• #1

Warum kann ich keine Liebe empfinden? Wer kennt das?

Hallo Ihr Lieben,

ich suche wirklich nur einen Erfahrungsaustausch. Es ist so, dass ich mich momentan im selbstgewählten Shoppingverzicht befinde und was soll ich sagen. Mir geht es wirklich ziemlich schlecht seitdem. Darum geht es aber gar nicht, sondern vielmehr um ein Gefühl, was seitdem so übermächtig ist, dass ich nun noch einmal beschlossen habe hier zu schreiben, weil ich nicht weiß, wohin damit.
Es geht darum, dass ich einfach keine Liebe empfinden kann. Ich habe dieses Gefühl (auch das Nichtempfinden ist ein furchtbares Gefühl) schon ewig und seit den letzten Wochen ist es einfach übermächtig und ich komme nicht mehr damit klar. Was ich hier suche ist der Austausch mit Personen, denen es vielleicht ähnlich geht. Die mir vielleicht Hoffnung geben, dass sich das irgendwie vielleicht ändert oder ändern lässt. Ich habe schon an organische Ursachen gedacht, aber das scheidet doch irgendwie aus, da ich ja Anfang meiner zwanziger doch mal für einen Komilitonen geschwärmt habe, danach aber nie wieder.
Jetzt kommt aber das für mich Allerschlimmste. Es ist nicht nur in meinen Beziehungen so, sondern irgendwie auch zu meiner Tochter. Bitte kein bashing. Ich bin tief verzweifelt darüber. Ich tue alles für mein Kind, würde für sie sterben und weiß eigentlich, dass ich sie liebe. Aber ich kann es einfach nicht empfinden.
Jetzt könnte man meinen, es ist eine Depression. Das Gefühl ist aber immer da. Mal stärker und mal schwächer. Momentan ist es leider übermächtig. Es betrifft ALLE Beziehungen in meinem Umfeld.

Kennt Ihr sowas? Kann man etwas tun? Ich vermute, dass das jetzt extrem so rauskommt, weil ich so viel grübele. Sonst bin ich dann zum shopping los gezogen, war auch manchmal schon drauf und dran, aber will da jetzt durch.

Herzlichen Dank für Eure Erfahrungen!

Eure Hasendompteurin
 
  • #3
Hallo liebe Hasendompeurin, erst mal meinen Respekt für Deinen Mut, Dich hier zu "outen".
Ich kenne dieses Nicht-Gefühl zwar nicht in dem Ausmaß wie von Dir beschrieben, aber dennoch habe ich das partiell in meinem Leben schon erlebt. Bei mir waren es jedoch immer nur kurze Phasen oder auf bestimmte Menschen bezogen.
Du machst auf mich nicht den Eindruck, als dass Du keine Gefühle bzw. keine Liebe empfinden könntest. Vielleicht stellst Du an das Gefühl "Liebe" einfach zu hohe unrealistische Anforderungen.
Ich bin tief verzweifelt darüber. Ich tue alles für mein Kind, würde für sie sterben
Das ist für mich schon die Definition von Liebe zu einem Kind. Ich glaube es ist normal, dass es immer wieder Phasen im Leben gibt, in denen man seine Liebe zu Jemanden nicht als so übermächtig empfindet. Ich denke, dass Du Dich hier zu sehr unter Druck setzt. Wenn Deine Gefühle zweitweise mal nicht so stark sind, dann lass es doch einfach so stehen und grübel nicht zu viel darüber nach. Mir hilft bei anfallsartigen Grübeleien ins Fitnessstudio zu gehen und meinen Frust abzutrainieren. Vielleicht wäre sportliche Betätigung etwas für Dich?
 
  • #4
Liebe FS,

entschuldige, aber ich frage jetzt mal ganz doof: Was verstehst Du bitte unter "Liebe"?

Vielleicht setzt Du Dich extrem unter Druck so nach dem Motto - Ich muss doch jetzt so etwas ganz Überschwängliches fühlen so wie in rosaroten Kitschfilmen, es muss mich packen und überwältigen, sonst sind es keine Gefühle - dabei bist Du einfach nur ein eher sachlicher, nüchterner Typ und zeigst Deine Zuneigung durch praktisches Handeln?

Ganz praktisch jetzt mal, passiert es Dir nie, dass Deine Tochter Dich durch irgendetwas halb in den Wahnsinn getrieben hat, ihr habt euch angemeckert und nach einem Moment schaust Du sie an und kannst ihr nicht mehr richtig böse sein? Natürlich hast Du keinen Gefühlsrausch, aber in diesem Nicht-Böse-Sein-Können zeigt sich einfach, dass Du das kleine Biest trotz eurer Auseinandersetzung einfach lieb hast.

