• #31
Für mich ist die Aussprache, der Dialekt und die Stimme ein sehr großes Attraktivitätsmerkmal! Kurzes Bespiel dazu, wie ich jemanden traf, der so gar nicht in mein "Beuteschema" passte:

Ich stand an der Uni im Labor im Schwefeldunst, und das einzig Angenehme war die Stimme von weiter her, einfach sehr melodisch, klares Deutsch und irgendwann dachte ich nur: "Diese Stimme hört sich an wie von einem Schauspieler oder Hörbuch-Vorleser!" Es war richtig attraktiv. Irgendwann stand diese Stimme neben mir und fragte mich, ob ich das Wasserstoffperoxid hätte. Da war`s um mich geschehen!

British English finde ich auch wunderbar und sehr attraktiv, auch wenn es hier um deutsche Dialekte geht. Ich selbst spreche ein sehr klares Hochdeutsch, was man mir auch immer wieder sagt, und das obwohl ich ursprünglich aus Sachsen-Anhalt komme. Die Leute können es mir immer nicht ganz glauben! Folglich gefällt mir der Dialekt von Zuhause natürlich auch und ich finde es irgendwie süß, wenn dann in der Familie Worte ausgepackt werden, die ich schon fast vergessen habe. Als zum Beispiel unser Wellensittich, der ein Kneifer ist, neulich als "Oller Kreeepel" bezeichnet wurde, musste ich schon sehr lachen!

Dialekte an sich würde ich nicht als attraktiv oder unattraktiv einstufen, eher so etwas wie Straßenslang und schlechten Wortschatz.

w(28)
 
  • #32
Die Art, wie ein Mann spricht - Stimme, Artikulation, Wortwahl - hat großen Einfluss darauf, ob ich ihn attraktiv finde oder nicht. Ich gebe zu, dass ich da auch recht pingelig bin. Bei der Sprache braucht es wirklich nur Kleinigkeiten, um mich abzutörnen.

Was jetzt speziell Dialekte angeht - ich würde nicht soweit gehen, da irgendwas als absolutes und unverrückbares NoGo anzusehen. Aber es gibt Dialekte, die für mich tatsächlich so unästhetisch klingen, dass ich mir schwer vorstellen könnte, mich in einen Mann zu verlieben, der so spricht. Allen voran Bayrisch und Schweizerisch.

Andere süddeutsche Dialekte wie z.B. Schwäbisch klingen für mich nicht so unschön, aber irgendwie ein bisschen ...nun ja, lächerlich. Ich empfinde Männer mit solchen Dialekten als liebenswerte, aber nicht ganz ernstzunehmende Hinterwäldler. Klingt sicher arrogant, aber ich kann ja nichts für meine Gefühle.

Aber ein schwäbischer Liebhaber, der mir Berlinerin sagt, das er jetzt "Luscht" auf mich hat, bringt mich auch ein wenig zum Schmunzeln...

Genau die Situation hatte ich mal und die Aussprache war für mich tatsächlich ein Erotikkiller.

Sächsisch ist ein Kapitel für sich. In ausgeprägter Form ebenfalls bestenfalls belustigend, aber eine dezente dialektale Färbung in die Richtung empfinde ich als äußerst charmant und liebenswert.

Mir wurde mal gesagt, ich würde reinstes Hochdeutsch sprechen, was eigentlich keinen Sinn macht. Als Kind hatte ich auf jeden Fall eine deutlich wahrnehmbare dialektale Färbung, wie alte Videoaufnahmen dokumentieren. Es würde mich aber freuen, wenn man mir nicht sofort anhört, wo ich herkomme. Den Dialekt, den die Leute in meiner Heimat sprechen, mag ich überhaupt nicht; vermutlich, weil ich ihn mit unschönen sozialen Erfahrungen meiner Jugend assoziiere. Wenn ich nur diese langgezogene Aussprache höre, sehe ich sofort die tumben Dorfkids von früher vor mir, die sich rauchend und biertrinkend in der örtlichen Bushaltestelle verschanzten und alles anpöbelten, was nicht in ihr enges Weltbild passte.

