• #1

Wie können wir trotz Trennung unsere Elternschaft voll leben?

Ich würde gerne eine etwas allgemeinere Diskussion anstoßen. Viele hier wissen, welche Stolper- und Holpersteine es auf dem Weg, eine wirklich erfüllte Partnerschaft zu finden, gibt. Keiner ist mit 30 schon so reif wie mit 50. Viele Frauen entdecken erst später ihre Sexualität und entwickeln diesbezügliche Ansprüche (also zumindest in meiner Generation, bei den heute 20-jährigen mag das anders ein). Außerdem entwickeln wir uns, aber der Partner entwickelt sich vielleicht nicht in dieselbe Richtung. Aber Kinder werden nun in die „unreifen“ Partnerschaften hineingeboren, die dann nicht halten. Das scheint doch unvermeidbar zu sein, wie wir hier immer wieder sehen. Das ist vielleicht sogar dem Inspirationsmaster passiert. Ich sehe aber in den gängigen Lösungen der Kinderbetreuung nach einer Trennung keine, die tatsächlich den Kindern und unserer Verantwortung für sie vollkommen gerecht wird. Das sogenannte Standardmodell mit WE-Besuchen bei einem Elternteil funktioniert ja nur dort, wo einer (meist der Vater) gar nicht eine so enge Bindung an die Kinder hat. Was ja aber gar nicht wünschenswert ist. Das Wechselmodell mutet den Kindern etwas zu, was wir Erwachsenen nur schwer aushalten würden. Außerdem reduziert es den Kontakt zwischen Eltern und Kindern um die Hälfte. Ebenso das Nestmodell. Auch wenn Studien wohl zeigen, dass Kinder, die in diesen Modellen leben, daraus keine seelischen Schäden mitnehmen, passen sie bisher nicht zu meiner Vorstellung von Elternschaft. Oder ist meine Vorstellung zu eng? Sind das mehr MEINE Bedürfnisse, diesen täglichen Kontakt zu den Kindern zu haben, und nicht so sehr die Bedürfnisse der Kinder?
Mich bewegt die Frage, ob/ wie man das auf vernünftige Weise vereint bekommt: die Elternschaft und das Problem der Liebesbeziehungen.
 
  • #2
Das scheint doch unvermeidbar zu sein, wie wir hier immer wieder sehen. Das ist vielleicht sogar dem Inspirationsmaster passiert. Ich sehe aber in den gängigen Lösungen der Kinderbetreuung nach einer Trennung keine, die tatsächlich den Kindern und unserer Verantwortung für sie vollkommen gerecht wird.
Das sind adäquat auch meine Erfahrungen und meine Erkenntnisse!
Das sogenannte Standardmodell mit WE-Besuchen bei einem Elternteil funktioniert ja nur dort, wo einer (meist der Vater) gar nicht eine so enge Bindung an die Kinder hat. Was ja aber gar nicht wünschenswert ist.
Genau so ist das, ich bin kein Freund die Kinder ständig hin und her zu schieben!
Das Wechselmodell mutet den Kindern etwas zu, was wir Erwachsenen nur schwer aushalten würden. Außerdem reduziert es den Kontakt zwischen Eltern und Kindern um die Hälfte. Ebenso das Nestmodell.
Egal welche Studien hier greifen, aus meiner Sicht heraus tut das Wechselmodell den Kinder nicht gut, wenn sie älter werden und selber entscheiden können, möchten sie das Wechselmodell meist nicht mehr!
Auch wenn Studien wohl zeigen, dass Kinder, die in diesen Modellen leben, daraus keine seelischen Schäden mitnehmen, passen sie bisher nicht zu meiner Vorstellung von Elternschaft.
Das sehe ich auch so, stimme dir voll und uneingeschränkt zu!
Oder ist meine Vorstellung zu eng? Sind das mehr MEINE Bedürfnisse, diesen täglichen Kontakt zu den Kindern zu haben, und nicht so sehr die Bedürfnisse der Kinder?
Mich bewegt die Frage, ob/ wie man das auf vernünftige Weise vereint bekommt: die Elternschaft und das Problem der Liebesbeziehungen.
Nein deine Vorstellung, ist nicht zu eng, ich unterzeichne diese blind!
 
  • #3
Tja, nun kam erst mal wie gewohnt nichts konkretes, und vor allem kein Lösungsvorschlag.

Das klassische Modell finde ich ungut, es sollen ja beide Elternteile Eltern sein.

Ich sehe das Wechselmodell bei Bekannten, beide wohnen nicht weit auseinander, das funktioniert, ein total liebes Mädchen.

Ich denke, das Nestmodell wäre für das Kind wohl am Angenehmsten,, aber selten realisierbar. Alleine schon 3(!) Wohnungen? Wer bezahlt sowas?
Oder dann 2 Wohnungen, und man teilt sich auch die 2.Wohnung mit dem Ex? Sehr schwierig bis unmöglich.

Wechselmodell klappt dann, wenn beide Eltern an einem Strang ziehen, zuverlässig sind.
An einem gewissen Alter wird es sowieso anders.
Ein kleines Kind und ein Teenager sind völlig unterschiedlich

W, 51
 
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  • #4
Tatsächlich muss man sich wohl eingestehen, dass es da kein Optimum gibt - denn das wäre ja das Ideal der glücklichen Familie. Ganz sicher kann dort die beste Elternschaft praktiziert werden. Nun haben wir dieses Ideal ja aber nun mal vergeigt und müssen schauen, was zumindest das zweitbeste ist.

