• #1

Wie geht man um, wenn der Mann mit sich selbst nicht im Reinen ist?

Ich brauche einmal die Meinung von Außenstehenden. Ich, 31 habe vor 4 Monaten einen interessanten Mann kennengelernt, der zu Beginn sehr interessiert an mir war und auch Verständnis dafür hatte, dass ich es langsam angehen lassen wollte. Haben uns in Ruhe kennengelernt, wenn auch nur hauptsächlich am We. Er kommt vom Hof, hat dort jahrelang 24/7 mitgeholfen, sein Studium hat sich deswegen verzögert, sodass er nach Ausbildung, Auslandsaufenthalt und Studium mit 30 in einem Unternehmen 100 km vom Hof entfernt erfolgreich eingestiegen ist. Die We's wurden mit mir oder auf dem Hof verbracht. Den Hof erbt komplett sein Bruder. Er hadert nun sehr mit der Situation, möchte am liebsten, wie sein Bruder selbstständig sein und sagt selbst, dass es ihm schwer fällt am We das Wirken seines Bruders zu sehen. Ein Streit der beiden, dass er sich mehr raushalten soll, hat die Situation verschärft. Kurzum kam gestern nach einem schönen Tag zu zweit der "Ausbruch", er wäre so unglücklich und möchte mir einen Miesepeter an der Seite nicht zumuten und dass er zunächst mit sich selbst ins Reine kommen muss. Seine Wunschziele erscheinen ihm unerreichbar. Ich stehe nun irgendwie doof da, verstehe die Situation, bin aber auch machtlos. Nach dem Gespräch hat er sich "verabschiedet" und ist zu seiner Schwester gefahren (Seine Gesprächspartnerin Nr. 1)...
Hat jemand Tipps, wie ich nun damit umgehen kann?
 
  • #2
Mit ihm würde ich nicht mehr umgehen. Er hat es so gesagt, sich verabschiedet zu seiner Schwester. Wünsche ihn eine gute Zeit und gutes Gelingen wobei auch immer. Sei froh, dass er dich nicht als Abfalleimer benutzt und fertig.
 
  • #3
Liebe FS, machen kannst Du nicht sehr viel. Evtl. bietest Du Dich als "Zuhörerin" an. Ob das auf Dauer gut geht ist die Frage?! Und ob Du Dir das antun möchtest, die nächste! Eine beginnende Beziehung verliert dadurch die Leichtigkeit, wenn ihr schon zu Anfang belastende Themen wälzt.
 
  • #4
Hat jemand Tipps, wie ich nun damit umgehen kann?
Nein nicht wirklich. Aber ich weiß, Reisende kann man nicht aufhalten und man sollte es vielleicht auch gar nicht. Er scheint auf einer großen Reise zu sein. Als ist noch lange nicht angekommen, nirgendwo.
Sein Fokus liegt auf vielen Baustellen zu gleich vermute ich, er wirkt logischerweise Unausgeglichen, ja suchend nach seiner eigenen Bestimmung. Ob du dabei genug Raum haben wirst wage ich zu bezweifeln. Jetzt werden dir hier einige sagen wollen, dass dies eine dumme Ausrede ist und er dich auch nicht wirklich haben will und so weiter und....... aber ich glaube schon das es zwei Seiten gibt und kenne es selbst, wie es ist wenn man in einer Art Schleife festhängt. Man dreht sich im Kreis, ist Unentschlossen, ja weiß nicht wohin man gehen möchte. Ich hatte das auch mal ein halbes Jahr etwa und konnte dann aber meinen Weg zurück finden. Ich denke du kannst da gar nichts machen, sondern er muss wach werden und die Dinge anpacken und lenken. Du kannst entweder nur Geduld haben oder aber deinen eigenen neuen Weg gehen. Beides kann gut und weniger gut sein.
Hör auf dein Bauchgefühl.

m47
 
  • #5
Hallo AnSch,

ich würde mich zurückziehen. Offenbar wünscht er dies ja auch. Würde ich mich nicht zwei Mal bitten lassen. Er möchte offensichtlich keine Beziehung mit Dir. Ob seine persönlichen "Baustellen" nun der alleinige Grund dafür sind oder nur vorgeschoben, weil er Dir das Gefühl geben möchte, "es ist meine Schuld, nicht Deine", bzw. "es hat nichts mit Dir zu tun" oder ob er zu feige ist, zu äußern, dass er die Beziehungsanbahnung nicht fortsetzen möchte, oder ob es andere Gründe dafür gibt, dass er keine Beziehung mit Dir möchte, finde ich unerheblich. Er will nicht. Fertig. Oder?
 
