• #1

Wer hat Erfahrungen als Partner von Missbrauchsopfern?

Liebes Forum,

Ich bin seit vielen Monaten mit einer Frau zusammen, die von ihren Vater sexuell missbraucht wurde. Sie ist deswegen schon länger in therapeutischer Behandlung. Ich bin ihr erster Freund und wir hatten bereits am Anfang unserer Beziehung vereinbart, es langsam und behutsam angehen zu lassen. Einfache Küsse, Umarmungen und "platonische Berührungen" sind in der Regel kein Problem, aber sobald eine Geste oder Annäherungsversuch von mir einen sexuellen Unterton hat, zieht sie sich sofort zurück. Wir kommunizieren viel miteinander und sie sagte mir, sie könne diesen Impuls nicht steuern und brauche viel Zeit. Ich bin bereit, lange zu warten und versuche so viel Verständnis wie möglich aufzubringen - aber ich bin auch ehrlich, dass solche Zurückweisungen für mich manchmal schon verletzend sein können. Ich möchte sie aber keinesfalls unter Druck setzen, da sie ja sonst eine unglaublich liebevolle Freundin ist.

Deswegen möchte ich gerne fragen, ob jemand von euch eine Erfahrung mit solchen oder ähnlichen Situationen gemacht hat. (Wie) habt ihr es geschafft, die mit Sexualität verbundenen Probleme in solchen Fällen zu bewältigen?
 
  • #2
Ganz ehrlich: Tu dir das nicht an. Es gibt einfach Menschen, die sind
"verbrannt".

Als Therapeut sage ich dir, der "Irrglaube", man kriege alles irgendwie wieder hin, ist nur ein frommer Wunsch. Nur genug Therapie, nur genug Verständnis, nur genug Liebe, dann wird es wieder.
Leider nein. Ich wünschte es wäre so.

Was einmal in der Amygdala ist, wird NIE wieder gelöscht. Wenn du damit leben kannst, ok. Aber erwarte kein fundamentale Besserung.
 
G

Gast

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  • #3
Ich kann Dir nur schildern, wie es für mich war. Ich hatte, bevor ich mit meinem (nunmehr Ex)freund zusammen kam, auch ... ich sag mal, schwere Probleme körperlichen Empfindens zu lösen.
Es war wichtig, ihm klarzumachen, woher das kommt und dass es nicht durch ihn kam. Und wenn Deine Freundin Dir sowas sagt, dann glaub es ihr einfach. Es liegt nicht an Dir. Es liegt am "Körpergedächtnis". Wenn man erlebt hat, was sexuelle Begierde eines anderen mit einem anrichten kann, dann scheint jedes Sehen und Empfinden von sexueller Begierde des Freundes oder eines Mannes eine Gefahr. Sie verbindet das ja genau damit.
Das hat aber nichts mit Dir als Person zu tun, sondern damit, wie sie sowas in einem anderen sieht. So lange sie merkt, dass sie die Kontrolle darüber hat, was passiert, kann sie Vertrauen aufbauen, Stück für Stück, und auch selber merken, was sie dabei empfindet und ob sie weiter gehen will. Das kann sehr lange dauern. Und wie gesagt, löse Dich davon, dass es mit Dir zu tun hat, wenn sie abweisend wird. Sie hat einfach abstrakt keine guten Erinnerungen an Dinge, die dieses Thema betreffen.
 
G

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  • #4
Hallo FS,

meine engste Freundin wurde auch als Kind sexuell vom eigenen Vater mißbraucht, nachdem ihre Mutter starb, als sie 2 Jahre alt war.Sie wuchs in einer Pflegefamilie auf, die sie nur wegen dem Pflegegeld aufgenommen hatte, sie aber ansonsten ablehnte, und sie das auch jahrelang spüren ließen.Was ich damit sagen will, sie hat sicherlich nicht nur ein Trauma, sondern Traumata... dennoch hatte sie mit den (2) Männern, die sie wirklich liebte und auch begehrte, von Anfang an eine sehr innige, gute Sexualität.Sie hat übrigens nie Therapie gemacht... Ich bin absoluter Laie, was Therapiegeschichten anbetrifft, aber wenn Deine Freundin, auch wenn sie noch so lieb ist als Mensch, so extrem reagiert als erwachsene Frau (!!) -nicht als Kind- wäre ich wirklich geneigt bigger zuzustimmen... LG
 