Ich denke, das lässt sich letztlich auf alle ausgeprägten Dialekte übertragen: sie törnen mich ab, weil ich sie mit dörflicher Enge und provinzieller Beschränktheit in Verbindung bringe.

Jede Region hat ihre Dialekte, auch um Hannover herum: da heißt ein Tisch "Tüsch", Fisch heißt "Füsch", Zug heißt "Zuch", Hannover heißt "Hannova"

Bis auf "Zug" --> "Zuch" entspricht das im Prinzip der deutschen Standardlautung ("g" --> "ch" gilt nur nach "i", wie z.B. in "Honig" oder "König") . Aber der Witz ist natürlich, dass "Hochdeutsch" letztlich auch nur ein Dialekt ist, der irgendwann zum Standard erklärt wurde. Insofern hast du auch wieder recht.
 
  • #33
Ich habe vor kurzem die Erfahrung machen müssen, dass ich nach sehr anregenden Mails mit wunderbarem Gedankenaustausch in exzellentem Schriftdeutsch beim ersten Telefonat ein Ur-Berlinerisch hörte, dass mir beinahe die Ohren absprangen (und das, obwohl ich zehn Jahe in Berlin gelebt hatte). Ich konnte mir beim besten Willen - auch die Fotos waren sehr ansprechend - keine sinnlichen Momente mehr vorstellen.
Meine Reaktion am Ende (mit Bedauern):
Det ginge, aber det jeht nich!
Mir ist Sprache sehr wichtig; ich brauche ein einigermaßen kultiviertes Hochdeutsch, um mich in der Gegenwart eines anderen wohl zu fühlen, wobei ein akzentuierter Einsatz von Akzent dazu gehören darf.
 
  • #34
Hochdeutsch zu sprechen ist ja keine "1" oder "0" Entscheidung, bzw. Fähigkeit!

Eine kultivierte Person sollte natürlich einen großen hochdeutschen Wortschatz haben und diesen in korrekter Grammatik anwenden können. Die Normalphonetik der gebildeten Worte und Sätze sollte zweifelsfrei erkennbar und dadurch, für jeden anderen hochdeutsch verstehenden Menschen, verständlich sein.

ABER! Reste der Intonation und Akzentuierung einer Mundart dürfen für mich durchaus erkennbar sein! Ungefähr so, wie man bei einer Fremdsprache immer heraushören kann, dass ich Deutscher bin. Mir ist dabei vollkommen egal, welcher Dialekt, oder welche Mundart es ist, die dem (100% flüssigen) Hochdeusch leicht unterlegt ist. (ich mag auch Sächsisch, Bayrisch und Schwäbisch)

Ich finde es umgekehrt viel erschreckender, wenn Menschen den Dialekt bzw. die Mundart, der Region ihrer Herkunft, nicht (auch, neben Hochdeutsch) flüssig sprechen können um sich mit alten Leuten, oder auf dem Lande, oder mit einfacher Bevölkerung, so zu unterhalten, dass diese die Person als ihresgleichen akzeptieren. Das ist so schlimm, wie junge Türken in D, die kein gutes Türkisch mehr können, sondern nur noch sowas, wie Feridun Zaimoglu in seinem Buch "Kanak Sprak" beschrieb.

Auch Menschen ohne fließend gesprochenen Dialekt, oder Mundart, ihrer Herkunft, sind Menschen ohne Kultur und Geschichte!

V.m46

PS: Ich selber spreche neben Hochdeutsch (mit norddeutschem Akzent) fließend ostfriesisches Platt und auch in Näherung die Platt-Varianten des Oldenburger Raums und des Elbe-Weser Dreiecks, bis in den Hamburger Raum.
 
