J

Jule123

Gast
  • #1

Wie kann es weitergehen, weil ich völlig ratlos bin?

Hallo ihr Lieben

Ich lese hier gerne mit, es gibt tolle Antworten, Ansätze. Ich versuche auch mal mein Glück weil in meinem Kopf ist es wie fest gefahren und ich weiß nicht mehr weiter.
Ich bin mit meinem Freund seit 6 Jahren zusammen, wir haben eine kleine Tochter (geplant)
Er hat einen sehr schwierigen Job und dort schon vor unserem Kennenlernen viel belastendes erlebt bis hin zu einer posttraumatischen Belastungsstörrung, die vermutlich auch mit anderen Faktoren für Depressionen gesorgt hat. Wir hatten schon 3 Tage wo er einfach nur da saß , nix gemacht nix gesagt hat. Ich wusste gar nicht was los ist und hab dann unsere Hausärztim angerufen. Seitdem ist er in Therapie.
Wir haben seit ca 5-6 Monatem keinen Sex mehr. Von ihm könnt gar nix mehr und wenn ich versuche mein Bedürfnis deutlich zu machen egal wie( ich hab mir da echt Mühe gegeben) will er nicht. Ich empfinde das als so erniedrigend wenn ich mir Dessous anziehe oder heute morgen hat unsere Tochter noch geschlafen er hatte einen Ständer und ich wollte ihm einen blasen und er wendet sich ab....
Reden bringt nicht wirklich viel er sagt er versteht mich aber er ist wie gelähmt zur Zeit. Er macht keine Pläne mehr nix. Ich arbeite zur Zeit nicht da wo ich gerne bin wegen Kinderbetreuung und weil ich dort auch schwanger hätte arbeiten können, so war mal der Plan. Jetzt bin ich planlos, habe das Gefühl mein Lebem nicht gestalten zu können wir ich es will und weiß nicht weiter. Ich liebe ihn und will auch nicht einfach alles aufgeben, das wird viel zu schnell gemacht aber sehe ich das alles zu schlecht ? Nächste Woche gehe ich mal mit zu seiner Therapie. Vielleicht hat jemand einen guten Rat !
 
M

morslucis

Gast
  • #2
Hallo @Jule123
Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Partner von Menschen mit gravierenden psychischen Problemen auch selbst therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Das geht schließlich an denen auch nicht spurlos vorbei (wie du ja selbst merkst).
Es ist sicher ein erster Schritt mit in die Therapie zu gehen. Aber tu es für dich, nicht für ihn. Und überlege dir wirklich einen eigenen Therapeuten (bzw eigene Sitzungen bei seinem Therapeuten) zu suchen, wenn du bei deinem Partner bleiben willst.
Sicher gibt es auch Selbsthilfegruppen für Partner von PTSD-Patienten.

Alles Gute und viel Kraft wünsche ich dir!

Und nochmal Klartext:
Du musst dir jetzt selbst helfen. Nicht deinem Partner. Am Ende kommt es ihm trotzdem zu gute.
 
  • #3
Puh, ich denke, das ist kein Thema fürs Forum, sondern tatsächlich nur in einer Therapie lösbar. Ich könnte zwar so nicht leben, aber wenn du Hoffnung hast...
Ich habe in der Familie einen ähnlich periodischen antriebslosen Mann. Er geht seit 30 Jahren in Therapie und bekommt das immer wieder in Griff. Die beiden feiern bald silberne Hochzeit.

M 48
 
  • #4
Alles verständlich, dass Sie nicht zufrieden sind. Aber Ihr Partner hat nach allem was Sie beschreiben eine schwere Depression. Typisch z.B. das tagelange Herumsitzen, völlig handlungsunfähig. Die Unlust auf Sex. Letzteres dürfen Sie nicht persönlich nehmen. Das hat absolut nichts mit Ihnen zu tun. Ihr Mann ist sehr krank. Sie können zurzeit nicht viel von ihm erwarten, Sie müssen nun eigenständig und stark sein. Gut, dass Sie mit zur Therapie gehen. Falls nötig, beginnen Sie eine eigene nur für Sie selbst zur Unterstützung. Ich finde es löblich, dass Sie nicht weglaufen wollen, sondern diese Phase mit ihm durchstehen. Depressionen sind behandelbar.
 
  • #5
Hallo,

Setze deinen Partner auf keinen Fall unter Druck. Egal auf welche Weise. Auch nicht bezüglich des Sex.
Er braucht Ruhe und Geborgenheit, dann wird er am schnellsten wieder gesund. Einfach da sein und zuhören. Nicht fragen, nicht drängen, nicht fordern. Lass ihn komplett selbst das Tempo bestimmen.
Die Erkrankung äussert sich meist in tiefer Niedergeschlagenheit und kompletter Antriebslosigkeit. Das kann nach einer Zeit wieder besser werden, mit der richtigen Behandlung.
Habe auch ein wenige ein Auge auf ihn.
Du hast richtig gehandelt, als du die Ärztin gerufen hast.
Er ist jetzt in Therapie.
Lass dich in der Therapie beraten, wie du mit der Situation umgehen kannst. Man braucht dafür einiges Wissen.
Lass dich beraten, wie du selbst damit umgehen kannst für dich.

Viel Kraft wünsche ich dir mit Kind und Partner.
Du musst jetzt leider eine Weile selbst alles stemmen.
Mach ihm dafür keine Vorwürfe, denn er ist einfach erkrankt.
Er kann derzeit nicht anders.
Wahrscheinlich versteht er selbst nicht, was los ist.

LG und gute Besserung für deinen Partner.
 
  • #6
dort schon vor unserem Kennenlernen viel belastendes erlebt bis hin zu einer posttraumatischen Belastungsstörrung,
Du bist sehenden Auges in die Beziehung gegangen. Tut mir sehr leid und das klingt vielleicht hart, aber du muss damit rechnen, auf lange Sicht alleinerziehend zu sein, auch wenn ihr zusammen bleibt. PTBS ist kein Zuckerschlecken und auch nach der Therapie der Ausgang ungewiss. Mein Ex ist depressiv, ich bin selber da in Helferschiene reingerutscht und war selber fast daran zerbrochen. Ich rate dir nicht zu Trennung, aber setze dir eine Frist an, z.B ein Jahr. Sollte da keine Besserung stattfinden, musst du dich trennen, da du Kraft entweder für deine Tochter oder deinen Freund brauchst, beides schaffst du nicht.
 
