• #1

Wer hat Tipps gegen Trennungsprobleme?

Hallo!

Ich bin seit ungefähr zwei bis drei Monaten von meinem langjährigen Freund getrennt. Wir waren elf Jahre zusammen und haben davon neun miteinander gelebt.

Gründe für das Scheitern der Beziehung sind vielfältig: auseinander gelebt, Mangel an Kommunikation, wenig gemeinsame Interessen; - Jedenfalls war ich immer wieder sehr unglücklich und hatte mir oft mehr Zweisamkeit und Gemeinsamkeiten im Alltag gewünscht.

Auslöser der Trennung war dann, dass er sich in eine andere Frau verliebt hatte, mit der er jetzt auch zusammen ist. Als er mir das sagte, ist eine Welt für mich zusammen gebrochen. Mit der Zeit und nach vielen, langen Gesprächen dachte ich auch, dass eine Trennung das beste sei, bin ausgezogen und wohne nun in einem neuen Ort, an dem sich auch mein Arbeitsplatz befindet. Ich habe hier viele Bekannte und Freunde und bin nun im Prinzip mehr in Gesellschaft als ich es vorher war.
Deshalb dachte ich mir, es würde mir sofort besser gehen, aber das tut es nicht, obwohl mir die Wohnung, der Wohnort, die Leute,... sehr gefallen und auch gut tun.

Trotzdem: Ich bin sehr oft traurig und fühle zeitweise eine sehr große Leere in mir. Solche Situationen erscheinen mir so, als gäbe es keinen Ausweg. So habe ich mich noch nie gefühlt. Ich weiß nicht, was ich tun kann, damit es mir besser geht. Dazu kommt, dass ich immer wieder, vor allem am Abend, wenn ich zur Ruhe komme, unter eigenartigen "Herzklopfern" leide. Ich hatte in der Vergangenheit bereits Probleme mit Panikattacken und war deshalb schon einmal in Therapie. Diese eigenartigen Herzstolperer sind jedoch keine klassischen Angstattacken, sondern ziehen sich zeitweise über Stunden, was wirklich mehr als nur beängstigend ist. Mir Traurigkeit alleine könnte ich umgehen, aber damit nicht... Hast vielleicht jemand schon etwas Ähnliches erlebt?

Ich habe mir meinem Exfreund noch Kontakt und von meiner Seite sind noch Gefühle da, mal mehr und mal weniger. Trotzdem bin ich der Ansicht, dass es keine gemeinsame Zukunft für uns gibt, da unsere Differenzen zu groß sind. (Obwohl ich trotzdem noch daran denke, dass es doch hätte funktionieren können.)
Das passt für mich alles nicht zusammen. Wie gesagt: Ich stehe am Beginn eines Neuanfangs und mir geht es nicht besser, obwohl es mir in der Beziehung auch nicht gut gegangen ist.

Vielleicht hat jemand den einen oder anderen hilfreichen Tipp für mich.
Ich schaue eigentlich total auf mich oder versuche es zumindest: Ich betreibe viel Sport. Wenn ich Sport betreibe, geht es mir besser. Ich bin viel unter sehr netten Menschen. Ich tue das, was mir Spaß macht. Wie gesagt: Trotzdem empfinde ich diese Leere und die tiefe Traurigkeit.

Danke im Voraus!
LG
Mina
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #2
Hallo Mina,
die Beziehung wird es nicht sein, die dir fehlt, denn du warst jahrelang unglücklich. Aber 9 Jahre mit einem Menschen zusammen zu wohnen, und dann allein... der Körper, die Seele brauchen Zeit für die Umgewöhnung. Der Mensch ist auch nur ein Herdentier, obligat sozial.

Du kommst jetzt von einer zwar unglücklichen, aber vermeintlichen Sicherheit in eine Phase der Ungewissheit. Da spielen ganz profane Ängste ganz plötzlich eine große Rolle. Wenn du in der Badewanne stürzt, ist niemand da. Wenn dein Auto liegen bleibt, musst du allein damit klarkommen.
Ich hatte ähnliche Gedanken nach langer Ehe in der Single-Zeit, als meine Freundin an Krebs erkrankte. Wer wäre für mich da, wenn mir dies passieren würde? Mich haben diese diffusen Ängste damals monatelang geschüttelt und mir attackenartig die Luft abgeschnürt. Ich hatte vorher noch nie lange allein gelebt.

