• #31
Gewalt in der Familie. Ist mir auch bekannt. Vater cholerisch, Borderliner und Narzisst. Mutter histrionisch dependant, hysterisch. Ihm hörig und ausschließlich auf sein Wohlergehen bedacht. Kinder werden als Blitzableiter benutzt. Schreien, toben, körperliches ausagieren an Möbeln. Drohgebärden habe ich als Kleinkind als meine erste Erinnerung. Selbstverständlich nur hinter geschlossener Tür. Was sollten denn sonst die Nachbarn/Bekannten und Verwandten denken? Als Erwachsene habe ich mich dann von dieser "Herkunftsfamilie" distanziert. Meine Verwandten und ehemaligen Nachbarn (von denen ich weiss dass sie alle wussten was für ein Monster er ist) fragen mich jetzt scheinheilig warum ich denn keinen Kontakt mehr habe. Heute stellt er sich als armer alter Mann dar der alles für seine Familie getan hat. Ich sag dann immer "Tja, überleg mal". Habe bis heute noch PTBS. Früher hat es keinen interessiert was bei uns abging, haben sich wahrscheinlich klammheimlich daran aufgegeilt - heute meinen sie einen Kommentar ablassen zu müssen. Mit mir ganz sicher nicht. Solche Dummbolzen ignorier ich einfach. Eine entfernte Verwandte betitelte meinen Vater zuletzt als ihren "Lieblingsonkel". Wir können gerne mal für eine Woche tauschen, mal schauen wie viel Lieblingsonkel dann über bleibt - das war meine Antwort.
 
  • #32
Liebe Kastanienblüte. Es gab in meinem Leben auch schon Situationen, da musste ich mir massiv überlegen, wie ich mit Verleumdungen umgehe. Ganz ehrlich, rückblickend würde ich sagen: ich würde mich wirklich gar nicht rechtfertigen. Man kann nämlich aus einer Schlammschlacht gar nicht sauber rauskommen. Ich würde mich künftig so weit wie möglich zurückziehen. Und das hast Du ja schon gemacht. Nun wurmt es Deine Mutter, dass sie keinen Einfluss mehr auf Dich hat.

Menschen, die wirklich an der Wahrheit interessiert sind, die werden sich auch nicht so eine einseitige Meinung bilden, denn auf mich würde es einen sehr schlechten Eindruck machen, wenn jemand seine Tochter so schlecht macht. Irgendwann kommt der Bumerang zum Verleumder zurück.

Die Mühlen des Lebens und der Gerechtigkeit mahlen langsam, aber sie mahlen. Wenn ich an die damaligen Verleumder zurückdenke, sie haben alle ihr gerechtes Fett abbekommen.
 
  • #33
ihr habt mich nie gefragt wie es mir geht, dann fragt nicht warum ich so bin.
Das finde ich auch sehr treffend. Viel mehr ins Schwarze noch als das mit den zwei Seiten.

Würde ich das jetzt weiterspinnen müssen, wüsste ich, dass die bewussten Leute auch hierauf eine Entgegnung hätten. Sowas wie "wie sollten wir das wissen, hättest ja mal den Mund aufmachen können". Dass das nicht ging und dass man sowieso wusste, dass nicht zugehört wird, sehen die nicht. Ich hab viel später Diskussionen geführt, wo erstens von mir zum Zeitpunkt des Geschehens verlangt gewesen wäre, dass ich (traumatisiert, desorientiert und das schwächste Glied in der Sache) analysiert hätte schildern müssen, warum ich was wie brauche, denn dann - so die Meinung der Menschen - hätten sie genau das Richtige tun können und auch getan, und zweitens sehen die gar nicht, dass sie an vielen Stellen vorher schon bewiesen hatten, dass es sie nunmal nicht interessiert, man mit ihnen nicht reden kann, weil sie immer dagegen reden und den Schuldigen immer im Opfer gesucht haben, und sie selbst komplett hilflos und überfordert waren mit der Situation.
Ich will damit nur sagen, dass ihr Nicht-Fragen schon seinen Hintergrund hat, da sie nämlich sind, wie sie sind und das auch das heutige Verhalten ein Zeichen davon ist.
Nichtsdestotrotz ist diese oben zitierte Antwort genau auf den Punkt, rhetorisch gesehen und wenn man jetzt nicht die Hoffnung daran knüpft, dass auf einmal ernsthafte Nachfragen und ernsthaftes Interesse kommen und plötzlich die Fähigkeit entwickelt wurde, irgendwas neutral zu betrachten.
 
  • #34
Vielen lieben Dank für all die guten Ratschläge und lieben Worte. Danke für Eure guten Wünsche- ich wünsche Euch auch alles Gute bei Euren Problemen/Partnerschaften/Familien usw..

-Ich habe wohl etwas missverständlich geschrieben:
Ich meinte mit „Sie hasste mich schon als kleines Kind, sie ist Narzisstin“, dass meine Mutter mich schon als kleines Kind hasste, und dass sie Narzisstin ist.
@ Ejscheff : habe ich erst an Deiner Antwort gemerkt, dass ich missverständlich geschrieben habe.

@ pixi67: ihr habt mich nie gefragt wie es mir geht, dann fragt nicht warum ich so bin. –genialer Spruch!!

@ Samtina: Ich gebe Dir absolut Recht! Ich bin genauso naturverbunden wie Du. Meine Eltern haben mich und unsere Haustiere gequält und geschlagen. Ich kann Dich sehr gut nachvollziehen. Bleib so wunderbar wie Du bist. Die Masken der Niedertracht -ja, ein gutes Buch!

@ Cressida: „Da steckst du nur Energie rein, die wiederum verpufft.“-das gibt mir zu denken, das stimmt wohl.
„Man hat doch nur eine Mutter im Leben.“- meine Mutter ist leider keine Mutter, sondern leider nur eine berechnende Sadistin die schwanger wurde.

@ realwoman: ja, könnte sein dass sie die Verantwortung für meine Mutter an mich abgeben wollen. Interessanter Gedanke.

@ Matrix: bin ganz Deiner Meinung

@Moona: "Nun wurmt es Deine Mutter, dass sie keinen Einfluss mehr auf Dich hat." Das stimmt, guter Gedanke.

@Lionne69: „Denn ich bin mir sicher, daß Umfeld wusste, nur wissen wollen tat es keiner.“ Der Satz hilft mir weiter -das habe ich noch nicht so richtig bedacht.
 