  • #7
Also ich bin gerade auch ein wenig verwirrt.....
Ist die Tochter jetzt geplant oder schon geboren? Oder ist ein 2. Kibd geplant und du mit diesem schwanger?
Arbeitest du momentan gar nicht oder bei einem neuen Arbeitgeber ohne Kinderbetreuung ?
Sorry, ich verstehe ja, dass dir alles zu viel wird, aber um dir Rat geben zu können, wäre es wichtig zu wissen .....
Die Depression ist also von Medizinerseite festgestellt und der erste Schritt "Therapie" in Angriff genommen ... meine erste Anregung: Lass du dir dort etwas über die Auswirkungen dieser Krankheit (für Laien verständlich) geben - damit du nicht an dir zweifelst, wenn dein Freund "komisch" reagiert.
Was dir ja schon gesagt wurde - sorge für dich und das Kind dafür, dass du selbst geistig gesund bleibst. Ein ganz wichtiger Punkt - sprich mit dem Therapeuten.
Schau mal, inwieweit dir vielleicht von der Krankenkasse eine Haushaltshilfe o.ä. zusteht, damit auch du mal Freiraum für dich hast. Luft schnappen ... auch im übertragenen Sinne.
Freunde oder auch Familie sind jetzt ganz wichtig - lass ja deine Kontakte nicht abbrechen. Du wirst die Unterstützung brauchen können.
Ganz viel Glück und Gesundheit wünscht euch als Familie
Tom
 
  • #8
Liebe FS,
Du schreibst, dass Dein Partner seit vielen Jahren einen sehr belastenden Job hat, der große seelische Belastungen mit Krankheitswert mitbringt.
Jetzt seid ihr eine Familie mit kleinem Kind, er hat immer noch den belastenden Job, an den Altlasten nichts getan, d.h. es sind noch mehr Belastungen hinzugekommen und er hat die "nichts geht mehr"-Schwelle erreicht.

Immerhin ist er jetzt in Therapie und Du gehst auch zu einem Paargespraech. Da kannst Du Dir erklären lassen, was Depression mit Körper und Seele anstellt und wie lange sowie welche Bedingungen es braucht, damit es ihm besser geht.

Es ist klug, sich darüber hinaus kundig zu machen (dafür gibt es ohne Ende Bücher und Onlineinfos), damit Du nicht in dysfunktionale Verhaltensmuster fällst, ihn in Dessous zu bedrängen und abgewiesen zu werden, weil Sex und körperliche Nähe so ziemlich das Letzte ist, wofür ein Depressiver sich interessiert.

Statt Dich in gekränkter Eitelkeit zu bejammern, weil er auf Deine Dessous nicht anspringt und ihm "einen blasen zu wollen" weil er eine "Morgenlatte" hat (was ja nichts mit sexueller Erregung zu tun hat), wäre es sinnvoller Dir Gedanken zu machen, wie er entlastet werden könnte, z.B. zum Jobwechsel ermuntern und erklären, dass ihr mit weniger Geld hinkommt.
Es geht wohl vorrangig darum, die Belastungen runterzubringen, statt ihn noch mehr zu stressen, wenn es ihm mittelfristig besser gehen soll.

Nur mal als Hinweis: Bist Du schonmal auf den Gedanken gekommen, dass er keinen Sex mit Dir will, weil er in seiner momentanen Verfassung kein zweites Kind mehr will?

er sagt er versteht mich aber er ist wie gelähmt zur Zeit. Er macht keine Pläne mehr nix..... Jetzt bin ich planlos, habe das Gefühl mein Lebem nicht gestalten zu können wir ich es will und weiß nicht weiter. Ich liebe ihn und will auch nicht einfach alles aufgeben, das wird viel zu schnell gemacht

Du musst halt akzeptieren, dass Dein Partner krank ist und nicht mehr der Erfüllungsgehilfe Deiner Pläne sein kann. Er plant nicht, weil er in einer schweren Depression nicht planen kann und es vielleicht noch Jahre nicht können wird.

Du hast bereits ein kleines Kind und nun auch noch einen kranken Partner. Da kannst Du Dein Leben nunmal nicht gestalten, wie Du willst sondern musst auf die gegebenen Bedingungen Rücksicht nehmen wenn Du Dich nicht trennen willst. So einfach ist das.
 
