• #1

Warum reagiert er sehr oft aggressiv auf mich?

Liebe Forenmitglieder,

ich (w, 34) bin seit 1,5 Jahren mit meinem Freund zusammen. Eigentlich verbindet uns ziemlich viel miteinander. Wenn wir uns gut verstehen, passt alles für beide sehr gut. Allerdings ist es seit einiger Zeit so, dass er auf Kritik oder Dinge, die ich sage, total ablehnend, angreifend und grob beleidigend reagiert. Ich versuche schon, so nett wie möglich zu sein und wenn ich was habe, was Kritik sein könnte, das freundlich zu erklären. Aber es ist immer noch zu fordernd. Er sagt dann immer, ich sei zu direkt und denke zu viel. Und wenn ich A nie gesagt oder getan hätte, dann hätte er auch nicht B sagen oder tun müssen. Er fühlt sich einfach ständig angegriffen. Er begründet sein Verhalten damit, dass er Minderwertigkeitskomplexe habe und sich klein neben mir fühle. Dass das aber nichts mit mir zu tun hat und ich immer alles auf mich beziehen würde. Es ist schwer, das, was er mir vorwirft, nicht auf mich zu beziehen. Es sind Aussagen wie: „du hörst mir nie zu, du zeigst mir nie, was ich dir bedeute, du bist nicht zärtlich genug, du bist zu direkt, du bist die einzige Frau, die Kritik an mich heranträgt, usw.“ Es ist einfach sehr schwer, an ihn ranzukommen und ich weiß nicht mehr, was ich noch tun soll, damit es besser wird. Da er immer wieder von Selbsthass redet und dass es ihm schwerfällt, wenn eine Frau nicht nachgibt sondern ihre Meinung vertritt (er will, dass ich meist nachgebe, damit er zufrieden ist), habe ich ihm mal geraten, vielleicht diese Probleme mit einem Therapeuten zu besprechen, um weiterzukommen für sich selbst und auch mehr Selbstliebe zu entwickeln. Er neigt leider auch dazu, Stress mit Alkohol zu betäuben und ist sehr lethargisch mittlerweile. Aber er will keine Hilfe. Ich soll ihm halt öfter in den Hintern treten und für ihn da sein, mehr Zuwendung geben. Ganz ehrlich, ich bin da aber mittlerweile an meinen Grenzen, weil alles, was ich sage, falsch sein kann. Und das Tragische ist, dass es super laufen kann und von jetzt auf gleich ist es wieder so, dass er sich angegriffen fühlt und sehr schnippisch und kalt reagiert.
Er sagt dann oft, er sei schon immer so gewesen und er ist halt so. Aber aus Trotz, denke ich.
Ich frage mich nur, gibt es nicht noch einen Weg, dieses Muster von uns zu durchbrechen? Wie kann ich ihm vermitteln, dass er sich lockerer machen kann und einfach auch mal wieder entspannter ist? Er ist mir einfach wichtig und ich möchte die Beziehung nicht wegwerfen.

MOD: Ausdrucksweise angepasst. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl.
 
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  • #2
Kurz und knapp: Trenne Dich.

Du hast alles versucht, er ändert sich nicht und wird es auch in Zukunft nicht. Lass seine massiven Lebensprobleme nicht zu Deinen werden.
 
  • #3
Hallo Sonnenland,
aus meiner Erfahrung heraus: Allein kommt ihr hier nicht weiter.
Für die Beziehung eine Paartherapie, für ihn wäre eine Einzeltherapie vermutlich auch sinnvoll.
Auf Dauer wird dich dieser Zustand zermürben (hat er ja bereits) und es wird in die Brüche gehen.
Grüße
 
  • #4
Es sind Aussagen wie: „du hörst mir nie zu, du zeigst mir nie, was ich dir bedeute, du bist nicht zärtlich genug, du bist zu direkt, du bist die einzige Frau, die Kritik an mich heranträgt, usw.“
Dein Partner macht Dich für sein Fehlverhalten verantwortlich. Er ist das Opfer und scheint sich damit wohl zu fühlen.
Er fühlt sich einfach ständig angegriffen. Er begründet sein Verhalten damit, dass er Minderwertigkeitskomplexe habe und sich klein neben mir fühle.
Es wird schwer werden, wenn er keine Bereitschaft zeigt etwas zu tun. Er verhaftet lieber in seinem Selbstmitleid anstatt aktiv zu werden. Willst Du das auf Dauer? Kannst Du Dir mit so einem Mann evtl. Kinder vorstellen? Gefühle hin oder her.
Und dass Du Dich auf Dauer verstellst und verbiegst wird nicht funktionieren und Dich immer unzufriedener machen.
 