Entschuldige, ich drücke mich sicher ungeschickt aus, aber ich glaube, Du hast durch dieses mediale Dauerfeuer "Ach und Huch, man muss sich unbedingt Liiiiieeben" viel zu hohe Erwartungen an Dich und setzt Dich deshalb unter Druck.

Ich bin sicher, Du liebst und zeigst das auch, aber eben nicht so wie im Film, sondern nüchterner. Eine sehr liebe, alte Freundin von mir ist auch so und ich schätze sie außerordentlich, auch wenn sie nie gefühlsbetont ist. Ich weiß, wenn ich in Timbuktu in der Klemme sitzen würde, sie würde helfen ohne eine Sekunde zu zögern. Solche Menschen sind mehr wert als sie selbst wissen.
 
  • #5
Liebe @Hasendompteur, nur weil es sich für DICH nicht anfühlt, als würdest du lieben, heißt das nicht, dass du es nicht tust.

Bei vielem "Liebesgeschwurbel", das ich hier und woanders lese oder höre, denke ich auch nur "das bin ich nicht".
Und früher habe ich auch häufig gedacht, dass vielleicht mit mir etwas nicht stimmt, wenn ich scheinbar so wenig intensiv "fühle".

Irgendwann habe ich angefangen, mir Brücken zu bauen. Wie würde ich mich fühlen, wäre dieser Mensch nicht bei mir? Kann ich mir ein Leben ohne ihn vorstellen und wie würde sich das anfühlen? Danach konnte ich meine "Liebe" mit der Zeit ganz gut einschätzen.

Du liebst deine Tochter. Wenn du für sie dein eigenes Leben geben würdest - was soll das sonst sein als Liebe?
 
  • #6
Ich verstehe dich, auch wenn ich das selbst nicht kenne. Da gibt es auch psychologische Arbeiten zu. Ich bin kein Therapeut und traue mich nicht, da Vermutungen aufzustellen. Ich denke aber, dass ganz sicher da was dahintersteckt; sei es ein Trauma oder etwas anderes. Du musst dich dafür nicht selber zerfleischen!
Meinst du nicht, dass du da einen fähigen Therapeuten finden kannst, der sich mit solchen Themen auskennt?
Im Übrigen glaube ich nicht mal, dass du dein Kind nicht lieben kannst, wenn wenn du sterben würdest für sie, ist das doch alles andere als gleichgültig. Vielleicht hast du da wirklich auch falsche Vorstellungen, wie es sich anfühlen muss..?
Fühl dich umarmt, gerade jetzt zur Weihnachtszeit; bitte fühle dich nicht schlecht und mache dich selbst fertig! Selbst wenn es wirklich so wäre, wäre das ja nicht deine Wahl oder Entscheidung, sondern das Ergebnis von Einflüssen, die du nicht kontrolliert hast, seien es Erfahrungen in der Kindheit, genetische Faktoren oder was auch immer.
W, 38
 
  • #7
Was denkst du denn, wie sich Liebe anfühlt? Du schreibst von all deinen Beziehungen. Normalerweise gibt es ja auch gar nicht so viele Menschen im Leben, die man überhaupt richtig liebt, es ist ja schon auch ein besonderes Gefühl, naja, und es kann sein, dass du tatsächlich nie in einen Mann verliebt warst, sondern immer Vernunftbeziehungen geführt hast, dann heißt das aber nicht unbedingt, dass du zur Liebe nicht fähig bist, sondern nur, dass du keine Menschen gefunden hast, die du lieben kannst.

Mich würde interessieren: Hast oder hattest du Eltern, Geschwister, Haustiere? Wie würdest du deine Gefühle zu denen beschreiben?

Die Liebe unterscheidet sich natürlich, aber ich würde zum Beispiel sagen, dass ich auf gewisse Art auch unsere Katzen geliebt habe. Was empfindest du denn für dein Kind oder Haustiere? Gibt es da irgendeine emotionale Verbindung, rührt dich das andere Wesen oder kümmerst du dich nur aus Pflicht, "funktionierst" du nur sozusagen oberflächlich? Vielleicht hast du dich aus Selbstschutz von deinen Gefühlen entkoppelt.

w26
 
  • #8
Liebe Hasendompteur,

ich denke, du leidest an Perfektionismus.
Du hast hier schon oft über deine Tochter geschrieben -- ich behaupte, du liebst sie. Nicht auf die Art a la "Schöner Wohnen" - sondern auf deine Art. Ganz authentisch würden manche Leute schreiben.
Du bist ein liebenswerter Mensch. Egal ob in Designerkleidung oder im Plastikanorak für 10 Euro ..... egal ob gestylt oder verstrubbelt.
Du glaubst mir das nicht. Deshalb zweifelst du immer wieder auch daran, was du gibst. Obwohl das bestimmt sehr viel ist.