  • #6
Finde ich sehr vernünftig von ihm.
Männer, die beruflich arg unzufrieden sind, sind unausstehlich, und du hast doch sicher keine Lust, sein Prellbock zu sein.
Dass er sagte, er wolle dir keinen Miesepeter zumuten, ist ja ganz nett gesprochen, aber wahrscheinlich geht es ihm darum, dass er derzeit all seine Energien in seine berufliche Zukunft legen möchte und keine mehr für eine Beziehungsanbahnung übrig hat. Seine Konzentration liegt nun einfach woanders.
Er kann dir vermutlich derzeit nicht geben, was du brauchst und dir unter einer harmonischen Beziehungsaufnahme vorstellst.
Es ist natürlich unglücklich, dass ihm dies nach 4 Monaten einfällt, aber der Streit mit dem Bruder wird wohl der Auslöser gewesen sein, dass er nun tatsächlich etwas verändern möchte.

Leider seid ihr noch nicht lange genug zusammen, als dass du ihn in dieser Phase unterstützen könntest oder müsstest. Seine Ansprechpartner sind die Menschen, die die Situation schon lange kennen und auf deren Hilfe er vertraut. Vermutlich will er vor dir auch nicht als Jammerlappen dastehen - vor der Schwester geht das sicher besser.
Vielleicht hat er sogar schon Optionen im Kopf, womöglich in einer anderen Region oder im Ausland.
Ich würde ihm an deiner Stelle daher Verständnis, moralische Unterstützung und ein Ohr anbieten und ihm auch signalisieren, dass du dich für seine Probleme interessierst, ihm zuhören würdest, seine Entscheidungen akzeptierst, an ihn glaubst (sehr wichtig). Dich als wertvolle Partnerin darstellen, die ihm den Rücken freihält und ihm nicht zusätzlich durch ihre Anforderungen Stress macht.
Der Rest muss dann allerdings von ihm kommen, ein Signal, dass er sich darauf einlässt.
Ewig darauf warten, dass er sein Leben auf die Reihe kriegt, solltest du allerdings nicht. Dies bedingt die Gefahr, dass er sich daran gewöhnt, dass du und eure Beziehung ständig ins Hintertreffen geraten und alles immer wichtiger sein darf als du.
 
  • #7
Liebe AnSch,
du kannst niemanden retten, der nicht gerettet werden will. Ich finde es gut, dass er eure Beziehung nicht als Katalysator für deine emotionalen Emissionen nutzt. Es ist für jede Partnerschaft eine belastende Zerreißprobe, wenn einer der Partner mit sich und seinem Leben nicht im reinen ist. Ich finde es fair, dass er dir diesen Zustand nicht zumuten möchte. So realistisch und ehrlich sind doch die wenigsten. Die meisten Menschen benutzen ihre Partner als Seelenmülleimer. Er gibt dich quasi frei und du hast die Chance auf ein anderes Glück.
Liebe lässt frei! Vielleicht kommt er irgendwann, wenn er nicht mehr in seinem Leid gefangen ist auf dich zu?! Vielleicht weist du in ein paar Monaten wofür eure Trennung heute gut ist?! Begegne seiner Entscheidung mit Respekt und Wohlwollen. Biete ihm an dass du für ihn da bist, wenn du das emotional kannst. Mehr kannst du gerade vermutlich nicht tun.
 
