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  • #1

Welche Rolle darf Mitgefühl spielen?

Ich (w29) bin seit drei Monaten mit einem Mann in meinem Alter liiert. Er hatte lange keine Beziehung mehr und führte ein sehr zurückgezogenes Leben ohne nennenswerte soziale Kontakte oder Hobbys. Eigentlich bestand sein Leben vor unserem Kennenlernen nur aus Arbeiten, Fernsehen und Lesen - er war auch nicht glücklich damit, konnte es aber alleine offenbar nicht ändern!

Immer wieder sagt er mir, ich bringe neue Impulse in sein Leben: Seit er mit mir zusammen ist, ernährt er sich gesünder, geht auch mal an die frische Luft, macht wieder Sport, kauft sich neue Kleidung und achtet auch sonst mehr auf sein Äußeres, das vorher recht gelitten hatte. Ich merke, dass ich einen richtig guten Einfluss auf sein Leben habe und er blüht zusehends auf. Das macht mich einerseits sehr glücklich.

Aber auf der anderen Seite ist da ein unterschwelliges, komisches Gefühl. Denn eigentlich habe ich von Anfang an sehr viel Mitgefühl mit ihm gehabt und habe es auch immer noch, wenn ich an all die schönen Dinge des Lebens denke, die er sich vorenthält. Daher meine Frage: welche Rolle darf Mitgefühl/Mitleid in einer Beziehung führen?
 
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  • #2
Das darf schon sein, warum nicht? Wäre doch komisch, wenn man ausgerechnet mit dem Partner KEIN Mitgefühl hätte.
 
  • #3
Natürlich darf man Mitgefühl/Mitleid mit seinem Partner haben.

Dein Bericht klingt aber eher, als hättest Du einen unselbständigen, unmotivierten Partner, der ohne externe Anweisung nichts in seinem Leben auf die Reihe bekommt und auch keine eigenen Ideen hat bzw. umsetzt. Auf der Arbeit hat er funktioniert, da gibt es aber auch einen Chef. Privat fehlte das seit Mama bzw. der letzten Freundin, also passierte dort... gar nichts.

Bei einem solchen Mann würde ich mich eher als Mutterersatz und nicht als Partnerin fühlen. Ich könnte einen solchen Mann zwar als Menschen mögen, aber niemals als Partner respektieren und lieben.
 
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  • #4
Liebe FS, ich habe genau so einen Mann. War 8 Jahre versumpft, lebte mit sich selbst, glaubte, keine Frau mehr kennenzulernen, die ihm etwas bedeuten könnte. Führt eine kleine Firma, hat dort auch viele Kontakte, aber privat lebte er völlig zurückgezogen.

Er verliebte sich in mich und krempelte sein Leben um, kam von ganz alleine aus dem Quark. Ich tat nichts aktiv dazu, außer, dass ich ihn spüren ließ, dass ich mich für ihn interessiere. Er fing an mit Sport, renovierte die Bude, damit ich einen guten Eindruck bekomme, kaufte sich neue Kleidung, interessierte sich dafür, was mich interessiert. Er ist sehr reflektiert und gleichzeitig ein Macher, nur hatte er vergessen, etwas aus SICH zu machen. Wir kennen uns nun 4 Monate und leben eine sehr schöne, langsame, behutsame Annäherung, getragen von großem Respekt und zärtlichen Gefühlen füreinander.

Auch ich hatte unterschwellig ein komisches Gefühl, ich befürchtete, er könnte mir die Luft nehmen, aber er war nicht aufdringlich. Er hat sich den Tritt in den Hintern sozusagen selbst gegeben, das rechne ich ihm hoch an. Er hat mein Mitgefühl, aber auch meine Bewunderung. Er liebt mich, und meine Gefühle für Ihn werden mit jedem Tag stärker. Dieser Mensch entpuppt sich als Juwel, und ich möchte ihn nicht mehr loslassen.

Lass Deine Gefühle zu, genieße sie, bestärke ihn indirekt und vielleicht auch mit Worten in dem, was er aus sich macht.

Alles Gute!

w/42
 
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  • #5
Ich denke Mitgefühl mit dem Partner zu haben ist ok. Anderst wäre wenn jemand aus Mitleid eine Beziehung eingehen würde.
 
  • #6
Mitgefühl ist nicht die Basis einer Beziehung. Wenn du nichts anderes für ihn empfindest, dann reicht das nicht. Ansonsten finde ich Mitgefühl eine Selbstverständlichkeit in einer Beziehung. Hier lese ich aber kaum Liebe und Begehren aus den Zeilen. Warum bist du denn mit ihm zusammen? Das ist doch die Gretchenfrage
 
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  • #7
Ich glaube nicht, dass Mitgefühl ein Problem ist, sondern die Frage, ob dein Freund einfach nur eine schlechte Phase hatte, oder tatsächlich eine ernstzunehmende Depression (nicht nur mal faul und schlecht drauf sein, sondern wirklich eine Depression). Denn wenn das so sein sollte, glaube ich, dass es durchaus Phasen des Aufschwungs geben kann, aber evlt flauen die wieder ab und er sinkt wieder zurück in sein Tief. Nur er alleine kann da herauskommen, falls er es kann.
Auch wenn du ihm Impulse gibst, das mag alles sein. Aber irgendwann reicht das vielleicht nicht mehr. Er selbst muss aus seinem Tief rauskommen. Das erinnert mich alles sehr an meinen Ex-Freund, aber von so einem kurzen Beitrag natürlich immer schwer zu sagen. Er hat durch mich begonnen an eine Zukunft zu denken, Pläne zu machen für sein Leben, wieder am Leben teilgenommen, das Leben wieder bejaht. Dann kam der Abschwung. Ich weiß nicht, ob er wirklich Depressionen hat, könnte es mir aber vorstellen. Und wenn dein Freund so ein Fall wäre, sei vorsichtig. Es ist schön, jemanden "zurück ins Leben" zu begleiten, aber es gelingt nicht immer - die betreffende Person selbst ist letztendlich dafür verantwortlich.
 
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  • #8
Ich denke, dass du in ihm den guten Kern gesehen hast und bereit bist ihn zu lieben, das spürt er und findet neue Energie für Dinge die er vielleicht tun wollte, aber den Anstoss nicht finden konnte.
Ich finde nichts falsch daran.
Und dein Mitgefühl - ist doch schön, du hast Herz. Wie es sich entwickelt wirst du merken.
 
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  • #9
Ich würde unterscheiden zwischen Mitgefühl und Mitleid. Ich denke, Mitgefühl haben in einer Beziehung ist normal und schön. Mitgefühl nimmt Anteil am Menschen. Es ist sehr förderlich. Mitleid ist dagegen nicht gut. Man "leidet" mit. Wie das Wort schon sagt: Leiden. Wenn Du Mitleid empfindest für ihn, wird Dir das auf Dauer nicht gut tun und der Beziehung auch nicht. Mitleid schadet auf die Dauer und hilft dem Menschen nicht weiter in seiner Situation.
 
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