• #1

Wie bekomme ich mein Selbstwertgefühl zurück? Ich weiß nicht mehr weiter.

Ich wurde gerade verlassen und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es so nicht weitergehen kann.

Meine „erste große Liebe“ (der Freund davor..) war ein Total-Reinfall. Ich war 16 und bin leider komplett an den Falschen geraten. 6 Monate war alles traumhaft und ich sehr glücklich. Dann hat er sich immer mehr verändert, seinen Freundeskreis gewechselt und wurde immer mehr zum Arsch. Und ich kam einfach nicht von ihm los. Ich habe mich so schwach und blöd gefühlt. Ich habe gebetet, dass irgend etwas passiert, damit ich von ihm loskomme. Tja.. meine Gebete wurden erhört. Er hat mich richtig verprügelt und am nächsten Tag eröffnet, dass er übrigens auch schon eine Neue hat.

Ich war am Boden und habe 6 Monate gebraucht, um wieder zu mir zu kommen. Es ging mir gerade wieder ok, da habe ich meinen letzten Freund getroffen. Er war so lieb, so aufmerksam, so rücksichtsvoll. Er hat mich angebetet und mir einfach nur gut getan.

Wir waren jetzt 7 ½ Jahre zusammen und wenn ich ehrlich bin, zweifle ich schon länger. Ich habe mir viel zu oft gewünscht, er wäre anders. Wir haben kaum Gemeinsamkeiten, andere Ziele im Leben, sehr unterschiedliche Hintergründe. Andererseits liebe ich sein Wesen, die gemeinsame Zeit, er hat mich zum lachen gebracht, mir sehr viel Sicherheit und Halt gegeben.

Ich habe auch manchmal über Trennung nachgedacht, aber ich konnte es einfach nicht..

Ich bin 27 und habe eine wahnsinnig negative Einstellung ggü mir selber. Ich bilde mir ein, dass ich nie wieder so einen lieben Mann kennenlernen werde und wenn, dann verlässt er mich sicher sowieso. Ich weiß, dass es Schwachsinn ist, aber ich fühle mich jetzt schon so alt und habe tatsächlich Torschusspanik.

So kann das doch nicht weitergehen? Rational habe ich keine Gründe, mich so zu fühlen! Ich bekomme oft Komplimente (sowohl für mein Äußeres als auch mein Inneres), in meinem Studium bin ich auch sehr erfolgreich (woran ich mich auch ständig erinnern muss! – das nehme ich innerlich auch nicht so wahr. Ich fühle mich auch hier immer als Versager).

Was kann ich tun, um ein positiveres Bild zu mir und meiner Zukunft zu entwickeln? Ich bin wirklich am verzweifeln.

Danke, dass ihr meine Sorgen lest und mir vielleicht ein paar hilfreiche Tips oder eure eigenen Erfahrungen mitteilt..
 
  • #2
Liebe FS, Du bist in Trauer. Das ist ganz normal nach einer Trennung. Und es ist genauso normal nach einer Trennung, dass man sich schlecht fühlt und wenig an sich glaubt. Vielleicht gibt es Leute, die danach Trennungsparties feiern und so tun, als wäre alles super, aber das ist dann nur aufgesetzt. Erstens: Lass Dir Zeit, das alles zu verarbeiten. Zweitens: Arbeite daran, schrittweise wieder zu Dir zu finden. Mach Dinge, die Dir Spaß machen. Geh Klamotten kaufen, triff Dich mit Freunden, melde Dich zu einem Sportkurs an. Mach Dich schön. Und drittens, schau Dich um. Und lass Dir auch dafür Zeit. Du brauchst niemanden und schon gar niemanden, der nicht passt. Man kann sein Leben auch ganz gut allein verbringen, aber das wirst Du nicht tun. Nutze kleine Flirts, um Dein Selbstwertgefühl aufzubauen.