G

Gast

Gast
  • #5
@bigger: deine Antwort ist sicher ehrlich gemeint, aber dennoch finde ich - ebenfalls Therapeutin - sie recht befremdlich. Demnach sollte also keine missbrauchte Frau jemals den Versuch einer Beziehung eingehen und kein Mann sollte sich wissentlich auf so eine Frau einlassen, nachdem sie den grossen Schritt gegangen ist, ihm ihr Trauma anzuvertrauen, oder wie ist das zu verstehen?

Zustimmen muss ich dir in dem Punkt, dass die tiefen Verletzungen der Frau auch mit viel Zeit, Geduld und Liebe niemals ausgelöscht werden können. Diese Frau wird immer wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen und ihre Sexualität niemals so frei und unbeschwert ausleben können wie andere Frauen.

An den TS: du solltest dir überlegen, ob du damit leben kannst, dass der Bereich der Sexualität in eurer Beziehung immer ein schwieriger Bereich sein wird, der nur mit Einschränkungen möglich ist. Wenn du sie liebst und damit leben kannst, führe die Beziehung weiter. Wenn Sex für dich jedoch ein zentrales Thema ist, sollltest du die Beziehung beenden, sonst wird es für beide Seiten auf lange Sicht nur eine Quälerei werden.
 
  • #6
Hallo FS,
das Thema Sexualtität bekommt ihr mit der Zeit sicher hin. Aus Erfahrung von guten Freunden kann die Sexualität sogar spannender sein als mit einer Normalo-Frau. Aber das extreme im Wesen musst du mögen. Du bist jetzt schon dabei dich zu verbiegen. Nicht selten haben Menschen, die Missbrauch Opfer sind, eine gestandene Borderline Störung - und die bekommst du nicht in den Griff, wenn frau sich nicht selbst therapieren lässt und vor allen Dingen - auch WILL!!. Ich kenne Männer die Jahre lang in einer solchen Beziehung gefangen waren und anschließen Burnout mit heftigen Depressionen hatten. Der Klebstoff in der Beziehung ist die unglaubliche Nähe und das Wechselspiel von Nähe und Distanz. Wenn es gut läuft bist der Einzige Mensch, der diese Prinzessin versteht - und dieses Kompliment tut natürlich gut. Wenn nicht, bist du die mieseste Kreatur, die auf dieser Welt rum läuft. Überleg dir ob du das durch stehst.
 
