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  • #1

Warum "spiegelt" man das Verhalten der anderen Menschen?

Ich habe schon mal gehört, dass es so ein Phänomen gibt, bin aber bis jetzt nur mit einem einzigen Menschen in meiner unmittelbaren Nähe konfrontiert gewesen, der aber extrem in das Muster passt: das ist ein Mann mittleren Alters, der in der Gesellschaft anderer Menschen (vor allem wenn zwei - er und sonst jemand - anwesend sind) sein Verhalten so an das Verhalten des Gespächspartners anpasst, dass es für mich fast wie Nachahmung aussieht: er spiegelt das Lachen des Gesprächpartners, die Tonlage, Mimik, Ausdrucksweise, sogar solche Sachen wie verbale Behandlung der Partnerin am Telefon (es hängt davon ab, mit wem er sich gerade unterhält, so ist das mal ein Macho-Typ, mal ein ganz normaler freundlicher Mensch)... Mir persönlich kommt solches Auftreten so vor, als ob er sich selbst nicht kennt oder fürchtet, auf andere einen schlechten Eindruck zu hinterlassen, gerügt zu werden... Was meint Ihr dazu? Warum gibt es so was? (Es spielt sich im Privatbereich ab.)
 
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  • #2
Soweit ich die wissenschaftlichen Texte zu diesem Phänomen verstanden habe, geschieht ein solches Spiegeln meist unbewusst und signalisiert, dass man mit dem Gesprächspartner gerade auf einer Linie liegt. Es hat eine soziale Funktion und stärkt die wechselseitige Sympathie in der Gesprächsinteraktion. Ob das auch auf den Mann zutrifft, den Du kennst, und inwiefern manche Menschen einen solchen Effekt vielleicht bewusst auszunutzen versuchen, kann ich nicht beurteilen.
 
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  • #3
Da gibt es ein sehr tolles Buch von Joachim Bauer
-Warum ich fühle was Du fühlst-
Sehr interessant, wenn dich dieses Thema beschäftigt.

W41
 
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  • #4
das nennt man Speugelneuron....
 
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  • #5
Unter "spiegeln" verstehe ich eigentlich mehr die Körpersprache, die der andere spiegelt:

Wenn sich zwei Menschen mögen, übernimmt der eine automatisch die Körperhaltung, die der andere kurz vorher eingenommen hat, sitzen/stehen unbewusst einander mehr zugewandt gegenüber.
Wenn sich zwei Menschen nicht mögen, sitzen sie sich "ablehnend" gegenüber: Beine über Kreuz, Arme verschränkt, seitlich abgewendet etc.

Ich verstehe aber, was du meinst:
Er ist eben clever und stellt sich sehr schnell auf den Gegenüber ein um ein bestmöglichstes Bild beim Gegenüber zu erzielen. Meist beruflich bedingt (ein guter Verkäufer z. B. erzielt dann bessere Abschlüsse), im Privatbereich nicht förderlich.

In einer Zweierbeziehung kann das auch passieren - nur leider geht der Schuss dann vielleicht nach hinten los:
Ist sie anfangs noch unbekümmert und merkt, dass er nicht aus sich herauskommt - fängt sie an, sich zurückzunehmen. Er spiegelt sie und zieht sich nochmehr zurück - der Kreislauf beginnt: Sie fühlt sich immer mehr "beobachtet" von ihm und kann sich gar nicht mehr so unbekümmert wie am Anfang zeigen. An ihm liegt es dann selbstverständlich nie...
 
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  • #6
Ich kenne auch so einen Mann. Ich werte das allerdings als negativ und unreif. Die Persönlichkeit ist noch nicht gereift. Ein Mitschwimmer, ein Ja-Sager, keine persönlichen klaren Strukturen, Meinungen etc. Ich habe beobachtet, dass in Gesprächen mit anderen Menschen, diese sich nicht auseinandersetzen können, keine Ecken und Kanten.
 
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  • #7
Das "Spiegeln" des Gesprächspartners sorgt unbewusst für Sympathie bei diesem und wird in der Regel genau unbewusst gemacht wenn man selbst Sympathie empfindet. Einige Menschen, so auch ich, nutzen das aber auch ganz bewusst um Sympathie zu erzeugen (man sollte sich davon aber keine Wunder erhoffen).

@5: Ein unreifer Mensch wird immer anecken, ein reifer Mensch weiß wann er welche Verhaltensweise an den Tag legen sollte.
 
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  • #8
Das Spiegeln bedeutet Sympathie!
 
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  • #9
zu #7

Nicht immer bedeutet das Spiegeln Symphathie.

Ich erkläre mir das Spiegeln lieber so: Wie es in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus.

Den anderen Menschen zu spiegeln bedeutet für mich, nicht nur die Verhaltensweisen zu spiegeln, sowohl in positiver wie auch negativer Hinsicht, sondern auch ungesagtes wird gespiegelt, ohne dass es beiden bewußt ist.

Gefühle und Emotionen können auch gespiegelt werden. Es kann sogar sein, dass Mann Angst vor irgendwas hat, die Frau das unbewußt merkt, sie aber die Angst des Mannes ausdrückt und er sich so wundert, warum seine Frau ängstlich ist.... Aufgedeckt können solche Mechanismen oft erst mittels proffessioneller Hilfe.

Kinder spiegeln ihre Eltern wieder, eine ängstliche und nicht selbstbewußte Mutter hat oft eine ängstliche und nicht selbstbewußte Tochter etc.

Viele Infos zu dem ganzen Thema habe ich in guten Büchern gefunden.

Zu #4 letzter Absatz "Zweierbeziehung". Genauso ist es mir ergangen, einen Weg daraus gab es nicht, weil Mann nicht fähig war, mit meiner dann offenen Anfrage bzw. Kommunikation umzugehen.

Fazit:

Jeder Mensch sollte sich immer wieder hinterfragen, wenn er/sie das Verhalten des Gegenüber nicht nachvollziehen kann, oder sich ein anderes Verhalten wünscht, ob da nicht gerade eine Spiegelung vorliegt und was der Anteil von einem selber daran ist.

w (47)
 
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