• #91
Da haben Erwachsene heute eine verschobene Werteskala mit der ganzen politischen Korrektheit, die sie in ihrem eigenen Verhalten nicht erreichen, wohl aber von ihren Kindern fordern.
Genau das war ja auch mein Tenor.
Es finden sich die unterschiedlichen Cliquen, meist lassen diese sich auch gegenseitig in Ruhe.
Wenn hier allerdings jemand schreibt, dass Mobbing damit anfängt, wenn jemand nicht mitspielen darf, jemand ausgelacht wird, weil er einen richtigen Bock geschossen hat .... dann widerspreche ich.
Lesen und verstehen - erst dann Gift verspritzen.

Was dir passiert ist sind dann die Auswüchse. Wobei - je nach Alter - die Kinder das mit "Lepra" auch irgendwo her haben müssen. Vielleicht von einem Erwachsenen, bspw. dem "begnadeten" Leerkörper. Hier sollte nämlich gerade bei Kindern auch unterschieden werden - mobben sie aus eigenen Antrieb - oder werden sie quasi dazu gebracht . In deinem Beispiel - schon fast dazu gezwungen. Und wenn sich dann Lehrer und Pfarrer gegen dich verbünden ...... übel. Aber dennoch nicht die Schuld kleiner Kinder. (Es wurde kein Alter genannt).

Und zu @Liviana .... ich bin ein Freund des professionellen Umgangs und Miteinanders am Arbeitsplatz. Meine ganz persönliche Erfahrung - sehr oft ist der der Unsympath, der sich nachher dann beschwert. Oder bringt die anderen durch Faulheit etc gegen sich auf. Sollte so etwas bei uns vorkommen, wird genau drauf geschaut. So, wie man das auch beim Mandanten machen würde. Allerdings kann es dann auch durchaus passieren, dass der Beschwerdeführer geht.
 
  • #92
Bei dem Thema ging es nicht um Mobbing.
Unbestritten ist Mobbing ein großes Problem von Kindergarten bis in jeden Bereich des gesellschaftlichen Lebens. Beruf, Nachbarschaft, Vereine, Hobby, etc.
Folgen, psychische Schäden bis zu schweren Depressionen, Suizide. Traumata bei Kindern.
Sensibilität ist dringend angesagt.

Aber es war nicht das Thema.
Es ging um einen Mann, der als Kind Mobbing Opfer wurde, als Kind darauf hin zum Täter, und dieses bereut.
Tief bereut.

Man ihm aber hier die Reue und Einsicht nicht zugesteht. Ihn damit genauso mobbt.

Es ist Mobbing, Abwerten, wenn man andere Menschen verurteilt, ihnen Reue abspricht und Änderungswille, Fähigkeit und Besserung.

In der Frage hieß es nicht, er mobbt heute seine Kollegen, Nachbarn.

Es kam das Statement, ich verurteile. Hinrichtung.

M, 56
 
  • #93
Bei dem Thema ging es nicht um Mobbing.
Unbestritten ist Mobbing ein großes Problem von Kindergarten bis in jeden Bereich des gesellschaftlichen Lebens. Beruf, Nachbarschaft, Vereine, Hobby, etc.
Folgen, psychische Schäden bis zu schweren Depressionen, Suizide. Traumata bei Kindern.
Sensibilität ist dringend angesagt.

Aber es war nicht das Thema.
Es ging um einen Mann, der als Kind Mobbing Opfer wurde, als Kind darauf hin zum Täter, und dieses bereut.
Tief bereut.

Man ihm aber hier die Reue und Einsicht nicht zugesteht. Ihn damit genauso mobbt.

Es ist Mobbing, Abwerten, wenn man andere Menschen verurteilt, ihnen Reue abspricht und Änderungswille, Fähigkeit und Besserung.

In der Frage hieß es nicht, er mobbt heute seine Kollegen, Nachbarn.

Es kam das Statement, ich verurteile. Hinrichtung.

M, 56
Danke, das ist völlig korrekt. Das läuft hier im Forum gerade ein wenig über, ich sehe allerdings die emotionale Belastung viele Forumsteilnehmer, offenbar ist es nötig, das los zu werden. Zurück zum Ursprung und wer da den ersten Stein werfen will. Ich immer noch nicht, auf keinen Fall.
 
  • #94
Ich bin dafür, dass man andere ausgrenzen darf, weil man sie nicht mag, auch wenn sie krank, behindert oder sonstwie anders sind. Jeder hat die Wahl, mit wem er befreundet sein will und mit wem nicht.
Richtig. Ausgrenzen im Sinne von keinen Kontakt haben wollen finde ich völlig in Ordnung. Das ist aber dann eine persönliche Entscheidung, die nichts mit der persönlichen Entscheidung anderer Menschen zu tun haben sollte. Da fängt Mobbing meist an.
Da haben Erwachsene heute eine verschobene Werteskala mit der ganzen politischen Korrektheit, die sie in ihrem eigenen Verhalten nicht erreichen, wohl aber von ihren Kindern fordern.
Die ganze politische Korrektheit heute dient dazu, anderen Menschen seine Meinung oder seine persönlichen Moralvorstellungen überzustülpen. Ich finde das zunehmend störend.
Da schauen Menschen schlicht nicht gerne auf ihre eigenen Probleme und wühlen deswegen in denen anderer Menschen herum. Das ist hier im Thread auch so. Die FS möchte das Verhalten des Mannes nicht akzeptieren. In Ordnung. Dann bricht man den Kontakt ab und gut ist es.

Die FS scheint aber am liebsten noch Rache dafür nehmen zu wollen, was er anderen angetan hat. Sie möchte ungebeten ein paar Steine werfen da, wo es sie gar nichts angeht. Was ist das? Der Beginn von Mobbing.

Für mich persönlich ist das charakterlich eine der unteren Schubladen. Unter der, in der einer steckt, der aufgrund eigener Mobbingerfahrungen auf andere losging und das offenbar ja ehrlich bereut. Der hat sich nicht mit Ruhm bekleckert, aber ja offenbar etwas daraus gelernt und geht heute mit seiner Umgebung anders um.
Die FS hingegen hat überhaupt kein Bewusstsein für das, was sie da macht. Sie kann ja den Kontakt abbrechen und gut ist es.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #95
Es ist Mobbing, Abwerten, wenn man andere Menschen verurteilt, ihnen Reue abspricht und Änderungswille, Fähigkeit und Besserung.
Würde ich nicht sagen, dass das in dem Fall hier Mobbing ist. Es ist nicht schön, wenn er es ernst meint und ihm der andere nicht glaubt, das stimmt. Wenn sowas in der Familie passiert, also Eltern dem Kind immer wieder Lügen unterstellen, um es zu Rechtfertigungen zu reizen, dann ja, dann finde ich, dass die Eltern das Kind mobben. Es gibt ein Machtverhältnis und Leute, die das ausnutzen.