  • #35
Wenn deine Mutter dich wegen Verleumdung anzeigen würde, dann würde ich dir raten, sofort den Kontakt abzubrechen und jegliche Kontaktmöglichkeiten zu der ganzen Verwandtschaft zu umgehen. Die Öffentlichkeit würde ich meiden, wo du gewisse Bekannte triffst. Ich würde mich da nicht schräg von der Seite von Außenstehenden anquatschen lassen. Was gehen die meine Angelegenheiten an? Im Notfall ihnen ein paar Hinweise geben: Alkoholikerin, Missbrauch, Gewalt, Schläge. Den Leuten sagst du, dass sie sich verpissen können. Was fällt ihnen ein, im umgekehrten Fall, dich zu verleumten, indem sie dir sagen, du seist eiskalt? Drohe ihnen mit Anzeige, wenn du noch mal so etwas unverschämtes hört! Hier muss man nicht "fair" spielen, denn liebe Kastanienblüte, du weißt es vielleicht noch nicht, aber kein Mensch spielt fair in der Welt. Deine Mutter nicht, und deine Verwandschaft nicht. Die, die fair spielen, sind die Guten, die zum Opfer von Missbrauch werden und gehorsam an das Gute glauben.

Nein, Missbrauch verjährt nie, nur Täter sagen das immer! Aber du müsstest mal den Mund aufmachen und reden! Auch auf die Gefahr hin, dass man dich verurteilt, denn das wird man sicher. Aber diese Menschen sind alle nicht deine Freunde.
Es geht um dein Seelenheil und das zu schützen. Schütze dich also vor der Außenwelt und den gemeinen Menschen, die dich beeinflussen und denunzieren!

werde ich gefragt warum ich meine arme kranke Mutter nicht besuche, wie ich so eiskalt sein kann und mich zum Negativen verändert habe (als Kind brav und lieb und dann plötzlich eine die Männer durchwechselt und ich würde Männer ausnutzen, wäre verlogen, geldgierig, zu dumm für alles mögliche, unverschämt zu ihr, undankbar, empfindlich, egoistisch, usw.).

1. Die wissen doch gar nicht, dass du misshandelt wurdest, weil du ja nicht redest, was passierst ist.

2. Was geht es Fremde an, welche Männer du mit ins Bett nimmst? Daran stören tun sich ja nur Frauen ohne Weiblichkeit und Erotik. Bzw. asexuelle Männer mit gestörter Sexualität.
Also wäre ich da ziemlich gelassen.

Selbst wenn du Männer ausnutzt, ist dir das nicht zu verübeln. Missbrauch hinderlässt so seine gewagten Spuren und zieht solche Katastrophen mit sich. Auch, dass du heute hilflos bist oder für andere "zu dumm für alles" wirkst. Du bist ein Missbrauchsopfer, deiner Mutter hast du es zu verdanken, dass du heute nicht den Mund aufkriegst.

3. Ich würde dir raten, die Angelegenheiten mit einem lieben Therapeuten zu besprechen. Diese Fälle sind häufig und fast immer werden die Töchter als "böse" hingestellt, aber ein Therapeut weiß, dass es nie die Tochter ist. Und es für mich keine böse Töchter gibt bzw. schlichtweg keine bösen Menschen, sondern nur Menschen mit Beweggründe, warum sie so kalt reagieren, wie sie reageieren und die Wurzel liegt immer bei der Mutter. Und wer anderen sagt, sie seien "böse" tickt nicht ganz richtig und hat ein verklemmtes Moralverständnis.
 
  • #36
Ich habe nach dem Spruch keine Reaktion erwartet...nicht mal ob ich verstanden werde

Ihn sagen könnte ich so nur, weil ich vorbereitet war und.....Ich keine Schuld, wie auch keine Emotionen mehr empfand.
Keine, weder Trauer noch Wut...nichts und ich denke, dass unterscheidet mich von der FS.

Meine Geschichte ist anders, ich dachte jahrelang, dass mein leiblicher Vater mich nicht wollte weil ich vielleicht etwas falsch gemacht habe.
Gewartet Jahrzehnte zu Geburtstagen etc.
Auflösung gab ein Gespräch mit meiner Mutter über 30Jahre später.
Sie ist mit mir geflohen ...er hat ihr schon alles angetan, mir wohl ( 2.5j) nicht.

Das hat er in mehreren Ehen und mit mehreren Kindern gemacht.
Die alle wohl den Frieden in der Versöhnung suchten.
Während ich ( kaltherzig, nachtragend etc) das Buch ruhig geschlossen hatte.

Somit bin ich frei von Angst, Schuld und ohne inneren Druck gewesen.

Das seh ich bei der FS nicht und somit befürchte ich, dass sie nicht nur von Aussen Vorwürfe spürt
Die inneren Geister vertreibt man aber selten alleine und deshalb rate auch ich zu einer Therapie.
Alleine von der Seele reden können...

Bleib damit nicht allein
 
  • #37
Ich finde Du steckst noch zu tief in dem Thema, zu viel der Worte und sich erklären wollen.

Ich habe keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern. Freunde wissen das und wir reden sehr offen über das Warum. Schweigen ist da völlig falsch, möglich als Eingeständnis und Schuldübernahme misszuverstehen.
Andere geht das schlichtweg nichts an.

Ich würde konkret ergründen, ob anderen meine Gefühle und Gedanken, also ich, wichtig sind. Wenn ja, volle Offenheit, wenn nein, stehen lassen und weggehen.

Andererseits frage ich mich, wie andere zu Dir stehen sollen, wenn Du es selbst nicht tust.
 
L

Lionne69

Gast
  • #38
„Man hat doch nur eine Mutter im Leben.“-

Das habe ich auch schon öfters gehört , es sind / waren ja Deine Eltern. Dieser Satz macht noch aggressiv und richtig wütend. Das können nur Menschen sagen, die solche Geschichten nicht kennen.

Meine Mutter lebt nicht mehr. Mein Vater dement. Karma - meine Meinung.

Aber auf diesen Satz meine Antwort - man hat als Kind ein Recht auf gute Eltern, man ist als Kind abhängig davon. Das ist die 1. Pflicht, wir haben nicht darum gebeten , geboren zu werden.

Eltern, die ihre Pflicht nicht erfüllt haben , haben keinen Anspruch.

Ich hatte weder eine Mutter, noch einen Vater in diesem Sinne, mein Bruder ist mit u.a. an der Gleichgültigkeit, an der Ignoranz, der Kälte gestorben.

W,49
 
  • #39
Hi,

Du machst es doch gut..indem Du den Kontakt meidest (schau mal auf YouTube narzisstischer Missbrauch Aufklärungsserie, Phoenix.. Das hat mir sehr geholfen da auch ich aus einer narzisstisch geprägten Familienstruktur komme).