  • #5
Du kannst ihm nicht helfen.
Er hat massive Probleme und nur eine professionelle Therapie kann ihm weiterhelfen.
Aber dazu müsste er die Bereitschaft und Erkenntnis haben.
Trenne dich, damit ersparst du dir viel Leid.
Alles Gute
 
  • #6
Hallo Sonnenland,
er hat es dir schon gut erklärt. Es ist tatsächlich sein Problem. Er hat Komplexe und eine ausgeprägte Selbstwertproblematik. Möglicherweise ist er auch ein bisschen Narzisstisch?! DU kannst daran rein gar nichts ändern, weil du ihn nicht ändern kannst. Du bist seine Partnerin und nicht seine Therapeutin!!!!!!! Versuche gar nicht erst diesen Job zu übernehmen. Das geht in der Regel nach hinten los. Wenn du dein Verhalten ihm zu liebe weiter anpasst, in dem du vieles gar nicht oder eben nur sehr dosiert ansprichst, wenn du sein Verhalten weiter auf dich projizierst, dann läufst du Gefahr in eine Form der CO Abhängigkeit zu geraten. Das ist Toxisch für jede Form der Beziehung. Du musst für dich Sorgen, in dem du immer bei dir bleibst, dich nicht zum Sündenbock für seine emotionale Schieflage machen lässt und du sein Verhalten nicht auf dich beziehst. Stehe weiter ganz klar zu deinen Wünschen und Bedürfnissen. Das ist sehr schwer, wenn man liebt und wenn es in einem Anteile gibt, die (wenn auch minimal) glauben, der andere hätte ggf. Recht. Willst du die Beziehung retten, kommt ihr vermutlich um fachliche Hilfe nicht herum. Oder aber du grenzt dich gut genug ab. Das halte ich aber nach deinem Post für unwahrscheinlich. LG
 
  • #7
Wenn du die Beziehung nicht wegwerfen willst, dann wirst du noch viel Spaß haben. [Ironie]
Er behandelt dich grob beleidigend, flüchtet sich in den Alkohol, behandelt dich generell respektlos. Ja, respektlos. Er sieht dich wohl als Frau nicht als gleichrangig an, wenn er Probleme damit hat, deine Meinung als vollwertig zu akzeptieren.

Stelle ihn vor der Wahl, entweder versucht er seine Probleme mit professioneller Hilfe in den Griff zu bekommen, oder du gehst. Du bist nicht für sein Lebensglück oder -unglück verantwortlich.
 
  • #8
Liebe FS,
das Bild das du von deinem Freund zeichnest ist so: Er hat erhebliche Probleme und muss etwas tun, wohingegen du alles richtig machst.
Das ist allerdings lediglich deine Beurteilung der Dinge, deine Wahrnehmung der Situation und vermutlich auch ein Teil des Problems.
Denn vermutlich würde ein neutraler Beobachter die Situation anders bewerten und bei euch beiden Anteile für eure Schwierigkeiten sehen. Da könntest du jedoch ansetzen, denn ändern kannst du das Verhalten deines Freund nicht direkt, sondern nur indirekt, indem du dein Verhalten änderst.

Es sind Aussagen wie: „du hörst mir nie zu, du zeigst mir nie, was ich dir bedeute, du bist nicht zärtlich genug, du bist zu direkt, du bist die einzige Frau, die Kritik an mich heranträgt, usw.“
Diese Aussagen deines Freundes sind nicht total ablehnend, angreifend oder grob beleidigend. Nenne doch mal dafür ein Beispiel, dann kann man die Sache besser einschätzen. Und nenne auch mal Beispiele für deine Kritik an ihm.
Irgendwie hört es sich für mich so an, als hättet ihr ein ausgeprägtes Kommunikationsproblem und spult immer wieder ein ungutes Muster ab, aus dem ihr beide nicht rauskommt.
w/44
 
  • #9
Eine Beziehung soll überwiegend erfreulich sein, einem eine gewisse Geborgenheit und Unterstützung geben im Leben - beiderseitig.
Wie oft habt ihr diese schlechte Stimmung? Täglich/ wöchentlich/ monatlich? - Du hast schon tolle Tipps bekommen von den anderen Foristen. Pass auf dich auf.
 
  • #10
Du kannst diese Art von Persönlichkeit nicht ändern, noch seine Störungen therapieren, er wird Dich mit sich ziehen - und wenn er mit Alk. zu tun hat, ist das Ganze eine Abwärtsspirale.
Been there, done that. Ich war co-abhängig von einem ähnlich gestrickten Partner und ich habe jahrelang diese Kritikunfähigkeit und Aggression ertragen. Bis zu einem Punkt.
Dir wird nichts anderes bleiben, als eine Entscheidung -zu DEINEN GUNSTEN- zu treffen.
Helfen kannst Du ihm nicht, nur er sich selber.
Viel Stärke wünsche ich Dir !
 