Dir ist ein Stück lebensnotwendiger Sicherheit abhanden gekommen, und Sicherheit ist eines unserer Grundbedürfnisse.
Du aber hattest damals in der Beziehung schon einen Mangel, und dieser ist nun absolut geworden - das Bedürfnis nach Zweisamkeit, Gemeinsamkeit, gegenseitiger Fürsorge, Zugehörigkeit, einem Team.

Welche Gedanken fahren dir durch den Kopf, wenn das Herzklopfen beginnt?
Entsprechend deiner Ängste solltest du dein Leben auf neue Säulen stellen. Du brauchst Menschen, auf die du dich 100%ig verlassen kannst - mindestens einen davon.
Deine wichtigste Säule aber solltest du selbst werden, und das wirst du mit der Zeit lernen. Du wirst erleben, wie du selbst Dinge managest, und du wirst stolz auf dich sein. Je mehr dieser Erfahrungen du machst, desto sicherer wirst du dich mit dir selbst fühlen. Du hast schon sehr gute Ansätze, und viel bessere, als ich damals hatte: einen netten Freundeskreis, einen guten Job. Gib deinem Geist die Zeit, diese Dinge zu realisieren - das Bauchgehirn braucht manchmal einfach etwas länger.
 
  • #3
Liebe Mina, es hört sich doch so an, als ob du alles richtig machst: ein kompletter Neustart ist doch die beste Lösung!
Zwei Monate sind SEHR kurz im Vergleich zu elf Jahren, ich kann mir vorstellen, dass es relativ lange dauert, bis man über die Beziehung hinweg ist, auch wenn man nicht mehr glücklich war. Würde es vielleicht helfen, den Kontakt zum Ex weiter einzuschränken? Ich finde es nicht ungewöhnlich, dass du noch Gefühle hast, elf Jahre gemeinsame Zeit löscht man ja nicht mal eben. Und ans abendliche Alleinsein muss man sich sicher auch erstmal gewöhnen.
Ich finde deine Strategie gut, viel Sport zu treiben und viele Leute zu treffen.
Wegen des Herzrasens würde ich zum Arzt gehen, da kann hier vermutlich niemand eine sichere Auskunft geben.
Alles Liebe wünsche ich dir!
 
  • #4
Warum trauerst Du? Du konntest Dich doch noch nicht einmal mit dem Typ unterhalten. Sei froh, dass Du nun die Möglichkeit hast wieder interessante und gute Leute kennenzulernen. Versuche nicht sofort wieder eine Partnerschaft einzugehen. Du brauchst keinen Partner, um Deine Bedürfnisse zu erfüllen. Wenn Du eine tolle Familie hast gehe dahin - ansonsten zu Dein wahren Freunden. Du wirst sehen, dass Du dann ganz schnell wieder Freude hast.
Viel Glück auf Deinem Weg...
Blueeyes, m,49
 
  • #5
Liebe Mina,
ich habe mich heute Abend erst angemeldet und bin neu dabei. Aber das, was du beschreibst, ist eine Reaktion auf die Trennung von deinem Freund. Du hast Verletzungen davon getragen, die heilen müssen. Das braucht seine Zeit. Auch deine körperliche Reaktion "Herzklopfen" ist nur der Beweis dafür, dass du diese Trennung noch nicht verarbeitet hast. 11 Jahre sollen nach 2 - 3 Monaten verarbeitet sein? Selbst ein Ortswechsel und neue Menschen schaffen dafür nicht die Voraussetzungen. Ich kenne diese körperlichen Reaktionen selbst und daher kann ich dir nur raten, dir Zeit zu nehmen um die Trennung zu verarbeiten. Und vielleicht solltest du den Kontakt zu deinem Ex-Freund zumindest mal für die Anfangszeit abbrechen. Telefonate mit ihm lassen dich auch nicht zur Ruhe kommen.
Liebe Grüße Kira17
 