Ich würde weder auf Deine Mutter noch auf ihre "flying monkeys" ( manipulierte Verbündete) eingehen.
Solange Du Dich freiwillig in die Rechtfertigungsecke (Schuldumkehr) schieben lässt, hast Du für Dich keine Klarheit.

Es ist das perverse System von narzisstischem Missbrauch, dass erst Personen gebrochen und benutzt werden. Wenn diese sich dann abwenden und abgrenzen, kommt es zu Täter Opfer Verdrehung und Zerstörungswut durch den,die NarzisIn.
Setz Dich dem nicht aus!!

Such Dir einen geschützten Rahmen (Therapie, Selbsthilfegruppen, Freundinnen...) indem Du Deine Wahrheit erzählen darfst und als Opfer wahrgenommen und getröstet wirst.
DANN kommst Du langsam in die Selbst Ermächtigung.

Weder Deine Mutter noch Menschen in ihrer Umgebung, die Dich angreifen, meinen es gut, wollen die Wahrheit wissen oder werden Dich als Mensch respektieren und schätzen und Deine Verwundung anerkennen.
Diese Hoffnung musst Du aufgeben!!

Aber es werden Menschen kommen, die genau das tun, wenn Du Dir ein anderes Umfeld suchst, und Dich da oeffnen kannst, wo Empathie und nicht Destruktivitaet die Spielregeln bestimmen.
Vertraue darauf und halte Dich konsequent fern von Missgunst, Neid und Hass!!!

Alles Liebe, Meerrettich
 
  • #40

Ich glaube den Satz kann nur jemand schreiben, der so was nie erlebt hat. Ich wurde nicht oft und wenn nicht allzu heftig geschlagen. Aber eben wie bereits zuvor geschrieben: mein Bruder.
Mir wurde gedroht: ".. dann kommst du ins Heim". Es war zu spüren, dass sie mich nicht liebten.
Ich sehe mein Eltern meist nur einmal im Jahr. Das reicht. Den Satz: Man hatte nur eine Mutter bzw. Vater" kann ich nicht mehr hören. Ich habe weitestgehend mit Ihnen abgeschlossen. Sie haben mir so viel Leid zugefügt, früher eine bessere Bildung.

Kinder werden völlig schutz- und hilflos geboren. Sie brauchen Ihre Eltern die ersten Jahren und vor allem brauchen Sie deren Fürsorge, deren Liebe. Ob es gewollte Kinder sind oder nicht. Die Eltern sind in der Verantwortung, das bestmögliche für Ihre Kinder zu tun (Fehler sind erlaubt). Aber das hier geht nicht. Deshalb: Auch ich habe nur eine Mutter und einen Vater: na und?

M 48
 
  • #41
Das habe ich auch schon öfters gehört , es sind / waren ja Deine Eltern. Dieser Satz macht noch aggressiv und richtig wütend. Das können nur Menschen sagen, die solche Geschichten nicht kennen.

Meine Mutter lebt nicht mehr. Mein Vater dement. Karma - meine Meinung.

Aber auf diesen Satz meine Antwort - man hat als Kind ein Recht auf gute Eltern, man ist als Kind abhängig davon. Das ist die 1. Pflicht, wir haben nicht darum gebeten , geboren zu werden.

Eltern, die ihre Pflicht nicht erfüllt haben , haben keinen Anspruch.

Ich hatte weder eine Mutter, noch einen Vater in diesem Sinne, mein Bruder ist mit u.a. an der Gleichgültigkeit, an der Ignoranz, der Kälte gestorben.

W,49

Jup. Der Satz ist fatal.
Als es anfing in mir zu brodeln, weil ich erkannte, dass mein Vater hunderte von Kindern und Babys..auch seine 8 eigenen.. sexuell missbraucht hat, was juristisch auch vielfach bestätigt wurde, sprach ich mal mit einer "Freundin" drüber. Sie sah mich mit Bambi Blick an und meinte: "Es ist doch Dein Vater. Vielleicht solltest Du vergeben lernen?"

Ich frag mich ob sowas Dummheit ist oder einfach mangelnde Phantasie. Ich habe nicht nur in meiner sondern auch in den Geschichten von Patienten gesehen, dass Familie oft reine Hölle ist. Und da heißt es weg, sobald es geht.
Lieber hungern als Gift trinken. Und manche Menschen sind Gift. Davor schützt auch Verwandtschaft nicht...

Kein Mensch ist auf der Welt, um benutzt, gedemütigt und zerstört zu werden.
 
  • #42
Meine Mutter erzählt in meinem Verwandten- und Bekanntenkreis alle möglichen Lügen über mich. (Sie hasste mich schon als kleines Kind, sie ist Narzisstin). Die Wahrheit, dass meine Mutter Alkoholikerin ist, und sie mich hasst, und ich von klein auf geschlagen wurde, kann ich niemanden erzählen

Hier gibt es nur eine Lösung: 100% Kontaktabbruch beibehalten.

Ich finde du musst dich vor diesen Bekannten nicht rechtfertigen

Völlig richtig. Diese Bekannten kannst Du ebenfalls mit Kontaktabbruch versehen. Hauptsache Du hast wertvolle Freundschaften im Leben, denn nur diese sind wichtig und haben Bestand.

Wie wär's mit einem Ortswechsel? Für die so notwendige Distanz hilft mir das ungemein. In der Ferne können sich jetzt die Leute die Mäuler zerreißen wie sie wollen. Hier in

Auch ein guter Ratschlag. Think big, die Welt bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten...

m, 39
 
  • #43
Dankeschön an Euch alle.

@Merretich Wow. Krass. Ich bin ganz Deiner Meinung. Du hast sehr ausführlich geantwortet, vielen lieben Dank. Danke Dir auch für den Tipp mit der Fernsehsendung. Werde ich mir anschauen :) Ich schreibe zwar nicht alles rein was mir passierte in der Familie, aber eigentlich müsste den Leuten doch klar sein, dass es einen Punkt gibt an dem man nicht mehr verzeihen will. Und das ist unser gutes Recht. Alles Liebe und Gute an Dich.
 
  • #44
"Es ist doch Dein Vater. Vielleicht solltest Du vergeben lernen?"

Ganz falsch ist der Satz nicht. Richtig ist, dass Vergeben können wichtig ist. Vergeben bedeutet keineswegs, dass man jenem dem man vergibt im Anschluss lieben o.ä. muss.

Vergeben bedeutet eher, dass man den Hass auf jemanden nicht auf immer und ewig mit sich herum trägt und, dass anstelle des Hass eine Art ruhige Erinnerung tritt.

Dauerhafter Hass färbt dagegen auf einen selbst ab. Er macht krank. Er kann Blockaden z.B. hinsichtlich Nähe stärken.

