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  • #61
Auch ich habe einen jähzornigen Vater, der in meiner Kindheit und Jugend oft handgreiflich wurde, allerdings nie gegenüber meiner Mutter.
Vor ca. 3-4 Jahren schlug er mich das letzte Mal.
Als ich mit ihm darüber redete, fing er an zu weinen. Unter Tränen entschuldigte er sich bei mir.
Das hat mir viel bedeutet.
Leider ist er auch heute noch sehr jähzornig, schreit beispielsweise ständig. Allerdings schlägt er niemanden mehr.
Ich kann nicht verstehen, dass Menschen einerseits wahrnehmen, wie sehr sie anderen weh tun und das Problem auch irgendwo einsehen, aber andererseits ihr Verhalten nicht ändern.
Was muss denn noch passieren?
Oder war/bin ich zu nachsichtig, weil ich den Kontakt nicht abbreche?

Mein Partner ist hoffentlich anders?
Doch leider hat auch er mich schon angeschrien.
Am Anfang unserer Beziehung gab es das gar nicht.
Es fing an, nachdem mein Partner eine Weile arbeitslos war. Er begann immer verzweifelter zu werden und immer frustrierter.
Streits eskalierten leichter.
Ich hatte es abgehakt, da dies eine schwere Zeit für ihn war.
Handgreiflichkeiten gab es zum Glück keine.
Das ist nun 4 Jahre her.
Seitdem ist das Schreien nie ganz verschwunden. Mittlerweile passiert es maximal alle 6 Monate, in letzter Zeit leider wieder öfter.
Ich reagiere leider sehr sensibel auf Schreien.
Ich bekomme dann Angst vor den Menschen, da ich das Schreien als Vorboten der Gewalt in meiner Kindheit kennengelernt habe.
Mein Partner verachtet Jähzorn, entschuldigt sich und weint jedes Mal, wenn er einen solchen Fehler gemacht hat.
Ultimaten habe ich bereits mehrfach gestellt, meist weniger erfolgreich.
Dass die Abstände zwischen dem Schreien mit der Zeit größer wurden, zeigt mir, dass er wirklich etwas ändern wollte, hoffentlich noch will.
Doch manchmal habe ich das Gefühl, dass schreiende Menschen das Schreien irgendwo als Teil von sich akzeptiert haben und damit leben, egal wie das Umfeld damit zurechtkommt.
Erst heute sagte er, dass das Schreien auch ein Herauslassen von Gefühlen für ihn darstellt und nur mir gegenüber all seine Gefühle zeigt.
Das klang zynisch in meinen Ohren. Soll ich das Schreien jetzt etwa als etwas Positives betrachten?!

Summa summarum:
Ob jemand wirklich von so einem Verhalten wegkommt, vermag ich nicht zu sagen.
Ich gebe meinem Partner noch ein Jahr Zeit, denn meine Kraft schwindet schon jetzt.
Mit jedem Schreien wird auch das Vertrauen zu ihm kleiner.

Was ich Menschen in ähnlichen Situationen raten kann (außer den Dingen, die bisher geraten wurden):
Sobald euer Gegenüber in den unmöglichsten Situationen (also kein besonderer Stress etc.) ausrastet, UNABHÄNGIG von eurem Verhalten, dann sucht das Weite!
Auf so jemanden hat niemand Einfluss.

Ich wünsche allen, die unter Cholerikern bzw. Jähzornigen leiden, viel Kraft und Glück!
 
