• #31
Ich verstehe durchaus, was Du damit ausdrücken möchtest @void
Alles nachvollziehbar.
Du beschreibst jedoch Partner, die charakterlich schon so sehr verschieden sind.

Ich habe wohl als Erfahrungsschatz hauptsächlich eine 21jährige Beziehung und eine handvoll kurzweiliger.
Mir selbst sind von Dir geschilderte Machenschaften oder Ereignisse noch nicht widerfahren (ich hoffe, mein Ex sieht das auch so ;))

Ein Partner geht voraus.
Natürlich kann ich den anderen nicht an der Hand nehmen und ein Mitkommen einfordern, ohne dass er selbst letztendlich überzeugt ist.

Ich hatte scheinbar viele Jahre das Glück, mit meinem Mann eine ziemlich identische Meinung, Vorgehensweise und Offenheit für Neuerungen leben zu dürfen.
Wir haben bis zuletzt immer gemeinsam entschieden und auch die Konsequenzen abgewogen.
Nun ja. Was seine neue große Liebe betrifft... da war ich dann auch anderer Meinung. Aber auch einen solchen Schritt geht man gewissermaßen mit, indem man ihn akzeptiert.

Ich denke, dass wir beide "mitnehmen" anders interpretieren.
 
  • #32
Gleiche Wellenlänge ist nicht definitionsmäßig gute Kommunikation, das kann alles mögliche betreffen, auch Sex (und keine oder schlechte Komm.). Ich kenne Leute, die gar keinen Wert auf Kommunikation legen, es anstrengend finden und Diskrepanzen nicht ausdiskutieren.
Ich denke, wenn man auf einer Wellenlänge ist, fühlt man sich verstanden und hat das Gefühl den anderen grundsätzlich (nicht in einzelnen Punkten) zu verstehen. Es hat vermutlich auch was mit Vertrauen zu tun, wo wir wieder bei der Liebe sind ;)

Das einzige, was Dir am Lebensende bleibt, sind Deine Erinnerungen. Mit wem willst Du Dich erinnern und über Deine Erinnerungen reden, wenn Du alle paar Jahre Partner und Freunde austauschst?
Da hast du wohl leider Recht. Längere Beziehungen schaffen Traditionen und Sicherheit, die in kürzeren nicht gegeben sind. Man sollte von Beziehung zu Beziehung abwägen, ob es das eben wert ist oder nicht. Vielleicht ist eine Beziehung/Freundschaft nur in einer schlechten Phase und langfristig überwiegt das Positive.

Ich meine mich erinnern zu können, dass du viel Zeit für dich brauchst oder?
Ich bin sehr gern allein, aber oft berufsbedingt mit Menschen zusammen und auch viel mit meinem Kind. Bin aber lieber mit einer Person zusammen, als mit einer Gruppe von Menschen.
Einsamkeit und Allein sein sind für mich zwei grundverschiedene Dinge. Einsamkeit heißt, ich will nicht allein sein, weil ich mich dann traurig, wertlos, gelangweilt, ängstlich usw. fühle. Einsam fühlen kann man sich auch, wenn andere im Raum sind. Man fühlt sich „allein gelassen“, also als Opfer. Allein sein ist für mich neutral und bedeutet niemand befindet sich mit mir im gleichen Raum.
 
  • #33
Ja, ich verstehe es schon aber ist es wirklich frei von allen Einflüssen?
Ich meinte nicht die Einflüsse, die ich erlebt habe, sondern, dass Leute einen während des inneren Prozesses bearbeiten wollen und ihre Wünsche formulieren, so dass man DAS im Kopf hat, statt zu hören, wonach einem selbst ist. Es ist ja nicht so, dass man in Ruhe gelassen wird. Es reicht auch schon, wenn der andere nur anwesend ist, dass das Stress erzeugen kann.