Ich selbst hatte im Sep meiner Mutter ggü. meinen Groll, für vergangene Taten, z.B. Lügen über mich verbreiten, ruhig aber doch sehr bösartig in Worten gezeigt. Sie war gesundheitlich sehr angeschlagen und hat mich vergeblich gebeten Frieden zu schließen.

Zwei Wochen später lag sie kommunikationsunfähig im Krankenhaus. Es war nicht klar ob sie überhaupt noch etwas versteht.

An dem Tag an dem ich zu ihr gesagt habe, dass es falsch war ihren Wunsch nach Frieden nicht zu erfüllen ist sie gestorben. Verzeihen ist Frieden geben und Frieden erleichtert das Gehen.
 
  • #45
Ganz falsch ist der Satz nicht. Richtig ist, dass Vergeben können wichtig ist. Vergeben bedeutet keineswegs, dass man jenem dem man vergibt im Anschluss lieben o.ä. muss.

Vergeben bedeutet eher, dass man den Hass auf jemanden nicht auf immer und ewig mit sich herum trägt und, dass anstelle des Hass eine Art ruhige Erinnerung tritt.

Dauerhafter Hass färbt dagegen auf einen selbst ab. Er macht krank. Er kann Blockaden z.B. hinsichtlich Nähe stärken.

Ich selbst hatte im Sep meiner Mutter ggü. meinen Groll, für vergangene Taten, z.B. Lügen über mich verbreiten, ruhig aber doch sehr bösartig in Worten gezeigt. Sie war gesundheitlich sehr angeschlagen und hat mich vergeblich gebeten Frieden zu schließen.

Zwei Wochen später lag sie kommunikationsunfähig im Krankenhaus. Es war nicht klar ob sie überhaupt noch etwas versteht.

An dem Tag an dem ich zu ihr gesagt habe, dass es falsch war ihren Wunsch nach Frieden nicht zu erfüllen ist sie gestorben. Verzeihen ist Frieden geben und Frieden erleichtert das Gehen.

Ich hab gestern nochmal drüber nachgedacht.
Ich meinte eigentlich Distanz einhalten und Hoffnung aufgeben, Geschehenes ungeschehen zu machen.

Vergebung passiert meiner Meinung nach wenn man sich erholt. Es ist nicht erzwingbar. Und von aussen verordnet übergriffig und unsensibel.
Ich mag lieber den Begriff loslassen. Aber auch hier gilt: loslassen geht nur, wenn ich nicht weiter verstrickt bin und realen Angriffen und Destruktivitaet ausgesetzt. Und auch dann langsam wenn ueberhaupt. Je nach Ereignis. Auch Wut gehört zum Verarbeitungsprozess, Trauer, Desillusionierung.
Wer von salbungsvoller "Vergebung" spricht ohne wirklich! die zum loslassen nötigen Gefuehle zugelassen zu haben, tut es oberflächlich und um sich wertvoller oder moralisch ueberlegen zu fühlen. Und dann holt es einen doch mit anderen Protagonisten wieder ein, weil das Trauma nicht verarbeitet ist.

Loslassen heisst für mich schlicht: es ist nicht mehr wichtig. Es spielt keine Rolle mehr. Es ist..gefühlt.. vorbei.
 
  • #46
@Ejscheff
jemanden zu verzeihen der des Missbrauchs/Misshandlung/Pädophilie schuldig ist, oder jemanden zu verzeihen der Lügen über jemanden verbreitet ist aber schon etwas völlig anderes. Missbrauchs-/Misshandlungs-/Pädophilie-Opfer sind körperlich und/oder seelisch oft so zerstört, dass sie körperliche oder /und geistige Behinderungen davon haben, sich ritzen, Bulimie haben oder sogar durch Selbstmord sterben, oder es nie wieder möglich ist das sie Sex mit jemanden haben oder Kinder gebären können (durch Verletzungen oder Traumata von Missbrauch/Vergewaltigung) ober nicht arbeitsfähig sind, und letztendlich auf der Straße landen. Viele haben jahrelange Therapien und nehmen lebenslang Medikamente gegen Panikattacken, Depressionen, Albträume, Schmerzen. Und denen willst Du sagen die sollen den Tätern verzeihen? Denen geht es schlecht eben weil alle die es mitbekamen (und es bekommen immer ein paar Leute mit und schweigen trotzdem) getan haben als wäre es nicht so schlimm, und den Täter weiterhin als normales Mitglied der Gesellschaft behandelt haben. Und bloß weil der Täter das Opfer um Vergebung bittet wenn er z.B. mit Krebs am Sterbebett liegt, finde ich es keinen Grund zum Verzeihen oder nett sein. Das Opfer hat wahrscheinlich schon zum Frühstück Tabletten genommen um Schmerzen oder keine Panikattacken im Krankenhaus zu bekommen wenn es den Täter sieht, und nimmt Tabletten am Abend um überhaupt wenigstens 4 Stunden schlafen zu können und keine Albträume zu bekommen von dem was der Täter mit ihm als kleines Kind angestellt hat (z.B. mit Fäusten durchgeprügelt oder vergew.) --Ehrlichgesagt ich würde das Opfer eher fragen: "Warum gehst du überhaupt zu dem ins Krankenhaus??" Selbst wenn das der Vater/Mutter ist. Aber in Deinem Falle- wenn es z. B. unerhebliche Lügen waren oder mal zwei Ohrfeigen- klar das kann man sofort verzeihen und finde ich auch richtig.

Außerdem nicht jeder der jemanden hasst, oder auf jemanden wütend ist, oder mit jemanden nichts mehr zu tun haben will (z. B. aus Selbstschutz), ist automatisch von Hass oder Selbsthass zerfressen. Es gibt doch nicht nur Menschen die entweder nur voll Hass sind oder nur voll Mitgefühl. Es gehört doch immer beides zum Leben. Kein Tag ohne Nacht. Man weiß doch nicht was Liebe ist, wenn man nie jemanden gehasst hat. Und man kann Gesundheit erst richtig schätzen wenn man mal krank war. Das ist wie mit Ying und Yang.
 
  • #47
@Ejscheff
jemanden zu verzeihen der des Missbrauchs/Misshandlung/Pädophilie schuldig ist, oder jemanden zu verzeihen der Lügen über jemanden verbreitet ist aber schon etwas völlig anderes. Missbrauchs-/Misshandlungs-/Pädophilie-Opfer sind körperlich und/oder seelisch oft so zerstört, dass sie körperliche oder /und geistige Behinderungen davon haben, sich ritzen, Bulimie haben oder sogar durch Selbstmord sterben, oder es nie wieder möglich ist das sie Sex mit jemanden haben oder Kinder gebären können (durch Verletzungen oder Traumata von Missbrauch/Vergewaltigung) ober nicht arbeitsfähig sind, und letztendlich auf der Straße landen. Viele haben jahrelange Therapien und nehmen lebenslang Medikamente gang.

