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Lena_34

Gast
  • #1

Wenn die Schmetterlinge wegfliegen...

Hallo zusammen!

Ich habe eine Frage, die mir schon länger unter den Nägeln brennt. Aktuell inspiriert hat mich der Nachbarthread "Konflikt zwischen Ehe und neuer Verliebtheit". Solche Fragen werden hier mit schöner Regelmäßigkeit eingestellt (à la "Ich führe eine tolle Beziehung, nur der Pepp fehlt .... macht sie noch Sinn?"). Die Antworten sind auch immer die gleichen: Der unzufriedene Part ist selber daran schuld, weil er die Beziehung hat schleifen lassen, er muss sich nun bemühen, damit wieder Pepp in die Beziehung kommt, soll das schätzen, was er in der Beziehung Gutes hat (z.B. Stabilität), soll zu seinem Eheversprechen stehen und Durststrecken ertragen.

Meine Fragen an euch:

Ist es jemandem hier gelungen, eine langjährige Ehe/Beziehung (evtl. mit Haus, Kindern und allem drum und dran) zu führen, in der das Kribbeln nie weg war?

Ist es jemandem gelungen, eine eingeschlafene Beziehung dauerhaft aufzuwecken?

Und last but not least: Diejenigen, die sich damit abgefunden haben, dass das Kribbeln in jeder Beziehung irgendwann weg ist und die Werte wie Stabilität und Vertrautheit zu schätzen wissen und das Kribbeln nicht outsourcen - wie geht es euch damit, dass ihr das Kribbeln nie wieder empfindet werdet, dass ihr nie wieder begehren oder begehrt werden werdet?
 
  • #2
wie geht es euch damit, dass ihr das Kribbeln nie wieder empfindet werdet, dass ihr nie wieder begehren oder begehrt werden werdet?
Ich könnte und wollte mit so einer Situation nicht leben wollen, das Leben ist mir zu kostbar dafür. Punkt.
Ich weiß jedoch, dass viele Menschen resignieren und sich damit abfinden werden, nur der Bequemlichkeit und dem Zweck gegenüber. Wenn die Schmetterlinge weg fliegen, so fliege ich gleichzeitig mit, sitze also nicht ab! Heirat kommt und käme für mich auch und gerade deshalb nicht in Frage, Scheidung ist teurer, als die Steuerersparnis.
 
  • #3
Hi Lena,

ich kann mit der Schmetterlingsgeschichte, analog den Bienchen, wenig anfangen.

Klar ist es schön, dass Kribbeln am Anfang, aber eben so spannend, schön und erfüllend finde ich das Gefühl in jedweder Hinsicht angenommen und bei jemanden angekommen zu sein. Dieses innige Gefühl trägt auch den Sex und der war nie langweilig oder eintönig, nicht einmal in 26 Jahren und auch heute wieder nicht. Das mag auch daran liegen, dass ich das Kleine, die Nuancen, die Feinheiten, jedes gelebte Zeichen liebe.

Noch heute, trotz aller Täler, verstehen wir uns wortlos und ich bin regelmäßig seltsam erschrocken, ob dieser Erkenntnis.

PS: Dies sagt im Übrigen auch meine Freundin (von mir/über mich).
Sollte ich mir da ernsthafte Gedanken machen? :D
 
  • #4
Liebe Lena,
"wenn die Schmetterlinge wegfliegen..." ist eine Ehe oder Beziehung für mich gescheitert und das mit dem wieder aufwecken ist so eine Sache....
Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, fühle und handele zuerst mit meinem Herzen und dann mit dem Verstand. Trotzdem stehe ich mitten im Leben.
Einen Mann nie wieder begehren oder niemals wieder von ihm begehrt zu werden, würde mir die Luft zum Atmen nehmen.
Seine körperliche Nähe nicht mehr zu spüren, ein Kuss mal so im Vorübergehen, unsere Gedanken, die oft im selben Moment die gleichen sind, unser vertrautes Lachen über etwas, was andere kaum verstehen, dieses Kribbeln im Bauch wenn er mich ansieht.....wenn ich auf all das verzichten müsste, würde mein Herz zerbrechen und meine Liebe irgendwann sterben.
Stabilität in einer Partnerschaft ist wichtig, nur deshalb auf alle anderen Gefühle zu verzichten und Durststrecken zu ertragen, weil ich mal ein Eheversprechen gegeben habe, ist für mich persönlich nicht machbar.

Ich habe mich einmal scheiden lassen, weil dieses Einschlafen der Ehe zu einem Dauerschlaf geworden war und ich es nicht mehr ertragen konnte.

Danach habe ich nach langer Zeit wieder geheiratet. Einen Mann der 7 Jahre jünger war als ich und genau dieses Kribbeln im Bauch und diese Spontanität vermisste, bevor er mich kennen lernte.
Wir hatten eine tolle Ehe. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals im Leben so glücklich gewesen zu sein.
Leider ist er sehr krank geworden.

Ich lebe nun alleine, bin 50+ , aber diesen Wunsch nach den bunten Schmetterlingen im Bauch , den werde ich mit 80 wahrscheinlich immer noch in mir tragen.

LG
Santosha
 
  • #5
Eine ähnliche Frage wollte ich auch schon stellen, da mir ebenfalls die Häufigkeit dieses Themas hier bewusst wurde. Für mich als Frau Mitte 20 für die heiraten usw. in absehbarer Zeit ein Thema sein wird, ist noch unklar ob ich in jugendlicher Naivität feststecke oder eine lebenslange Beziehung doch möglich ist.

