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  • #1

Warum muß Ruhestand gleichbedeutend mit Ruhelosigkeit sein? Es soll ja nicht in Stillstand ausarten!

Das Wort sagt es doch: Ruhestand! Alle, die immer gearbeitet haben, haben sich den doch auch verdient! Immer wieder lese ich bei 60+ die tollsten Sportarten und extrem viele Aktivitäten. Muss man sich das antun, um IN zu sein? Ich habe gern gearbeitet, freue mich jetzt auf die Rentenzeit und möchte die auch leben. Bin immer noch unternehmenslustig, hasse aber sinnlosen Aktivismus. Natürlich reise ich auch gern, aber doch nicht ständig. Warum wird es negativ ausgelegt, wenn man zugibt, dass man auch wirklich Dinge ruhiger angehen möchte? Warum darf man nicht sagen, dass man mit 60+ nicht mehr ganz so fit ist, wie das mit 30, 40, 50 war? Ich will keinen Stillstand, habe Pläne. Aber ich will einfach keinen vollen Terminkalender mehr haben. Ist das so falsch? Ich würde gern wissen, ob es noch mehrere unter euch gibt, die sich solche Gedanken machen. w63
 
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  • #2
Ich, ebenfalls w63 habe meinen jetzigen Mann 64 auch vor über 2 Jahren hier kennengelernt. Während der Zeit der Suche hatte ich auch den Eindruck, als ob unsere Altersklasse nur aus kletternden, segelnden, golfenden und nordic-walkenden Fitness-Fanatikern besteht, die nach absolviertem Sportprogramm dann abends entweder in ein Rockkonzert (die ganz fitten !!) oder ins Theater oder die Oper pilgern. Am Wochenende dann die Kurzreise nach Paris oder das Wellness-Wochenende in Ischl...usw.usw. Dennoch habe ich einen Mann gefunden, der 1000 %-ig zu mir passt, der die gleichen Ansprüche an Ruhe und Aktivität in ausgewogenem Verhältnis hat, wie ich. Was ich damit sagen will, nicht aufgeben, es git für jeden "Topf einen passenden Deckel". Viel Glück und - lassen Sie sich auch nicht von Frederika beirren, die ja der Meinung ist, dass unsereiner keine Chance auf eine glückliche - weil nicht mehr zielorientierte - Beziehung hat!
 
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  • #3
Ich glaube, dieser Aktionismus vieler Älterer rührt daher, dass viele einfach Angst vor der Konfrontation mit sich selbst oder auch einfach auch vor Langeweile haben (auch ein Tabuthema).

Mein Noch-Mann, 67, ist z.B. sehr froh, dass er noch täglich im Büro was zu fummeln hat, obwohl ihn da keiner mehr sehen möchte, aber sonst, sagt er wörtlich, würde ihm die Sinnlosigkeit seines Lebens bewusst. Viermal jährlich fährt er auf sein Schiff, wo es immer was zu basteln und zu reparieren gibt. Mal muss das Schiff raus aus dem Wasser, mal rein, mal streikt der Motor oder der Wassertank ist defekt usw. usf. Ohne diese 'Probleme' wäre er ein armer Hund. Seine Segler-Bekanntschaften sind alle 60-70 plus, und ich kenne sie nur hämmernd, klopfend, sägend, fräsend, klebend, schrubbend usw. Da geht noch nicht mal einer ins Wasser. Hauptsache Beschäftigung, Aufgabe, Ablenkung,

Ich dagegen habe nach der Trennung öfter mal mit Langeweile zu kämpfen, obwohl ich Hobbies und Freundschaften habe, aber Langeweile darf man ja auch nicht mehr haben. Das versteht erst recht keiner.
 
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  • #4
Klasse, klasse! mal von jemandem zu hören/zu lesen, der sich wirklich auf "weniger" einstellen kann und mag und nicht (wie VOR dem "Tag X," schon, das Golfen, "mein Boot", "mein Tennisplatz"....)klassisch hinstellt.
Es gibt nämlich auch Menschen, die mehrere Sprachen sprechend, irgendwann "zwangsläufig" in Rente gehen MUSSTEN und nicht das "Futter" im Background haben, jetzt locker, so schön es wäre, zu reisen...
Ich selbst wurde aus der jahrelangen Organisation von Ausstellungen, dem Kontakt mit Kümstlern, dem Organisieren von Fortbildungen, auch im Fremdsprachenbereich, nach einer schweren Erkrankung ... berentet. Reisen täte ich gern, und tue es auch, aber die Wünsche sind kleiner, die Ziele naher geworden (mein von mir allein erzogener Sohn ist 17, braucht vielleicht auch noch was für seine Zukunft...)

Ich gehe laufen/walken, gerne ins Kino, gerne mal auf Seminare am WE, da ich seit meiner Berentung freiberuflich als Coach tätig bin, und nehme das alles viel bewusster wahr als früher.

WER legt Dir, FS, andere Aktivitäten als "früher", "schlecht" aus?
Ich selbst würde sehr gerne einen Menschen kennenlernen wie Dich, der dazu steht, eine ruhigERE "Kugel zu schieben", statt Menschen, die erwarten, dass ich Golf spiele/lerne
und einige andere "Abenteuerdinge" mittrage.
Danke, dass Du Dich so offen äußerst!
Und Deinen Terminkalender entfrachtest/entfrachtet hast!

