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  • #1

Wie gibt man sich denn selbst Zuwendung und Nähe?

Passend zum vorherigen Thread stelle ich die Frage, wie Menschen, die eben nicht alleine sein können, da sie ein Defizit an Liebe und Zuwendung haben, damit umgehen sollen? Ich habe wenig körperliche Nähe und Liebe in meiner Jugend erfahren und mein Partner hat mich anfänglich leibevoll, danach nur noch abweisend behandelt. Nun ist dieser schier unerträgliche Schmerz im Herzen und das Gefühl, ungewollt und ungeliebt zu sein. Das lässt sich nicht durch Freunde und Hobby ausgleichen. Was macht ihr gegen die Einsamkeit? Mich blockiert das Gefühl völlig. Mein Denken ist blockiert und meine Energie geht weinfach weg. Ich bin ständig unruhig, angespannt, weil ich mich so sehr nach Nähe sehne. Ich kann mich auf nichts anderes konzentreiren als einen Kuss, eine Umarmung, ein Streicheln...
 
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  • #2
Ich habe gelernt, viele Dinge zu genießen: ein wunderbares Duftbad, anschließend mich selber mit duftender Körperlotion zu pflegen; ein schönes Buch, Musik, bewußt etwas leckeres Essen und Trinken, dass ein wenig aus dem alltäglichen Rahmen fällt, Natur und ihre Düfte und Farben genießen, wären einige Beispiele.

Seit ich dies gelernt habe, hat das Gefühl Einsamkeit bei mir keine Chance mehr überhand zu nehmen. Noch etwas war wichtig auf diesem Weg: ich habe aufgehört, in die Vergangenheit zu schauen, auf Dinge/Zuwendung, die ich hatte oder nicht.
Es ist nicht mehr wichtig, ob ich gewollt oder geliebt war - denn ich kann für mich selber gut sorgen - ein deutlicher Vorteil des Erwachsenseins!

Wartet man ausschließlich auf einen Partner, als Ausfüller des von Dir beschriebenen Mangels, wird man immer von ihm/seiner Präsenz und Stimmung abhängig sein. Dein Glück steht und fällt mit diesem einem Menschen - eine mehr als unsichere Sache!
 
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  • #3
Ich kann mir vorstellen, dass es bei deinen Erfahrungen schwer ist, dich selbst zu lieben und auch ohne die Liebe und Zuwendung anderer glücklich zu sein. Ich kenne dieses Gefühl zeitweise auch. Obwohl ich von allen Seiten gesagt bekomme, dass ich sehr hübsch bin und ein ansprechendes Wesen habe, bin ich auch schon lange Single und das macht mich manchmal schier verrückt, besonders, wenn ich andere Paare sehe oder höre, dass wieder jemand heiratet. Freunde und Hobbies helfen da schon sehr, aber der Wunsch nach Liebe und Zuneigung bleibt. Vielleicht hilft es dir, dir ein Haustier zuzulegen. Ich habe mir eine Katze angeschafft und das war wirklich eine gute Entscheidung. Veilleicht kann auch eine ehrenamtliche Tätigkeit (z.B.mit Kindern) dich ausfüllen oder im Extremfall auch eine Therapie.
 
  • #4
Ja, das ist schrecklich, aber mir fällt dazu auch nicht viel ein. Nähe, Geborgenheit, Streicheleinheiten kann man sich einfach nicht wirkungsvoll selbst geben.

Ich hoffe , dass niemand aufschreit, aber eine Möglichkeit wäre wirklich, Dir ein knuddelfähiges Haustier zuzulegen, zum Beispiel einen Hund einer familientauglichen, spielfreudigen Rasse. Der gibt Rudelgefühl, lässt sich streicheln, kommt gerne zu Dir und Du kannst darüber sogar sehr gut mit anderen Hundebesitzern ins Gespräch kommen, sei es beim Gassigehen oder in der Hundeschule. Selbst mit Sportarten wie Agility könnte man dann leicht andere kennenlernen. Du wärest nicht mehr alleine und hättest das korrekte Gefühl, bedingungslos geliebt zu werden. Käme das für Dich in Frage?
 