Ich denke, das hängt von den beteiligten Personen ab — Menschen sind nun mal unterschiedlich. Es leiden nicht alle in derselben Konstellation gleich. Und alles hat seine Vor- und Nachteile.

Bei mir sieht das im Moment so aus, dass ich mit dem Vater der Kinder noch unter einem Dach wohne. Für die Kinder heißt das: wenig Veränderung, beide Elternteile sind verfügbar; sie kommen auch nicht in die unangenehme Situation, sich zwischen beiden entscheiden zu müssen.
Natürlich hat diese „Lösung“ aber andere Nachteile.

Letztlich muss da jeder in sich selbst reinhören, was er vor sich verantworten kann und wie glücklich oder unglücklich er mit welchem Modell ist.
w45
 
  • #5
Für diesen Thread gibt es leider keinen Königsweg und so gut wie keine brauchbaren Lösungsvorschläge, es gibt nur Hilfskrücken. Mit künstlicher Schönrederei kommt der Betroffene auch nicht weiter, wie mit, ich kenne da jemand...was soll das, das hilft ihm nicht!
Folgende Möglichkeiten stehen zur Verfügung:
1. Kinderfrei zu leben.
2. Den optimal passenden und liebenden Partner als Vater der Kinder gefunden zu haben, dass es nicht zur Trennung kommt, wer kann das schon sagen? 😊
3. Gutes Verhältnis zum Partner zu haben, auch nach der Trennung, dann kann man aber gleich bleiben!
4. Sich damit abfinden, dass der aktuelle Partner nicht bleiben wird und es geht nach bestimmter Zeit mit Wiederholung weiter!
 
  • #6
Wechselmodell klappt dann, wenn beide Eltern an einem Strang ziehen, zuverlässig sind.
Überhaupt, gemeinsame Aufzucht von Kindern nach der Trennung funktioniert auch wirklich nur dann, wenn sich beide Eltern so verhalten, wie von dir beschrieben.

Trotz alledem, ich kann nur von meinen Beobachtungen aus meiner Tätigkeit in verschiedenen Schulklassen berichten: Die meisten Kinder, die im Wechselmodell leben, leiden darunter sehr. Meist ist es so, dass sie dadurch in eine Entscheidungssituation gezwängt werden, wo sie lieber sind, bei Papa oder bei Mama. Auf Nachfrage geben die Kinder dann meistens einen von beiden an, und berichten dann darüber, dass einer von beiden strenger ist, als der andere, manchmal hat es auch schlicht damit zu tun, dass im Haushalt des einen keine Playstation vorhanden ist. Das ist sozusagen eine Frage, mit denen sich Nicht - Trennungskinder, oder solche, die nur aller zwei Wochen zum Papa/ Mama gehen, gar nicht beschäftigen müssen. Wenn sich dann die beiden Eltern nicht über Erziehungsstile einig werden können, dann halleluhja. Das färbt so auf das Kind ab, welches sein Verhalten dann in der Schule auslässt. Das ist nicht immer so, aber doch schon ziemlich häufig zu beobachten.
Es ist ein Dilemma. Kein Paar der Welt hat die ewige Haltbarkeitsgarantie. Aber unter einer Trennung leiden nun mal die Kinder sehr häufig. Auch wenn sie an sich mit dem Fakt klarkommen, vermissen sie meinstens den jeweils abwesenden Elternteil.
Ich bin selber Trennungskind seit den frühen 80ern gewesen, und ich fand es furchtbar, dass keine Normalität mit beiden Elternteilen möglich war.
Tja, wie kann man das Kind, was mit der Trennung in den Brunnen gefallen ist nun retten? Ich würde mal sagen, durch gemeinsame Absprachen, klare Grenzsetzungen, keiner fällt dem anderen in den Rücken, und gute Kommunikation.
Ich denke, das ist in vielen Fällen leichter gesagt, als getan.
 
  • #7
Bei mir sieht das im Moment so aus, dass ich mit dem Vater der Kinder noch unter einem Dach wohne.
Trixie, kannst du mehr davon erzählen? Die Nachteile sind wohl: der verlassene Partner kann die Präsenz des anderen nur schwer aushalten; man kann sich überhaupt nur schwer voneinander "abnabeln", neue Liebesbeziehungen zu leben ist schwierig. -- Wie lange macht ihr das schon, Triexi, und wie erlebt ihr das? Und eure Kinder?

Tatsächlich muss man sich wohl eingestehen, dass es da kein Optimum gibt - denn das wäre ja das Ideal der glücklichen Familie. Ganz sicher kann dort die beste Elternschaft praktiziert werden. Nun haben wir dieses Ideal ja aber nun mal vergeigt.
Vergeigt? Ist nicht das Ideal der fast lebenslangen Liebesbeziehung eine Illusion? Da wo man sich nicht trennt, herrscht vielfach Betrug, Sexlosigkeit. Aber klar, dann wäre auch die innige, glückliche Kernfamilie eine Illusion.
 