  • #6
Liebe FS,
Du hast einfach die falsche Erwartung an eine Trennung. Ihr wart 11 Jahre zusammen, habt davon 9 Jahre zusammengelebt. Das streift man nicht einfach rueckstandslos ab, auch wenn man intellektuell einsieht, dass es besser ist.
Ich war 25 Jahre verheiratet, habe selber die Scheidung eingereicht, habe nach der Trennung theoretisch auch alles richtig gemacht (Umzug, im Job fordernde Projekte, viel Sport, Freundeskreis aufbauen) und hatte trotzdem mehrere Jahre Probleme die gewollte Trennung zu verdauen.

Ihr seid erst seit 3 Monaten getrennt. In der Zeit hast Du Wohnungssuche, Umzug an einen neuen Ort und Jobwechsel hinbekommen und bist sozial aktiv - man kann auch sagen, Du versuchst der Trauer davonzurennen. Egal, wie fit Du bist, sie ist schneller, wie Du an den massiven psychosomatischen Symptomen siehst.

Bring' mal etwas Ruhe in Dein Leben. Du bist ein erfahrener Angsthase und weißt, dass die Panikattacken Dich nicht gefährden - alles nur Kopfkino. Zur Sicherheit kanbst Du ja ein Ruhe-EKG machen lassen.
Wenn Du es allein mit dem Handwerkszeug nicht handeln kannst, was Du in Deiner früheren Therapie gelernt hast, dann mach eine Handvoll Therapiestunden (Verhaltenstherapie) in Form einer ambulanten Notfallversorgung - da passt die grad gültig gewordene Psychotherapiereform ja super für Dich und dass die kassenaerztlichen Vereinigungen jetzt auch Terminservice für Psychotherapie anbieten.

Es gibt einen Grund, warum es früher sowas wie ein Teauerjahr gab. Je mehr man versucht, das zu unterdrücken und ein nach aussen gefalliges Leben zu führen, auch noch Kontakt mit den warmwechselnden Ex hat, desto länger dauert der Trennungsschmerz, wird permanent wiederbelebt.

Brich' also als erstes den Kontakt mit dem Ex ab. Er hat Dich erst verlassen, als er für sich den Warmwechsel organisiert hatte und Dich damit ins kalte Wasser geschubst. Dein Nichtloslassen befeuert das emotionale Wiedererleben und Deine Panikattacken. Ergo lass' es sein. Man kann keinen guten und hilfreichen Kontakt miteinander pflegen, wenn einer noch Gefühle hat, der andere aber schon längst wieder glücklich mit einer neuen Partnerin ist.

Im Endeffekt kannst Du nur für die Zukunft lernen: eine schlecht laufende Beziehung bessert sich selten, wenn beide nichts dafür tun, sondern scheitert irgendwann. Vermutlich haben Deine Ängste verhindert, dass Du die Trennung vollzogen hast, aber sie haben diese nicht verhindern können.
Wenn Du sowas siehst, überwinde beim nächsten Mal Deine Ängste vor dem Alleinsein und nimm' Dein Leben in Deine Hände. Trenn' Dich statt jahrelang abzuwarten und still oder dauermeckernd vor Dich hinzuleiden. Dann bist Du kein Trennungsopfer sondern -täter. Das ist immer die bessere Rolle und verhindert Ängste.
 
  • #7
Liebe Mina. Zunächst einmal: Kompliment an Dich. Führe Dir bitte vor Augen, dass Du in dieser kurzen Zeit schon ganz schön was auf die Beine gestellt hast. Du hast Deine äusseren Umstände in Höchstgeschwindigkeit geregelt.

Und es geht Dir vielleicht genauso wie mir damals: ich dachte, dass ich mich dann auf Knopfdruck genauso schnell gut fühle wie ich alles erledigt hatte. Nur leider kann man Emotionen und Verletzungen nicht einfach so schnell abwickeln.