  • #5
Es ist sicher kein Allheilmittel, aber vielen Menschen hilft (begleitend, nicht ausschließlich) da ein Haustier. Es kann helfen, ist aber kein wirkliches Heilmittel.

Da ist dann etwas, wofür man Verantwortung zu tragen hat, das man lieben kann und man selbst wird uneingeschränkt geliebt. In meinen, längst vergangenen, schweren Zeiten, haben mein Hund und Katze immer verhindert, dass ich mich habe gehen lassen und dafür gesorgt, dass meine Füße auf dem Boden blieben. Und in guten Zeiten, na ja, da tun sie mir eben auch einfach nur gut.

Aber für ein Tier muss man sich eben auch ganz bewußt entscheiden und die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Sonst macht das keinen Sinn und ist außerdem auch noch Tierquälerei.

Aber ich bin auch der Meinung, wenn jemand so extrem unter gewissen Defiziten und anderen Problemen leidet, wie du liebe FS, gehört er dringend in die Hände von Fachleuten. Alles was hier gesagt oder noch gesagt wird, kann da doch nur an der Oberfläche kratzen - und helfen schon gar nicht.

Ich wünsche dir Kraft und Einsicht, dass du etwas unternehmen mußt.
 
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  • #6
Das kenne ich sehr gut, wenig Umarmungen in der Kindheit, deshalb war es immer schwierig für mich, einen Partner zu finden. Die Wahrheit: Solange du dich nicht selbst liebst, wird es kein anderer tun. Du bist liebenswert. Einsame Durststrecken haben sehr sehr viele Menschen. Ein Haustier ist ein guter Rat, ich selbst hätte gerne eines, jedoch stimmen die berühmten Rahmenbedingungen nicht (in der Wohnung erlaubt, in die Arbeit dürfte ich kein Tier mitbringen, Katzenallergie, deshalb bleibt nur ein Hund und der braucht Zeit).
Du sehnst dich nach Bestätigung von außen. Schließe mit deiner Vergangenheit ab, verzeihe deinen Eltern dass sie es nicht besser wussten und geh diesen Weg nicht alleine. Eine Verhaltenstherapie ist nichts schlimmes, ganz im Gegenteil, sehr gewinnbringend für dich.
w.29
 
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  • #7
Meine Empfehlung wäre, die "Verletzungen" aus der Kindheit mittels einer Therapie aufzuarbeiten. Ohne Hilfe kommt man nicht leicht aus den eigenen Mustern raus. Wenn die Wunden geheilt sind, wenn man die Muster erkannt hat, dann ist m.E. die Seele geheilter und man hat mehr Kraft sich selbst Liebe etc. zu geben und dann zieht man auch die "richtigen" Menschen an.

Liebe FS, du kannst nicht erwarten, dass die andere Menschen das geben, was du dir selber nicht geben kann. Deine Aufgabe ist es m.E. zu lernen, dass du dir die Eigenliebe, die Wertschätzung selber geben kannst. Leicht gesagt, ich weiß, ich habe es selber durch. Es geht! Man muss sich Zeit nehmen, dazu gibt es viele Bücher und wie bei vielen Sachen, fängt alle im Kopf an und sackt dann immer mehr zum Herzen, bis es an der richtigen Stelle angekommen ist.

Viel Erfolg!
 
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  • #8
Meine Erfahrung: In einem Tanzclub oder Tanzschule ergeben sich von selbst Berührungen.Es werden aber meist keine Beziehungen draus usw.Kann trotzdem sehr angenehm sein und du bist auch nicht mehr einsam.
Wäre das eine Alternative für dich?
Versuche es doch.
Ich wünsch dir viel Nähe.
 
  • #9
Du könntest dich mal im Freundeskreis umhören, wem es wie dir geht. Auf diese Weise könntest du genau an diese Person heran treten und ihr gemeinsames Kuscheln vorschlagen.
Falls dann irgendwann mal mehr draus werden sollte, ist es doch auch okay, oder?
 
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