Du hast keinen Grund für Deine Selbstzweifel. Es werden andauernd Frauen von ihren Männern verlassen und umgekehrt, und wenn ich Dich richtig verstehe, wolltest Du ja eigentlich selbst nicht mehr, aber hast den Absprung nicht geschafft. Es ist gar nicht so ungewöhnlich, dass der schwächere Partner geht, nicht der stärkere. Dein Exfreund hat Dich nicht verlassen, weil Du nicht OK bist, sondern weil es nicht gepasst hat, und das hat Du ja selbst gespürt. Also sei froh, dass er Dir diese Entscheidung abgenommen hat und Du keine Verantwortung für das Ende der Beziehung trägst.

Und übrigens lernen Männer und Frauen jeden Alters neue Partner kennen. Deine Beziehungsfähigkeit hast Du ja unter Beweis gestellt. Also ist Torschlusspanik total unangebracht. Du kannst mit 20, 30, 40, 50, 60 oder 70 jemanden kennenlernen und heiraten! Und Heiraten muss sowieso niemand. Viele Leute, die geschieden sind, sagen später das wäre der größte Fehler ihres Lebens gewesen.
 
  • #3
Ein paar unkonventionelle Tipps für mehr Selbstbewusstsein:
1) Geh öfters raus ins Freie, insbesondere ins Sonnenlicht
2) Mach Sport
3) Änder ein bisschen was an Deinem Äußeren

Was Deine Beziehung angeht: Ich würde den Mann nicht leichtfertig nach 7 Jahren verlassen. Wenn er gut zu Dir ist, und Du Dich bei ihm gut fühlst, ist keineswegs garantiert, dass Du jemand besseren kennenlernst, wenn Du ihn verlässt. Dein Alter - die 27 - ist dabei weniger eine Schwierigkeit, als vielmehr die Lebensphase: In der Schule, im Studium ist vieles einfacher als später. Zudem wird es spätestens ab 30 wirklich schwieriger.
 
  • #4
...in meinem Studium bin ich auch sehr erfolgreich (woran ich mich auch ständig erinnern muss! – das nehme ich innerlich auch nicht so wahr. Ich fühle mich auch hier immer als Versager).
Ich bin 20 Jahre älter als du und inzwischen wirklich erfolgreich.
Ich hatte ein gutes Abitur und leicht studiert. Ich bin nie, wirklich noch nie in meinem Leben irgendwo durchgefallen.
Ich habe mich nie um etwas beworben, Arbeitsstelle / Auftrag / Projekt und dann nicht bekommen.
Ich habe drei Uniabschlüsse, einen Grad und drei weitere große Qualifikationen. Im Einzugsbereich meiner Großstadt bin ich die Einzige mit diesem Pool an Qualifikationen.
Ich habe einen Namen und rede auf Kongressen.
Ich erziele hübsche Honorare.
Ich bin gut.

Und ich denke IMMER, alle müßten merken, dass ich eine Seifenblase bin. Ein Schaumschläger. Alle müßten merken, dass ich nichts kann. Alle müßten meine vielen Fehler bemerken. Mitkriegen, dass ich schwimme und nicht sattelfest bin.

Ich bin 48 und ich fürchte, dass ich niemals davon frei werde.
Ich lebe damit. Und sage mir dann immer tantramäßig, dass das Quatsch ist, dass ich keine Seifenblase bin, dass ich es bringe....
Und so komme ich ganz gut durch's Leben.

Woher meine seltsame Selbstwahrnehmung kommt ? Da braucht's nicht viel Phantasie. Ich bin halt immer noch das ungeliebte, unerwünschte Kind ( s. Nachbarthread mit dem Mann, dessen Frau ihn verlassen will ).
Und weil ich nur dann ein kleines bißchen Aufmerksamkeit und Zuneigung bekam, wenn ich etwas leistete, leistete ich halt fortwährend etwas.