Ja. Das ist wirklich so.
Letztlich hat man zwei Möglichkeiten: entweder man zerbricht daran oder man macht über Jahre oder Jahrzehnte Heilung zu seinem Vollzeitjob. Das ist natürlich nichts was andere sehen. Sie merken höchstens, dass da jmd ganz besonders kompetent in gewissen Bereichen ist. Dass ohne Entwicklung von Stärke und Kompetenz das Ueberleben solcher Ereignisse schlicht nicht möglich ist, wird selten bedacht.

Wenn ich mit Menschen arbeite die geflüchtet sind fällt es mir oft auf. Die haben was an sich...nachdem sie die Hölle überlebt haben (die Frauen wurden fast alle vergewaltigt, die Männer alle gefoltert)..eine Wuerde und Stärke, dagegen wirkt der verwöhnte, meckrige Durchschnittsdeutsche wie ein schlechter Witz.

Leider ist Wissen zum Thema Trauma noch nicht so verbreitet. Es wird bagatellisiert, victim blaming ist gesellschaftsfähig geworden.

Und wenn ich auf Facebook irgendwelche zuckersuessen Posts von Coaches oder selbsternannten Gurus lese a la:"Jeder ist seines Glückes Schmied". Oder "Erkenne Deinen Anteil. Es gehören immer zwei dazu" oder aehnlichen Quark, dann denke ich, sag das doch mal einer Frau aus Syrien, die zugesehen hat, wie ihr Mann und zwei ihrer Kinder erschossen wurde, ihre Tochter vergewaltigt und sie selber auch zahllose male auf der Flucht.
Genau..sag ihr sie soll das nicht so eng sehen. Hass waere doch ungesund. Und der Vergewaltiger hatte bestimmt ne schlechte Kindheit.

Und das am besten noch, wie viele aerztliche Kollegen, von oben herab. Als waere das Opfer der Fehler, weil es zerstört ist. Und nicht der Zerstörer. Brainwash vom Feinsten.

Zum Thema empfehle ich jedem dens interessiert, die Vorträge von Gerald Huether zu Trauma auf YouTube. Als Hirnforscher erklärt er das so gut, dass es jeder begreift, der hinsehen WILL.
Gerade wenns um Kinder geht.
 
L

Lionne69

Gast
  • #48
Liebe Kastanienblüte,

Man kann lieben ohne zu hassen.
Hassen ist für mich ein Gefühl, dass am Ende mein Leben verdirbt, zuviel negative Energie.
Mir ist ein Mensch nicht soviel wert, dass ich ihn hassen könnte (außer jemand würde meinen Kindern etwas antun.

Ich habe eine mir sehr hilfreiche Unterscheidung zwischen Vergeben und Verzeihen gefunden - u.a. Bei Anselm Grün, der so einige stärkernde Gedanken zu diesem ganzen Themenkreis hat.

Vergeben - es zurück geben, an den / die Täter*in, ja. Es damit aus meinem Leben entlassen.
Damit Alpträume aufhören , Panikattacken und was sonst alles mit kommt.
Verzeihen - würde und werde ich nie.

Ich habe es meinem Vater noch sagen können kurz bevor die Demenz zu stark wurde.
Ganz ruhig, ganz sachlich. Ob er es verstanden hat? Sicher zu einem Teil, aber das war nicht wichtig. Ihm in die Augen zu schauen, und es auszusprechen, das war für mich wichtig, um einen Haken darunter zu setzen.

Aber, Kastanienblüte, wenn es Dich noch so sehr verfolgt, dann bitte habe Geduld und mache weiter Therapie, ggf. mit Therapeutenwechsel.

Über Dimensionen kann man allerdings nicht diskutieren, es gibt viele schlimme bis ganz unausprechliche Geschichten, vor allem Körperliche und sexuelle Gewalt.
Aber auch psychische Gewalt ist nicht weniger folgenreich, sie ist mir heimtückischer, weil subtil, nicht immer greifbar.
Und jede*r Mensch reagiert anders, manche sind sehr sensibel, andere robuster.

Fakt ist, es dauert, solche Erlebnisse zu verarbeiten, es kostet Kraft, Energie, und es bleiben Narben, Empfindlichkeiten.

Nur ein versöhnlicher Gedanke, denn auch hier gibt es den Gegenpol
Ich habe neue Gedanken gelernt, andere Blickwinkel, mehr im Jetzt bleiben, und heute ein ganz anderes Lebensgeföhl mit anderen Lebensqualitäten.
Viele Sachen sind nicht mehr wichtig.
 
  • #49
Ich komme auch aus ähnlichen Familienstrukturen. Es bringt null komma gar nichts, mit den Leuten zu diskutieren. Es wird nicht darauf hinauslaufen, dass diese plötzlich einsehen, dass du doch nicht so bist, wie sie dachten, sondern sie werden es leugnen und dir nicht glauben. So sind die meisten Leute, sie können einfach nicht glauben, was sie nicht mit eigenen Augen gesehen haben. Also lass es einfach. Hör auf, etwas entgegnen zu wollen.

Ich habe mir Anfang meiner 20er Jahre einen Therapeuten gesucht, und jahrelang mit diesem gearbeitet. Ich habe meine Vergangenheit und alles was damit zusammenhängt (also auch unliebsame Verwandte) als zu meinem Leben gehörig und nicht veränderbar akzeptieren können. Gleichzeitig habe ich auch akzeptieren können, dass man niemandes Einstellung ändern kann, und wenn man noch so engagiert die Wahrheit erklären will. Wenn sie nichts sehen und glauben wollen, dann ist das eben so.

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Deswegen kann dir eigentlich als erwachsene Frau völlig wurst sein, was der Rest der Sippe denkt, leb einfach dein Leben weiter und kümmere dich um dein eigenes Leben.

Ohne eine Therapie denke ich, dass es nicht möglich ist, denn du musst eine Menge verarbeiten.
 
  • #50
Entweder "dem ist nichts mehr hinzuzufügen." Wenn sie diese Aspekte über dich aufzählen. Oder nur ganz ruhig "Die Dinge sind nicht immer so wie sie scheinen." Und weitergehen.