Aber hier kann man doch ohne weiteres wieder auseinandergehen und dabei den anderen eben so sein lassen, wie er ist (einer, der der Reue nicht traut, der andere, der sich sagen kann "wer mir nicht glaubt, mit dem kann ich nichts anfangen").
Kein zwangsweises Gruppenzusammensein, dem einer, der gemobbt wird, nicht ausweichen kann.

Ich seh das als Begegnung, die vielleicht Sirella getriggert hat. Sie ist noch nicht bereit, ihre Mobber hinter sich zu lassen, also kommt ihr dieser Bereuende auch nicht so einfach davon mit seiner Bekundung zur Reue.

ich sehe allerdings die emotionale Belastung viele Forumsteilnehmer, offenbar ist es nötig, das los zu werden.
Falls Du damit meinst, dass man hier Mobbingbeispiele aus der eigenen Vergangenheit schildert - auf mich trifft Deine Aussage nicht zu. Nur weil man es erzählt, wenn das Thema aufkommt, heißt das noch lange nicht, dass man damit seelisch noch zu tun hat.

Das, was Du im Zitat schreibst, kommt auch immer wieder auf bei solchen Themen: Wenn du noch drüber redest, hast du es nicht überwunden, einmal Opfer gewesen - MUSS sich lebenslang und immer als Opfer fühlen und das verarbeiten, außer es hat alles vergessen oder so. Das stimmt nicht.
Es ist nunmal so in der Vergangenheit gelaufen und man hat seine Erkenntnisse draus gezogen, mehr sollen jedenfalls meine Beiträge nicht aussagen.
Wäre auch genauso, wie einem anderen zu unterstellen, er könnte sich als ehemaliger Täter niemals ändern.

Ich weiß auch nicht, was Du als "Beweis", dass es keine emotionale Belastung mehr gibt, hören wollen würdest. Dass man die Mobber von damals jetzt gern treffen würde, um zu schauen, wie sie heute sind?
 
  • #96
Der hat sich nicht mit Ruhm bekleckert, aber ja offenbar etwas daraus gelernt und geht heute mit seiner Umgebung anders um.
Ich denke, dass die FS genau davon nicht überzeugt ist.
Sie traut ihm wohl nicht zu, dass er daraus gelernt hat und sich völlig geändert hat
Wahrscheinlich weil er sich gerächt hat und zwar Aug um Aug und rechnet so ggf mit jemandem, der den Charakterzug behält.
Ich zb könnte ein komisches Bauchgefühl bekommen, je nachdem wie mir jemand das erzählt.
Ob er erst so einen Triumph in der Stimme hat und erst sagt tut ihm leid, wenn ich zeige: finde ich doof.

Es gibt ja auch Dinge, die man selbst erlebt hat und schon automatisch ablehnt.
Wenn ich zb mitbekomme, dass jemand seine Ex zb lange betrogen hat.
Das kann ja auch ewig her sein....nur erzählt er mir kleinlaut...das war sch...
oder ja war nicht ganz korrekt aber die Ehe war sowieso nichts mehr.

Ich würde sehr unterschiedlich reagieren
 
  • #97
@Sirella
Ich mache mir Sorgen um Dich. Würde Dir gern die Hand reichen, geht nur virtuell. Ich muss aufgrund Deines Posts ständig heute an einen Songtext denken.
Ein großartiger Künstler, leider nicht mehr da.
Hat einen Song hinterlassen. Sehr intensiver Text.
Ich schreibe Dir einige seiner Zeilen auf.
Möglicherweise ein Mensch in diesem Song, der Mobbing erlebt hat. Und ein Gespräch benötigt hätte. Eine Hand.

David Bowie
Valentine’s Day
Valentine told me who's to go
Feelings he treasured most of all
The teachers and the football stars
It's in his tiny face
It's in his scrawny hands
Valentine sold his soul
He's got something to say
It's Valentine's day
The rhythm of the crowd
Benny and Judy down
Valentine sees it all
He's got something to say
It's Valentine's day
Valentine told me how he feels
If all the world were under his heels

(Bowie)

w46
 
  • #99
Es ging um einen Mann, der als Kind Mobbing Opfer wurde, als Kind darauf hin zum Täter, und dieses bereut.
Tief bereut.
Wissen wir nicht, ob er Kind war oder schon älterer Jugendlicher, was es konkret war, was er anderen angetan hat usw. Die FS hat es nicht mitgeteilt. Es muss aber heftig gewesen sein, wenn es ihn heute noch beschäftigt.

Es ist Mobbing, Abwerten, wenn man andere Menschen verurteilt, ihnen Reue abspricht und Änderungswille, Fähigkeit und Besserung.
Nein ist es nicht - man steht hier nicht in einer Interaktion mit ihm, nicht in Beziehung mit anderen, die auch gegen ihn in Stellung gebracht werden und mitwirken. Er ist anonym. Es sind höchstens Vorurteile.
Es wird personenunabhängig diskutiert, ob man glaubt, dass jemand sich so ändern kann.
Du glaubst es, weil Du meinst, das Verhalten steht im luftleeren Raum - kann man ein- und ausschalten nach Belieben.

Ich glaube: das mobben (insbesondere wenn man selber drunter gelitten hat) eine Charakterfrage ist, in der Persönlichkeit verankert und dass man sowas nicht wie eine Jacke an der Gardarobe ablegen kann, wenn man sich in dem Look nicht mehr gefällt.

Ich glaube sogar, dass ihm sein Verhalten im Nachgang zwar peinlich ist und er sich wünscht, es nicht getan zu haben - aber so schlimm war es dann doch nicht, dass er meinen würde, er müsste sich um Wiedergutmachung bemühen.
Und das weckt bei mir Zweifel an der gelungenen Wandlung von Saulus zum Paulus.