Ich meine, hast du jemals dir Gedanken gemacht, ob dein gesamtes Leben vielleicht doch unter falschen Annahmen stattgefunden hat?
Interessante Formulierung, es hat tatsächlich unter falschen Annahmen stattgefunden, weil ich von denen, denen ich vertraut habe, manipuliert wurde, dass ich das tue, was die für sich brauchen. Und es wurde massiver Druck ausgeübt.
Ja, ist es. Aber es ist ein wahrer Kampf. Der andere muss ja überzeugt werden, dass er nicht wirklich gefährdet ist und seine Ängste unbegründet sind. Man muss sich durchsetzen, die Beziehung aufs Spiel setzen und gucken, was passiert damit. Wenn der Partner anhänglich genug ist, wird er bleiben, eine Weile noch miesmachen, was der andere tut, und dann seinen Frieden damit machen. Kann Jahre dauern.
Soll er sich nun trennen, weil seine Frau sich um das Kind kümmern muss und sich zwangsläufig nicht mehr weiterentwickeln kann?
Nee, aber das ist, so wie ich das sehe, gar nicht das Szenario für "Entwicklung". So einer will ja gerade keine Frau, die sich auch beruflich entwickelt, sondern eine Familie und eine Frau, die die Familienarbeit übernimmt, die er sonst leisten müsste. Ein Entwicklungsschritt wäre es, wenn einer der beiden entdeckt, dass er aus seiner bisherigen Rolle raus will. Also der Mann will z.B. beruflich kürzer treten, da ihm der Job nichts mehr gibt. Risiko: Er verändert sich, folgt seinen Ambitionen, die abhängige Frau sieht, dass weniger Geld da sein wird oder gar keins, wenn die Pläne nicht klappen. Wenn die Kinder alt genug sind, müsste sie jetzt sagen, sie geht wieder arbeiten, damit er sich verwirklichen kann. Das, was ich kenne, lief aber anders. Der Mann wurde bearbeitet, dass er in der Spur bleibt und nicht seinen Ambitionen folgt. Oder aber die Frau sagt, der Mann möge jetzt mal mehr Kinderbetreuung übernehmen und seine Karriere sausen lassen, weil sie sich beruflich etwas mehr verwirklichen will.

Der Reiter soll sich natürlich nicht trennen, weil sie nicht mehr reiten kann. Aber die Frage ist, ob er das Reiten ihretwegen aufgeben kann. Das sollte die Frau nicht verlangen und er nicht tun, wenn er es bereuen könnte.
 
  • #34
Paare können sich tatsächlich aufhalten in der Entwicklung, nämlich, wenn sie in den eingefahrenen Rollen funktionieren und keiner die Beziehung riskieren will durch Eigenentwicklung bzw. das auch nicht muss, weil der Partner ja da ist. Vielleicht besteht auch gar kein Bedarf, weil es ja unbequem ist, irgendwelche Eigenschaften, die ein unabhängiger Mensch hat, selbst zu entwickeln. Manchmal kommen Krisen und jemand muss sich doch weiterentwickeln, weil der andere ausfällt, z.B. durch Krankheit.

