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Gast

  • #1

Wie oft habt ihr Kontakt zu euren Kindern ( im Studium, und anderer Stadt).

Bin eigentlich etwas sauer über meine Tochter, die etwa 200 km von mir entfernt studierend, sich kaum noch bei mir meldet, mich besucht. Am Wochenende geht natürlich der Freund vor, wohnt eine 3/4 Stdt. Fahrzeit von mir. Dennoch habe ich das Gefühl, nur noch so eine Art Pflichtprogramm (Muttertag, Geburtstag) zu sein. Ich bin keine Gluckenmutter, erhebe auch nicht den Anspruch, dass ich der Mittelpunkt im Leben meiner Tochter bin. Mit mir kann man vieles unternehmen und ich bin offen und klammer nicht. Dennoch habe ich das Gefühl immer mehr aufs Abstellgleis zu geraten. Letztens habe ich überlegt, ob ich dann lieber keinen Kontakt haben will, als nur Anstands- konsultationen, bei denen man das Gefühl nicht los wird, auch die sind noch zu viel. Wie geht es euch damit.
 
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Gast

  • #2
ich - w35 - kenne das problem aus der "tochtersicht". ich wohne etwa eine fahrstunde von meinen eltern entfernt. jeder besuch ist mühsam, ganz ehrlich. es geht im prinzip ein ganzer wochenend-tag drauf, während der woche komme ich ohnehin zu nichts, sodass mir der wochenend-tag auch fehlt. meine eltern streiten die ganze zeit, sodass ich oft völlig fertig bin, wenn ich wieder heim fahre. vielleicht ist das auch ein problem bei dir? wenn ich meine mutter anrufe, ist sie meistens frustriert und schlecht drauf, weil sie mit meinem vater gestritten hat oder weil das wetter so schlecht ist oder weil ihr einfach fad ist, aber im endeffekt zieht sie mich damit auch nur mit runter. kurz und gut: jeder anruf ist eine überwindung, und es geht mir nachher schlechter als vorher. trotzdem liebe ich meine eltern und will das allerbeste für sie. es ist nicht leicht ... meine mutter ruft mich auch nie an, weil sie mich nicht belästigen will. ich weiß, dass das stimmt, aber es nervt mich trotzdem, dass ich immer diejenige sein muss, die sich meldet. jedes mal sage ich ihr, dass sie mich ja auch einma anrufen kann, aber wir wissen beide, dass sie es nicht tun wird. auch wenn ich mich mal 2 wochen nicht bei ihr gemeldet habbe, denke ich trotzdem an sie und hoffe, dass es ihr gut geht.

liebe fragestellerin, vielleicht war in meiner erzählung der eine oder andere punkt dabei, in dem du eine situation von dir wiederfindest - vielleicht hilft es dir auch das von einer anderen seite zu sehen ...
 
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  • #3
[Mod: Persönliche Beleidigung entfernt.]

Du willst es nicht wahrhaben, bist aber doch eine Gluckenmutter!
Meine beiden besuchen mich, wenn sie Lust dazu haben und nicht weil die frustrierte Mutti nach ihnen schreit!
Und genau das gefällt mir (der Muttertag ist bei meinem Sohn dieses Jahr ausgefallener, er hat es aber in einem späteren Besuch wieder wett gemacht, aber nur weil er glaubte, es gehört sich so :)).
Solche Tage geben mir sowieso nicht das "Gefühl der Liebe"!
W 46 mit 2 Kindern (M25 u. J23).
 
  • #4
Kinder werden erwachsen und haben ihr eigenes Leben. Das ist doch völlig natürlich und verständlich. Meine Kinder wohnen beide über 500 km weit weg. Ich würde ihnen niemals vorhalten, dass sie sich nicht genug um mich bemühen/kümmern oder wie auch immer man es nennen mag.

Wir telefonieren eher selten und sehen uns auch nicht sehr oft. Die Feiertagsreisen meiden wir alle, sehen uns lieber an anderen, geplanten Wochenenden. Schließlich sind wir alle berufstätig. Aber, wenn wir zusammen kommen, dann haben weder meine Kinder, noch ich das Gefühl, das sei ein Pflichtprogramm. Es läuft alles immer sehr harmonisch und liebevoll ab. Alle freuen sich und beim Abschied gibt's auch schon mal bei einigen von uns ein paar Tränen.