  • #8
Sind das mehr MEINE Bedürfnisse, diesen täglichen Kontakt zu den Kindern zu haben, und nicht so sehr die Bedürfnisse der Kinder?
Ein kleines Kind und ein Teenager sind völlig unterschiedlich
Das Alter der Kinder spielt sicherlich eine tragende Rolle. Ein Kleinkind hat noch ganz andere Bedürfnisse, als ein 15 jähriger Teenager, was die Eltern-Kind-Bindung betrifft.

Ansonsten wird wohl die idealste Lösung nach einer Trennung das Co-Parenting sein. Beide sind im Alltag des Kindes präsent, verbringen gemeinsame Familienurlaube usw. und leben in der Nachbarschaft.

Das bedarf aber Eltern, die gewillt sind, sich nach wie vor miteinander auseinanderzusetzen. Und dies scheinen die meisten nicht zu wollen.

Fixe Absprachen und Regelungen dienen ja lediglich dazu, eine möglichst große Distanz und wenig Berührungspunkte im Alltag herzustellen. Was schlussendlich das belastende für Kinder sein wird. Da die dann in dieser Zerrissenheit leben müssen.

Damit getrennte Paare an einem Strang ziehen können, müssen sie sich mit der Trennung und dem Ex Partner auf eine gewisse Weise aussöhnen. Da kann eine Art Mediator in der Trennungsphase sehr hilfreich sein, der/die den Findungsprozess begleitet.
 
  • #9
Ich bin ja schon über 50 und habe es in meinen Bekanntenkreis eher so erlebt, das die Väter sich während der Beziehung auch schon nicht um die Kinder gekümmert haben.
Wie soll es denn hinter her gut gehen?
Die meisten Väter sind doch schon komplett überfordert mit einem Wochenende alle 14 Tage und wissen gar nichts mit den Kindern anzufangen.
Klar gibt es da Ausnahmen, aber bei mir war es schon verrückt, wenn mein Sohn 4 Stunden beim Vater war, da war schon absolutes Chaos.
Grenzen konnte er nicht setzen und außer dem Kind Berge von Süßigkeiten zu geben und teure Geschenke zu machen hatte er keine Ahnung. Und so ging es all meinen Bekannten. Nach der Trennung, vor der Trennung ....immer das gleiche.
Wenn meine Freundin zweimal die Woche zum Sport wollte und er sollte dann die Kinder hüten, dann war das schon zu viel verlangt und er sagte so oft ab, das sie es denn bleiben gelassen hat.
Da kann ich noch unzählige Beispiele mehr aufzählen, insbesondere hunderte, wo man sich als Frau auf das Kinderfreies Wochenende freut und dieses dann ständig nicht stattfindet.
Es ist hoffnungslos mit den Vätern da war gescheites zu arrangieren.
 
  • #10
Da kann ich noch unzählige Beispiele mehr aufzählen, insbesondere hunderte, wo man sich als Frau auf das Kinderfreies Wochenende freut und dieses dann ständig nicht stattfindet.
Es ist hoffnungslos mit den Vätern da war gescheites zu arrangiere
Das habe ich so noch selten gehört.

Ich bin bei dem was ich so sehe eher bei dem was @NormaJean geschrieben hat:
Die Kinder leiden am meisten darunter, auch dann, wenn es (aus Sicht der Erwachsenen) "gut funktionierende" Regelungen gibt.

Das heutige Väter ihre Kinder nicht erziehen und betreuen können, halte ich für ein blödes Gerücht.

Kann aber sein, dass es so eine Problem in der vorigen Generation noch gab. Das ist mit Sicherheit heute nicht mehr so bzw. zwischen den Geschlechtern ausgeglichen.
 
  • #11
Wie lange macht ihr das schon, Triexi, und wie erlebt ihr das? Und eure Kinder?
Wir machen das jetzt seit knapp zwei Jahren. Die Nachteile hast du selbst schon gut beschrieben. Unser Haus eignet sich streng genommen nicht gut für getrenntes Wohnen. Ich „bewohne“ das ehemalige Schlafzimmer und das dazugehörige Bad, der Vater der Kinder schläft im Keller - allein das bringt schon eine gewisse Symbolik mit sich. In Wohnzimmer und Küche laufen wir uns natürlich öfter über den Weg - hier ist Abgrenzung schwierig. Überhaupt gibt es „das Meine“ und „das Deine“ oft nicht so richtig, und man muss die nötige Toleranz aufbringen, den anderen zu ertragen. Es gehört auch viel Selbstdisziplin dazu, mit eventuell dann doch aufkommenden negativen Emotionen umzugehen.
Partnersuche... ja, auch schwierig. Das wäre natürlich bei einer deutlichen räumlichen Trennung mit abgesprochenen Kinderzeiten viel einfacher. Ich verstehe auch, wenn ein Mann sagt, sowas kann er sich nicht vorstellen — ist okay. Ich hab mich auch manchmal schon gefragt, ob die Reihenfolge nicht falsch herum ist. Andererseits: warum sollte ich jetzt in vorauseilendem Gehorsam etwas ändern, nur für den Fall, dass mir irgendwann der passende Mann über den Weg läuft und es dann einfacher ist? Im Moment ist es eben, wie es ist.
Ich sage auch nicht, dass alles toll ist und ich das die nächsten x Jahre auf jeden Fall so weitermachen möchte. Sobald ich oder der Vater der Kinder der Meinung sind, anders wäre es besser, werden wir wohl etwas ändern.

