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  • #1

Was versteht Ihr unter den anderen so lassen wie er ist?

Manche geben als Besonderheit Ihrer Beziehung an: "Sie/er lässt mich (nimmt mich)so wie ich bin. Das klingt so nach Geschwistern oder Eltern Kind, die nehmen einen so wie man ist, weil es ja keinen großen Einfluss auf einen selbst hat. Aber im Zusammenleben gibt es immer wieder Konfrontationen, Grenzen usw, die in einem Kompromiss enden (sollten) müssen, weil es sonst nicht weitergeht. Also ist man da doch schon nicht mehr wie man ist... Oder ist damit die offene Zahnpastatube gemeint??
 
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  • #2
Warum wollen wir denn Eigenschaften am Partner verändern (die Zahnpastatube z.B.)? Weil der Partner so, wie er ist, nicht unseren Erwartungen entspricht. Was ist jetzt falsch - er oder unsere Erwartungen? Ich denke, der Schlüssel zu gegenseitigem Respekt und einer langdauernden Beziehung ist, die Erwartungen zu begraben, dass jemand so sein müsse, wie wir uns das vorstellen.

Es gilt vielmehr wirklich, den anderen so anzunehmen, wie er ist. Ich mag z.B. auch nicht alle Eigenschaften an meinem Freund. Aber die weitaus überwiegenden Eigenschaften eben schon. Anders herum wirds ihm genauso gehen:)...

w36
 
  • #3
Du musst etwas mehr differenzieren:

(1) Wenn du generell keine Kompromisse eingehst, bist du natürlich nicht mehr der/dieselbe, wenn du dann tatsächlich welche eingehst.
(2) Kompromisse eingehen, Konfrontationen begegnen gehört einfach zu einer ausgeprägten Persönlichkeit und Charakterstärke. Du bist doch also daher immer noch dieselbe Person im Anschluss!

Mit "mich nehmen wie ich bin" würde ich meinen, dass ich sein kann, wie ich bin, d.h. mich nicht verstellen müssen, in einer Konfrontation für mich klare Aussagen machen (und keine, die mein Gegenüber einfach nur hören will), meine kleine (und vllt. auch grossen) Makel haben dürfen, ...

Jemanden nicht so nehmen, wie er/sie ist, heisst also dann, die Person für sich (zum Eigennutz) so umzuerziehen, dass sie für einen "perfekt" ist. Das geht aber auch nur bis einem gewissen Punkt gut!
 
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  • #4
1.
Den anderen nehmen wie er ist, das ist ja wohl das mindeste. Deshalb hat man sich ja verliebt/liebt man sich.
2.
Sich gemeinsam entwickeln (in die gleiche Richtung), das ist das Ideale.
3.
Gegenseitig Rücksicht nehmen,das ist die Grundlage fürs Zusammenleben. Dazu gehört die Zahnpastatube.

w,39
 
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  • #5
m.M. nach betrifft dieses nur das gemeinschaftliche / oder eben nicht - Freizeitverhalten der Partner.
Wenn es akzeptiert wird vom anderen, was und wie sich der Partner beschäftigt / verhält, dann kann man von freiheitlichem Zusammenleben sprechen.

Das mit der Zahnpastatube ist nur ein kultureller Entwicklungsstand. Und bekanntlicherweise lernt man/frau ja nie aus ;-)
 
  • #6
Ich verstehe darunter, dass sie mich nicht ändern will. Wenn ich ein unordentlicher Mensch bin, will sie mich nicht zur Ordnung erziehen. Das schließt aber nicht aus, dass man Kompromisse macht, die im Zusammenleben immer nötig sind - übrigens auch zwischen Geschwistern oder Eltern und Kindern.
 
  • #7
Es geht um Grunsätzliches.

Wenn Du Dich in einen Freiheitsliebenden Motorradfahrer verliebst tust Du keinem eine Gefallen (am allerwenigsten Dir selbst) wenn Du Ihn zum Vanpiloten umerziehst. Wenn Er dagegen nur blöde Angewohnheiten hat wie die offene Zahnpastatube- das kann Mann ändern ohne sich umerziehen zu lassen.

Wenn der andere grundsätzliche Angewohnheiten hat mit denen ich nicht klarkomme ist das eine gute Freundn aber kein Partner für mich. Umerziehen geht irgendwann schief.