  • #8
Wer das Leben in der Natur und auf einem Bauernhof liebt, der tut sich sehr schwer mit einem Leben als Angestellter. Er fühlt sich entwurzelt und vom "richtigen" Leben abgeschnitten.
Schreib ihm doch eine Karte oder einen Brief, mit dem Du ihm wünschst, dass er seinen Weg findet. Vielleicht wäre es sein persönlicher Weg, seinen eigenen Hof aufzuziehen, nachdem er ein paar Jahre lang das Geld dafür in einem Angestelltenverhältnis verdient hat. Eine schöne Pferdepension wäre doch ein Traum (also für mich zum Beispiel)! Beim Bruder einzusteigen würde ich eher nicht empfehlen, nicht dass es wie bei Kain und Abel endet.
w, 37
 
  • #9
Er fährt zur Schwester? Da schrillen beim geplagten Leser sogleich die Alarmglocken! Bist du dir sicher, dass es seine Schwester ist? Ich hoffe, es handelt sich wirklich um ein normales Geschwisterverhältnis. Spaß beiseite, ich finde es seltsam, dass man sich als 30jähriger bei der Schwester ausheulen muss. Ein Mann macht sich seine Sachen mit sich selbst aus. Wenn es sich um Beziehungsangelegenheiten handelt, dann eben mit der Partnerin.

Würde Clint Eastwood bei Problemen zu seiner Schwester reiten? Nein! Der reitet in den Sonnenuntergang! Vergiss diesen Mann!
 
  • #10
Hi,

da kann man nur Vermutungen anstellen.
Ich glaube er hat während seiner 24/7 Hilfe am elterlichen Hof immer davon geträumt, diesen irgendwann zu übernehmen. Hat sich das ausgemalt, wie und was er dann machen würde. Jetzt fällt dieser Traum aus und er hat keinen anderen Plan. Sein "Schicksal" würde nun so aussehen, dass er irgendwo als Angestellter einen Job hat und mit einer Frau irgendwo anderes ausserhalb des Hofes leben "muss". Bedeutet anstrengender Weise für ihn, sich nicht ins gemachte Nest setzen können, sondern was Eigenes aufbauen. Du verkörperst nun in gewisser Weise dieses ungewollte anstrengende Schicksal, welches er gerade noch ablehnt. Deshalb bist du vielleicht gerade sozusagen das ungewollte Dilemma.
Nimm es nicht persönlich. Mir wäre das, wie so oft, zu anstrengend, da dran zu bleiben.

LG
 
  • #11
@AnSch
Männer schwindeln leider das Blaue vom Himmel, um ihr Ziel zu erreichen. Ich denke, er wollte seine Freiheit wieder und Eure Beziehungsanbahnung wurde ihm zu eng. Es liegt nicht an dir. Was ich in meinem Leben gelernt habe: Männer, die sich verabschieden haben längst (!!!) und IMMER eine neue Freundin an der Hand. Egal was sie dir vorschwindeln. So sicher auch in deinem Fall. Habt Ihr Euch online kennengelernt? Dann hat er sicher weitergesucht. Wie feige. Zu Gute halten kannst du ihm, dass er immerhin offiziell Schluss gemacht hat und nicht einfach abgetaucht ist. Umd sooo eng wart Ihr ja noch nicht. Wie gut! Alternative: Er hat Depressionen. Fakt ist, die erste Verliebtheit ist vorbei und es gab für ihn keinen Sex. Da kam vermutlich eine andere Frau daher, die schneller ist in Liebesdingen und ihm ordentlich den Kopf verdreht hat. Bitte höre nicht auf diese Mitleidsmasche. Es ist zu 100% nur eine Ausrede. Auch das setzen Männer gern gezielt ein, um sich geschickt "aus der Affäre zu ziehen"... Er würde dir niemals sagen, dass er eine Andere hat. Merke dir, es gibt immer eine Konkurrenzfrau! Ob die jetzt allerdings das große Los mit ihm gezogen hat, ist offen. Der Typ ist keinen einzigen Gedanken mehr wert. Er ist unehrlich zu dir. Tu' dir was Gutes, z.B. eine Fahrradtour mit Freundinnen in der Natur oder einen Tagesausflug. Plane ein paar Aktivitäten für's Wochenende. Geh' ins Cafe und verwöhne dich. Oder in die Sauna und zur Pediküre und Maniküre.. Damit du auf andere Gedanken kommst und sich der Liebeskummer eindämmen lässt. Ich drück dich fest und wünsche dir Glück mit der nächsten Frühlingsliebe.
 