Und irgendwann habe ich beschlossen, sie einfach zu akzeptieren. Ich sagte mir: "andere Leute haben auch schlimme Krankheiten oder schlimme Erlebnisse zu verschmerzen".

Ich begann mich in diese Situation zu fügen, sie zu akzeptieren und vor allem sie nicht mehr zu bekämpfen. Ich lebte mein Leben so gut wie ich irgendwie konnte und wehrte mich nicht mehr gegen traurige Gefühle. Nur muß man aufpassen, dass man sich nicht darin suhlt.

Du hast geschrieben, dass Du schon einige Zeit traurig bist. Deine Seele ist das Gefühl von Traurigkeit gewöhnt, ähnlich wie das körperliche Schmerzgedächtnis hat auch die Seele ein Schmerzgedächtinis und muß erst wieder lernen, fröhlich zu sein.

Sehr schädlich empfinde ich Deinen Kontakt zum Ex. Das reisst die noch nicht wirklich verheilten Wunden wieder auf. Nenne Dir bitte einen Grund, warum es für Dich gut sein sollte, diesen Kontakt zu pflegen. Warum tut er es denn? Er hat doch eine neue Freundin. Und ich finde nicht, dass es Deine Aufgabe sein sollte, ihm das Loslassen zu erleichtern. Denn dazu mißbraucht er Dich auch noch. Er ist warmgewechselt. Er hat bekommen, was er wollte. Aber dazu muß er Dich nicht auch noch runterziehen. Denk mal darüber nach.

Wie wäre es denn, wenn Du den Tod eines nahen Angehörigen zu verkraften hättest? Da wäre es völlig normal, wenn man nach drei Monaten immer noch trauert. Sieh es mal genauso und sei nachsichtig mir Dir selbst.

Ansonsten empfehle ich immer sehr gerne das Buch von Doris Wolf: WENN DER PARTNER GEHT. Das ist sozusagen die Bibel der Verlassenen. Viel Glück für Dich.
 
  • #8
Hallo!
Vielen Dank für die Antworten.
Jana, du hast Recht, ich hatte anfangs ähnliche Gedanken wie du. Wer ist für mich da, wenn... Wer würde mich im Krankenhaus besuchen? Was natürlich Blödsinn ist, denn ich habe viele Freunde und auch Familie, die sich in solchen Situationen um mich kümmern würden. Ja, ich habe auch noch nie alleine gelebt ...

Welche Gedanken habe ich, wenn das Herzklopfen beginnt? Eigentlich keine spezifischen, meist am Abend, wenn ich zur Ruhe kommen sollte und auf dem Sofa liege. Nachdem es beginnt, kommen mir Gedanken, die meinen Exfreund, meine Situation (Bin nach langer Beziehung kinderlos und frage mich, ob ich es bleiben werde??), die Trennung,... betreffen.
Ich weiß, es ist sicher besser, wenn ich den Kontakt einschränke oder abbreche. Allerdings ließ es sich nicht ganz vermeiden, da ich noch einiges an Dingen bei ihm zu Hause hatte, die ich mir holen musste.
Dann kommen mir Gedanken, ob es nicht doch funktionieren könnte, jetzt, nachdem wir soviel besprochen, reflektiert hatten und wissen, wo die Fehler liegen? Doch rational betrachtet weiß ich, dass es Blödsinn ist, da er jetzt eine andere Beziehung führt und unsere Differenzen ziemlich sicher ohnehin zu groß sind.

Nein, ich denke nicht, dass ich der Trauer davonlaufe.
Was sicherlich ein Problem sein könnte ist, dass ich nicht will, dass man mir die Trauer ansieht und das versuche ich sehr zu verbergen. Ich möchte immer attraktiv wirken und die Tatsache, dass ich es momentan nicht sein könnte, stresst mich maßlos. Gedanken, wie: Was ist, wenn ich dadurch nun Falten, graue Haare, Haarausfall,... bekomme??? spielen eine Rolle. Daher möglicherweise das Herzklopfen. - Aber wer will das schon? Wer möchte schon, dass man einem die momentane Befindlichkeit ansieht?