Z

Zuckerpüppi

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  • #7
Sexueller Missbrauch & Vergewaltigung in der Kindheit, und das womöglich noch über einen langen Zeitraum, gehört wohl zum Schlimmsten was ein Kind erleben muss. Das Urteil von @bigger ist hart. Frauen denen in ihrer Kindheit bereits derart schlimme Dinge widerfahren sind, sind eigentlich nämlich schon genug gestraft.
"Eigentlich" darum, weil Bigger nicht ganz unrecht hat. Es ist schwer bis teils unmöglich.
Und es braucht, FS, nach einer Kindheitstraumatisierung dieser Art, einen äußerst geduldigen, liebe- & verständnisvollen Mann. Oft liegt eine Pause von vielen Jahren der Verarbeitung, Verdrängung & Desinteresse an jeglichem Körperkontakt mit Jungs/Männern zwischen dem Missbrauchszeitraum und einem ersten Partner. Und was ihr dann tut ist in dem Sinne ja nicht neu für sie, sondern hat sie es bereits erleben müssen. Wenn damals auch mit großer Scham, Angst, Ekel, Vertrauensverlust und körperlichen Schmerzen verbunden, und es heute freiwillig ist und gerne geschehen soll, sind Bilder, Gerüche, Geräusche.. alle Erinnerungen plötzlich wieder in ihrem Kopf.
Lass ihr unbedingt Zeit und sie das Tempo bestimmen. Es wird mit jedem Mal besser werden und sie kann mitunter ganz frei werden und Sexualität total genießen lernen.
Trotzdem kann es mitunter auch nach vielen Jahren zu Situationen kommen in denen sie sich ganz plötzlich zurückerinnert fühlt an damals. Eine Bewegung, eine Handlung, ein Blick, ein Wort.. Alles könnte alte Wunden aufreißen. Es hört also nie ganz auf. Damit hat Bigger Recht in dem was er andeutet. Aber jede Frau kann auch anders damit umgehen und hängt es sehr vom Partner ab.
Therapie ist erstmal gut, aber das sie schon länger in Therapie ist, kann auch ein Zeichen sein, dass diese nicht anschlägt. Weißt du, dass sie darin überhaupt tatsächlich über den Missbrauch spricht, oder womöglich nur andere Kindheitserlebnisse aufarbeitet?
Nicht jeder spricht darüber was geschehen ist. Großes Vertrauen gehört dazu, ob Therapeut oder Partner.
Ich weiß von Waschzwängen, promiskem Verhalten um die Erinnerung an dem ersten (also ihrem Vater) immer weiter auslöschen zu wollen, sich ausschließlich zu Frauen hingezogen fühlen, Angst im Dunkeln, Angst vor Nähe, Entwicklung diverser Persönlichkeitsstörungen etc...
Das sie mit dir darüber spricht ist ein gutes Zeichen.
Ich wünsche dir Glück und das richtige Händchen für derart sensible Situationen.
 
  • #8
@bigger: deine Antwort ist sicher ehrlich gemeint, aber dennoch finde ich - ebenfalls Therapeutin - sie recht befremdlich. Demnach sollte also keine missbrauchte Frau jemals den Versuch einer Beziehung eingehen und kein Mann sollte sich wissentlich auf so eine Frau einlassen, nachdem sie den grossen Schritt gegangen ist, ihm ihr Trauma anzuvertrauen, oder wie ist das zu verstehen?
Natürlich.
Und noch ein T für Trauma auf die Stirn tätowiert bekommen. (IRONIEOFF)
Was wollen sie denn unterstellen?

Sie sollten sich vielleicht mal von der "Frau als Opfer" lösen hin zum "Menschen als Opfer". Ich rate auch allen Frauen traumatisierter Männer das gleiche.

Vermutlich hat die Freundin Borderlinerzüge. Und Borderliner schätzen es nun mal nicht, wenn man ihnen gutes tut.
Sie können noch so viel Engagement zeigen, sie werden kaum etwas zurückkriegen. Im Gegenteil, sie werden für gutes noch schlecht behandelt.

Wenn der Fs seinen "Helfersyndrom" ausleben möchte (manche möchten das) dann soll er machen, er soll halt bloß nicht die
Lüge schlucken, "mit viel Therapie wird alles gut".
Das ist ein frommer Wunsch.

Die Freundin ist keineswegs "Schuld" an ihrer Situation.
Aber der Fs ist genau so wenig "Schuld". Noch muss er sich die "Bürde" ihres Lebens "aufhalsen".

Wenn er meint, die Frau ist so toll, dass es sich emotional und zwischenmenschlich "lohnt", dann soll er mit ihr zusammenbleiben. Ist nicht mein Leben. Gewarnt wurde er aber.


Es gibt Millionen tolle Frauen ohne Borderline. Warum nicht glücklich und zufrieden sein Leben mit einer "normalen" Frau leben.

Dieses "heiß/kalt" von Borderlinern kann sehr anziehend und spannend sein. Borderliner wissen genau, wen sie wie in ihr Netz weben. Borderliner nehmen kaum Rücksicht auf liebe Menschen.
Und die Menschen, die es mit "Borderlinern lange aushalten" sind oft ganz liebe Menschen. Bloß die werden dann mit runtergezogen.
 
  • #9
@bigger: deine Antwort ist sicher ehrlich gemeint, aber dennoch finde ich - ebenfalls Therapeutin - sie recht befremdlich. .