  • #35
Ich bin vom Niederrhein, habe aber als Kind 5 Jahre in Hamburg gelebt. Keinen Dialekt spreche ich wirklich und Aussenstehende, vermissen bei mir eher den heimischen Singsang.
Das ein für mich völlig normaler Superlativ ( weil täglich gehört) wie: zumindestens, Einzigste oder der Einzigste överhaupt...grammatikalisch völlig falsch ist, musste ich trotzdem lernen.
Für mich ist Dialekt erstmal wie die Stimme eines Menschen: ich empfinde es als schön oder nicht.
Das passiert ohne darüber nachzudenken.
Ich persönlich überlege ob ich nicht unserern Dialekt hier, mal richtig lernen soll, dass ist weit weg von Bildungsfrei.

Ein Problem habe ich mit...Hochdeutsch mit bösen Streifen.
Beispiel: ein richtiger Rheinländer hat im Dialekt auch eine eigene Grammatik. Dann passt es auch, weil es eine eigene Sprache ist.
Stell Dich ens für....
Stell Dir einmal vor...
Beides ok!
Stell Dich einmal vor...
Ist dann keine Vorstellung der Person, sondern für mich fast schmerzhaft.
Und das ist in meinen Augen auch kein Dialekt.
 
  • #36
Das liegt eventuell auch am TV und den Serien wie Rosenheim Cops + Der Bulle von Tölz.
Bei mir nicht, weil ich beides nicht gucke. Ich mag es einfach.

Wenn der Mensch mir gefällt und so einen leichten Slang hat, passt es zusammen, von daher ist dem glatten Hochdeutsch schon irgendwas genommen an Charme, weil es so neutralisiert klingt. Es kann auch sehr verbinden, wenn man beim anderen zwischen dem Hochdeutsch so ein Wort aus dem Dialekt hören kann.
 
  • #38
Ich komme aus dem Süden und bin in einem ausgeprägten Dialektumfeld aufgewachsen. Ich selber beherrsche und liebe meinen Dialekt, kann aber auch hochdeutsch, wenn auch mit regionaler Färbung.
Dialekte sind ja mehr als nur Varietäten einer Sprache, sie sind auch Träger von Geschichte und Kultur, sie sind die eigentliche Sprache, der Standard ist willkürlich festgelegt. Es sind auch eher kulturelle Assoziationen, die gewisse Dialekte (v.a. sächsisch und schwäbisch) als unattraktiv erscheinen lassen. Dasselbe gilt aber auch für das Hochdeutsche. Auf Menschen aus unserer Region wirken Hochdeutschsprecher schnell unterkühlt und arrogant, auf jeden Fall das Gegenteil von Lebensfreude.
Jetzt wohne ich in einer anderen Region mit ausgeprägtem Dialekt und bin noch dazu mit einer Hochdeutschsprecherin (die süddeutsche Variante davon, also nicht ganz so schlimm ;-)) verheiratet. Leider habe ich nicht mehr so viele Gelegenheiten, meinen eigenen Dialekt zu pflegen, mich würde schlicht niemand mehr verstehen, genieße es dafür aber um so mehr, wenn ich es kann, denn er ist eben für mich mit regionaler Identität, Kultur und meiner Herkunft verbunden.
Es ist natürlich verständlich, wenn man Menschen wegen ihrer Sprache, sei es ein Dialekt oder Hochdeutsch, mehr oder weniger erotisch finden. Aber vielleicht sollte man sich da auch selbst ein wenig hinterfragen und seine Partnerwahl von etwas wichtigeren Kriterien abhängig machen.

Ach ja, das hannoversche Hochdeutsch ist streng genommen kein Dialekt, es ist entstanden, als plattdeutsche Sprecher versucht haben, das Sächsisch Luthers nachzuahmen, also ein oberdeutscher Dialekt mit niederdeutschem Substrat. Dass es als Standardaussprache angesehen wird, ist erst eine Entwicklung des 20. Jahrhunderts.
 
