• #61
Und denen willst Du sagen die sollen den Tätern verzeihen?
Verzeihen bedeutet nicht damit einverstanden zu sein. Verzeihen bedeutet, zu akzeptieren und anzunehmen, dass einem Unrecht geschehen ist, dass man zu einem Opfer genacht wurde. Verzeihen bedeutet (ver)ziehen- ziehen lassen, abschliessen. Friede mit sich und der Geschichte. Solange man noch Groll hat, ist man noch immer mittendrin, das ist Gift für die Seele- man weigert sich dieses Leid anzunehmen und kleinkindartig" das bin ich nicht, das passiert nicht mir". Bei Traumatabewältigung ist die effektivste Methode, die Gefühle von damals herauszuholen. Im Schockzustand werden sie festbetoniert, aber nicht verarbeitet. Verschwunden sind sie nicht, triggern aber permanent. Man ist zum zweiten mal Opfer. Für ganz harte Fälle ist klassische Therapie nicht geeignet- dauert zu lange und viel zu schmerzhaft, Patienten trauen sich lange nicht alles hervorzukramen aus Angst vor erneutem Schmerz. Ich würde der FS alternative Methoden empfehlen, die mit Unterbewusstsein arbeiten, z.B holotrophes Atmen oder sowas in der Art. Dabei werden im meditativen Zustand Blokaden und negative Gefühle verarbeitet ,ohne dass man dies direkt fühlt. Der Unterbewusstsein" weiss", wieviel der Mensch im Moment verarbeiten und ertragen kann, ohne den Schaden für Psyche oder Körper.
 
  • #62
Hallo,

natürlich hätte man es sich anders gewünscht. Es gibt gar nicht mal so viele Möglichkeiten damit umzugehen.
Entweder man distanziert sich von den Vorkommnissen, oder man bleibt darin gefangen oder man identifiziert sich damit, oder man geht in die Verleugnung.
Ich kenne einige Leute, die sich damit identifizieren, also die sich quasi mit dem Angreifer verbündet und identifiziert haben (Identifikation mit dem Angreifer). Eine bequeme und unkreative Lösung, aber halt menschlich.

Die wenigsten Menschen schaffen es sich innerlich zu distanzieren, weil sie dann Schuldgefühle hätten, die sie nicht aushalten können, zu schwach sind, sich zu distanzieren, es einfach nicht können.

Wenn ich sage, man hat nur eine Mutter im Leben, dann meine ich, dass man auf der Hut sein sollte, wieder an so eine "Mutter" zu geraten.
Gerade das, vor dem man fliehen möchte, zieht man magisch an.

Mit Vergebung meine ich nicht, dass das Unrecht was dir widerfahren ist, verharmlost werden soll.
Mit Distanz meine ich auch eine innere Distanz, weniger eine räumliche Distanz, die natürlich auch wichtig ist.

Cressida
 
  • #63
Liebe FS,
ich habe mit meiner kompletten Familie abgeschlossen und das war ein guter und richtiger Schritt.

Meine Mutter hat mich zutiefst misshandelt, heute weiss ich, dass ich unter anderem extremem Gaslightning ausgesetzt war, zudem ist sie Trinkerin, ich vermute bei ihr auch eine massive narzisstische Persönlichkeitsstörung.
Dazu kamen noch weitere Missbrauchs- und Gewalterfahrungen ausserhalb der Familie.

Was passiert ist, werde ich niemals verzeihen können, mein ganzes Leben ist zerstört worden und ich werde noch den ganzen Rest meines Lebens damit verbringen, dass auszugleichen.

Ich habe sowohl physisch, wie auch psychisch eine grosse Distanz zu allen eingelegt und tue vor allem eines:
Ich lebe mein eigenes Leben.
Ohne Hass, denn der vergiftet und macht unfrei!

Würde ich so angesprochen werden, wäre mir das kein weiteres Wort wert und ich würde mich wortlos abwenden.
So verfahre ich mit allen Menschen aus meiner Vergangenheit, die mir nicht gut taten.
Von ihnen habe ich keinem mehr etwas zu sagen. Sie sind mir allesamt vollkommen gleichgültig geworden.

Mir geht es gut, trotz allem und ich lasse mir nicht nehmen, den Rest meines Lebens nur noch nach meinen Bedürfnissen und Wünschen zu gestalten. Es zählt nur noch, was vor mir liegt und die tollen Menschen, die da sind.

Alles Gute für Dich
 
  • #64
Mit solchen Dingen abzuschließen ist schwer.
Schuldgefühle und Hass zeigen, dass man nicht mal damit angefangen hat.
Wut ist hier aber ein guter Schritt gen Abschluss.

Und die Erkenntnis...Ich kann ein Leben lang gegen die Mauer kämpfen oder mich umdrehen und gehen!

80Millionen andere Menschen die mehr Wert sind.
 
