• #1

Warum kümmert sich mein Freund nicht um mich?

Hallo,
ich wohne seit zwei Jahren bei meinem Freund. Er hatte keine schöne Kindheit und hat ein Problem mit Wut, wir bekommen es aber hin. Allerdings legt er manchmal ein Verhalten an den Tag, das ich schlichtweg nicht verstehe.
Wenn es mir psychisch schlecht geht wird er immer böse und schreit mich an, sagt dass ich psychische Probleme habe, will mich nicht trösten, wird kalt und sehr gemein.
Wenn es mir körperlich schlecht geht tut er so als ob ich simuliere und kümmert sich ganz einfach nicht um mich. Wenn ich ihn dann darum bitte und schon weine, weil er mich immer so blöd sterben lässt, kann er dieser Bitte immer noch nicht nachgehen und es entsteht ein riesiger Streit. Es überfordert ihn, wenn ich ihn darum bitte für einen Augenblick zärtlich zu sein, für eine Umarmung oder mich zu streicheln, für körperliche Nähe, ich weiß nicht was daran so schwer ist. In diesen Momenten fühle ich mich immer allein, erniedrigt und im Stich gelassen. Irgendwas blockiert ihn und er will dann überhaupt nicht für mich da sein.
In normalen Situationen ist das ganz anders, da kann er das.
Wenn es ihm körperlich schlecht geht bemuttere ich ihn von vorne bis hinten und er hält das auch für selbstverständlich.
Geht es ihm psychisch schlecht kann ich ihn nicht aus seinem Tief holen, weil er meine Hilfe nicht annehmen will. Wenn ich ihn frage wieso, dann ist die Antwort er könne mich damit nicht belasten, weil ich labil bin.
Es mag sein, dass ich für mich selbst nicht immer stark sein kann, aber für ihn kann ich das, genau da kann ich Stärke zeigen. Ich weiß nicht, ob er das wirklich nicht versteht oder ob sein Ego es einfach nicht wahr haben will, dass ich (die Schwache, unter ihm) ihm in dieser Situation helfen kann, weil ich gerade besser damit klar komme als er? Er hat keine Kontrolle, schafft es allein nicht, aber will sich das nicht eingestehen?
Ich vermute er ist manisch-depressiv, man weiß nie was am nächsten Tag auf einen zukommt, einmal ist er traurig, dann wütend. Geht es ihm gut kommt wieder sein großes Ego zum Vorschein. Es sind immer Extreme, die in keine gute Richtung führen.
Er ist ein intelligenter Mensch und ich glaube auch da fühlt er sich mir überlegen. Dennoch halte ich ihm immer einen Spiegel vor und versuche zu verstehen, zu hinterfragen, gemeinsam mit ihm, aber auch da will er nicht auf mich hören, aber das finde ich wichtig in einer Beziehung, man lernt voneinander miteinander zu leben. Wenn ich ihn darum bitte mir Feedback zu geben, will er das nicht, also muss ich mich mit Selbstreflexion begnügen.
Ich fühle mich hilflos, weil ich nicht weiß was ich machen soll. Ich kann mich auf ihn nicht verlassen. Ich weiß nicht wie das weiter gehen soll. Genauso verstehe ich nicht wieso er alles alleine regeln will. Er schafft es nicht und dann bekommt er Depressionen, da kann ich nicht einfach tatenlos zusehen.

Ich möchte ihm einfach helfen und für ihn da sein, genauso möchte ich mich aber auch an ihn anlehnen können.
Kennt das jemand?
 
P

proudwoman

Gast
  • #2
Wenn ich das alles so lese, kann ich nur sagen, ihr seit beide keine kleinen Kinder mehr, die versorgt werden müssen. Das ist nicht der Sinn einer erwachsenen Partnerschaft. Das, was ihr führt, ist eine Notgemeinschaft mit ganz viel Drama ohne Ende.
Du jammerst, bist labil, weinst oft , da reagiert Dein Partner allergisch drauf, weil er weiß, Du willst etwas erreichen, kann das sein?
Wenn Du schreibst, dein Partner hatte eine schöne Kindheit, hat aber ein Problem mit Wut (und womit noch so alles?), ist das für mich ein Widerspruch!
Ich denke mal, ihr beide braucht einen Therapeuten. So funktioniert das allerdings nicht zwischen euch, da sehe ich tief schwarz.
 
  • #3
Ohhh je. Das Helfersyndrom. Böse Falle.