ZUm Beispiel könnte ich nicht mit jemanden zusammen sein der eine Bewegungsphobie hat. Da ich abersicherlich keinen zum Sport treiben möchte der das nicht will macht es einfach keinen Sinn irgendwelche Umerziehunjgsprogramme zu starten damit Sie es mir zuliebe tut und dabei unglücklich ist.
 
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  • #8
Den Kern einer Persönlichkeit kann man nicht ändern. Den kann man nur akzeptieren. Schließlich will man kein Anziehbild von sich selbst oder eine Person, die aus der Projektion eigener Wünsche und Werte besteht.
Bestimmtes Verhalte läßt sich durchaus ändern. Was aber heißt, daß der Betreffende die Verhaltensänderung aber auch wirklich will und die Verantwortung für sich selbst übenimmt.
 
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  • #9
Man sollte nicht in eine Beziehung gehen mit der Maßgabe, "diese und jene Eigenschaft gewöhne ich ihm/ihr schon noch ab/an".

Sondern sich den Partner anschauen, wie er IST und sich überlegen, ob man mit ihm auch klarkommen wird, wenn er genau so bleibt.
Kleinere Kompromisse werden sich immer finden, bei etwas Goodwill.

Aber nicht sich z.B. einen Raucher anlachen und im Hinterstübchen davon ausgehen - das gewöhn ich ihm schon noch ab.

Oder einen Nachteule zum Nach-der-Tagesschau-ins-Bett-Geher umerziehen wollen.

Oder einen geselligen Menschen zum rein zweisamkeitsorientierten Daheim-auf-dem-Sofa-Sitzer hinmanipulieren wollen.

Eben sich vorher überlegen, ob dieser Mensch mit seinen Eigenschaften und Eigenarten zu einem selbst kompatibel und für einen selbst liebenswert ist, wenn er bleibt wie er ist. Und ihn dann auch so lassen.
 
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  • #10
man kann verhaltensweisen ändern (z.B. socken nicht liegen lassen) nicht jedoch den charakter. man kann in beziehungen positives vom anderen lernen und für sich selbst annehmen, das kann einen im positiven sinne so prägen, dass man in diesem oder jenem punkt ein anderer mensch wird. z.B. jemand findet über den partner zugang zu neuen musikrichtungen, neuen kulturen, neuen denkweisen, stilvoller kleidung usw. das erfolgt aber NICHT auf basis "weil er sonst nicht akzeptiert wird" sondern freiwillig und wird als bereicherung empfunden.
sprüche wie "ich bin, wie ich bin", "mich nehmen, wie ich bin" empfinde ich als abgedroschene leere phrasen, die maximal passivität und opportunistisches denken/handeln vermuten lassen. genauso wie der weitverbreitete spruch: ich suche nicht, ich lasse mich finden. und am besten noch möglichst gut verstecken, oder?
 
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  • #11
Irgendwie haben alle Recht und ich dachte in meiner Beziehung auch so und habe auch stets danach gelebt, weil ich ja auch beliben will wie ich bin. Bis mein Mann (45) nach 18 Jahren (und bereits einer Scheidung mit zwei Kindern) für eine andere mich und seinen (15j)Sohn verlassen hat, weil er dort "nicht Bescheid sagen muss, wohin er geht" - sprich nichts "muss" und weil er mich nicht mehr liebt.Mehr Erklärung gab es nicht bis heute. Wir waren eine runde Familie mit allem was dazu gehört. Auch Liebe, wie ich dachte und auch keine Zeichen erhielt, dass es nicht mehr so ist.
Ich kann mir vorstellen, dass manche jetzt sicher denken, naja die Ehefrau wird ihm schon die Hölle heiß gemacht haben. Er hat nicht einmal Bescheid gesagt, dass er die Scheidung eingereicht hat. Ich bin nach zwei Jahren (der Gerichtstermin steht jetzt an) noch so verletzt (kann aber inzwischen mit Abstand zu ihm denken), dass ich keinerlei Kontakt will. Ich wollte anfnags immer mit ihm reden (da wusste ich noch nichts von der Superfrau), aber er nicht. Jetzt wollte er sich mit mir treffen, aber da er in dieser Bez. lebt will ich das nicht. Mit Sohn gibt es nach damals zwei Monaten Funkstille, weil Sohn nicht wollte, regelmäßigen Kontakt. Danke, es tut gut, hier Meinungen zu lesen und zu sehen, wie vielen Männlein und Weiblein es auch nicht wie auf Wolke 7 geht.Danke!
 
