihn jedes Mal verspottet hat. Mit seinen Arbeitskollegen verstand er sich gut. Mir tat es aber unfassbar leid, ich beschloss extra nett zu sein. Ich lächelte immer wenn er mich ansah, und eines Tages wollte ich mit ihm reden, um den anderen Kolleginnen zu sagen "Ach, eigentlich ist er ja doch total nett und in Ordnung".
Ich sprach ihn an, er klang freundlich und wünschte mir ein schönes Wochenende. Doch er wurde immer seltsamer, distanzierte sich von mir mehr und mehr. Ich sprach ihn erneut an, sagte "Hey, weißt du noch am Anfang? Ich wollte nur sagen, dass ich mitbekamt wie andere Kolleg..." - er unterbrach mich sofort, sagte "Oh, tut mir leid, aber ich habe kein Interesse". Ich sagte "In Ordnung, das respektiere ich, aber ich wollte wirklich sagen, dass..." und er unterbrach mich wieder mit "KEIN INTERESSE", diesmal in einem genervten Ton. Er ließ mich überhaupt nicht zu Wort kommen und rannte weg. Was soll das? Das war unfassbar verletzend, ich wollte doch nur die Situation aufklären. Wie soll ich jetzt am kommenden Montag reagieren?
 
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  • #3
Du bist doch nicht Jeanne dárc ;-)
Es ist zwar sehr liebenswert, dass du Partei ergreifen wolltest aber es ist auch übergriffig, da du nicht darum gebeten wurdest. Wenn er sagt, er hat kein Interesse, diese Dinge zu erörtern, dann hast du das zu respektieren. Ohne wenn und aber. Ich finde es völlig richtig, wenn er sich so klar abgrenzt. Vielleicht hatte einfach Sorge für Fronten zu sorgen?! Vielleicht hat er auch schon mal erlebt, das seine Freundlichkeit jemandem Hoffnung gemacht hat?! Es ist letztlich nicht deine Baustelle. Sei weiterhin freundlich, sachlich und professionell. Mehr kannst du nicht tun und vor allem nicht erwarten.
 
  • #4
Liebe FS, das tut mir leid. Ich wäre auch sehr verletzt. Aber weisst du was? Seine Reaktion sagt vor allem etwas über ihn aus. So reagiert man doch nicht, auch nicht wenn jemand wirklich Interesse zeigt und man selber keines hat. Er rannte wirklich weg? Wer macht denn sowas...

Was heisst eigentlich, er wurde "integriert"? Ist das ein geschützter Arbeitsplatz oder so? Du erzählst sonst nichts über ihn. Vielleicht ist er in seiner sozialen Interaktion eingeschränkt und kann nicht adäquat reagieren?

Übrigens habe ich mich auch schon gemobbter Kollegen "angenommen", weil es mir leid tat, dass sie von anderen ausgegrenzt wurden. Leider kam das nicht immer gut für mich. Ich musste die Erfahrung machen, dass solche Leute unbedingt in der sozialen Hackordnung aufsteigen wollen, auch auf Kosten anderer. Wer besonders nett ist, wird leider nicht selten als schwach angesehen. Diejenigen, die in der Hackordnung zuunterst stehen, sehen deine vermeintliche "Schwäche" dann als Möglichkeit, selber aufzusteigen, indem sie sich von dir abgrenzen. So eine "Kollegin", die gerne erzählte, wie sie ständig gemobbt worden sei, hat mal hinter meinem Rücken übelst gegen mich Stimmung gemacht. Das fing in einem Moment an, als ich bei einigen anderen vorübergehend in Ungnade gefallen war. Das Messer im Rücken hat sehr wehgetan. Aber ich habe gelernt, das nicht persönlich zu nehmen.
Vielleicht ist es für dich ein kleiner Trost, dass solche Menschen in der Regel nirgendwo gut ankommen und in der sozialen Hackordnung immer relativ weit unten stehen. Mir hat diese Erkenntnis ehrlich gesagt eine gewisse Genugtuung gebracht.
 
  • #5
Entschuldige, aber ich muss schmunzeln. Da hat die zwischenmenschliche Kommunikation wohl komplett versagt.