  • #9
Hallo Jule,
ich bin keine Fachfrau, aber ich war einmal ähnlich verzweifelt wie Dein Mann. Deshalb kann ich Dir Tipps geben.
- Zuerst einmal: Sex ist jetzt das Unwichtigste auf der Welt. Lass ihn sexuell völlig in Ruhe. Nur hypnotisches Streicheln, wie Meditation, gleichförmig, ruhig und völlig ohne sexuelle Erwartung ist ok.
- Sorge für einen gleichmäßigen Tagesablauf, immer zur gleichen Zeit aufstehen, und zwar früh, abends kein künstliches Licht mehr, sondern dem Geist die Möglichkeit geben, wieder mit der Natur eins zu werden. Du wirst sehen, dass Dir das selbst auch gut tun wird, wenn man die einbrechende Dunkelheit bewusst wahrnimmt und nicht drinnen im künstlichen Licht sitzt. Abends auch nicht mehr an den Computer oder vor den Fernseher, das stört den Körper massiv.
- Dein Mann braucht die allerbeste Ernährung. Bio und nährstoffreich. Weißt Du, der Gehirnstoffwechsel hängt auch mit der Ernährung zusammen, beispielsweise braucht man essentielle Aminosäuren, u.a. L-Tryptophan, dann die Vitamine der B-Gruppe, Selen, Vitamin D, damit man mental nicht entgleist. Das ist erwiesen, zum Beispiel wurde früher bei Depressionen in Ermangelung von anderen Medikamenten mit den essentiellen Aminosäuren gearbeitet. Ebenso ist es erwiesen, dass ein Mangel an Vitamin D mit Depressionen in Verbindung stehen kann. Lasst beim Arzt den Vitamin D- Spiegel bestimmen und Euch hinsichtlich Ernährungszusätzen beraten. Nur drei Mahlzeiten am Tag lösen meist keinen Nährstoffmangel.
- Geht jeden Tag in die Natur, denn sie heilt. Das Grün der Wälder, der Regen, der Wind, der Nebel...er wird wieder Zugang zu seiner Seele finden. Stundenlang spazierengehen, einfach nur atmen, laufen, nicht reden.
- Wenn möglich, legt Euch ein Tier zu. Auch das heilt. Die Liebe des Tiers und sein Vertrauen in Euch wird ihm guttun. Vielleicht wäre sogar ein Tier aus dem Tierheim gut, das auch schon etwas mitgemacht hat und sich Euch erst nach und nach öffnet. Auch Reittherapie kann ich Deinem Mann ans Herz legen. Sich tragen zu lassen, das Fell des Pferds zu spüren, die Wärme des Pferdeleibs an den Beinen...oder vielleicht habt ihr eine Bekannte, die ein braves Reitpferd hat, auf dem sie Deinen Mann spazieren führen kann.
- Nicht reden. Versteh: Er ist innerlich so leer, was sollte er da reden können. Man kann ja nur reden, was man auch denken kann.
- Gib ihm das Buch: "Stille im Herzen" und lies es selbst auch.
- Vielleicht kommt bei ihm irgendwann der Punkt, wo er nicht mehr mit seinem Job weitermachen will (Bundeswehr?), das wäre nicht schlecht. Es wäre das Loslassen, dem die Heilung folgt. Dieser Schritt muss aber aus ihm selbst kommen, er muss es ganz tief in sich drin spüren, dass er gehen muss. Dräng ihn nicht.
- Und Du: Sei gut zu Dir. Wenn Du nicht mehr kannst, dann halte inne und tu Dir was Gutes. Dann geht's irgendwann wieder weiter.

Am Ende ist alles gut. Und wenn nicht alles gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Viele liebe Grüße, w, 37 Jahre
 
  • #10
Ich liebe ihn und will auch nicht einfach alles aufgeben, das wird viel zu schnell gemacht aber sehe ich das alles zu schlecht ? Nächste Woche gehe ich mal mit zu seiner Therapie. Vielleicht hat jemand einen guten Rat !
Liebe Jule123
Ich kenne selber auch Depressionen und möchte dir als Erstes raten, seine körperliche Abwendung nicht persönlich zu nehmen.
Natürlich ist das für dich extrem belastend und das darfst du auch zum Ausdruck bringen, oder Konsequenzen daraus ziehen und gehen. Falls du aber bleiben möchtest, so rate ich dir wirklich, dies als Ausdruck der Krankheit zu sehen. Denn das ist für mich die plausibelste Erklärung.
Ich empfinde das als so erniedrigend wenn ich mir Dessous anziehe oder heute morgen hat unsere Tochter noch geschlafen er hatte einen Ständer und ich wollte ihm einen blasen und er wendet sich ab....
DU empfindest das für dich vielleicht erniedrigend.
Aber aus depressiv geschulter Sicht, ist der morgendliche Blowjob womöglich auch eher ein Schlag als eine liebevolle Geste. Depressive Menschen haben oft ein Morgentief, das heisst sie wachen auf und denken "Schei**e, ein neuer Tag, neue Verpflichtungen, die Zähne zusammenbeissen und arbeiten gehen obwohl ich kaum aufstehen mag, für das Kind da sein, etc.". Wenn ich depressiv bin, fühle ich mich morgends verzweifelt, schwer wie Blei, könnte weinen. Wahrscheinlich kann der Körper eines depressiven Mannes schon einen morgendlichen Ständer produzieren, das hat ja eher mit Mechanik als mit Lust zu tun. Aber aus Sicht des Depressiven kommt neben dem Morgentief nun noch der erste Anspruch des Tages: Die Ehefrau noch vor dem Frühstück, noch vor der morgendlichen Dusche zufrieden zu stellen, indem man demonstrativ "geniesst", obwohl man depressiv ist und die Genussfähigkeit im Moment darum nicht vorhanden. Diesem ersten Anspruch nun nicht zu genügen, ist auch schon das erste Versagenserlebnis des Depressiven, garniert mit einer erneut frustrierten Ehefrau, die ihn subtil daran erinnert, dass er in wichtigen Punkten seines Lebens (z.B., sie glücklich zu machen) scheitert. Die Erkrankung macht ihn auch unfähig, sich normal auszudrücken und zu erklären, was in ihm vorgeht. Zur Liste der Sorgen, die er ständig in seinem Kopf wälzt, addiert er nun noch die Sorge, verlassen zu werden wenn es so weiter geht.
Jetzt bin ich planlos, habe das Gefühl mein Lebem nicht gestalten zu können wir ich es will und weiß nicht weiter.
Es ist gut, wenn du wieder Pläne entwickelst und dich vielleicht auch coachen lässt. Ein depressiver Partner, Frust im Job und ein kleines Kind, das ist belastend. Meinen grossen Respekt, dass du bereit bist, mit ihm in Therapie zu gehen und nicht alles gleich aufzugeben.
 
  • #11
Schwierig, weil es immer individuell ist.

Es ist ein guter Schritt, dass Du auch mit Seiner Therapeutin mal sprichst - überlege Dir vorher, was Du fragen möchtest.
Was Du nicht kannst - Du bist nicht seine Therapeutin, Du kannst ihn nicht retten - und was Du vor allem solltest - auf Dich aufpassen.

Du wirst viel Geduld brauchen, es sind sehr lange Prozesse, mit Wellenbewegungen, manchmal 2 Schritte vor, 1,5 zurück. Zeit, in der oft genug vieler Deiner, berechtigten, Bedürfnisse nicht realisierbar sind, weil er dies gar nicht kann. Du solltest Dich informieren was das genauer bedeutet, für Dich als Angehörige.