Ich denke, dass die eigene Entwicklung bei einer Partnerschaft keine signifikante Rolle spielt.
Das kommt von innen. Wenn da eine Leerstelle ist, merkt man das und irgendwann will man die angehen oder sie zumindest so bearbeiten, dass es sich nicht mehr anfühlt, als würde man es bereuen, wenn man diese Sache nicht gemacht hat. Ansonsten gibt das Depressionen, Angstzustände usw., so war es jedenfalls bei mir, als ich versuchte, meine Ambitionen zu ignorieren.
Es spielt nur eine Rolle, wenn man ohne Empathie und Zuneigung nur durch Kalkül seine Partnerin/Partner ausgewählt hat
Nee, gerade nicht, sondern aus Verliebtheit, Liebe, Projektion und Sicherheitsgefühlen und Abhängigkeiten, die unbewusst sind. Deswegen ist es ja so schwer, einen individuellen Entwicklungsschritt zu einer reiferen, ganzheitlicheren Person zu machen, weil der die Beziehung gefährdet. Sobald A sich befreit von so einer Projektion, verliert B ja eine Aufgabe, die er übernommen hatte für A's Seelenheil. Und umgekehrt auch, B hat Sicherheit aus A's Abhängigkeit in der Sache gezogen, weil B anscheinend hier Kontrolle braucht.
Bsp.: A findet sich schon sein Leben lang unattraktiv, B findet A schön, aber insbesondere, dass A sich unattraktiv findet, ist (unbewusst) anziehend, denn es gibt B, der immer schon Angst hatte, verlassen zu werden, die Sicherheit, dass A nicht denkt, es könnte noch ganz andere Partner kriegen. Zuerst sind sie ein Herz und eine Seele, es fühlt sich sicher und geborgen an, A kriegt viele Komplimente von B, B merkt durch die dauernden Rückversicherungen von A, ob es wirklich attraktiv aussieht, dass B die Kontrolle hat.
A entdeckt aber nun irgendwann, dass es sich auch schön finden kann und will, tut was für die Figur, fängt an, sich körperbetonter zu kleiden und entwickelt Selbstvertrauen. B kriegt Angst, dass ihm die Kontrolle über A abhanden kommt. Deswegen sabotiert er A, z.B. beim Abnehmen oder sagt "in dem Kleid siehst du doof aus", wenn sie weggehen wollen, oder sowas. Das Selbstvertrauen soll wieder weg, denn es bedeutet Unabhängigkeit von dem Wohlwollen von B.
 
  • #35
Du beschreibst jedoch Partner, die charakterlich schon so sehr verschieden sind.
Das würde ich so nicht werten wollen, denn sie funktionieren ja vorher jahrelang im Zusammenspiel.
Z.B. in der Midlifecrisis kommen dann Wünsche wieder vor, die man verdrängt hat zugunsten von Beziehung, Kindern, Sicherheitsgefühlen, die man für sich bedienen musste. Das ist ja nicht immer nur "ich will ein Motorrad", sondern auch "ich wollte immer beruflich was anderes machen" oder "ich hatte noch nie guten Sex, jetzt merke ich, wie von innen heraus ein neues Körpergefühl da ist und die Hemmungen wegfallen können", ... Auch "ich hab mich noch nie geliebt gefühlt".
Mir selbst sind von Dir geschilderte Machenschaften oder Ereignisse noch nicht widerfahren
Ich kenne es aus dem engeren persönlichen Kreis. Auch aus meiner Exbez.
Aus dem weiteren Bekanntenkreis ... bei manchen sehe ich, dass sie nicht selbständig entwickelt sind und Rollen haben. Bei einer Bez. wurde der Mann krank und die Frau musste sich überlegen, wie sie aus ihrem Hausfrauendasein nun in einen Job kommt, der die Familie ernähren kann. Bei den anderen war es wenndann was, das man so nicht sehen kann.

Ich könnte mir vorstellen, dass wenn man selbst schon gute Entwicklungsmöglichkeiten in Kindheit und Jugend hatte, man schon auf dem richtigen Weg ist und weiß, wohin man will. Solche Menschen sind selbstsicher, durften lernen, ihren Entscheidungen zu vertrauen und Fehler zu machen, hatten Unterstützung bei ihren Zielen und es wurde von den Eltern oder auch den Lebensumständen nicht irgendwas Lebensessenzielles verdreht, z.B. Berufsambitionen (z.B. um den "elterlichen Hof" zu retten, den die Eltern allein nicht schaffen, oder weil alle in der Familie studiert haben und der Sohn doch kein Handwerker werden kann).
Es ist auch nicht jeder so ein krasser Individualist, der denkt "ich muss DIESEN Weg gehen, sonst ist mein Leben sinnlos".

Für mich ist nachvollziehbar, dass man in gewissem Maße Partner wählt mit Eigenschaften der Eltern (was hat man als "Liebe" gelernt, was hat man gelernt als "das sind die Forderungen, die andere Menschen an dich stellen dürfen", ...).
Somit wird sich einer, der gehemmt wurde in dem, was er in bestimmten Bereichen will, und unsicher in eigenen Entscheidungen ist, unbewusst eher wieder Partner suchen, die ihn dort unterdrücken, aber dafür die emotionalen Sicherheit bieten wie die Eltern.