Ich denke, deine Probleme rühren nicht von den beiden Beziehungen her, die du hattest. Da muß mehr sein.

w 48
 
  • #5
Ich bin 27 und habe eine wahnsinnig negative Einstellung ggü mir selber.
Dann solltest du zuerst an deiner Einstellung dir selbst gegenüber arbeiten. Wenn nötig mit Menschen, die das berufsmäßig machen.

Wenn ich nur schon lese: "Tja.. meine Gebete wurden erhört. Er hat mich richtig verprügelt und am nächsten Tag eröffnet, dass er übrigens auch schon eine Neue hat", gruselt es mich.

Warum definierst du dich über Männer, wenn du in deinem Studium angeblich sehr erfolgreich bist, wie du schreibst.
Obwohl es mir - bei deiner Lebenseinstellung - schwer fällt zu glauben, dass du überhaupt Abitur hast.

Wenn du weißt, dass dein Verhalten schwachsinnig ist, warum tust du dann nichts dagegen?
Du schreibst: "So kann das doch nicht weitergehen? Rational habe ich keine Gründe, mich so zu fühlen!"
Auf was wartest du dann? Auf den Prinzen mit dem weißen Pferd?

Du musst schon selber etwas dafür tun, damit es in deinem Leben anders wird. Zum Beispiel dich um professionelle Hilfe kümmern, wenn du es alleine nicht schaffst.
 
  • #6
An die Forumsteilnehmerin 48 - sehr gute Qualifikationen. Lies mal
Heintze Bunte Zebras oder Brackman Ganz normal hochbegabt. Da findest du dich wieder. An die Threadstellerin - es gibt einige Bücher- ich bin mir im Moment nicht sicher od Noorwood " Wenn Frauen zu sehr lieben" das ist, in dem du dich wiederfindest.
Also - Du hast Dein Problem hier bekannt. Du musst nicht analysieren, woher es kommt, du must handeln, damit es verschwindet. Vielleicht ist übrigens der Mann, mit dem du jetzt zusammenbist dann, wenn du dein Selbstvertrauen unddeine Selbstachtung gefunden hat - und das kannst du nur alleine - der absolut passende für dich.
Tipps: Unternimm Dinge alleine - geh alleine zu einer Ausstellung / Museum/ Führung und rede nebenbei mit menschen und schau dir andere Menschen an, wie sie sich darstellen / zeigen.
Mach ein professionelles Foto-shooting und schau dir deine Bilder danach über einen längeren Zeitraum an. Das bist Du !
Mach irgendwas, was deinen Kopf beschäftigt. - am besten einen wöchentlichen Termin. Solange du rechnest ob 3 mal 253 jetzt 700 oder
wieviel auch immer ist kannst du nicht über dich und deine Unfähigkeit nachgrübeln. Es gut gut, die ständig im Hintergrund laufende "Grübelgedanken" die alle selbstabwertend sind dadurch zum Schweigen zu bringen, dass du dich auf etwas anderes konzentrierst.
Von einer Therapie / einem Coaching würde ich dringend abraten . meistens kommen die Therapeuten inicht über den Satz: Ja da müssen sie selbstbewußtsein lernen hinaus - und dann fühlst du dich noch blöder wie jetzt schon. Du hast die Kraft und die Power und den Grips dein Leben zu verbessern. Seit deine Fähigkeiten für dich ein.
 
  • #7
Woher meine seltsame Selbstwahrnehmung kommt ? Da braucht's nicht viel Phantasie. Ich bin halt immer noch das ungeliebte, unerwünschte Kind ( s. Nachbarthread mit dem Mann, dessen Frau ihn verlassen will ).
Und weil ich nur dann ein kleines bißchen Aufmerksamkeit und Zuneigung bekam, wenn ich etwas leistete, leistete ich halt fortwährend etwas.

