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wahlmünchner

Gast
  • #1

Wie ehrlich die eigenen Schwächen kommunizieren gegenüber dem Partner?

Vermutlich haben zumindest die meisten von uns eine Charakterschwäche die einem selbst auf den Keks geht:
- Aufschieberitis ( Prokrastination )
- essen obwohl Diät geplant ist
- Unpünktlichkeit
- Schlamperitis ( nicht sinnvoll auf oder einräumen..)
-....
Frage 1: ist es euch sehr peinlich, wenn der Partner das mitbekommt?
Frage 2: Wollt ihr Ratschläge/ Tipps wie ihr da raus kommt?
( frage deshalb weil ich vorm PC grad selten etwas Sinnvolles mache..schreibe nicht umsonst hier ständig mit..mein Freund lobt mich weil ich so fleissig lerne ( ist mir! langsam sehr peinlich))
 
  • #2
Hi,

schön, dass Du hier, so oft, schreibst, :) da gibt es wenigstens einiges zu lesen, auch wenn ich nicht immer Deiner Meinung bin. ;)
Für mich ist das hier Lesen und Schreiben eine Möglichkeit viel, auch über mich, zu erfahren und zu lernen.

Zu Deiner Frage:

Ja, meine Partnerin sollte meine Besonderheiten kennen.
Erstens möchte ich mir dieser und deren Bedeutung selbst bewußt sein oder werden, zweitens zu diesen und damit zu mir selbst stehen (können) und drittens ihr die Möglichkeit geben sich mit diesen auseinandersetzen und gegebenfalls anders entscheiden zu können. Natürlich auch umgekehrt.
Ich finde es wichtig lieber voll und ganz zu meiner Partnerin und sie zu mir mit allen Besonderheiten zu stehen als irgendwann halbherzig mit- und aneinander, vorbei, zu leben und nur noch zu ertragen, wenn man feststellt dass diese nicht (mehr) passen. Kleine Dinge, die man selber vielleicht als völlig harm- und bedeutungslos sieht, werden in der Regel in einer Beziehung mit der Zeit immer größer. Im Schlechten und manchmal erfreulicher auch im Guten. :)
Das bin ich mir und ihr schuldig.
Ein schleichender Beziehungstod und das Gefühl Lebenszeit verschwendet zu haben empfinde ich als tragisch.

Andererseits, wie bereits angedeutet, sind sie manchmal gerade das Salz in der Suppe, das was die Qualität des Miteinanders und das Liebenswerte aneinander ausmacht und es wäre doch schade, das nicht zu wissen und geniessen zu dürfen.
 
E

Ein_Gast

Gast
  • #3
Hallo,

ich finde es auch ganz wichtig, dass ich diesbezüglich meinem Partner gegenüber ganz offen bin. Verheimlichen lässt sich das ja eh nicht. Je nach Ausprägung kann der ein oder andere trotz aller Liebe auf Dauer damit nicht gut umgehen. Lieber gleich mal sagen, dann wissen beide woran sie sind, bevor es brodelt und irgendwann explodiert einer. Es gibt noch genügend andere Reibungspunkte. Peinlich wäre es mir, glaube ich, nicht.

Ratschläge und Tipps fände ich nicht angebracht. Im Normalfall sollte jeder selber wissen, was er/sie zu tun hat. Schwächen gehören zu einem, man kann sich bemühen. Aber kann ich wirklich aus jemandem, der tendenziell unordentlich ist, einen super ordentlichen Menschen machen? Ich glaube nicht.
 
  • #4
Liebe FS,

ich bin immer weitgehend transparent und offen gegenüber meinen Partnerin in Bezug auf meine Schwächen gewesen.

Es hat aus meiner Sicht auch ohnehin keinen Sinn da Verstecken zu spielen - bei einer engen Beziehung findet der Partner ohnehin heraus, was los ist und fühlt sich dann ggfs. gründlich verschaukelt.

Wenn Du Organisationsprobleme hast, könnte es doch helfen, wenn Du Deinem Freund einmal beichtest, wo der Hase im Pfeffer liegt und ihn um Hilfe bittest.

Vielleicht kann er mit Dir einen Lernplan erarbeiten, Dich abfragen und Dir - hoffentlich liebevoll Druck machen. Das könnte euch einander näher bringen als Dein Versteckspiel!

Viel Glück!
 
G

Gast

Gast
  • #5
Überhaupt nicht, wenn es ihm nicht selber auffällt. Warum sollte ich mich angreifbar machen?

Es ist ja die Frage, ob er das als Schwäche sieht, was für mich eine ist.
Und wenn für Dich selber was eine Schwäche ist, warum darüber reden, statt die Energie drauf zu verwenden, es zu ändern?
Du kannst oder willst es nicht aendern? Dann ist es keine Schwäche sondern Bestandteil Deiner Persönlichkeit und das sollte Dein Partner an Dir lieben. Deswegen ist er mit Dir zusammen, weil Du laissez faire kannst und nicht mit mir, die ich so ordentlich, pünktlich und pflichtbewusst bin, dass man das schon als Zwangsstoerung diagnostizieren kann.

Die meisten Männer können sich für die Kommunikationswut der Frauen nicht begeistern. Insbesondere Scheitern an Diäten, vermeintliche Unordentlichkeit und ähnliche aufgebauschte Themen sind ihnen zuwider. Ich sage erst was, wenn er es anspricht, ein Thema draus macht, weil es ihn stört. Dann kann ich für mich entscheiden, ob ich das ändern kann und will - für ihn allein acker' ich mich an einem aussichtslosen Thema nicht ab, scheiter' und habe noch mehr Stress mit ihm und mir.

