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Gast

  • #1

Was haltet Ihr von Waldorfförderschulen?

In diesem Fall Förderschulen mit Wohngruppen für behinderte Kinder -
wer hat da schon welche Erfahrungen gemacht?
Wir überlegen, ob das was für unser Kind sein könnte.
 
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Gast

  • #2
Ich habe erst letztes Jahr im Rahmen meiner Ausbildung eine Waldorfschule besucht. Allerdings habe ich keine Erfahrungen mit Förderschulen. Einige Dinge dort haben mir sehr gut gefallen, z.B. die Betonung des handwerklich/künstlerischen Aspekts, die musischen Aktivitäten, der wunderbare Schulgarten, das ganzheitliche Lernen u.v.m.

Auf der anderen Seite ist die Waldorfpädagogik nicht frei von Ideologie und Weltanschauung. Wenn sich z.B. Schüler wochenlang mit nur einem Buchstaben beschäftigen um das ganze Wesen des "A" zu erfassen ist das für mich einfach nur Esoterik. Auch das verquaste Wurzelrassen-Zeug würde ich meinem Kind niemals antun. Hinzu kommt die Frage nach den Abschlüssen, denn für die müssen sie wieder an die staatlichen Schulen, sind aber nur mangelhaft vorbereitet oder müssen dann wenn es hart auf hart kommt büffeln was das Zeug hält. Ich habe eine Klasse besucht, in der die Schüler bereits seit 3 Jahren Französisch lernen. Eine Klasse an einer staatlichen Schule hätte den Lernstand nach 6 Wochen erreicht, und entsprechend sind die Schüler auch an uns Regelschulenlehrer herangetreten, um ihren Wissenshunger bei uns zu stillen. Die Unterrichtsmethoden waren noch dazu extrem lehrerzentriert, so etwas findet man an einer normalen Schule schon seit 30 Jahren nicht mehr. Außerdem verhielten sich die Schüler sehr hochmütig und elitär (kamen aufgrund des hohen Schulgeldes ja auch alle aus sehr begüterten Elternhäusern).

Ich kann dir nur sagen wie ich mich an dieser Schule gefühlt habe: Ich hätte mich dort pudelwohl gefühlt, wenn nicht alle Lehrer immer mit so einem komischen Lächeln durch die Gegend gerannt wären und die innere Überzeugung nur so versprüht hätten. Für kritische Geister ist das nichts.

Inwiefern so etwas im Bereich der Förderpädagogik aber überhaupt zum Tragen kommt weiß ich nicht. Auf jeden Fall würde ich mir eine solche Schule sehr genau ansehen und auch mal einen Blick hinter die Fassaden des Idylls riskieren. Wenn es einem dann trotzdem noch zusagt, warum nicht. Vielleicht gibt es aber auch Schulen die die positiven Aspekte der Waldorfpädagogik mit einem pragmatischeren und ideologiekritischeren Ansatz verbinden?

m,30
 
  • #3
Für ein gesundes Kind welches einen staatlich anerkannten Schulabschluss braucht um weiter zu kommen im leben würde ich das niemals empfehlen. Allerdings geht es hier ja scheinbar um eine Möglichkeit für ein behindertes Kind und da ist die Förderung und Begleitung im Walldorfkonzept sicherlich nicht schlecht. Sollte die Einschränkung aber nicht so groß sein so dass ein Schulabschluss möglich ist, würde ich das niemals machen. Damit sinken die Chancen auf einen Abschluss ins Nichts
 
