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  • #1

Was heißt "aus gutem Hause"?

Hi,

da ich selbst vermutlich nicht aus gutem Hause stamme, frage ich euch, wie es zu verstehen ist, wenn eine Frau sich so beschreibt.

Meine Vermutungen (teilweise natürlich politisch nicht korrekt) gehen alle in Richtung Eltern mit bestimmten Merkmalen zu haben, wie z.B.:
- Geburtsland der Eltern (bei mir beide DDR)
- Beruf der Eltern (bei mir Sekretär, Verkäufer)
- Freizeitbeschäftigung der Eltern (bei mir sog. Unterschichten-TV und gärtnern)
- Bildungsabschluss der Eltern (FH-Diplom in Wirtschaftswissenschaft, Uni-Diplom in Geisteswissenschaft)
- Vermögen der Eltern (1 Neuwagen im Wert von ca. 35.000 EUR, 1 Doppelhaushälfte ca. 150.000 EUR)
- Reiseziele der Eltern
- Fremdsprachenkenntnisse der Eltern


Liege ich damit richtig?


m/32
 
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  • #2
Die Wertigkeit wird hier bei den verschiedenen Leuten wohl sehr stark abweichen. Ich glaube nicht, dass man ein gutes Haus nur aus dem Vermögen oder der Bildung ableiten sollte.

Meine z.B. Frau kam aus gutem Hause, weil sie eine stabile Familie hatte, das Einkommen der Eltern (keine Akademiker) ausreichend war um ihren Lebensstil (normalbürgerlich) abzudecken, ihre Umgangsformen waren so, dass man sich mit ihnen überall sehen lassen konnte, die Kinder wuchsen somit in einem soliden familiären Umfeld auf, hatten die Möglichkeit zu studieren ,
und wurden zur Einhaltung von hohen Wertnormen (z.B. Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Fleißigkeit, Freundlichkeit usw.) erzogen.


m52
 
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  • #3
Nachtrag vom FS:

Mir geht es allgemein darum, Profile von Frauen besser zu verstehen. Es geht hier nicht um das Nebenthema, ob "schlechtes Haus" zu "gutem Haus" passt. Dass ich bei für mich konkret interessanten Frauen im Laufe der Kennenlernphase nachfragen kann und sollte, weiß ich.


Punkte, die evtl. bei Erfüllung meiner obigen Vermutungen eher gegen "gutes Haus" sprechen:
- kleine und verbreitete Kriminalität des Alltags bei den Eltern wie Steuerhinterziehung bei Länge des Arbeitsweges oder Wertpapiergewinnen oder unangemeldete Haushaltshilfe (oft lässlich als bloße Steuersünde bezeichnet)
- Familenstatus: Scheidung, Patchwork, Affären/Bordellbesuche der Eltern
- weil hier gern mal über Schöhnheit/Attraktivität diskutiert wird: optische Attraktivität der Eltern

Spielt das in "gutes Haus" mit rein oder nicht?


m/32
 
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  • #4
Gutes Haus bedeutet bei mir, daß meine Eltern beide Akademiker sind, ich so erzogen wurde, daß ich mich auf jedem Parkett bewegen kann, Kunst & Kultur eine grosse Rolle gespielt haben, meine Eltern eine grosse Firma hatten, der Freundeskreis ebenso gestaltet ist, daß man auf gute Schulen bzw Internate gegangen ist, das Elternhaus einfach kultiviert ist, man auf guten Universitäten studiert hat, daß man einfach dieses je ne sais qoi hat, daß man braucht, um sich in allerhöchsten Schichten unbefangen bewegen kann, da dies von Kindesbeinen an normal ist. Ob man als Tischherrn nun einen Prinz von und zu sowieso hat oder Jemanden schlichteres - man sollte mit allen umgehen können und wissen, daß man beim einfacheren eben andere Geschichten erzählt, um diesen nicht zu brüskieren. Das ist nicht nur Benehmen, sondern auch Eleganz und dies sollte eigentlich jeder mit bekommen.
Ich habe persönlich die Erfahrung gemacht, daß ich mich einfach besser mit "meinesgleichen" verstehe - ohne dies despektierlich zu meinen. Meine Freunde und ich bevorzugen die selben Urlaubsziele, machen in der Freizeit ähnliche Dinge, interessieren uns für ähnliches und es ist uns eben egal, ob wir für ein Essen oder einen Wein mal mehrere hundert Euro ausgeben. Wobei ich hier gleich betonen möchte, daß Geld kein Alleinstellungsmerkmal für gute Häuser ist, ganz im Gegenteil, wenn man mal all diese neureichen Proleten betrachtet.
Ein gewisser finanzieller Rahmen sollte jedoch gegeben sein. Mein Freundeskreis der "Kinder" aus gutem Hause reicht da von Arzt bis Großindustrielle über Adel und Hochadel und diese Mischung ist sehr amüsant. Zusammenfassend kann man sagen, daß man es eben nicht richtig definieren kann. Es ist nur so wie mit dem Irren, der den anderen Irren erkennt - beim guten Haus ist es ebenso...w,36
 