Jetzt haben wir 2 Therapeuten und 2 verschiedene Meinungen. Ich habe dies bei meiner EX leider auch erleben dürfen. Da komme ich auf min. 5 Diagnosen.:)

FS, es wird sich nie ändern. Ich habe dies selber erlebt und leider auch fast 12 J. mitgemacht. Meine Ex wurde zwar nicht von ihren Vater, wie in deinen Fall, sondern während ihrer Ausbildung von 3 Kollegen gleichzeitig missbraucht. Am Anfang unserer Beziehung fiel dies noch ganz normal und nach 2 J. fingen die Probleme an. Sie konnte innerhalb von 4 Wochen nicht mehr unter Menschen gehen und am Ende war dies so schlimm, dass sie ins Krankenhaus musste. Wegen psychisch somatischer Erkrankung war sie dann auf einmal im Rollstuhl. Dies war zwar ein recht seltener Fall und soll bisher in D erst 4 oder 5 x vorgekommen sein. Seit dieser Zeit ist auch meine Ex nicht mehr arbeitsfähig und bezieht Erwerbunfähigkeitsrente. In den ganzen 10 J. die ich dies so erlebt habe hat mich die Frau nur noch mit runtergezogen Wir waren nur noch unter uns und unser Freundeskreis ging den Bach runter. Wenn man seine Freunde nicht mehr pflegen kann, dann leitet halt auch der Freundeskreis. Leider habe ich dies viel zu spät erkannt und erst die Reisleine gezogen als ich auch stationär wegen Burn out behandelt wurde. Da fing dann das Dilemma erst richtig an und heute bin ich froh, dass dies eine schlechte Zeit aus der Vergangenheit ist. Ich persönlich habe ca.
3 J. nach der Trennung gebraucht um wieder ein Leben vor der Frau zu führen. Eine ganz schlimme Zeit.

Moderationshinweis: Nebenthema entfernt
 
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  • #10
....Als Therapeut sage ich dir, der "Irrglaube", man kriege alles irgendwie wieder hin, ist nur ein frommer Wunsch. Nur genug Therapie, nur genug Verständnis, nur genug Liebe, dann wird es wieder.
Leider nein. Ich wünschte es wäre so.

Was einmal in der Amygdala ist, wird NIE wieder gelöscht. Wenn du damit leben kannst, ok. Aber erwarte kein fundamentale Besserung.

Das ist ein interessantes Statement und sagt: Therapien und Therapeuten sind überfüssig. Schade dass soviel Geld wirkungslos darein gepumpt wird und so viele Therapeuten gut davon leben ohne was zu bewirken.

Lieber FS,
Deine Entscheidung und Deine Verantwortung: entweder ist die Frau Dir den Versuch wert und das auch nur auf bgrenzte Zeit, bis sich Dinge ändern können. Wenn die Dinge sich nicht ändern, dann bleibt Dir eben nur die Trennung, um nicht im Strudel ihres Hin und Hers zwischen Gegenwart und Vergangenheit durchs Leben zu taumeln.
Du bist nicht ihr Therapeut, Du hast Dein eigenes Leben und zwar nur eines, dass man nicht vermasseln sollte.
Manche Dinge können nie geheilt werden und viele Dinge können durch neue positive Lebenserfahrungen geheilt werden. Deswegen gibt es Therapien, auch für traumatisierte Patienten.

Die meisten Therapeuten beherrschen dieses Handwerk aber nicht, weil sie nicht mit den nötigen menschlichen Qualitäten ausgestattet sind, mit einer Jobmentalität rangehen, gesunden Menschen lieber Burnout einreden und diesen mit wenig Aufwand für viel Geld therapieren, daher mehr Schaden als Nutzen anrichten.
Du solltest mit Deiner Freundin über Therapie und Therapieerfolg offen reden und sie ermuntern, daran Dinge zu ändern, wenn sie längere Zeit erfolglos mit ihrem Therapeuten daran rumdoktert.