Es gibt einen Haufen Verdrehungen, die ein Kind mitbekommen kann. Funktioniert auch gut beim Selbstvertrauen im Aussehen oder mit Verletzungen in der sexuellen Entwicklung, so dass das erst spät im Leben entwickelt werden kann. Und wenn dann ein dazu "passender" Partner da ist, der hier auch Entwicklungshemmungen hatte, ist der herausgefordert, sich mit zu entwickeln.
 
  • #36
Einsamkeit heißt, ich will nicht allein sein, weil ich mich dann traurig, wertlos, gelangweilt, ängstlich usw. fühle. Einsam fühlen kann man sich auch, wenn andere im Raum sind.

So ist es. Wenn ich jetzt von mir ausgehe, dann habe ich mich schon mehrmals einsam in einer Gruppe oder in der Partnerschaft gefühlt (weil man sich nichts zu sagen hatte oder nicht auf einer Wellenlänge war). Einsamkeit, wenn ich alleine für mich bin, kenne ich kaum.

So nun aber kurz zurück zu den Menschen, die in einer lieblosen Beziehung sind, sich einsam fühlen, aber nicht trennen. Sehen die das so ganz anders, also das es schlimmer ist alleine zu sein als zusammen einsam? oder verdrängen sie das, indem sie sich viel aus dem Weg gehen?
 
  • #37
dann habe ich mich schon mehrmals einsam in einer Gruppe oder in der Partnerschaft gefühlt (weil man sich nichts zu sagen hatte oder nicht auf einer Wellenlänge war). Einsamkeit, wenn ich alleine für mich bin, kenne ich kaum.

In meiner letzten Beziehung habe ich mich auch einsam gefühlt und sehr darunter gelitten. Einfach weil der Mann sich nicht öffnen konnte, d.h. seine Gedanken, seine Gefühle nicht mitteilen konnte oder wollte. Er nahm auch nie meine Hand im Alltag und umarmte mich nie. Er war durch seine Kindheit geschädigt. Das war Einsamkeit pur für mich.

Das habe ich auch neulich bei einem Wochenendtrip mit ihm bemerkt (wir sind noch immer gut befreundet). Wir saßen am Frühstückstisch und er sagte kein einziges Wort. Dasselbe im Museum. Das hat mir nur nochmal vor Augen geführt, wie einsam man sich mit einem Menschen fühlt, der nicht der Richtige ist. Ich dachte dabei sogar, dass es besser ist, allein zu verreisen und allein am Frühstückstisch zu sitzen. Dann kann man wenigstens mit anderen ins Gespräch kommen. Auch wird man dann nicht von einer Person angeschwiegen, sondern es herrscht Schweigen, weil physisch einfach niemand da ist, was erträglicher ist. Weiteres Beispiel, das nicht direkt mit Einsamkeit zu tun hat: Mein Ex nahm mir nie Koffer oder Taschen ab, obwohl ich sehr zierlich bin und das eigentlich überall auf der Welt ein Gebot der Höflichkeit ist von Männern. Das tat mir sehr weh. Jetzt muss ich meinen Koffer allein schleppen als Single, aber das tut mir nicht weh. Denn Grund dafür, dass ich meinen Koffer selbst tragen muss, ist nicht, dass mich ein Mann wie Dreck behandelt und mich hängen lässt, sondern dass einfach kein Mann da ist.

Trotzdem fühle ich mich im Alltag manchmal einsam. Vor allem, wenn ich sehe, dass z.B. Kollegen etwas anderes als ihre Arbeit haben, wenn sie nach Hause gehen. Nämlich ihren Partner und vielleicht ein Kind, mit denen sie private Ziele haben. Das hat man als Single ja alles nicht und diesen Horizont, diese Wärme kriegt man als Single auch nicht. Das braucht man sich nicht damit schön zu reden, man habe interessante Hobbies und gute Freunde. Die haben wiederum ihr "Nest", wenn sie um die 30 sind und - wie üblich - Partner und Familie haben, wo man nicht dazugehört. Das ist nun mal so.