Mag sein, dass die Wandlung bei Schönwetterlage hält, aber mit der Einstellung kommen berechtigte Zweifel an der Haltbarkeit der Wandlung unter Last auf.
Zu Streitgkeiten kann es aber in Beziehungen kommen. Du würdest es trotzdem riskieren, weil Mobbing vielleicht nie erlebt.
Ich (die FS und viele andere) sage zu so einem Menschen propylaktisch "nein, danke", soll er es bei jemand anderem versuchen.
Es gibt genug Menschen auf der Welt ohne meine Sollbruchstellen, die Menschen wie er verursacht haben. Mit der Entscheidung fügt man ihm keinen Schaden zu. Ich bevorzuge heute ein risikoarmes Leben.

Das läuft hier im Forum gerade ein wenig über, ich sehe allerdings die emotionale Belastung viele Forumsteilnehmer, offenbar ist es nötig, das los zu werden.
Es geht darum vielen Emaphie- und Wissensfreien an konkreten Beispielen zu erklären, was Mobbing ist, auf dass sie grobe Vorstellungen davon bekommen, dass es was andere ist als ein geklautes Ü-Ei. Auch sowas habe ich nie gemacht - viel zu schisserig.

Sie kann ja den Kontakt abbrechen und gut ist es.
Aber das haben sie doch beidseitig gemacht.
 
  • #100
Ich glaube, die Überzahl der Mobbing Opfer hier ist nicht mit der Zahl in der Bevölkerung gleichzusetzen. Mich erstaunt die Vehemenz, die Gefühle, die offensichtlich nie bearbeitet wurden und derartig stark nach außen dringen. Ich wurde in der 9. Klasse auch, so würde man heute sagen, gemobbt, aber ich bin auf die Jungs überhaupt nicht mehr sauer, schon gar nicht nach so langer Zeit. Noch immer sehe ich so viele hier mit Steinen wurfbereit, lasst eure Wut raus, das ist wichtig. Und dann vergebt bitte den blöden Mitschülern. Menschen ändern sich. Andauernd. Ihr auch, glaubt mir.
 
  • #101
Noch immer sehe ich so viele hier mit Steinen wurfbereit
So viele? Wen? Das ist eine ehrliche Frage, wer will hier jemanden mobben?

? Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Du ein kleines bisschen provozieren willst, indem Du absichtlich überliest, was man als Erklärung schreibt. ;)
Kein Dialog und auch noch mit der Aufforderung Deinerseits, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, wo man sie "offensichtlich nicht verarbeitet" hat. Äh ... :D

Will ich Dir nicht unterstellen, liest sich für mich nur so.

Ich finde nicht, dass es Steinewerfen, also Mobben wäre, wenn man Leute von früher nicht mehr treffen wollen würde. Wo tut denen das weh? Jeder darf sich doch aussuchen, mit wem er seine Zeit verbringt. Sonst wären wir bei dem Thema: Ist es Mobbing, wenn einer sich nicht mit mir abgeben will.

Ach noch was: Gedanken sind ja frei. Wenn jetzt jemand wirklich noch was nicht verwunden hat an früherem Gemobbtwordensein und einen anderen Menschen täglich einmal hassen muss, heißt das doch nicht, dass derjenige dem auch real was antun würde. Ist Verschwendung von Lebenszeit, die man netter verbringen könnte, ok, aber kein Mobben, da nur gedanklich und nicht real, wie das Mobben früher.

Ich habe schon eifersüchtige Frauen über die Partnerinnen der begehrten Männer wirklich Schlimmes sagen hören, was in Horrorfilme passt. Von daher 🤷‍♀️ Auch wenn es heißt, dass aus Gedanken Handlungen werden können, wenn man sich sehr drin verbeißt. Aber seh ich hier echt nicht, wenn es darum geht, dass man Leute einfach nur meiden will. Anders wäre es, wenn man plötzlich der Chef, die Chefin so einer Person wäre. Da würde ich mehr Augenmerk darauf legen, die Sache ganz neutral zu betrachten.
 
  • #102
Ich glaube: das mobben (insbesondere wenn man selber drunter gelitten hat) eine Charakterfrage ist, in der Persönlichkeit verankert und dass man sowas nicht wie eine Jacke an der Gardarobe ablegen kann, wenn man sich in dem Look nicht mehr gefällt.
Ich weiß nicht. Wenn der Mann hier erst gemobbt wurde und dann selbst zum Mobber, zeigt das ja schon, dass man auf beiden Seiten stehen kann. Oft werden ja auch Kinder aus Familien mit Gewalt selbst später Täter. Das liegt wahrscheinlich auch nicht am Charakter, sondern man gibt was weiter. Es wäre ja auch komisch, wenn in meinem Jahrgang und an meiner Schule kein Mobbing gewesen ist, weil da zufällig nur "liebe" Leute zu dieser Schule gingen. Es hängt immer sehr am Umfeld, in dem sich Gruppen befinden, dem Klima an der Schule, im Stadteil usw. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass Leute die Welt gern schwarz-weiß in gut und böse einteilen wollen (und sich selbst dann natürlich zur guten Seite) und sie hätten sowas nie selbst gemacht - aber man weiß eben nicht, wie es unter anderen Umständen gewesen wäre. Das ist wie beim Dritten Reich, da sind heute auch 99% der Meinung, sie hätten da niemals mitgemacht. Aber die Zeit war eben eine andere.
Ich verstehe, dass diese Erfahrungen Leute noch Jahre später beschäftigen können und nachhaltige Schäden hinterlassen. Aber ich denke, dass in diesem Fall diese krasse Wut über den Mobber, der ihr erzählt hat, dass er a) selbst gemobbt wurde vorher und es b) bereut im Erwachsenenalter (was jetzt nicht so unglaubwürdig ist, warum? Leute bereuen alles mögliche, vor allem, was sie in der Jugend getan haben; da ist das Gehirn auch noch gar nicht fertig und man ist einfach viel egozentrischer) irgendwie eher auf die Probleme der FS hindeutet als auf den Mann, um den es geht. Das zeigt, dass da extrem viel angestaut ist, wo sie gern Steine werfen will. Ich würde das eher als Anlass nehmen, doch mal zu gucken, ob sie so zufrieden ist mit ihrer Außenseiter-Rolle wie sie behauptet.
 