  • #11
Liebes Sonnenland,

dein Freund will von dir nicht mehr kritisiert werden, weil er sich dann schlecht und klein vorkommt. Er hat offenbar auch kein Vertrauen, dass deine Kritik an ihm zukünftig weniger werden könnte und fühlt sich hilflos. Was kannst du tun, damit er sich wieder mit dir auf Augenhöhe fühlt und es "passt"?

Dein Freund sagt dir sehr klar, welches Verhalten er sich von dir wünscht, um sich wohlfühlen, meinst du nicht? Zuneigung und positive Bestärkung. Solange du das nicht geben kannst oder solange die Kritik in dir an ihm deine positiven Äußerungen überwiegt, wird sich das Ungleichgewicht nicht ändern lassen.

Viele von uns hätten es ja so gern, dass der andere unsere Kritik positiv aufnimmt, vulgo "kritikfähig" ist. Dafür bräuchte er aber Stärke und gesundes Selbstwertgefühl. Dann wiederum würden wir vermutlich weniger kritisieren... Ein Teufelskreislauf...

Es gibt aber viele Möglichkeiten, die Situation zu drehen. Du kannst dich zum Beispiel mit Kommunikationstheorien beschäftigen, mit gewaltfreier Sprache und mit Regeln für intrinsische Motivation.

Und schlicht darauf verzichten, deinen Freund zu kritisieren, wenigstens mal für vier Wochen, damit er wieder Zutrauen in sich und euch fassen kann. Let the sunshine in!

Das ist auch ein guter Test für deine Liebe. Kann ich einen Monat lang einfach mal diszipliniert meine Klappe halten und nur meine Dankbarkeit und Wertschätzung zeigen?

Wenn das Vertrauenspolster sich wieder weich und kuschlig für beide anfühlt, kann natürlich eventuell auch mal wieder etwas auf den Tisch kommen. Und zwar immer nur eine einzige Sache, den "größtmöglichen Hebel" für das Problem und in Form des Feedbacks oder des Paargesprächs. Eine gute Frage ist hier "ist das, was ich auf den Tisch legen will, für unsere Beziehung/für die nächsten fünf Jahre wirklich entscheidend?" Wenn man neue Lösungen anbietet, sollte man zudem sagen können, warum man überzeugt ist davon, dass der andere diese Lösungen leicht und mit eigenen Mitteln umsetzen kann.

Liebe Grüße

Noor
 
  • #12
Hallo @Sonnenland ,
etwas nicht einfach wegwerfen zu wollen, wenn Schwierigkeiten auftauchen, ehrt dich.
Allerdings - hier müssen 2 Personen, nämlich DU und dein Freund, sich klar dazu bekennen, nicht wegwerfen zu wollen. Nur dann kann diese Schwierigkeit überwunden werden.
Mach deinem Freund klar, dass du dich nicht aals sein Speichellecker siehst - die Ehrlichkeit und der Mut, der hinter formulierter Kritik steckt, ehren ihn als wichtigen Menschen. Wenn er das kapiert, ebenfalls nicht wegwerfen will - dann kann die Herausforderung angenommen werden. Was genau sinnvoll ist, das kann ich nicht beurteilen. Ich würde an seiner Stelle zunächst ein vertrauliches Gespräch mit dem Hausarzt suchen.
Will er keine Lösung finden, dann kannst du nichts mehr zum Erhalt beitragen. Mache dir das selbst klar. Nur wenn ihr beide mitmacht, klappt ein gemeinsamer Weg.
Viel Glück
Tom
 
  • #13
Warum bist du mit einem Mann zusammen der dir nicht ganz zu gefallen scheint? Siehe: Du kritisiert ihn ständig! Bin mal gespannt auf deine Antwort! Angst vor dem Alleinsein?
 
  • #14
Ich versuche schon, so nett wie möglich zu sein und wenn ich was habe, was Kritik sein könnte, das freundlich zu erklären. Aber es ist immer noch zu fordernd. Er sagt dann immer, ich sei zu direkt und denke zu viel.
.....
Es ist schwer, das, was er mir vorwirft, nicht auf mich zu beziehen. Es sind Aussagen wie: „du hörst mir nie zu, du zeigst mir nie, was ich dir bedeute, du bist nicht zärtlich genug, du bist zu direkt, du bist die einzige Frau, die Kritik an mich heranträgt, usw.“
....
dass es ihm schwerfällt, wenn eine Frau nicht nachgibt sondern ihre Meinung vertritt (er will, dass ich meist nachgebe, damit er zufrieden ist),
.....
Aber er will keine Hilfe. Ich soll ihm halt öfter in den Hintern treten und für ihn da sein, mehr Zuwendung geben. Ganz ehrlich, ich bin da aber mittlerweile an meinen Grenzen, weil alles, was ich sage, falsch sein kann. möchte die Beziehung nicht wegwerfen.