Natürlich kennen das viele Menschen, vor allem Frauen neigen dazu. In dieser Situation sind schon viele gewesen. Zu diesem Thema gibt es hier im Forum hunderte Threads. Frau lässt sich mies behandeln, ihr fehlt ein ganz wichtiger Teil in der Beziehung, findet aber in seiner traurigen Jugend eine Erklärung für sein Verhalten, will ihm helfen, dieses zu überwinden, damit beide schlussendlich glücklich werden können bis ans Ende ihrer Tage.

Ich sage dir: dieser Zustand wird niemals eintreten.

Daher mein Rat, den ich hier schon hundert Mal gegeben habe, wenn wieder eine "hilflose" Frau nicht mehr weiter weiß:
Du bist nicht Mutti, Therapeutin, Krankenschwester. Du bist seine Partnerin mit eigenen Bedürfnissen. Es kann sich nicht nur um ihn und seine Befindlichkeiten drehen, und du musst dich auch nicht so behandeln lassen. Wenn er nicht in der Lage ist, diese kindlichen Verhaltensmuster zu bearbeiten und zu verändern, dann ist das sehr schade für ihn, aber hat nichts mit dir zu tun und es ist auch nicht dein Problem! Überhaupt: hör auf, seine Probleme zu deinen zu machen. Höre auf dich und frage dich, wie du leben möchtest in Zukunft, und was dir Partnerschaft geben kann und soll. Er ist sicher kein schlechter Mensch, und er kann für viele Dinge vielleicht wirklich nichts. Aber von dieser Erkenntnis hast du nichts. Eine Partnerschaft soll bereichern, und nicht traurig machen und Mangel kreieren. Es macht dich nicht glücklich, und ihn wahrscheinlich auch nicht. Fang an selbstbewusst zu agieren und nicht nur zu reagieren, wenn dein Partner sich wieder so oder so verhält. Du bestimmst, was in deinem Leben passiert.
 
  • #4
Liebe Joliemi,

wenn zwei Personen mit psychischen Problemen zusammentreffen oder sogar -wohnen, ist es meist kein leichtes Unterfangen. Es kann eine gegenseitige Stütze sein oder aber - wie in Deinem Fall - das Gegenteil bewirken.

Offensichtlich hat Dein Freund nicht gelernt, Jemanden zu trösten, dem es schlecht geht. Wahrscheinlich hat er es als Kind selbst nie erfahren. Oder schlimmer noch, er musste sich als Kind vielleicht um seine Mutter oder Vater kümmern, weil diese nicht zurecht kamen. Es ist verständlich, dass er sich dadurch nicht öffnen kann.

Dir bleibt nur übrig, dies zu akzeptieren und zu schauen, wie Du Dir selbst Trost und Halt schenken kannst, damit es Dir besser geht. Selbstfürsorge kann man lernen.

Anderseits ist auch wichtig, sich in einer Beziehung vom Anderen abgrenzen zu können.

Kannst Du im Nachhinein mit Deinem Partner darüber sprechen ? Kennst Du seine Hintergründe ? Falls nicht, sprecht miteinander, wenn es auch Beiden gut geht. Findet Möglichkeiten, wie ihr gemeinsam als Paar in solchen Situationen damit umgehen könnt.

Wie sieht Eure Beziehung ansonsten aus ? Gibt es auch viele schöne Momente ?
 
  • #5
Liebe Joliemi, eine Partnetschaft ist keine Therapiegemeinschaft. Du erwartest etwas von deinem Freund, das er dir nicht geben kann, und willst ihm etwas aufnötigen, das er nicht will. Vom Partner die Lösung deiner Probleme erwarten und ihm die Lösung seiner Probleme aufs Auge drücken: Beides geht nicht.

Ich finde es hilfreich, Beziehungen als Lernerfahrungen anzusehen. Meine Glaskugel sagt mir, dass du mit deinem Freund lernen kannst, die Verantwortung für deine Befindlichkeiten zu übernehmen und nicht bei einem anderen Menschen "Rettung" einzufordern. Und du kannst lernen, seine Art, mit Problemen umzugehen, anzunehmen und ihn nicht zu plagen mit übergriffigen Hilfsangeboten.

Wenn du das Bedürfnis hast, jemanden zu umsorgen und zu verhätscheln: Die meisten Tierheime sind angewiesen auf freiwillige Helfer.

Frau 50
 
  • #6
Liebe FS

Das Helfersyndrom schreit einem regelrecht entgegen aus Deinem Post. Ich fürchte, Ihr seid da eine leider für beide Parteien - aber insbesondere für Dich - sehr unheilvolle Liaison eingegangen. Viele Fragen stellen sich mir aber auch zu Deiner Person, denn nebst dem in meinen Augen sehr offensichtlichen Helfersyndrom scheint es Dir weder körperlich noch psychisch gut zu gehen. Was fehlt Dir genau?