Dir ist doch klar, was er mit "Kein Interesse" meint, oder nicht? Er denkt, du bist interessiert an ihm. Kein Wunder, wenn du übertrieben nett bist und ihn jedes Mal anlächelst. Da würde wahrscheinlich jeder ein Interesse deinerseits vermuten.

Warum er so harsch reagiert hat, kann ich nur vermuten. Erstens hat er offenbar kein Interesse an dir und möglicherweise seit ihr im Kollegenkreis schon Gesprächsthema, weil du dich so auffällig verhältst. Dem will er keinen weiteren Gesprächsstoff geben, wenn über ihn sowieso schon gelästert wird.

Du hast es gut gemeint, aber damit völlig falsche Signale gesendet. Lass Gras über die Sache wachsen, bis die Sache in ein paar Monaten vergessen ist und ihr nicht mehr Gesprächsthema im Flurfunk seit. Dann kannst du es beiläufig noch einmal ansprechen. Jetzt am Montag verhalte dich ganz neutral.

W33
 
  • #6
Weil er nicht interessiert ist. Hat er ja nicht geheim gehalten, sondern dir verraten und gezeigt.
 
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  • #7
Es gibt eine unterschiedliche Wahrnehmung bei Männern und Frauen. Was eine Frau als nett empfindet, empfindet Mann als Anmache.
 
  • #8
Was willst du da die Retterin spielen. Lass es. Der Typ ist seltsam, die anderen haben das wahrscheinlich schon früher bemerkt. Du hast dich korrekt verhalten, das reicht. Nach dem Erlebten würde ich einen grossen Bogen um ihn machen. Am Montag: normal grüssen, weitergehen, keine Diskussionen, auch nicht wenn sie von ihm gestartet werden.
 
  • #9
Was er damit gemeint hat, lässt sich aus deiner Beschreibung leider nicht ableiten. Aber offensichtlich möchte er nicht mit dir sprechen und das solltest du akzeptieren. Denn nur weil DU mit jemandem sprechen möchtest, muss der andere darauf nicht eingehen.

Die Art und Weise wie er das kommuniziert hat, ist sicherlich nicht besonders höflich, aber so ist das nun mal im Leben, es gibt nicht nicht nur höfliche Mitmenschen.

Vielleicht hat er auch schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht oder private Probleme, die ihn zu solch einer Reaktion gebracht haben, aber das ist nicht dein Problem. Menschen, die bereits häufig von anderen abgewiesen wurden, werden oft selbst abweisend und weisen andere ab, bevor diese es tun können.

Konzentriere dich einfach auf dich, lass den Kollegen in Ruhe und gib ihm die Gelegenheit, auf dich zu zu kommen und mit dir zu sprechen, wenn er dazu bereit ist.

Wenn du wirklich Mitgefühl mit ihm hast, zeige Verständnis, dass er nach so viel Ablehnung wahrscheinlich misstrauisch gegenüber anderen Menschen ist und erst wieder Vertrauen aufbauen muss, dass es Menschen gibt, die ihn nicht ablehnen. Das funktioniert sicher nicht mit Druck oder indem du ihm gegenüber jetzt beleidigt reagierst, weil er dich abgewiesen hat.
 
  • #10
Ok, ich stelle mir etwas vor, kann sein, dass ich schief liege. Du hast ja nur wenig geschrieben.

Er 'wurde integriert' ? Ihr seid ein Integrationsbetrieb, er ist also ein Kollege mit Behindertenstatus, richtig ?
Falls nicht, passt es trotzdem, was ich weiter sagen will.

Er ist ein Außenseiter und zwar so deutlich, dass sich die Kolleginnen ungestraft über ihn lustig machen dürfen.
Ich kenne Integrationsbetriebe, da wäre das ein Anlass zur Abmahnung.
Ok, du wolltest ihm helfen und warst demonstrativ nett zu ihm.
Das ist gut, Kompliment.
Du hättest ergänzend deine Kolleginnen ermahnen / bitten / aufklären können, bei Nichtfruchten eurem Chef vom Mobbing erzählen.
Das hat nichts mit Petzen zu tun, sondern mit Zivilcourage.
Ich mache so was, denn ich habe keine Angst davor, nicht gemocht zu werden.