Es gibt da so Gedanken die ich schon immer mit mir herumtrage. Ich bin Scheidungskind, meine Eltern waren ein Paar seit sie Teenies waren und heirateten Ende 20. Seit ich denken kann gab es nur Streit, die beiden waren absolute Gegensätze und so ging die Ehe nach etwa 10 Jahren in die Brüche. Meine Mutter hatte relativ schnell einen neuen Mann mit dem sie nun schon bestimmt 15 Jahre zusammen ist, die beiden ergänzen sich, gehen sehr liebevoll miteinander um und wirken bis heute wie ein frisch verliebtes Paar.

Was ich damit sagen will: Ich glaube wir müssen unser Leben in etwa zwei Abschnitten denken (manchmal auch mehr). Ich habe oft beobachtet, dass Menschen in einem früheren Lebensabschnitt einen Partner haben der charakterlich eher gegensätzlich ist. Also zB dominanter Mann und schüchterne Frau oder extrovertierte Frau und ruhiger Mann. Wenn diese in die Brüche gehen folgen dann Beziehungen zu einem Menschen der mehr Ähnlichkeiten hat und die dadurch auf Augenhöhe stattfinden.

Vielleicht müssen wir durch gescheiterte Beziehungen erst herausfinden was uns selbst überhaupt ausmacht um einen Partner wählen zu können mit dem wir uns ergänzen. Bei vielen ist diese Entwicklung leider erst nach einer längeren Ehe abgeschlossen. Das würde auch erklären warum so viele hier berichten plötzlich in ihrer Ehe unzufrieden zu sein und wenn sie sich neu verlieben von Gefühlen sprechen die für den bisherigen Partner nie da waren.
 
  • #6
Ich denke, das hat etwas mit erwachsen werden zu tun. Das Leben annehmen, nicht wegrennen wenn der Himmel nicht mehr voller Geigen hängt, Verantwortung übernehmen. All der unangenehme Kram, der uns bei unseren Eltern auch schon genervt hat und den wir komplett anders machen wollten - weil wir noch Kinder waren und unsere Märchenträume ganz anders aussahen. Wenn das Kribbeln weg ist trennen - klasse, mehr Wegwerfgesellschaft geht nicht. Davon mal abgesehen dass man dann selber auch entsorgt wird wie ein gebrauchter Lappen. Wow, so stell ich mir die Hölle vor. Keine lange Beziehung ist ohne Durststrecken oder Handicaps möglich, daran wächst der Mensch, eigentlich wächst der Mensch nur daran. Rosa Wolken und Glitzer machen zwar zufrieden, aber die Menschen auch total langweilig. Mein Tip: erwachsen werden, Märchenbücher wegwerfen.
 
  • #7
[...] wie geht es euch damit, dass ihr das Kribbeln nie wieder empfindet werdet, dass ihr nie wieder begehren oder begehrt werden werdet?

Das sind zwei Paar Schuhe.

Selbst dem absoluten super-duper-Traumpaar wird es nur schwer möglich sein, das anfängliche Kribbeln über eine möglicherweise Jahrzehnte andauernde Beziehung aufrecht zu erhalten. Alltag, Routine und Gewöhnung machen das einfach unmöglich und der menschliche Körper könnte einem Jahre anhaltenden Dopaminrausch auch gar nicht standhalten.

Es liegt einfach in der Natur der Sache, dass man Neues aufregend und spannend findet, der Reiz aber mit näherem Kennenlernen verfliegt. Das gilt auch für Themengebiete außerhalb der Partnersuche. Total normal.

Meiner Meinung nach gehören diejenigen Menschen, die sich nach ständigem Kribbeln und Schmetterlingen sehnen, zu den riskantesten Wackelkandidaten wenn es um eine auf Dauer angelegte Beziehung geht. Selbst mit einem passenden Gegenstück werden die niemals zufrieden sein, weil einfach der Reiz des Neuen irgendwann fehlt und dem Bekannten kaum Wertschätzung entgegengebracht werden kann.

Kurz: Das Prickeln genießt einen höheren Stellenwert als die Vorteile des Beständigen und Vertrauten.

Begehren, sowohl rein körperlich als auch emotional, kann man einen Partner dagegen auch noch nach zig Jahrzehnten. Vielleicht ist das nicht so häufig zu finden, vorkommen tut es aber doch.

Soll heißen, dass das Kribbeln im Verlauf einer Beziehung nachlässt, bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass man einander nicht mehr begehren kann. Im Idealfall wird das anfängliche, eher kurzfristige Begehren des Neuen zugunsten eines nachhaltigen Begehrens aufgrund von Vertrautheit weichen.

Meiner Meinung nach ist das viel mehr wert. Ist aber Geschmackssache. Manchen fehlt im Vertrauten eben die Spannung, weshalb sie immer und immer wieder nach Schmetterlingen suchen.
 
L

Lena_34

Gast
  • #8
Vielen Dank für die bisherigen Antworten und vor allem die persönlichen Statements.

Bitte erzählt aus eurem Leben, allgemeine Weisheiten kann man in jedem dieser vor mir oben erwähnten Threads nachlesen.
Ich respektiere alle Meinungen und Einstellungen, aber mir geht es darum, wie es euch damit geht, und zwar insbesondere denjenigen wie @Kain oder @HollyGolightly. Ihr schätzt das Beständige und Vertraute mehr als das Kribben. Wie geht es euch damit (ich nehme an, ihr lebt in entsprechenden Beziehungen - oder ist das nur graue Theorie?)?

@QFrederick

Verstehe ich dich richtig? Du lebst seit 26 Jahren in einer Beziehung, in der du begehrst/dich begehrt fühlst und dir an nichts fehlt?

