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Gast

  • #1

Wie merkt man, dass die Trennung notwendig ist?

Mich würde interessieren, wann man sich sicher sein kann, dass der Zeitpunkt für die Trennung wirklich reif ist. So dass man es nicht doch bereut und den Partner zu sehr vermisst. Es ist schließlich eine solch endgültige, "große" Entscheidung.

Bevor ihr euch trennt (und es nicht bereut habt), denkt ihr meistens noch an schöne Momente, wenn ihr an den Partner denkt? In dem Fall müsste man sich die Trennungsgründe fast "erzwungen" immer vor Augen führen, damit man es durch zieht.

Ich frage mich deshalb, weil es doch auch sein könnte, dass man zu viel hinnimmt. Also nie das Gefühl bekommt, Trennung sei notwendig, obwohl die Vorfälle eigentlich schlimm waren. Woher weiß man also, dass die Vorfälle schlimm genug sind und man nicht nur zu viel hinnimmt?

Die Frage, ob man noch glücklich mit dem Partner ist, finde ich nicht relevant für die Trennungsentscheidung. Wie oft und wie stark sollte man glücklich sein und was genau macht glücklich sein aus? Den ganzen Tag ist sicher niemand glücklich mit dem Partner und einige Glücksmomente hat jeder sicher auch mit dem Partner, mit dem die Trennung gerade bevorsteht. Diese Frage nach dem Glücklichsein finde ich nicht wegweisend, da zu allgemein und ungenau.

Aber welche Kriterien weisen den Weg, um wirklich zu wissen, dass es mit dem Menschen für eine Beziehung nicht mehr reicht?
 
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Gast

  • #2
Meist noch eher, bevor man überhaupt an Trennung denkt. Bis zu dem ersten Gedanken der Trennung hat man meist schon immens viel Energie und Schmerz verschüttet und Lebenszeit vergeudet.

Du hast Angst, etwas zu bereuen und das ist dein Fehler! Man bereut nichts im Leben, denn alles bringt einen irgendwie weiter oder eine Erkenntnis!

Selbst wenn die Trennung felsenfest im Raum steht, vermissen Leute ihren ehemaligen Partner kurze Zeit, man hat sich eben noch nicht emotional gelöst. Da muss man aber durch.

Lös dich von deiner Abhängigkeit! Die schönen Momente behälst du für dich, aber eine Beziehung muss man aktuell leben und nicht in der Vergangenheit. Was heute ist ist heute und wenn diese heute nicht mehr gut ist, muss man sich trennen.
 
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Gast

  • #3
Liebe FS,

komplizierte Frage Deinerseits. Weil, ich würde das Glücksgefühl schon in den Vordergrund schieben. Dann kommt dazu Aufgehoben-Sein, Vertraut-Sein, Reden können, Loslassen, Alles ohne Idealisierung, alleine ist man immer, besser ist es oft zu zweit.

Was fühlst Du denn für ihn? Zweck oder Liebe?
LG
 
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Gast

  • #4
Mich würde interessieren, wann man sich sicher sein kann, dass der Zeitpunkt für die Trennung wirklich reif ist. So dass man es nicht doch bereut und den Partner zu sehr vermisst.?
An dem Tag, wo ich mich mit Beziehung einsamer fühle als ohne, fängt der Entschluss an zu reifen.

Und so kalt sich das anhören mag: Da beginne ich abzuwägen - was ich mal für Erwartungen an die Beziehung hatte, und was davon übrig ist. Kippt die Waage zu weit nach unten, bin ich weg.
 
  • #5
Als Anekdote:

Als Assistenzarzt hat man im Nachtdienst einen erfahrenen Oberarzt als Hintergrunddienst.

Man kriegt ein bißchen :)D) Ärger wenn man nacht um 3 den Oberarzt aus dem Bett rausklingelt.

Da hat sich ein Spruch eingebürgert: Wenn du überlegst, ob du deinen Oberarzt anrufen solltest oder nicht, rufe ihn an.

Wenn du ein unsicheres Gefühl bei einem Patienten hast, merkst du instinktiv, dass du Hilfe brauchst und dann solltest du dir die Hilfe auch holen.

So ist es bei Trennungen auch. Wenn du das Gefühl hast, du solltest dich trennen, dann trenne dich. Ob du nun exakte Gründe für die Trennung benennen kannst oder das in Wirklichkeit Pseudo-Gründe sind, um die Trennung zu legitimieren, spielt keine Rolle.

In einer glücklichen Beziehung gibt es keine Trennungsgedanken oder es ist keine glückliche Beziehung.
 