Der Mann bietet offenbar viel Angriffsfläche, wird vermutlich schon früher verletzt worden sein und ist entsprechend dünnhäutig.
Nun machst du etwas, was er als weitere Demütigung empfindet, ich teile seine Einschätzung, du stößt ihn mit der Nase darauf, dass du nicht einfach freundlich zu ihm bist, weil er ein netter Kerl ist, sondern weil du dich damit schützend vor ihn stellst.
Mitleid will der Mann aber nicht.
Er will kein Wurm sein, den man beschützen muss, sondern ein Mann, mit dem man sich gerne unterhält.

Ich verstehe, dass er NULL Lust hat, sich deine Selbstbeweihräucherung auf seine Kosten anzuhören.
Und dass er hören muss, dass du dich nur aus Mitleid so nett verhalten hast, ist genauso verletzend wie der Spott der anderen Frauen.

Bei ihm kannst du es sicher nicht mehr hinbiegen, weil er deine Motive jetzt kennt, aber wenn du wieder mal in dieser Situation bist, würde ich einfach ganz normal nett zu diesem anderen sein, als ob nichts wäre.
Das ist umso leichter, je eher du empfindest, dass nichts ist. Ich glaube aber zu spüren, dass du ihn sehr wohl irgendwie strange, nicht ganz normal, mindestens krass nerdig findest und ich denke, er spürt das auch.
Es erinnert mich an Leute, die die Hand an die Brust legen, die Augenbrauen hoch und die Mundwinkel runterziehen und dazu sagen 'also, ICH habe ja nix gegen Schwarze / Schwule / Flüchtlinge / Moslems ...'.
Wer wirklich nix gegen all diese Menschen hat, kommt gar nicht auf die Idee, es sagen zu müssen.
Wie soll ich jetzt am kommenden Montag reagieren?
Ganz normal, freundlich, sachlich. Dränge dich nicht auf, sage das Nötigste, z.B. 'hallo', wenn ihr euch im Flur begegnet.
Verschone ihn mit 'klärenden Gesprächen' ( ächz ).
Wenn du ihm weiter helfen willst, setze bei den Drachen an. Wie oben beschrieben. DAS hilft ihm, wenn die eine ordentliche Breitseite bekommen.
Allerdings darf er das nicht mitkriegen, das wäre der Demütigungs-Supergau.

w 51
 
  • #11
Was genau hast du dir denn von ihm erwartet, wenn du ihm sagst, dass die Kolleginnen lästern? oder durch deine extra Nettigkeit?
Er hat deine Nettigkeit wohl als Interesse interpretiert.
Hast du Interesse an ihm oder nur Mitleid?
Falls 2. was soll er denn mit deinem Mitleid?

eines Tages wollte ich mit ihm reden, um den anderen Kolleginnen zu sagen "Ach, eigentlich ist er ja doch total nett und in Ordnung".
Weshalb?
Man muss sich ja nicht mit jedem Kollegen super verstehen & er hat ja auch Kollegen mit denen er sich gut versteht. Man muss sich auch nicht dafür interessieren, was andere Leute so über einen lästern. Irgendjemand lästert immer. Vielleicht ist ihm das sogar bewusst, aber einfach egal. Wenn nicht, muss er das selbst klären.
Also nicht jeder Mensch fühlt sich automatisch schlecht, weil er sich nicht mit jedem gut versteht und andere reden..
Anscheinend ist ihm deine offensichtliche, extreme Nettigkeit sogar unangenehmer als die Lästereien, wenn er sich von dir distanziert hat.
Ich fände es auch schräg, wenn da andere Leute Mitleid mit mir haben oder mich verteidigen wollen, obwohl mich diese nicht besser kennen als die Leute die über mich lästern..

Ich finde es auch eine ziemliche Frechheit, dass er dich nicht ausreden hat lassen, aber gut, da muss man sich jetzt nicht zwingend mehr Gedanken darüber machen als notwendig & nicht mehr Kontakt erzwingen & klären wollen als notwendig..
Er hat kein Interesse, dein Mitleid will er auch nicht, sei halt nicht mehr extra nett. Ich würde ihn einfach behandeln wie jeden anderen Kollegen auch.
Nicht großartig unfreundlich sein, aber auch nicht extra nett.
 