Deine Tochter ist ja jetzt quasi erwachsen. Setzt euch doch mal einen Abend zusammen und redet offen miteinander.

Deine Anforderungen an dich selbst sind schon fast absurd hoch. Darüber solltest du mit jemand geschultem sprechen. Denn - sorry - es gibt eine Person, die dein Leben kaputtredet - die bist du selbst.
 
  • #9
Ich habe schon auch das Gefühl, dass mir eine gewisse Liebesfähigkeit abhanden gekommen ist. Durch meinen Ex, der völlig mitleidlos verbal auf mich eingeprügelt hat, durch eine weitere Erfahrung mit körperlicher Gewalt und durch eine sehr, sehr unschöne Sache an meinem Arbeitsplatz, bei der ich absolut unfair und respektlos behandelt wurde.

Das alles ist mittlerweile aus der Welt geschafft, aber ich bin ziemlich durchgeschüttelt worden und habe danach gemerkt, dass mir die meisten Menschen egal geworden sind. Hilfsbereit und freundlich bin ich immer noch, aber keine naive Idiotin mehr, die mitheult wenn jemand anders heult.

Mein Kind liebe ich natürlich, genauso wie du deine Tochter liebst. Manchmal sind solche Gefühle vielleicht etwas verschüttet und kommen dann ganz unerwartet wieder zum Vorschein. Ich habe auch den Eindruck dass diese total unbändige Liebe zum Kind sich in dem Maß etwas "verdünnt", wie seine Selbstständigkeit zunimmt. Bzw. sie verändert sich einfach.

Deshalb mach dir da keine Sorgen.
 
  • #10
Bitte suche die einen anderen Therapeuten der diese Dinge mit dir aufarbeitet . Und toll, dass du auf shoppen verzichtest . Wenn du süchtig bist bist du jetzt vielleicht auf Entzug und hast daher keinen Raum für andere Emotionen . Du solltest erst mal alle Gefühle akzeptieren auch das Gefühl nichts zu fühlen. Du brauchst Hilfe um wieder zu dir selbst und zu deinen Emotionen zu finden . Vielleicht auch über Körpertherapie, das hat mir sehr viel geholfen . Alles Gute!
 
  • #11
Jetzt könnte man meinen, es ist eine Depression. Das Gefühl ist aber immer da. Mal stärker und mal schwächer.
So ist chronische Depression: immer da, mal stärker mal schwächer.
Genau das ist Dein Problem - ab in die Therapie, Psychotherappie und medikamentöse. Anders wird das nichts bei so hartnäckiger Depression.

Kennt Ihr sowas? Kann man etwas tun? Ich vermute, dass das jetzt extrem so rauskommt, weil ich so viel grübele. Sonst bin ich dann zum shopping los gezogen
Ja kenne ich, nur ohne Ersatzhandlung. Es war die Hölle.
s.o. ohne langfristig angelegte fachgerechte Behandlung wird das nichts.
 
  • #12
momentan im selbstgewählten Shoppingverzicht befinde und was soll ich sagen. Mir geht e
Das find ich schon mal gut.
Es war relativ klar, dass dann alles mögliche Unangenehme hochkommt, was du sonst weggeshoppt hast

Wenn ich das recht weiss, war deine Ursprungsfamilie nicht gerade ein Ausbund an Liebe, dein Ex war gelinde gesagt höchst problematisch, die Sache mit deiner Mutter.. da gabs viel und du hast weitergemacht, was auch gut ist.
Die Sachen schwelen natürlich im Untergrund weiter...

Ich bin mir sicher, dass du deine Tochter liebst.
Liebst du dich selbst?

Ich denke, du hast gelernt, vieles unangenehme runterzudrücken und dann weiterzumachen. Dadurch sind aber auch die positiven Gefühle nicht so greifbar. Sie sind da, aber etwas " tauber".

Du könntest dir schon jemand professionelles zur Unterstützung an die Seite holen.

Das ist jetzt rein meine subjektive Einschätzung.
 