Ich denke, dass ich Dinge tun muss, die mir gut tun und ich bin eine leidenschaftliche Läuferin (im sportlichen Sinn, hat aber nichts mit Davonlaufen zu tun). Ich kann nicht auf die Dinge verzichten, die mir immer schon ein Hochgefühl verschafft haben. Das viele Ausgehen tut mir auch gut, da ich dies in den letzten Jahren ohnehin (indirekt) vermisst habe. ... Ich kann doch nicht zu Hause sitzen, mich bemitleiden und die Wand anglotzen? ... Ich reflektiere für mich sehr viel und "sudere" auch meinen Freundeskreis sehr viel an.

Aber ja, Vikky, du hast schon Recht: Ängste spielen in meinem Leben schon eine Rolle, deshalb will ich ohnehin wieder einen Therapeuten aufsuchen. Schadet sicherlich nicht.

LG
Mina
 
  • #9
Ich möchte immer attraktiv wirken und die Tatsache, dass ich es momentan nicht sein könnte, stresst mich maßlos.
Diese Gedanken kenne ich auch gut von damals. Viele Jahre lang saß man in seinem sicheren Kokon, hat zwar auf sich geachtet und sich gepflegt, aber irgendwie kam es nie richtig drauf an, weil man sich dem Partnermarkt ja nicht wirklich zur Verfügung stellen musste.

Und plötzlich stehst du da und musst dich gefühlt bewerten lassen. Das ist für Frauen, die sich selbst getrennt haben, weniger schwierig als für solche, die für eine andere verlassen wurden. Das Selbstwertgefühl hat dadurch eh schon einen Knacks weg, und dass seit dem letzten Flirt mehr als ein gutes Jahrzehnt vergangen ist, macht die Sache nicht einfacher. Es macht es auch nicht einfacher, dass Männer ziemlich optik-fixiert sind. Mit Anfang 20 sehen wir halt anders aus als mit Anfang/Mitte/Ende 30. Die Jugend ist dahin - "vergeudet" für einen Mann, der sich nicht dafür nicht als wertvoll erwiesen hat. Die biologische Uhr tickt immer lauter. Frustrierende Gedanken und Zukunftsängste sind da quasi vorprogrammiert. Man hat sich diese Situation nicht selbst ausgesucht - man wurde brutal hineingestoßen, ohne sich darauf vorbereiten zu können.

Du hast aber beste Voraussetzungen, diese Lage gut meistern zu können. Sogar die Kinderlosigkeit, die du heute beklagst, wird dir bei der Partnersuche - so gemein das auch klingt - zum Vorteil gereichen.
Ich bin heute mehr als froh, dass mein Ex-Mann sich getrennt und mich somit von sich befreit hat, und in ein paar Monaten wird es dir wahrscheinlich ähnlich gehen. Du bist nicht nur in die Welt rausgeschubst worden - du hast auch die Chance erhalten, aus der Tristesse deines vorigen Lebens zu entkommen. Du wirst die Erfahrung machen, dass Männer sich (oh Wunder!) immer noch für dich interessieren, und dass das Zusammensein mit manchem Mann sehr viel inspirierender und faszinierender ist als mit deinem langweiligen Ex.

Normalerweise propagiere ich Verdrängung nicht, wenn es eigentlich Probleme zu lösen gäbe. In deinem Fall schadet dir aber Ruhe - ging mir damals auch so. Daher: wenn du nachdenken und reflektieren möchtest und dich dafür kräftig genug fühlst, dann tu das. Wenn die Angst hochkommt, ruf eine Freundin an, renn um den Block, lies etwas, das dich fesselt und ablenkt. Damit hilfst du deiner Seele, die Zeit der Umgewöhnung zu überbrücken. Und brich den Kontakt zu deinem Ex ab. Du willst ihn doch gar nicht wieder zurück. Trau dir zu, dich der ungewissen Zukunft zu stellen. Ich glaube, du bist tough und schaffst das.
 
