G

Gast

Gast
  • #1

Was darf ich eigentlich von Menschen erwarten?

Nicht wenige Ursprungsfamilien brauchen einen Tumor oder Sterbefall, um sich auf einen Termin zu einigen... Freundeskreis und Kommilitonen ziehen der Arbeit hinterher ... Mit Partnerschaft warden viele Freunde und Bekannte nimmermehr gesehen... Kollegen sind mit Ausscheiden aus dem Betrieb in 14 Tagen vergessen... Partnerschaften haben eine "Haltedauer" vergleichbar mit denen von Personenwagen... WAS darf ich, insbesondere in Hinblick auf NACHHALTIGKEIT (roten Fäden, Unterstützung in schweren Zeiten) eigentlich (noch) realistischerweise erwarten? Ein gelegentliches Telefonat? ICQ? Ein warmherziges, anonymes Posting in einem Forum? ;-) Ist es Zufall, dass in meiner Nachbarschaft viele Menschen (geschieden, verwitwet, krank) ab 50+ ziemlich alleine vor sich hin hocken? Muss ich schon mal sparen, damit ich mir im Alter Hilfe kaufen kann, wenn es ein Regal anzudübeln gilt? Der PC ist handwerklich soooo ungeschickt und gärtnern kann er auch nicht!
 
G

Gast

Gast
  • #2
Das kann nur die Anfrage einer Frau sein. Mir geht's nämlich ähnlich. In einem Krankheits- oder Todesfall sagen so viele "gute Freunde", dass sie jegliche Hilfe und Unterstützung geben. Pustekuchen. Vier Tage musste ich warten, ehe der Nachbar mit seiner längeren Astschere etwa vier Zweige meiner Kletterrose stutzte. Der 15-jährige Nachbar war gern bereit, mit dem Rasenmäher über meine Wiese zu ziehen. Ich hatte ihm 25 Euro zugesagt. Als ich von meiner kranken Mutter in mein Zuhause kam, hatte er die Hälfte geschafft und war geschafft (so groß ist die Wiese auch nicht, aber noch geringer war seine Lust). Er wollte es zwei Tage später machen, kündigte er an. Doch in dieser Woche regnete es Bindfäden. Ein anderer hat sich dann erbarmt und die Wiese fertig gemäht - gegen 20 Euro. 10 Euro wollte er nur haben, ich gab ihm 20 und er versprach weitere Arbeiten. Die Wochen sind seither vergangen, ich habe ihn noch nicht wieder arbeitend auf meinem Grundstück gesehen. Es scheint so zu enden, dass alle allein Lebenden ab 50 Jahre + ziemlich alleine vor sich hinhocken und besser sparen, um sich im Alter die Hilfen zu kaufen. Verlassen sollte man sich nicht auf Freundesdienste, aber auch nicht auf jene, die im Haus ein- und ausgehen. Da kenne ich nämlich den Fall einer 76-Jährigen, die von ihrem 21-jährigen Helfer erschlagen und ausgeraubt wurde. Als Journalistin musste ich über diesen Fall schreiben. Und wer den Hof der alten Dame gesehen hätte, wusste, dass dort nichts zu holen ist.
 
G

Gast

Gast
  • #3
w,41
Deine Zeilen haben mich nachdenklich gemacht. Sicher, so sieht die Realität in vielen verschiedenen Bereichen aus.

Was darf ich eigentlich von Menschen erwarten??
Meiner Meinung darf ich nur das erwarten, was ich selbst bereit bin zu geben, muss aber auch akzeptieren, wenn die anderen Menschen sich anders entscheiden.
Das ist hart und bringt Enttäuschungen mit sich.