  • #13
Kannst Du das bitte genauer beschreiben? Wie kann man das verstehen 🤔? Du kannst nichts empfinden aber stirbst für dein Kind? Das Gefühl für jemanden sterben zu wollen, ist doch ein starkes Gefühl. Oder?
Pflicht-Gefühl. Rational gesteuert. Komplett verständlich, ist bei mir ähnlich.

und es kann sein, dass du tatsächlich nie in einen Mann verliebt warst, sondern immer Vernunftbeziehungen geführt hast, dann heißt das aber nicht unbedingt, dass du zur Liebe nicht fähig bist, sondern nur, dass du keine Menschen gefunden hast, die du lieben kannst.
Vorsicht! Nicht Liebe mit Verliebtheit verwechseln. Ich kenne Verliebtheit. Aber Liebe? Keine Ahnung. Begeisterung, brennen für etwas (Flow), ja, kenne ich, aber ist das Liebe?

So ist chronische Depression: immer da, mal stärker mal schwächer.
Hab´ ich mir auch gedacht. Aber so ist einfach das mindset, ob da eine Psychotherapie hilft? Und Medis deswegen? Wahrscheinlich je nach Leidensdruck, @Hasendompteur leidet ziemlich.

ErwinM, 52
 
  • #14
Das hat natürlich alles mit dem zu tun, was du in deinem Leben erlebt hast. In den letzten Jahren hast du viel von deinen Baustellen preisgegeben.

"Das, was ich heute bin, haben andere aus mir gemacht"

Den Spruch las ich vor vielen Jahren mal. Ja - bei sensiblen Personen ist das so.

durch eine weitere Erfahrung mit körperlicher Gewalt und durch eine sehr, sehr unschöne Sache an meinem Arbeitsplatz, bei der ich absolut unfair und respektlos behandelt wurde.
Das hätte auch von mir sein können. Ich habe gelitten - und ich habe es überstanden. Die Aufarbeitung jedoch dauerte lange.

Aber: es hat mich verändert. Ich bin noch immer ein empathischer Mensch, der sich gut in die Lage anderer Menschen hineinversetzen kann. Aber ich bin etwas "stumpfer" geworden - das hat mit Selbstschutz zu tun, weil ich nie mehr so verletzt werden möchte. Weil das Leben zu kurz ist, und es einfach zu schade wäre, wenn man sich da nur rumgequält hätte wegen anderer Leute.

Ich habe das alles ohne Psychotherapie hinbekommen. Ich hatte allerdings eine liebe Kollegin, mit der ich reden konnte - das könnte ich immer noch, sie ist bereits im Ruhestand.

Hast du Menschen in deinem Umfeld, mit denen du reden kannst?
 
  • #15
Es hört sich wie eine Depression an und ich denke nicht dass du alleine da raus kommst . Vielleicht könnte dir auch eine Reha in einer Klinik helfen mit deinem Leben aufzuräumen und zur Ruhe zu kommen . Wenn du privat versichert bist musst du auch gar keinen Antrag stellen sondern kannst einen Platz in einer Akutklinik suchen. Oft sind sie sehr schön gelegen und so nobel wie ein Hotel. Wichtig ist aber die therapeutische Behandlung . Ich finde du solltest dich selber ernst nehmen und dich um deine Seele kümmern . Wahrscheinlich funktionierst du seit vielen Jahren obwohl es dir sehr schlecht geht . Der Mensch ist aber keine Maschine. Oder nimmst du bereits Antidepressiva? Auch sie können eine Gefühllosigkeit auslösen . Bitte lass dir helfen und habe Geduld mit dir selber . Alles Gute!
 
  • #16
Einspruch ☝️. Für jemanden sterben zu wollen, ist keine rationale Handlung. Aufopferung ist in jeder Kultur die höchste Form jemanden die Liebe zu zeigen und sehr oft (rational betrachtet) nicht sinnvoll.
Nein, die beiden Aussagen stimmen nicht überein. Entweder sie fühlt wirklich nichts und ist ihr auch völlig egal, was mit ihrer Tochter passiert, oder sie liebt sie wirklich und über alles (was ich auch glaube) und diese Liebe ist durch Alltag, Entfernung, Fokus auf andere Themen, erstmal nicht greifbar.
Ich behaupte dass FS Problem einen hormonellen Hintergrund hat. Das ist der Lauf der Welt. Ich würde einen Hormonspiegel machen lassen. Dieses Gefühl hatte ich erstmal in meinem Leben in der Pubertät gehabt. Wir waren mit der ganzen Familie im Auto. Ich (damals 13 Jahre alt) saß hinten neben meiner Mutter, sie war wieder sauer, weil etwas nicht so war wie sie wollte und ich saß direkt neben ihr und konnte nichts fühlen. Seitdem hatte ich immer wieder dieses Gefühl am Ende eines Zyklus. Das hat bei mir eine hormonelle Ursache, ich wusste es und konnte damit umgehen.
 