Klingt seeeehr kompliziert.
Du sollst nachgeben, aber ihm in den Hintern treten.
Du sollst lieb sein, aber seine Aggression nicht auf Dich beziehen.
Du sollst zugewandter, "artiger" (?), zärtlicher sein.

Er ist lethargisch, Du zupackend?
Vielleicht ist es das, was ihm das Gefühl gibt unterlegen zu sein.
Es gibt offenbar allerlei, was er sich wünscht und von Dir braucht.
Kann es sein, dass er mit seiner Kritik an Deiner Art und Weise abwehrt, dass auch Du Dir etwas wünschst, etwas brauchst?

Mit seinem Aufruf, Dich mehr um ihn zu kümmern vermeidet er immerhin, dass Du etwas von ihm haben willst.
Weil das anstrengend für ihn sein könnte (Stichwort: Lethargie) ist es angenehmer, wenn Du lieb und anspruchslos bist.
Für mich klingt das manipulativ, wenn es denn so ist, wie Du es beschreibst.

Ich hatte mal einen Partner, der sehr viel weniger arbeitete als ich. Und je mehr ihm das bewusst wurde, desto mehr verlangte er Rücksicht auf seine Belange und seine (seltenen) beruflichen Anforderungen.
Was ich damals täglich leistete, hatte für ihn einen sehr viel geringeren Stellenwert ....
Ich glaube, er tat das nicht bewusst oder gar bösartig. Es war nur der "Ausgleich" seiner gefühlten beruflichen Unterlegenheit.
 
  • #15
Hier die FS

Vielen lieben Dank für all die positive Resonanz und Denkanstöße. Vieles hat mir sehr weitergeholfen und ich werde mich tatsächlich auch mehr mit Kommunikationstechnik beschäftigen. Denn ich glaube auch, dass alles eine beiderseitige Ursache hat. Daher will ich noch nicht aufgeben.
 
  • #16
Entweder Du bist schuld daran, dass es ihm schlecht geht, oder Du bist es nicht. So wie Du schreibst, sagt er ja doch, es läge an Dir.

Wenn es nicht an Dir liegt, kann er seine schlechte Laune auch anderweitig bewältigen, als sie an Dir auszulassen.

Mich würde interessieren, WAS Du kritisierst und WIE Du es äußerst. Wenn es Genörgel ist, er möge doch beruflich endlich vorwärts kommen oder abnehmen oder sowas, das nur mit ihm zu tun hat, ist es ja was anderes, als wenn Du kritisierst, wie er sich in der Beziehung verhält. Und wenn Du Deine Kritik angreifend formulierst oder andere Männer als Beispiel hinstellst, ist es auch noch was anderes, als wenn Du sagst, dass Dich sein Verhalten verletzt hat.
 
P

proudwoman

Gast
  • #17
Auch ich mache es kurz, tritt ihn in den Allerwertesten wie verlangt und sei NICHT mehr für ihn da. Du bist nicht seine Mutter oder Psychologin. Ich frage mich, warum tust Du Dir sowas an? Ich dachte immer, alle sind auf der Suche nach dem richtigen Partner/Partnerin. Damit meine ich einen sensiblen, gefühlvollen Menschen mit einem guten Charakter, aber Du hast nun genau das Gegenteil und fragst, wie man sich den noch passend machen könnte. Ohne Worte!
was waren doch nochmal gleich die Vorteile des Singledaseins...?
Diese Einsicht kommt wohl erst mit dem "Alter"...
 
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  • #18
Liebe FS,
wer in 1,5 Jahren als Paar nicht gelernt hat miteinander konstruktiv zu kommunizieren und bei wem sich die Tendenz ins Negative zeigt (wird mit der Zeit immer schlimmer als besser), der passt einfach nicht zueinander.
Wer so kurz zusammen ist und schon Coaching oder gar Therapie braucht, sollte es stattdessen mit einem anderen Partner versuchen.

Dein Partner will, dass Du Dich klein machst, ihn nicht kritisierst, lieb bist etc. Sorry, aber so läuft doch keine Langzeitbeziehung. Wenn das seine Bedürfnisse sind, dann muss er sich eine "kleinere" Frau suchen die besser zu seinem Format passt.
Kann es zufällig sein, dass Du Dich seit 1,5 Jahren in quälendem Downdating versuchst - liest sich irgendwie so?

Natürlich solltest Du auch auf Deine eigene Kommunikation schauen, z.B. Ob Du frauentypisch so lange alle Maßstände in Dich reinfrisst, dass wenn Du endlich was sagst, der Ton unangenehm ist, die Beziehungsgeschichte seit der Steinzeit in jedem Konflikt immer wieder aufgerollt wird.