Ich denke, deine Probleme rühren nicht von den beiden Beziehungen her, die du hattest. Da muß mehr sein.
Das gleiche dachte ich auch und vermute ich bei der FS! Kinder, welche in der Kindheit nicht die Erfahrung gemacht haben, um ihretselbst geliebt zu werden und dass die einfach so wertvoll sind, ohne etwas zu leisten und vorzuweisen, können kein stabiles Selbstwertgefühl in sich selbst entwickeln und auch kein Vertrauen in Ihren Fähigkeiten, dass sie wirklich gut sind in dem was sie lernen, studieren und später in ihrem Leben leisten. Das Kind hat schnell begriffen und gelernt, wie man sich Zuneigung und Anerkennung holt. Und macht das Gleiche auch wenn die Eltern gar nicht mehr leben.

Vielleicht könnte eine kognitive Verhaltenstherapie helfen, welche auf die kognitive Umstrukturierung des Klienten abzielt. Das Bild, welches man von sich selbst hat, ist eigentlich das Fremdbild (falsches Selbst), welches vom Umfeld bzw. den nahen Bezugspersonen übernommen wurde.

Vielleicht könnte es sogar helfen diese Schemata oder Verhaltensmuster, welche auf übernommene Glaubenssätze über sich selbst basieren loszuwerden, indem man erkennt dass unsere Eltern ihrerseits viele unverarneotete Konflikte aus ihrer Kindheit hatten und welche sie auf uns projizierte hatten. Es war ihre Lebensunzufriedenheit, Ihre Frust, ihr Neid, welches sich in Worte ausdrückte: "Du bist zu schwach und unfähig und wirst es nie zu etwas bringen". Jeder muss sich fragen: " Bin ich das wirklich, nur weil meine Eltern aus Neid, Frust und Unzufriedenheit das über mich sagten?"
 
  • #8
An die Forumsteilnehmerin 48 - sehr gute Qualifikationen. Lies mal
Heintze Bunte Zebras oder Brackman Ganz normal hochbegabt. Da findest du dich wieder. ...
Sei mir nicht böse, aber: nein, da finde ich mich überhaupt nicht wieder.
Ich empfinde mich nie als buntes Zebra ( hab das gerade gegooglet ).

Ich war mit meiner Tochter einige Zeit bei Frau Brackmann, aber das ist hier nicht das Thema.
Mein Beitrag sollte die Analogie zur Gefühlslage der FS zeigen.
Ich fühle mich minderwertig, obwohl ich das rational betrachtet nicht bin.
Ich wollte der FS raten, zu überlegen, ob die Ursache ihrer Verwirrung in ihrer Kindheit liegen könnte, wie es vermutlich bei mir der Fall ist.

w 48
 
  • #9
Vielen Dank für die vielen Kommentare und Ratschläge.
Ihr habt Recht! Mein Vater hat mich als Kind immer stark unter Druck gesetzt. Es ging am Abendessen-Tisch eigentlich immer um Noten und Leistungen in der Schule. Obwohl ich immer gute Leistungen erbracht habe, gab es da immer die große Schwester, die aber "statt der 2+ wie man selber, eben die 1 hatte".
Ich habe ein sehr ambivalentes Verhältnis zu meinem Vater. Einerseits weiß ich, dass er mich sehr liebt und auch immer nur das Beste für mich will. Aber manchmal zeigt er es eben auf seine sehr eigene, pädagogisch nicht wirklich wertvolle Art und Weise.

Ich möchte gerne meine Zukunft mehr in die Hand nehmen. Ich war gestern bei meiner ersten Therapie-Sitzung und er hat die Vermutung bezüglich meiner Kindheit, die ihr hier auch angebracht habt, bestätigt und möchte mit mir daran arbeiten.
Außerdem habe ich eine 2-monatige Reise durch Südamerika geplant, die am 1. November losgeht. So kann ich etwas Abstand gewinnen und besser zu mir finden. Ich hoffe, dass es etwas bringt! Aber ich fühle viel Energie und freue mich auch darauf, mich mal intensiv mit mir selbst zu befassen - fern von allem Gewohnten hier in der Heimat.

Also, noch einmal danke für Eure Hilfe!