Bei uns kommt da ja auch immer noch ziemlich viel Unruhe in die jeweilige Wohnung, schließlich müssen wir ja Übernachtungen einbauen. Am bequemsten habe ich es da noch, ich brauche nur eine Reisetasche für mich. Die Kinder müssen ja immer gleich mit den Enkeln anreisen. - Ich habe deshalb volles Verständnis, dass eine Zusammenkunft nicht so häufig stattfindet.

Liebe FS:
Jeder empfindet diese Loslösung der Kinder anders. Du scheinst wirklich zu leiden. Das ist traurig und tut mir leid für dich. - Aber, ihr seid doch Mutter und Tochter! Warum redest du nicht mit ihr darüber?

Es ist wirklich ein Drama, wie wenig Kommunikation in unseren Familien stattfindet - und dadurch entstehen jede Menge Mißverständnisse, die gar nicht sein müßten!

Alles Gute, und rede mit deiner Tochter!
 
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Gast

  • #5
Die Lösung ist doch ganz einfach: selbst anrufen, oder selbst zu Besuch kommen.
Wenn man sich nicht meldet heißt das idR. das es halt gerade nichts zu erzählen gibt und wenn man nicht gerade ein Film reifes Leben führt ist das einfach zu 99% der Fall. Ich rufe meine Eltern jedenfalls nicht an um mit ihnen über das Wetter zu reden.
 
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Gast

  • #6
Mein Sohn ist 20 studiert auch in einer anderen Stadt und kommt hauptsächlich wegen der Wäsche heim. Die ganze Woche ruft er nie an es sei denn das Geld geht aus oder ähnliches.
Ich habe auch das Gefühl er kreist nur noch um sich. Interessiert sich momentan nicht für mich, nicht für seinen Vater und auch für seine Großeltern nicht mehr, die ihm mal superewichtig waren. Auch wir waren immer ein super-Team, haben viel zusammen unternommen Ski, Golf etc. Dies wären momentan eher Pflichtübungen. Ich habe mir von Freundinnen mit älteren Kindern sagen lassen, dass es vorbeigeht. Irgendwann werden sie wieder anhänglicher.
Ich denke wenn mein Sohn die erste Freundin hat bin ich auch abgemeldet. Was sollen wir tun?
Ich denke auch wenn es weh tut, es ist normal und wir können es nicht ändern. Bist Du auch Single? wenn man eine komplette Familie ist, fällt so etwas weniger ins Gewicht, weil man einen Partner hat. Leute in dem Alter können sehr egoistisch sein.
 
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Gast

  • #7
Liebe # 1 - streiten, nein, ich lebe allein. Die Treffen mit meiner Tochter sind für beide eigentlich
eher schöne Unternehmungen ( gemeinsames Kaffeetrinken in der Stadt, zus. Essen gehen,
Besuche in ihrer Stadt mit Besichtigungen). Probleme kommen da kaum auf und wir genießen
das Zusammensein eher. Dennoch werden die Abstände immer größer. Ich vermeide eher
jeden Stress und bin um ein nettes Zusammensei bemüht.
 
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Gast

  • #8
@5
Hast Du studiert? Vermutlich nein, denn sonst hättest Du diese Frage nicht gestellt:
"Ich habe auch das Gefühl er kreist nur noch um sich." - Das Gefühl wird stimmen. Erstmals wirklich auf sich gestellt (oder?), ein stressiger Alltag (sofern er das Studium nur halbwegs ernsthaft betreibt), viele Komilitonen, Unmengen an Fachwissen usw.
So viele neue Impulse wie jetzt sind vemutlich noch nie auf ihn eingedonnert.
Bis er soweit ist, das erst mal halbwegs sortiert zu haben, dann ist das Studium schon fast wieder rum. Er hat im Moment echt anderes zu tun, als Kaffee daheim zu trinken - aber komm deshalb bitte nicht auf die Idee, er würde Euch weniger lieben.

@FS
Kenne das auch aus der anderen Perspektive: Beruflich inzwischen ca. 150km von den Eltern weg. Wir telefonieren im Schnitt ca. 1x die Woche, Besuche ca. alle 4-6 Wochen.
Kann mich auch #1 nur anschliessen, allerdings zum Glück ohne die Streitigkeiten. Meine Eltern ziehen mich nicht runter, sind aber wie es sich für Rentner gehört ständig beschäftigt oder im Urlaub ;-) Und ich könne meist nur berichten: "Bin aufgestanden, habe gearbeitet, in der Kantine gegessen, heimgegangen... und wie geht es Euch?"
Ja, ich bin schon lange flügge. Und liebe meine Eltern!
 