  • #12
In einer guten Partnerschaft bleiben beide gerade nicht so, wie sie sind, sondern entwickeln sich weiter und vorallem aufeinander zu. DAS nenne ich Partnerschaft. Zum Beispiel muss man Kompromisse eingehen, sich auf den anderen einstellen, auf den anderen zugehen, die Hobby des anderen kennenlernen wollen, ihm auch einfach mal einen Gefallen tun, auch mal über seinen eigenen Schatten springen. Dazu gehört auf jeden Fall, eben nicht einfach so zu bleiben, wie man ist -- das wäre eine esoterisch-romantische Verklärung des "Ich". Wir sind nicht statisch und so wie wir sind. Ganz im Gegenteil kann mit einer geliebten Partnerin auch ein Mann zum Tänzer werden, eine Frau das Klettern lernen, auch ein Partymuffel mal mit zur Feier gehen und so weiter. Und selbstverständlich kann man sich Unarten abgewöhnen, die man eigentlich lieber gar nicht haben sollte wie z.B. Unpünktlichkeit, Faulheit oder die oben angesprochene berühmte offene Zahnpastatube.

Man muss seinen Partner nicht "lassen wie er ist". Wozu sollte das gut sein? Macken, Schwächen, Inkompatibilitäten müssen möglichst behoben werden, indem man aufeinander zugeht, aber auch indem man sich selbst zum besseren wandelt. Genau das erwarte ich auch von meinem Partner.

Nein, ich glaube, dieses "lassen wie man ist" ist so eine moderne Füllphrase ohne viel Wert für Partnerschaften. Bei normalen Freunden ist das was anderes, da man meist nur einige gezielte Facetten gemein hat und jeder sein Leben leben muss -- mit seinen eigenen Präferenzen und Prioritäten. Eine Partnerschaft im Sinne von Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft ist aber viel, viel mehr und erfordert auch viel mehr Kompromisse und Aufeinanderzugehen.

Wer in Wahrheit einfach nur "er selbst bleiben will", der ist beziehungsunfähig und sollte erst einmal erwachsen werden.
 
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  • #13
Wer sagt, sie/er soll mich so nehmen wie ich bin, kann m.E .nicht mit Konflikten umgehen und ist in keiner Weise bereit Kompromisse einzugehen.

Diesen Spruch habe ich oft von Männern gehört bzw. gelesen. Schnell kam raus, dass sie emotional unreife Menschen waren.

Eigentlich verändern wir uns jeden Tag, unabhängig davon, ob wir in einer Beziehung leben oder nicht. Schon morgen kann ich mit einem veränderten Blich auf diese Zeilen schauen, die ich gerade schreibe.

Viele Menschen haben Angst vor Veränderung und empfinden Veränderung als Rückschritt oder sonstiges negatives, aber nicht als Chance zur Weiterentwicklung und Reifung.

Ich würde nie von einem Menschen verlangen, dass er mich so lässt wie ich bin. Denn dadurch entgeht mir die Chance auf was neues. Wenn es eine negative Änderung wäre, bin ich Frau genug, mich dagegen zu "wehren" :).

w 47
 
  • #14
@11+12
Das könnt Ihr einem alten Fahrensmann schon glauben, man kann manches ändern, aber nur wenn man es selbst will. Sich dem anderen zuliebe zu verbiegen führt nur zu Rückenschmerzen

Ich schau mir alles mit offenen Augen an, versuche auch etliches aber wenns mir nicht taugt erwarte ich von meiner Partnerin dass Sie das akzeptiert. Wenns mir taugt wirds gerne übernommen. Das gilt andersrum genauso.

Es geht doch auch gar nicht um irgendwelche Hobbies oder blöde Angewohnheiten wie die offene Tube sondern eben um grundsätzliches. Ich kann nunmal aus einem Stadtmenschen keinen machen der sich inländlicher vstille und Abgeschiedenheit wohlfühlt.

Um bei den Beispielen zu bleiben: Ja, Mann kann als Tanzmuffel mal einen Kurs besuchen. Wenns dann aber dennoch keinen Spass macht hats doch überhaupt keinen Sinn es weiter zu betreiben, oder? Genausowenig kann ich aus einem Morgenmuffel einen Frühaufsteher machen. Oder gar jemanden der an Höhenangst leidet zum KLettern bewegen.
 