  • #10
Liebe Mina, liebe Jana, die von euch geschilderten Gedanken hatte ich nach der Trennung vom Vater meiner Tochter und 10-jähriger Beziehung auch. Fast 1:1 wie das Ausrutschen im Bad (dabei bin ich dort noch nie ausgerutscht, auch ohne Mann nicht;-) oder die Frage der Attraktivität. Es verunsichert einen Menschen, der in einem sozialen Verbund lebt, zutiefst, wenn die wichtigste oder eine der wichtigsten Bezugspersonen nicht mehr da ist. Das hinterlässt eine Lücke/ Wunde, die heilen muss. Dabei hatte letztendlich ich mich getrennt. Dennoch lag meine gesamte Zukunftsperspektive, mein Lebenstraum in Scherben. Zwei meiner drei besten Freundinnen leben bis heute in guten, festen Beziehungen/ Ehen. Ich kam mir anfangs vor, wie der nicht zu den Paaren passende Single. Aber irgendwie kam alles Stück für Stück wie von allein. Die Lust, wieder zu flirten. Das Kennenlernen neuer Freundinnen, die in ähnlicher Situation waren. Die Selbstverständlichkeit, auch als Single kein unvollständiger Mensch zu sein. Trennungsschmerz hatte ich nicht sehr stark, aber diese Leere und Verunsicherung, die verlorene/ zerbrochene Liebe, mussten heilen.

Du machst es schon richtig, dass du in deine Heimat ziehst, viel läufst, dich nicht unterkriegen lässt. Aber du musst auch den Schmerz rauslassen, weinen, trauern, reden, Ruhe finden. Das kann deine Freunde überfordern. Deine Herzattacken zeigen, dass du professionellen Rat holen solltest. Frage gute Ärzte um Rat. Es kann sein, dass du psychologische Hilfe brauchst, vielleicht sogar milde Antidepressiva für einen überschaubaren Zeitraum. Oder einfach nur Zeit. Zwei Monate sind gar nichts, ein Jahr darfst du dir ruhig Zeit geben, um dich mit deinem "neuen" Leben zu arrangieren, deine Gefühle zu ordnen und mit neuer Kraft und "Weisheit" durchzustarten.
 
  • #11
Danke Jana für die aufbauenden Worte. Das hilft mir wirklich sehr und auch das Wissen, dass viele Ähnliches erleben oder erlebt haben.:) Schwalbenweg, ja, man ist auch als Single kein unvollständiger Mensch und ich sage mir immer wieder, dass das Glücklichsein nicht abhängig davon sein sollte, ob man nun in einer Beziehung lebt oder nicht. ...
Ich bin heuer 30 geworden und denke mir, dass sich auch das Kinderthema für mich noch nicht erledigt hat. Ein paar Jahre habe ich schon noch Zeit. Am Anfang der Trennung hat mich das maßlos gestresst, da auch ein Großteil meiner Freundinnen nun Mütter geworden sind.
Ich versuche gerade, wieder zu mir selbst zu finden und zu erfahren, wer ich eigentlich bin und was alles in mir steckt. Ich habe zugunsten meines Partners auf vieles verzichtet, was mir wichtig war und mein Leben zu sehr auf seine Bedürfnisse ausgerichtet und nun möchte ich endlich auf mich selbst schauen... Im Nachhinein betrachtet wird mir klar, dass diese Beziehung uns beiden lange nicht mehr gut getan hat. ... Trotzdem tut es weh und ich weiß schon, dass es wohl ganz natürlich ist, was ich jetzt durchmache, bin jedoch ein Mensch, der ungern "schwach" ist und ganz banal ausgedrückt: Ich will einfach nicht, dass es mir so geht, wie es mir gerade geht.

Dennoch lag meine gesamte Zukunftsperspektive, mein Lebenstraum in Scherben.
- So empfinde ich es trotz allem auch. Ich hätte mir eigentlich gedacht, dass ich bald ein Kind mit ihm bekommen würde. Indirekt hätte ich mir dadurch eine Verbesserung erhofft, was aus jetziger Sicht natürlich total dumm war.