W30
 
  • #51
Liebe Kastanienblüte,

Man kann lieben ohne zu hassen.
Hassen ist für mich ein Gefühl, dass am Ende mein Leben verdirbt, zuviel negative Energie.
Mir ist ein Mensch nicht soviel wert, dass ich ihn hassen könnte (außwichtig.

Gefuehle sind in der Regel eine angemessene Reaktion auf ein bestimmtes Ereignis und haben somit eine wichtige Schutz- und Signalfunktion. Sie abzuspalten ist ebenso ungesund wie sich hin einzusteigen.

Wut und Hass sind Schutz und Ueberlebensprogramme und sagen mir ganz deutlich dass etwas oder jemand mir nicht gut tut.
Das ist wichtig! Ich versteck ja auch nicht den Rauchmelder, wenns brennt, nur weil mir das Gepiepse unangenehm ist.

Es ist biologisch nicht möglich, "normal" auf ein "nicht normales" Ereignis zu reagieren. Die Intensität der Gefühle sind angemessen und richtig und dienen der Verarbeitung und Aufarbeitung. Und dem zielgerichteten Handeln +zB Flucht bei Gefahr für Körper und Seele.
Hier gehts nicht um Kleinigkeiten.
Gewalt zu bagatellisieren ist psychische Gewalt.

Außerdem ist es niemals möglich, die Gefühlswelt anderer zu erkennen, insbes. wenn sie Erfahrungen machten, fuer die die eigene Phantasie nicht reicht. Das ist übergriffig.

Außerdem: JEDES Gefühl geht vorbei. Man muss kein Angst davor haben. Für traumatisierte Menschen ist es ein grosser Fortschritt, wenn sie sich endlich wieder fühlen können! Sich die Rosinen rauspicken a la ich lasse nur Liebe und Freude zu, Trauer, Hass und Wut mag ich nicht, funktioniert nicht.
Ich glaubte viele Menschen reagieren so abwehrend..wie hier in diesem post..weil sie "Gefuehle haben" mit "Gefühle ausagieren" verwechseln.
Ich kann hassen.Einfach mal paar Tage. Es macht meinem System deutlich, dass da jemand massiv meine Grenzen verletzt hat. Das kann ich tun, ohne jemanden zu schädigen. Einfach so für mich. Es ist gesund. Und ein manchmal sehr lange andauerndes Stadium auf dem Weg zur Heilung, zum loslassen.

Viele Frauen..ich merks grad jetzt zu Weihnachten.. singen sich ihre rosa zuckerwatte Welt zurecht.
Weil irgendwer ihnen mal beigebracht hat, man werde nur geliebt, wenn man lieb, suess, verständnisvoll und vergebend sei.
Probiers mal mit dem Programm, wenn Dir ein Vergewaltiger oder Schläger entgegen steht :)
Ein bisschen Hass kann da lebensrettend sein.

Wenn Frauen mehr zu ihren auch sozial unerwünschten Gefühlen stehen wuerden, gaebs nicht so oft ein bitteres Erwachen beim Kontakt mit der Realität und Depressionen als Volkskrankheit (depressere heisst nämlich "wegdruecken". Gefuehle " wegdruecken'..).
 
  • #52
@Ejscheff
jemanden zu verzeihen der des Missbrauchs/Misshandlung/Pädophilie schuldig ist, oder jemanden zu verzeihen der Lügen über jemanden verbreitet ist aber schon etwas völlig anderes. Missbrauchs-/Misshandlungs-/Pädophilie-Opfer sind körperlich und/oder seelisch oft so zerstört, dass sie körperliche oder /und geistige Behinderungen davon haben, sich ritzen, Bulimie haben oder sogar durch Selbstmord sterben, oder es nie wieder möglich ist das sie Sex mit jemanden haben oder Kinder gebären können ...

Von einem Opfer kann man nicht erwarten, dass es verzeiht. Aber um Verzeihung geht es überhaupt nicht. Es geht um die endlose destruktive Beschäftigung mit dem Bösen.

... entweder man zerbricht daran oder man macht über Jahre oder Jahrzehnte Heilung zu seinem Vollzeitjob. Das ist natürlich nichts was andere sehen ...

Es wird bagatellisiert, victim blaming ist gesellschaftsfähig geworden. ...

Hass waere doch ungesund. Und der Vergewaltiger hatte bestimmt ne schlechte Kindheit.

Und das am besten noch, wie viele aerztliche Kollegen, von oben herab. Als waere das Opfer der Fehler, weil es zerstört ist. Und nicht der Zerstörer. Brainwash vom Feinsten.

Endlos bedeutet, dass niemals eine Annäherung an Heilung gibt. Ich schreibe hier bewusst Annäherung, weil es Dinge gibt die niemals heilen. Diese Dinge können und sollten aber eine immer kleinere Rolle spielen. Das ist mein Laienblick auf Heilung.

Vergeben entlässt das Opfer aus seiner Bindung an die Tat aber nicht den Täter aus seiner Schuld. Für Hass gibt es eine Zeit. Hass kann temporär helfen. Langfristig zerstört er aber den der hasst und führt gerade in archaischen Strukturen zu neuen Hass (endlose Blutrachefehden).

Interessant ist das Thema Flüchtlinge. Flüchtlinge können eine ambivalente Vergangenheit haben. Als Opfer und Täter. Daher kommt es am Zielort für die Flüchtenden auch zu finsteren Begegnungen.

Empathie für die Opfer ist so richtig und wichtig wie Sühne für die Täter. Letztlich muss der Täter aber für das Opfer immer unwichtiger werden. Denen denen das nicht gelingt bleiben bis zu ihrem Tod ein Opfer.

@Lionne69 sagt viel gutes dazu

Man kann lieben ohne zu hassen.
Hassen ist für mich ein Gefühl, dass am Ende mein Leben verdirbt, zuviel negative Energie ...

Vergeben - es zurück geben, an den / die Täter*in, ja. Es damit aus meinem Leben entlassen.
Damit Alpträume aufhören , Panikattacken und was sonst alles mit kommt.
Verzeihen - würde und werde ich nie ...

Viele Sachen sind nicht mehr wichtig.
 
  • #53
Mutter, Verwandschaft und Bekanntschaft wechseln! Wie hier schon jemand geschrieben hat, Respekt kann man sich nicht mehr erarbeiten! Du musst wohin gehen, wo dich niemand kennt und dann nochmal neu anfangen. Achte auf dich und wem du was erzählst! Schütze dich! (Kein Wort über deine Mutterverhältnisse zu anderen Menschen, um dich nicht angreifbar zu machen!)
 