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  • #62
Hallo,
sehr spannend was ihr alle so erlebt. Mein Partner ist ebenfalls jähzornig, nicht gewalttätig. Sehr laut und dann mit Worten gemein. 98 % jedoch ist er der wundervollste Partner den man sich denken kann. Er arbeitet viel und hart. Unter Druck geraten platzt die Bombe.
Wir beide reden viel darüber und ich mache ihm keine Vorwürfe sondern erkläre ihm meine Gefühle dabei. Wir suchen immer neue Wege. Das hilft ihm sehr. Meistens kann er danach eher analysieren was in ihm los war wie vorher und wenn ich ihm körperliche Nähe, wie Händchen halten und Umarmung anbiete, entspannt er sich deutlich schneller und nachhaltiger.
Letztlich fühlt er sich oft unfähig allem gerecht zu werden, was er sich selbst oft genug sagt. Sobald ich in diesen sensiblen Augenblicken in die gleiche Kerbe schlage wars das mit der Ruhe.
Ich bin froh, dass er solche Ausbrüche nicht so oft hat wie hier beschrieben. Meistens fange ich das ab, in dem ich sehr liebevoll bin, wenn sich so ein Ausbruch anbahnt und ihn mit Humor auf andere Gedankengänge bringe. Das ist sehr wirkungsvoll. Aber ich bin auch mit mir selbst im Reinen und Selbstbewußt.
Auch denke ich sollte man unterscheiden lernen zwischen wütend laut und jähzornig. Nachtragende, aber ruhige Personen in der Diskussion empfinde ich eindeutig schlimmer, wie wenn jemand explodiert und es ist danach alles wieder gut.
Nicht alles was hier beschrieben wurde würde ich unter Jähzorn sehen, sondern unter Wut und Verzweiflung. Männer (natürlich auch Frauen) können oftmals ihre Gefühle nicht so gut benennen/äußern und ich sehe den Partner sehr wohl in der Pflicht unseren jähzornigen Partnern hier eine reflektierende, nicht allzu vorwurfsvolle Hilfe zu sein - ggf. auch mit einem externen Berater - es gehören immer beide Partner therapiert.
Menschen, die Angst vor solchen Ausbrüchen haben, die selbst nie gelernt haben Konflikte auch mal heftig auszutragen und nicht sehen wollen, dass ihre Schwäche solche Partner noch provoziert, sind sicherlich mit solchen Partnern schlecht beraten. Gewalt geht klar egal wie garnicht und ist inakzeptabel.
Zu einer Beziehung gehört viel Mut. Sich selbst stark und gleichzeitig verletzbar zu zeigen macht Angst - beiden Seiten. Offen mit den Gefühlen umzugehen haben die meisten Menschen - egal ob defensiv oder agressiv - nicht gelernt.
Ein defensiver Partner würde mich wahnsinnig machen...denn, die geben einem immer hinten herum die Schuld an ihren eigenen schlechten Gefühlen. Lieber mal lächelnd die Türe schließen und warten bis der Anfall vorüber ist.
Und man bedenke...gesunde Kinder schreien wenn sie verzweifelt sind, wenn sie fröhlich sind, wenn sie wütend sind, sie lachen laut heraus und toben lebhaft herum...uns Erwachsenen hat man das irgendwann verboten...doch wohin mit den Gefühlen, wenn die Eltern einem nie eine Alternative gezeigt haben. Also ran ihr lieben Eltern - zeigt euren Kindern wie es anders geht.
Ich hatte Glück mit meinen, obwohl sie viel und laut gestritten haben.
 
