• #31
Warum sind hier so viele nach der Scheidung mit dem dann geschiedenen Partner noch essen oder ins Café gegangen?
Mein Scheidungstermin steht morgen bevor und ich stelle mir das schwierig vor. Ich werde meine Ex morgen auch keinesfalls zum letzten Mal sehen weil wir wegen der Kinder ohnehin regelmäßig Kontakt haben müssen.
Ich werde allein mit meinem Anwalt hingehen - nachdem es momentan keine Partnerin gibt die mich begleiten könnte oder wollte erledigt sich diese Frage von allein. Ob sie ihren Neuen mitbringt - keine Ahnung, ich könnte es mir schon vorstellen. Und ich bin mir ziemlich sicher dass ihre omnipräsenten Eltern dabei sein werden.
Ich wäre gerne anschließend mit einem Freund, der in der Stadt arbeitet in der sich das Gericht befindet, essen gegangen, aber der hat leider keine Zeit. Nun hat sich aber noch ein anderer Freund gemeldet der morgen Abend dann unbedingt ein Bier mit mir trinken möchte.
Auch wenn sich durch die Scheidung praktisch im täglichen Leben nichts ändern wird - ich bin trotzdem froh wenn es überstanden und der Schlussstrich auch offiziell, behördlich gezogen ist. Ich denke ich werde mich befreit fühlen.
 
  • #32
Meine eigene Scheidung hätte ich viel mehr würdigen sollen - und viel strenger & härter kämpfen sollen für meine Werte. Ich war damals viel zu gutmütig. Der Termin war kurz und ich habe zum Erstaunen des Richters auf Zugewinn & Unterhalt verzichtet. Weil wir damals ja noch das von der Pieke auf gemeinsam aufgebauet Geschäft hatten und beide als Gesellschafter-Geschäftsführer eingetragen waren, und ich davon ausgegangen bin, dass man das Kind (= Geschäft) nicht kaputtmachen soll.
Das war ein Fehler. Ich glaubte damals, menschlich gereift zu sein ... und musste noch sooo viel lernen.
1 Jahr nach der Scheidung habe ich dann gemerkt, dass er mir die preiswerte Scheidung keineswegs dankte, seine Freundlichkeit verlogen war und er keinesfalls ein fairer Geschäftspartner war und die Umsätze dubios wurden und er das Geschäft immer mehr zu sich zog ...
Ich feiere seither allenfalls nur - dass ich diesen Menschen überstanden habe! Und mein eigenes Sein, alles wie ich bin, und was ich mir selber aufgebaut habe.

Aber als ein Bekannter (männlich) mal ziemlich fertig war, nach dem seine Frau ihn verlassen hatte. Und er fürchterliche Angst hatte vor dem Scheidungstermin. Da habe ich mich für NACH der Scheidung mit ihm zum Essen verabredet.
Einfach um ihm einen Termin zu geben, zu zeigen, dass das Leben weitergeht, dass mit dem Gerichtstermin nicht alles endet.
Habe ihm auch gesagt, er soll nicht aggressiv oder frustriert-zickig werden. Weil er wollte in Jeans und schlampigen Turnschuhen zum Termin.
Aber ich sagte ihm: 'Mein guter Freund. Es ist eine wichtige Station in deinem Leben. Manchmal sind wichtige Stationen schön - zum Beispiel Hochzeit. Manchmal sind sie nicht schön - zum Beispiel Scheidung oder Beerdigung. Trennungen sind halt nicht schön. Aber es ist echtes Leben - und soll mit Respekt begangen werden.
Der Richter wird dich vielleicht nicht für voll nehmen, wenn du gammlig und frustriert zur Scheidung gehst. Er wird vielleicht denken, die Frau hatte Recht, so einen Schlamper zu verlassen ... '
So guckte mein Bekannter mich erstaunt an, brummelte noch irgendwas ... und war dann beschäftigt zu überlegen, was er anziehen wird.
Das war gut so. Weil es ja bereits ein wenig Ablenkung vom Frustrations-Tief war.
Er kam dann auch ins Lokal - und zum ersten mal sah ich ihn in Tuch-Hose und glänzenden Lederschuhen. Er war stolz. Er sagte,
es ist alles gar nicht so schlimm gewesen. Es sei schnell gegangen. Die Zahlen waren gut vertraglich vorbereitet gewesen.
Und er habe sich gut gefühlt vor dem Richter.