Die Kinder kommen ganz gut damit zurecht, wobei ich natürlich nicht in die Köpfe reingucken kann. Tatsächlich hat sich für sie eben kaum etwas verändert. Naja, das stimmt natürlich nicht. Es gibt keine Familienurlaube, keine gemeinsamen Ausflüge mehr. Und natürlich erleben sie, dass Mama und Papa jetzt anders miteinander umgehen als früher. Das positive Vorbild als sich liebendes Paar ist weg. Aber sie merken, dass das Leben trotzdem weitergeht und die Welt offensichtlich nicht zusammenbricht, obwohl die Eltern sich getrennt haben.
Ich glaube, so wahnsinnig viele Gedanken machen die Kinder sich darum gar nicht. Und das finde ich auch gut so, denn genau so wie andere es schon vor mir beschrieben haben, sehe ich es auch: das schlimmste für die Kinder ist die innere Zerrissenheit, das Gefühl zu haben, sich für Mama oder Papa entscheiden zu müssen. Genau das haben wir mit unserem Modell bisher vermieden, und darüber bin ich froh.
w45
 
  • #12
Ist nicht das Ideal der fast lebenslangen Liebesbeziehung eine Illusion?
Nicht unbedingt. Ich hab zwar früh geheiratet (mit 23), und das auch noch meinen ersten Freund, aber ich würde das auch im Nachhinein nicht als Fehler bezeichnen. Es hat meiner Meinung nach auch nichts damit zu tun, dass die Beziehung nach 24 Jahren auseinanderging. Wenn ich mir die Geschichten hier anschaue, habe ich nicht den Eindruck, dass es bei denjenigen, die mehrere Beziehungen „vorweisen können“, besser läuft.
Vielleicht liegt es auch daran, dass ich - offenbar im Gegensatz zu vielen Foristen hier - in der Verwandtschaft durchaus einige positive Beispiele für lebenslange, gute Beziehungen hatte. Lebenslang heißt ja nicht automatisch verlogen und unerfüllt - so wie das Gegenteil eben auch nicht automatisch gilt.
Eine Trennung ist ja immer mit Schmerz verbunden - wär doch schön gewesen, man hätte mit seiner ersten Beziehung einfach glücklich zusammen bleiben können, oder nicht?
Die Realität ist oft anders. Meine auch. Trotzdem finde ich die Idee einer lebenslangen Liebesbeziehung nach wie vor schön.
w45
 
  • #13
„Das Wechselmodell mutet den Kindern etwas zu, was wir Erwachsenen nur schwer aushalten würden. Außerdem reduziert es den Kontakt zwischen Eltern und Kindern um die Hälfte. Ebenso das Nestmodell.“
Stimmt !
Ich kenne ein Kind , das nach dem Wechselmodell depressiv wurde und jetzt , erwachsen, sein Leben nicht auf die Reihe bringt.
Ich habe das Modell gewählt, jedes 2. WE zum Vater, das ist auch nicht optimal , aber lässt dem Kind noch ein Zuhause, es gibt noch eine gewisse Stabilität und die Schule funktioniert, weil alles noch zuhause bleibt .
 
  • #14
Ich denke, das, was ich gleich schreibe, schwebt dir bei der Frage nicht vor, aber für mich als Kind war es eigentlich ganz gut so:

Meine Mutter hat meinen Vater in einem anderen Land kennengelernt und ist dorthin ausgewandert. Als meine Schwester und ich viereinhalb waren, hat sie ihn verlassen und uns Kinder nach Deutschland mitgenommen, wo wir seitdem leben. Sie hatte trotzdem noch und hat bis heute guten Kontakt zu unserem Vater, mag ihn auch, aber es sollte damals halt nicht sein und hat mit den Lebensumständen nicht gepasst. Sie waren also nicht verstritten, aber wir haben dann eben nur mit unserer Mutter hier gelebt und unseren Vater immer in den Sommerferien für 3-4 Wochen besucht, was toll war, da er direkt am Meer auf einer mediterranen Insel lebt. Meine Schwester und ich (meine Mutter ist nicht mitgekommen, musste arbeiten) haben jedes Jahr einen tollen, für uns kostenlosen Urlaub dort verbracht, die Verwandten und Freunde im Dorf kannten uns, wir hatten Urlaubsfreunde ... Dieses oder nächstes Jahr fahre ich wieder hin mit meiner Schwester.

Es war immer so: Wir leben mit unserer Mutter und besuchen unseren Vater einmal im Jahr während der Sommerferien. Für uns hat das gut funktioniert und ich hätte es mir niemals anders vorstellen können. Es war gut und normal.