  • #103
und sie hätten sowas nie selbst gemacht - aber man weiß eben nicht, wie es unter anderen Umständen gewesen wäre
Das würde völlig ausschließen, dass es auch am Charakter liegt. Das glaube ich nun keineswegs. Es gibt doch auch Menschen, die Gewalt von den Eltern erfahren haben und nicht mobbten, obwohl sie die Gelegenheit dazu gehabt hätten.
Und es gibt Leute, die andere gern fertigmachen, die gern sticheln usw., und das ist ein Charakterzug. Das müssen nicht mal frühere Mobber sein, ich habe sowas im Bekanntenkreis: Die Freude dran, jemandem mit Worten wehzutun und zu gucken, ob er sich windet bzw. wie er sich windet (hatte ich auch als Verwandte). Das ist einfach Gemeinheiten, Gehässigkeiten, Gestichel und ich bin froh, die Leute nur zweimal im Jahr im Bekanntenkreis zu sehen. Ich finde, das ist gar nicht selten.

Ich schließe allerdings keineswegs aus, dass man sich charakterlich ändern könnte.

Ich habe irgendwie das Gefühl, dass Leute die Welt gern schwarz-weiß in gut und böse einteilen wollen
So allgemein gesehen würde ich Dir zustimmen.

Aber ich finde, man kann den Aspekt "du hättest es vielleicht auch getan" hier gar nicht einwerfen, weil es ja nunmal nicht so war.
Man sagt zu einem Opfer eines gewalttätigen Raubes ja auch nicht "wenn du kein Geld hättest, würdest du eventuell auch Leute gewalttätig ausrauben, also ändere deine Sicht".

Ich habe den Eindruck, dass Menschen gern angenommen und gemocht werden wollen. So wird es auch früheren Mobbern gehen, wenn sie ein Problem damit haben, dass ihre Opfer von früher sie heute nicht mehr sehen wollen. Es ist was anderes, jemanden auszugrenzen, als dann von demjenigen selbst ausgegrenzt zu werden, wenn man gern hätte, dass alles nett und ohne Mobbing in der Vergangenheit wäre.
Ich denke aber, wenn ein Mobber WIRKLICH durchdrungen hat, was er angerichtet hat, versteht er auch, dass der andere in Ruhe gelassen werden will. Verzeihen muss er sich ja eh selbst, denn er muss ja damit klarkommen, dass er mal so war. Das ist doch der entscheidende Punkt, dass man sich so nicht sehen will, aber so war, wenn man sowas tat. Da kann der andere zehnmal sagen, es wäre längst vergessen, das Selbstbild des Mobbers ist das, was ihm zu schaffen macht. Hier ist eben auch das schwarz-weiß-Bild vorhanden und man will nicht auf der falschen Seite gesehen werden.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #104
Es gab noch andere Szenen, dass mir Männer, die früher null Bock auf Lernen hatten und jetzt im Supermarkt arbeiteten, erklären wollten, warum ich mein Leben in den Sand setze mit dem Studium eines Faches, das kein Mensch braucht.
Ohhhh, das erinnert mich an eine Situation bei einem Klassentreffen vor einigen Jahren.
so ein Ar….l…. der meinte mich mit seinen immer neusten Nike Schuhe öffentlich anprangern zu müssen, weil ich arme Sau nur 2 Streifen Pseudo Adidas tragen konnte.
Ich musste ihm damals dann mit Ohrfeigen erklären das mich das stört.
Bei Klassentreffen fand ich heraus das seine Eltern ihm mit ü40 nun nicht mehr die teuren Schuhe bezahlen und er es selbst nicht auf die Kette brachte.
Aber er hat es beim Klassentreffen trotzdem noch mal versucht bei mir.
Und dann sagte ich ihm vor allen anderen inkl. Lehrer, das ich ihm heute keine Ohrfeigen mehr geben muss, aber ihm einen besser bezahlten Job geben könnte, damit er wieder anständige Schuhe tragen könne.
Nicht nett, aber ich musste es einfach sagen, damit der Blödmann mal den Wind aus den Segeln genommen bekam.
Das schönste, mein alter Klassenlehrer hatte meine Laufbahn verfolgt und mir bestätigend zugezwinkert.
Danach war Ruhe und er hat sich verpi….. .
Man sieht sich immer zwei mal im Leben 🤙🏻
m50
 
  • #106
Das würde völlig ausschließen, dass es auch am Charakter liegt
Ja; sicher wird der Charakter auch mit reinspielen. Aber trotzdem wurde der Mann ja nun vorher selbst gemobbt und bereut es. Ich weiß nicht, ob man da nun Schlüsse ziehen sollte wie die FS und die Steine werden, wie sie sagt. Ich denke, dass sie das so beschäftigt, dass sie extra ein Thema aufmacht, ist der wichtigere Punkt.
 
  • #107
Wieder mal interessant hier.
Bei mir war es so, dass das Verhalten der bestimmten Leute beim Klassentreffen 15 Jahre später wieder so ansetzte wie damals.

Aber er hat es beim Klassentreffen trotzdem noch mal versucht bei mir.
Unglaublich, ich kann das gar nicht fassen. Entwickeln sich manche Menschen nicht weiter? Aus den A***geigen werden doch auch Väter, Mütter, Teile der Gesellschaft....
Ich habe mir meine Klassentreffen, trotz Einladung, gespart.
Hätte damals allerdings auch durch die ganze Republik reisen müssen, aber auch, wenn ich im Nachbarort gewohnt hätte...
25% meiner Mitinsassen in der Schule waren ganz OK,
75% emotional verarmter Torf.
Nur einen Jungen aus meiner Klasse hätte ich gern, wirklich gern wieder gesehen. Er war unser Sozialfall. Wirtschaftlich schwach, aber charakterlich top. Er war ein gutes menschliches Wesen.
Aber statt Klassentreffen, nein danke, da mache ich mir lieber einen schönen Abend mit den schlechtesten Filmen aller Zeiten und kaue Reißnägel.
Somit waren die Abende meiner Klassentreffen immer super.
Sie waren völlig Idiotenfrei.
Mach ich so weiter....:)
w46
 
  • #108
So viele? Wen? Das ist eine ehrliche Frage, wer will hier jemanden mobben?


? Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Du ein kleines bisschen provozieren willst, indem Du absichtlich überliest, was man als Erklärung schreibt. ;)
Kein Dialog und auch noch mit der Aufforderung Deinerseits, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, wo man sie "offensichtlich nicht verarbeitet" hat. Äh ... :D

Will ich Dir nicht unterstellen, liest sich für mich nur so.