  • #12
'Ohne Wurzeln keine Flügel'
Höfe haben eine eigene Energie, die wirkt über Generationen hinweg.
Es ist nicht nur eine gemeinsame 'Firma'... was ja an sich schon tiefgreifend wäre. Und es ist nicht nur ein 'Familienthema' ... was ja ebenfalls tiefgreifend wäre.
Höfe können 'ihre' Leute tief an sich binden ... sie geben Halt, aber sie fordern den Beteiligten auch sehr viel ab. Man wird in die Struktur eines Hofes hineingeboren und wächst damit auf. Kennt seine Eltern nur in der Hingabe an den Hof, jeden Tag. Auch am Sonntag und bei jedem Wetter.

Es ist nicht wie in der Industrie, wo verhandelt wird über Stundenlohn oder sogar mit Streik gedroht wird, derartiges Denken ist jedem Bauern fremd ... völlig verrückt, die Arbeit liegen zu lassen, sie muss gemacht werden ob es sich lohnt oder nicht.
Und wenn Gefahr droht durch Unwetter oder Tierkrankheiten oder schlechte Ernte oder Kälte oder Hitze oder mittendrin wichtige Maschinen kaputt gehen, dann halten alle zusammen und wissen, was es bedeutet.
Es sind hohe Grundtückswerte, aber sie werden auf ein 7tel runter bewertet.
Wer geht bekommt nicht zurück, was mal hineingegeben wurde.
Vom Hof zu gehen, bringt nicht viel. Mehr verlangen kann oder darf man meist nicht. Ein neuer Hof, hat nicht die Schwingungen des altvertrauten.
Es sind die Felder, Wald, Wiesen & Plantagen und das Hofgrundstück wo schon die Eltern oder Großeltern drauf gearbeitet haben. Das ist nicht wie in der Industrie wo einfach irgendwo neue Hallen hingestellt werden. Es ist eine eigene Welt.
Und deswegen könnte ihm ein systemische Familienstellen helfen,
wo man sich mit der Energie eines Hofes auskennt.
Tipps: Erzbistum Bamberg, Kloster Schwarzach, Professor Ulshamer in Freiburg i.Br. ... könnten euch/ihm weiterhelfen, mit systemischer Aufstellung.
 
  • #13
Ich habe gerade in einem anderen Thread geschrieben, was mich an Frauen nervt: Dass Frauen solchen unzulänglichen Männern ständig eine Chance geben wollen und sich dann über deren unverbindliches Verhalten beschweren.
Solche Anstalten hören erst auf, wenn man solchen Männer keine Chance mehr gibt.

Seine Gesprächspartnerin, die Schwester, ist also die Nr.1. Das wird sich nie ändern, du wirst es nie ändern und solltest es auch nie ändern wollen, weil es sein Lebensweg ist, wie er leben möchte.

Sein Hof gehört zu ihm, für dich sehr ungewohnt, für ihn normal. Das kann, soll und wird er nicht aufgeben, falls du das hoffst. Egal, wie stressig es ist, es ist sein Ding. Wäre das überhaupt ein Leben für dich? Sei ehrlich!

Der Herr soll mal seine Wunschziele anpassen, dafür braucht es Ruhe, Isolation, mal über sich selber meditieren. Du kannst ihm einmal anbieten, für ihn da zu sein und ihm gut zusprechen, dass seine Ziele schon klappen werden. Was solche Leute am meisten brauchen sind Menschen und Partner, die sie fördern (bekommt man aber leider viel zu selten).

Ich spüre deinerseits eine unterschwellige Aggression, dass dir vieles nicht gefällt, zum Beispiel Hof und Schwester. Ich rate dir, weder dran etwas verbessern zu wollen, noch eine Beziehung einzugehen, und so zu tun, als würde es dich nicht stören. Diese Probleme werden später ein richtiges großes Desaster.
 