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  • #12
Es war ihm peinlich, dass du ihn darauf ansprechen wolltest, dass er verspottet wurde.

Ich denke wo jede Frau sich für dein Mitgefühl freut, will ein Mann sowas gar nicht hören. Du hättest auch sagen können " awww, du armer kleiner Loser". Du hast Salz in die Wunde gestreut, auch wenn du es gut gemeint hast.

In dieser Rolle will er sich nicht sehen. Er ist ein Mann = stark, furchtlos, beschützend.

Sein " danke, kein Interesse " galt wohl weniger dir persönliche, als über die Sache oder diese Frauen sprechen zu wollen.

Kann natürlich auch sein, dass er nun Frauen gegenüber in der Firma grundsätzlich misstrauisch ist.

Ich würde am Montag einfach nur freundlich und neutral grüßen und keinesfalls irgendwas in dieser Richtung noch mal thematisieren, ansonsten dienstlich bleiben.
 
  • #13
Auch hier zeigt sich leider wieder einmal, wie schnell Männer eine lächelnde Frau falsch verstehen und denken, sie wolle wer weiß was.

Ich kann nachvollziehen, dass du dich nun bloßgestellt fühlst, weil du einfach nur freundlich sein wolltest und er sich da etwas völlig anderes einbildet ...
Dich nicht mal aussprechen zu lassen ist unhöflich und unsouverän. Wie du weiter mit ihm umgehen solltest? Nur "Guten Tag und Guten Weg". Falls er deinen Gruß nicht mehr erwidern möchte (ja, solche gibt es auch) gehst du zukünftig auch grußlos vorbei. Nicht, dass er selbst dann noch meint, du wolltest was von ihm.

Ja, ist traurig, das unter Erwachsenen ... Aber irgendwie hat man doch auch seinen Stolz.
 
  • #14
Es geht um einen Arbeitskollegen, er wurde neu integriert. Und das vor paar Monaten. Es gab so eine Kolleginnengruppe, die sich zusammengetan hat und ihn jedes Mal verspottet hat.
Liebe FS,
verstehe ich es richtig: er war ein Mobbingopfer, wurde firmenintern versetzt und sollte bei euch neu starten?

Mir tat es aber unfassbar leid, ich beschloss extra nett zu sein..... um den anderen Kolleginnen zu sagen "....
Tja, total falsche Strategie. Du weisst garnicht, ob er nett ist oder ob die anderen einen Grund hatten auf ihm rumzuhacken - ist im Job nie legitim, keine Frage.
Du wolltest Dir das Gutmensch-Mäntelchen umhängen, ohne die Hintergründe zu kennen - warum auch immer. Das ist wie so oft schiefgegangen.

Man sollte zu niemandem "extra nett sein wollen" um anderen etwas aufzuzeigen - besonders nicht, wenn man die Zusammenhänge nicht kennt. Das ist nicht authentisch und lässt schnell den Verdacht aufkommen, dass Du das auch Du das ehemalige Mobbingopfer benutzt, um Dich zu profilieren - nur anders als die übelwollenden Kolleginnnen.
Es reicht sich normal freundlich zu verhalten und den anderen beim Neustart zu unterstützen oder auch, den anderen mit einer Blutgrätsche dazwischenzufahren, wenn sie auf jemandem rumhacken. Das ist mutig.

Ich sprach ihn an.... er wurde immer seltsamer, distanzierte sich von mir ... Ich sprach ihn erneut an, sagte "Hey, weißt du noch ..." - er unterbrach mich sofort......Ich sagte "..... und er unterbrach mich .... diesmal in einem genervten Ton.
Zu Recht ist er von Deiner Gutmensch-Penetranz zutiefst genervt. Du kennst nur Dich, hast keinerlei Wahrnehmung für Dein Gegenüber. Jemand der ernsthaft gemobbt wurde, möchte nicht daran erinnert werden und nicht schon wieder von jemandem für die Stabilisierung von dessen Ego instrumentalisiert werden. Er möchte einfach seinen Job machen und freundliche Distanz wahren bis er wieder Vertrauen zu anderen Menschen gefasst hat.