Mir hat das Satement von @Santosha am meisten aus der Seele gesprochen. Ich war mal in einer Ehe mit einem Mann, den ich nicht mehr als Mann wollte und der mich nicht mehr als Frau wollte. Er hatte aber nicht im Geringsten vor, die Ehe aufzulösen. Schliesslich heiratet man nicht, um glücklich zu sein. Da ich irgendwann keinen Sex mehr wollte (der so war wie die oben beschriebene Einstellung), warf er mir Frigidität vor und versorgte sich anderweitig, worum ich nicht traurig war. Die Vorstellung, aber, dass ich mich nie wieder als (begehrte) Frau fühlen und einen Mann nie wieder begehrten werde, war unerträglich.
Genauso habe ich mich gefühlt:
Einen Mann nie wieder begehren oder niemals wieder von ihm begehrt zu werden, würde mir die Luft zum Atmen nehmen.

Dennoch habe ich das so jahrelang fortgeführt, denn ich hatte ein ganz kleines Kind und war mit seiner Pflege (+ einer beginnenden Karriere) derart beschäftigt und ausgelastet, dass ich diese Gedanken verdrängen konnte. Aber irgendwann ging es nicht mehr. Ich bin nicht gegangen, weil ich einen neuen Mann an der Angel hatte, sondern weil ich das nicht mehr ausgehalten habe.
 
  • #9
Ich brauche (und, so seltsam das klingen mag, WILL) in einer Beziehung keine Schmetterlinge, sondern eher Freundschaft/Stabilität/Gemeinsamkeiten.
Allerdings source ich das Kribbeln/das Aufregende/das Spannende gern aus, das hat für mich einen ganz eigenen und ebenfalls unersetzlichen Reiz.

Viele Grüße von der schlechten Seite der Moral und einen schönen Tag! :)
 
  • #10
... dass das Kribbeln im Verlauf einer Beziehung nachlässt, bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass man einander nicht mehr begehren kann. Im Idealfall wird das anfängliche, eher kurzfristige Begehren des Neuen zugunsten eines nachhaltigen Begehrens aufgrund von Vertrautheit weichen.

Ich finde, das trifft es sehr gut. Das anfängliche Kribbeln kann sich sehr schnell verflüchtigen, aber wenn man die nächste Stufe erreicht, muss das ja nicht automatisch bedeuten, dass das Kribbeln und die Verliebtheit aufhören.

Ich verstehe auch dieses "schwarz-weiß-Denken" nicht, das sich in einigen posts hier zeigt: Kennenlernen bedeutet "Kribbeln", länger zusammen sein bedeutet geringeres bis gar kein Begehren mehr. So habe ich das noch nie erlebt, selbst in meiner langjährigen Ehe nicht.

Und auch meine aktuelle Partnerschaft entwickelt sich überhaupt nicht nach diesem Schema. Im Gegenteil, die Freude aneinander und die Lust aufeinander wird mit wachsender Vertrautheit immer intensiver. Für mich übrigens ein guter Indikator, dass man dann auch den Schritt zum Zusammenziehen mit gutem Gefühl wagen kann, wenn die Beziehung sich so positiv entwickelt. Wäre das nicht der Fall, käme ein Zusammenleben für mich absolut nicht in Frage.
 
  • #11
Soweit ich weiß, ist das Kribbeln des Anfanges ein Hormoncocktail, den die Natur uns schenkt, damit wir uns binden.
Dieser wunderschöne berauschende Zustand wird also sozusagen ferngesteuert und ist natürlicherweise ein begrenzter Zeitraum.
Was dann kommt, das müssen wir gestalten. Zu zweit. Für Pepp, Lebendigkeit, Begehren.
Den "Drogenrausch" des Anfangs, den bekommen wir nur am Anfang ohne eigenes Tun geschenkt.
Nichts bleibt so, wie es am Anfang war. Der Glanz des Neuen ist nun einmal vergänglich. Doch es kommen andere Qualitäten.
Ich glaube, dass derjenige, der immer nach den Schmetterlingen greift, ein ewig Suchender bleibt.
 
  • #12
Bei mir ist es wie bei QFrederick. Mir ist es relativ unbekannt, dass Schmetterlinge verliegen. Ich nehme nichts für selbstverständlich, jeder Tag könnte der Letzte sein und wird es eines Tages auch sein, ich weiß, dass Liebe und Gefühle sich ständig verändern, aber das ist auch wieder eine schöne und spannende Herausforderung. Somit ist die Beziehung auch nach 10 Jahren nie langweilig geworden... es gab immer was kleines, woran man sich freuen konnte. Und schlechten Zeiten oder wenig Zeit mit dem Partner konnte ich trotzdem wieder was Postives abgewinnen. Somit hatte ich eben mehr Zeit für mich. Ich hätte meine Beziehungen nochmal 10 Jahre so weiterführen können.

Die Frage ist, was verstehst du unter fehlendem Begehren? Jeden Tag sehr guten Sex? Ständige Geschenke und Aufmerksamkeit? Bist du schon beleidigt, wenn man mal den Geburtstag vergisst?

Es stimmt, man muss sich in einer Beziehung häufig selber warme Gefühle machen, das ist wohl das Geheimnis. Die meisten Menschen brauchen Bespaßer, die ihre Leere im Innern füllen. Frauen sind genervt, wenn der Mann abends müde nach Hause kommt und nichts mehr machen will, anstatt selber nach der Arbeit noch zum Sport zu gehen oder sich selber zu beschäftigen.

Wichtig ist wohl nur: Als Frau häufiger mal verzeihen können, als Mann häufiger mal die Bereitschaft zum Reden mitbringen.

Wenn ich was will in der Partnerschaft, schlage ich einen freundlichen Ton an und werde nicht zur Furie. Meist kommt man damit besser an sein Ziel.
 