Wichtig ist, er macht ernsthaft Therapie, wenn es bei ihm gerade so ist, würde ihm vielleicht ein Akut Aufenthalt in einer Psychosomatischen Klinik weiterhelfen, zumindest für den Anfang.
(Akut- Einweisung geht über Krankenkasse, dabei hilft der Hausarzt, aber auch dann kann es dauern, und es braucht eine gute Klinik; landläufig wird es wie eine Reha unter Stichwort Kur gepackt, ist aber etwas ganz anderes. Bitte erst recht nicht mit Einweisung in eine Psychiatrie verwechseln, dass ist würde etwas ganz anderes.)
Aufenthalt ca.6-8 Wochen, da lernt man wichtige Grundlagen, wie man damit umgehen kann, es werden Wege gezeigt - und man nimmt mal aus der Spirale heraus.

Er braucht Stabilität, Sicherheit, feste Abläufe im Wechsel mit Erholungszeiten.
Details kann er mit therapeutischer Unterstützung erarbeiten, was tut gut, was ist hilfreich, was belastend, stressend, schädlich.

Ein Partner mit Beistand auf der Gefühlsebene hilft immens, viel mehr braucht es nicht, manchmal ganz pragmatisch eine Handreichung, aber oft einfach Nähe, eine Umarmung, das Gefühl, nicht alleine zu sein.
Druck ist kontraproduktiv. Die versuchte und missglückte Verführung ist ein Beispiel.

Alleine so eine Phase durchzustehen ist nicht einfach, ich hätte mir oft genug einen Partner gewünscht, einfach nur zum Gehalten werden - und zum Lachen, für den positiven Ausgleich, Leben spüren ...
Schwierig wird es, wenn der Partner zum weiteren Stressfaktor wird.

Lies Dich zur Thematik ein. (kompl.) PTBS / Ptsd, Depressionen - wobei es da immer noch sehr individuelle Bandbreiten gibt. Nicht jeder z.B. vergräbt sich passiv, gelähmt in ein Loch, es kann gegenteilig sein und trotzdem eine schwere Depression. Es ist auch etwas anderes, ob die Depression Symptom oder Grunderkrankung ist .

Vor allem, werde Dir bewusst, es ist ein sehr, sehr langer Prozess, es wird nie mehr so wie es mal war, und wenn es gut werden soll, wird sich der Mensch ziemlich verändern müssen.

Narben werden immer bleiben, und manchmal ziepen diese auch nach Jahren immer noch. Empfindlichkeiten bleiben.

Es scheitern etliche Partnerschaften daran.

Euch beiden viel, viel Kraft und Mut.

W, 48
 
  • #12
Er hat einen sehr schwierigen Job und dort schon vor unserem Kennenlernen viel belastendes erlebt bis hin zu einer posttraumatischen Belastungsstörrung, die vermutlich auch mit anderen Faktoren für Depressionen gesorgt hat.

Liebe FS,

nachdem was du schreibst, scheint mir sein Job der auslösende Faktor zu sein. Alles andere, was sich daraus entwickelt hat, auch sein Verhalten dir gegenüber, hat wohl damit zu tun, dass er irgendwas einfach nicht mehr packt. Dies wird ihm in der Therapie hoffentlich klar werden und dann solltet ihr weitersehen. Dass du mit zu seiner Therapie gehen willst, ist eine gute Idee, denn es wird dir helfen zu verstehen, worum es hier geht und was zu tun ist.
 
  • #13
Mein Ex-Mann zeigte solche Verhaltensweisen. Ich zeigte ihm jedoch ziemlich radikal gleich am Anfang der Beziehung, dass ich mir das nicht gefallen lasse und demonstrierte, dass ich ohne zu zögern die Beziehung beenden würde.

Er veränderte sein Verhalten, dieses aggressive Schweigen kam nur noch selten und kurz vor und wir kamen wirklich gut miteinander zu Recht - genau so lange, bis ich schwanger war.

Schlagartig versuchte er mich wieder mit diesem Druck fertig zu machen, beleidigte meine Eltern, die uns sehr geholfen hatten, ich war prinzipiell an Allem schuld. Nach einem fetzigen Krach besserte es sich wieder für längere Zeit, bis das zweite Kind da war.

Unsere Ehe scheiterte, er konnte seinen Kindern in keiner Weise ein Vater sein, ließ mich komplett alleine und ich habe mir die Höllenzeit meines Lebens eingehandelt.

Erst viel später verstand ich, dass er sein Verhalten nur geändert hatte, damit ich blieb. Als er glaubte, dass er mich sicher habe, kam der tatsächlich immer vorhandene Charakter in seiner vollständigen Ausprägung zum Vorschein - und glaube mir, das war eine wirkliche Fratze.

Geh. Geh so schnell Du kannst.
 
  • #14
Du musst Dich entscheiden. Entweder Du bleibst bei ihm und trägst die Krankheit mit, mit all ihren Belastungen (depressive Menschen ziehen ihr Umfeld immer mit runter). Oder Du gehst, lebst wieder auf und merkst, dass die Energien wieder zurück in Deinen Body fließen (dann aber anfänglich mit schlechtem Gewissen). Würde auch darüber nachdenken, was so ein Klima bei meinem Kind anrichtet

W30
 
  • #15
Er hat einen sehr schwierigen Job und dort schon vor unserem Kennenlernen viel belastendes erlebt bis hin zu einer posttraumatischen Belastungsstörrung, die vermutlich auch mit anderen Faktoren für Depressionen gesorgt hat.

Hat er bereits eine PTBS gehabt, als ihr Euch kennengelernt habt? Oder erst nach dem ihr eine Beziehung eingegangen seit?

In bestimmten Berufen ist das Risiko eine PTBS zu erleiden, quasi programmiert. Ganz besonders bei Soldaten und Polizisten gewissermaßen militärischen Aufgaben. Auch aus diesem Grunde würde ich bei der Beziehungssuche solche Menschen meiden.

Das nützt dir natürlich nichts.

Übt er jetzt seinen Beruf überhaupt aus? Ist er krank geschrieben? Unterstützt ihn sein Arbeitgeber (auch mit Therapieangeboten)? Gibt es eine realistische Option, dass er seien Beruf wechselt?

All das sind Faktoren die darüber entscheiden wie sich der Zustand deines Freundes entwickelt.
 
  • #16
Bei mir hat es ungefähr 4 Jahre gedauert, bis das richtige Medikament gefunden wurde, das mir wirklich geholfen hat. Mein Ex-Mann ließ mich jahrelang spüren, wie sehr ich ihn belaste und wie gut es ihm geht, wenn ich nicht da bin. Ich war verzweifelt, denn ich wollte so sehr gesund sein. Unsere Ehe wurde vor einem Jahr geschieden, zu dem Zeitpunkt war ich wieder längst berufstätig und stark genug um zu gehen.
 