Bei dem PC-Thema würde ich ohne Probleme antworten "ich arbeite/lerne nicht, ich chatte". Damit kann er zur Kenntnis nehmen, dass ich Zeit habe, mich mit ihm zu unterhalten. Sowas verberge ich nciht, wüsste nicht, warum ich das sollte. Es ist meine Sache, ob ich lerne oder die Zeit verdaddel', denn nur ich habe unter den Folgen zu leiden, nicht er.
 
G

Gast

Gast
  • #6
Deine Punkte sind keine Charakterschwäche, sondern haben was mit der eigenen Entwicklung zu tun. Diziplin kann man lernen, muss es aber nicht. Ist ja schließlich nicht überlebenswichtig.
Da du vom Lernen sprichst, denke ich, bist du noch Schülerin. Ich war bis Mitte 20 auch noch stinkend faul, bin heute aber enorm dizipliniert. Bringt die Lebenserfahrung so mit sich.

Nebenbei sind die Punkte menschlich. Es gibt auch faule 50 jährige.

Und nein, mir ist nichts peinlich. Wüsste auch keine Situation, dir mir peinlich wäre.
Meine Schwächen schon dreimal nicht. Denn wer Schwächen zugibt, ist stärker, als jemand, der versucht, seine Schwächen mit künstlichem Selbstbewusstsein zu üertünchen.
 
  • #7
Ich möchte schon darüber reden, wenn ich ein Problem mit meinem eigenen Verhalten habe. Und Ratschläge sind immer willkommen.
Was absolut NICHT willkommen ist, ist, dass ich dann erzogen werden soll. Das war nämlich nicht der Grund, warum ich es erzählt habe, dass sich der andere dann als Vormund aufspielt.
Wenn ich mich entscheide, nicht so viel Süßes zu essen, will ich nicht, dass mein Partner anfängt, mir ins Essen zu quatschen. Dafür labere ich ihn auch nicht dauernd voll, dass ich mich dick finde. Sowas gibt es ja auch, dass sich der andere dann dauernd die Malessen anhören muss, bis sie ihm zu den Ohren rauskommen. Aber gemacht wird nichts, dass sich das mal ändert.
Ich war mal eingeladen bei Freunden, wo sich der Mann dann offen über die Frau äußerte, dass sie ja abnehmen will, und ihr deswegen den Kuchen rationieren wollte. Das geht gar nicht.
( frage deshalb weil ich vorm PC grad selten etwas Sinnvolles mache..schreibe nicht umsonst hier ständig mit..mein Freund lobt mich weil ich so fleissig lerne ( ist mir! langsam sehr peinlich))
Würde ich nicht aufklären, aufhören, so viel im Forum zu schreiben und anfangen zu lernen, wenn mich das so stört. :)
(nicht, dass ich Deine Beiträge nicht gern lese. Aber wenn Dich das stört, kannst Du es ja sofort ändern. Falls es nur das ist, dass Dein Freund getäuscht wird ... naja :D Ich finde nicht, dass Du das aufklären musst. Außerdem lernt man hier ja auch eine ganze Menge über das Leben und die Liebe.)
Man sollte den anderen nicht in eine Aufsichtsperson-Rolle drängen. Der nervt irgendwann und es ist kontraproduktiv, weil man seine Entscheidungen allein trifft, auch wenn man was Dämliches macht.
 
G

Gast

Gast
  • #8
Es ist eine Frage, wie man mit seinen Schwächen umgeht, ob man daran arbeitet, sich zu verbessern, oder ob man es schleifen lässt. Und wenn man etwas schleifen lässt, wird man angreifbar. Schlechte Marotten würde ich heute zeitig in Angriff nehmen, denn so gut wie alles kann man behandeln.

Meine früheren Schwächen waren: Schüchternheit, Verklemmtheit, Zwangsgedanken, Stottern, zu leises Reden & Logopädieprobleme, kein Blickkontakt halten können, Zuckungen und Tickprobleme, überhöhte Aggression im Jugendalter, da ich mich nicht ausdrücken konnte, Hypersensibilität, Komplexe, geschwächtes Selbstbewusstsein durch Missbrauch, usw.

Ich habe fast 28 jahre damit zu kämpfen gehabt, bis ich mich für jedes einzelne Problem in Therapie begab. Das eine oder andere Problem hat mich sogar gute Beziehungen gekostet: z.B. die Sprachprobleme. Manche Menschen reagierten auf mich aggressiv, nur weil ich mich nicht vernünftig ausdrücken konnte oder zu verschwiegen war.

Heute habe ich aber alles im Griff (ich lerne noch). Ich würde sagen, ich habe mich gefühlt gut ums zehnfache weiterentwickelt.
Ist halt eine Frage, ob es einem Wert ist, an sich zu arbeiten oder nicht. Aus seinen Schwächen kann man manchmal auch Stärken machen. Heute arbeite ich beruflich als Beraterin und kann den Menschen wiederum helfen.
 
  • #9
Frage 1: ist es euch sehr peinlich, wenn der Partner das mitbekommt?
Frage 2: Wollt ihr Ratschläge/ Tipps wie ihr da raus kommt?

Meine Schwächen sind mir nicht peinlich, da sie Teil meines Wesens sind. Manchmal gräme ich mich über mich selber, weil etwas nicht so ablief, wie es geplant war aber ich stehe dazu und mein Umfeld akzeptiert diese Eigenschaften, da ich eine Schwäche durch Stärken auszugleichen weiß. Für Ratschläge bin ich offen, solange es nicht auf einem Teenielevel abläuft und positiver Kritik ist wertvoll für mich.
 
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