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  • #6
Seltsame Frage... !? Welchen Grund sich zu trennen, sollten psychisch gesunde, erwachsene Menschen in einer glücklichen Beziehung haben? Kann sein, ich erfasse die Frage nicht wirklich...

Wenn man innigst liebt und geliebt wird, stellt sich in einer gesunden Beziehung doch eine solche Frage überhaupt nicht.Dann ist man dankbar für jeden Moment, jeden Tag, den man mit dem geliebten Menschen teilen darf (muss nicht räumlich sein, aber dass der andere überhaupt da ist und lebt, das Leben kann nun mal sehr schnell für uns alle zu Ende sein).

Ich kann mir nicht vorstellen, in der (seit über 20 Jahren) glücklichen Beziehung zu meinem Mann irgendetwas "hinzunehmen", was mir nicht passt... !? Gleichzeitig käme mein Mann auch niemals auf die Idee, mir etwas zuzumuten, was ich nicht hinnehmen kann oder möchte, und umgekehrt ist es ebenso... wir kennen und lieben uns schliesslich... was so viel bedeutet, dass wir uns achten.

Wenn man eine wirkliche Liebesbeziehung hat, möchte man sie doch erhalten... und wenn man keine Liebesbeziehung hat, frage ich mich, weshalb man dann überhaupt eine Beziehung hat?? (zumal man ja i.d.R. auch körperliche Liebe praktiziert, und das stelle ich mir in so einem Falle extrem widerlich vor...).LG w ü40 nachdenklich
 
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Gast

  • #7
Liebe FS

Für mich hört es sich an, als würdest du zu viel überlegen.

Ich stelle mir jeweils eine einzige Frage:

Wenn ich für mich in die Zukunft blick und mir mein Leben in 10, 15 Jahren vorstelle, sehe ich dann meinen Partner an meiner Seite?

Ab dem Moment, in dem ich diese Frage mit "Nein" beantworte, ist es aus.
Solange ich den Partner an meiner Seite sehe, würde ich immer für die Beziehung kämpfen, egal was ist.

Alles Gute
 
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Gast

  • #8
Ich glaube, dass man als Paar auch unglückliche und Zeiten der Krisen überstehen kann, wenn ausreichend Grundbedingungen vorhanden sind. Eine davon ist - trotz aller momentanen Hemmnisse - dass eine ausreichende Zuversicht für eine gemeinsame Zukunft vorhanden ist. Fällt das ganz weg, dann fängt Trennung an sich durchzusetzen. Allerdings sollte diese Zuversicht nicht nur an ein "nun mach doch mal endlich" als einseitige Forderung gebunden sein, sondern eben auch an die eigene Bereitschaft, das eigene Verhalten entsprechend zu prüfen und ggf. zu ändern. Genau das ist eine ganz persönliche Einschätzung, ob man noch bereit ist, in eine (die eigene) Beziehung zu investieren.
 
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Gast

  • #9
Ich frage mich deshalb, weil es doch auch sein könnte, dass man zu viel hinnimmt. Also nie das Gefühl bekommt, Trennung sei notwendig, obwohl die Vorfälle eigentlich schlimm waren.
Es sollte niemand eine Beziehung weiterführen, in der er schlimme Vorfälle (Gewalt?) hinnimmt. Magst Du mehr dazu schreiben? Halten dich wenige Glücksmomente zwischen den schlimmen Vorfällen?

Einen brauchbaren Rat kannst Du nur bekommen, wenn wir wissen, was dir die Entscheidung so schwer macht. Wie bescheiden bist Du in der Beziehung geworden, wenn Glücklichsein nicht essentiell für deren Fortbestand ist?
 
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Gast

  • #10
Wenn du innerlich fühlst, dass dieser Mensch nicht (mehr) in dein Leben passt. Und du, selbst, wenn er sich ändern würde, ihn trotzdem nicht weiter mit ihm zusammen sein magst. Du würdest dich ohne ihn besser und befreiter fühlen. Du hast einfach nur unglaublich die Schnauze voll von allem.

Wenn du dir nicht ganz sicher bist, so schlag' eine Trennung auf Probe vor. Zieh' aus und schau, wie es dir damit ergeht.

Ich bin jetzt schon seit 7 Jahren alleine und das Alleinsein kann sehr schön sein, bitte nicht zu verwechseln mit Einsamkeit :)! Es ist nur der Übgang. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich merke aber auch, dass bald die Zeit naht, wo ich innerlich richtig bereit für was Neues werde! Hab unglaublich viel an mir gearbeitet die letzten Jahre, das ich wohl in einer Partnerschaft nich geschafft hätte!