  • #17
Er sollte ne psychiatrische Reha, Stationären Aufenthalt kriegen. Ist ein Kampf mit der Kasse aber hier machbar (bei Widerspruch der Kasse widersprechen! Die lehnen immer erstmal ab).
Da wird er aufgebaut. Und Du kannst Dich erholen.
 
  • #18
Er sollte ne psychiatrische Reha, Stationären Aufenthalt kriegen. Ist ein Kampf mit der Kasse aber hier machbar (bei Widerspruch der Kasse widersprechen! Die lehnen immer erstmal ab).

Wenn keine Ahnung, dann besser keine Tipps geben:
"Die Kasse" erstellt keinen Widerspruch sondern eine Ablehnung des Antrags. Gegen die Ablehnung kann der Versicherte Widerspruch einlegen, was aber irrwitzig ist, weil "die Kasse" garnicht ablehnt. Sie reicht den Reha-Antrag angereichert mit AU- und Behandlungsdaten an den Rentenversicherungstraeger weiter, welcher bei Berufstätigen der Kostentraeger ist. Soviel zum administrativen Vorgehen.

Des Weiteren sind Reha-Antraege bei psychischen Erkrankungen nahezu ein Selbstgaenger angesichts der hohen Verrentungsquoten wegen psychischer Erkrankungen - nach dem Motto: Reha geht vor Rente.

Anders ist es, wenn der Partner der FS Beamter ist. Da muss er sich vom Arzt eine Akuteinweisung in eine psychosomatische Klinik holen und diese von der PKV genehmigen lassen, weil Reha oft nicht mitversichert ist.

Ja, kann für den Partner der FS gut sein, wenn er per Reha ein paar Wochen ihrem (Sex)druck entkommt und sich um sich selber kümmern kann.
 
  • #19
Ich glaube, hier sind einige dabei, die so überhaupt keine Ahnung von einer PTBS haben, wenn sie hier damit kommen, dass die TE Sexdruck macht und lauter so einen Unsinn.

Die TE versucht, irgendwie Normalität in ihre Beziehung zu bringen. Und das kann ich verstehen.

Ich habe/hatte auch eine Beziehung zu einem Mann mit PTBS. 1,5 Jahre ging es gut mit uns, dann kamen plötzlich seine massiven psychischen Probleme zurück. Er wandelte sich um 180 Grad, er ist heute nicht mehr der Mann, den ich kennen und lieben lernte. Er hat sich komplett verändert.

Er ist ebenfalls Soldat gewesen. Früher.

Man kann als Gesunder gar nicht wirklich begreifen, was diese Erkrankung mit der Person macht und was das für eine Beziehung bedeutet. Im Regelfall bedeutet es das AUS der Beziehung. Früher oder später. Egal wie groß die Liebe und der Wille, es durchzustehen, vom gesunden Partner ist. Man geht daran kaputt.

Liebe TE, ich kann dir nur raten, dich ausschliesslich um dich zu kümmern und um dein Kind. Wie das gehen soll, solange du noch mit ihm zusammen lebst, weiß ich nicht. Das ist ganz, ganz schwer, aber ich sage dir, das wird nicht mehr. Du wirst es noch nicht wahrhaben wollen, da du noch um die Beziehung kämpfst.

Aber ich sage dir, das ist aussichtslos. Wenn, dann müsste er kämpfen. Aber er kann nicht mehr.

Ziehe dich zurück, schau, daß es dir und deinem Kind gut geht und habe keine Erwartungen mehr an ihn. Er kann nicht und wird wahrscheinlich lange nicht mehr können. Und wenn es ihm wieder irgendwann besser gehen soll, wird eure Beziehung schon lange beendet sein, da man nicht jahrelang in einer Beziehung verharren kann, die keine mehr ist.

Das tut unwahrscheinlich weh, aber so ist die Realität. Die Kur soll er ruhig machen - aber er wird nicht mehr als der Alte zurück kommen und evtl. sich dort noch mehr von dir distanzieren. Das ist leider die Realität.

Alles Gute!
 
  • #20
Wenn keine Ahnung, dann besser keine Tipps geben:
"Die Kasse" erstellt keinen Widerspruch sondern eine Ablehnung des Antrags. Gegen die Ablehnung kann der Versicherte Widerspruch einlegen, was aber irrwitzig ist, weil "die Kasse" garnicht ablehnt. Sie reicht den Reha-Antrag angereichert mit AU- und Behandlungsdaten an den Rentenversicherungstraeger weiter, welcher bei Berufstätigen der Kostentraeger ist. Soviel zum administrativen Vorgehen.

Des Weiteren sind Reha-Antraege bei psychischen Erkrankungen nahezu ein Selbstgaenger angesichts der hohen Verrentungsquoten wegen psychischer Erkrankungen - nach dem Motto: Reha geht vor Rente.

Anders ist es, wenn der Partner der FS Beamter ist. Da muss er sich vom Arzt eine Akuteinweisung in eine psychosomatische Klinik holen und diese von der PKV genehmigen lassen, weil Reha oft nicht mitversichert ist.

Ja, kann für den Partner der FS gut sein, wenn er per Reha ein paar Wochen ihrem (Sex)druck entkommt und sich um sich selber kümmern kann.

Danke für den so höflichen Hinweis.
Rentenkasse ist auch ne "Kasse" mir gehts um diese Möglichkeit die viele nicht kennen. Und nicht um Belehrung. Zumal ich für dieses System arbeite benötige ich die solche nicht. Aber ein höflicher Umgang waere echt toll!!
Wer das nicht kann, sollte besser nicht in Foren schreiben :)
 
  • #21
Liebe FS,

ich finde es gut, dass Du nicht einfach das Handtuch schmeißt und gehst.

Die erste wichtige Feststellung, die Du verinnerlichen solltest ist:
Dein Mann ist krank!