  • #13
Meiner Meinung nach gehören diejenigen Menschen, die sich nach ständigem Kribbeln und Schmetterlingen sehnen, zu den riskantesten Wackelkandidaten wenn es um eine auf Dauer angelegte Beziehung geht. Selbst mit einem passenden Gegenstück werden die niemals zufrieden sein, weil einfach der Reiz des Neuen irgendwann fehlt und dem Bekannten kaum Wertschätzung entgegengebracht werden kann.

@ Kain #6 für Deinen obigen Post, insbesondere für o.g. Zitat hast Du den Liebesnobelpreis verdient.

Mit Gefühlen, mit Schmetterlingen und mit Kandidaten, die auf einmal auf ganz unerklärliche Weise plötzlich nicht mehr wissen, wo ihre Gefühle geblieben sind, mit denen habe ich mich beschäftigt.

Nein, ich meine nicht die Partner, die über Jahre lieblos und mies behandelt werden und jedes Mal dabei ein Stück ihrer Liebe einbüssen. Ich meine nicht die vernachlässigten, kaltgestellten Partner, die irgendwann mal die Nase voll haben.

Ich meine die, die einfach ihre Gefühle nicht mehr finden. Und das Ding, das heißt Bindungsfähigkeit. Es gibt Menschen, die können lange Phasen von Harmonie und Ruhe einfach nicht ertragen, weil sie das so nicht gelernt haben. Da gab es im Elternhaus Streß, Streit und Konflikte. Und wenn sie das nicht wieder haben, dann haben sie keine Gefühle mehr, denn ihre sind genau darauf konditioniert.

Durch meinen neuen Partner bin ich in Kreise hineingeraten, in denen fast jedes Paar ein Langzeitpaar ist, sprich mehr als 20 Jahre. Da wird fast der erste Freund geheiratet. Und man ist nach 30 Jahren immer noch glücklich. Ja, es gibt sie, die Menschen, die können über lange Strecken mit einem Partner zusammen sein und die bekommen o.g. Gedanken erst gar nicht. "Wo ist das Kribbeln geblieben". Klar werden die nicht mehr rot, wenn der Ehemann heimkommt. Aber sie wissen, dass sie zueinander gehören und sie kämen gar nicht auf die Idee, das in Frage zu stellen.

Diese Menschen kommen aber gerne mal aus intakten Herkunftsfamilien, in denen es über Generationen so gehandhabt wurde. Die haben solche Sorgen einfach nicht.
 
  • #14
Wenn die Schmetterlinge verfliegen, dann verfliegt die Verliebtheit und die Liebe beginnt. Das Begehren kann länger, lange oder für immer bleiben.

Auch wenn Inspirationmaster und Santosha sagen, dann ist die Liebe tot...
Wie viele Paar gibt es tatsächlich, bei denen ein dauerhaftes Kribbeln vorhanden ist - die permanente Spannung? Das geht gegen Null. Begehren ist was völlig anderes. Wenn dieses nicht mehr vorhanden ist, wird meiner Ansicht nach zumindest sehr sehr schwierig.

Das Kribbeln war in den langjährigen Beziehungen bei mir rel. schnell weg (max 1- 2 Jahre vorhanden). Dann kam die Vertrautheit, die Freude, die Nähe, die gemeinsamen Vorstellungen von der Zukunft etc. Da macht das fehlende Kribbeln wenig aus.

Was ich damit sagen will: Ich glaube wir müssen unser Leben in etwa zwei Abschnitten denken (manchmal auch mehr). Ich habe oft beobachtet, dass Menschen in einem früheren Lebensabschnitt einen Partner haben der charakterlich eher gegensätzlich ist. Also zB dominanter Mann und schüchterne Frau oder extrovertierte Frau und ruhiger Mann. Wenn diese in die Brüche gehen folgen dann Beziehungen zu einem Menschen der mehr Ähnlichkeiten hat und die dadurch auf Augenhöhe stattfinden.

@ moringa eine sehr interessante These. Ich schätze da ist sehr viel dran
 
  • #15
Den "Drogenrausch" des Anfangs, den bekommen wir nur am Anfang ohne eigenes Tun geschenkt.
Nichts bleibt so, wie es am Anfang war. Der Glanz des Neuen ist nun einmal vergänglich. Doch es kommen andere Qualitäten.
Ich glaube, dass derjenige, der immer nach den Schmetterlingen greift, ein ewig Suchender bleibt.

Und das ist auch ein sehr sehr kluger Beitrag. Mit dem Drogenrausch verhält es sich wie mit einer Sucht. Manche sind eher suchtgefährdet. Sowas in der Art sagte man auch Casanova nach. Der flatterte als ewig suchender Schmetterling von Rausch zu Rausch, so lange, bis er nicht mehr fliegen konnte. Im Alter mit Prostataleiden war er dann ganz ruhig.

Wer nur von Rausch zu Rausch fliegt, der wird nie ankommen, denn immer genau zu dem Zeitpunkt, wenn er angekommen sein könnte, da muß er auch schon wieder weiterfliegen. Liebe Lena, ich wünsche Dir einen guten Flug.
 
L

Lena_34

Gast
  • #16
@Nordbrise

Wie setzt du es persönlich um und wie geht es dir in einer festen Beziehung (die ja meistens "für immer" halten soll) mit dem Gedanken, dass du diesen Hormonrausch nie wieder erleben wirst?

Ich weiß übrigens nicht @Médocaine, ob längeres Zusammensein das Aus fürs Kribbeln/Begehren bedeutet. Scheint einfach oft der Fall zu sein.
 