Wahrscheinlich dauert es eben, wie ihr alle auch geschrieben habt, eine Zeit, bis es mir damit auch gut gehen wird und ich überhaupt wieder vertrauen kann und zweifle momentan generell sehr stark an der Existenz glücklicher Verbindungen. (Im Prinzip hätte ich meinem Exfreund niemals eine Affäre zugetraut, hätte sogar (fast) meine Hand dafür ins Feuer gelegt und das, obwohl ich normalerweise eine sehr gute Menschenkenntnis habe.)

Ich wünsche euch noch einen schönen Abend.

LG
 
  • #12
Liebe Mina,

meinen Thread findest du etwas unter Deinem. Ich habe viele Fortschritte gemacht seit der Trennung und komme alleine ganz gut klar. Bei mir ist die Trennung nun 2 Jahre her und ich habe eine Art Rückfall, da meine Frau und ich uns gegenseitig bestätigt haben, dass wir eigentlich eine wundervolle Basis hatten etc. pp. Zudem sehen wir uns sehr häufig bzw. telefonieren oft - mehrmals im Monat. Das ist vermutlich der Grund für den Rückfall. Mir ging es schon mal besser. Daher gebe ich Dir den Tipp, mache es nicht wie wir. Reduziere den Kontakt, falls möglich auf Null und lass den Rest der Gedanken zu. Ich habe Ostern 2016 drei Tage hintereinander stundenlang nur die Wand angestarrt und geweint - 1 Jahr nach der Trennung! Ich will damit sagen: lass es zu. Die Posts von Jana 09/15 finde ich super beherzige sie.

Alles Gute

M 47
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
P

Papillon

  • #13
Liebe Mina, ich finde du machst alles richtig. Du hast dein Leben gut in Griff bekommen. Dickes Lob. Gib Dir einfach etwas Zeit , rechne pro Jahr gemeinsame Zeit mit mindestens ein Monat Verarbeitungszeit. Da sind deine zwei Monate noch nicht viel. Männer brauchen oft noch länger und wenn du Kontakt mit deinem Ex hälst verlängert sich dieser Prozess und tut dir nicht gut. Alles Gute Dir!
 
  • #14
Ihr baut mich heute voll auf. Danke!
Ja, ich weiß eh, dass es nicht gut ist, dass mein Ex und ich noch Kontakt haben, aber die erste Bezugsperson von einem Moment auf den anderen aus dem Leben zu verbannen, geht halt auch nicht. Jedenfalls wird der Kontakt langsam weniger.

Wünsche euch auch alles Gute und einen schönen Abend.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #15
Hallo Mina,

zunächst - lass nach deinem Herz schauen. Es könnte ein medizinisches Problem dahinter stecken. Vorsicht ist besser, zumal wenn du viel Sport treibst.
Ansonsten - es scheint so eine Art Murphy's Law zu sein- frisch getrennt bedeutet, dass du überall nur noch Paare siehst. Das bessert sich mit der Zeit. Du hattest einige praktische Aufgaben zu bewältigen, nun lässt der Stress ein wenig nach und du hast die Zeit, solche Dinge wahrzunehmen.
Die Situation ist ein wenig so wie damals bei der ersten eigenen Wohnung - obwohls genervt hat, wartet man ein wenig auf das "Fahr vorsichtig" der Mutter. Man muss sich umstellen - mit der Zeit lernt man dann, dass alleine zu wohnen auch Vorteile hat.
Selbst aktiv zu werden beim Suchen nach einem Partner - das musst du wieder neu lernen. Nimm einfach alle Möglichkeiten mit, dich mit Männern zu unterhalten. So wirst du sicherer im Umgang mit dem anderen Geschlecht. Und irgendwann merkst du - hey, ich habe geflirtet.
Gib dir selber die Zeit, dich langsam an das Neue zu gewöhnen- tauche ein in die Welt der Bücher, geniesse ewige "Badeorgien" ... solche Dinge, die du ungestört schon immer mal tun wolltest.
Und irgendwann bist du dann wieder bereit für einen Mann - du hast keine Eile.
 