Ich hätte als Kind keinen Bock auf irgendwelche Wechselmodelle gehabt, wo ich andauernd pendeln muss und von den Eltern hin- und hergeschoben werde, um deren Bedürfnisse zu befriedigen, und wo sie dann womöglich noch versuchen, jeweils meine Gunst zu gewinnen, und um meine Zuneigung konkurrieren oder sich über Erziehungsstil und Feiertage und sonst was streiten. Das stelle ich mir alles etwas stressig und belastend vor, man hat ja dann kein richtiges Zuhause, sondern pendelt permanent zwischen zwei Welten und zwei Menschen, ist immer zerrissen.
w26
 
  • #15
Ich bevorzuge das klassische Modell. Die Eltern vertragen sich und bleiben zusammen. Das ist für die Kinder vielleicht sogar noch besser als das Wechselmodell oder das Nestmodell.
 
  • #16
Als meine Schwester und ich viereinhalb waren, hat sie ihn verlassen und uns Kinder nach Deutschland mitgenommen, wo wir seitdem leben.
Hast du deinen Vater damals nicht vermisst, als du dann in Deutschland warst? War dein Vater für dich davor präsent? Und hast du eine Erinnerung an dieses Alter?
Ich wurde mit sechs Jahren von meinen Eltern getrennt und kann mich noch gut erinnern, wie ich meinen Vater vermisst und Rotz und Wasser geheult habe.
w45
 
  • #17
Hmmmm .... rein theoretisch und ohne eigene Erfahrungen ....

Klassisches Modell und beide Eltern wohnen so nah beieinander, dass die Kinder zumindest ab einem gewissen Alter einfach selbständig zu Besuch beim "getrennten" Elternteil vorbeischauen können.

Gebt den Kindern mehr Freiheit - dann muss sich kein Elternteil Gedanken um Entfremdung machen.
 
  • #18
beide Eltern wohnen so nah beieinander, dass die Kinder zumindest ab einem gewissen Alter einfach selbständig zu Besuch beim "getrennten" Elternteil vorbeischauen können.
Ja, darüber hab ich auch schon nachgedacht. Das wäre sozusagen der nächste Schritt nach unserem Modell. Wenn ich mir dann aber die praktische Umsetzung überlege, bin ich mir nicht sicher, ob das so gut funktioniert. Im Prinzip erfordert das eine noch genauere Absprache zwischen den Eltern, denn woher weiß das Kind sonst, wann welcher Elternteil überhaupt zu Hause ist?
Und... stell dir mal vor, du wärst mein neuer Partner und wärst das Wochenende bei mir: fändest du es toll, wenn am Samstagabend plötzlich mein 14jähriger Sohn auf der Matte stünde, weil er einen anderen Film gucken will als sein Vater, und am Sonntagmorgen um 7 steht der 7jährige vor der Tür und klingelt, weil er halt früh aufgewacht ist und denkt, er geht jetzt mal zu Mama...?
🤯
w45
 
  • #19
Und... stell dir mal vor, du wärst mein neuer Partner und wärst das Wochenende bei mir: fändest du es toll, wenn am Samstagabend plötzlich mein 14jähriger Sohn auf der Matte stünde, weil er einen anderen Film gucken will als sein Vater, und am Sonntagmorgen um 7 steht der 7jährige vor der Tür und klingelt, weil er halt früh aufgewacht ist und denkt, er geht jetzt mal zu Mama...?

Nun, wenn an AE ist, ist Kind immer da.
Also so mit diesem Gefühl muss man es dann handhaben, das Kind hat 2 Orte, wo es zuhause ist und hin- und her wechseln.
Grundabsprachen muss es natürlich geben.

Bei meinen Bekannten funktioniert es so, reibungslos.

W, 51
 
  • #20
Gutes Verhältnis zum Partner zu haben, auch nach der Trennung, dann kann man aber gleich bleiben!
Inspirationsmaster, das ist ja das erste Mal, dass du zum Bleiben und nicht zur Trennung rätst. Allerdings kann man ein gutes Verhältnis haben und trotzdem gibt es Probleme, die einer erfüllten Partnerschaft entgegenstehen.
Ansonsten wird wohl die idealste Lösung nach einer Trennung das Co-Parenting sein. Beide sind im Alltag des Kindes präsent, verbringen gemeinsame Familienurlaube usw. und leben in der Nachbarschaft.
Klingt ideal. Der Anspruch an eventuelle neue Partner wäre, dass sie es tolerieren, dass man mit Ex und Kindern in den Urlaub reist. Habe hier schon so oft (mit Unverständnis) gelesen, dass dies für viele ein "No Go" wäre. Schade.
In Wohnzimmer und Küche laufen wir uns natürlich öfter über den Weg - hier ist Abgrenzung schwierig. Überhaupt gibt es „das Meine“ und „das Deine“ oft nicht so richtig,
Trixie, gibt es bei euch sowas wie gemeinsame Familienzeiten, geplante oder ungeplante. Beim Essen? Hin und wieder abends? Urlaubsreisen ja nicht, wie du schreibst.

Sicher kann die Beständigkeit beim Jedes-Zweite-WE-Modell gut sein, wenn das "Wochenendelternteil" zuverlässig ist. Aber es ist doch schön, dass Väter heutzutage keine Jedes-Zweite-WE-Väter sein wollen!
 