Wir können nur uns und unsere Gedanken, Gefühle, Worte und Handlungen beeinflussen. Ich kann mein eigenes Leben überdenken und in die Richtung ändern, wie ich es haben will.
Alle Menschen sehnen sich nach Mitgefühl, Verständnis, Gemeinsamkeiten, usw.
Wenn ich mir das selbst eingestehe und diese Werte in mein Leben integrieren will, dann muss ich an mir selbst was ändern, d.h. ich muss das, was ich mir von anderen wünsche selbst anderen geben. Mag sein, dass ich wieder enttäuscht werde, aber ein steter Tropfen höhlt den Stein und wenn ich mich anders verhalte, gebe ich den anderen Menschen auch die Möglichkeit, sich anders zu verhalten und vielleicht leben wir alle mal in der Welt, in dem Umfeld in dem wir leben wollen, in dem wir uns auch emotional daheim fühlen. Ich wünsche es jedem.
 
G

Gast

Gast
  • #4
Mh, naja, nicht umsonst ist "Betreutes Wohenen" so auf dem Vormarsch.....Leider.
Ich kann zum Glück sagen, dass ich eine sehr gute Familie habe, die sich regelmäßig trifft und nicht weit voneinander entfernt wohnt. Auf die ist immer Verlass.
Das Thema "Freunde" finde ich sehr heikel. Nach meiner Scheidung habe ich aus einem riesigen Freundeskreis genau EINE (beste) Freundin nachbehalten. Was ich mit den anderen der besten Freunde (über 20 jahre) erleben durfte, ist ein Thema für sich...Sie blieben letztlich bei dem, der sie weiterhin regelmäßig in sein (unser) riesiges Haus auf Mallorca einladen konnte!

In den beiden Beziehungen danach, wurden neue Freundeskreise aufgebaut, die aber leider nie so gefestigt waren, dass sie von großem Bestand gewesen wären. Mir widerstrebt es auch, noch mit "seinen" Freunden weiter befreundet zu bleiben, auch wenn sie noch so nett waren, da eben auch der "Ex" dazugehört, was meiner Ablösung nicht gut tat.
Schade, dass alles, was man sich gemeinsam aufgebaut hat, mit jeder Trennung wieder zunichte gemacht wird und man immer wieder von vorne anfangen kann.
Dazu kommt natürlich das Thema, dass attraktive Single-Frauen, meist von abendlichen Paareinladungen ausgeschlossen werden, was das pflegen neuer Bekanntschaften nicht gerade vereinfacht.
W47
 
G

Gast

Gast
  • #5
Ganz klar:

NIX - wenn Du selbst nicht die Kontakte pflegst und Dich bemühst.(Möglichst nicht hier!)

Etwas mehr, wenn Du bei Deiner Kontaktpflege die richtigen "erwischst".

Alles darf man - glaube ich - nie erwarten.

Leider ist es so, aber wir werden diese Welt nicht mehr ändern. Wir können nur für uns selbst das Beste daraus machen und anderen mit gutem Beispiel vorangehen.

Liebe Grüsse!
 
G

Gast

Gast
  • #6
siri

was bringt dich eigentlich auf die Idee, daß 50+-Menschen ihren Kram nicht selbst erledigen können? Ich bin 56, kann meine etwas größere Wiese mähen, Hecken schneiden mit der Motorsense und der Kettensäge hantieren - und habe vor, das alles auch die nächsten 20 Jahre zu machen. Wenn mir etwas wirklich zu schwierig oder zu gefährlich scheint, helfen mir gerne die (erwachsenen) Jungs aus meiner Nachbarschaft - und sind empört, wenn ich ihnen dafür etwas geben will. Der übliche Satz lautet: "wir leben hier auf dem Land, da hilft man sich". Und genau so erlebe ich es.

Die Urgroßmutter meines Schwagers hat noch mit 92 Jahren ihre eigenen Kartoffeln angepflanzt - weil die gekauften ihrer Ansicht nach nichts taugen.
Es tut gut, sich im Freien zu bewegen - das hält fit und beweglich.

Ich habe zwei Kinder die wissen, daß ich wirklich nur dann um Hilfe bitte, wenn es "brennt", eine Freundin, der ich immer von jedem Punkt der Erde aus anrufen kann und sie ist so schnell es die Verkehrsverhältnisse erlauben da und dann gibt es noch 3 - 4 Menschen, von denen ich weiß, daß sie in Notfällen einsetzbar sind. Der Trick ist, das alles gilt auch anders rum und daß alle wissen, daß man sie nicht aus Bequemlichkeit oder Einfallslosigkeit ausnutzt.