Ich finde nicht, dass es Steinewerfen, also Mobben wäre, wenn man Leute von früher nicht mehr treffen wollen würde. Wo tut denen das weh? Jeder darf sich doch aussuchen, mit wem er seine Zeit verbringt. Sonst wären wir bei dem Thema: Ist es Mobbing, wenn einer sich nicht mit mir abgeben will.

Ach noch was: Gedanken sind ja frei. Wenn jetzt jemand wirklich noch was nicht verwunden hat an früherem Gemobbtwordensein und einen anderen Menschen täglich einmal hassen muss, heißt das doch nicht, dass derjenige dem auch real was antun würde. Ist Verschwendung von Lebenszeit, die man netter verbringen könnte, ok, aber kein Mobben, da nur gedanklich und nicht real, wie das Mobben früher.
Du hast das mit den Steine werfen offenbar völlig falsch verstanden. DAs Zitat geht so: wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein. Das bezieht sich nicht explizit auf das Thema Mobben oder auf das Thema, zu dem dieser geflügelte Spruch aus dem neuen Testament angebracht wird. Du musst das weiter greifen lassen. Jeder von uns hat sich irgendeine Schuld aufgeladen, egal wie, das ist menschlich und deshalb gehen die Katholiken zur Beichte. Keiner von uns ist ohne Schuld, egal für was. Deshalb soll man vergeben. Man soll es wirklich üben, das hilft der eigenen Seele unheimlich. Und wenn es noch immer schmerzt mit fachkundiger Hilfe drüber sprechen bevor es in der Seele schwere Verletzungen anrichtet. Du gehst mir gegenüber ziemlich hoch, aber allein deshalb, weil du es fehl interpretierst. Im übrigen waren die , wieder beim Thema, Mobber aus der Schulzeit Kinder. Fies, gemein, aber eben Kinder. Und nun sind wir alle erwachsen, haben uns verändert und sind nicht mehr die Gleichen. Das sollten wir nicht vergessen, auch wenn die Vergangenheit weiter schmerzt. Mich merkwürdiger Weise gar nicht, ich sehe das wie es war: Teenager. Vergeben und vergessen.
 
  • #109
aber so schlimm war es dann doch nicht, dass er meinen würde, er müsste sich um Wiedergutmachung bemühen.

Wie soll er sich darum bemühen?
Nach X Jahren die Leute suchen und persönlich entschuldigen?
So einfach ist nicht jeder zu finden.
Das tut keiner. Nicht nach x Jahren.

Ich kenne Mobbing aus der Schule. Ich war der Pummelige mit der Brille. Der, der außer in Sport gute Noten hatte. Scheiss Zeit.
Das Gewicht ist weg. Ich mag Sport, mache Fitness. Die Erinnerung nicht relevant.
Ich bin nicht der Junge von damals, die anderen auch nicht mehr.

Ich will keine Entschuldigung heute. Wozu? Vorbei. Vergeben.
Mein Leben ist jetzt.

So wie
Im übrigen waren die , wieder beim Thema, Mobber aus der Schulzeit Kinder. Fies, gemein, aber eben Kinder. Und nun sind wir alle erwachsen, haben uns verändert und sind nicht mehr die Gleichen. Das sollten wir nicht vergessen, auch wenn die Vergangenheit weiter schmerzt. Mich merkwürdiger Weise gar nicht, ich sehe das wie es war: Teenager. Vergeben und vergessen.

Manche A***Kinder von damals haben sich zu erwachsenen A*** entwickelt, manche netten sind zu A*** geworden, manche A***Kinder sind heute nette, aufmerksame Menschen, manche waren immer lieb und nett.

Der persönliche Lebensweg besteht aus Erfahrungen und Lernprozessen.

Meine Erfahrung, richten tut am Ende das Leben selbst. Es braucht keine selbstgerechten Steinewerfer.

M, 56
 
  • #110
Ich kann die Wut der FS nachfühlen, die auch sehr lange in mir geschlummert hat.

Auch die Frage und den Wunsch nach um Entschuldigung bitten verstehe ich. Wäre in meinem Fall der erste Schritt gewesen, sich selber und auch anderen gegenüber Fehlverhalten einzugestehen. Anderen zu ermöglichen ihr eigenes Urteil zu fällen. Meine Erlebnisse sehe ich im Abstand dazu auch als Mobbing an und mir würde oder hätte es geholfen, um nicht nur bei mir selber die Schuld zu suchen und mich ziemlich hilflos einer Gruppe gegenüber zu fühlen. Ich denke, ohne den starken Rückhalt meiner Tante und meines Onkels, und meines Freundes hätte ich das mit 19 nicht geschafft.

Aber ich weiß, dass mein Bruder bis heute völlig von sich überzeugt ist und die gebrochene Nase und Platzwunde habe ich schließlich provoziert um mich zum Opfer zu machen.

Darum nein, Mobbing ist keine Jugendsünde und der ehemalige Mobber muss aushalten und damit leben, dass die TE ihn darum ablehnt. Ob er sich ändern kann? Zumindest weiterentwickeln, aber er hat dem Teufel in sich nachgegeben. Und das habe ich nie getan und das solltest Du auch nicht liebe TE.
 
  • #111
Wenn der Mann hier erst gemobbt wurde und dann selbst zum Mobber, zeigt das ja schon, dass man auf beiden Seiten stehen kann. Oft werden ja auch Kinder aus Familien mit Gewalt selbst später Täter. Das liegt wahrscheinlich auch nicht am Charakter
Doch genau das liegt am Charakter, ob man selber zum Mobber/Täter wird oder ob man genau das nicht wird, eben weil man das Leid selber erfahren hat.
Es ist richtig, dass Kinder unausgereift sind. Es ist falsch anzunehmen, dass der Charakter eines jugendlichen nicht weitgehend zementiert ist - sagt Dir jeder erfahrene Psychiater und Psychotherapeut.

Daher muss man unterscheiden zwischen kurzfristigen kindlichen Nickeligkeiten die durchaus zu notwendigen Lernerfahrungen der Persönlichkeitsentwicklung gehören und langfristigem, perfidem Mobbing im höheren Jugendalter (16+), wo es durch eine weitgehend ausgebildete Persönlichkeit erfolgt. Man lernt dann zwar immer noch dazu, aber man verändert seinen Charakter und seine Persönlichkeit nur noch unwesentlich.