  • #21
Trixie, gibt es bei euch sowas wie gemeinsame Familienzeiten, geplante oder ungeplante. Beim Essen? Hin und wieder abends?
Die ergeben sich manchmal zwangsläufig, vor allem beim Essen, wenn wir eben beide da sind. Wir gehen dann nicht demonstrativ aus dem Zimmer, wenn der andere da ist. Andererseits suchen wir die Nähe auch nicht, weil es eben doch nicht wirklich entspannt ist.
Was das Freizeitverhalten angeht, sind wir sowieso recht unterschiedlich, d.h. jeder macht das mit den Kindern, was er gerne macht; da kommen wir uns kaum in die Quere.
Gemeinsame Ausflüge sind insofern schwierig, als dass dabei einer den „Lead“ hat. Das fühlt sich nicht gut an.
Und gemeinsame Urlaube kann ich mir auch nicht vorstellen - meinen Urlaub verbringe ich lieber mit Menschen, mit denen ich auch gerne zusammen bin.
w45
 
  • #22
Ich stelle mir so eine in einer Wohnung Konstellation schwierig vor.

Auch für die Kinder, denen man zwar sagt, dass man getrennt ist, aber ihnen dann eine Mischung vorlebt.
Ob da nicht eine klare Trennung hilfreicher ist.
Wir sind Eltern, aber kein Paar, deswegen gibt es uns, bis auf Ausnahmen, nicht zusammen?
Schürt man so nicht auch Hoffnungen, in der Richtung, die Eltern könnten ja wieder zusammen kommen? Ein bisschen Fassade? Trixie, ohne Vorwurf zu verstehen - Dein Modell funktioniert die Euch, aber mir ergeben sich dabei Fragezeichen.

Und man ist ja nicht nur Eltern - das habe ich versucht, meinen Kindern zu vermitteln.
Ich bin Mama, ich bin da für Euch, gerne, jederzeit.
Aber - Ich bin nicht nur Mama, ich bin auch noch ein erwachsener Mensch, habe Freundschaften, Sozialkontakte und ggf. auch wieder einen Partner mit allem, was dazu gehört.

Das war mir wichtig zu vermitteln. Sie haben ja auch ein zunehmend eigenständiges Leben jenseits der Familie.

Ich hätte mich sicher nicht auf ein Kennenlernen eines Mannes eingelassen, der noch mit seiner Exfrau zusammen lebt, egal in welcher Form.
Da ist auch mir die Trennung nicht klar genug.

Sicher ist das Ideal, Eltern bleiben zusammen. Nur ist es oft nicht so, und nur wegen der Kinder ist schwierig, die Disharmonie bekommen sie ja mit, und damit auch kein gutes Bild von Partnerschaft.

W, 51
 
  • #23
für die Kinder, denen man zwar sagt, dass man getrennt ist, aber ihnen dann eine Mischung vorlebt.
Ja, das ist mir schon alles bewusst. Deshalb hab ich ja auch schon gesagt: mir ist klar, dass auch das nicht das Gelbe vom Ei ist.
Es handelt sich halt um vier Kinder im Alter von 7 bis 16. Auch die Geschwister unter sich entwickeln eine Eigendynamik. Wenn ich dem 14jährigen Pubertier etwas altersentsprechend erkläre, muss ich damit rechnen, dass es auch der 7jährige erfährt.
Zudem wohnen wir im Großraum Stuttgart - eine zweite Wohnung mit Platz für vier Kinder: fast unerschwinglich. Ganz abgesehen davon, dass der Vater der Kinder dazu auch mal eine Vision entwickeln müsste. Ich kann das ja nicht allein entscheiden.
Es ist immer ein Abwägen aller Vor- und Nachteile.
w45
 
  • #24
Hast du deinen Vater damals nicht vermisst, als du dann in Deutschland warst? ...
Erinnerungen habe ich viele, auch von davor, als wir noch dort gelebt haben, ich weiß fast alles. Damals war mein Vater präsent, wir haben alle zusammen in einem Haus gewohnt und er hat im gleichen Dorf direkt um die Ecke gearbeitet und uns auch oft mit auf den Berg oder in sein Boot genommen (Fischer und Schäfer).

Ich habe das mit der Trennung nicht sofort richtig verstanden. Meine Mutter hat es so gemacht, dass sie mit uns Kindern für einen Urlaub nach Deutschland gereist ist, um ihre Familie zu besuchen. Dann hat sie meinen Vater angerufen und gesagt, dass sie mit uns hier bleibt und nicht mehr zurückkommt. Deswegen hatten wir nur zwei Reisetaschen, als wir hier ankamen. Babyfotos und unsere ganzen anderen Sachen hat sie dagelassen, denn es wäre ja etwas auffällig gewesen, die für einen Urlaub mitzunehmen.

Ich war früher sehr schüchtern, weil wir aus dem kleinen Dorf in die Großstadt gezogen sind und das Land gewechselt haben. Ich selbst kam mit der Trennung eigentlich gut klar, nur tat mir mein Vater leid, weil er uns sehr liebt und nicht aufwachsen sehen konnte. Später habe ich mir dann selbst die Sprache meines Vaters beigebracht, um mit ihm reden zu können, denn da meine Mutter mit uns immer Deutsch gesprochen hat, konnte ich mit ihm nur ein paar einfache Sätze reden, die man mit vier Jahren halt schon gelernt hat. Mein Vater kann weder Deutsch noch Englisch, deswegen konnten wir die ersten Jahre gar nicht reden, als ich da war. Das war mir unangenehm und tat mir leid, also habe ich mir dann eine Grammatik genommen und die Sprache gelernt. Manchmal denken Menschen, ich wäre zweisprachig aufgewachsen. Aber das ist nicht der Fall, ich bin völlig deutsch sozialisiert und habe es mir bewusst beigebracht.