Was soll das? Das war unfassbar verletzend, ich wollte doch nur die Situation aufklären. Wie soll ich jetzt am kommenden Montag reagieren?
Ach ja, Du wühlst in seinen Wunden rum und fühst Dich verletzt, wenn er Dich zurückweist.
Nimm ' einfach hin, Deine Kommmunikation war einfach grottenschlecht. Guck' bei Dir, Deiner Übergriffigkeit aus "wohlgemeinten" Motiven aber schlecht gemacht, statt ihm Schuld zuzuweisen.

Tu' am Montag, was Du von vornherein hättest tun sollen: grüßen, normal freundlich und hilfsbereit sein wie zu jedem Kollegen den Du nicht sehr gut kennst und vermeide jedes Gespräch über das was war.
 
  • #15
Warum er so reagiert hat?
Ganz einfach: Ihm gehen deine Kolleginnen und du auch sonstwo vorbei. Ihr habt einfach keinerlei Stellenwert für ihn.
Guten Tag - und sonst nichts, was nicht mehr der Arbeit zu tun hat. Er will nichts wissen - das ist sein gutes Recht.
 
  • #16
Ja, lass ihn einfach erstmal in Ruhe.
Mir käme dein Verhalten nicht als Anmache vor, sondern da du dich mit den anderen Leuten gut verstehst, könntest du auch mit ihnen "unter einer Decke stecken" und ihn durch deine übertriebene Nettigkeit zu irgendeinem lächerlichen Verhalten provozieren wollen. Also wenn er wirklich mit Mobbing Erfahrung hat, könnte das seine Denkweise sein.
Du kennst doch bestimmt auch den Ausdruck "sch**ßfreundlich"? Falls du so gesprochen hast, wäre ich auch gleich auf Abstand, für so etwas bekommt man einen Riecher.
w34
 
  • #17
Meine Vermutung: Er denkt, Du bist verliebt in ihn. Vielleicht merkt er auch Dein Mitleid mit ihm. Beides will er nicht, deswegen hat er so reagiert. Vielleicht haben sie ihn auch schon aufgezogen damit, dass ihr bald ein Paar werdet.

Möglicherweise hast Du auch einen Menschen als Opfer gesehen und wolltest ihn retten, der sich selbst nicht so sieht. Damit hast Du ihn für ihn zum Opfer gelabelt.

Mit seinen Arbeitskollegen verstand er sich gut.
Also hatte er Rückhalt und wurde nicht von allen gemobbt. Ob diese Frauen lästern oder nicht, war ihm vermutlich egal. Vielleicht denkt er auch, Du gehörst zu denen, wenn Du selbst so integriert warst in diese Gruppe, dass Du von dem Geläster wusstest. Vielleicht fand er Dich sogar nett, aber dachte, Du willst ihn veräppeln, Interesse vortäuschen, um dann mit den Lästermäulern über ihn zu lachen?

eines Tages wollte ich mit ihm reden, um den anderen Kolleginnen zu sagen "Ach, eigentlich ist er ja doch total nett und in Ordnung".
Gut gemeint, aber das geht daneben. Du hättest Dich dem Lästern an sich schon entziehen müssen (ging vielleicht nicht, weil Du mit denen arbeitest), weil - egal, ob der Mensch i. O. ist oder nicht, das Lästern und Spotten allein ist schon dämlich und gemein. Menschen wie diese Frauen wollen gar nicht wissen, ob der Mensch okay ist. Das musst Du nicht rausfinden und ihnen nahelegen wollen. Es geht darum, sich an jemandem abzureagieren, von dem man meint, man könnte es bei ihm.