Interessieren würde mich auch, wie Du darauf kommst, dass er manisch-depressiv ist. Dazu vielleicht in Kürze nur so viel: Diese Phasen wechseln sich im Allgemeinen nicht im Tages-Takt ab. Manische wie auch depressive Phasen können sich unter Umständen über viele Monate erstrecken.

Sollte es sich in der Tat dennoch um die bipolare Störung handeln bei Deinem Freund, so müsste ich Dir aus sehr leidvoller nächster Mit-Erfahrung (in allernächster Familie) leider dazu raten, Dich so schnell als nur irgend möglich in Sicherheit zu bringen... Als Partner eines Bipolaren wirst Du den extremsten Stress-Situationen ausgesetzt sein, die auch ein psychisch absolut intakter Mensch nicht aushält...
 
  • #7
Beziehungen, in denen nur einer ein psychisches Problem hat scheitern in der Regel über kurz oder lang. Bei zwei Personen, wie bei euch, ist das Drama ein Schrecken ohne Ende.

Ohne genau zu wissen, wo bei euch der Hase im Pfeffer liegt, ohne zu unterstellen wer die meiste Schuld an der Situation trägt, rate ich dir: Diese Beziehung zu beenden, damit du durchatmen kannst und die Möglichkeit hast, durch professionelle Hilfe dein Leben in den Griff zu bekommen. Erst dann bist du - und ich rede hier nur von dir - in der Lage, eine respektvolle Partnerschaft zu führen, von vornherein die männlichen Kandidaten auszuschließen, die dir nicht gut tun.

Und merke: Emotionale Abhängigkeit hat rein gar nichts mit Liebe zu tun.
 
T

Toi et moi

Gast
  • #8
Viele Menschen wollen allein sein, wenn sie krank sind. Sie wollen es mit sich selbst ausmachen, so haben sie es gelernt und deshalb ziehen sich viele zurück, wenn es ihnen schlecht geht. Ob es gut oder schlecht ist, muss jeder für sich entscheiden. Ich bin/war auch jemand, der alles mit sich ausmacht. Ich möchte niemandem zur Last fallen und setze sehr oft mein Lächeln auf und verstecke meine Probleme. Irgendwann aber ging es nicht mehr und dann begann für mich ein Prozess und ich habe gemerkt, dass ich mich öffnen muss und die Hilfe von Anderen annehmen muss. Ich denke, dass es ein Lernprozess ist. Zwei Freundinnen haben mich in dieser Zeit immer wieder besucht. Wir haben sehr wenig über meine Probleme geredet aber es tat gut sich nicht alleine zu fühlen. Was ich damit sagen will ist folgendes: Dein Freund muss selbst sich öffnen und die Hilfe von Anderen annehmen. Die Männer sprechen generell nicht gerne über die Probleme also versuche ihn abzulenken. Was mag er so gerne machen? Versuch seine Verhaltensmuster zu analysieren. Manche haben bei einem Wutanfall nur Unterzuckerung oder Langweile oder sind einfach nur genervt von immer wieder kehrende Diskussionen. Versuch den Tag so strukturiert wie möglich zu gestalten, betreibe für dich und für ihn ein Präventionsprogram gegen Wutanfälle, manchmal hilft einfach die Person in Ruhe zu lassen, stelle ihm ein Glas Orangensaft hin (das hilft gegen Unterzuckerung) oder lenke ihn ab auf schöne Themen, gestalte deinen Tag positiv und backe einfach einen Kuchen, Beschäftigungstherapie und du wirst sehen er wird sich besser fühlen und du auch.
Aber deine Frage war eigentlich warum er dich nicht tröstet, wenn du Depressionen hast und dich nicht wohl fühlst. Auch da muss ich sagen, du kannst nichts erzwingen. Er kann das nicht. Du musst damit leben, wenn du mit ihm zusammenbleiben möchtest und die Hilfe wo anders suchen. Vielleicht erzählst Du über deine Probleme mit einer Freundin und lässt dich von ihr trösten.
 
  • #9
Liebe FS,

Ja, in meiner düstersten Vergangenheit.