G

Gast

  • #4
Liebe FS,
ich bin selber ein ehemaliger "Waldi" und habe zudem ein Geschwisterkind, welches in einer Camphill Einrichtung lebt (und sich dort pudelwohl fühlt). Ich kann natürlich nur für mich sprechen: ich habe meine Schulzeit sehr genossen; viel fürs Leben gelernt (und ich rede hier nicht vom stupiden Auswendiglernen diverser sinnfreier Fakten....) v.a. WIE man lernt und wie man sich selbst und seine Arbeitsabläufe organisiert....was mir dann in meinem Medizinstudium sehr zugute gekommen ist.
Mein Geschwisterkind lebt in einer Camphill-Einrichtung und wenn man die Kinder dort so beobachtet, dann fallen einem viele gute Dinge auf: es ist im Prinzip eine große WG aus Betreuten; Betreuern und Hauseltern. Man versucht, mit den Kindern einen ganz normalen Alltag zu gestalten, der logischerweise etwas anders aussieht, als bei den "Normalos", einfach bedingt durch die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Kinder.
Es wird nicht versucht,den Kindern gesellschaftskonformes Verhalten anzudressieren, sondern man respektiert ihre individuellen Besonderheiten und auch Fähigkeiten und ist bemüht, diese für die ganze Hausgemeinschaft in eine positive und konstruktive Richtung zu lenken.Es gibt keine unendliche Palette an Therapien um punktuell an irgendwelchen scheinbaren Mängeln der Kinder herumzudoktern; vielmehr ist hier der gelebte und gemeinsam gestaltete Alltag die Therapie (wenn man es als solche bezeichnen möchte....).
 
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Gast

  • #5
Unser Kind (10J.) war auf einer solchen Schule (incl. Wohnen in Gruppen) und hat unter den anthroposophischen rigiden "Erziehungsregeln" keine guten Erfahrungen gemacht - bis hin zum Esszwang und verschiedenen Strafmaßnahmen, wie stundenlanges Sitzen auf einer schmalen Werkbank im kalten Treppenhaus, weil es das Essen nicht runterschlucken wollte - solange musste es ausharren - insgesamt 4-5 Std.
Wir haben es durch einen Zufall erfahren.

Daraufhin haben wir umgehend mit den Erziehern und der Leitung Einrichtung geredet, die fand das aber alles soweit in Ordnung. Wir haben versucht, auch rechtliche Schritte zu unternehmen, haben verschiedene Aufsichtsbehörden informiert, aber es wurde nichts dagegen unternommen.

Unser nichtsprechender, mehrfachbehinderter Sohn war dort fast 3 Jahre.
 
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Gast

  • #6
Unser Kind (10J.) war auf einer solchen Schule (incl. Wohnen in Gruppen) und hat unter den anthroposophischen rigiden "Erziehungsregeln" keine guten Erfahrungen gemacht - bis hin zum Esszwang und verschiedenen Strafmaßnahmen, wie stundenlanges Sitzen auf einer schmalen Werkbank im kalten Treppenhaus, weil es das Essen nicht runterschlucken wollte - solange musste es ausharren - insgesamt 4-5 Std.
Wir haben es durch einen Zufall erfahren.

Daraufhin haben wir umgehend mit den Erziehern und der Leitung Einrichtung geredet, die fand das aber alles soweit in Ordnung. Wir haben versucht, auch rechtliche Schritte zu unternehmen, haben verschiedene Aufsichtsbehörden informiert, aber es wurde nichts dagegen unternommen.

Unser nichtsprechender, mehrfachbehinderter Sohn war dort fast 3 Jahre.

Ich glaube es einfach nicht... Doch, ich glaube Ihnen das schon, nur ist es einfach zu unfassbar und grenzt an seelische Folter. Ein Kind zum essen und hinunterschlucken zu zwingen - das geht GAR NICHT. Wenn keine Aufsichtsbehörden etwas unternehmen, so bleibt Ihnen immer noch der Weg der Anzeige. Ein Staatsanwalt kann sich dafür durchaus interessieren. Grundgesetze gelten auch für private Schulen, für den Kinderschutzbund wäre es durchaus von Interesse zu erfahren, dass hier ein Kind gequält wurde, denn nichts anderes ist hier geschehen! Man sperrt kein Kind wegen Essen aus in den kalten Flur, das ist Nötigung und in meinen Augen seelischer Missbrauch. Bitte lassen Sie sich das nicht gefallen und kämpfen Sie für ihren kleinen Jungen, der dies nun wahrlich bestimmt nicht verdient hat! Vielleicht sollte man den Verantwortlichen mal zeigen, was "in Ordnung" ist, und was nicht !!!
Alles Gute!
 
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Gast

  • #7
Hier die #4 an die #5:

Ja, man mag es kaum glauben, dass es solche Erziehungsmethoden heutzutage noch hier in unserem Land gibt, aber es ist so!
Deswegen ist man auch um so überraschter - im negativen Sinne, wenn man davon erfährt.