Für mich kommt Dein Eingangspost so rüber, als würdest Du Deinen Partner nicht als gleichwertig respektieren - gefühlte Grundgereiztheit Deinerseits. Das ist ganz schlecht für eine gelingende Kommunikation.
 
  • #19
Kommunikationstraining ist sicher gut, da findet man dann bessere Wege das auszudrücken, was man meint.
Das soll aber bitte nicht dahin führen, dass die FS ihren Partner noch mehr mit Samthandschuhen anfasst, um ihn sanft zu halten.
Sie beschreibt ja, dass er aggressiv wird. Wenn das so ist, dann kann sie seine Aggression nicht vollumfänglich mit "richtiger" Kommunikation vermeiden.
Im Eingangspost beschreibt sie seine Argumentationsweise:
Hätte sie nicht A getan/gesagt, hätte er nicht B tun/sagen müssen.

Das ist aber nicht allein ihre Aufgabe, alles zu vermeiden was er als Angriff auffassen könnte.

Ich sagte zu meinem früheren Partner mal "Naschkatze", weil bei ihm soviel Bonbonpapier im Büro lag. Er war tief gekränkt und ich habe mir sehr große Mühe gegeben, ihm klarzumachen, dass es keine Kritik war (er ist schlank, hat gute Zähne etc.)
Das nur als Beispiel, kein Kommunikationstraining kann solche Fallen vermeiden. Und wenn das Gegenüber sich klein fühlt, dann ist das nicht nur durch die Kommunikationsweise der Partnerin zu heilen.
Ein "wie rede ich richtig damit er sich gut fühlt" kann es da m.E. nicht geben.
 
  • #20
Ich war in einer ähnlichen Beziehung, und schon allein meine Feststellung: "Oh, das Brot ist alle" ließ ihn drohend fragen: Ist das ein Vorwurf?!
Da ich immer wieder Hoffnung schöpfte, 20 Jahre lang, und auch nicht aufgeben wollte, bekam ich körperliche Beschwerden (Rasenden Puls, Schlafstörungen), wurde unsicher im Auftreten.
Ich fühlte mich misshandelt, subtil psychisch. Ich stieß auf das Forum für Frauen "re-empowerment", und mir wurde langsam klar, dass ich tatsächlich ein Opfer psychischer Misshandlung geworden bin. Es gibt so vieleähnliche Schicksale. Es gibt da diese Bücher: "Worte, die wie Schläge sind" und "Die Masken der Niedertracht", die genau diese Verhaltensweisen beschreiben, wie Du sie schilderst. Ich kann Dir nur raten, Dich hier zu informieren und Dich vor Leuten zu schützen, die Dir einreden wollen, zum Streit gehörten immer zwei oder Du hättest hier auch Anteile.
Du siehst ja selbst, Du versuchst alles, um ihn nicht aufzuregen, aber nichts passt. Egal, was Du machst - es ist falsch. Du hast Wertschätzung verdient, Respekt, Fürsorge, liebevolle Gesten. Alles andere ist Missbrauch.
w 49
 
  • #21
Ich frage mich nur, gibt es nicht noch einen Weg, dieses Muster von uns zu durchbrechen? Wie kann ich ihm vermitteln, dass er sich lockerer machen kann und einfach auch mal wieder entspannter ist? Er ist mir einfach wichtig und ich möchte die Beziehung nicht wegwerfen.
Liebe FS
Menschen lassen ihren Lebensfrust oft an den allernächsten Personen aus. Tragischerweise vermitteln gerade besonders "sichere" Bindungen die Illusion: Hier kann ich mal richtig die Sau rauslassen.
Für mich macht es den Eindruck, dass das Gejammere und die Vorwürfe deines Freundes es ihm sehr einfach machen, seine negativen Gefühle vorübergehend zu lindern (er gibt dir die Schuld, bringt dich dazu, sich zu kümmern etc.), ohne dass er selber dadurch in die Gänge kommen und was Grundlegendes verändern müsste. Durch dein Erdulden dieses unflätigen Verhaltens förderst du leider dieses Verhalten, denn er lernt, dass man's mit dir ja machen kann.

Wenn du diesen Mann wirklich, zutiefst unterstützen willst, musst du ihm ergo die vordergründig liebevolle Unterstützung entziehen und erstmal für dein eigenes Wohlergehen schauen, denn nur so wird er aufhören, dich anzupampen und in einer passiv-aggressiven, neidischen Schmoll-Haltung zu verweilen. Lass' dir keine Schuldgefühle machen, weil dein Leben gut läuft, du eine eigene Meinung hast, oder du ab und an Kritik übst. Erwachsene Menschen tun das nun mal und es ist an ihm, seinen Selbstwert aufzubauen, dass er das normale Verhalten Erwachsener ertragen kann.