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  • #63
Natürlich habe auch ich ein Problem - einen jähzornigen Mann, sonst wäre ich nicht in diesem Forum gelandet.
Wie schon vor mir jemand schrieb: 98% habe ich eine wundervollen Partner, na ja, ich würde es mal auf 90% kürzen. Aber ich bin auch nicht 100%.
Worin ich aber nicht zustimmen kann, ist zu sagen, dass ein offensiver Partner besser ist als ein defensiver. Und wenn ich dann die lauten Kinder mit den ruhigen als Vergleich hernehme, geht gar nicht.
Wir sind Erwachsene. Das heißt auch, sich zu benehmen wie ein Erwachsener. Jedem Kind, das noch lernen muss mit Frust umzugehen, gestehe ich diese Wut zu. Aber einem Erwachsenen!?! Ich war bis ins jugendliche Alter noch jähzornig, habe Gegenstände geschmissen, zum Teil auch nach Personen. Aber das habe ich hinter mir gelassen.
Leider nicht mein Mann. Allerdings war das nicht von Anfang an so. Das kam erst so in den letzten Jahren. Wir hatten ein eigenes Geschäft, viel Stress und Probleme, Alkohol spielte irgendwann mal eine große Rolle und die Agression. Wenn er trank war der Stress daran schuld und natürlich ich, die sein Geld sinnlos verprasste während er nur malochen durfte. Wir haben unser Leben geändert, der Alkohol ist kein Thema mehr - aber die Agression ist er leider nicht los geworden.
Und wenn er dann so maßlos (und für mich überhaupt nicht ersichtlich) wütend wird, dann bin ich daran schuld. Denn schließlich würde ich ihn aufregen. Ich fragte ihn, ob er es ok finden würde, wenn ein Mann seine Frau schlägt. Nein, natürlich nicht! Aber warum nicht, die folgen doch der gleichen Argumentation. Das lässt er nicht gelten. Wenn ich ihn in einer solchen Situation ruhig darauf hinweise, dass seine Schreierei der Situation in keinster Weise angemessen ist, dann wird er sehr persönlich. Sagt zu mir klar, du solltest dich mal sehen mit deinem arroganten Grinsen, da könnte man ja nur wütend werden. Stimme ich ihm in seiner Meinung nicht zu, dann schreit er mich an, wie blöd ich wäre und fragt wie ich bei meiner Schul- und Ausbildung so doof sein kann. Hach und das beste ist, er hört dann auch manchmal nur Teile und die pickt er sich raus und verdreht sie komplett, so dass sie mit dem von mir gesagtem nichts mehr zu tun haben. Dafür hatte ich schon mehrfach Zeugen, die das Ganze nur fassungslos verfolgt haben. Ich sag dann immer ich bin mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde verheiratet.
Tja was soll ich noch sagen. Reihe mich ja hier in eine große Gemeinschaft ein und jeder weiß, was ich meine. Aber ich glaube eine Lösung gibt es nicht wirklich, oder?
 
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  • #64
ich erlebe das Ganze jetzt seit zwei Jahren und ich ziehe meine Konsequenzen. Seit vier Wochen wohnen wir zusammen und ich erlebe die Hölle. Es ist ein absoluter Alptraum. Ich hoffe schnell eine eigene Wohnung zu finden und zu flüchten wie meine Vorgängerinnen. Ich leide so sehr und habe schon sehr viel Gewicht verloren. Ich hoffe da schnell raus zu kommen. Schreiben tut mir gut. Ich hoffe das es alle da draussen auch schaffen weg zu kommen. Es ist einfach nur Menschenunwürdig und brutal.
 
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  • #65
Auch ich habe einen jähzornigen Vater, der in meiner Kindheit und Jugend oft handgreiflich wurde, allerdings nie gegenüber meiner Mutter.
Vor ca. 3-4 Jahren schlug er mich das letzte Mal.
Als ich mit ihm darüber redete, fing er an zu weinen. Unter Tränen entschuldigte er sich bei mir.
Das hat mir viel bedeutet....

Danke für die offen Worte ich ziehe die Konsequenzen und gehe. Das ist ein Alptraum.
 
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  • #66
Positive Entwicklungsmöglichkeiten???
Meinen Sie, hinter dem Jähzorn ist ein tolles Potenzial für "irgendwas" versteckt?
Ich könnte damit nicht umgehen...der Partner ist niemals der Pädagoge oder Psychologe, der die Charaktereigenschaften des anderen bessern kann.
Ich selber würde Abstand nehmen, solch ein Verhalten würde mir das Zusammenleben mit jemanden nicht mit Zufriedenheit erfüllen....
 
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