P

proudwoman

  • #39
Ich bin Berlinerin mit nur leichter Klangfärbung, mein Ex ist Freiburger, gab sich aber große Mühe, sich für mich verständlich auszudrücken, was ihm auch gelang. Ich mochte das bei ihm sehr, denn er hatte eine gute dunkle Stimme..war alles okay.
Ich mag auch die Hessen sehr, denn das erinnert mich an meine Kinder- und Jugendzeit, die ich in der Gegend von Frankfurt/Main..Offenbach/Main verbracht habe.
 
  • #40
Ich mag auch die Hessen sehr, denn das erinnert mich an meine Kinder- und Jugendzeit, die ich in der Gegend von Frankfurt/Main..Offenbach/Main verbracht habe.
Genau, das ist eben die positive Assoziation.
Ich mag Hessisch nicht so gern, weil ich immer noch meine Zeit hier verbringe und damit der Aspekt 'Kindheitserinnerung' wegfällt.

Es sind auch eher kulturelle Assoziationen, die gewisse Dialekte (v.a. sächsisch und schwäbisch) als unattraktiv erscheinen lassen. .
Genau, das wirkt auch in die andere Richtung.
Ich finde ( das dresdner ) Sächsisch einfach wunderschön, weil ich dort eine Weile sehr glücklich war.
Und für mich persönlich steht Bayrisch ganz hinten, weil ich das mit einer gewissen Überheblichkeit, der irrigen Annahme, besser zu sein als alle anderen, die nicht im Freistaat ( allein das schon ! ) geboren sind, verbinde.
Der für mich nicht nachvollziehbare Stolz auf diese Herkunft, der ebenso mit dem Frönen rustikalen Brauchtums, wie es das sonst in keiner anderen Gegend Deutschlands gibt, ihr Ventil findet, stößt mich ab, so dass mich eben als weiteres markantes Merkmal der Dialekt rein assoziativ abstößt.

Ich mache aber ungerechtfertigterweise einen Unterschied, ob eine junge schöne Frau diesen Dialekt spricht, oder ein alter Mann ohne Hals im Lodenjanker ( ihr erkennt, wessen Bild sich mir bei Bayern aufdrängt ? ).
Alte Männer ohne Hals gibt es sicher auch in anderen Bundesländern, es ist eben eine Assoziation.

w 49
 
  • #41
Ich bin keine Nachrichtensprecherin der ARD und ich will auch keinen Nachrichtensprecher ARD.

Tatsächlich reines Hochdeutsch sprechen die wenigsten von uns. Wer das selbst von sich denkt, aber kein ausgebildeter Sprecher ist, täuscht sich sehr. Und, nein, ein Hesse oder Berliner spricht nicht hochdeutsch, auch hier hört man die regionale Färbung. Eine Klangfärbung ist IMMER zu hören, außer bei Menschen um Hannover (weil deren "Dialekt" nun unser hochdeutsch ist.).

Es gibt Dialekte, die sich schöner (Bairisch) oder hässlicher (Schwäbisch) für mich anhören. Der Dialekt aus meiner Heimat fühlt sich für mich nach Heimat an.
Mir ist wichtig, dass schön mit Sprache umgegangen wird. Mich stoßen Schimpfwörter - egal in welchem Dialekt - ab.

Wie einer meiner Vorschreiber auch schon gemeint hat, ja, Dialekt wird auch von gebildeten Menschen und der "Lokalprominenz" gesprochen. Nach meinen Erfahrungen aber dann richtiger Dialekt mit entsprechenden dialekt-typischen Redewendungen, Dialekt mit Konjunktivverwendung und Dialektwörtern.