Aber es ist nicht so, dass irgendwer von uns es grundsätzlich anders gewollt hätte. Ich finde mein Leben hier besser, mein Vater findet, dass es besser ist, dass wir hier leben ... Also im Grunde sind wir alle zufrieden. Und es ist eben der Alltag und das Leben, das ich kenne. Für den Urlaub ist es dort im Dorf schön, aber dauerhaft dort leben will ich nicht. Also eigentlich gab es nie eine Alternative und nichts, was ich besser gefunden hätte. Ich liebe meinen Vater, aber ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie es gewesen wäre, ihn jeden Tag dauerhaft zu sehen. Es ist schon alles richtig so, wie es ist. 🙂

Also für mich selbst war es gut so, nur die Konsequenz ist, dass mir bis heute beide Elternteile irgendwie leid tun: mein Vater, weil er ein hartes Leben hatte und uns nicht hat aufwachsen sehen und sozusagen alleine sterben wird, und meine Mutter, weil es für sie schwer war, alleinerziehend mit zwei Kindern und ohne Unterhalt mit Mitte 30 von null anzufangen. Ich bin durchaus ein typisches Beispiel für gewisse Aspekte von emotionaler Parentifizierung, falls das jemandem was sagt.
w26
 
  • #25
Ich bin durchaus ein typisches Beispiel für gewisse Aspekte von emotionaler Parentifizierung, falls das jemandem was sagt.
Interessant, das musste ich jetzt gerade mal googeln. Hm, ja. Vermutlich ist das bei mir ein Stückweit ähnlich; ich war selbst kein unbefangenes, unbeschwertes Kind. Das ist sicher auch ein Grund dafür, weshalb ich genau das für meine Kinder nicht möchte.
Aber klar, dafür baut man dann wieder anderen Mist 🤪.
Nochmal danke für das Stichwort; da werde ich mich mal ein bisschen einlesen.
w45
 
  • #26
Die Nachteile sind wohl: der verlassene Partner kann die Präsenz des anderen nur schwer aushalten; man kann sich überhaupt nur schwer voneinander "abnabeln", neue Liebesbeziehungen zu leben ist schwierig. -- Wie lange macht ihr das schon, Triexi, und wie erlebt ihr das? Und eure Kinder?
Für mich ist das ein absolut falsches Spiel, für sich selbst und für das komplette Umfeld!
Vergeigt? Ist nicht das Ideal der fast lebenslangen Liebesbeziehung eine Illusion? Da wo man sich nicht trennt, herrscht vielfach Betrug, Sexlosigkeit. Aber klar, dann wäre auch die innige, glückliche Kernfamilie eine Illusion.
Eine stimmige Beziehung, die in echter und wahrer Liebe beidseitig getragen ist, ist keine Illusion!
Das heutige Väter ihre Kinder nicht erziehen und betreuen können, halte ich für ein blödes Gerücht.
Nein, ist kein Gerücht, leider ist das so!

Inspirationsmaster, das ist ja das erste Mal, dass du zum Bleiben und nicht zur Trennung rätst.
Ich bin immer und ausschließlich nur dann für eine Trennung, wenn ich erkennen kann, dass die Beziehung wirklich zu Ende ist, dass die Liebe fehlt, keinen Ausweg mehr gibt und das Zusammenleben letztendlich Leid und Schmerz für alle bedeutet! Ich bin kein Schönredner, erkenne aber, dass es sehr viele Schönredner hier gibt! Kostbare Zeit und Energie wird dabei verplempert und es geht nevativ an das Herz, Psyche und Seele!
Im Vergleich zu anderen, bin ich da schneller an dem Punkt, um das dann auch so sagen zu können!
 
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  • #27
Das sogenannte Standardmodell mit WE-Besuchen bei einem Elternteil funktioniert ja nur dort, wo einer (meist der Vater) gar nicht eine so enge Bindung an die Kinder hat.
Das ist aber doch oft die Realität und von den Männern so gemacht: sie wollten nie wirklich Kinder sondern haben sie in Kauf genommen, sich daher wenig engagiert und dementsprechend ist die emotionale Bindung des Vaters an die Kinder gering und umgekehrt auch die Bindung der Kinder an den Vater.
Das Modell des Vollzeitarbeiters mit wenig Zeit für die Kinder hat der Mann ja aus guten Gründen für sich gewählt und geht oft noch seinen hobbys nach, um sich von cer arbeit zu erholen. Also sind die Kinder stärker an die präsente Mutter mit 450 €-Job oder in TZ arbeitend gebunden.
Ich kenne diese Männer, die Null Bock auf Familie hatten und wenn möglich, sich ewig im Büro rumdrückten und quatschten, zuhause Überstunden angaben - die sie nicht machen durften, weil gar nicht notwendig.