Ich hasse es, Fenster zu putzen, dehalb kommt 4x jährlich eine Firma, die das für mich erledigt. Sonst mache ich alles selbst - ich muß ja irgendwie beschäftigt sein....

Wenn mir alles zuviel wird, kann ich eine Anzeige in einer Lokalzeitung schalten, daß ich jemanden Zuverlässiges als Hilfskraft suche. Es gibt genug Menschen, die in einer Etagenwohnung leben und froh sind, wenn sie draußen rumwerkeln können und damit auch noch ein paar Euro verdienen.

Betreutes Wohnen ist mein absoluter Horror. Wenn ich mein Leben nicht mehr so leben kann, wie es mir gefällt, dann lasse ich es.
 
E

excuse-me

Gast
  • #7
Erwarten sollte man gar nichts. Darüber nachzudenken, ob evtl. was zurückkommt ist der falsche Ansatz.
Und weil die Wahrscheinlichkeit gegenwärtig ist, dass nichts zurückkommt, selbst gar nicht erst tätig werden - nee, ich mach das, was mein Bauch mir sagt und das ist: Lieber einmal zuviel als einmal zuwenig da sein wenn man mich braucht oder um meine Hilfe bittet.
Irgendwie und irgendwas kommt immer zurück: Glück, an das man vielleicht schon nicht mehr geglaubt hat - ein Mensch, der wirklich wichtig ist und der einem bleibt - das kleine Glück, wenn sich jemand nach langer Zeit wieder meldet, weil er dich nicht vergesen hat, Das ist meine Erfahrung damit.
7E215F66
 
G

Gast

Gast
  • #8
@1
Wenn Du einen Garten hast, musst Du ihn auch pflegen. Und wenn Du das nicht kannst oder schaffst, musst Du eben dafür bezahlen. Dein Auto repariert auch niemand umsonst...das erwartet komischerweise auch niemand.
Man muss schon selber bereit sein zu geben, um auch nehmen zu können.
Häufig sind gerade die Menschen allein, die immerzu an anderen etwas auszusetzen haben.
 
G

Gast

Gast
  • #9
Du DARFST grundsätzlich alles erwarten, keiner kann Dir das verbieten....

Sinn macht es aber Deine Erwartungen einer kleinen Überprüfung zu unterziehen und Dich zu fragen, was Du willens, bereit und in der Lage bist zum Aufbau und Erhaltung von Beziehungen/eines sozialen Netzwerkes zu tun.
 
G

Gast

Gast
  • #10
Man darf heutzutage nichts mehr von Menschen erwarten.
Verlasse dich nur auf dich selbst, ansonsten bist du verlassen.
Spreche aus Erfahrung.
 
G

Gast

Gast
  • #11
Immer diese Märchen, dass früher alles besser war! Als die Leute noch auf Gedeih und Verderben auf einander angewiesen waren, gab es doch viel mehr Hass bis hin zu Mord und Totschlag. Es ist nun mal ein Grundprinzip menschlicher Gemeinschaft, dass nach einem Nehmen auch ein Geben erwartet wird. Und was ist so schlimm daran, wenn ich einen Gefallen nicht mit einem Gegengefallen ausgleiche, sondern mit einigen Euros. Ein Geschenk als Dankeschön ist vielleicht persönlicher, aber meist trifft man dann doch nicht das Richtige und die Angelegenheit wird verkrampft. Ich sehe jedenfalls keinen nennenswerten Unterschied, ob ich mit Gefälligkeiten, Gegenständen, Zeit oder Geld bezahle. Jeder gibt, was er kann.
 