Frag dich auch: Wenn die eine gute Freundin deine ganze Geschichte erzählen würde, was würdest du ihr raten? Bleiben oder trennen?

w, 43
 
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Gast

  • #11
Wer so schreibt und andere fragen muss, ist noch weit davon entfernt, er wird noch viel mehr Schmerz ertragen müssen, denn nichts einfacheres als das! Wenn ich immer wieder erneut mich nicht beachtet und mich verletzt fühle und die ganzen Gespräche nichts bringen, ich keine Freude für meinen Partner mehr empfinden kann und dass ich mich nicht mehr verstanden fühle, jeder macht was er will, dann ist es höchste Eisenbahn ihn zu verlassen und Punkt! Ich warte schon eine Weile, wenn ich mich aber entschieden habe, gibt es kein zurück mehr und auch keine verspätete Reue ist da, die Zeit ist eben vorbei. Eine bequeme und zweckbezogene Beziehung kam und kommt für mich nicht in Frage, da ist jeder Tag bei einem solchen Menschen ein Tag zu viel. (m+50)
 
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Gast

  • #12
Stell dir doch einfach die Frage: Möchte ich in genau einem Jahr genauso leben wie jetzt? Das heißt, ist meine Lebenssituation inklusive Partnerschaft für mich erfüllend? Wäre ich in einem Jahr mit dem status quo glücklich oder müsste sich dafür Grundlegendes ändern? Generell gilt: Wer eine solche Frage hier einstellt, hat sich geistig doch schon getrennt, oder?
 
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Gast

  • #13
Doch, genau das ist der Trennungsgrund, wenn ich nicht mehr glücklich bin mit meinem Partner. Dass ich mich trennen musste, wusste ich eigentlich schon zwei Jahre, bevor ich es dann wirklich geschafft habe, es durchzuziehen. Schade, dass ich nicht früher den Mut hatte. Wenn man alles versucht hat und wenn der Partner nicht auf einen zugeht, dann ist die Zeit der Trennung überfällig. Problem ist nur, dass man in dem Moment zu sehr drinsteckt und vor Liebe meint, man könne ohne den anderen nicht leben. Bei mir kam erst ab einem halben Jahr nach der Trennung ein Gefühl von Erleichterung und das Gefühl, jetzt bin ich endlich frei und kann ein neues Leben anfangen, mir geht es viel besser ohne ihn und vor allem ohne das ständige unglückliche Gefühl.
 
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Gast

  • #14
Die Frage, ob man noch glücklich mit dem Partner ist, finde ich nicht relevant für die Trennungsentscheidung. Wie oft und wie stark sollte man glücklich sein und was genau macht glücklich sein aus?
Das wundert mich sehr, denn für mich ist das die entscheidende Frage!

Natürlich hängt es davon ab, was man persönlich als "glücklich sein" versteht.

Für mich beginnt das damit, dass ich mich über meinen Partner generell sehr freue, mich geliebt und sicher fühle, sehr oft an ihn denke, ihn ungeheuer attraktiv finde, mir nur schon sein Anblick schöne Gefühle bereitet, ich ihn gerne mit etwas Schönem überraschen möchte, mich freue, wenn es ihm gut geht, zuversichtlich bin, dass wir auch in schwierigen Situationen zusammen halten und diese gut gemeinsam meistern können usw.

Es heißt für mich auch, dass ich mit ihm - und nur ihm - am besten ewig weiter zusammen sein möchte und mir nicht mal ansatzweise vorstellen mag, wie es wäre, wenn wir uns trennen müssten. Das (und noch vieles mehr) bedeutet für mich persönlich "glücklich sein" mit meinem Partner.

Daher kämen mir auch überhaupt keine Zweifel in den Sinn, ob oder ob nicht... und wenn, dann wäre das für mich der Anfang vom Ende. Genau diese andere, zweifelbehaftete Seite habe ich an mir auch schon mal erlebt. Und die hat sich sehr deutlich gezeigt: alle o.a. Beispiele waren nicht mehr da und meine Gedanken kreisten nur noch um mich selbst, weil ich schon längst nicht mehr glücklich war.

Und zu Deiner Frage, wie oft / stark man glücklich sein sollte: Bei einer stabilen, glücklichen Grundstimmung, der selbst vorübergehende Belastungen oder sogar ernsthafte Krisen nichts anhaben können, würde ich weiterhin positiv (= weil glücklich) in die Zukunft blicken. Starke Glücksmomente würden das schöne Gefühl für den Partner dann nur verstärken, aber auf die Anzahl käme es mir dabei gar nicht an.

Wenn mich mit einem Menschen aber lediglich seltene Momente des Glücks verbinden, dann würde mir die notwendige Basis für eine glückliche Partnerschaft fehlen und das würde mich in Bezug auf eine gemeinsame Zukunft nicht sehr zuversichtlich stimmen...

w/53