W31
 
  • #38
Ich kann für mich nur feststellen, dass die Frage immer die gleiche bleibt:
Was ist mir die Beziehung heute wert?
Wenn ich heute etwas für die Beziehung aufgebe, hinten anstelle oder gar verzichte, dann ist es mir das heute auch wert! Dann darf ich im Nachhinein nicht den Partner dafür verantwortlich machen, oder an meiner früheren Entscheidung zweifeln.
Nachträglich wird jeder etwas finden.

Es gibt Dinge, die kann ich nicht (mehr) ändern. Aber ich kann immer versuchen, etwas daraus zu machen.
Wenn ich meine, dass Entwicklung notwendig ist, dann ist auch das so.
Und wenn ich Angst habe, dass soetwas auf mich zukommen könnte, dann bleibe ich bewusst alleine. Das halte ich jedoch für Resignation und nicht für Selbstverwirklichung.

Ich bin zur Zeit auch partnerlos und gewiss nicht einsam. Meine Zeit ist ausgefüllt und ich bin froh, hin und wieder Ruhe haben zu können. Ich muss mich nirgends rechtfertigen für irgendwas. Ich kann alleine entscheiden... oder muss?!
So wirklich rund fühlt sich das auch nicht an.
Ist es nicht auch schön, sich füreinander verantwortlich zu fühlen? Für den anderen etwas zu tun oder ihm etwas zu ermöglichen?

Und wer von uns weiß denn, was (auf den ersten Blick) sich anschweigende Paare schon alles erlebt und vollbracht haben?
Ich bin überzeugt davon, dass alles für irgendetwas gut ist.
 
  • #39
Die meisten Menschen sind heute zu oft einsam, und zu selten allein. Ganz bewusst Stille suchen und ebenso ganz bewusst Stille erfahren und genießen, die Seele baumeln lassen, in dieser Zeit allein erholen sich Körper und Gehirn.

Das fasst es für mich als Konzentrat zusammen.

Ich denke, viele Paare/ Menschen bleiben zusammen, weil es sie in ihrem kleinen Herzen sehr tröstet, nicht einzeln zu sein. (Ich verwende hier mit Absicht nicht „allein“ und auch nicht „einsam“.) Sie fühlen sich in der legitimierten Zweierbeziehung sicherer, weil Sie eventuell auch den Status „Paar“ benötigen, da gesellschaftlich mehr anerkannt.

Ich liebe es; mit Menschen zu sein, den unterschiedlichsten, ein ganzes Portfolio an Eigenschaften, Stimmungen, Lebensansichten….aber immer wieder muss ich in die Stille….um die Tiefe meiner selbst zu spüren. Ohne dies, verliere ich den Grundkern, kann meine innere Stimme nicht mehr hören. Mann rödelt ja sonst eher im Alltagstrott so vor sich hin, auf Autopilot.

Aber um Eigenkontakt in der tiefsten Ebene zu finden, benötige ich Alleinsein:

- am besten in den Elementen, 2 Stunden im Sturm, einige Stunden auf dem Gipfel im Nebel, am Rand einer Lichtung, so leise…; dass einen die Rehe nicht hören….

Ich bin dann allein, aber niemals einsam!

(Bin aber lieber einsam, als seicht und weichgespült zweisam.)

Ich würde sogar sagen, dass es mich vergiftet und meinen gesamten Entwicklungszufluss hemmt.

W31

Das, genau das meinte ich!
 
  • #40
Einsamkeit und Allein sein sind für mich zwei grundverschiedene Dinge.
Ja, für mich eigentlich auch. Man kann ja auch in Gesellschaft sehr einsam sein.
Aber weil die Worte meist einfach irgendwie und im gleichen Sinne gebraucht werden, muss man sich ja den Kontext ansehen, wie der Mensch es gemeint hat.
Wenn ich heute etwas für die Beziehung aufgebe, hinten anstelle oder gar verzichte, dann ist es mir das heute auch wert!
So sehe ich das auch. Allerdings ist dieses Wertsein ja nicht per se eine freie und bewusste Entscheidung, sondern fußt manchmal auch auf emotionaler Abhängigkeit. Und dann ergibt sich das innere Dilemma - für die persönliche Entwicklung müsste man die Beziehung riskieren, kann das aber emotional nicht. Das ist auch ein persönlicher Grund, es fühlt sich aber falsch an. Genauso falsch würde es sich anfühlen, wenn man Schluss machte. Wenn der Partner dann drauf beharrt, was nicht mal ausgesprochen werden muss, sondern klar sein kann oder subtil durch Druck ausgedrückt werden kann, dass sich die Person entscheiden muss zwischen eigenen Weg oder Beziehung, wird das eine Krise für denjenigen.