Du bist das Salz in seinen Wunden. Durch Dich bekommt er, wenn es Dir nicht gut geht, den Spiegel vorgehalten und dort sieht er was er nicht sehen will, nicht mal sich selbst. Er hat Probleme mit denen er nicht umgehen und lösen kann und in Deinen schwachen Momenten machst Du und wird es ihm auch noch so richtig deutlich.

Erwarte keine Hilfe von ihm. Er kann sich selber nicht helfen. Wie dann Dir?

Erst er selbst, dann Du!
 
  • #10
Hallo joliemi,
ja, ich kenne das und die 5-jährige Partnerschaft ist jetzt beendet. Ich kann dir einige Praxisbeispiele geben für mangelndes Mitgefühl, Empathie, Hilfsbereitschaft, Fürsorge, Achtsamkeit. So habe ich ihn 5 Tage bei einer Grippe gepflegt, er hat indessen seine schlechte Laune an mir ausgelassen. Ok, "Männergrippe"! Die Medikamente, die ich besorgt habe, weil nichts im Haus war, nicht einmal ein Aspirin, waren ihm zu teuer. Ich würde sein Geld verschwenden... Das Obst war nicht sein Lieblingsobst, über die von mir eingekauften Lebensmittel beschwerte er sich! Er wollte keine Ruhe geben trotz hohem Fieber und Schüttelfrost. Wäsche waschen, Aufräumen, schnell den Laptop aus der Arbeit holen im Winter (!!!) waren wichtig. Helfen durfte ich nicht. Wadenwickel wollte er nicht und schluckte ein Paracetamol nach dem anderen trotz Leberproblem. Ein schwieriger Patient. Ich habe dafür eine schöne Messe sausen lassen und ein paar Tage nicht gearbeitet, so sehr war ich in Sorge um ihn. Als er schnell dank guter Pflege wieder bürofit war, hatte ich mich angesteckt. Er kümmerte sich Null, ich durfte mich zuhausw selbst versorgen. Kein Anruf, keine WhatsApp. Er brachte nicht mal Obst oder Milch, Joghurt vorbei, fragte nicht nach wie es mir geht und ob ich was brauche. Ich wurde links liegengelassen. Ich war erstaunt, so ein lieblose rücksichtslose Verhalten war ich nicht gewohnt. Es steigerte sich. Als ich einmal im Krankenhaus lag und seine Unterstützung gebraucht hätte, weil ich falsch behandelt wurde, flog er für ein paar Tage (sein Geburtstag) in den Urlaub. Er beschimpfte mich per WhatsApp, ich sei psychisch krank. Fakt war, dass es seltener Infekt war, der lebensbedrohlich war. Ich war in Isolierstation. Später lief ich nach einem Unfall 4 Monate an Krücken mit Schiene am Sprunggelenk. Und das wo ich immer so sportlich war. Ich bat ihn mich ins Krankenhaus nach München zu fahren aufgrund Komplikationen im Heilungsverlauf. Er meinte "nein" via WhatsApp, erst wenn ich aufhöre "zu spinnen". Ich zahlte mir selbst Mehrere Taxifahrten, ein arbeitsloser Nachbar fuhr mich zum Fusschirurgen. Fazit: Wenn ich, die Starke und Sportliche, mal in langjähriger Beziehung krank bin, kann ich von ihm keine Hilfe erwarten. Wie soll das werden im Alter, wenn Frau nicht mehr sexy Und hübsch ist? Einmal hat Er mich ganz lieb im Krankenhaus besucht, überraschenderweise. Das war nachdem er selbst eine Hüft Prothesen OP mit 4-wöchiger Reha hinter sich gebracht hatte. Ich glaube er hat durch sein eigenes Leid dazugelernt. Grundsätzlich aber kann er nicht mit Schwäche umgehen; Ich wurde mehrmals durch eine andere "ersetzt" in Krankenzeiten. Irgendwie ist man da allein besser dran.
 
  • #11
Ich möchte ihm einfach helfen und für ihn da sein, genauso möchte ich mich aber auch an ihn anlehnen können.
Klar will man das, aber mit einem Menschen, der das nicht kann, weil er ne miese Kindheit hatte, geht das nicht. Der nimmt nur, weil Du die Ersatzmama spielst, die all das geben soll, was die echte nicht konnte. Er müsste sich grundlegend ändern, was sehr lange dauert und was viele, viele Erkenntnisse braucht und viel Aufarbeitung seiner schlechten Kindheit. Er muss ja sehen lernen, was für Versager er in dieser Richtung als Eltern hatte, dann sich selbst beweinen, weil er so abhängig war von diesen Menschen und niemand ihm geholfen hat, und dann lernen, frei zu geben, was ihm versagt wurde, als er es am meisten brauchte.