  • #17
Guten Morgen,

bei den meisten *Menschenskindern* hört die Beziehung auf, wenn die Schmetterlinge verfliegen....Punkt. Was danach kommt und kommen kann, werden sie nie erfahren und weiter von einer Blüte zur anderen fliegen, in der Hoffnung, diese Gefühle für immer einfangen zu können.
Ich persönlich könnte nicht mit einem Dauerschmetterlingsgefühl überleben und würde irgendwann komatös in einer Traumwelt verweilen. Ich brauche aufbauend auf diese Gefühle in der Verliebtheitsphase, die Tiefe einer Beziehung, die Wahrhaftigkeit und Beständigkeit, die ein Glücks- und Zufriedenheitsgefühl bei mir auslösen und gerne die Schmetterlinge zu Gast sein dürfen.
In vorwiegend zweckdienlichen Beziehungen hinterlassen flüchtende Schmetterlinge eine Leere, in Beziehungen wo die Liebe zu Gast ist, finden ganz andere Gefühlserlebnisse statt, die vielen verwehrt bleiben und so klammen sie sich an die Schmetterlingsgefühle und stolpern oft über das Glück, was ihnen zu Füßen liegt, weil sie nicht wissen, wie sie den Schritt weitergehen sollen.
 
  • #18
Das Verfliegen der Schmetterlinge hört sich so nach Verlust an, dabei ist es ein ziemlich normaler Verlauf in einer Beziehung. Und sicherlich ist es schade, den starken Gefühlsrausch der Anfangszeit schwinden zu sehen - aber es ist nicht zu ändern und es gibt auch einen Gegenwert dafür. Tiefes Vertrauen, echte Liebe, die allen Alltagsbanalitäten standhält, das Gefühl in allen Facetten und Eigenheiten angenommen zu werden - das ist etwas, was sich erst im Laufe der Zeit entwickelt. Insofern ist das Schwinden der Schmetterlinge kein Verlust sondern eher ein Tausch gegen etwas, was mir persönlich viel wichtiger ist als diese komischen kurzlebigen geflügelten Insekten.
Und genau diese unantastbare Verbindung zu meinem Mann ermöglicht es mir, dass Begehren und die Spannung außerhalb der Beziehung zu genießen. Weil ich weiß, dass an unserer Beziehung nichts rütteln kann - wir haben uns füreinander entschieden und zwar genau so wie wir sind. Und dazu gehört für uns auch, dem Partner mal ein paar Insekten zu gönnen, wenn ihm danach ist. Die leben ja eh nicht sonderlich lange :)
 
  • #19
@Nordbrise
Wie setzt du es persönlich um und wie geht es dir in einer festen Beziehung (die ja meistens "für immer" halten soll) mit dem Gedanken, dass du diesen Hormonrausch nie wieder erleben wirst?
I

Ich bin zwar nicht gefragt, aber so ein Hormonrausch ist ja sogar sehr anstrengend. Ich kann das sagen, da ich genau seit 21 Monaten und 13 Tagen wieder liiert bin und mich diese Gefühlswallungen schier umbringen. Diese scheiß Schmetterlinge können auch verdammt anstrengend sein:). Aber ich muß da durch, denn ich will das danach, die warme geborgene Beziehung ohne diese scheiß Viecher:).

Wenn man das Gehirn eines Verliebten scannt, dann ist es von dem Süchtiger kaum zu unterscheiden. So manch ein Alkoholiker macht keine Entziehungskur, weil er sich ein Leben ohne seinen Fusel nicht vorstellen kann und will. Ich kannte schon die Alkoholiker, die mir immer Alkohol angeboten haben und überhaupt nicht verstehen konnten, dass ich ihn überhaupt nicht mag. Erkläre mal so einem, dass ein Leben ohne Sucht auch lebenswert sein kann.

Wenn Du, liebe Lena, immer Schmetterlinge willst, dann must Du Dich ja jedes mal trennen, wenn sie weg sind. Macht Dir das keinen Kummer? Und dann wieder neu balzen, für neue Schmetterlinge? Ist Dir das auf Dauer nicht zu anstrengend??
 
  • #20
@QFrederick
Verstehe ich dich richtig? Du lebst seit 26 Jahren in einer Beziehung, in der du begehrst/dich begehrt fühlst und dir an nichts fehlt?

... habe gelebt ... und nein mir hat nichts gefehlt. Vieles was ich hier an "Beziehung" wahrnehme erstaunt mich und hätte ich davon in den letzten 4 Jahren nicht einiges erfahren "dürfen", würde ich es nicht glauben (können). Aber vielleicht liegt das auch vorwiegend an der Besonderheit der am Forum Beteiligten. In meinem Verwandten-, Freundes- und Bekanntenkreis kenne ich das nicht (so).

Schlußendlich hat es nicht mehr funktioniert, weil die Geister, die ich nie rief und haben wollte, übermächtig und ich diese nicht mehr losgeworden bin. Nun merke ich immer öfter wie sie unverrichteter Dinge ihrer Wege ziehen, kenne ihr Wesen, weiß wie es ging und sich anfühlte und bin wieder auf einem guten Weg. Wenn ich wieder ganz bei mir bin, ist es wieder gut (so oder so ähnlich soll es ja auch ein Buchtitel zu dem Thema geben). Bis dahin mache ich das Beste daraus.
 
  • #21
Lena, zu Deiner Frage unter #15:
Der Hormonrausch wird bei mir durch etwas Wunderschönes abgelöst:
Das warme Gefühl der Geborgenheit, das Wir-Gefühl. Und wenn ich morgens früh aufwache, und neben mir der zerwühlte Haarschopf, das vertraute Atmen,
dann macht mein Herz einen "Herzhupf" und ich habe den einen Gedanken, dass ich jetzt und hier genau richtig bin.
In solchen Momenten möchte ich mit Nichts und Niemandem tauschen, ein unspektakulärer Moment des Glückes.
Das ist das beste Gefühl, das ich kenne und fühlt sich für mich noch schöner an als der Rausch des Anfangs.