Geh' du auf Abstand, hör auf ihn zu schonen. Schlag ihm keine Lösungen vor - das Problem ist nicht, dass er als erwachsener Mann keine Lösung finden kann. Sondern, dass er an deiner Seite zu denkfaul geworden ist, eine Lösung zu suchen.
 
  • #22
schon allein meine Feststellung: "Oh, das Brot ist alle" ließ ihn drohend fragen: Ist das ein Vorwurf?!
Das ist ein anschauliches Beispiel-
Du hättest natürlich sagen müssen:
"Oh, ich habe vergessen, Brot zukaufen. Entschuldige bitte" ,-))
Genau dieser Art der Manipulation meinte ich.
Und mit Kommunikationstraining nur für Dich wäre das nicht besser geworden. Stattdessen wird man immer übervorsichtiger, um alles richtig zu sagen.

Ein konkretes Beispiel der FS wäre hilfreich, finde ich.
Ist tatsächlich er überempfindlich und reagiert aggressiv oder ist sie zu forsch und kritisiert tatsächlich.
Fall eins kann nicht nur ihre Baustelle sein, im zweiten Fall kann sie etwas ändern.
 
  • #23
Hier die FS

Vielleicht ist es noch wichtig zu erwähnen, dass wir erst zusammengezogen sind und die Probleme mit dem sich angegriffen fühlen verstärkt seitdem sind. Was meine Art der Kritik angeht, so versuche ich, Streit zu vermeiden, aber bin ihm eben schlicht zu direkt. Ich rede nicht lange drum herum, sondern sage recht sachlich und erklärend, wo bei mir der Schuh drückt. Das macht er umgekehrt auch so. Nur kann er halt schlecht damit umgehen, wenn was von MIR kommt. Er sagt, er kann manchmal meine Meinung nicht gut tolerieren, weil er denkt, er weiß es besser. So sehe ich also schon auch mit meine Aufgabe darin, kommunikativ noch etwas mehr auf ihn zuzugehen. Allerdings möchte ich auch nicht nur alles abnicken. Für mich wäre es ein großer Wunsch, Kommunikation mit Verständnis und Respekt zu erreichen bei beiden und für beide. Es ist halt auch so schwer, wenn ich bei ihm nachhake, was genau er sich wünschen würde, was ich besser machen könnte, dass ihm dann nichts einfällt.
Ich habe keine Grundgereiztheit, es ist eher Verwunderung über unsere Probleme und Angst, etwas falsches zu machen bei ihm.
 
  • #24
Er begründet sein Verhalten damit, dass er Minderwertigkeitskomplexe habe und sich klein neben mir fühle. Dass das aber nichts mit mir zu tun hat und ich immer alles auf mich beziehen würde.
...
Da er immer wieder von Selbsthass redet und dass es ihm schwerfällt, wenn eine Frau nicht nachgibt sondern ihre Meinung vertritt (er will, dass ich meist nachgebe, damit er zufrieden ist), habe ich ihm mal geraten, vielleicht diese Probleme mit einem Therapeuten zu besprechen, um weiterzukommen für sich selbst und auch mehr Selbstliebe zu entwickeln. Er neigt leider auch dazu, Stress mit Alkohol zu betäuben und ist sehr lethargisch mittlerweile. Aber er will keine Hilfe. Ich soll ihm halt öfter in den Hintern treten und für ihn da sein, mehr Zuwendung geben. Ganz ehrlich, ich bin da aber mittlerweile an meinen Grenzen, weil alles, was ich sage, falsch sein kann. Und das Tragische ist, dass es super laufen kann und von jetzt auf gleich ist es wieder so, dass er sich angegriffen fühlt und sehr schnippisch und kalt reagiert.
Er sagt dann oft, er sei schon immer so gewesen und er ist halt so. Aber aus Trotz, denke ich.
Es klingt alles (Alkohol, Lethargie, sich sofort angegriffen fühlen, bei Nichtigkeiten aggressiv oder kalt reagieren, ihn motivieren müssen, alles falsch verstehen) entweder nach einer Depression oder nach AD(H)S.

Die Aussage er war immer so (schon als Kind?) könnte mehr AD(H)S sein, denn man schätzt die Prävalenz bei Erwachsenen auf ca. 4% womit über 2 Milionen Deutsche betroffen wären.

Sehr viele Menschen mit AD(H)S haben häufiger Komorbiditäten: Depressionen, Ängste, Sucht, bipolare und auch z.T. Persönlichkeitsstörungen.