Wenn Du längerfrsitig unter der Beziehung leidest und das für Dich mehr wird, statt weniger, dann solltest Du Dich konsequent trennen und ihr das auch sagen. Sie ist jetzt noch nicht reif für eine Beziehung, in der es beiden gut gehen kann - das ist der Trennungsgrund.
 
  • #11
Hallo, ich selbst bin Opfer....das Problem ist nicht nur die Erinnerung an den Schmerz, die Angst, die Demütigung...sondern die Schuld. Die eigene Schuld, die man daran hat...wäreich nicht so ein schlechter Mensch, würde mir so etwas schreckliches nicht passieren. Ich habe es ja nicht anders verdient....Und als Erwachsener, nach zahlreichen Therapien usw. kann man sich verstandsmäßig noch so sehr im Klaren sein, dass dieses Denkmuster absoluter Schwachsinn ist und das man es selbst in der Hand hat, wie lange man noch Opfer sein will...aber gefühlsmäßig geht einem diese Einstellung nicht korrigiert. Ich bin es nicht wert, nicht wert geliebt zu werden!!! Ich bin schlecht und ich kann Liebe (Sexualität) nicht annehmen...Frei wird man nur, wenn man sich selbst lieben kann. Und das muss man erst mal hinbekommen.
 
  • #12
Ich bin selber einige Jahre mit einem Opfer (kirchlichen) Missbrauchs zusammen gewesen. Es war am Ende nicht zum Aushalten. Ihre Eltern hatten in den 80ern Geld fürs Maulhalten genommen und haben dann wie die Wachhunde aufgepasst, dass sie keine Therapie macht und auch nichts an die Öffentlichkeit kommt.
Aus heutiger Sicht kann ich nur eines sagen: ich hätte schon sehr viel früher rennen müssen. Ich bin komplett Co-erkrankt, dann kam die Depression und die Frühverrentung bis zum Erreichen der Altersgrenze. Heute lebe ich auf Hartz-IV-Niveau. Mit Mitte 40 keine guten Aussichten.
Aber mit 20 ist man ja noch so blauäugig und denkt, man bekommt das zu zweit hin. NEIN, das bekommt man nicht.
Übrigens: mir wurde aus meiner psychischen Erkrankung ein Strick gedreht - als die Diagnose da war, hat mir meine Ex den Umgang mit meinem Sohn gerichtlich verbieten lassen. Ich habe ihn seit 8 Jahren nicht mehr gesehen.
Ich habe seit 13 Jahren ausser Affären keine Beziehung mehr auf die Reihe bekommen.
Da sage ich ein herzliches, zynisches "Dankeschön" an die Missbraucher und Eltern, die ihre Töchter verhökern, weil man ihnen sonst "Den Glauben genommen hätte".
 
  • #13
@9 Doch Therapien helfen schon. Man darf halt nur keine Wunder erwarten.
Viele denken an eine Wunderheilung, man müsse sich nur zur Therapie entschliessen. Wie in der Autowerkstatt. Paar Teile werden ausgetauscht
und gut ist. Das ist eine Illusion.

Als Therapeut ist es schon schwer genug sich abzugrenzen. (Wir haben dafür selbst Therapiestunden, Supervision) Als verliebter Partner, ich kann nur erahnen, in welche emotionalen Stürme man kommen kann. Wenn man dann noch gemeinsame Verpflichtungen, wie Haus, Kinder und Ehe hat, wird es verdammt
hart.

Es ist nicht so, dass ich dem "Opfer" kein Liebesleben gönne. Nur der Partner
hat ebenso ein "Recht" auf stabile und wertschätzende Bindungen. Die sind oft
nicht gegeben. Da stellt sich sehr wohl die Frage "ob man sich das antun sollte".

Man wird als Partner auch selbst zum "Opfer". Relativ leicht.

Wie beim Rettungsschwimmen. Wenn der Rettungsschwimmer nicht zuerst an seinen Selbstschutz denkt, ertrinken am Ende beide. Rettungsschwimmer und
Ertrinkender. Und in unserem Fall sollte der Rettungsschwimmer lieber den Beruf wechseln.
 