  • #9
das ist doch total normal. Jeder hat sein eigenen Leben und so lange die Kontakte an sich schön sind, wenn man sie hinbekommt, dann ist alles in Butter. So wie es Angeline beschreibt. Die wenigsten Treffen ihre Eltern öffter, vor allem nicht, wenn man in unterschiedlichen Städten wohnt. Und es ist in meinen Augen kein Pflichtprogramm, sondern eine Gelegenheit an den Familienfestivitäten. Vielleicht ist dein eigenes Leben nicht erfüllt genug so dass du an dem deiner Tochter so viel mehr als normal teil nehmen möchtest. Und wenn du nun Kontaktsperre willst, das ist echt Kindergarten und Trotzverhalten, was einer erwachsenen Frau eigentlich nicht würdig ist. Dennn dann scheinen die Treffen ja wirklich nicht schön zu sein. Und wenn du mit deiner Tochter auch so redest und ihr Vorwürfe machst, dann ist es ja auch kein Wunern wenn sie dich nicht sehen will
 
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  • #10
Mein Sohn (22) studiert im Ausland, etwa 10.000 km entfernt. Wir haben das Pech uns nur 1-mal im Jahr zu sehen, dann aber 4 Wochen am Stück. Das geht schon Jahre so, da er dort geboren wurde und ich schon länger wieder in Deutschland wohne. Kommunizieren tun wir fast jeden Tag, sei es über E-Mail oder MultiMessenger, weniger über das Telefon.
Bei uns fand die Abnabelung also schon sehr früh statt, und mir viel es anfänglich verdammt schwer. Ich sehe meine Rolle heute eher als liebevolle und verständnisvolle Mutter, die da ist wenn er mich braucht. Andere Wege stehen mir ja nicht zur Verfügung.

Warum die Überlegung den Kontakt abzubrechen?
Kinder werden flügge und wollen beweisen, dass sie auf eigenen Beinen stehen können und unabhängig Erfahrungen sammeln wollen. Wenn sie Rat, Trost und Geborgenheit brauchen, erinnern sie sich schon wo sie ihn bekommen. Melde Dich 1 x in der Woche bei Deiner Tochter und führe ein nettes Gespräch - ohne Jammern und Anschuldigungen. Gehe einen Schritt auf sie zu und zeige Verständnis, langfristig zählt sich das eher aus. Mit allem anderen sendest Du nur falsche Signale aus.

(w)
 
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  • #11
Deine Tochter ist gerade damit beschäftigt, ihr eigenes Leben aufzubauen. Ich denke, das ist normal und gut. Meine Eltern beschweren sich auch gerne mal, dass ich mich nie melden würde. Aber wenn sie kurz zuvor erst angerufen haben, dann muss ich das doch 2 Tage später nicht schon wieder tun? Sie kommen mir eben meist zuvor. Du gerätst nicht aufs Abstellgleis, bist nur nicht mehr ständig gebraucht. Eure Beziehung verändert sich eben. Allerdings musst Du das ebenfalls akzeptieren, und ein Leben nach der Kinderzeit aufbauen. Sicher nicht einfach.
Ich kann Dir nur raten: nimm es nicht persönlich, das ist so. Zeige Interesse am Leben Deiner Tochter. Frag nach, ohne zu verhören. Mach ihr keine Vorwürfe (á la "na, Du meldest Dich auch mal wieder"), akzeptiere es, dass sie erwachsen wird. Das ist doch was Schönes, Du hast sie doch zu einem selbständigen Menschen machen wollen -> Du hast alles richtig gemacht!
Und erwarte nicht, dass sich die "Kinder" immer bei den Eltern melden müssen. Fahr Du sie doch auch mal besuchen, nach Rücksprache natürlich. Der Weg ist in beide Richtungen gleich weit. Und lass es dann nicht wie einen Inspektionsbesuch aussehen.
 