Was Außenstehende dann oft nicht verstehen, ist, dass in diesem Fall die Sprache (nämlich Dialekt sprechen) als Erkennungszeichen einer exklusiven Gruppe verwendet wird.
Diese Gruppe verwendet den Dialekt mit stolz als Zeichen dafür, dass sie seit Generationen in dieser Region erfolgreich fest verwurzelt sind.
 
  • #42
Automatisch hatte ich ein angenehmes nordisch angelegtes Hochdeutsch und einen deftigen süddeutschen Dialekt im Kopf und bekam unwillkürlich Gänsehaut.
Ich persönlich finde deutliche Dialekte zutiefst unerotisch

Bei deftigem süddeutschen Dialekt (aber auch allen anderen stark ausgeprägten Dialekten) könnte bei mir ebenfalls nicht der Hauch von Erotik entstehen, weil ich wegen der verqueren Grammatik die mit diesen Dialekten einhergeht, Bildungsferne assoziiere und somit keine Partneroption.
Mein Tarummann spricht tadelloses Hochdeutsch, obwohl er gebürtiger Hesse ist - muss er schon aus beruflichen Gründen, weil seine (Privat-)patienten aus allen Regionen in Deutschland kommen. Darüber hinaus hält er Fachvorträge und es ist ihm wichtig verstanden zu werden. Allein wegen des Honorars würde er das nicht machen.

Seine Familie lebt in Hessen und im Allgäu. Niemand in der Familie spricht einen störenden Dialekt, die meisten reines Hochdeutsch, einige mit Klangfärbung, dass klar ist - süddeutscher Raum. Das gilt auch für den gesamten Freundeskreis, alles Menschen, die Berufe haben, in denen sie viel mit Menschen sprechen müssen. In dem Umfeld habe ich mkeine Verständigungsprobleme.

Ich finde stark ausgeprägte Dialekte nicht nur unerotisch, sondern sie beeinträchtigen überregionales Miteinander. Beruflich arbeite ich in einem Umfeld, in dem zunehmend Menschen arbeiten, für die Deutsch eine Fremdsprache ist. Sie sind aus der Kommunikation ausgeschlossen, wenn jeder in seinem breitesten Heimatdialekt losbabbelt.
Ich habe keinerlei Probleme Unternehmensberater aus der Region Frankfurt mehrfach in einem Meeting zur Freude meiner Kollegen darauf hinzuweisen, dass ich nur Hochdeutsch verstehe und wenn er von mir Input erwartet, sollte er darauf achten, dass ich ihn verstehe. Ich habe auch keine Probleme damit, eine offensichtlich an mich in breitem Dialekt gestellte Frage nicht zu beantworten sondern so zu tun, als hätte ich garnicht wahrgenommen, dass mit mir geredet wird (abgeschaltet, weil die Insider miteinander in einer mir unbekannten Fremdsprache reden).

In meiner zukünftigen Heimat habe ich teilweise Verständigungsprobleme. Glücklicherweise ist es ein stark frequentierter Kurort, in dem sich viele Dienstleister um regionenübergreifende Verständigung bemühen. Andernfalls fahre ich zum Einkaufen, Friseur, Kosmetikerin etc. runter zum touristisch geprägten Bodensee, wo sich Dienstleister verstärkt in Hochdeutsch versuchen. Vermutlich werde ich mich bei dauerhaften Aufenthalt auch etwas an die Sprache gewöhnen und mehr verstehen - sprechen will ich so auf gar keinen Fall.
 
  • #43
Bei deftigem süddeutschen Dialekt (aber auch allen anderen stark ausgeprägten Dialekten) könnte bei mir ebenfalls nicht der Hauch von Erotik entstehen, weil ich wegen der verqueren Grammatik die mit diesen Dialekten einhergeht, Bildungsferne assoziiere...

- sprechen will ich so auf gar keinen Fall.