  • #54
Liebe Kastanienblüte
In einem Satz hast du erwähnt, dass niemand wirklich weiss, wie du aufwachsen musstest. Ich finde, du hast es verdient, deine Wahrheit zu sagen und mit anderen Menschen darüber zu sprechen.
Wahrscheinlich sind Verwandte und Bekannte deiner Mutter die falsche Adresse und es würde eben nur in Verdrängung resultieren. Aber ich wünsche dir einen Ort, wo du dich ausdrücken darfst und gehört und mit Mitgefühl behandelt wirst.
Übrigens gibt es ein spannendes Buch, das mich an deine Geschichte erinnert: "An abbreviated life" von Ariel Leve. Es ist aktuell nur auf Englisch erhältlich und es geht um die Memoiren der Tochter einer berühmten (narzisstischen, egoistischen) Dichterin. Auch wenn du das Buch nicht lesen magst, für die Tochter sei es sehr wichtig gewesen, ihre Geschichte aufzuschreiben und zu veröffentlichen.
 
L

Lionne69

Gast
  • #55
Mir ist ein Mensch nicht soviel wert, dass ich ihn hassen könnte (außer jemand würde meinen Kindern etwas antun.

Ich zitiere mich hier nochmal, @Merretich.
Hass für einen Energieschub - ok.

Aber generell - beständiger Hass bindet, kostet Energie, ich bleibe mit diesem Menschen verbunden durch dieses Gefühl.

Wird mir der Mensch gleichgültig, habe ich die Macht über mein Leben zurück, ich gehe selbst weiter.
Und ich kümmere mich eigenständig um die Verletzungen, versorge mich , zeige mir selbst Fürsorge. Zeige mir Stärke und komme aus der Opferhaltung.
Solange ich Opfer bin, hat der andere gewonnen.

Wut sehe ich bedeutend positiver, Wut in Abgrenzung von Zorn bzw. Aggressivität. Wut trägt. Hass zerstört.

Dauerhafte Wut wird aber auch für einen selbst destruktiv - es vernichtet Lebensqualität.

@Merretich - auch ich habe mich mit dem Thema Traumata sehr intensiv auseinander setzen müssen.
Gefühle verbiete ich mir keine, es ist für alle Raum - aber in einem zielführenden und konstruktiven Rahmen.

W,49
 
  • #56
@Merretich:
perfekter hätte es niemand formulieren können. Das hat mich jetzt beeindruckt. Da gebe ich Dir ausnahmslos Recht.
Wehren kann ich mich inzwischen gegen körperliche Übergriffe. Allerdings erst seit ich mir selbst erlaubt habe, auf Leute wütend zu sein, und Gewalttäter zu hassen.
Meine religiöse Erziehung:
"Wenn jemand dir eine Ohrfeige gibt, dann halte die andere Wange auch noch hin. Wenn dir einer den Mantel wegnimmt, dann weigere dich nicht, ihm auch noch das Hemd zu geben. Gib jedem, der dich um etwas bittet, und fordere nicht zurück, was man dir genommen hat."
Diese religiöse Erziehung hat die gewalttätige Erziehung perfekt ergänzt. Ich bin jetzt sicher kein Kriegs-Fan oder jemand der sich durch die Gesellschaft prügelt, aber mir ist inzwischen klar dass in meiner Erziehung die Religion instrumentalisiert wurde. Und in der Realität nicht alles einfach wortwörtlich ohne es zu hinterfragen angewendtet werden sollte, weil man sich sonst selbstzerstörerisch kaputt machen lässt.
 
  • #57
Wut sehe ich bedeutend positiver, Wut in Abgrenzung von Zorn bzw. Aggressivität. Wut trägt. Hass zerstört.
Sehr gut formuliert.
Allerdings verstehe ich deine Abneigung gegen Zorn und Aggressivität nicht wirklich.
Ich kann im Zorn sehr aggressiv werden. Und nutze genau das für mich. Habe einen Sandsack und einen Punchingball. 15 Minuten Fäuste fliegen lassen .... herrlich. Das macht müde - und befreit. Für mich - die negativen Gedankengänge aus dem Kopf gedroschen. Das Adrenalin hat für die Glückshormone gesorgt - und ich bin danach wieder lammfromm. Und mit klarem Kopf wieder der Macher.
Versuch das doch mal .....
Kastanienblüte könnte so ohne Gefahr von Anzeigen ihre Mutter mal ordentlich verhauen und die heuchlerischen Bekannten gleich mit.
 
  • #58
Ich selbst hatte im Sep meiner Mutter ggü. meinen Groll, für vergangene Taten, z.B. Lügen über mich verbreiten, ruhig aber doch sehr bösartig in Worten gezeigt. Sie war gesundheitlich sehr angeschlagen und hat mich vergeblich gebeten Frieden zu schließen.
...
An dem Tag an dem ich zu ihr gesagt habe, dass es falsch war ihren Wunsch nach Frieden nicht zu erfüllen ist sie gestorben. Verzeihen ist Frieden geben und Frieden erleichtert das Gehen.
Es ist aber ein grosser Unterschied, ob Menschen von sich aus sehen und erkennen, welches Leid und welches Unrecht sie jemandem getan haben. Erst dann können Menschen fähig sein Reue zu zeigen und beim anderen sich nicht nur zu entschuldigen, sondern auch um Verzeihung zu bitten. Erst dann kann das Opfer - und Kinder sind immer die leichtesten Opfer - je nach Schwere der Tat auch verzeihen.

Wir reden hier nur über Hass und Liebe als gebe es nur diese zwei Gefühle gegenüber solche Menschen, die fähig sind ihren Kindern statt Liebe Hass, Missachtung, verbale und körperliche Gewalt als auch sexueller Missbrauch anzutun.

Es gibt aber auch die Gleichgültigkeit, die dann Eintritt, wenn man sich innerlich komplett von den Eltern losgelöst hat, wenn man das Leben emotional verarbeitet hat -alleine, was selten möglich ist aber meistens mit Hilfe einer Therapie. Dieser Prozess wird abgeschlossen mit sehr viel Wut, Schmerz, Tränen und Trauer, wenn man erkannt hat, dass man statt Eltern sozusagen Monster zu Hause hatte. Am Ende bleibt vielleicht nur die Erkenntnis übrig, dass die eigenen Eltern nur psychisch krank gewesen sein konnten oder mussten, um so etwas zu tun! Denn, was ist eine narzisstische und alkoholabhängige Mutter, wenn nicht psychisch krank?

Man könnte vielleicht der eigene Mutter sagen und wenn möglich tatsächlich den Ort wechseln: „Du bist psychisch krank und du tust mir nur leid! Wenn du gesund wärst, hättest du als Mutter mir das nicht angetan! Schade hast du dir nicht rechtzeitig Hilfe geholt, bevor du Kinder auf die Welt gebracht hast, umsie mit Liebe und Fürsorge zu erziehen!“ Das meine ich dann im Sinne von: was kann man von einem psychisch kranken Menschen überhaupt erwarten?