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  • #17
Es geht darum, dass ich einfach keine Liebe empfinden kann. Ich habe dieses Gefühl (auch das Nichtempfinden ist ein furchtbares Gefühl) schon ewig und seit den letzten Wochen ist es einfach übermächtig und ich komme nicht mehr damit klar. Was ich hier suche ist der Austausch mit Personen, denen es vielleicht ähnlich geht.
Du erinnerst mich mit deinen Aussagen an eine Bekannte von mir. Sie hatte eine Reihe von sehr negativen Erfahrungen mit Männern, z.T. auch durch ihren Migrationshintergrund; diese Männer hatten ihr über die Jahre in destruktiven, z.T. gewalttätigen Beziehungen das Gefühl eingepflanzt und eingeredet, sie sei gefühlskalt. Das hat sich auch dahingehend entwickelt, dass sie die Gefühle zu ihren Kindern sehr in Frage stellte und sich die pubertären Auseinandersetzungen mit ihnen zu Krisen, Selbstzweifeln und Depression steigerten. Ihre Überzeugung, mit ihr "stimme etwas nicht", sie sei deswegen schuld.
Letztlich sah sie sich nicht mehr als "vollwertige" Frau, hielt sich für frigide usw., klammerte sich an alle möglichen ehrenamtlichen Aktivitäten, machte Therapien. Auf Datingportalen schrieb sie vor allem mit der - mehr oder weniger eingestandenen - Motivation, es den Männern heimzuzahlen, die ja sowieso alle nur Sex wollten. Keine realen Treffen mit Männern, die sie anschrieben.

Mich hatte sie ausnahmsweise aktiv angeschrieben (das scheint mir ein wichtiger Ansatz, raus aus der passiven Opferrolle...). Wir haben schon beim ersten Treffen offen darüber gesprochen, dass es nur um eine Affäre ginge, ohne Anspruch auf etwas Langfristiges. Und da gab es wohl tatsächlich viel "Sexual Healing" bei ihr, sich wieder als begehrenswerte Frau und fähig zur eigenen Lust zu fühlen. Eine Langzeitbeziehung sucht sie nicht, eher eine Art "Ego-Boost" mit positiven Folgen für alle Lebensbereiche.

Naja, vielleicht ist da irgendein brauchbarer Ansatz, irgendeine Parallele für dich dabei.
 
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  • #18
Einspruch ☝️. Für jemanden sterben zu wollen, ist keine rationale Handlung. Aufopferung ist in jeder Kultur die höchste Form jemanden die Liebe zu zeigen und sehr oft (rational betrachtet) nicht sinnvoll.
Hm, ja, verstehe ich prinzipiell und ich würde jetzt auch mal davon ausgehen, dass irgendwelche tieferen Gefühle für die Tochter vorhanden sind, aber abgesehen von natürlichen Reaktionen (auch z.B. Tiereltern verteidigen ihren Nachwuchs mit dem Leben, ist das Liebe oder Instinkt?) kann man schon auch rational-utilitaristisch abwägen, dass es sinnvoller ist, wenn z.B. eine alte Person ihr Leben für eine jüngere gibt (oder eine unglückliche für eine glückliche etc.), man kann das auch aus Pflicht- oder Schuldgefühlen heraus tun oder weil man gelernt hat, dass es sich so gehört. Früher (heute bei uns eher nicht mehr, da Pflicht- und Ehrgefühl nicht mehr so ausgeprägt sind) war es z.B. üblich, dass der Kapitän das sinkende Schiff zuletzt verlässt oder ggf. mit ihm untergeht, wenn er versagt hat, dass Frauen und Kinder als Schwache zuerst gerettet werden oder dass man im Krieg das eigene Schiff versenkt, damit die Technologie nicht in die Hände der Feinde gerät. Ich würde nicht sagen, dass diese Menschen immer aus Liebe gehandelt haben, es waren vielleicht auch Pflicht- und Ehrgefühl oder gesellschaftlicher Druck oder die Angst vor Schande und Strafe, trotzdem wurde die Entscheidung vielleicht bewusst und aus Überzeugung getroffen, so was kann auch gewissermaßen "anerzogen" und selbstverständlich sein, weil alles andere ungeheuerlich wäre und man es sich selbst nicht erlauben kann.
w26
 