Weiterhin gibt es viele Menschen, die es nicht haben können, wenn einer sich schwach zeigt. Da werden sie kalt, weil als sie hilfbedürftig waren, es auch hieß "stell dich nicht so an, ich musste auch immer allein klarkommen". Auch will der Schwache den anderen meist manipulieren - geb ich dir, so gib du auch mir. Klappt nicht.

Wenn es ihm körperlich schlecht geht bemuttere ich ihn von vorne bis hinten und er hält das auch für selbstverständlich.
Kann ich mir gut vorstellen. Aber Du gibst das ja freiwillig und ohne Rechnung. Männer denken manchmal auch, dass Frauen tun, weil sie es selbstlos geben.

Wenn ich ihn frage wieso, dann ist die Antwort er könne mich damit nicht belasten, weil ich labil bin.
Naja, von Problemen Deinerseits hast Du ja auch geschrieben. Allerdings ist der Punkt, dass er sich für stärker hält. Und auch noch für intelligenter. Und wenn Du dann noch die Kleinmädchenrolle spielst mit "kümmere dich doch mal", ist es ganz aus, weil er - ist mein Eindruck - Schwäche verachtet, zumindest in sich, was aber automatisch auch bedeutet "in anderen".

Erwarte nicht, dass es andere interessiert, wenn es Dir schlecht geht. Es sollte so sein und wenn es nicht so ist, würde ich auch die Partnerschaft auflösen. Aber Du kannst nicht leidend daliegen und erwarten. Das wäre Manipulation. Darauf sind viele allergisch (kennt er vielleicht sogar von seinen Eltern)

Statt sich mit seinen Problemen zu befassen - tu das lieber mit Deinen! Du hast Dir einen Partner gesucht, der Dir in den Momenten, wo Du es am meisten brauchst, keine Liebe gibt, der sich Dir überlegen fühlt und der Dich für schwach hält. Mein Eindruck ist auch, dass Du das Programm in Dir haben könntest, dass Du leiden musst, damit Du Liebe kriegst. Nur ne Vermutung.
Wenn Du ihn heiltest (was nicht funktionieren wird), passiert nicht automatisch, dass er Dich heilt. Er will das nicht mal.
 
  • #12
Ihr kommt mir vor, wie zwei Ertrinkende. Beide seid ihr Nichtschwimmer und klammert euch aneinander, wobei die Gefahr besteht, dass ihr zusammen untergeht.

Ich rate hier nie vorschnell zur Trennung, doch ihr beide scheint Gift füreinander zu sein: ihr könnt euch nicht gegenseitig trösten, weil jeder für sich selbst dringend Hilfe braucht. Die bekommt ihr nur getrennt voneinander.
Mit Glück und professioneller Unterstützung schafft ihr es, im Alleingang das zu finden, womit ihr leben könnt - ohne einander.
 
  • #13
Was glaub immer schief geht, ist eine Buchführung in Beziehungen: Ich betüdele ihn, wenn er krank ist, also schuldet er mir, mich zu betüdeln, wenn es mir nicht gut geht. Do ut des - ich gebe, damit du gibst - so funktionieren Beziehungen nicht.

Ich habe mir vor langer Zeit angewöhnt, genau das zu geben, was ich wirklich aus offenem Herzen geben will. Und kein klitzekleines bisschen mehr. Damit bin ich gut gefahren. Mein Liebster könnte mich jederzeit verlassen, ich hätte keine Rechnung offen, was er mir noch schuldet. Er schuldet mir nichts. Weil ich ihm nichts in Erwartung einer Gegenleistung gegeben habe.

Frau 50
 
M

Michael_123

Gast
  • #14
Er hatte keine schöne Kindheit und hat ein Problem mit Wut, wir bekommen es aber hin.

Nein, ihr bekommt es nach Deinen Schilderungen nicht hin.

Geht es ihm psychisch schlecht kann ich ihn nicht aus seinem Tief holen, weil er meine Hilfe nicht annehmen will. Wenn ich ihn frage wieso, dann ist die Antwort er könne mich damit nicht belasten, weil ich labil bin.

Du kannst und wirst seine Probleme nicht lösen können. Dafür ist er selber verantwortlich, nicht Du. Deine eigene Verfassung ist (mittlerweile) ebenfalls eine gewaltige Baustelle.