Mag daran liegen, dass ich insgesamt vom Wesen her eher der Typ Mensch ist, der das Ruhige mag.
Das ist nicht besser oder schlechter als das Aufregende. Nur anders.

Es kommt wahrscheinlich auf die Passung an zwischen zwei Menschen. Wenn beide das Beständige mögen, dann finden auch beide in der Beständigkeit diese Momente, die ich oben beschrieb.
Das man den gegenwärtigen Moment niemals tauschen würde gegen irgend etwas aufregendes.
 
  • #22
[...] mir geht es darum, wie es euch damit geht, und zwar insbesondere denjenigen wie @Kain oder USER=12213]@HollyGolightly[/USER]. Ihr schätzt das Beständige und Vertraute mehr als das Kribben.

Ich schätze das Kribbeln am Anfang ebenso sehr wie die Vertraulichkeit innerhalb einer gereiften Beziehung, bin mir aber über dessen Endlichkeit bewusst.

Du stellst die beiden Situationen vergleichend gegenüber und kommst für Dich zum Schluss, dass Du das Kribbeln dem Vertrauten vorziehst. Ich sehe darin eher eine aufeinander aufbauende Entwicklung. Wenn das Prickeln nachlässt, tritt an dessen Stelle die Zuneigung aufgrund kennengelernter Qualitäten.

Im Grunde beginnt damit erst eine ernstzunehmende Beziehung. Nämlich dann, wenn die Hormone nebst Schmetterlingen verfliegen und der Partner ohne rosarote Brille betrachtet werden kann. Erst dann bin ich in der Lage, die Wahl meiner Partnerin sachlich zu bewerten: Habe ich mir eine passende Frau gesucht oder vielleicht doch nur eine, von der ich mir gewünscht hätte dass sie passt?

Insofern ist es sogar gut, dass dieser anfängliche Zustand der Verliebtheit nicht ewig anhält.

Davon abgesehen kann das eine nur abnehmen, während beim anderen wenigstens die Möglichkeit auf Steigerung gegeben ist.

Das Kribbeln entsteht aus der Annäherung an eine unbekannte, attraktive Person. Neben dem Menschen an sich macht hier das Ungewisse, Neue und der Ausbruch aus dem Alltäglichen einen Großteil der Spannung aus. Je mehr Zeit ich mit dieser Person verbringe, desto mehr wird sie sich logischerweise in meinen Alltag und das mir Bekannte eingliedern. So lange, bis sie schließlich Alltag ist ... und das war's dann mit dem Kribbeln.

Vertrautheit dagegen hat zumindest das Potential Zuneigung zu steigern. Denn die Qualitäten der Partnerin sind mir zwar bekannt, bieten also keine Spannung, helfen aber doch bei der Bewältigung des gemeinsamen Lebens. Das schweißt zusammen.
 
  • #23
Ich habe eine Freundin, die ich seit 40 ( ! ) Jahren gut kenne.
Ich habe alle ihre Partnerschaften miterlebt.
Sie hatte immer Partner, mit denen es aufregend war. Immer heiß-kalt. Eine Achterbahn. On-off-Beziehungen.
Sie hat viele Nächte auf meinem Sofa geheult und war oft vor Glück völlig aus dem Häuschen.

Ich fand das immer ganz furchtbar.
Und sie fand meine lauwarmen Beziehungen immer ganz furchtbar.
Wahrscheinlich ist es eine Typfrage, was wir wollen und schätzen.

Ich brauche keine Schmetterlinge.
Ich möchte ein warmes Gefühl. Sicherheit, Verläßlichkeit, Beständigkeit.
Wissen, wie er reagieren wird.
Wissen, was ihm gefällt.
Wissen, dass er morgen noch da ist.
DAS macht für mich eine gute Beziehung aus.

Die Schmetterlinge hat man, solange keine Sicherheit da ist, oder ?

Ich hatte das einmal. Es war eine unsägliche Nummer, die in meinem Freundeskreis den Namen X ( Name des Mannes ) - Nummer bekam und seitdem als Synonym für eine wacklige Liebesgeschichte gilt.
Ein Jahr des Zitterns, der schlaflosen Nächte, des Heulens und des Hoffens, der Glücksmomente, in denen mein Herz hüpfte und ich im ganzen sogar auch.
Furchtbar !
Ich will das nie wieder.

Ich will meinen Mann mit warmem Gefühl ansehen.
Ihn im Vorbeigehen ein bißchen streicheln.
Und ich will wissen, dass er das wirklich mag.
Warm. Nicht heiß-kalt.

w 49
 
  • #24
Die Bezeichnungen "Kribbeln" und "Schmetterlinge haben" finde ich persönlich etwas fremd. Ich habe noch nie von "Kribbeln" und "Schmetterlingen" geredet und auch meine Freundinnen tun das nicht.

Ich selbst brauche diesen Kick, der das Neue gibt, nicht. "Kribbeln" und Aufregung sind für mich nichts im Vergleich mit dem Gefühl, nach Hause zu kommen. Deswegen nerven mich auch Kennenlernphasen während der Partnersuche, es gibt mir leider nichts und es wird erst schön und wertvoll für mich, wenn ich denjenigen schon eine ganze Weile kenne.

Menschen die ernsthaft ihre Ehe in Frage stellen, nur weil ihnen der Pep gerade fehlt, kann ich ehrlich nicht verstehen. Das sind für mich solche Menschen, die dauernd unterhalten werden müssen und denen es oft lange zu gut ging.

Aber du hast auch irgendwie "Kribbeln" und "begehrt werden" gleichgesetzt. Das ist für mich längst nicht dasselbe. Wenn ich in einer Beziehung irgendwie verkomme weil mein Partner mich nicht mehr anziehend findet, dann ist das für mich nicht unbedingt etwas was mit der Zeit automatisch kommt und was hingenommen werden muss, da liegen dann die Ursachen ganz woanders.