Ist er zudem: vergesslich, leicht von seinen Aufgaben ablenkbar, desorganisiert und unstrukturiert, verspricht viel aber hält wenig ein, unruhig und angespannt, schlaflos in der Nacht (stundenlang wach im Bett), impulsiv in Wort (sagt sofort, was er denkt auch beleidigende Worte) und Tat (handelt bevor er denkt: kauft zu viel ein, fährt riskant Auto oder geht körperliche Risiken ein.

Wenn du diesen Mann liebst dann informiere dich online über "ADHS bei Erwachsenen" und ich empfehle dir den Vortrag auf YouTube vom Psychiater Dr. Andreas Reif: Focus ADHS.
Es gibt auch Foren, wo sich Betroffene austauschten.

Er war immer so - dann kennt er sich wohl nicht anders! Es ist wie ein Blindgeborener, der sagt: ich war immer so (blind).

Wenn es das ist, so kann man diese Störung nicht heilen (Teile des Gehirns sind anders entwickelt bez. unterentwickelt), weil es bis zu 80% genetisch ist! Mit Medikamenten kann man nur Symptome lindern.

So oder so scheint er eine psychische Störung zu haben, denn sein Verhalten ist alles andere als normal! Dafür kannst du nichts und daran bist du nicht schuld. Entweder du kannst versuchen, ihn dazu zu bewegen zum Arzt du gehen oder du beendest am besten diese Beziehung, denn du gehst langsam daran zu Grunde.
 
  • #25
Ganz ehrlich, ich bin da aber mittlerweile an meinen Grenzen, weil alles, was ich sage, falsch sein kann. Und das Tragische ist, dass es super laufen kann und von jetzt auf gleich ist es wieder so, dass er sich angegriffen fühlt und sehr schnippisch und kalt reagiert.
Dein Bemühen in allen Ehren, aber möchtest du auf einem Pulverfass sitzen. Wir alles sagen mal was, was falsch, unbedacht oder sonstwie daneben ist. Das passiert. Für mich ist dass das klassishce Beispiel einer nicht guttuhenden Beziehung, wo der eine ständig auf Zehenspitzen rumschleicht, und Angst vor der Reaktion des anderen hat. Natürlich kannst du auch deine eigenen Kommunikationsmuster anschauen, aber wenn der andere "toxisch" ist, kannst du sonstwas tun, es wird nicht besser. Im Gegenteil, dein Selbstwert und Gesundheit leidet. Deswegen, wenn er nicht auch bereit ist,
Er sagt dann oft, er sei schon immer so gewesen und er ist halt so
sehe ich darin wenig Sinn.Du wirst dann vielleicht eine andere Beziehung erleben, wo du mit deinem Partner eine ganz andere Kommunikation haben kannst.
 
  • #26
Auf die Frage in den Beiträgen #14 und #18 "warum tust du dir das an? Ich wäre schon längst weg" möchte ich gern antworten.
Deine Beziehung begann mit Liebe oder Verliebtheit. Sonst wäre sie nicht zustande gekommen. D.h. der Partner hat sich anfangs zusammen gerissen und sich von seiner besten Seite gezeigt. Demzufolge weißt Du, dass er es eigentlich "kann", das Nettsein. Und genau das versuchst Du, wiederzubeleben.
Dein Partner wird nicht dauerhaft so aggressiv sein, oder? Sobald er merkt, dass er es zu sehr ausgereizt hat, wird er nett. Stimmts? Auf diese Weise schöpfst Du wieder Hoffnung, dass alles so wird wie früher. Bis zum nächsten Crash. Ein Auf und Ab, das meistens noch durch finanzielle oder räumliche Abhängigkeit verschärft wird. Oder wie bei mir durch gemeinsame Kinder, die am Papa hängen, weil er zu ihnen nett ist.
Mit der Zeit lernt man dann zu unterscheiden, ob er sich nett verhält, weil er dich wirklich liebt oder ob er nur so eine Zweck-Nettigkeit an den Tag legt, um dich zu halten. Reine Bequemlichkeits-Strategie.
Es ist ein Lernprozess, bei dem Du nur versuchen kannst, mutig auszuziehen, finanziell aufgestellt zu sein und alle Abhängigkeiten mit ihm zu kappen. Schon ein Haustier kann da zum Hemmschuh werden.
 
  • #27
Ich habe nie verstanden, warum nicht wenige Menschen meinen, in Beziehungen müsse man sich kritisieren. Ich finde es viel klüger, sich einen Menschen auszusuchen, den man gut findet.

Kritik heisst doch: Ich mache oder sehe es richtig, du machst oder siehst es falsch. Das ist doch nie so im Leben. Beide machen und sehen es richtig. Die Frage ist doch nur, ob das zusammenpasst. Den Ratschlag weiter oben, mal ein paar Wochen lang gar nix mehr zu kritisieren, finde ich richtig gut.