Ich fühle mich hilflos, weil ich nicht weiß was ich machen soll. Ich kann mich auf ihn nicht verlassen. Ich weiß nicht wie das weiter gehen soll. Genauso verstehe ich nicht wieso er alles alleine regeln will. Er schafft es nicht und dann bekommt er Depressionen, da kann ich nicht einfach tatenlos zusehen.

Warum führst Du diese Beziehung? Nochmal: Du wirst seine gewaltigen Probleme NICHT lösen können.

Stelle Dir diese wichtige Frage: "Wer ist der wichtigste Mensch in Deinem Leben?"

Deine aktuelle Antwort ist falsch, denn Du selber kommst auf der Reihenfolge ganz weit unten vor. Du solltest aber an Nummer 1 stehen.

Wenn nicht, gehst Du seelisch komplett vor die Hunde.
 
  • #15
Für mich ist klar: Wer mich im Stich lässt, wenn es mir schlecht geht, der liebt mich nicht und es ist viel besser, wenn derjenige dann geht, sobald er mir somit bewiesen hat, dass er mich nicht liebt. Seine Kälte und Gleichgültigkeit brauche ich nicht. Für so etwas wäre ich mir wirklich viel zu schade. Kein liebes Wort, keinen Kuss, geschweige denn mehr, bekäme so ein Eisklotz dann noch von mir. Ich verachte solche lieblosen, egoistischen Menschen zutiefst.
 
  • #16
Hast du eine Antwort auf die Frage, warum du mit einem Mann zusammen sein möchtest, der ein Problem mit Wut hat, Kälte angesichts von Schwäche zeigt, zwischen Depressivität und Grandiosität schwankt und emotional instabil ist? Ist er die letzte Chance, kannst du nicht alleine sein, willst du ihn "retten" und zu dem Menschen machen, den du ihn ihm siehst ... willst du selbst ein Kindheitstrauma durch ihn auflösen? Bitte suche dir Rat und Erkenntnis bei einem Profi. Auch Bücher könnten Denkanstöße sein, mir fallen Stefanie Stahl, Robin Norwood und Robert Beetz (Achtung, kann auch zu esoterisch werden) ein.

Eure Beziehung mutet an wie ein Schrecken ohne Ende - es kann sein, dass ihr euch in 5 Jahren immer noch aneinander abarbeitet und immer unglücklicher werdet. Er kann dir nicht das heben, was du brauchst! Durchbreche möglichst früh eure komplexe Verflechtung von unerfüllten Bedürfnissen, du wirst dafür aber mehr Input brauchen als ein paar Rückmeldungen aus einem Forum.
 
  • #17
Liebe Joliemi,
ich finde es ganz gefährlich, seinem Partner eine psychische Erkrankung zu unterstellen, wenn es nicht gut läuft. Man schiebt alle Verantwortung auf die Erkrankung und versäumt, hinter die Wechselwirkungen des Paares zu schauen. Und ihr beiden scheint sehr heftig und unharmonisch miteinander zu wechselwirken.

Männer machen ihre Sorgen häufig allein mit sich aus. Und die meisten Männer können nicht gut pflegen. Soweit so normal.
Du bist insofern auch eine normale Frau - du betüttelst ihn, wenn er krank ist, und deine Sorgen möchtest du mit ihm teilen und besprechen, willst von ihm getröstet werden.
Du in deiner Frauendenke erwartest nun von ihm, dass er das auch will und tut - aber siehe oben, er denkt seine Männerdenke und fühlt sich da auch im Recht, genau wie du. Über diese Dinge streiten sich Paare seit Generationen - ihr seid in guter Gesellschaft.

Was ich prekär finde ist, dass er dich als psychisch labil beschimpft und sich für intelligenter hält.
Außerdem, dass er auch auf dein Bitten keine netten Worte für dich findet, wenn es dir schlecht geht.

Ich denke erst einmal, er ist ein typischer Opfer-Typ. Nur seine Sorgen sind von wahrer Bedeutung, andere Menschen haben gar keine Sorgen oder stellen sich an. Er sieht nur sich selbst und sein eigenes Elend. Für das Elend anderer Menschen ist er blind. Das mag in seiner Kindheit begründet liegen, oder der aktuellen Situation geschuldet sein - das ist unerheblich, denn du bist ja nicht sein Therapeut.