  • #14
Der FS muss sich entscheiden, was die Frau ihm wert ist. M.E. ist niemand es wert, dass mir durch ihn mehr Leid als Glück entsteht, wenn ich das Leid nicht verursacht habe. Das ist eine unmissverständliche Aussage. Weil ich weder ein rücksichtsloser noch ein mitleidloser Mensch bin, kann und will für einen Zeitraum durchaus mehr in eine Beziehung investieren. Ich kann mich zurücknehmen. Es muss aber erkennbar sein, dass die Beziehung ihre Balance findet von gegenseitigem Geben und Nehmen.
Moderationshinweis: Nebenthema entfernt
 
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  • #15
Lieber FS,
bitte bedenke, dass sich jeder/jede in der Anonymität eines Forums eine beliebige Berufsbezeichnung verpassen kann. Du kennst weder Alter, noch Hintergrund oder Qualifikation der Foristen, die hier schreiben. Kurz: Jede(r) kann hier als "Therapeut" antworten.

Als regelmäßige EP-Forumsleserin weiß ich um "biggers" radikale Einstellung in vielerlei Hinsicht - ein berufserfahrener, reifer Psychologe würde sich m. E. niemals erlauben, aufgrund von ein paar Sätzen in einer Forums-Fragestellung ein Urteil über Therapieerfolgsaussichten von Unbekannten zu fällen, geschweige denn von "verbrannten Menschen" zu sprechen.

Sexueller Mißbrauch im engeren Sinne ist recht verbreitet (jede(r) 5.?). Zwei Männer, die einst eine wichtige Rolle in meinem Leben spielten,. sind als Jungen mißbraucht worden. Sie leiden bis heute an ihren Erfahrungen, in anderer Hinsicht als deine Freundin. Ich persönlich vermute, dass du in einem Forum für Betroffene/Partner eine größere Bandbreite an Antworten erhalten wirst als hier - auch im Bezug auf konkrete Tipps, wie eure Beziehung auch deinen Bedürfnissen gerecht werden kann.

Dieses "Ich-brauche-mehr-Zeit" lässt sich nicht auf Dauer durchhalten, vllt. könntet ihr ein paar gemeinsame Sitzungen bei einem Therapeuten, der sich auf das Thema spezialisiert hat, andenken.
w
 
H

Halbtrocken

Gast
  • #16
Nach den Therapeuten und denen, die schon davon gelesen haben, wieder mal ein Betroffener:
Meine Frau wurde als Kind von ihrem Trainer mißbraucht.
Gleichzeitig hat sie einen (jedoch nicht sexuell) übergriffigen Vater.
Seit ihrer frühesten Jugend in psychotherapeutischer Behandlung, hat sie nach dem ersten Kind eine unterdrückte und nach dem zweiten Kind starke, offene Depressionen bekommen.
Durch Therapien nur vorübergehende Besserungen. Jetzt deshalb erwerbsunfähig und liegt mir (geringfügig, da EU-Rente) auf der Tasche.
Sex war nie berauschend. (So der Leg-mich-hin-und-tarne-mich-als-Gliederpuppe-Typ) In den letzten fünf Jahren vor Trennung hat sie dann noch Sex als Druckmittel und Währung eingesetzt.
Dann erste Trennung wegen einem Mann zum Glücklichwerden. Als der weg war wieder zurück bis vor einem Jahr, dann wieder weg wegen neuem Mann, der auch wieder Geschichte ist, doch jetzt will ich die Trennung für immer.
Könnte ich in die Vergangenheit reisen, würde ich mir selbst diese Frau ausreden. Auch damals wußte ich schon um ihre psychischen Probleme, war aber der Meinung, daß es irgendwann besser werden würde. Die letzten fünf Ehejahre bestanden immer in der Hoffnung, daß sie doch endlich einmal die Vergangenheit und Krankheit loswerden müßte - was nicht passierte.
Daher mein Rat: höre auf bigger und erspare Dir ein glückarmes Leben an der Seite eines ewigen Kindes oder folge Deinem Drang des Helfersyndroms, falls Du dadurch glücklich werden willst.
 
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