Ich fragte ihn was seine Frau getragen habe. Er sagte 'Jeans und eine zerknitterte Bluse und sie war ziemlich fertig und hat sich in den Nebenflur gesetzt um zu warten ... '
Ich grinste. Er grinste.
Dann haben wir was gegessen.
Und fuhr er heim. Um sein Schlafzimmer und sein Bad zu renovieren.
Und er ist einige Monate später wieder sehr glücklich geworden.

Samtina!
 
  • #33
Unsere Scheidung war freundschaftlich, kurz und sehr traurig.
Ich hatte auf alles verzichtet, wir hatten eine gemeinsame Anwältin, eine Freundin der Familie.
Danach standen wir heulend im Aufzug und umarmten uns, bis der Lift im Erdgeschoß ankam.

Ich musste zurück in die Firma, er auf die Uni.
In meiner Firma hatten meine Kolleginnen, gut gemeint, Sekt kalt gestellt, um "meine Freiheit zu feiern".

Ich habe mich bedankt, gesagt, dass mir nach nichts weniger ist als einer Feier, und habe mich in mein Büro verkrochen.

Am Abend haben wir uns getroffen und sehr still und traurig gemeinsam gekocht und gegessen.
 
  • #34
Warum sind hier so viele nach der Scheidung mit dem dann geschiedenen Partner noch essen oder ins Café gegangen?
Es war der Wunsch meines Exmannes. Er wollte sich wohl vergewissern, dass kein Groll mehr zwischen uns herrscht. Ich wollte ihn nicht brüskieren und habe die gewünschte Fassade der Gelassenheit gezeigt, wohl wissend, dass ich danach nie wieder Kontakt mit ihm haben werde.

Warum sollte ich ihn mit einer Ablehnung brüskieren und ihm einen unangenehmen Tag machen, wenn es für mich keine Belastung war? Ich wusste doch, dass die Zeit danach für ihn schwierig wurde und habe den Scheidungstag abgewickelt wie einen Jobauftrag - tadellos und formvollendet.

Mein Scheidungstermin steht morgen bevor und ich stelle mir das schwierig vor..... Auch wenn sich durch die Scheidung praktisch im täglichen Leben nichts ändern wird - ich bin trotzdem froh wenn es überstanden und der Schlussstrich auch offiziell, behördlich gezogen ist. Ich denke ich werde mich befreit fühlen.
Ich habe es genau so erlebt, wie Du es beschreibst:
- schwierig, weil etwas unwiderbringlich vorbei ist
- keine situative Veränderung im Vergleich zum Trennungsjahr
- unendliche Erleichterung, dass es vorbei ist und ich nicht mehr für einen Menschen in die Pflicht genommen werden kann, mit dem ich nichts Gutes mehr verbinde.
 
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  • #35
Ich weiß es gar nicht mehr richtig, es war soooo unwichtig geworden.

Ich erinnere mich nur aus dieser Zeit an ein großes Gefühl der Erleichterung, als mein Ex endlich seine Widerstandstaktik aufgegeben hat und wirkliche Verhandlungen und Regelungen möglich wurden.
 
  • #36
Ich hab's überstanden und bin rechtskräftig geschieden ;-)
War eine Sache von vielleicht fünf Minuten...
Essen gegangen bin ich mit meiner Ex zwar hinterher nicht, aber wir haben uns hinterher noch über ein paar Themen die Kinder betreffend unterhalten.
Ich fühle mich nun erleichtert - nicht wehmütig oder traurig.