Außerdem habt ihr, darauf aufgesattelt, ein Gefälle in puncto Stärke und der Fähigkeit, das Leben zu meistern. Er meint, er schaffe dies besser als du.
Du wirkst auf mich auch etwas jammerig, um ehrlich zu sein. Ständig irgendwelche körperlichen oder psychischen Wehwehchen... Aus Sicht eines Menschen, der Stärke und Stressresistenz schätzt, bist du Ballast. Solche Menschen nervt es, wenn der Partner ständig wegen gefühlter Kleinigkeiten am Jaulen ist und sein Leben nicht selbständig auf die Reihe bekommt. So etwas erzeugt auch keinen Respekt. Deswegen wirst du von ihm angeschrien.
Und: von einem Menschen, den man als unfähig und schwach erachtet, nimmt man auch keine Ratschläge an.

Was du tun kannst, ist mit diesem Kleinmädchen-Gehaben aufhören. Nicht jede Malesche verbalisieren und überdramatisieren und deine Angelegenheiten ohne ihn regeln. Stärke leben und zeigen. Du bist kein kleines Kind, und er nicht dein Papa, der dich bei jedem kleinen Kummer tröstend in den Arm nehmen muss, also verhalte dich auch nicht so.

Außerdem aufhören, ihn analysieren und psychologisieren zu wollen. Du willst einen Partner an deiner Seite, der dir bei echten, schweren Sorgen zur Seite steht, und das ist ein völlig legitimer Wunsch. Wenn er dazu nicht in der Lage ist, dann ist er nicht der richtige Partner für dich.
 
  • #18
Danke für all die Antworten, die doch recht verschieden ausgefallen sind, eine "Ferndiagnose" ist natürlich schwer, vor allem wenn man nur eine Seite und nicht alle Details kennt. Es war sehr viel hilfreiches dabei und das werde ich mir zu Herzen nehmen.

Ich kann zu der ganzen Sache nur sagen, dass ich mir mit dem Menschen eine Zukunft wünsche und das nicht alles schlecht ist. Das hier besprochene ist einfach nur eine von zahlreichen Facetten der Beziehung, diese hat mich eben beunruhigt, weil ich sowas nicht gekannt habe. Unsere Beziehung ist also kein einziges Drama oder gegenseitiges Ertränken. Ich möchte nicht Psychotherapeut spielen, ich versuche nur mir mit laienhaften Analysen Situationen zu erklären. Ich will auch kein sonstiger Ersatz sein, aber manche Dinge gehören für mich in einer Beziehung eben dazu. Und für mich ist es ganz klar, dass ich für meinen Partner da bin, wenn er mich gerade braucht. Dass ich ihn heilen oder retten kann, das bilde ich mir gar nicht ein. Aber für ihn da sein, ganz normal, wie es eben in einer Partnerschaft sein sollte, das mache ich und erwarte ich wohl auch irgendwie.

Zu seiner Kindheit, die Probleme haben ihn eigentlich bis in die Gegenwart verfolgt, erst jetzt vor kurzem haben sich ein paar Dinge und Situationen aufgelöst und die Sache legt sicht endlich ein bisschen. Bei mir gab es keinen ersichtlichen Grund außer der Pille für Depressionen, mir wurde keine Psychotherapie oder sonstiges empfohlen, obwohl ich selbst danach gefragt habe. Was mir noch einfallen würde: Mein Vater war seit ich denken kann zu Hause aufgrund eines Unfalls, wir hatten ein sehr gutes Verhältnis, er hatte aber auch Depressionen und Panikattacken, das hab ich als Kind mitbekommen, weiß ich nur nicht mehr. Geht es mir sehr schlecht, äußert sich das ähnlich. Ist aber schon lange nicht mehr vorgekommen.

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  • #19
und das nicht alles schlecht ist. Das hier besprochene ist einfach nur eine von zahlreichen Facetten der Beziehung, diese hat mich eben beunruhigt, weil ich sowas nicht gekannt habe.
Klar ist nie alles schlecht. Aber man muss doch unterscheiden, was ein wesentlicher Punkt ist und was ein unwesentlicher Punkt ist.
Woran zeigt sich, dass Dich jemand liebt? Wenn Dir das fehlt, ist doch der Rest, der Spaß macht, egal, weil der Kern der Beziehung nicht stimmt.

Ich möchte nicht Psychotherapeut spielen, ich versuche nur mir mit laienhaften Analysen Situationen zu erklären.
Das finde ich auch gut, aber was machst Du mit Deinen Erkenntnissen, ist doch die Frage. Kümmerst Du Dich um Dich selbst, indem Du Dir sagst "DER muss es sein und ich pass mich allem an, was er bietet, weil ich die Beziehung lebensnotwendig brauche" oder sagst Du Dir "ich wünsche mir eine Beziehung, die x und y ist und guck mir an, wie glücklich ich mit der aktuellen Beziehung diesbezüglich bin".