  • #5
Für mich ist es eher ein synonym für „spießig“.
Man begibt alle kleinen Sünden wie Steuerhinterziehung, Affären usw. aber man spricht darüber nicht.
Es ist auch nichts Besonderes, da ja alle aus diesen Kreisen oder die besten Freunde es tun.
Man ist etabliert

Für mich bedeutet aus guten oder besseren Haus nicht das man jetzt ein RHH usw. besitzt, sondern
eher, dass diese Familien schon seit Jahrhunderten in diesen Milieu zu Hause sind. Früher konnte
man dies ganz einfach festhalten: Menschen aus guten Hause waren der lateinischen Sprache mächtig und heute?

O tempora, o mores
 
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  • #6
Ich finde es sehr abschreckend, wenn sich jemand als "aus gutem Hause" anpreist. Es zeigt, dass wohl weniger Interesse an der Person eines potentiellen Partners vorhanden ist, als an dessen Herkunft und Umfeld. Ich verbinde das mit Standesdünkel und Klassendenken. Jemand der selbstbewußt ist, braucht sich auf seine Herkunft (für die er nichts kann) nichts einbilden, genau so wenig braucht er sich aber auch dafür schämen.
 
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  • #7
"Aus gutem Hause" bedeutet in meinem Kreis = Eltern, die auf ihr Töchterlein aufpassen, damit diese nicht schon mit 16 überall herumpoppt oder sonstwie aus dem Zaum bringt! Mit Geld, Herkunft und Reichtum hat das für mich nichts zu tun, sondern mit Erziehung! Und eine gute Erziehung können auch Nicht-Akademiker-Eltern erbringen! Ein Mädchen, das einen geebneten Weg hat, d.h. eine abgeschlossenen Schulabschluß und eine Ausbildung, bzw. das Kind darin zu fördern, worin es Spaß hat und immer hinter der Tochter zu stehen und ihr in Notzeiten und bei Problemen zu helfen, damit diese nicht in der Gosse landet!
 
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  • #8
Das heißt, dass jemand glaubt, aufgrund seiner sozialen Herkunft Zugang zu den "besseren Kreisen" zu haben, also zu sozialen Gruppen, die über gesellschaftlichen Einfluss und Macht verfügen. Und dass diese Person auch darauf großen Wert legt, dass der Partner ebenfalls aus entsprechenden Verhältnissen kommt.
 
  • #9
Ich bin nicht aus "gutem Hause" - wobei meine Eltern eine Kostbarkeit sind und ich sie niemals verleugnen würde.

Ich falle aber - wg eher elitärem Studium, Eloquenz und einigen sonstigen Attributen - in solchen Kreisen nicht auf, schlüpfe quasi dazwischen. Für eine interessierte Beobachterin eröffnen sich bisweilen sehr "nette" Einsichten- nein, das ist nicht meine Welt.

Lieber FS, ich würde solche Damen nicht kontaktieren. Du könntest niemals genügen, tu Dir das nicht an.
 
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  • #10
Tja, da hat die Tochter aus gutem Hause wohl das "u" bei "je ne sais quoi" vergessen.... wohl ein Tippfehler ;) Von einer Tochter aus anscheinend nicht so gutem Hause..... w34
 
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  • #11
Also für mich heißt "aus gutem Hause" nicht, das man selbst oder die Eltern Akademiker sein müssen.
Das wäre wohl arg kurz gegriffen.

Schon eher, das da ne intakte Familie im Hintergrund steht und drauf geachtet wurde, sozialverträgliche Kinder aufzuziehen, die ohne psychischen Knacks daherkommen.
Solche, die auch über sich selbst und ihre Handlungen reflektieren können und dadurch anderen Menschen gegenüber gleichermaßen Respekt, wie auch Selbstbewusstsein entgegenbringen.
 
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  • #12
Mit meinen 55 Jahren bin ich deutlich älter als Du, aber auch eine gebürtige DDR`lerin. Meine Söhne, wenig unter Deinem Alter, haben das ähnliche Problem.
Was Du zu Deinem "guten Hause" schreibst, ist doch total o.k., nur nicht selbstvertändlich für "Wessis". Lass Dich bitte nicht verunsichern durch derart konservative Dogmen. In unserem damaligen politischen und gesellschaftlichen Umfeld waren unsere Eltern "gutes Haus". Also sind sie das auch heute noch, denn sie haben Dich Benimm, Respekt und sonst was gelehrt.
Meine Söhne haben es nicht einfacher, als Du, obwohl ich nun zufällig mal Ärztin bin- und das wurde man im Osten auch aus ganz anderen Gründen, als heute- Oberschicht- nein, danke!
 