Aber wenn ich in einer glücklichen Ehe wäre würde ich das niemals tauschen gegen ein bisschen Kribbeln und Komplimente....

w(28)
 
  • #25
Hallo zusammen!

Ich habe eine Frage, die mir schon länger unter den Nägeln brennt. Aktuell inspiriert hat mich der Nachbarthread "Konflikt zwischen Ehe und neuer Verliebtheit". Solche Fragen werden hier mit schöner Regelmäßigkeit eingestellt (à la "Ich führe eine tolle Beziehung, nur der Pepp fehlt .... macht sie noch Sinn?"). Die Antworten sind auch immer die gleichen: Der unzufriedene Part ist selber daran schuld, weil er die Beziehung hat schleifen lassen, er muss sich nun bemühen, damit wieder Pepp in die Beziehung kommt, soll das schätzen, was er in der Beziehung Gutes hat (z.B. Stabilität), soll zu seinem Eheversprechen stehen und Durststrecken ertragen.

Meine Fragen an euch:

Ist es jemandem hier gelungen, eine langjährige Ehe/Beziehung (evtl. mit Haus, Kindern und allem drum und dran) zu führen, in der das Kribbeln nie weg war?

Ist es jemandem gelungen, eine eingeschlafene Beziehung dauerhaft aufzuwecken?

Und last but not least: Diejenigen, die sich damit abgefunden haben, dass das Kribbeln in jeder Beziehung irgendwann weg ist und die Werte wie Stabilität und Vertrautheit zu schätzen wissen und das Kribbeln nicht outsourcen - wie geht es euch damit, dass ihr das Kribbeln nie wieder empfindet werdet, dass ihr nie wieder begehren oder begehrt werden werdet?


Ich führe erst meine erste "richtige" Beziehung. Das Empfinden ist über die Jahre gewachsen, vertrauter und ruhiger geworden. Ich mag auch den Alltag sehr gerne, jeder kennt seine Aufgabe innerhalb des Systems Familie, ich kann mich zurücklehnen und lasse uns gerne treiben.

Sexuelle Durststrecken sind für uns kein Problem; unser Begehren dürfte sich absprechen, wenn wir sex wollen, dann wollen wir das beide richtig.

Ich mag aber auch das Kribbeln, wenn ich ihn sehe, oder wenn ich ihn mit unserem Kind beobachte.
 
  • #26
Hallo Lena :),

mit dem Gefühl, nicht mehr begehrt zu werden, könnte ich persönlich nicht leben. Ich wäre auch niemals bereit dazu. Dafür ist das Leben einfach zu kostbar. Es ist völlig normal, wenn man vielleicht nicht mehr wie am Anfang 5x am Tag Sex hat... aber ein Partner, der nur aus dem Pflichtbewusstsein heraus 1x in der Woche nach dem Tatort mit mir schläft, könnte seine Tasche packen.

Wenn das Kribbeln vom Anfang verschwunden ist, stört es mich persönlich nicht so sehr. Schöner und wichtiger ist es, eine liebe- und vertrauensvolle Beziehung zu führen, in der man gemeinsam viele wunderschöne Momente teilt und auch Krisen gemeinsam durchläuft. Wenn das Kribbeln verschwunden ist, wird es nicht automatisch langweilig. Man vermisst doch trotzdem den anderen, macht sich kleine Überraschungen, freut sich aufeinander etc.

Womit ich nicht leben könnte: Wenn statt Liebe "nur" noch Freundschaft vorhanden ist. Sorry aber dafür brauche ich keine Beziehung/Ehe.
 
L

Lena_34

Gast
  • #27
Hier die FS

Es war mir nicht bewusst, dass meine Frage evtl. missverständlich war. Mit Kribbeln, Schmetterlingen, Begehren meine ich absolut keine Kalt-heiß-Spielchen, kein Bespassen und nicht mal die Aufregung der Kennenlernzeit.

Was ich meine ist: Ich will meinen Partner als Mann sehen und Sex mit ihm wollen, und zwar mehr als mit jedem anderen. Genauso will ich, dass er mich als Frau sieht und den Sex mit mir mehr will als mit jeder anderen.

Mein Eindruck ist, dass das in den meisten Beziehungen mit der Zeit (dem Alltag und den Belastungen) nicht mehr der Fall ist.

Meine Frage ist also: Ist euch das auch wichtig? Und falls ja, was macht ihr wenn es weg ist? Wie fühlt ihr euch, wenn ihr die Beziehung nicht auflösen wollt (z.B. weil Vertrautheit da ist)?
 
  • #28
Anhang zu #3

alle, die sich an den Schmetterlingen, Bienchen und Blümchen......hochziehen, haben jedenfalls meine Antwort zu Lenas Frage falsch verstanden oder ich habe mich völlig falsch ausgedrückt.
Von einigen wurde die Frage in ihrer Gesamtheit sehr ironisch beantwortet.

Ich möchte für mich selber klarstellen, dass ich mich nicht fühle wie Schneewittchen bei den sieben Zwergen und hier in einer Märchenstunde Geschichten erzählen möchte.

Das "Kribbeln und die Schmetterlinge im Bauch" sind selbstverständlich symbolisch gemeint.

Männer oder Frauen, das nimmt sich nicht viel, sind häufig in einer festen Beziehung schnell festgefahren, finanziell irgendwann abgesichert, meinen sie hätten den Partner an der Angel und vergessen, dass eine Ehe kein Garant ist für ein sorgenfreies Leben und für Bedienung auf Lebenszeit.
Nicht jeder versteht sich auch ohne Worte, ganz zu schweigen davon, das die Gespräche in deutschen Ehen laut Statistik eher kurz gehalten werden.