Selbst wenn man seine Impulse zu beherrschen gelernt und sich ein sozial gefälliges Verhalten andressiert hat - der Kern (Persönlichkeit/Charakter) bleibt der Gleiche und bricht unter Last (hoch, längerfristig) wieder hervor. Genau das beschreiben doch viele hier: einmal A****l***, immer A****l*** ist ihre Erfahrung und machen es prophylaktisch wie die FS:
Somit waren die Abende meiner Klassentreffen immer super.
Sie waren völlig Idiotenfrei.
Mach ich so weiter....
Kann sein, dass man einer Einzelperson damit Unrecht tut und die tatsächlich geläutert ist, aber was solls? Es entsteht demjenigen ja kein echter Schaden, muss er sich halt eine andere Frau als die FS suchen. Ich finde Selbstschutz geht vor.

Wie soll er sich darum bemühen?
Nach X Jahren die Leute suchen und persönlich entschuldigen?
Nö, wie Du siehst, wollen die meisten Opfer das gar nicht durch die ehemaligen Täter aufgerührt, sondern nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Aber einen deutlich spürbaren Teil des Gehalts dauerhaft an Opferorganisationen spenden, wenn es ihn angeblich so belastet wäre doch eine Maßnahme. Dann kann er gut begründen, warum er die FS nicht jede Woche zu einem teuren Essen einladen kann.

Clever wäre auch gar keine große Läuterung zu verbalisieren (um sich als Pseudo-Sensibelchen einen Datingvorteil zu verschaffen?), sondern durch Taten seinen plötzlich einwandfreien Charakter wortlos nachzuweisen.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #112
Nein, bitte glaub mir, dass das nicht so ist. :) Ich sitze hier ganz entspannt und folge der Diskussion. Ich habe mich über Deine Beiträge gewundert.

Den Steinwerfspruchhintergrund kenne ich durchaus, aber ich habe den Eindruck, dass Du nicht siehst, dass Mobbing bei manchen auch das ganze Leben beeinflusst. Dass niemand die Opfer schützte und dass sie mit den Folgen leben müssen. Das zu vergeben und zu vergessen, ist ein Prozess.
Naja, und dass nicht jeder ein Mobber ist, ist doch auch klar. Also vonwegen, dass einem einer was vergeben müsste - Gemobbt habe ich nie jemanden.

Naja, und Du unterstellst, viele der gemobbten Leute müssten hier irgendwas rauslassen, weil sie noch so viel Wut in sich haben. Bei mir ist es nicht so und ich glaube, bei den anderen auch nicht, die hier zum Mobbing geschrieben haben.

Man soll es wirklich üben, das hilft der eigenen Seele unheimlich.
Ich finde, Wut auf Menschen zu haben, die einem Böses angetan haben, ist ein Schritt auf dem Weg dahin, das Geschehene nicht mehr emotional bearbeiten zu müssen. Es gehört dazu, dass man nicht versucht, sein eigenes Leid abzutun für eine spirituell höhere Sichtweise auf das Leben.

Die interessantere Frage ist jetzt, was unter "Vergeben" zu verstehen ist. Diese Diskussion hatten wir hier schon mal, glaube ich: Ist Vergeben = Verzeihen oder nicht.

Ich hatte Dich ja gefragt, was Du erwartest an Reaktion auf das Thema als Beweis, dass man einem Mobber - nennen wir es mal - vergeben hat. Frage ich Dich noch mal. Würde er die Leute heute gern wiedersehen wollen nach Deiner Ansicht?

Ich hege gegen die Leute keinen Groll, falls Du das meinst herausgelesen zu haben. Da schmerzt auch nichts mehr.
Wie schon gesagt: Es waren Kinder, Schuld an Mobbing ist auch das gesellschaftliche Umfeld, das nichts dagegen unternimmt.
Eine Chance gab es auf dem Klassentreffen 15 Jahre später, lief aber nicht mal einfach nur anders sondern ansatzweise noch mal genauso. Ich habe lieber nette Abende, von daher muss ich diese Leute nicht noch mal sehen fürs Rausfinden, ob sie noch so sind. Das ist mir egal. Ist wie bei bestimmten Kunden von früher, die stressig, übergriffig oder sonstwie unangenehm waren. Sollten sie sich verändert haben - schön für sie, für mich ohne Belang.
So verstehe ich auch die anderen Leute, die hier zum Mobbing schrieben.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #113
auch wenn die Vergangenheit weiter schmerzt. Mich merkwürdiger Weise gar nicht, ich sehe das wie es war: Teenager. Vergeben und vergessen.
Ich denke nicht, dass es für manche ausreicht, sich zu sagen "na wir waren doch Kinder/Teenager". Also als Begründung, warum es passiert ist. Die Folgen bei ihnen sind halt viel schlimmer, und die müssen ja erstmal überwunden werden, bevor man vergessen kann.

Es wird Dir hier nun auch nicht jeder schreiben, was er erlebt hat und wie sich das auf seinen Lebensweg ausgewirkt hat, um zu beweisen, dass es keine Lästereien oder sowas sind, die jeder mal abgekriegt hat.
Ich fand den Beitrag von @Queequeg wirklich hart zu lesen.

Mein Eindruck ist, dass Du oder auch @Aries gar nicht verstanden haben, WAS Mobbing sein kann für einen Menschen. Das Gelästere im Sportunterricht meine ich z.B. gar nicht. Ich hatte das auch. Sportfeste waren mir ein Gräuel, weil ich mitrennen musste und immer langsamer war als die anderen mit den kurzen Muskeln (Stichwort: Muskelfasertypen, aber danach wurde ja damals gar nicht geguckt). Der Spott von sogar manchem völlig fremden Zuschauer ist mir noch im Ohr, geschenkt. Über mich sind schon ganz andere Witze gerissen worden. Das ist m.E. aber kein Mobbing.
 