Was eigentlich damals genauso schlimm war: dass wir mehr oder weniger keine Hilfe von behördlicher Seite erhalten haben.

Die Strafanzeige, die wir gestellt haben, wurde eingestellt mangels Beweise.
Denn das ist es, was die Staatsanwaltschaft in solchen Fällen verlangt.
Das ist natürlich im Falle eines behinderten Kindes sehr schwierig und nur sehr bedingt möglich.
Die beiden Anwälte, die wir deswegen aufgesucht haben, sahen das genauso:
Da wäre nichts zu machen.

Der Kinderschutzbund hat sich den Namen der Einrichtung notiert, "falls mal wieder was ist".
Das Jugendamt/LandesJA wollte einen Bericht darüber schreiben.
Dazu muss man sagen, dass sich die Heimleitung mit der zuständigen Mitarbeiterin des JA vor Ort (zu) gut verstanden hat.
Von irgendwelchen Konsequenzen für dieses Kinderheim in KS haben wir nie etwas bemerkt.

Ja, das ist alles sehr traurig, weil unser Kind bestimmt nicht das erste und das letzte Kind sein wird/war, dem es dort nicht gut gegangen ist.

Fazit: Den Behörden geht es in solch einem Fall NUR um die Beweisbarkeit, egal was da passiert ist.
Das heißt auch, dass diese Art der Erziehung in solchen anthroposophischen Einrichtungen, die diese Maßnahmen für absolut rechtens halten (-> ganz im Sinne von Rudolf Steiner), weiter praktiziert wird.

Diese Behindertenkinderheime für Seelenpflegebedürftige werden übrigens mit öffentlichen Geldern vom Staat gefördert - wie die Waldorfschulen auch.
 
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Gast

  • #8
Unser Kind (10J.) war auf einer solchen Schule (incl. Wohnen in Gruppen) und hat unter den anthroposophischen rigiden "Erziehungsregeln" keine guten Erfahrungen gemacht - bis hin zum Esszwang und verschiedenen Strafmaßnahmen, wie stundenlanges Sitzen auf einer schmalen Werkbank im kalten Treppenhaus, weil es das Essen nicht runterschlucken wollte - solange musste es ausharren - insgesamt 4-5 Std.
Wir haben es durch einen Zufall erfahren.

Daraufhin haben wir umgehend mit den Erziehern und der Leitung Einrichtung geredet, die fand das aber alles soweit in Ordnung. Wir haben versucht, auch rechtliche Schritte zu unternehmen, haben verschiedene Aufsichtsbehörden informiert, aber es wurde nichts dagegen unternommen.

Unser nichtsprechender, mehrfachbehinderter Sohn war dort fast 3 Jahre.

Bei allem Respekt, aber warum gibst du deinen schwerbehinderten Sohn überhaupt in eine Waldorfschule? Das ist doch keine sonderpädagogische Einrichtung, sondern eine spezifische Schulform, die normal intelligente Kinder nur erwas anders unterrichtet als die staatliche Regelschule. Für Behinderte gibt es genug andere Einrichtungen, in denen auch entsprechend geschultes Personal arbeitet. Da frage ich mich schon, ob du darauf gedrängt hast, dass sie dein Kind unbedingt aufnehmen?! Kann man menschlich verstehen, aber du siehst ja, was passiert, wenn die Mitarbeiter für solche Fälle nicht qualifiziert und wahrscheinlich schlichtweg überfordert sind...
 
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Gast

  • #9
von der #6 an die #7

Bei allem Respekt, aber warum gibst du deinen schwerbehinderten Sohn überhaupt in eine Waldorfschule? Das ist doch keine sonderpädagogische Einrichtung .... .


Doch das ist eine spezielle anthroposophische Einrichtung für Behinderte, keine "normale" Waldorfschule, wie Du sie wahrscheinlich kennst.
Diese sonderpädagogischen Einrichtungen für "seelenpflegebefürftige Kinder" - so der anthroposphische Ausdruck für behinderte Kinder und Jugendliche gibt es auch.
Wir haben uns natürlich im Vorfeld nach geeigneten Förderschulen für unser Kind erkundigt und da erschien uns diese Schulform am besten geeignet.
Wir sind aber keine Anthropsophen, das muss man auch nicht sein, wenn man sein Kind dorthin gibt.
 
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