Es ist überhaupt nichts "falsch"!
Ich wünsche Dir viel Freude beim Ausprobieren Deiner neuen Möglichkeiten und alles
Gute auf Deinem Weg!

w, 56
 
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  • #5
@Fragestellerin: Ich finde sowohl Deine Frage als auch die Antworten, die bisher hier gegeben wurden, super! Als ich vor knapp 4 Jahren hier mein Profil ausgefüllt habe, hatte ich auch schon ernsthafte Probleme, 4 Sportarten anzugeben. Das Einzige, was mich ermuntert hat, war, dass man ja auch die passiv "ausgeführten" Sportarten angeben konnte......

Ich war 43 Jahre vollzeitig berufstätig, davon über 25 Jahre im Management einer deutschen Großbank. Da bleibt keine Zeit für regelmäßig ausgeübte Sportarten, wenn man sich als Frau in seinem Job behaupten will.

Jetzt, da ich verrentet bin und meinen Schatz hier gefunden habe, bin ich froh, dass er mit mir die Dinge angeht, die wir beide gut finden, die uns nicht zu sehr anstrengen,uns aber viel Freude machen. Das ist mal ein Besuch in einem Museum, mal ein verlängertes Wochenende n einer anderen Hauptstadt mit entsprechendem Sightseeing und durchaus wiederum einem Museum, das sind mal 2 Tage am Meer. Kurzum, wir lassen es uns gutgehen. Wir machen gerne mal Kurzreisen, da er noch berufstätig ist (selbständig), aber natürlich auch mal einen 2-wöchigen Urlaub. In der Woche bekoche ich ihn gerne, wir gehen aber auch häufig essen. Gerne sind seine Freunde (wohnen 400 km entfernt, ei uns zu Besuch, um sich die für sie fremde Region zeigen zu lassen. So fühlen wir uns beide sehr wohl und freuen uns des Lebens.

w/ 60
 
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  • #6
Hier die FS:

Ich danke euch für eure verständnisvollen und offenen Antworten. Schade, dass nur wenige etwas geschrieben haben. Es sind wohl doch sehr wenige in dieser Altersgruppe hier.

Die letzten 2 Jahre hatte ich ziemliche gesundheitliche Probleme, die mich auch zwangen, aushäusige Aktivitäten auf ein Minimum zu beschränken. Das hat ja nicht zur Folge, dass ich nichts tue.

Ich habe nie Langeweile, habe 5 eigene Webseiten, die ich, vom Design bis zu sämtlichen Inhalten und Bildgestaltung, selbst gestalte. Auch ein eigenes Forum (Kunst und Literatur). Mein Bekanntenkreis ist groß, aber in ganz Deutschland und USA verteilt, Familie 500 km entfernt. Ich schreibe Kurzgeschichten, lese viel, koche gern. Kurzreisen und Museen etc., alles geht, aber kein Sport mehr. - Im Herbst fliege ich in die USA, Freunde besuchen. Ich koche gern und gut.

Es muss doch auch noch ein paar Männer geben, mit denen man sich u. a. über gemeinsame Interessen unterhalten kann. Was soll ich denn mit einem Mann, der mit 70 noch Extrembergsteigen, Drachenfliegen betreibt, regelmäßig auf dem Tennisplatz herumspringt u. ä.?

Mich beschäftigt da immer die Frage, ob die wirklich noch so gut dabei sind? Kann es nicht auch sein, dass da eine gehörige Portion Selbstüberschätzung im Spiel ist?

Wie auch immer, ich habe beschlossen, mich da nicht hineinziehen zu lassen und werde ab jetzt nur noch tun was und wann ich es will. Bisher geht es mir ohne Terminkalender sehr gut und ich möchte auch, dass das so bleibt.

Es freut mich auch, dass ihr, die ihr geantwortet habt, auch eine tolle Zeit habt. Weiterhin alles Gute.
 
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  • #7
Liebe Fragestellerin,

der Grund, warum viel Ruheständler eher einen "Un"ruhestand leben ist doch der, dass die Menschen zwischen 60 und 70 sehr oft noch kerngesund und wirklich topfit sind.

Wenn man daran gewöhnt ist, im Beruf tagtäglich geistige oder körperliche Höchstleistung zu vollbringen und dann plötzlich in den Ruhestand versetzt wird, sucht man eben andere Betätigungsfelder, in denen man seine zum Glück noch vorhandene Energie ausleben kann. Und man kann endlich all die Dinge machen, zu denen man während der Berufstätgkeit oder der Kindererziehung nicht die Zeit, das Geld oder die Energie hatte.

Insofern sehe ich das nicht als Flucht oder Aktionismus, wenn die älteren Mitglieder meines Freundeskreises (60 bis 70) noch heftige Tenniskämpfe ausfechten oder auf den Berg gehen oder mehrwöchige Abenteuer-Touren unternehmen. Ich hab da manchmal Probleme mitzuhalten, obwohl ich zwei bis dreimal pro Woche Sport mache und erst 53 bin.

Nicht jeder ist so lang so fit, manche gehen es lieber gemächlich an, und es bleibt jedem unbenommen, die Partner passend zu den eigenen noch verbliebenen Fähigkeiten zu suchen.

Alles Gute
w53
 
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