Wenn ich den Beitrag #9 von @Elfe11 lese, frage ich mich, warum sowas sein muss, dass man das noch so ewig aushält. Aber jeder muss sein Leid selber mitmachen und es gibt kein Wissen vor der Erfahrung.
Es ist ja auch die Hoffnung für den, der sich schlecht verhält in einer Beziehung. Wenn jemand es lange mit ihm aushält und noch mehr wertvolle Erfahrungen dazukommen, insbesondere die schönen, denn es ist ja nicht alles schlecht, hat er durch die Geduld des anderen bei seinem Verhalten ja auch die Chance, was in sich zu heilen, zu erkennen und zu verbessern. Man lernt ja in Beziehungen viel über sich und da ist nie der eine nur bösartig und der andere das arme ausgenutzte Opfer. Verhaltensweisen bedingen ja einander und jeder lehrt den anderen was.

Und für mich ist es ganz klar, dass ich für meinen Partner da bin, wenn er mich gerade braucht.
Das finde ich auch richtig. Aber ich würde auch darauf achten, ob es auch mir gut geht. Oder ob ich immer nur gebe in dieser Hinsicht, weil ich gelernt habe, dass meine Bedürfnisse nicht wichtig sind. Du hast was von Deinem Vater geschrieben. Wenn man ein psychisch krankes Familienmitglied hat, dreht sich meist alles um dieses und um seine Bedürfnisse, die der andere treten automatisch zurück. Wenn man dann Kind ist, vermittelt das das Signal "du und was du emotional brauchst, ist unwichtig, nimm Rücksicht". Sowas könnte sich in den Beziehungen später fortsetzen.

Und noch eine Sache: Vielleicht bist Du ein sehr einfühlsamer und aufopferungsbereiter Mensch "von Natur aus". Bedenke bitte, dass nicht alle Menschen so sind, sie sind anders "von Natur aus". Dh. es ist für sie kein erstrebenswerter Zustand, so zu werden, weil es ihrem Wesen widerspricht. Jeder setzt seine Prioritäten so im Leben, wie es ihm am besten passt.
 
  • #20
Liebe FS,
sorry, dass ich so deutlich werde, aber mir scheint, dass Du mehr eine psychosomatische Pflegekooperative anstrebst als eine Partnerschaft.
Ich bin der Ansicht, wenn jemand dauerhaft eine schwache pysische und psychische Konstitution hat, dann muss er eben damit leben, dass alles für ihn etwas schwieriger ist und er kann seine Defizite nicht dauerhaft bei einem Partner abladen.

Mir scheint, Dein Partner will im Krankheitsfall von Dir nicht in dem Masse betueddelt werden, wie Du das machst. Viele Frauen lieben es, Männer geradezu krank zu schnacken, weil sie dann ihren Pflegetrieb ausleben können. Sie sind halt nicht in der Lage, eine Beziehung unter reifen, körperlich und seelisch gesunden Menschen zu führen und konstruieren/ueberbetonen bei sich und beim Partner Befindlichkeitsstoerungen.

Wenn Du Dich ungerecht behandelt fühlst, im Zweifelsfall hilft immer eines: ihn im Krankheitsfall genauso desinteressiert behandeln (Hilfe verweigern), wie er mit Dir umgeht. Nur so kann er selber erleben wie es sich anfühlt.
Es kann sein, dass er froh ist vor Dir seine Ruhe zu haben, kann aber sein, dass er die Message versteht und selber fürsorglicher wird, wenn er zukünftig selber Fürsorge erfahren will.
 
  • #21
...aber mir scheint, dass Du mehr eine psychosomatische Pflegekooperative anstrebst als eine Partnerschaft.
Ich bin der Ansicht, wenn jemand dauerhaft eine schwache pysische und psychische Konstitution hat, dann muss er eben damit leben, dass alles für ihn etwas schwieriger ist und er kann seine Defizite nicht dauerhaft bei einem Partner abladen.

Partnerschaften mit psychisch Erkrankten sind schwierig. Partner oder Partnerin sind keine Therapeuten und auf Dauer sicher oft überfordert. Wenn sie selbst nicht stabil sind sowieso.
Letztlich hat auch in einer Beziehung jeder selbst die Verantwortung für sich und die Pflicht, für das eigene Wohlergehen zu sorgen. Wenn man sich gegenseitig hilft, schön. Ich denke aber, wer psychisch krank ist, sollte sich fachliche Hilfe holen. Und als Partner muss man sich genau überlegen, ob man diese Last mittragen kann.
 
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