  • #16
Ich finde gut, dass du zumindest vom Kopf her das Ende der Beziehung akzeptierst. Dies ist eine ganz wichtige Voraussetzung, um den Schmerz nicht zu verstärken und zu verlängern. Geholfen hat mir zudem, "gut" zu mir zu sein, etwas Schönes zu kaufen, für etwas Geld "auf den Kopf zu hauen", was ich in der Beziehung nicht machte, weil es nur für mich sein soll, mich gesund zu ernähren, im Straßencafe den grösten Milchkaffee mit ganz viel Schaum zu bestellen, andere anzulächeln, Kinder, junge Mütter, ältere Herren oder zu flirten. Das gibt ein tolles Feedback und Wohlbefinden zurück. Und eines hilft mir immer: Musik. Etwas Trauriges, wenn der Schmerz raus soll, etwas Lautes, Hartes oder Ironisch-Lustiges, wenn der Frust seinen Weg finden soll. Sehr gut geeignet "Zu spät" von den Ärzten.

Übrigens kam es dann bei mir auch so. "Er" wollte wieder ankommen, mich zurück, kämpfte ein Jahr lang, aber ich konnte ihn nicht mehr lieben.
 
  • #17
Liebe Mina,
ich bin neu hier und habe mir dieses Frage-Forum ausgesucht, weil genau das mit dem Trennungsproblem auch mein Problem ist.
Ich kann sehr gut mit Dir fühlen. Seit ungefähr einem Jahr gehe ich wieder zur Therapie, weil es in meiner Ehe immer zu vielen Konflikten kam, die mich depressiv und innerlich leer gemacht haben. Auch ich habe mich letztendlich aus vielen Gründen von meinem Mann getrennt, mir eine Wohnung gesucht in der Nähe meiner Familie und Freunden. Ich bin dahin gezogen, wo ich aufgewachsen bin. Es war ein gewaltiger Kraftakt, diese Umsetzung. Ich habe genau wie Du immer wieder das Bedürfnis mit meinem Mann zu telefonieren, obwohl es mir nicht guttut. Und auch ich hatte bis vor kurzem noch alles "im Griff", bis ich erfuhr, dass er jetzt schon eine feste Freundin hat, die all das mit ihm unternimmt, was er mir immer vorgeworfen hat. Und nun kommen bei mir Schuldgefühle auf und ich habe jetzt einen gewaltigen Rückfall.
Es ist wahrscheinlich so, wie jemand im Forum sagte, es kehrt jetzt "Normalität" ein, Umzug etc. ist alles abgeschlossen. Und jetzt kommt doch irgendwie eine Sehnsucht auf nach Nähe und die Nähe war halt auch mal schön mit dem Partner.
Allerdings - es geht mir jedenfalls so - hat keiner so richtig Verständnis für einen, weil jeder sagt gleich...Du bist doch ausgezogen!. Aber hat man deswegen keine Trauer und keine Verarbeitung mit der Trennung???
Ich war gerade jetzt in Urlaub, da wo ich mit ihm noch in glücklicher Zeit war. Und ich hatte einen riesigen Weinkrampf und konnte mich nicht richtig erholen, hatte die ganze Zeit dort WhatsApp Kontakt mit ihm usw. Alles idiotisch. Zuhause geht es jetzt wieder besser, aber ich bin wohl von ihm irgendwie emotional abhängig. Und das ist nicht gut. Ich darf ihn einfach nicht mehr anrufen......oder über ihn nachdenken....aber ich weiß nicht wie das geht.....ich hatte das noch nie.....
 
  • #18
Was am besten ist, kann einem keiner sagen.. das muss man selbst rausfinden. Ich jedenfalls finde den Kontakt aufrechterhalten, nicht gut. Schon gar nicht wenn der Ex schon eine neue hat. Das reißt nur wieder Wunden auf, tut immer wieder neu weh und bringt nicht viel. Außer vl eine kurze Verschnaufpause vom Liebeskummer, der dann aber wieder verstärkt zurückkommt. Trauern sollte man auf jeden Fall.. und darf man auch egal wie die Trennung verlief und von wem Sie ausging. Was mich ablenkt an meinen Ex zu denken, ich denke an mich.. und nur an mich.