  • #65
Lass los. Geh weg dort. Die Erde kennt die Wahrheit.
Sie wird entweder noch zu Lebzeiten oder in ihren Todestunden oder in der Zeit nach ihrem (nur klinischen) Tod das alles noch mal anschauen müssen. Da kommt keiner dran vorbei - da hilft auch kein Studium dagegen, jegliche zu Lebzeiten politische oder religiöse oder sonstige Imunität ist dann unwirksam!
Manchmal ist es wirklich interessant, wie das Leben so spielt - man muss nur genügend Zeit mitbringen.
Vielleicht gibt es ja eine Verabredung unter deinen Freunden, den Hundeseelen, und ... die verlogene Mutti wird von einem Wolf gefressen oder ein Kampfhund serviert ihr ein böses Ende.
Aber bitte - schreit dann nicht wieder, die Wölfe wären schuld oder die bösen Hunde, oder die Esoteriker, oder so ...
Weil wie sagte jemand im Nachbarthread so schön ... wir dürfen sicher sein, dass die Menschen ihren Tod schon lange Zeit vorher in sich tragen ...

(Meinem Vater wurde in der Klinik 2x bei lebendigem Leib der Bauch ausgeschlachtet ... nach Gasbrandinfektion ... normalerweise stirbt man innerhalb weniger Stunden, aber er war schrecklich zäh und musste insgesamt noch 3 Tage weiter'leben', denn meine Schwester hatte zusätzlich auch noch die Patientenverfügung mißachtet, wo drin stand, dass er keine Geräte will ...
Als ich es erfahren hatte, fuhr ich nachts in die Klinik und betete und der Arzt war froh, dass überhaupt jemand aus der Familie kam. Er sagte, es gäbe keine Chancen und er war erstaunt, als ich ihm sagte, dass Vater eine Verfügung gemacht hatte. So konnte Vater am nächsten morgen endlich sterben. Seither ist er mir ein echter Vater geworden - denn in diesen Tagen hat seine Seele alles ausgleichen müssen, war er den Tieren angetan hatte. Aber die Bosheit weilte weiterhin in der Familie.
Also damit klar ist: Niemals habe so etwas jemandem gewünscht ... ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas gibt ... ich war sogar noch wütend, weil die Klinik so schlampig war und Fehler gemacht hatte ... Allerdings, wenn man es genau betrachtet ... so mahlen Gottes Mühlen wirklichsehr sehr präzise ... Entspannt euch!)
 
  • #66
@Tom26 geniale Idee:
"...Sandsack und einen Punchingball. 15 Minuten Fäuste fliegen lassen .... herrlich. Das macht müde - und befreit. Für mich - die negativen Gedankengänge aus dem Kopf gedroschen..."
das mit dem Sandsack- probiere ich aus :) danke Dir :)
@Mandoline:
Möchte erwähnen, dass die "Mutter" aber eindeutig sehr intelligent ist (gute Ausbildung/Bildung) und freudestrahlend ihren Hobbys nachgeht, mit den Leuten freudestrahlend ausgelassen feiert, sie gemütlich in einem Haus mit Garten sitzt, Freunde hat die für sie da sind, und in ihrem Leben fast nichts arbeiten musste. Sie hatte immer schon alle möglichen Freiheiten und Möglichkeiten und sie war in ihrem ganzen Leben niemals allein. Über ihre Kindheit erzählte sie dass Schläge verpöhnt waren, und dass sie auch findet dass das furchtbar ist Kinder zu schlagen. Sie sagte, es ist furchtbar Tiere zu quälen. Sie weinte dabei wenn sie mirseinen Rücken eingedroschen hat. Und das ist nur ein kleiner Auszug aus dem was meine Eltern gemeins

Hi.
Zu Deinem Bruder: ich denke man hat als Kind zwei Möglichkeiten: entweder man "hält es aus" oder rebelliert bis die erste Flucht Chance gegeben ist (so wie Du). Dazu braucht es einen starken Charakter!! Sei stolz auf Dich.

Oder man adaptiert das destruktive Verhalten der Bezugspersonen (mein Bruder hat sich ebenfalls dafür entschieden) und wird dafür gelobt und gefördert.
Kurzfristig scheint das die bessere Strategie. Langfristig möchte ich es bezweifeln. Geschichte wiederholt sich so und ich möchte nicht an Stelle des kleinen Töchterchen meines Bruders sein, dass er mit meiner Schwägerin hat (über die er zu mir mal meinte, sie müsse nur mal richtig von nem Mann "rangenommen" und erzogen werden und die er zur Heirat bewegte mit der Aussage, so alt..36... wie sie sei, werde sie keinen Mann mehr für Familie finden).

Du siehst also. Es gibt einen Weg jenseits von Täter Wiederholung oder in der Opferrolle bleiben.
Er heisst Distanz und sich was neues aufbauen. Meine Tante sagte mal: wer keine Familie hat, muss sich das Dorf zur Familie machen.
So mache ich es.
Neulich hatte ich Konflikte auf der Arbeit, da ich den Job wechseln will. Eine Freundin half mir mit Zuhören und Ratschlägen mehr, als jedes Familienmitglied mir je geholfen hat.

Das als Ermutigung an Dich!! Es gibt 8 Milliarden Menschen. Viele davon sind liebesfaehig. Deine Mutter nicht. Also bleib dabei und nach einfach Dein Ding, egal was andere sagen. Hauptsache DU weisst, dass Du liebe verdient hast. Und ziehst bei jedem zwischenmenschlichen Kontakt entsprechend Bilanz.
Du hast die Wahl! Heute...
 
  • #67
@ alle Antworten:
:) Dankeschön :) soviele Argumente zum Überlegen. Vor allem auch Eure Beispiele.
 
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