  • #14
ich finde es seltsam, dass man sich als 30jähriger bei der Schwester ausheulen muss.
Was ist denn das für ein Quatsch? Wenn man ein gutes Verhältnis hat, dann kann sich gerade mit einem Geschwister gut austauschen. Die kennen einen am längsten und außerdem die familiären Zusammenhänge gut. Und diese scheinen beim Ehemaligen der FS nicht unerheblich zu sein.
Männer, die sich verabschieden haben längst (!!!) und IMMER eine neue Freundin an der Hand.
aha, welche Glaskugel bemühst Du? Alle und immer stimmt NIE!
Liebe FS,
ihr seid noch nicht lange genug zusammen als dass Du ihm jetzt hilfreich zur Seite stehen könntest und kannst. Ich glaube, dass er momentan den Wald vor Bäumen nicht sieht und sich in einer Orientierungsphase befindet. Hier kommen ja mehrere Themen zusammen, Hof, Erbe, neuer Beruf etc. Das ist viel und ich kann verstehen, dass er Dich nicht belasten möchte und er weiß , dass er in der nächsten Zeit Dir nicht das geben kannst, was Du Dir wahrscheinlich vorstellst.
Ich würde ihm Unterstützung signalisieren, falls Dir dies emotional möglich ist und ansonsten nichts tun. Und ganz ehrlich: es scheint noch sehr frisch zu sein. Die Gefühle sind bei Euch beiden noch im Sturm . Warte mal ab bis sich dieser emotionale Sturm nach ein paar Tage gelegt hat. Ich bin sicher er kommt nochmals auf dich zu.
Denn bei allem: Gefühle sind nicht auf Knopfdruck einfach abzustellen. Auch bei ihm nicht.
Alles Gute für Dich
 
  • #15
Das tut jetzt weh, aber ist im Grunde für Dich ein Glücksfall. Vermutlich ist Dir einiges erspart geblieben. Du hast ja gleich signalisiert bekommen: Du bist nicht die Nummer 1. Und er hat Probleme. Und er kann oder will Beziehung und berufliche Sorgen nicht unter einen Hut bekommen.

Problemmänner habe ich kennengelernt. Und ich finde, dass das keine Erfahrung ist, die man machen muß. Dabei geht es nicht mal um die ganzen Probleme, sondern auch darum, dass die immer Vorrang haben, die meist ganz klar priorisieren.

Du wolltest jetzt schon loslegen mit Problemlösen, Analysieren, Beistehen, Kämpfen. Lass das schön bleiben. Das kommt nicht gut an, wird meist nicht gewünscht und schon gar nicht gedankt und die Beziehung ist dann doch nicht so, wie man sie sich wünscht.

Eine Beziehung muß sich schön und leicht anfühlen. Und das wird sie wohl nicht. Weil er es nicht will. Und Beziehung kann man eben leider nicht alleine führen.

Lass los, richte Deine Krone, lecke Deine Wunden und auf zu neuen Ufern. Viel Glück.
 
  • #16
Dieser Mann hat seinem Bruder vor einiger Zeit seine tatsächlichen Erbteile abgetreten. Denn es wird - meist zu Lebzeiten der Eltern - ein Hofübergabevertrag gemacht (meistens mit Hilfe des LW Amtes oder des Bauernverbandes). An diesen Vertrag geknüpft ist in der Regel ein vorweg-genommener Erbausgleich (meist sehr gering) verbunden mit einem Pflegeversprechen für die Eltern, falls diese irgendwann mal gebrechlich werden. Ob das Pflegeversprechen jemals eingehalten wird ist fraglich, weil versprechen kann man viel und in jedem Dorf gibt es unrühmliche Ausnahmen.
Dennoch werden die Hofgeschwister meistens freundlich gestimmt und motiviert, dem Vertrag zuzustimmen, weil sonst die Eltern keine Rente bekommen oder der arme Hofübernehmer nicht überleben könnte ...
Also hat dieser Mann um den es geht, in Treu & Glauben einer Hofübergabe zugestimmt (genauer gesagt: gutmütig seinen eigenen Ast abgesägt) und gedacht, es würde auch weiterhin alles gut gehen und wäre für seine große Gabe (Erbteil) und Leistungen (harte Arbeit von Jugend an und bis neulich noch) auch weiterhin in der Familie geliebt und anerkannt.
Aber ... wie so oft ... die Zeiten & Werte wandeln sich ... und der andere will jetzt den großen Braten für sich und seine Frau & Kinder selber haben.
Vielleicht gibt es auch schon bald neues Bauland?
Ist doch prima wenn man seine Geschwister dann einfach vorher abserviert.
Mir ist es geschehen. Ich habe jahrelang für meine Rechte aus dem Hofvertrag gekämpft und verloren. Der Richter und der Herr vom Bauernverband haben fleißig gemauschelt. Die kennen sich. Das machen die immer so. Kaum jemand gewinnt vor Gericht gegen das Hofübergabe-Recht. Auch wenn die Hofübernehmer die Pflege der Eltern absichtlich nicht einhalten. Eine höhnische Verhandlung.
Auch hier im Dorf haben wir so einen Fall.
Die Justiz schert sich einen Dreck um die Rechte der Alten (Übergeber) und der weichenden Erben.
Aber ... Gottes Mühlen mahlen trefflich fein ... man muss nur etwas warten können ...