Dann darf ich im Nachhinein nicht den Partner dafür verantwortlich machen, oder an meiner früheren Entscheidung zweifeln.
Natürlich nicht. Aber es liegt erstmal nahe zu denken, man hätte es für ihn getan, denn man beugt sich ja seinen Wünschen, weil man die Beziehung nicht verlieren wollte. Aber eben letzteres ist ja auch Eigeninteresse. Ich denke, das passiert auch nur in Beziehungen, wo ein emotionales Machtgefälle entstanden ist.
Wenn ich meine, dass Entwicklung notwendig ist, dann ist auch das so.
Und wenn ich Angst habe, dass soetwas auf mich zukommen könnte, dann bleibe ich bewusst alleine. Das halte ich jedoch für Resignation und nicht für Selbstverwirklichung.
Dem ersten Satz stimme ich zu. Obwohl ich auch weiß, dass es ein schwerer Kampf sein kann, das durchzusetzen, dazu zu stehen, wenn die nahestehenden Personen mit Liebesentzug zu drohen scheinen oder wirklich drohen.
Dem Rest - ja auch, klar bleibe ich bewusst allein, wenn ich merke, ich will mich gerade verwirklichen in irgendeiner Weise. Heikel kann es nur werden, wenn ich dann schon IN einer Beziehung bin. Bewusst allein zu bleiben, kann ich auf keinen Fall für Resignation halten. Man hat nur eine bestimmte Menge Zeit und Energie. Sich einen Partner zu suchen, und ihn dann nur zwischenschieben, während man mit Leib und Seele bei der Verwirklichung irgendeiner Sache ist, geht für mich nicht. Liest man hier auch schon mal, dass jemand einen Menschen mit Beziehungswillen kennengelernt hat, der gar keine Zeit für einen anderen hat.

Ich würde es natürlich auch vorziehen, einen Partner zu haben, mit dem es richtig gut passt :)
 
  • #41
In meiner letzten Beziehung habe ich mich auch einsam gefühlt und sehr darunter gelitten. Einfach weil der Mann sich nicht öffnen konnte, d.h. seine Gedanken, seine Gefühle nicht mitteilen konnte oder wollte. Er nahm auch nie meine Hand im Alltag und umarmte mich nie. Er war durch seine Kindheit geschädigt. Das war Einsamkeit pur für mich.

Das habe ich auch neulich bei einem Wochenendtrip mit ihm bemerkt (wir sind noch immer gut befreundet). Wir saßen am Frühstückstisch und er sagte kein einziges Wort. Dasselbe im Museum. Das hat mir nur nochmal vor Augen geführt, wie einsam man sich mit einem Menschen fühlt, der nicht der Richtige ist.
@Mintgrün
Dein gesamter Post war sehr berührend zu lesen. Genau dies ist mir fast in dieser Form auch passiert, es hätten genau meine Worte sein können. Miteinander schweigen können, zur richtigen Zeit, ist wunderbar, aneinander vorbeischweigen ist wie das Ertrinken in Eiswasser.
 