  • #115
Doch genau das liegt am Charakter, ob man selber zum Mobber/Täter wird oder ob man genau das nicht wird, eben weil man das Leid selber erfahren hat.
Es ist richtig, dass Kinder unausgereift sind. Es ist falsch anzunehmen, dass der Charakter eines jugendlichen nicht weitgehend zementiert ist - sagt Dir jeder erfahrene Psychiater und Psychotherapeut.
Die Frage ist eben, ob Mobbing fester Charakterbestandteil ist, so wie Kriminalität. Ich würde sagen, nein. Viele Jugendliche nehmen Drogen, klauen, fahren zu schnell und machen es später nicht mehr. Es gibt ganz viele Hirnuntersuchungen, die zeigen, dass das Gehirn bis Anfang 20 noch extrem umgebaut wird und daher dort vieles eben noch nicht mit dem Erwachsenengehirn vergleichbar ist, vor allem Impulskontrolle, Voraussicht, häufig dann dadurch Rücksicht auf andere, bei männlichen Jugendlichen ist die Aggressionsbereitschaft um ein vielfaches höher als später. Das kann man in ganz vielen Studien nachlesen. Der Grundcharakter (sowas wie Introversion, Extraversion usw.) ändert sich nicht. Und klar bleiben auch einige kriminell, die es als Jugendliche waren, manche aber ändern sich noch komplett. Das sagt dir jeder erfahrene Neurologe. Und eigentlich auch jeder Psychologe, den ich kenne.
 
  • #116
Dass niemand die Opfer schützte und dass sie mit den Folgen leben müssen. Das zu vergeben und zu vergessen, ist ein Prozess.
Letztlich ist es meine Entscheidung, wie ich damit umgehe. Ich habe das, was damals geschehen ist, für mich verarbeitet. Das zu vergeben ist nicht mein Thema. Vergessen muss ich es auch nicht. Es ist ein Teilaspekt meiner Persönlichkeitsentwicklung, den ich so verarbeitet habe, dass es mir damit gut geht.

Wie die Täter damit umgehen, ist mir völlig egal. Es ist nicht mein Problem und ich würde keinen Kontakt mehr wollen. Ohne jeden Groll bin ich nicht dafür zuständig, ihnen zu helfen, wenn sie Hilfe bei der Bewältigung brauchen. Wenn sie das überhaupt bewältigen wollen.
Naja, und Du unterstellst, viele der gemobbten Leute müssten hier irgendwas rauslassen, weil sie noch so viel Wut in sich haben.
Ich "muss" da auch nichts "rauslassen". Schon gar nicht, wenn andere meinen, mir vorgeben zu wollen, wie ich damit umzugehen habe.
Ich finde, Wut auf Menschen zu haben, die einem Böses angetan haben, ist ein Schritt auf dem Weg dahin, das Geschehene nicht mehr emotional bearbeiten zu müssen. Es gehört dazu, dass man nicht versucht, sein eigenes Leid abzutun für eine spirituell höhere Sichtweise auf das Leben.
Das Geschehene ist nun fast 40 Jahre her. Ich lebe schon lange völlig problemlos damit.
Ich hege gegen die Leute keinen Groll, falls Du das meinst herausgelesen zu haben. Da schmerzt auch nichts mehr.
So ist es. Es hat für mich keine Bedeutung mehr.
 
  • #117
Ich frage mich, WAS Charakter jetzt eigentlich sein soll. So rein vom Überlegen her würde ich sagen, dass ein Charakter weder gut noch schlecht IST an sich, sondern im Ausleben dann gut oder schlecht sein kann.
Das würde dann die Lenkung durch liebevolle Erwachsene brauchen, um ein Kind, das z.B. - ich nenne es mal - höheres Aggressionspotenzial hat, dazu zu bringen, es positiv auszuleben. Das ist allerdings ein Ideal, das vermutlich extrem wenige Elternhäuser bieten.

Ich würde immer Menschen zugestehen, dass sie auch reifer werden können, sich ändern können. Ich habe mich auch geändert, auch hinsichtlich, früher mal Opfer in verschiedener Weise gewesen zu sein und das abgelegt zu haben. Ich kann Leuten, die heute noch meinen, Macht über mich zu haben, um mich respektlos bis abwertend zu behandeln, offen entgegentreten und sagen "lass es", so dass man es auch ernstnehmen sollte. Dh. ich bin in Kontakt mit meiner Abwehrkraft und der gesunden Aggression, um Grenzen zu setzen, was ich früher nicht war.
Von daher würde ich auch jedem ehemaligen Täter zugestehen, dass er sich dahingehend geändert hat, seine Aggressionen in positive Bahnen gelenkt zu haben.

Entwickeln sich manche Menschen nicht weiter? Aus den A***geigen werden doch auch Väter, Mütter, Teile der Gesellschaft....
Waren manche sogar.
Kann man erwarten, dass ein Mensch persönlich reift ... hm. Die Frage habe ich mir früher schon gestellt wegen dieser einen Verwandten, die einen wirklich miesen Charakter hatte. Aber es hat halt kein anderer, keiner, den sie als Gleichwertigen empfinden musste, was gesagt, wenn sie ihre Gemeinheiten gegen mich abließ. Ihr wurde die Chance auf Reflexion durchaus einmal gegeben, als ihre Schwester zu ihr sagte, sie sei immer so gemein zu mir. Aber als sie sich dann verunsichert bei anderen Verwandten erkundigte, ob das denn stimme, sagten die brav: neeeeein, das stimmt nicht.
Und so machte sie halt weiter, GEDECKT von den Leuten, die mich eigentlich hätten schützen sollen.

Ich will sagen, dass der Rest der Leute gefragt ist, wenn Mobbing passiert.
Na und auch als psychologischer Ratgeber zu sagen "du musst das hinter dir lassen" hilft nicht, wenn man noch im Prozess steckt, weil es bedeutet: Ignoriere deine Wunden, ignoriere deinen Schmerz, tu so, als sei nie was passiert. Der Täter kommt ja GEFÜHLT so ungeschoren davon.
Das braucht Aufarbeitung, bevor man es hinter sich lassen kann. Was immer noch nicht bedeutet, dass man danach den Mobber von damals treffen will oder eine Entschuldigung von ihm bräuchte. Das wäre ja auch schlecht, wenn man auf den anderen angewiesen wäre für eigene Änderung, sowohl als ehemaliges Opfer als auch als ehemaliger Täter.
 