  • #12
Meine Tochter (22) wohnt mit Freund und Hund ganz in der Nähe. Sie regelt ihre Lebensplanung selbst, und ich bin froh darüber, dass es mir gelungen ist, ihr die entsprechende eigenständige Lebensfähigkeit vermittelt zu haben, so wie sie mir von meinen Eltern einst vermittelt worden ist.
Mitunter sehen und sprechen wir uns über längere Zeit hineg nicht. Dann braucht der Hund wegen eines Blockseminars an der Uni Sonderbetreuung. Oder sie erbittet einen Dialog mit mir. Oder sie hat etwas Besonderes gekocht und mag mich daran teilhaben lassen.
Gerade w e i l ich mit ihr darin einig bin, dass es keines Vaterbetreungsprogramms bedarf, ist jeder Kontakt ein beiderseits freudiges Ereignis.
Zu ihrer Mutter hat sie den Kontakt vollständig abgebrochen. Dies finde ich jammerschade, halte es aber für ,,nicht meine Sache" und bleibe entsprechend regungslos.
 
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  • #13
Tja. Letztlich ist das Leben halt eine ziemlich einsame Angelegenheit. Die Paar- oder gar Familienbildung mag dieses harte Faktum (vorübergehend) etwas weichspülen, aber:

Paare kommunizieren durchschnittlich um die 10 Minuten am Tag miteinander, Paare trennen sich, Kinder werden flügge...

Gemeinschaften sind immer vorübergehend (Zweck erfüllt => Trennung und Neuorientierung).

Finde dich damit ab.

Evtl. suchtst du dir hier bei EP einen neuen Lebensabschnittspartner? Gebierst noch einmal ein Kind (der Trend geht zur Zweitfamilie) und lebst so noch einmal Familie? Bedenke: Vor gar nicht so langer Zeit sind die Menschen bis ca. 40 reihenweise verstorben. = Kinder groß, Aufgabe der Natur erfüllt und tschüs. Will sagen: Zum Teil ringst du da mit einem Wohlstandsproblem, das durch die gestiegene Lebenserwartung erst aufgekommen ist.
 
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Gast

  • #14
Halte kontakt zu meinen volljährigen Kinder per BlackBerry fast täglich. Sehen tun wir uns seltener. Einer studiert in USA, Tochter hat eigen Job, Freund und Wohnung. Zwei noch zu Hause, aber nur noch 2 Jahre.........Dann BlackBerry-Lösung.

47m
 
  • #15
Liebe FS,

Aus der Sicht eines "Sohnes", der das elterliche Nest schon längstens verlassen hat, sind mir bei Deiner Frage natürlich gleich so ein paar Ideen durch den Kopf geschossen. Ein paar zusätzliche 'Eckwerte' zu Deiner Lebenssituation wären aber vielleicht hilfreich, um eine qualifizierte Antwort geben zu können:

Wie alt bist Du? Wie alt ist Deine Tochter? Wie lange studiert sie schon bzw. ist sie ausser Haus? Ist sie Dein einziges Kind? Wie ist Deine momentane Lebenssituation (allein, mit Deinem Mann, mit anderen Kindern im Haus, oder...)?

LG,
m., 32 (und Einzelkind :))
 
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Gast

  • #16
Mein Sohn studiert auch ca. 400 km entfernt. Er ruft selten an und wenn er kommt, wohnt er bei Papa, da er noch im Elternhaus wohnt und ich ausgezogen bin und nun nochmals 100 km weiter weg wohne.
Ja, es tut manchmal weh, aber ich denke einfach dass das normal ist und ich meine Rolle als fürsorgliche Mutter einfach erledigt habe. Ich habe ihn großgezogen und zu einem selbständigen Menschen gemacht. Das wollte ich und das habe ich nun. Ich muss es akzeptieren und tu das auch.
# 12 hat da etwas sehr Wahres geschrieben: Wir haben unsere biologische Aufgabe erfüllt.

Ich habe inzwischen ein gutes Verhältnis zu meinem Sohn, die Zeiten der Auseinandersetzungen um unaufgeräumte Zimmer und zu laute Musik sind vorbei und das hat doch auch etwas Gutes.

Wichtig für mich ist nun, dass ich mein eigenes Leben wieder neu gestalte und nicht in das emotionale Loch der verlassenen Mutter falle.

Aus Gesprächen mit anderen Müttern kann ich allerdings sagen, dass sich Jungs noch mehr von Müttern trennen als Mädchen. Einen Sohn verliert man, eine Tochter bleibt ein Leben lang.