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  • #15
11 und 12 Danke für eure Beiträge, so ist es.
Mein derzeitiger Lieblingsspruch:
"Der Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung ändern können" ;-)
13 Wieder eine gelungene Demonstration ausgefeilter Eloquenz...;-) Du bist ein ganz toller Karpfen.
 
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  • #16
Genau deshalb bereitete es mir ziemliche Bauchschmerzen, als ein Mann als Abschiedsgruß unter seine Briefe schrieb "wie immer" ;)
 
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  • #17
14 an FS: Wenn du es nicht schaffst, deinen Freund so zu akzeptieren, wie er ist, dann frage ich mich, wie ihr es geschafft habt, euch zu verlieben und zusammen zu kommen. Ich bleibe bei meiner Meinung, die ich mit 11 teile.
@15 Ja, schon klar. Gut, dass hier alles so anonym ist ;-) Alles (multiple) Gute.
 
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  • #18
@ 14/16 : Nun, derjenige hat dann das Briefe schreiben eingestellt. Darin manifestierte sich somit ein Veränderungsbedürfnis. Das fand ich dann doch schade. Hat mir gefallen, diese Art sich auszudrücken. Aber alles hat ja seinen tieferen Sinn, der sich zu gegebener Zeit offenbaren wird...
 
  • #19
Ich verstehe darunter, eine Person mit allen ihren Eigenheiten anzunehmen.
Ich würde nicht sagen, dass es durch so eine Aussage ausgeschlossen ist, sich für jemanden zu verändern. Aber verändern würde ich mich für einen Partner nur, wenn ich ihn mit meinem Verhalten belaste. Wenn ich z.B. nichts im Haushalt tue und er alles. Wenn ich respektlos und gemein zu ihm bin. Solche Dinge. Da finde ich, muss man schon aufeinander zugehen und Kompromisse schließen. Das sind Dinge, die man nicht akzeptieren muss, weil sie den Partner einschränken. Rücksichtslosigkeit ist ein Charakterzug, den man am anderen nicht akzeptieren kann und muss finde ich. Den Rest schon.
Wenn mein Partner mir vorschreiben will, ob ich warm oder kalt dusche, was ich in der Oper anziehe, ob ich fluche oder nicht, was für Unterwäsche ich täglich trage, ob ich nachts noch etwas esse oder nicht, ob meine Nägel manikürt sind oder nicht (ernsthaft, ich hatte mal einen Freund, den das alles gestört hat), dann akzeptiert er mich nicht so, wie ich bin. Ich mag es nun mal zu fluchen, nicht zur Maniküre zu gehen, sondern nur ein allabendliches Rendezvous mit meiner Nagelschere zu haben, nicht 24/7 Reizwäsche zu tragen, gelegentlich auch spät erst zu essen, heiß zu duschen und in der Oper kein Abendkleid rauszuholen. Das sind Dinge, die ich schon immer getan bzw nicht getan habe und die ich nunmal so mache, weil ich mich so am wohlsten fühle. Es sind auch Dinge, die keinen direkt betreffen oder belasten, nicht absolut unnormal oder eklig sind und deshalb niemanden außer mir selbst etwas angehen. Wenn ein Partner das nicht akzeptiert, nimmt er mich nicht so, wie ich bin. Und dann braucht er auch nicht mit mir zusammen zu sein. Denn wenn ich all solche Dinge an einer Person nicht mindestens akzeptabel finde, kann ich die Beziehung zu der Person auch gleich vergessen und mich mal fragen, was mit mir nicht stimmt, dass ich mich an solchen Kleinigkeiten aufhänge.
Die charakterlichen Eigenschaften und Eigenheiten des Partners, die einen selbst nicht TOTAL belasten, einfach akzeptieren und sogar mögen oder lieben.
Das verstehe ich unter ''jemanden so nehmen wie er ist''.
 
  • #20
Ich verstehe darunter, eine Person mit allen ihren Eigenheiten anzunehmen.
Sehe ich auch so - allerdings muss das dann auf Gegenseitigkeit beruhen.
Wenn es denn gar nicht passt, dann trennt man sich eben. Mit manchen Eigenheiten will und kann man eben nicht leben, das zu erkennen liegt aber an einem selber.
Und wenn ich mein Mädel mal im Abendkleid sehen möchte - dann sage ich das. Entweder erfüllt sie mir den Wunsch - vielleicht sogar gerne, oder sie sagt mir, dass sie sich darin nicht wohl fühlt.
 
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