  • #13
Für mich (auch ehem.Ossi) heißt "aus gutem Haus" folgendes:
- gute Erziehung zu klassischen Werten (Fleiß, Anstand, Höflichkeit etc. pp.)
- geordnete Familienverhältnisse
- eine bestimmte Weltsicht mit guter Allgemeinbildung, kulturellem Interesse, einem offenen Geist, der sich auch durch Reisen (und damit meine ich nicht per Neckermann zum Ballermann) gebildet hat.
Für mich hat das mit Geld eher nachrangig zu tun.

Eine Frau, die das schon in ihr Profil schreibt, würde ich als aufgeblasen und wichtigtuerisch empfinden - die sucht den reichen Traumprinzen, der sie ernährt.
 
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  • #14
Ich verbinde damit ein wohlhabendes Elternhaus, in dem ein hohes Bildungsniveau und klassische Umgangsformen gegeben sind. Moralische Eigenschaften oder das Geburtsland verbinde ich mit diesem Ausdruck hingegen nicht.
 
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  • #15
schließe mich Gast #3 an.
Dass man gefühlt aus guten Hause kommt (intakte Familie usw.) reicht nicht aus für die Begrifflichkeit "aus gutem Hause".
Besonders der Punkt des Umgangvermögens nach "oben" und "unten" ist wichtig. Immer taktvoll, sich im Rahmen des anderen bewegen könnend und wollend, nicht brüskieren, nicht dick auftragen.
Und:
Über Geld spricht man nicht, das ist da. usw. usw.

Dass der Begriff leider auch von Menschen mit Geld, aber ohne Kultur, Verstand, Geschmack und Takt verwandt wird ist unvermeidbar und lässt die Formulierung "aus gutem Hause" öfter mal hinfällig werden.
w/54
 
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  • #16
Das klingt irgendwie nach "mit Stammbaum, Impfpass, doppelt entwurmt und dreifach entfloht".
 
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  • #17
"Aus guten Hause" ist genauso eine nichtssagende Formulierung wie "Stehe mit beiden Beinen im Leben". Jeder versteht darunter etwas anderes.

Ich würde so eine Frau nicht daten wollen, denn wer wirklich "aus gutem Hause" kommt (was immer das heißen soll), hat es nicht nötig, so etwas zu schreiben. Diese Formulierung verunsichert dich, und das will die Dame erreichen. Das ist eine Goldgräberin, die den Prinzen mit "finanziellem Hintergrund" sucht. Und unglaublich spießig ist sie auch.
 
  • #18
Man muss immer 200 Jahre zurückdenken wenn man sich mit solchen Begriffen beschäftigt. Schulbildung, saubere Kleidung und ein tägliches Bad, waren nicht immer selbstverständlich und meist nur für Wohlhabende erschwinglich. Auch ist das wort "gutes Haus" durchaus wörtlich zu verstehen, denn der zustand eines Hauses, die Wohngegend udg.. sind auch indikatoren für Wohlstand.
Also wohlhabende Menschen ohne Adelstitel (snob). Man hat die Töchter auch als "höhere Töchter" bezeichnet.

Ich denke also, dass sie damit nicht die "gute Kinderstube" meint (die auch Kleinbürgern angdeihen kann ) sondern es eine Anspielung auf das Vermögen ihrer Eltern ist. Sie könnte aber auch auf der Suche nach "finanzieller Anerkennung" sein und versuchen Männer, ohne gut gefüllten Geldbeutel, ab zu schrecken.
 
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  • #19
Ich erlebte einen distinguierten Herrn der meinte er sei aus gutem Hause, sprich erste Schublade
der Gesellschaft.

Für ihn meinte es (und es war sehr amüsant seinen Tiraden zu lauschen):

1. Herkunft: Mutter kann ohne Beruf sein aber sie ist gefälligst eine Dame der Gesellschaft. Daddy ist natürlich erfolgreich, möglichst nicht als kleiner Angestellter sondern "in gehobener Position".


2. Bildung dient der Einziehung von Grenzen zu denen die unten stehen.
Der Bürger braucht Bildung eigentlich um voranzukommen. Hier jedoch winkt er mit Bildung herum wie einst die Dame mit dem Spitzentaschentuch beim Wiener Ball. Lang lang ist's her.

3. Vermögen und Statusfragen: Durch Beruf des Vaters (meist) und hohe Abkunft der Mutter erheben den Status, dazu kommt noch wie man wohnt und wo plus Lebensstandard im Allgemeinen und in welchen Kreisen einer verkehrt. Er war lächerlich stolz drauf dass seine Mutter mit preussischem Adel im Bunde war, tja, mir was das alles einerlei.

4. Erziehungsfragen: Er schmückte sich gern mit christlichen Werten. Leider war er zu niederstehenden Personen im eigenen Umfeld gar nicht so christlich wie mir schien. Das Brimborium gehört "zum guten Ton" und der gute Ton gehört zum guten Hause.

Bei Frauen ist das Herumreiten auf dem guten Hause ein Indikator dass sie sich zu Höherem berufen fühlen. Ich kenne wenige Frauen aus gutem Hause (vermögendem Hause) die ich meinem liebsten Freunden zur Heirat empfehlen könnte.
 
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