W 56
 
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Gast

  • #17
Ich denke, ich kann deinen Frust versehen. Da hast du gedacht, du gründest eine Familie, dann bist du nicht alleine und alles wird gut und schön. Hast vielleicht noch mit Bedauern auf die Singles herabgeblickt. Freundeskreis womöglich (wie die meisten) für Familie und Karriere, Hausbau, Gartenpflege etc. vernachlässigt - und nun stehst du in der Mitte des Lebens emotional wieder da, wo du mit Anfang 20 gestanden hast, nämlich ziemlich alleine in Welt und Alltag und Wochenende?

Nur, dass du jetzt kein Twen mehr bist...

(Ich als Single beobachte dieses Phänomen - nicht ganz ohne Schadenfreude - bei vielen Paaren meines Alters, bei denen die Kinder flügge werden, die Paarbeziehung eigentlich "leer" ist und das schöne Häuschen und Auto eben auch nicht wirklich über Einsamkeit und Sinnkrise hinweghelfen.)


#13 beschreibt Trend und Fakt:

Ob Kinder, Partner oder nicht, früher oder später ist Mensch physisch (psychisch oft schon fiel eher) mehr oder weniger mit sich allein. Und zwar nicht notgedrungen, sondern weil die Lebensabschnittsgemeinschaften sich auflösen. Weil den Mitgliedern etwas anderes wichtiger geworden ist. Geldverdienen oder eine (neue) sexuell motivierte Beziehung bespielsweise.

Mh: Also, backste nen Kuchen, und via BlackBerry kannst du das Foto davon zu deinen Lieben überall in der Welt schicken.

Das ist doch toll, oder?


(P.S.: Immerhin: Du hast eine Tochter, der du mailen kannst!)
 
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  • #18
Ich verstehe deinen Frust nicht, liebe Fragestellerin. Deine Tochter ist erwachsen und lebt ihr Leben, vielleicht solltest du dich mal erinnern, wie du gewesen bist in diesem Alter!
Als ich mit dem Studium begann, lebte ich nur 40 km von meinen Eltern entfernt, jedes WE sollte ich Zuhause verbringen. Ich mag meine Eltern, sie sind toll, ich wollte aber frei sein und habe deshalb meinen Studiumplatz von Hamburg von Tübingen verlegt, weit weg von Zuhause! Wir haben wöchentlich telefoniert und uns zweimal im Jahr gesehen. Als junger Mensch braucht man diese Phase, lass einfach los, telefoniert miteinander, interessiere dich für ihr Leben, doch frag niemals, wann kommst du wieder!
Nach dem Studium bin ich wieder zurück in Hamburg, alles super - meine Eltern sind erwachsen geworden und ich auch, wir sehen uns einmal im Monat.
 
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Gast

  • #19
Ich möchte ebenfalls aus Sicht einer Tochter schildern, wie ich das sehe.

Mein Verhältnis zur Mutter war immer schon schlecht, bin mit 18 daheim ausgezogen, Studienplatz dann aber (leider!) in der gleichen Großstadt. Meine Mutter arbeitet viel mit emotionaler Erpressung, daher 2x die Woche Wäsche heimbringen, Belehrungen u. Herabsetzungen abholen, sonst gab es Vorwürfe und Tränen.
Mit 22 machte ich eine Psychotherapie, hatte eine Angstneurose, keinerlei Selbstwertgefühl, kein Durchsetzungsvermögen. Auf Rat und mit Hilfe des Therapeuten "Wäsche entzogen" und auf Distanz gegangen... es spielten sich sehr bösartige Dramen seitens meiner Mutter ab, mir ging es aber erheblich besser und die Angstneurose war weg. Nach dem Studium sofort die Stadt verlassen, erst dann konnte ich aufatmen, allerdings Telefonterror ihrerseits.
Seit 25 Jahren lebe ich nun 250-750 km entfernt, besuche Muttern ausschließlich aus Schuldgefühlen 2x im Jahr und muß mir (noch auf der Fußmatte vor der Tür stehend!) anhören "wann kommst Du denn endlich mal länger???". Mein Bruder lebt mit Familie 700 km entfernt und hält es ähnlich, wie ich. Seit unser Vater vor 4 Jahren starb, wird es immer schlimmer mit Vorwürfen, wir würden uns nicht kümmern. Sie hat (und hatte noch nie) weder Freunde, noch Bekannte, noch Hobbys und Kontakte nur mit der Supermarkt-Kassiererin. Ihren Beruf (Zahnärztin) hatte sie wegen uns Kindern aufgegeben und dann nie mehr gearbeitet.