Vielleicht verstehst du deinen Freund jetzt besser? Und wie es in ihm aussieht. ER ist keineswegs im Unreinen. Sondern sein Bruder der ihn ausgetrickst hat. Und deswegen ist er zur Schwester gefahren. Die kennt auch jeden Quadratmeter Land und weiß was sonst noch so vorgefallen ist ...
 
  • #17
Ich halte es nicht für angebracht, den (Ex-) Freund der Fragestellerin hier in einen Topf mit den Männern zu werfen, über die man sich hier im Forum zu Recht des öfteren aufregt. Er steht an einer existentiellen Weggabelung in seinem Leben und er ist ehrlich zur Fragestellerin.
Wie es @Samtina und ich vorhin auch schon schreiben, ist ein Hof, der schon Generationen beherbergt hat, eine große Wurzel für einen Menschen. Man ist als ein solcher Mensch ganz nah an der Essenz des Lebens dran, am Kreislauf von Leben und Sterben, Winter und Sommer, Wachsen und Ruhen. Ein solcher Mensch kommt sich bei einer Angestelltenstelle eher wie im Gefängnis vor.
Auch ich bin in einem Betrieb aufgewachsen, allerdings keine Landwirtschaft, sondern ein Gasthof mit kleinem Hotel, der schon seit Jahrhunderten von der Familie geführt wird. Es ist wirklich wahr, die Energie in einem solchen Haus ist eine andere und ich kann es mir heute noch, mit 37 Jahren, kaum vorstellen, die Wurzeln nach da zu kappen. Ich überlege, ob ich trotz meines guten Berufes, in den ich schon so viel Lebensenergie gesteckt habe, nicht doch als Wirtin weitermachen sollte. Für mich gestaltet sich der Jahresverlauf nach der Art der Feiern (Weihnachten, Fasnet, Weißer Sonntag, Schlachtplatte etc.) und ich finde die Geschichten unserer internationalen Gäste unglaublich spannend.
Wirtin oder Bauer zu sein ist kein Beruf, sondern ein Lebensentwurf. Ich kann den Freund der Fragestellerin sehr gut verstehen und ich kann ihr nur raten, ihn wegen der Trauer um einen Lebensweg, die er gerade empfindet, nicht zu verachten. Auch sehe ich es wie meine Vorschreiberin, dass die Fragestellerin unterschwellig aggressiv auf den Hof und die Schwester reagiert.
 
  • #18
Da gibt es zwei Möglichkeiten:
Entweder er hat tatsächlich eine durch äußere Umstände konkret verursachte Glaubenskrise oder er sucht bewusst oder unbewusst einen Anlass, um Abstand zu kriegen.

Da die Situation mit Haus, Hof, Bruder und Studium nicht neu ist und es sicher auch nicht die erste Meinungsverschiedenheit war, deutet mehr auf einen Vorwand. Selbst für den Fall der Glaubenskrise ist er wenig achtsam dir gegenüber bzw. wenig interessiert an einem verbindlichen, schönen Kennenlernenn.

Lass seine Worte erstmal sacken und überlege ganz in Ruhe, ob DU unter den gegebenen Umständen überhaupt an einer Weiterführung des Kennenlernens interessiert bist, ob du ihm nach der Ansage überhaupt vertrauen und dich auf ein schönes, unbeschwertes Kennenlernen freuen kannst. Wenn ja, lote aus, was er sich denn nun vorstellt. Sprich mit ihm, sage, frage und kläre alles, was dir wichtig ist. Wenn er dir in zwei Wochen erneut einen Korb gibt, einem Gespräch ausweicht oder noch immer rumeiert und zaudert, egal ob wegen des Hofes oder in Bezug auf euch, dann lass es bleiben. Sollte er wieder Interesse haben, miss ihn an seinen Taten. Was plant er für euch oder mit dir, was unternimmt er, um die durch ihn verursachte Verunsicherung auszubügeln, wie offen und aktiv ist er, wie berücksichtigt er deine Bedürfnisse...
 