Sprechen, liebe Vikky, wirst du so oder so nie in einem richtigen Dialekt können, weil du es nicht von grundauf erlernt hast. Ein paar bestimmte Sachen wie "Ham Sie das gesehen... Ich mag ned...) kann man sich aneignen, aber der gebürtige Dialektsprecher wird das immer bemerken. Ihr Preißn kriagts des einfach ned richtig hi.

Also, ich denke auch, dass ich Hochdeutsch ganz vernünftig hinbekomme, zumindest versteht mich bis dato jeder recht gut.

Den eigenen Dialekt versuchen vollständig abzuschalten, erachte ich fast als Hochverrat. Wir sollten doch stolz darauf sein, dass wir gewissermaßen mehrsprachig sind.


Mein Partner kommt aus dem hannoverschen Raum, spricht also "reines Hochdeutsch", er wohnt seit etlichen Jahren in der bayerischen Landeshauptstadt, ich komm vom Land, bin also purer Dialekt - anfangs musste ich Hochdeutsch mit ihm sprechen, jetzt, nach knapp 2 Jahren, geht's auch auf bayerisch, zum Teil, liebe @Vikky, je nach Umgebung, versucht er sich auch auf bayerisch auszudrücken.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #44
Dialekt spielt bei mir eher eine untergeordnete Rolle. Aber da der erste Eindruck bzw. dass erste Gespäch zählt, sind mir manche Dialekte sympathischer oder auch unsympathischer. Während für mich reines Hochdeutsch eher nicht so sympathisch klingt, finde ich bayrisch dagegen geradezu erotisch.
 
  • #45
Verschiedene Dialekte, und hier insbesondere solche aus Ost- und Süddeutschland, finde auch ich nicht sonderlich ansprechend. Trotzdem wären sie natürlich kein absolutes Ausschlusskriterium bei der Partnersuche.

Was mich da mehr stört als der Dialekt an sich, ist die mittels Sprache gepflegte Aus- und Abgrenzungsmentalität mancher Regionalpatrioten. Dieses vollkommen unbegründete Überlegenheitsgefühl, welches ich insb. bei Bayern und Berlinern feststellen musste, empfinde ich als höchst unsympathisch.
 
  • #46
Ich finde ( das dresdner ) Sächsisch einfach wunderschön, weil ich dort eine Weile sehr glücklich war.

Und für mich persönlich steht Bayrisch ganz hinten, weil ich das mit [...] der irrigen Annahme, besser zu sein als alle anderen, die nicht im Freistaat ( allein das schon ! ) geboren sind, verbinde.

Danke, sehr schön wie du das schreibst, denn es illustriert genau was ich sage. Auch Sachsen nennt sich Freistaat. Trotzdem ist es bei dir positiv konnotiert, wohingegen der Begriff in Bezug auf Bayern bei dir negativ belegt ist. Alles eben eine Frage kultureller Prägung, man muss sich das nur bewusst machen.

Übrigens, etwas OT, aber als Bayer (Franke) kann ich dir sagen, dass es mir manchmal leid tut, nach außen hin so wahrgenommen zu werden, denn eigentlich hat es gar nichts mit Arroganz ggü. dem Rest der Republik zu tun. Bayern hat nunmal auf Grund seiner Geschichte seit dem Kaiserreich eine Sonderrolle in Deutschland und die angebliche bayerische Überheblichkeit ist genau genommen das Ergebnis eines Minderwertigkeitskomplexes gegenüber dem lange Zeit viel fortschrittlicheren Norddeutschland. In Bayern werden deshalb andersherum Norddeutsche (v.a. Berliner und Hanseaten) oft als arrogant wahrgenommen, man sah sich durch die frühere Dominanz Norddeutschlands bedroht, und deswegen auch das manchmal etwas übertrieben zur Schau gestellte Beharren auf der kulturellen und eben auch sprachlichen Eigenständigkeit. Der Dialekt war der Schutz vor dem Verlust der Identität (im Übrigen ganz ähnlich innerhalb Bayerns zwischen Franken und Altbayern).
 