Wie jede Krankheit sind eine Diagnose und eine passende Heilung notwendig. Ob dazu nun Sex gehört ist sicher individuell. Diese generelle Aussage Sex wäre das Letzte voran ein Depressiver denken und was er haben würde, ist Unsinn, wie so oft die hier vorzufindenden Pauschalisierungen. Wenn es denn bei Deinem Mann so ist, liegt das sicher nicht an Dir und Deinen Verführungskünsten.

Sehr gut finde ich auch, dass Du Deinen Mann, auch und gerade bei der Therapie, begleiten möchtest. Darüber hinaus solltest Du Dich unbedingt auch um Dich kümmern.

Ganz wichtig finde ich noch: Dein Mann muss den eigenen Wunsch und Willen haben wieder gesund zu werden. Das kannst Du ihm nicht abnehmen. Dazu sollte er sich als aller Erstes einen Job suchen, den er beherrscht und nicht umgekehrt.

Ich wünsche Euch alles Gute und es ist zu schaffen.
 
  • #22
Ich glaube, hier sind einige dabei, die so überhaupt keine Ahnung von einer PTBS haben, wenn sie hier damit kommen, dass die TE Sexdruck macht und lauter so einen Unsinn.
Das wiederum erstaunt mich, aber natürlich haben hier etliche Ahnung von PTBS, vielleicht nicht vollumfänglich, wie Experten. Viele Menschen haben in ihrem Leben zumindest Kontakt mit Menschen die darunter Leiden.
Wenn Du noch mal genau den EP liest, fühlt sie sich erniedrigt, weil er keine Lust mehr hat und macht sich zum Kaspar wenn sie sich wie eine Verhungernde auf die Morgenlatte stürzt. Der Mann ist krank, wenn sie heiß ist kann sie sich täglich so oft selbst befriedigen wie sie möchte.

TE, so wie es liest arbeitet er im Moment nicht und Du ja auch nicht, such Dir Arbeit, das bringt Dich von zu Hause weg, mit anderen Menschen zusammen, die mit der Krankheit Deines Mannes nicht zu tun haben. Es gibt dann andere Gesprächsthemen, vielleicht kannst Du dann auch mal wiede lachen.
 
  • #23
Ich glaube, hier sind einige dabei, die so überhaupt keine Ahnung von einer PTBS haben, wenn sie hier damit kommen, dass die TE Sexdruck macht und lauter so einen Unsinn.

Die TE versucht, irgendwie Normalität in ihre Beziehung zu bringen. Und das kann ich verstehen.

Meiner Meinung nach ist es unmöglich und sinnlos, dass eigene Leben vollständig an den Belangen eines chronisch bis auf weiteres nicht heilbaren Partners auszurichten bzw. dies zu wollen.

Selbstverständlich gilt es rücksichts- und respektvoll mit so einem Partner umzugehen. Dies gilt aber auch mit dem Umgang mit sich selbst und für den Umgang des Partners mit mir und es gilt auch für völlig gesunde Partner.

Es ist durchaus in Ordnung auszutesten was geht und was nicht geht. Der Versuch ihn zu verführen war daher ok. Allerdings sollte man sich nach einem Scheitern eines solchen Versuch nicht zu viele Gedanken machen.

Letztlich muss man selbst entscheiden auf was man wie lange verzichten kann und will. Ich sehe schon eine gegenseitige Fürsorgeverpflichtung in einer Beziehung, insbesondere wenn das Leiden des Partners die Folge einer Art von Berufsunfall gewesen ist und er mit seinem Beruf die Familie versorgt hat aber auch diese Verpflichtung ist nicht unendlich.

Die Kur soll er ruhig machen - aber er wird nicht mehr als der Alte zurück kommen und evtl. sich dort noch mehr von dir distanzieren. Das ist leider die Realität.

Viele Partner denken, dass durch eine Psychotherapie ihres Liebsten alles so wie früher wird. Wenn man so etwas will, muss es eine Paartherapie sein (von der darf man aber auch keine Wunder erwarten).

In der Einzeltherapie kümmert sich der Therapeut ausschließlich um seinen Patienten. Ein Ergebnis so einer Therapie kann auch eine weitere Distanzierung bzw. das Ende einer Beziehung sein.
 
  • #24
Die Kasse" erstellt keinen Widerspruch sondern ...
Weil "die Kasse" garnicht ablehnt.

Und am besten ist eine Akuteinweisung , von Hausarzt / Psychiater mit Diagnose für eine Psychosomatische Klinik.
Das wird gar nicht abgelehnt, da medizinisch begründet.
Man kann im Vorfeld schauen, welche Klinik geeignet sein könnte, ob man Präferenzen hat, dort Kontakt aufnehmen, mit der Überweisung des behandelten Arztes kümmern diese sich vor Ort.
"Akut" kann allerdings trotzdem eine Wartezeit bis zu 12 Monaten bedeuten, bei Diagnose PTBS ist eine geeignete Klinik nicht ganz einfach zu finden.
Bewilligt werden normalerweise 4 Wochen, dann wird von der Klinik Antrag auf Verlängerung gestellt. Und dann kommt es darauf an.

Reha bei Erwerbstätigen -s.@Vikky -
Antrag geht am besten an die Rentenversicherung, diese leiten es weiter an die KV. Man könnte es direkt bei der KV einreichen, aber es geht dann dort trotzdem erst an die RV zur Prüfung, ob bewilligungsfähig, und dann wieder zurück, da die KV bei Erwerbstätigen als Kostenträger zuständig sind. Bisschen umständlich, aber dies auf Nachfrage bei der RV, mit dem Hinweis, dass die KV nicht ablehnen kann, wenn sie als RV zustimmen. Rehaantrag ist vom Formalen deutlich aufwändiger.
Und auch die Therapie verläuft etwas anders, ob Reha- oder Akutklinik. Intensiver ist letzteres.
Soviel zum Procedere.
(Ich hatte beides).

Liebe Jule ,
Ich schließe mich @QFrederick an, man kann es schaffen.
Es braucht den Willen und Geduld - und auf jeden Fall nicht mehr Druck, sondern Rückhalt und Vertrauen.
Es ist richtig Stress, etwas tun zu wollen, und es geht einfach nicht. Ob Sex oder anderes.