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  • #19
Guten Morgen Ihr Lieben,

bitte entschuldigt meine späte Antwort. Bei mir geht es momentan drunter und drüber und mir ist wichtig, dass Ihr wisst, dass ich nur aus Zeitmangel manchmal nicht gleich zurück schreiben kann. Ich weiß es nämlich absolut zu schätzen, dass Ihr mir so zahlreich antwortet. und mir Eure Zeit schenkt.
Oje, das von Erwin erwähnte aus Pflichtgefühl würde ich alles für meine Tochter tun, den Gedanken hatte ich auch schon mal.
Mir fiel es dieses Wocheende wieder extrem auf. Mein Kind umarmt mich, mein Partner umarmt mich und ich empfinde einfach nichts. Das ist nur ein riesiges Vakuum. Und ich schwöre Euch, es liegt echt nicht darn, dass ich irgendwie eine kühle Person bin. Ich kann einfach nichts machen und je mehr ich mir wünsche, Liebe zu spüren, desto schlimmer ist es . Manche meinen ja auch, dass jeder Liebe unterschiedlich spürt, aber müsste dann nicht irgendein Gefühl da sein? Bei mir ist da nur eine tiefe Leere. Abegstumpft bin ich schon über die Jahre, aber kann es in diesem Ausmaß sein? Und was ich total seltsam finde, dass ich andererseits ein totales Sensibelchen bin. Menschen- und Tierschicksale machen mich manchmal ernsthaft über Tage fertig. Das passt wiederum irgendwie nicht dazu, dass ich mich mittlerweile regelrecht als gefühlskalt empfinde. Ich habe natürlich auch schon recherchiert. Es gibt da Diagnosen wie Gefühlsblindheit, Aromantik etc. Ich hab mich aber noch nicht näher damit beschäftigt, weil ich Angst habe, mich darin wiederzufinden.
Mit Nähe habe ich nach wie vor die größten Probleme. Sowohl meinen Partner als auch meine Tochter kann ich nur eine begrenzte Zeit um mich haben. Dass ist so mies von mir, aber ich kann nicht anders. Ich brauche halt ganz viel Zeit für mich alleine, um wieder aufzutanken.
Nochmal vielen, vielen herzlichen Dank für Eure lieben Antworten. Ich muss noch ein wenig arbeiten, versuche aber noch, auf Eure Antworten einzugehen.

Alles Liebe und Euch noch einen schönen 3. Advent
 
  • #20
Ich habe natürlich auch schon recherchiert. Es gibt da Diagnosen wie Gefühlsblindheit, Aromantik
Das glaube ich nicht. Wärest du gefühlskalt, wärest du weder beim Tod deiner Katze traurig noch könntest du Gefühle wegshoppen.
Und ich würde das Internet- Gegoogle in diesem Fall wirklich lassen, denn irgendwelche zusammengebastelteten Selbstdiagnosen fördern Grübelei.
Meine Vermutung ist, dass du im Zusammenhang mit Nähe negative Erfahrungen gemacht hast und deshalb dichtmachst.
Aber das ist nur eine völlig subjektive Vermutung.
Bitte geh doch zu einer Fachperson, der du Vertrauen kannst.
Stichwort Vertrauen: du konntest vielen Menschen in deinem Leben zu Recht nicht vertrauen.
 
  • #21
Ich sehe das so, dein Vertrauen wurde in der Vergangenheit sehr oft, sehr enttäuscht und sehr verletzt, du solltest unbedingt kompetente Hilfe in Anspruch nehmen!
 
L

lorelai

Gast
  • #22
ich vermute du hast lange Zeit eine innere Leere mit shopping gestopft und jetzt, da du gerade nicht shoppst, kommt es mit voller Wucht auf dich zu und zurück.
Kennst du Courtney Carver und vielleicht den Film Minimalism (Netflix, den ersten von 2016)? Da geht es einmal um das stopfen von Löchern mit Konsum.
Das rausfinden dessen, welche Leere du stopfst und was damit einhergeht ist sicher ein Prozess der von Unterstützung - ob nun durch Literatur, Coaching, Meditation oder einen Psychologen, bestimmt profitieren kann.
Alles gute Dir!
 