  • #47
weil ich wegen der verqueren Grammatik die mit diesen Dialekten einhergeht, Bildungsferne assoziiere
Dabei trifft das genaue Gegenteil zu, denn die Grammatik der Dialekte ist ja nicht ganz ohne („meiner Schwester ihrem Freund sein Auto”), im Bezug darauf sind Dialektsprecher – natürlich nur, wenn sie auch das Hochdeutsche beherrschen – im Grunde genommen zweisprachig. Als wohltuend empfinde ich auch die Kürze der Ausdrücke, wie sie sich zum Beispiel im fränkischen „a weng weng” (ein bißchen wenig) offenbart. Vor diesem Hintergrund ist für mich eine leichte Färbung, die die regionalen Wurzeln des Sprechers oder der Sprecherin durchscheinen läßt, durchaus ein Aspekt, der Sympathie wecken kann.
 
  • #48
Wer mit einer fränkischen Grammatik aufgewachsen ist, und danach den Genitiv sicher beherrscht, kann so bildungsfern nicht sein ;-).
Mal als Anmerkung von einer gebürtigen "Mee-Spetzerin", die sich inzwischen auch mit den Allgäuer und Oberbayrischen Dialekten auseinandersetzen darf. Und der diversen anderen der sonstigen Zuag'reisten.

"A weng weng" hat übrigens als Begriff gerade eine Auszeichnung bekommen aufgrund der phonetischen Schönheit und der kurzen und knappen Formulierung.

Und meinem jüngeren Sohn ist es dafür ziemlich peinlich, wenn ich mal wieder Bärch u.ä. sage.

Eigentlich empfinde ich es als eine spannende Herausforderung, das Hochdeutsche Vokabular um diverses Dialektvokabular zu erweitern - und das ist bedeutend vielseitiger als nur zu wissen was Paradeiser, Grumbern oder Broiler sind.
 
  • #49
Also "a weng weng" wird auch in der Gegend, in der ich inzwischen lebe gesagt.
Das hat aber mit einer Einfärbung nichts mehr zu tun, das ist purer Dialekt.
Zudem begegnen mir in Dialektstarken Gegenden wenig Menschen, welche auch die Hochsprache beherrschen.
Unter einer leichten Färbung verstehe ich z.B., dass man die Sprachmelodie, oder die Konsonantenhärte des Dialektraumes etwas einfließen lässt. Bei klaren Vokalen, korrekter Grammatik und ohne dialektspezifische Füllworte.

Wie gesagt, bei Freunden, Bekannten, Fremden alles kein Problem bis liebenswert (ausser bayrisch vielleicht)
Aber wenn ein Mann nicht anders KANN als Mundart, törnt mich dies schon ab.
 
  • #50
Es kommt am Rand der Tanzfläche zum Gespräch. Und er beendet jeden Satz mit einem langgezogenen "weischt". Da ging nichts mehr.... Oder Ex-Schwiegervater, der jeden, ja jeden Satz mit "hömma" startete. Ich kann gar nicht sagen, wie anstrengend ich das finde. Als bilde sich ein permanentes Echo im Kopf.

Das mit dem Echo kann ich bestätigen. Ist fast wie ein Trauma. Man wird es nicht mehr los im Kopf. Auch ich dachte anfangs, mein Freund aus dem Badischen hat einen Sprachfehler... Bis ich merkte, dass dieser Sprachfehler um sich gegriffen hatte... Die hatten den alle!
Trotzdem ist es eine Frage der Gewöhnung, denn es legt sich mit der Zeit - wie mit allem ;-) Entweder babbelt man irgendwann selbst so herum, oder man wechselt die Gegend (bzw. den Partner).
Ich hatte aber auch Begegnungen, wo ich den anderen Dialekt echt süß fand... irgendwie reizvoll. Das war dann entweder bayerisch oder deutsch mit Akzent.
 