  • #42
@void, den Unterschied zwischen Einsamkeit und Alleinsein kenne ich schon. Wenn ich ehrlich bin, bin ich auch am Ende des Tages allein aber einsam muss ich auch nicht sein. Ich kann mich sehr gut alleine beschäftigen, bin kreativ und habe sehr viele Hobbys, die ich auch im Alleinsein praktizieren kann. Aber wir wollen hier ehrlich zueinander sein, das ist für mich keine schöne Dauersituation. Ich will nicht allein sein. Ich möchte auch nicht Schauspielern. Das brauche ich nicht. Ich begegne den Menschen mit Freundlichkeit und Authentizität und weigere mich einfach andere Menschen links liegen zu lassen. Es ist nicht meine Art. Ich bin auch bereit Courage zu zeigen und das ist schwer. Deshalb habe ich den dritte Weg gewählt und zwar still und allein/und manchmal auch einsam meinen Weg zu gehen. Ich nehme diesen Zustand nur, weil ich keine andere Möglichkeiten für mich sehe. Mein Ideal wäre jemanden in meinem Leben zu haben, der mit mir meinen Weg mitgeht und ab und zu meine Hand nimmt und mich motiviert, wenn ich keine Lust mehr habe. Im Gegenzug bin ich auch gerne bereit für ihn da zu sein und die Bösen Gedanken vertreiben, wenn er wieder mal welche hat :). Das ist meine Vorstellung von Partnerschaft und zusammensein. Was nutzt mir einen Mann an meiner Seite, der nur da ist, solange es ihm passt und ich jede Sekunde rechnen muss verlassen zu werden. Auf solche Verbindungen/Beziehungen und Freundschaften kann ich gerne verzichten...... Es gibt einen sehr schönen Film, es heißt "Franky and Jonny". Franky verliebt sich in Jonny und sie will sich nicht darauf einlassen. Am Ende willigt sie aber doch ein, unter eine einzige Bedingung: "Er soll bleiben, was auch immer passiert und er sagt ja. Das nenne ich eine Partnerschaft.
 
  • #43
Etwas, was mal so kostbar war, möchte man auch nicht direkt aufgeben.
Und es schmerzt eventuell mehr, die Vorstellung nicht mehr bei dem Partner zu sein, als Mit ihm aber unglücklich.
Ich bin selbst in so einer Beziehung, 45 Jahre zusammen, 40 gerade verheiratet. Vieles erlebt, ganz viel. Dann 17 J nur am WE gesehen (beruflich bedingt). Ich bin zwar auch Akademikerin (auch promoviert) aber wegen seiner Karriere ( ist heute ein Chef) und den Kindern zu hause geblieben. Es war für mich grausam, niemals habe ich mir vorgestellt zu hause bleiben... Irgendwann ist der Zug abgefahren.. Es ging so schleichend ein. Jetzt hat er noch 2 Mon zu der Rente 66+, und vor etlichen Monaten habe ich erfahren müssen, dass er eine pararelle Beziehung (Liebe auf dem Arbeitsplatz) mit einer verh. 33 J mit 2 kl. Kids hat. Vielleicht war bereits in den 17 Jahren auch ab und zu etwas... Schließe es nicht aus. Das stört mich aber komischerweise weniger.

Was tut man da? Zuerst ist man betäubt, also gar Nichts..man denkt, ich bin in falschen Film....Leider kommt es mit der Zeit immer schlimmer. Man kann es nicht verstehen, begreifen... Man fühlt sich bestraft, jetzt auch noch das entscheiden und ausziehen? Es kommt eine tiefe Traurigkeit, man denkt an die viele Ereignisse, die mal waren, kann gar nichts verstehen. Das UR-Vertrauen, das ich hatte, ist weg. Trotzdem sitzen wir auch heute uns gegenüber, und irgendwie hat keiner die Kraft, den Mut auszuziehen. Wohin auch? Das ist das ZUHAUSE...Angst? Beide haben wir niemanden (Familie, Freunde). Beide sind wir in anderen Ländern geboren, es war alles unglaublich kompliziert, jetzt haben wir ein zuhause nach 40 Jahren, selbst erarbeitet. Und kommt sowas.
Ohne Rücksicht auf die Gesellschaft, das ist mir egal, aber mit dem Verstand, und im Bezug an die Vergangenheit (war das Alles umsonst?), hoffe ich, wir finden uns wieder...Bin ich feige? Ich schäme mich vor mir selbst.Und ich will hier von diesem Zuhause nicht weg. Vielleicht ist es die Antwort auf die Frage - es ensteht auch jetzt gewisse Gewohnheit - denn es dauert viel zu lange - die Phase, wenn man sich nichts zu sagen hat. Die Leute, die sofort handeln, machen es womöglich besser.
 