  • #19
Die We's wurden mit mir oder auf dem Hof verbracht. Den Hof erbt komplett sein Bruder. Er hadert nun sehr mit der Situation, möchte am liebsten, wie sein Bruder selbstständig sein und sagt selbst, dass es ihm schwer fällt am We das Wirken seines Bruders zu sehen.
Warum muss er überhaupt noch auf den Hof? Er hat sich doch eine eigene, hochwertige Ausbildung und einen eigenen Job erarbeitet! Das ist doch schon super. Warum muss er sich noch um den Hof kümmern, den nun der Bruder ganz allein erben wird? - Wie ich es sehe, müsste er sich endlich ganz von all dem lösen. Das würde ihn frei machen. Dann könnte er auch unbelasteter in eine Beziehung starten.
 
  • #20
Vielen Dank für die zahlreichen Antworten.
Ich finde auch, dass er einfach ehrlich war und sich ein Leben mit mir gerade nicht vorstellen kann, da er selbst nicht weiß, was er will.
Ich kenne die Problematik des Hoferbens sehr gut. Meine Eltern kommen beide vom Hof und auf beiden Seiten gab es schwierige Zeiten. Jedes Familienmitglied ist seit Anbeginn eingespannt, "nutzen" tut es nur einem. Emotional gebunden sind alle. Er hat in den letzten Wochen auch davon gesprochen, dass er sich heimatlos fühlt und aber auch, dass er die erfolgreiche Umstrukturierung des Hofes als seinen größten Lebenserfolg sieht, da dieser vor einigen Jahren nicht gut da stand.
Ich mag ihn auch deshalb so sehr, da er so bodenständig und familiär ist, die gleichen Werte hat. Und, dass er mich nun außen vor lässt, tut er auch um mich zu schützen.
Ja, vielleicht guckt er sich bereits nach einer neuen um, vielleicht hofft er, dass er eine mit Hof im Gepäck findet oder eine aus dem kleinen Ort an dem er nun unter der Woche wohnt, um hier auch anzukommen...
Ich kann es selbst grad gar nicht abschätzen, ob da noch was kommt und ob ich das will...
Ich weiß nur, dass er ein toller Unternehmer und dann auch toller Partner wäre. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Leidensdruck erst sehr hoch sein muss, damit man was ändert. Ich hoffe für ihn, dass er an diesem Punkt nun ist.
 
  • #21
Wenn er so blöd ist und sich jetzt nur eine sucht mit 'Hof im Gepäck' ... dann sei froh wenn er geht!
Weißt du, es tut einem 'echten Mann' und seiner Beziehung meist
nicht wirklich gut, irgendwo 'einzuheiraten' ... Schmunzel!

Die Zeit wird zeigen,
wer tatsächlich gewonnen hat, und wer verloren hat ...
Man muss nur ein paar Jahre warten können, dann zeigt es sich sehr deutlich.
 
  • #22
Sein Hof gehört zu ihm, für dich sehr ungewohnt, für ihn normal. Das kann, soll und wird er nicht aufgeben...
Hä ? Es gibt nichts aufzugeben, der Hof gehört seinem Bruder und der hat ihm gestern gesagt, er solle sich vom Hof scheren ( ahhhh, die Redensart füllt sich hier mit Realität ).

Hm...wo lest ihr denn alle, dass der FS-Freund mit der FS Schluss gemacht hat ?
Hier ?
...möchte mir einen Miesepeter an der Seite nicht zumuten und dass er zunächst mit sich selbst ins Reine kommen muss.
Joa, das könnte Schlußmachen bedeuten, oder aber auch, dass der Kleine mal auf den Arm will.
Vielleicht wollte er, dass die FS zu ihm sagt, dass er doch gar kein Miesepeter sei und in der Situation würde doch jeder...und dass sie Verständnis dafür habe, dass er mit sich ins Reine kommen müsse ( dafür hätte ich kein Verständnis, weil ich mir nichts unter diesem Begriff vorstellen kann, ähnlich wie 'sich selbst finden', wo ich mir immer vorstelle, an mir herunter zu sehen und 'ahhh, da isse ja' zu sagen ) und dass sie morgen ja mal eine schöne anstrengende Wanderung an der frischen Luft machen könnten, weil das das Gehirn durchpuste.