Aus eigenem Erleben - Ich bin eine leidenschaftliche Berggeherin, mit gewissem Anspruch.
Auf einmal kamen auch hier die Blockaden - körperlich fit, das wäre es nicht gewesen - aber psychosomatisch, die Beine trugen nicht.
Ich habe 4 Jahre gebraucht - heute stehe ich wieder oben, und oft genug kommen mir immer noch in diesem Augenblick die Tränen.Zumindest ein ganz tiefes Glücksgefühl.

Denn was sich auf jeden Fall verändert hat - ich bin viel dankbarer, demütiger geworden, und insgesamt gelassener.

Und es stimmt einfach auch nicht, dass man gar nichts mehr kann und macht - ein gewisses Maß an Normalität braucht es zumindest, um nicht ganz und gar den Halt zu verlieren
Ich bin auch dankbar in der Rückschau für diejenigen, die ihre Hand hingehalten haben, oder mich mal mit gezogen haben, zum Lachen brachten, etc.

Liebe Jule, pass nur auf Dich auf und auf Deine Grenzen, informiere Dich und wäge ab, was kannst / willst Du leisten .
Samthandschuhe braucht es aber nicht, nur eben Verständnis und eine ganz normale zwischenmenschliche Rücksichtnahme.

Euch beiden alles Gute.
 
  • #25
Ich denke, dein Freund braucht stationäre Hilfe.
Du solltest ihn nicht auch noch mit Sex belasten. In einer Depression ist man leer, ähnlich einem Menschen der pleite ist. So einem Menschen kannst du nicht in die Tasche fassen, der hat nichts zu geben - keine Liebe, keine Zuneigung, keine Körperlichkeiten/kein Sex. Das würde ihm nur zusätzlich Kraft rauben. Und davon hat er keine mehr.
Ich denke, es wäre vielleicht erlösend für ihn, eine Weile von Euch getrennt zu sein. Und du solltest schauen, dass die wieder arbeiten gehst, denn dein Freund wird in der nächsten Zeit nicht für Euch sorgen können. Zumindest nicht so wie früher.
 
J

Jule123

Gast
  • #26
Hallo danke für eure ganzen Antworten. Ich hoffe ich kann jetzt auf alles eingehen. Also vorab noch wir sind beide 30 Jahre alt, das hatte ich vergessen.
Mein Freund ist verbeamtet, er hat gerade eine Kur gemacht, das hat ihm gut getan , allerdings aufgrund einer körperlichen Erkrankung, psychosomatisch möchte er nicht da er hofft irgendwann einen höheren Dienstgrad zu bekommen...

Ich bin nicht sexbesessen und laufe ihm da täglich hinterher um ihn zu zwingen , ich versuche ca alle 2 Monate mal wieder ihn zu überreden ( weiß nicht wie ich es nennen soll) und dann abgewiesen werde. Ich bin halt auch kein Roboter der immer denken kann: er kann halt nix dafür. Klar mich verletzt das als Frau ! Ich versuche gerade alles aufzufangen, ich mache das Haus, gehe Arbeiten und kümmere mich um unsere Tochter!!

Ich meinte das ich nach meiner Elternzeit meinen Job gewechselt habe um näher am Wohnort zu sein, jetzt bin ich nicht mehr in dem Berufsfeld das mit am Herzen liegt und wir hatten halt am Anfang gedacht ich bleib da bis zum nächsten Kind, weil der Job in der Schwangerschaft auch gut gewesen wär(vorher hatte ich ein Berufsverbot) und jetzt weiß ich halt nicht wie ich es weiter machen soll. Er arbeitet im Wechseldienst , also ich kann ihn nie zum abholen / bringen einplanen und muss etwas flexibel sein. War das verständlich?
 
  • #27
TE,
Danke natürlich wird das Bild mit mehr Informationen runder, es ist garn nicht so einfach anderen ein Bild von seinem Problem zu geben.

Für einen Unbeteiligten hört es sich in Deinem EP so an als wenn Du ihn sexuell bedrängst. Du bist auch nicht sexbesessen wenn Du Deine Bedürfnisse hast, nur die kann Dein Mann Dir im Moment nicht befriedigen. Musst Du also selber machen.

Mein Freund ist verbeamtet, er hat gerade eine Kur gemacht, das hat ihm gut getan , allerdings aufgrund einer körperlichen Erkrankung, psychosomatisch möchte er nicht da er hofft irgendwann einen höheren Dienstgrad zu bekommen...
Das ist für Euch als Familie ziemlich hart. Er riskiert einen gesundheitlichen Super-Gau und Du wirst ihm wahrscheinlich gar nicht klar machen können, dass Dir der höhere Dienstgrad egal ist. Er verleugnet für sich noch viel zu stark seine Probleme, ich hoffe mal inständig, dass er nicht bei der Polizei oder ähnlich verantwortungsvoller Aufgaben ist. Der Mann wäre für mich eine tickende Zeitbombe.
Alles Gute
 
  • #28
Mein Freund ist verbeamtet, er hat gerade eine Kur gemacht, das hat ihm gut getan , allerdings aufgrund einer körperlichen Erkrankung, psychosomatisch möchte er nicht da er hofft irgendwann einen höheren Dienstgrad zu bekommen...

Das solltest Du im Paargespraech mit der Therapeutin thematisieren. Er lädt alles bei Dir ab und versucht, sich für seine berufliche Zukunft zu Deinen Lasten schadlos zu halten. Dagegen solltest Du Dich engagiert wehren, denn im Alltag mitanzufassen und Pflichten übernehmen gibt Halt übrigens genauso wie arbeiten gehen, wenn man dort nicht belastet wird. Bei ihm ist das arbeiten eher dysfunktional.

Ob er noch jemals eine berufliche Zukunft hat ist fraglich, weil verschleppte Behandlung bei einer Therapie nicht hilfreich ist bzw. schadet. PTBS-Behandlung kann ausserdem in der Klinik viel besser gemacht werden als 1 mal in der Woche ambulant, weil Störfaktoren kontrollierbarer sind.
Auch diese Verheimlichungsneigung solltest Du thematisieren. Ich nehme an, er geht arbeiten und verheimlicht seine psychische Erkrankung. Zuhause kann er dann nichts mehr, weißt Dich ab etc. Das ist dysfunktionales Verhalten, zumal niemand im Krankheitsfall besser abgesichert ist als Beamte. Das Du die Läßt für unwahrscheinliche Karriereplaene tragen sollst, dagegen solltest Du Dich engagiert wehren und bei ihm Realitätssinn einfordern - mithilfe der Therapeutin.
Er ist krank und er muss keinen Schichtdienst machen, der seine Regenerationsfaehigkeit schwächt. Als Beamter reicht ihm ein Attest der Therapeutin, um aus dem Schichtdienst rauszukommen.