  • #44
Vielleicht ist die Grundlage, worauf überhaupt manche lange Beziehungen entstanden sind, dass man keine Alternative sah. Erstmal wertfrei gemeint: Also einerseits die Paare, die noch Flausen im Kopf hatten über Beziehungen, aber geblieben sind und sich vielleicht eine schöne Bez. geschaffen haben, andererseits auch die, die wirklich hätten gehen sollen, da sie eigentlich unterschwellig unglücklich blieben.

Erstmal muss man ja entscheiden, WIE schlimm die Beziehung ist, wenn der Trennungsgedanke schon mal aufgekommen ist (warum auch immer, neue Gelegenheit, Langeweile, mal gucken, ob es noch was anderes gibt, schon immer genervt von bestimmten Eigenschaften des anderen, ...). Je unkonkreter die Vorstellungen von einer Partnerschaft sind und je unkonkreter die Erwartungen ans eigene Leben sind, umso mehr Spielraum ist da, was man in einer Beziehung alles doch noch in Erwägung ziehen kann zu ertragen. Und wenn getrennt wird, ist die Zukunft ja ein großer Leerraum.

Ich denke, das Warmwechseln passiert in den allermeisten Fällen genau deswegen. Sie sind in Beziehungen, die sie nicht sonderlich zu schätzen meinen, warten, ob noch was Besseres kommt und verlieben sich irgendwann. Sie wissen ja auch nicht, ob ihre Ansprüche zu hoch sind, bis sie wen treffen, von dem sie denken, er erfülle sie. Und je mehr sie sich wegsehnten oder je perfekter der neue Mensch erscheint, umso eher wird tatsächlich getrennt.
Und wenn keiner kommt, setzt vielleicht die Erkenntnis ein, dass woanders das Gras auch nicht grüner sein wird.

Wenn man hinter die Fassaden von netten Paaren guckt, kann man mitunter viel sehen, das man selbst als Single sofort ausschließen würde als "noch erträglich". Das muss nicht mal der Grund sein, weshalb man Single ist, also zu speziell zu sein in den Ansprüchen. Vielleicht würde man genauso versuchen, mit der Beziehungssituation klarzukommen, wenn man in einer langen Beziehung und in diesem Alter wäre, weil man genau die gleichen Gedanken hätte: Kann man es nicht doch aushalten, was gibt es Lohnenswertes, um zu bleiben, gibt es nicht überalle Enttäuschungen.

Vielleicht ist der Mensch so gebaut, dass er sich mit vielem arrangieren kann, wenn er nur will, aber meiner Ansicht nach kann man nicht in allem eine gelassene Haltung bekommen. Ich denke, wenn man das versucht, wird man sein Leben lang Energie reinstecken müssen, sich einzureden, dass einen was nicht stört.
Und ich glaube, wenn man was anfängt zu ertragen und sich zu arrangieren, muss immer irgendwas dafür innerlich getötet werden. Vertrauen, Hoffnung, eigene Werte, Lebensfreude ...
 
  • #45
dass woanders das Gras auch nicht grüner sein wird
Vielen lieben Dank für deine Antwort. Ich finde es nicht schön, wenn Paare viel über ihren Partner meckern und jammern und ihn als den Bösen und sich als das arme Opfer darstellen. Wenn man finanziell abhängig von der Person sein sollte, dann kann ich es verstehen. Oft ist es aber so, dass jemand die ganze Zeit sich, dem Partner und den anderen die Schwächen des Partners vorhält und sich trotzdem nicht trennt. Was ja dann logischerweise heißen muss: so schlimm scheint er ja dann doch nicht zu sein oder man glaubt, man bekommt keinen Besseren. Für mich ist Trennung definitiv besser als ständige Unzufriedenheit bei einem oder beiden Partnern.
 
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