Oder hier ?
Nach dem Gespräch hat er sich "verabschiedet" und ist zu seiner Schwester gefahren

Was heißt das konkret ?
Hat er gesagt, 'laß uns mal lieber die Sache beenden, das mit uns passt einfach nicht' ?
Oder 'Tschüss dann, ich fahre jetzt mal zu meiner Schwester' ?
( Die nimmt ihn wahrscheinlich auf den Arm. )

Na ok, ich will's mal nicht übertreiben, wahrscheinlich hat er Schluß gemacht, aber ich kann das hier nicht erkennen und frage daher die FS, ob sie es erkennen konnte.
Na ok, und dann frage ich auch noch, falls der Mann gar nicht Schluß gemacht hat, ob sie mit ihm zusammen sein möchte.
Für mich wäre das nix, ich kann selbstmitleidige Jammerlappen nicht ausstehen, aber ich bin nicht sie.

w 50
 
  • #23
Ja doch, er hat schon Schluss gemacht. Wir haben seitdem keinen Kontakt mehr. Im Prinzip war es ein klärendes Gespräch, wie er sich gemeinsame Paarzeit vorstellt und wie es mit uns weitergeht...
 
  • #24
Ja doch, er hat schon Schluss gemacht. Wir haben seitdem keinen Kontakt mehr. Im Prinzip war es ein klärendes Gespräch, wie er sich gemeinsame Paarzeit vorstellt und wie es mit uns weitergeht...
Ok.
Dann hake es ab.
Deine Frage, wie du mit einem Mann umgehen sollst, der mit sich nicht im Reinen ist, stellt sich dann ja nicht mehr, denn du wirst keinen Umgang mehr haben.
Wahrscheinlich hat mich diese Frage verwirrt.

Um was geht's also ?
Er hat sich getrennt, es ist aus und du blickst jetzt nach vorn.
Das finde ich eine simple Sache.
Was können wir für dich tun ?

w 50
 
  • #25
Ja doch, er hat schon Schluss gemacht. Wir haben seitdem keinen Kontakt mehr. Im Prinzip war es ein klärendes Gespräch, wie er sich gemeinsame Paarzeit vorstellt und wie es mit uns weitergeht...

@AnSch
Jetzt machst du uns natürlich neugierig. Wie stellt er sich denn "Paarzeit" vor? Und was hat er gesagt, wie es mit Euch weitergehen soll? Er hat offensichtlich andere Vorstellungen von Paarzeit als du. Ich hatte auch den Eindruck, dass er vielleicht Euren "schönen Tag" als weniger gut empfunden hat als du. Kann das sein? Was habt Ihr konkret gemacht? Fehlte nicht auch etwas die Leidenschaft und die körperliche Anziehungskraft zwischen Euch beiden? 4 Monate komplett ohne Sexualität finde ich sehr lang. Was habt Ihr so miteinander unternommen? Wie oft habt Ihr Euch in den 4 Monaten gesehen? Ich denke, dass hier die eigentlichen Gründe für das plötzliche Aus liegen könnten - und nicht etwa in seiner Hof-Thematik. Du steigerst dich aus meiner Sicht viel zu sehr hinein in seine Probleme... Da beisst du dich richtig fest. Warum? Gab es keinen anderen Gesprächsstoff zwischen Euch? So problematisch sehe ich die Hof-Thematik auch wieder nicht. Er hat ein Studium absolviert und ist in eine Firma eingestiegen! Das nennt man Karriere. Allerdings hat er echt lang gebraucht für sein Studium... Das sollte aber zwischen Euch alles kein Thema sein. Was meinst du?
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #27
Wir haben uns jedes We für 1-2 Tage gesehen. Haben Ausflüge gemacht, sind Essen gegangen und haben aber auch typischerweise viel Zeit im Bett verbracht. Er war durch die Arbeit (und seine Unzufriedenheit?) am We jedoch immer sehr müde sodass es auch schwer war, was passendes zu finden. Jetzt am Samstag meinte er jedoch, dass dieses "Entschleunigen" nichts für Ihn ist. Er definiert sich durch Arbeit..(fehlende Anerkennung)..naja, ich habe akzeptiert, dass ich an der Situation nichts ändern kann und hoffe für ihn, dass er seinen Weg findet.
 
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