Zu erkennen, dass diese Menschen tatsächlich nur krank sein konnten, lässt alles am Ende einfacher ertragen und sich auch geographisch zu distanzieren, sondern den Menschen nicht mehr beachten und in seiner Welt zurückzulassen. Und das ist die kranke Welt in seinem Kopf.

Eben es gibt mehr Gefühle als nur Hass, Liebe, Vergebung. Vielleicht bleibt am Ende das Bedauern, die Trauer, dass man keine gute Eltern hatte, wie man sie als Kind bitter nötig gehabt hätte, für die eigene gesunde seelische Entwicklung. Das gute an der ganzen ist, dass erwachsend Kinder das erkennen und mit einer Therapie vieles wenn nicht sogar alles überwinden können!
 
  • #59
@Merretich:
perfekter hätte es niemand formulieren können. Das hat mich jetzt beeindruckt. Da gebe ich Dir ausnahmslos Recht.
Wehren kann ich mich inzwischen gegen körperliche Übergriffe. Allerdings erst seit ich mir selbst erlaubt habe, auf Leute wütend zu sein, und Gewalttäter zu hassen.
Meine religiöse Erziehung:
"Wenn jemand dir eine Ohrfeige gibt, dann halte die andere Wange auch noch hin. Wenn dir einer den Mantel wegnimmt, dann weigere dich nicht, ihm auch noch das Hemd zu geben. Gib jedem, der dich um etwas bittet, und fordere nicht zurück, was man dir genommen hat."
Diese religiöse Erziehung hat die gewalttätige Erziehung perfekt ergänzt. Ich bin jetzt sicher kein Kriegs-Fan oder jemand der sich durch die Gesellschaft prügelt, aber mir ist inzwischen klar dass in meiner Erziehung die Religion instrumentalisiert wurde. Und in der Realität nicht alles einfach wortwörtlich ohne es zu hinterfragen angewendtet werden sollte, weil man sich sonst selbstzerstörerisch kaputt machen lässt.

Jup, der Zusammenhang ist häufig.
Meine Großmutter war Missionarin und betete jeden Tag viele Stunden.
Weil das soviel Zeit kostete, steckte sie meinen Vater in ein kirchliches Internat. Wo er und mein Onkel jahrelang!! sexueller und körperlicher Gewalt ausgesetzt waren. Wie alle anderen Kinder dort auch.

Das ist keine Entschuldigung für meinen Vater, aber letztendlich waren "christliche Bräuche" Ursache für die "Familientradition" Missbrauch.
Ich kenne eine Psychologin, die erzählte mir letzthin es gäbe keine Gemeinde! hier im Umkreis der Stadt, aus der sie nicht! missbrauchte Klienten betreue.

Mal abgesehen von der Tatsache, dass die Kirche Frauen weder Selbstbestimmung noch Menschenwürde zuspricht. Sie sind das dienende und gebärende Fussvolk für einen macht- und geldgeilen Maennerclan, welcher die besten und schönsten Werte wie Mitgefühl und Nächstenliebe missbraucht um sich selbst dran gesund zu stossen.
Ich kenne tatsächlich Frauen, die beten für ihren Partner, wenn er fremdgeht, anstatt ihn rauszuschmeissen. Das ist Masochismus vom Feinsten.

Ich selbst bin gläubig. Aber ich glaube in keinster Weise an die Institution Kirche. Dafür bin ich nicht devot genug :)
Und der Spruch mit der Wange ist fatal insbesondere für Frauen. Schließlich geht 95% der privaten und kriegerischen Gewalt von Männern aus...
 
  • #60
@Tom26 geniale Idee:
"...Sandsack und einen Punchingball. 15 Minuten Fäuste fliegen lassen .... herrlich. Das macht müde - und befreit. Für mich - die negativen Gedankengänge aus dem Kopf gedroschen..."
das mit dem Sandsack- probiere ich aus :) danke Dir :)
@Mandoline:
Möchte erwähnen, dass die "Mutter" aber eindeutig sehr intelligent ist (gute Ausbildung/Bildung) und freudestrahlend ihren Hobbys nachgeht, mit den Leuten freudestrahlend ausgelassen feiert, sie gemütlich in einem Haus mit Garten sitzt, Freunde hat die für sie da sind, und in ihrem Leben fast nichts arbeiten musste. Sie hatte immer schon alle möglichen Freiheiten und Möglichkeiten und sie war in ihrem ganzen Leben niemals allein. Über ihre Kindheit erzählte sie dass Schläge verpöhnt waren, und dass sie auch findet dass das furchtbar ist Kinder zu schlagen. Sie sagte, es ist furchtbar Tiere zu quälen. Sie weinte dabei wenn sie mir das sagte. Aber mich und die eigenen Haustiere haben meine Eltern mit Fäusten geprügelt. Sie haben sich drüber amüsiert und gelacht, wie voller Angst ich und die Tiere daraufhin waren, es war ihnen egal wie ich geweint habe und gebettelt dass sie mich in Ruhe lassen. Ihr war es z.B. auch egal wie sehr der Hund winselte und jaulte als sie mit Fäusten unaufhörlich auf seinen Rücken eingedroschen hat. Und das ist nur ein kleiner Auszug aus dem was meine Eltern gemeinsam voller Freude machten. Und sie waren sich immer einig dass es so richtig ist. Und sie waren füreinander voller Zärtlichkeit. Ich habe sie als Kind auch Schmusen und kuscheln gesehen. Meine Mutter küsste und umarmte ihre eigene Mutter immer. Zu meinem Bruder war sie liebevoll und immer für ihn da. Er wurde von Mutter mit Liebe überschüttet, selbst als er kriminell wurde. Vater gab ihm auch alles an Geld was er brauchte, und beide standen immer hinter ihm, egal was er anstellte. Zu sämtlichen anderen Leuten waren sie hilfsbereit, die besten Kumpels überhaupt, immer ein offenes Ohr für Probleme.
Der Sadismus ging nur gegen mich und die Haustiere. Sadismus ist keine Krankheit die man durch einen Virus bekommt.
Es gibt einfach Leute, die eingesperrt gehören, und nie wieder rausgelassen. Ich bezweifle dass in jedem etwas Gutes steckt und man nur mit demjenigen reden muss, oder versuchen muss denjenigen zu verstehen. Oder dass Tabletten oder Therapien demjenigen helfen. Kein Mitglied dieser "Familie" sieht mich jemals an ihrem Sterbebett.
 
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