Das Wechselmodell mutet den Kindern etwas zu, was wir Erwachsenen nur schwer aushalten würden.
Ach, das ist doch bei jeder Fernbeziehung so. Ich denke, die Kinder wachsen da rein, wenn man ihnen gute Bedingungen dafür schafft, d.h. Wohnungen nah beieinander, sodass es keine Probleme mit dem Schulbesuch, dem sozialen Umfeld gibt.
Voraussetzung ist: beide Eltern waren vorher gleichermaßen bei den Kindern in deren Leben präsent und können auch in "ihrer Woche" allein die Elternaufgaben wahrnehmen.

Und dann gehört die entsprechende Ausstattung mit finanziellen Mitteln zum Wechselmodell - in erster Linie ausreichender bezahlbarer Wohnraum, d.h. 2 komplett ausgestattete Familienwohnungen. Daran scheitert es dann leider oft, selbst wenn beide Vollzeit arbeiten. Bei kleinen Kindern kommen dann erhebliche Kinderbetreuungskosten dazu, die man für den Vollzeitjob braucht.
Ältere Kinder bestimmen eh mit, wie sie leben wollen und da greifen unetrschiedliche Kriterien.

Ich denke, es funktioniert nur, wenn das Paar sich friedlich getrennt hat, sonst stehen die Kinder im emotionalen Minenfeld. Beidseitig friedliche Trennungen gibt es aber selten.

Ich kenne nur ein Paar welches das versucht hat: 1 Familienwohnung eine kleine 2-Zimmerwohnung, die von dem bewohnt wurde, der keine Kinderwoche hatte. Mehr ging finaanziell nicht
Es ist daran gescheitert, dass die Frau sowohl die Familienwohnung grundreinigen musste, wenn sie ihre Woche antrat, wie auch die kleine Wohnung, wenn sie dorthin zurück ging. Nach 2 Jahren hatte sie keine Lust, neben einem Vollzeitjob nur noch putzen und aufräumen zu müssen und hat das Vorhaben gekündigt. Der Mann wollte dann selber nur noch alle 14 Tage-WE-Vater sein.
 
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  • #28
Ach, das ist doch bei jeder Fernbeziehung so. Ich denke, die Kinder wachsen da rein, wenn man ihnen gute Bedingungen dafür schafft, d.h. Wohnungen nah beieinander, sodass es keine Probleme mit dem Schulbesuch, dem sozialen Umfeld gibt.
Voraussetzung ist: beide Eltern waren vorher gleichermaßen bei den Kindern in deren Leben präsent und können auch in "ihrer Woche" allein die Elternaufgaben wahrnehmen.

Ich finde, du sprichst genau die richtigen Punkte an: Wohnungen nah beieinander, vollausgestattetes Kinderzimmer in jeder Wohnung, gutes Verhältnis der Eltern, sodass kein Loyalitätskonflikt entsteht.
Ein wesentlicher "kritischer Erfolgsfaktor" ist auch der Aspekt Zeit: Ein Kind, das nur alle 14 Tage ein Wochenende bei einem Elternteil verbringt, wird diese Umgebung nie als "zuhause" empfinden - es ist vielmehr nur "zu Besuch". Der "Besuchte" hat so auch keine Möglichkeit, sich in die Erziehungsarbeit des eigenen Kindes wesentlich einzubringen. Das wäre mir alles zu wenig.

Meine Ex-Frau und ich haben es darum zb so gelöst, dass unser Kind zu etwa 40-50% der Zeit bei mir ist, in den letzten Monaten mit Homeschooling (Kind) und Homeoffice (ich) haben wir wochenweise abgewechselt.

Mir ist völlig klar, dass das jetzige Modell nur noch 3-4 Jahre trägt, aber zumindest haben wir die Voraussetzungen geschaffen, dass es sich dann auch als Jugendlicher in beiden Umgebungen zuhause, wohl und willkommen fühlt. Und ich glaube, darum geht es im wesentlichen.
 
  • #29
Für mich persönlich wäre das 50/50 Modell am sinnvollsten. Und auch am gerechtesten für beide Elternteile. Jeder kann in der freien Woche oder den freien Wochen einen Leben führen, dass ihm ausreivgende Arbeitszeiten und auch persönliche Freiheiten gewährt. Man ist ja nicht nur Mutter oder Vater sondern auch Mann oder Frau. Das ganze Leben nur um das Kind zu kruppieren ist für das Kind auch nicht besonders vorteilhaft, in den Gesellschaften vor 200 Jahren, war das Kind auch nicht unentwegt bei den Eltern, natürlich gab es auch Großeltern, und andere Familienmitglieder, aber das Getue, das mittlerweile und Kinder gemacht wird, finde ich vollkommen falsch.
 
  • #30
Ich glaube, so wahnsinnig viele Gedanken machen die Kinder sich darum gar nicht.
Da würde ich nicht so sicher sein. Meine Tochter hat mir nach einigen Jahren plötzlich das Schwall an Gefühlen vor die Füße gekippt, was sie bewegt hat, obwohl sie meistens einen taffen, ja, fast zufriedenes Eindruck gemacht hat. Seitdem brodelt es immer wieder, ich höre ihr zu, wir reden, was passiert ist und warum, aber sie scheint momentan in ihrer Wut und Hilflosigkeit ihren Gefühlen gegenüber gefangen zu sein. Sie ist 16.
 
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