Von Zärtlichkeiten und einem liebevollen Umgang miteinander bleibt oft nicht mehr viel übrig. ....Alles wird ja mal zur Gewohnheit.
Für mich bedeutet begehren nicht, dass jemand täglich über mich herfällt .......!
Am Anfang einer Beziehung sind natürlich die Hormone ausschlaggebend.
Das nennt man nun mal "Schmetterlinge im Bauch haben" und alles durch die rosarote Brille sehen.

Wenn dann nach der Anfangsphase wirkliche Liebe entsteht, tiefes, stets intensiver werdendes Vertrauen in einen anderen Menschen aufgebaut wird und diese körperliche Sehnsucht und Lust im Laufe der Jahre immer irgendwie bestehen bleibt, weil man sich sexuell einfach anziehend findet und verrückt nach dem anderen ist, dann ist es das, was ich für mich unter Begehren verstehe. Auch in einer langjährigen Beziehung.

Das hat nichts mit einem "Drogenrausch" oder einer "Sucht" zu tun, sondern mit Liebe.
Auch wenn Casanova im Alter ein Prostataleiden hatte, wie hier beschrieben wurde, konnte er vielleicht nicht mehr als ewig suchender Schmetterling von Rausch zu Rausch fliegen, aber mentale Liebe und Zärtlichkeiten konnte er bestimmt noch weitergeben. Und das wird ihn selber auch glücklich gemacht haben.

Liebe Lena, nochmals alles Gute für dich
und viele Grüße von Santosha
 
  • #29
Meine Theorie dazu ist, dass es an der Wahl des Partners liegt, ob das Kribbeln vergeht oder nicht.

In jungen Jahren hab ich nicht so genau hingeschaut, mit wem ich mich einliess. Ich hatte ja auch keine Erfahrungen mit Langzeitbeziehungen und wusste eigentlich nicht so richtig, was ich wollte und/oder was ich selbst leisten musste, damit die Beziehung auch über längere Strecken funktioniert. Ich denke, das ist Lehrgeld, das die meisten jungen Leute zahlen müssen.

Nach meiner Scheidung habe ich mir bewusst viele Gedanken gemacht, mich mit vielen Männern getroffen und viel reflektiert. Die vielfach propagierten netten, eher unscheinbaren Männer sind einfach nichts für mich. Ich brauche neben der Beziehungstauglichkeit auch einen Partner, der mich beeindruckt und fasziniert und nebst geistiger Beweglichkeit auch gewisse Macher-Qualitäten mitbringt. Das ist einfach mein persönliches Beuteschema, und ich habe bei der Partnerwahl sehr darauf geachtet, welcher Mann dies erfüllen könnte.

In meiner derzeitigen, bislang 5 1/2 Jahre andauernden Beziehung ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. Die Schmetterlinge haben aber nie nachgelassen. Er fasziniert und beeindruckt mich immer wieder aufs Neue und ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemals nachlassen könnte.

Alles andere wäre für mich ein fauler Kompromiss, bei dem ich die Uhr danach stellen könnte, wann er anfängt, mich zu langweilen, zu nerven oder ich beginne, den Respekt vor ihm zu verlieren. Eine solche Zeitverschwendung wird für mich nie wieder in Frage kommen.
 
  • #30
Die Antworten sind auch immer die gleichen: Der unzufriedene Part ist selber daran schuld, weil er die Beziehung hat schleifen lassen, er muss sich nun bemühen, damit wieder Pepp in die Beziehung kommt, soll das schätzen, was er in der Beziehung Gutes hat (z.B. Stabilität), soll zu seinem Eheversprechen stehen und Durststrecken ertragen.
Ich habe den Eindruck, dass Du nur diese liest. Da stehen normalerweise auch andere Antworten.

Wenn es nur Illusionen und Kribbeln ist, mag es vielleicht sein, dass man das einfach nur hat einschlafen lassen, und es wiederbelebt werden kann. Interessant wär für mich nur, warum das Kribbeln wegging. Denn wenn es so ist, wie Du weiter unten beschreibst, ist ja nicht das Kribbeln weg, sondern man hat sich zu sehr mit den Nichtpassungen arrangiert und denkt sich, das ist allgemein so, dass Beziehungen einschlafen. Bzw. man will das denken, dass es bei allen so ist, damit man keinen Grund hat, sich Gedanken darüber zu machen, dass man den besser passenden Menschen nicht gefunden hat, ihn nicht finden wird oder ihn vielleicht gar nicht erkennt, weil er ein paar Sekundärmerkmale, die eigentlich unwichtig sind, nicht hat.

Du hast eine Überschrift, die von Schmetterlingen spricht, aber Du beschreibst nicht eine Beziehung, in der diese weg sind, sondern in der sexuelle Nichtpassung entdeckt wurde wegen

dass ihr nie wieder begehren oder begehrt werden werdet

Das kann man sich weiter vormachen, dass man trotzdem eine gute Beziehung hat. Aber da es Beziehungen gibt, die sexuelles Begehren bis zum Schluss enthielten und zerbrochen sind an was anderem, ist es ein Trugschluss, sich einzureden, die Beziehung sei gut, wenn man unter dem Zitierten leidet. Ich halte diese Illusion für ein Relikt aus der Zeit, als Sex was Böses war und sexuelles Begehren den Menschen abwertete. Man spricht nicht darüber und sexuelle Passung ist, dass die Körpermitten ineinander passen.

Sexuelle Passung ist aber genauso ein Punkt wie Passung in der Kommunikation oder Passung darin, wie man Liebe zeigt. Es ist eine Frage, wie man selber die Prioritäten bei der Partnerwahl setzt.
 
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