Er muss halt seine Karriereabsichten auf Eis legen bis es ihm wieder besser geht. Es wird ihm schneller besser gehen, wenn er richtig behandelt wird. Ausserdem muss er keine Karriere machen - Du bist selber berufstätig. Da darf er seine Grenzen selber anerkennen.

Du musst ja auch Deinen Kinder- und Jobwunsch zurückstellen. Also kannst Du von Deinem Partner erwarten, dass er aktiv alles für seine Gesundung tut, also ehrlich sein und sich in die richtige Behandlung begeben, statt zu taktieren.

Ich bin nicht sexbesessen und laufe ihm da täglich hinterher um ihn zu zwingen , ich versuche ca alle 2 Monate mal wieder ihn zu überreden...
Alles nachvollziehbar, nur nützt es Dir nichts, wenn Du Dir selber immer wieder das Abweisungserlebnis verschaffst.
Darüber hinaus erodiert sowas eine Beziehung bis in ihre Substanz. Dann trennt sich der Partner, wenn es ihm wieder besser geht, weil er körperliche Nähe mit Dir nicht mehr positiv assoziieren kann.

Lies' Dich mal durch verschiedene Betroffenenforen. Klar, jeder erlebt es individuell anders, aber Du wirst es vielleicht besser verstehen, wenn Du im Klartext geschildert liest, wie jemand mit Depression und erst Recht mit PTBS körperliche Bedrängnis erlebt und Dich zurücknehmen können. Im Zweifelsfall hilft SB.
 
  • #29
Hallo Jule,
also, Dein Mann ist möglicherw. Berufssoldat oder (Bundes)Polizist, und er scheut sich, sich wegen PTBS oder seiner Depression behandeln zu lassen, damit er eine makellose Akte hat, die ihm später nicht die Beförderung verhindert. Taktisch ist das richtig, denn im Staatsdienst verhindert eine Krankschreibung wegen psychischer Erkrankungen meistens eine Beförderung, aber für seine Gesundung ist es verkehrt. Den Vorgesetzten obliegt die Fürsorgepflicht für ihre Untergebenen, sodass man die Untergebenen nur ihrer Eignung und Befähigung nach einsetzen soll. Das stimmt schon, nur wird vor allem bei Polizei und Militär meines Erachtens noch zu statisch gedacht, nach dem Motto: "Der hatte doch mal vor 5 Jahren eine psychische Krise, also ist er für alle Zeiten ungeeignet für höhere Aufgaben." Das muss aber überhaupt nicht stimmen, denn ein Mensch kann aus dem tiefsten Tal zurückkehren und aus seinen Erfahrungen gestärkt hervorgehen, wenn er seinen Platz in der Welt gefunden und sein Ich-Verständnis zwischen Himmel und Erde neu justiert hat.
Dein Mann weiß sicherlich um die Mechanismen in seiner Männerdomäne und denkt sich event., dass er mit einem höheren Dienstgrad mehr Freiheit hätte und somit nicht mehr in den Mühlen der unteren Dienstgrade bleiben müsste, weswegen er nichts sagen möchte. Viell. denkt er sich, dass er sich im Anschluss erholen könnte, wenn er diese Phase noch durchhielte. Viell. ist er sehr auf die sog. "Berufsehre" gepolt und hält sich innerlich jetzt schon für einen Versager, weil er ja genau fühlt, dass er seine Arbeit nur unter Aufbietung seiner Kräfte erledigt und dass er auf Messersschneide ist, damit die Arbeit nicht ihn erledigt.
Nur dieses Ausharren, dieses Nichtssagen, das Verschweigen seines Zustandes verzögert bzw. verhindert seine Heilung. Er erkennt demnach noch nicht an, dass er am Boden ist. Außen und Innen stimmen nicht überein. Solange er in der Mühle drin ist, kann er meines Erachtens nach nicht reflektieren. Es geht ja darum, für sich Antworten zu finden, ob es überhaupt und jemals der richtige Beruf für ihn war, ob es zwar einmal der richtige Beruf war, er aber mittlerweile andere Vorstellungen vom Leben hat (die Freiheit!), was genau er bräuchte, um seinen Platz in der Welt zu finden etc. Diese Antworten kommen, wenn er Abstand zum Tagesgeschehen hat, z.B. in einer Kur. Da könnte ihm z.B. einsickern, dass er eigentlich nur gewisse kleinere Änderungen bräuchte (kein Wechseldienst mehr, Teilzeit, andere Aufgaben, Versetzung) oder gleich einen neuen Job oder dass er einfach seinen Anspruch etwas runterschrauben sollte etc.
Ich vermute, dass ihn das Leugnen/ Verschweigen seines Zustands so auszehrt, dass er bald gar keine Wahl mehr hat. Aus der Ferne sage ich, dass ihm ein kompletter Zusammenbruch bevorsteht, den er nicht mehr verschweigen kann.
 
  • #30
Wir haben seit ca 5-6 Monatem keinen Sex mehr. Von ihm könnt gar nix mehr und wenn ich versuche mein Bedürfnis deutlich zu machen egal wie( ich hab mir da echt Mühe gegeben) will er nicht. Ich empfinde das als so erniedrigend wenn ich mir Dessous anziehe oder heute morgen hat unsere Tochter noch geschlafen er hatte einen Ständer und ich wollte ihm einen blasen und er wendet sich ab....

Liebe Fragestellerin

Hätte er Krebs und wäre starkt geschwächt, würden sie noch mit ihm schlaffen wollen ?
Eine psychische Krankheit ist schwer für alle Beteiligten, ich weiss von was ich spreche. Leider sind die Symptome nicht nach empfindbar, weil mann sie nicht sieht. Sehen sie seine Krankheit und gehen sie zur Therapie. Es lohnt sich zu Kämpfen für ihre kleine Familie.
 
Top