Wenn mir mein Freund sagen würde, ich würde ihm nicht zuhören und ihm nicht zeigen, was er mir bedeutet, würde ich mich ziemlich hintersinnen. Und ich würde mich hinsetzen und ihm zuhören und ihm zeigen, was er mir bedeutet. Wenn es mich interessiert, was er zu sagen hat, wenn er mir was bedeutet. Wenn nicht, gäbe es keinen Grund mehr, mit ihm zusammen zu sein.

Frau 51
 
  • #28
Er sagt, er kann manchmal meine Meinung nicht gut tolerieren, weil er denkt, er weiß es besser. So sehe ich also schon auch mit meine Aufgabe darin, kommunikativ noch etwas mehr auf ihn zuzugehen.
Sorry, aber es ist sein Fehler, dass er automatisch denkt, er sei im Recht. Es ist an ihm, in Zukunft besser zu überlegen, bevor er dich abklemmt.
Es klingt alles (Alkohol, Lethargie, sich sofort angegriffen fühlen, bei Nichtigkeiten aggressiv oder kalt reagieren, ihn motivieren müssen, alles falsch verstehen) entweder nach einer Depression oder nach AD(H)S.
Viele Menschen haben Depression und/oder ADHS. Aber längst nicht alle gehen so destruktiv damit um. Es ist nicht die Aufgabe der FS, ihren ganzen Stil der mutmasslichen unbehandelten Pathologie ihres Partners anzupassen.
Entweder du kannst versuchen, ihn dazu zu bewegen zum Arzt du gehen oder du beendest am besten diese Beziehung, denn du gehst langsam daran zu Grunde.
So würde ich das auch unterschreiben.
 
  • #29
Viele Menschen haben Depression und/oder ADHS. Aber längst nicht alle gehen so destruktiv damit um. Es ist nicht die Aufgabe der FS, ihren ganzen Stil der mutmasslichen unbehandelten Pathologie ihres Partners anzupassen.
Die meisten Betroffenen haben eine andere Wahrnehmung und sehen die Welt nur schwarz-weiss (dichotomes Denken). Wer nicht wie er denkt und ihm nicht zustimmt, ist Feind. Wer ihm in allem zustimmt ist sein Freund. (Das ist nicht nur bei AD(H)S-lern typisch). Sie haben - wie ihr Freund auch - aufgrund der vielen Kritiken, Verletzungen, Ausgrenzungen als Kind und Jugendlicher die Erfahrung gemacht Versager und nie gut genug zu sein. Wie soll ein solcher Mensch jemals ein gesundes Selbstwertgefühl aufbauen, welches nicht auf ständige Bestätigung durch andere angewiesen ist? (Er ist auch voll von Selbshass - wie sie schrieb).

Da er nicht weiss, was mit ihm los ist, so kann er keine kognitive Verhaltenstherapie machen. Dafür müsste er zunächst eine Erklärung für sein anders sein bekommen, um selbst befähigt zu werden mit der Störung angemessen für sich selbst aber auch für sein soziales Umfeld umzugehen - auch wenn das zunächst nicht einfach ist. Die Erkenntnis ist der erste Weg zur Besserung! Doch gerade die hat er nicht! Er fühlt sich gesund und normal - wie der Blindgeborene auch.

Ich würde ihn mit eigenen Recherchen konfrontieren und ihm aufzeigen, dass ihm geholfen werden kann. Wenn er nichts machen will, so würde ich mich trennen.
 
  • #30
Also, ich hinterfrage mich sehr viel und will eigentlich alles richtig machen. Deshalb habe ich ihn auch schon öfter gefragt, was genau er denn gerne anders hätte. Die Sätze oben wie "du bist nicht zärtlich genug" sind bei Nachfrage dann nichts mehr wert. Er fragt sich dann selbst, weshalb er das zu mir gesagt hat, das ist ja das seltsame. Es bewirkt eben nur, dass ich mich schlecht fühle und eben tausend mal hinterfrage, was ich noch besser machen könnte. Er hat auch schon neulich gesagt, ich sei nicht für ihn da. Dabei frage ich jeden Tag, wie es ihm geht, höre zu, gebe Ratschläge für seine Lebenslagen und im Grunde weiß er das auch. Ich habe ihn auch gestern noch mal gefragt, ob er findet, dass ich ihn oft kritisiere. Nein, sagte er. Es ist also ein ständiges Hin und Her an Vorwürfen, die eigentlich ohne Substanz sind, versteht ihr. Das ist ein Problem. Denn sonst könnte ich ja sehr wohl etwas ändern und besser machen. Er fühlt sich eben schnell angegriffen. Daher werde ich mich 1. etwas zurückziehen und 2. Kommunikation noch friedlicher gestalten. Denn noch mal: wir verstehen uns ja auch sehr gut zum Teil.
 
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