  • #51
Höchst interessant - ich lese mit einem Schmunzeln.
Und denke daran, dass man heute ja zig Sprachen beherrschen muss. Viele Berufe haben ihre eigene Sprache, damit die Kompetenz besser vorgetäuscht werden kann.
Ich erinnere mich an einen Texaner - dessen englisch war wohl für einen eingeborenen Engländer so verständlich wie mein schwäbisch. Italiener sprechen auch nicht alle wirklich italienisch. Und in der Schweiz und in Bayern wird "Honoratiorenschwäbisch" besser verstanden als hochdeutsch. Und den Bayrischtest (Oachkatzlschwoaf) musste ich beruflich auch schon ablegen.
In einem Kochforum musste ich lernen, was eine Bemme ist - und wurde gefragt, was ich denn für einen Magen habe ( ich hab 'nen LKW gegessen - einen Leberkäsweck).
Die Anglizismen haben Einzug gehalten - davor gabs lateinische und französische Einflüsse. "Kanaksprak" ist ein fürchterlich verhunztes Deutsch.
Irgendwie muss der Dialekt zur Stimmlage passen. Dann kanns sexy klingen, dass man nur jedes 5. Wort versteht. Und ja, das wird besser, je öfter man das ganze hört.
 
  • #52
Und wenn die Gute
im Urlaub dann schnurrt,
auf der Matratza ...
des wär' a Skandale,
trotz chicer Sandale ...

Kann er auch kein Hochdeutsch
nur niedere Triebe ...
schon kommt die Liebe!
Gestöhne im Duett
... klingt in jeder Spache nett.
 
  • #53
Als wohltuend empfinde ich auch die Kürze der Ausdrücke, wie sie sich zum Beispiel im fränkischen „a weng weng” (ein bißchen wenig) offenbart. Vor diesem Hintergrund ist für mich eine leichte Färbung, die die regionalen Wurzeln des Sprechers oder der Sprecherin durchscheinen läßt, durchaus ein Aspekt, der Sympathie wecken kann.

Diese Sympathie empfinde ich auch ;-)
Von einem Dialekt lässt sich meist auf die Herkunft schließen, somit gehört er zu der Person.

Bei mir würde man vergeblich raten, aus welchem Bundesland ich komme, denn für eine Sprecherin bei einem öffentlich-rechtlichen Sender ist Dialektfärbung ein absolutes no go. Da ich jedoch von Kind an hochdeutsch gesprochen habe, war dies schon vor meiner Sprecherziehung kein Thema.

Ich kannte jemanden aus München, der ständig ins Bayrische verfiel und dabei trotzdem sehr sexy war, weil seine tolle Stimme seinen Akzent mehr als wett machte.

Das Fränkische finde ich besonders süß. Ein Bekannter aus
Schwabach, der mit mir immer hochdeutsch redete, verfiel nur ins Fränkische, wenn er sich über etwas ärgerte, so dass ich ihn hin und wieder provozierte, nur damit er fränkisch sprach ;-)

Für mich ist eine angenehme Stimme wichtiger, als ob jemand Dialekt spricht. Und das sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Jemanden mit einer unangenehmen Stimme könnte ich auf Dauer nicht in meiner Nähe haben.
 
  • #54
Ich komm aus Westösterreich so vorweg, wohne aber woanders. Für mich haben Leute die einen ähnlichen Dialekt, wie ich sprechen sofort Sympathiepunkte- da ist sofort eine ganz andere Vertrauensbasis da.

Ich glaub, welche Dialekte "sexy" sind, kommt ganz drauf an wo man aufwächst: Für mich ist dieses harte Hochdeutsch das Unattraktivste, nur übertroffen vom Englischakzent eines hochdeutsch sprechenden Deutschen, und ein Mann der gar keinen Dialekt spricht müsste das mit einem oberspitzenmäßigen Charakter ausgleichen (ist auch schon passiert). Dialekt ist Identität.
 
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