Das war unfassbar verletzend, ich wollte doch nur die Situation aufklären.
Ja, aber er sah nichts zu klären. Du wolltest was von ihm, er wollte seine Ruhe. Ich versteh, dass Dich das sehr gekränkt hat, weil Du ihm ja helfen wolltest. Aber wie gesagt, man kann nicht jemanden als Opfer sehen, ihm unterstellen, er müsste sich genauso sehen, helfen wollen und dann auch noch eine Maßnahme ergreifen, den Angreifern beweisen zu wollen, dass der, den sie angreifen, das gar nicht verdient hat, statt das Angreifen an sich - egal, wen - einfach zu verurteilen. Das richtige wäre Distanz von Lästerern einzunehmen (ich könnte mir vorstellen, dass Du dann aber selbst Opfer wirst). Du musst niemanden kennenlernen, um zu sagen, er hätte diese Behandlung nicht verdient. Und ich glaube auch nicht, dass Du in der Lästergruppe eine "Anführerin" bist. Also Du hättest gar keine Macht, die Meinung und das Verhalten zu beeinflussen, denke ich.

Montag einfach "Tach" sagen, nicht zwischen den Lästerinnen sitzen und mitleidig den Mann angucken, wenn er verspottet wird, sondern rausgehen.
Fällt mir gerade ein: Er ist doch kein Doktorand und ihr Studentinnen, oder ähnliche Verhältnisse? Also Du wolltest keinen retten, der beruflich "über" Dir ist, oder?
 
  • #18
Mobbing ist keine Schöne sache und es ist für den Mann wohl schwierig einzuschätzen wer dazugehört und wer nicht. Da gibt es eben auch Kollateralschäden an Unschuldigen. Ich hoffe mal dass man die Mobbingang rausgeschmissen hat und es dauert eine Weile bis wieder Frieden einkehrt. Bis dahin solltest Du Dich bedeckt halten.
 
  • #19
ich beschloss extra nett zu sein. Ich lächelte immer wenn er mich ansah, und eines Tages wollte ich mit ihm reden, um den anderen Kolleginnen zu sagen "Ach, eigentlich ist er ja doch total nett und in Ordnung".
Du sendet falsche/Flirtsignale aus. Extra nett sein, besonders lächeln, er denkt, du stehst auf ihn und willst irgendwas von ihm. Vielleicht weil er bei den Damen für gewöhnlich sehr gut ankommt und oft Körbe verteilen muss. Der Typ hat wahrscheinlich ein spannendes Außenleben zu anderen Frauen, so dass er keine gesonderten Gespräche mit seinen biederen Kolleginnen braucht, die eben lästern, weil er zurückhaltend, anders oder nett und ruhig ist.

Normal merkt man auch, wenn jemand über einen lästert. Das könnte er mitbekommen haben und da du zu den anderen Frauen gehörst und mit ihnen befreundet bist, möchte er sich mit dir nicht gesondert unterhalten. Das wirkt auf mich auch so bisschen falsch und mobberhaft. Hinternrum lästern, vornerum auf nett machen. Das machen Mobber gerne.

Außerdem hat er ganz sicher im privaten Umfeld genug Frauenkontakte, so dass ihn das stresst.

Gesonders Hilfe anbieten und sich aufdrängen ist kein guter Zug.
Arbeite am besten an deinem Samaritersyndrom und klinke dich aus diesen ghettoähnlichen Weiberrunden wie deinen Kolleginnen aus. Das ist kein gutes Weibermaterial, sag ich dir. Das merken auch Männer und entfernen sich.

Ansonsten würde ich ganz normal weiter machen. Irgendwann nach paar Wochen kannst du ihn ja beiläufig wieder gründen, aber meine Empfehlung: nicht dranhängen.
 
  • #20
Ich denke nicht, dass das was damit zu tun hat, dass er glaubt, du hättest amoröses Interesse.

Du verhälst dich wie eine Krankenschwester. Du willst dem armen, benachteiligten Wesen zu Hilfe eilen, in dem du ihm mit deinem Verhalten signalisierst „sieh her, die anderen finden dich sch****, ich finde aber du bist gar nicht so sch****“.

Damit entmannst du ihn. Ich sehe das ähnlich wie @Vikky . Man muss sich nicht um alles kümmern. Mach weiter dein Ding, und lass den Mann in Ruhe.

Und, es wird wahrscheinlich auch so sein, wie @Tom26 das sagt: euer „Hühnerhaufen“ wird ihm vermutlich ganz schön egal sein.