  • #23
Früher (heute bei uns eher nicht mehr, da Pflicht- und Ehrgefühl nicht mehr so ausgeprägt sind) war es z.B. üblich, dass der Kapitän das sinkende Schiff zuletzt verlässt oder ggf. mit ihm untergeht, wenn er versagt hat, dass Frauen und Kinder als Schwache zuerst gerettet werden oder dass man im Krieg das eigene Schiff versenkt, damit die Technologie nicht in die Hände der Feinde gerät.
Off topic.
Zum Thema Schiffsuntergänge bin ich ein kleiner Spezialist.
Also zur Ergänzung.
Das der Kapitän das Schiff als Letzter verlässt ist nicht uralt. Es gibt ein Ereignis ab dem diese ungeschriebene Regel galt. Beim Untergang der HMS Birkenhead 1852 vor Südafrika hat der Kapitän diesen Befehl erteilt und erst dann wurde diese Vorgehensweise üblich.
Auch das Versenken des eigenen Schiffes war jahrhunderte lang nicht üblich. Diese Vorgehensweise entstand erst Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Dampfschiffen. Einerseits aus dem von dir genannten Grund aber auch aus einem übersteigerten Nationalgefühl. Vorher war es üblicher, dass sich ein Schiff ergeben hat. Wenn dies geschah galt dies auch nicht unbedingt als ehrenrührig für den Kapitän wenn er den überhaupt gekämpft kann.
Dies ist keine Korrektur, es ist nur eine Ergänzung.
So, im EP-Forum kann man also auch etwas lernen was nicht unbedingt mit menschlichen Beziehungen zu tuen hat.
 
  • #24
Aber so ist einfach das mindset, ob da eine Psychotherapie hilft?
Ja, immer in der Bewertung des erlebten/wahrgenommenen. Man kann lernen, dass es nicht so schlimmm ist, wie es sich jetzt anfühlt (Trennung Realität und Gefühl), vor allen Dingen aber, dass es vorbei geht.
Und je besser man das schafft, umso weniger absolute Tiefs gibt es.

Und Medis deswegen? Wahrscheinlich je nach Leidensdruck...
Genau deswegen - zur Stabilisierung/Fokussierung.
Es stimmt ja meistens garnicht was über Antidepressiva kundgetan wird, vorrausgesetzt man hat die richtigen für sich gefunden. Bis dahin kann es ein Leidensweg sein für den man Biss braucht.

Vielleicht könnte dir auch eine Reha in einer Klinik helfen mit deinem Leben aufzuräumen und zur Ruhe zu kommen .
Besser keine Reha - ist zu wenig intensiv, zeitlich zu limitiert, es wird zu wenig individuell-therapeutisch gearbeitet sondern Fokus ist "zurück an die Arbeit" was überhaupt nicht das Thema der FS ist.
Eine psychosomatische Klinik mit individuellem Ansatz ist da vorzuziehen, keine die nach Schema F für alle Patienten gleich arbeitet.

Ich behaupte dass FS Problem einen hormonellen Hintergrund hat.
Kann sein, dass sie im Alter ist, wo das wirkt und die Situation verschlimmert - glaube ich aber nicht angesichts dessen, was sie hier über ihren Lebenshintergrund preisgegeben hat.

Was sie jetzt erlebt ist die Gemengelage ihrer Lebensgeschichte und von ihrem Lebensalter - die Kräfte lassen nach, die einem ermöglichten, all das viele Jahre zu unterdrücken und so zu tun, als wäre alles ok, beruflich erfolgreich zu sein usw.
Das geht nur, wenn man sich als Bewältigungsstrategie gefühlstaub macht und das hat genau die Wirkung, welche die FS jetzt beschriebt.
Irgendwann geht es bei nachlassenden Kräften so nicht mehr weiter und dann wird das Leid stärker - bis der Staudamm bricht.

Ich habe natürlich auch schon recherchiert. Es gibt da Diagnosen wie Gefühlsblindheit, Aromantik etc. Ich hab mich aber noch nicht näher damit beschäftigt, weil ich Angst habe, mich darin wiederzufinden.
Vielleicht solltest Du Dir selber einen Gefallen tun und die Diagnostik einem echten Profi überlassen.
Bei Psychodiagnosen gibt es so viele Überschneidungen in den Symptomen, dass ein Laie niemals die Abgrenzung hinbekommen kann und sich als Betroffener keinen Gefallen damit tut, sich die ihm liebste Diagnose auszusuchen.

Darüber hinaus, was nützt eine Diagnose ohne Maßnahmen? Wenn die Sellbstdiagnose falsch ist, dann taugen auch die selbbstgewählten Gegenmaßnahmen nichts.
 
  • #25
Ich finde Vickys Beiträge sehr zielführend. Such dir eine Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie direkt für das neue Jahr . Und schau unbedingt Klinikbewertungen an . Deine Tochter ist ja bestimmt alt genug um mal alleine zu bleiben. Ich würde auf keinen Fall an mir selber herumdoktern . Was ist eigentlich mit deiner Therapeutin deinem Therapeuten ? Das sollte doch der erste Ansprechpartner sein.
 