G

Gast

Gast
  • #12
Gebe und verlange nichts. Dann findest du vielleicht ein/zwei Menschen, die genau so denken und handeln. Erwarten darfst du nichts, oder du hast Geld und kannst zahlen. Doch Freunde, Glück und Liebe kannst du nicht kaufen.
Du kannst vorbeugen, im Alter nicht alleine zu sein, aber das liegt nunmal an dir, deiner Art zu leben und deiner Art, mit fremden Menschen umzugehen und umgehen zu wollen. Wenn du offen und kommunikativ auf andere Menschen zugehst, wird es auch welche geben, die dir ebenso begegnen. Doch freue dich über alles, was du bekommst, setze es jedoch nicht voraus.
 
  • #13
Au weia, hier sind wieder mal ein paar echt deprimässig drauf!

Die Sache ist einfach, sein selbst ein guter Freund, der Rest gibt sich von alleine.

Woran erkennt man eine guten Freund? Dass er da ist wenn man Ihn braucht. Nicht mehr und nicht weniger. Und das nicht aus der berechnenden Überlegung etwas in ein Freundschaftskonto einzuzahlen sondern weils Dir wichtig ist und Du es gerne tust. Dann ist es egal ob es Dein Nachbar ist oder 500km dazwischenliegen, es spielt auch keine Rolle ob Du täglich oder einmal im Jahr Kontakt hast.

Nur solltest Du niemals etwas erwarten was Du nicht selbst gibst. Zu erwarten dass mit ienem Jugendlichen Alter von 50+ jemand DEINEN Garten als Freundschaftsdienst pflegt gehört nicht dazu. Freundschaften braucht man für die Seele. Alles andere kann man kaufen.

Ich kann Euch aus eigener Erfahrung versichern dass dies sehr gut funktioniert.
 
V

volker

Gast
  • #14
@Fragesteller(in)
ich glaube, dass Du nicht viel zu erwarten hast, solange Du die Frage stellst, "was darf ich von den Menschen erwarten?"

Wenn Du Dir aber die Frage stellst: " was möchte ich den Menschen gerne geben?" - und zwar ohne ein " nur wenn, ..." oder irgendein "ja, aber...." oder ein "ich würde ja, wenn...", und Du einfach mal gibst, dann kann es sein, dass Dir etwas zu Teil wird, was Du vielleicht gar nicht erwartet hast. Leider leben wir in einer Gesellschaft die immer nur aufrechnet und die meisten machen ihre Rechnung so, dass sie zu kurz gekommen sind, oder Angst haben zu kurz zu kommen, oder ihnen zu wenig geboten wird für das, was sie selbst bieten.

Ich glaube fest daran, dass es mein Leben bereichert öfter mal von ganzem Herzen Dinge zu tun, die kein Ziel verfolgen, die keine Eile haben und sich nicht lohnen müssen.

Wenn nun jemand “ja, aber….” denkt, kann es sich lohnen noch mal neu nachzudenken.

Es kann natürlich auch alles ganz anders sein!
 
G

Gast

Gast
  • #15
Ja, ich finde alle Antworten sehr interessant und nachdenkenswert.

Habe selbst das Problem, sehr hohe Erwartungen zu haben, nicht nur an Andere, nein, auch an mich Selbst.

Für mich ist es selbstverständlich "Hilfe zu sehen", was die Erwartung hierzu beinhaltet.
Also, wenn ich sehe, dass jemand schlecht in ein Auto einsteigen kann, frage ich nicht, ob er Hilfe braucht. Dann helfe ich halt, indem ich ihm sage, er soll erst mit dem li. Bein einsteigen und den Kopf runter machen, oder ähnliches.

Oder wenn jemand schwer trägt, ob jung oder alt, kann man doch ohne Aufforderung fragen, kann ich ein Stück tragen helfen.

Es gibt ganz viele Beispiele, die man im täglichen Leben sieht. Ich sehe Hilfe und bin enttäuscht, wenn Andere es nicht sehen.

Auch mit Freundschaften. Es stimmt, Single-Frauen werden nicht von Paaren eingeladen. Mag nicht immer so sein, aber eben sehr oft.

Jemanden von sich aus mal einzuladen, darf man nicht erwarten! Also sind jene auch nicht bereit, es im Umkehrfall auch zu machen. Aber keiner möchte es für sich sol erleben!
 
Top