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  • #118
Ich frage mich, WAS Charakter jetzt eigentlich sein soll. So rein vom Überlegen her würde ich sagen, dass ein Charakter weder gut noch schlecht IST an sich, sondern im Ausleben dann gut oder schlecht sein kann.
Charakter sind für die Persönlichkeitseigenschaften, die etwas mit (individuellem) moralischem Verhalten und moralischer Bewertung zu tun haben. Es sind Eigenschaften, die eine individuelle Persönlichkeit zum Teil ausmachen.
Ich würde immer Menschen zugestehen, dass sie auch reifer werden können, sich ändern können.
Ja, können sie, wenn sie wollen.
Kann man erwarten, dass ein Mensch persönlich reift ...
Das danke ich nicht. "Reifen" umschreibt für mich eine positive Weiterentwicklung. Die "objektive" Beurteilung, was positiv und was negativ ist, steht anderen in dem Zusammenhang nicht zu.
Ich kann eine sehr reife Persönlichkeit sein und trotzdem mein Leben damit verbringen, Banken zu überfallen.
Andere können von mir erwarten, was sie wollen, aber ich lehne ab, diese Erwartungen erfüllen zu müssen.
Die Frage habe ich mir früher schon gestellt wegen dieser einen Verwandten, die einen wirklich miesen Charakter hatte.
Das ist aus meiner Sicht Dein subjektives und persönliches Urteil. (Vielleicht teile ich das, vielleicht finde ich aber auch Deine Verwandten charakterlich völlig einwandfrei und Dich die böse Schlange).
Und so machte sie halt weiter, GEDECKT von den Leuten, die mich eigentlich hätten schützen sollen.
Das war Deine Erwartung, aber die Leute haben das offenbar anders gesehen.
Ich will sagen, dass der Rest der Leute gefragt ist, wenn Mobbing passiert.
Dazu müsste man "Mobbing" objektiv und allgemeingültig feststellen.
Das braucht Aufarbeitung, bevor man es hinter sich lassen kann. Was immer noch nicht bedeutet, dass man danach den Mobber von damals treffen will oder eine Entschuldigung von ihm bräuchte.
Ich wehre mich in dem Zusammenhang gegen diesen sprachlichen Gebrauch (i. S. v. "Bedauern über ein Fehlverhalten äußern") von "Entschuldigung", weil ich das wirklich für falsch halte.

Der Mobber kann sich nicht entschuldigen. Das Opfer braucht keine "Entschuldigung" des Täters.

Entschuldigung kann nur stattfinden, wo das Opfer dem Täter verzeiht und ihn von seiner Schuld befreit.

Für mich ist "Ich entschuldige mich" ein erneuter übergriffiger Schlag ins Gesicht der Opfer.
 
  • #119
Vielleicht teile ich das, vielleicht finde ich aber auch Deine Verwandten charakterlich völlig einwandfrei und Dich die böse Schlange
Kommt auf Deinen Charakter an. Wenn Du es charakterlich einwandfrei findest, kleine Kinder mit gehässigen Bemerkungen zum Weinen zu bringen und dann vor anderen so zu tun, als sei das Kind seltsam, weil es dauernd heult, dann seid ihr auf einer Linie.

Das war Deine Erwartung, aber die Leute haben das offenbar anders gesehen.
Offensichtlich. Aber es gibt irgendwie doch die Erwartung an die Eltern, dass sie ihr Kind schützen, statt vor der Oma zu kuschen.

Charakter sind für die Persönlichkeitseigenschaften, die etwas mit (individuellem) moralischem Verhalten und moralischer Bewertung zu tun haben
Die Moral ist für mich da eigentlich nicht mit bei. Hm ... Denn dann wäre es ja doch einteilbar in "guter und schlechter Charakter", der unveränderbar ist. Wenn der Charakter etwas ist, das bleibt, kann es mE nichts sein, was einem als "so verhält man sich hier als guter Mensch" beigebracht wurde.

Dass sich einer an die Gebote der Leute hält, die er fürchten sollte, wenn er sich ihnen widersetzt, DAS ist für mich Charakter. Hat er einen eigenen Wertemaßstab oder nicht, auch wenn der den gängigen Moralvorstellungen widerspricht, weil die als falsch erkannt wurden. Biedert er sich den Anführern jeweils an, egal, was sie vertreten. (Dafür kann man gute Gründe finden, z.B. dass man mit seinen Kinder gut leben will, statt durch Widerstand den Zorn der Mächtigen auf sich zu ziehen.)

Die "objektive" Beurteilung, was positiv und was negativ ist, steht anderen in dem Zusammenhang nicht zu.
Nennen wir es nicht "gereift", sondern "reflektiert". Die eigenen Aggressionen nicht an anderen auslassen z.B. oder missgünstig zu sein - da kann man positiv und negativ objektiv unterscheiden. Es ist doch völlig unreflektiert/unreif, wenn man z.B. seine Aggressionen an anderen auslässt, weil man sie für schwächer hält, in der Erwartung, dass innere Verletzungen davon weggehen, dass man seine eigene Qual nun durch Quälen anderer auslebt und zu lindern versucht. Oder weil man für irgendwas Genugtuung erfahren will oder was auch immer.

Dazu müsste man "Mobbing" objektiv und allgemeingültig feststellen.
Nee. Wenn das Kind sich fürchtet, in die Schule zu gehen, z.B. ist ein Anzeichen da, dass was schiefläuft. Wenn man mitkriegt, dass einer fertiggemacht wird, kann man es sehen. Wenn es so läuft wie bei @Queequeg ist es sichtbar. Es bedarf nur etwas Empathie, um zu sehen, ob ein anderer Mensch Angst hat und ob es Leute gibt, die hier draufschlagen.
 
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  • #120
So ist es. Es hat für mich keine Bedeutung mehr.
Ich habe den Eindruck, dass von manchen erwartet wird, dass man dann auf die ehemaligen Mobber reagiert wie auf gute alte, nette Bekannte so als Beweis, dass man WIRKLICH was hinter sich ließ.
Wenn sich das wie bei @Silly entwickelt, finde ich das auch normal, da eben viele positive Begegnungen das Negative "überschrieben". Aber ansonsten? Reicht doch, wenn man sich "guten Tag" sagen kann bei Begegnung und dann weitergeht.


Für mich ist "Ich entschuldige mich" ein erneuter übergriffiger Schlag ins Gesicht der Opfer.
Interessante Sichtweise. Kannst Du das näher begründen? Liegt es nur an der Formulierung "ich entschuldige mich", weil es ja nur der andere tun kann, oder ist es, dass der ehemalige Täter das ehemalige Opfer noch mal dran erinnert?
 
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