  • #26
Off topic.
Zum Thema Schiffsuntergänge bin ich ein kleiner Spezialist.
Also zur Ergänzung.
Das der Kapitän das Schiff als Letzter verlässt ist nicht uralt. Es gibt ein Ereignis ab dem diese ungeschriebene Regel galt. Beim Untergang der HMS Birkenhead 1852 vor Südafrika hat der Kapitän diesen Befehl erteilt und erst dann wurde diese Vorgehensweise üblich.
Auch das Versenken des eigenen Schiffes war jahrhunderte lang nicht üblich. Diese Vorgehensweise entstand erst Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Dampfschiffen. Einerseits aus dem von dir genannten Grund aber auch aus einem übersteigerten Nationalgefühl. Vorher war es üblicher, dass sich ein Schiff ergeben hat. Wenn dies geschah galt dies auch nicht unbedingt als ehrenrührig für den Kapitän wenn er den überhaupt gekämpft kann.
Dies ist keine Korrektur, es ist nur eine Ergänzung.
So, im EP-Forum kann man also auch etwas lernen was nicht unbedingt mit menschlichen Beziehungen zu tuen hat.
Danke, das fand ich gerade sehr spannend und interessant zu lesen, Schiffe/Schifffahrt allgemein und Schiffsuntergänge oder auch Meutereien und andere Krisensituationen an Bord sind wirklich ein faszinierendes Thema!
Mir fällt dazu ein, ich lese gerade "Wild" von Reinhold Messner, das ich geschenkt bekommen habe, da geht es um die Shackleton-Expedition in die Antarktis und wie die Leute im Eis festsitzen und um ihr Überleben kämpfen. Ich habe mich schon immer für Survival-Geschichten im Zusammenhang mit Schiffen, Inseln oder Expeditionen begeistert, gerade in früheren Zeiten, als die Wildnis noch nicht so gebändigt und noch nicht alles entdeckt und dreifach-gesichert und perfekt organisiert war, sondern so ein Schiff auf dem weiten Meer noch eine Art eigenen Mikrokosmos darstellte und die Entscheidungen und jeweiligen Konsequenzen wirklich schwerwiegend waren, ohne jetzt aber besonders gut mit Zahlen und Daten zu sein, nur das Thema ist so spannend.

@Hasendompteur Wie andere schon ausführlicher schreiben, würde ich mir in deinem Fall auch professionelle Hilfe suchen. Das Forum kann Inspiration und Meinungen geben, aber im Grunde ja auch nur auf einem laienhaften, oberflächlichen Niveau.
w26
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #28
Menschen- und Tierschicksale machen mich manchmal ernsthaft über Tage fertig. Das passt wiederum irgendwie nicht dazu, dass ich mich mittlerweile regelrecht als gefühlskalt empfinde.
Das klingt nach einer Projektion. Du scheinst einiges abgespalten zu haben von deinem Gefühlsleben. Durch dieses „Auslagern“ wirken die Dinge weniger bedrohlich auf dich, was es dir ermöglicht, mit diesen Gefühlen in Kontakt zu kommen. Was du da empfindest, gehört also zu dir und hat viel mit deiner eigenen Lebensgeschichte zu tun.

Ich würde dir eine körperorientierte Psychotherapie empfehlen.
 
  • #30
Liebe Hasendompteurin!

Deine Situation kenne ich sehr gut. Insbesondere das jemanden lieben und doch emotionslos sein, zum Geburtstag etwas geschenkt bekommen, sich freuen, es aber nicht zeigen können, einen Menschen gern haben, aber irgendwie ist einem das doch gleichgültig … das habe ich viele Jahre lang bei mir erlebt. Auch meinte ich depressiv und, und, und zu sein.

Also bei mir war/ist es Hashimoto, eine Autoimmunerkrankung, welche die Schilddrüse angreift, sie abbaut und dann zahlreiche Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion hervorruft.

Mein Rat: Lass dir einen Bluttest auf TSH, fT3 und fT4 sowie einen Antikörpertest machen - mit einer simplen Blutabnahme ist das möglich, aber unbedingt bei einem Schilddrüsenspezialisten. Und auch wichtig, lass dir einen Ultraschall machen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich nach einiger Zeit die Schilddrüse aufgrund der Einnahme einer täglichen Hormontablette erholt hat und nun erstmals in meinem Leben funktioniert. Was soll ich sagen, alle meine Beschwerden sind vorbei. Meine KollegInnen und FreundInnen freuen sich so sehr mit mir und sie meinen, ich sei nun ein ganz anderer Mensch geworden.

Ich wünsche dir aus tiefstem Herzen alles Gute und lass diese Tests machen, es zahlt sich aus!

Liebe Grüße von einem, der bis zur Genesung gar nicht wusste, wie schön das Leben sein kann.
 
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