Ich schreibe das, liebe FS, um Dir das, was die Vorredner(innen) schon sehr gut darstellten, nochmals zu verdeutlichen. Wenn Du jetzt noch mit der Schiene "ich breche den Kontakt ab" eine emotionale Erpressung Deiner Tochter versuchst, wird sie sich noch weniger zu Dir hingezogen fühlen und evtl. wirklich dauerhaft den Kontakt abbrechen. Willst Du wirklich, daß sie nur aufgrund Schuldgefühlen mit dir Kontakt aufnimmt?
Bau Dir ein eigenes, zufriedenes Leben auf, dann wirst Du die Tochter nicht so vermissen. Liebe und Zugewandtheit ist etwas freiwilliges und nicht erzwingbar. Deine Tochter ist Dir zu nichts verpflichtet, sie ist nicht auf die Welt gekommen, um Dir das Alter zu versüssen oder Dir dankbar zu sein.
 
  • #20
schade das die FS sich hier nicht mehr zu Wort meldet und Klärung bringt oder ihre Meinung noch mal schreibt
 
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Gast

  • #21
FS., doch, ich melde mich schon, bei dem schönen Wetter allerdings jetzt erst zum Abend.
Also, ich dank euch. Toll fand ich zum Einen die Beiträge aus Sich der "Tochter". Und
die Vielzahl derer, die meinen, ich solle loslassen, habe meine Aufgabe erfüllt und gut ist´s.

Also zu den Töchtern, die sich hier gemeldet haben. Eure Erfahrungen scheinen teils sehr
negativ belastet. Das ist bei uns nicht der Fall. Wenn wir zusammen sind, machen wir uns
"schöne Stunden".
Meine Tochter ist 24 J. und jetzt schon 3 Jahre außer Haus. Ich lebe allein und habe das
sogar eine ganze Zeit genossen. Nun besucht sie jedes Wochenende den Freund. Alles
normal - soweit weiß ich das auch. Jetzt habe ich fast schon 4 Wochen nichts mehr von
ihr gehört. Weiß nicht, wie die Klausuren verlaufen sind, ob mit dem Freund alles o.k. ist,
ob sie Urlaub planen.
Ich denke schon, dass eine Familie Kontakt halten sollte. Da wir soziale Wesen sind, mag
ich dieses "Auftrag erfüllt und tschüss" nicht. Frage mich , wie da kein Entfremdungs-
prozess einsetzen soll. Sie kann tun und lassen was sie will. Aber das ist ja auch ein
Problem heutiger Zeit - alle kümmern sich nur um sich und wundern sich, wenn sie zum
Schluss allein und sozial verarmt dastehn. Ich dachte halt, dass sie gelegentlich einfach
Sehnsucht nach zuhause hat - so war es bei mir. Deswegen muss man nicht gleich eine
Klammermutter sein oder sonstwas.

[Mod: Bitte achten Sie auf korrekte Textformatierung! Zeilenumbrüche am Ende jeder Zeile sind unnötig!]
 
  • #22
Liebe Fragestellerin, es gibt Phasen im Leben unserer "Kinder", da sind wir Eltern tatsächlich nicht so wichtig, und "unternehmen", wie du es nennst, wollen sie schon gar nichts mit uns! Für Unternehmungen sind jetzt die Freunde da, und die Selbstständigkeit in persönlichen Entscheidungen lebt unser Nachwuchs nun mit Wonne alleine aus. Während des Studiums ist das eine völlig normale Sache!
Meine Kinder kommen mich zwar öfters besuchen, als deine, jedoch wohl auch nur, um sich bei Mutters guter Küche vewöhnen zu lassen, Wäsche zu waschen und sich für ihr Seelenleben ein paar Streicheleinheiten verpassen zu lassen. -- Danach sind sie auch wieder weg.

Mach dir mal keine Sorgen! Allerspätestens bei Familiengründung sind wir, als Eltern, wieder die wichtigsten Bezugspersonen für unsere Kinder. Das kenne ich von mir damals, und wird auch bei der heutigen Generation nicht anders sein.
Da können wir uns jetzt schon darauf freuen!
 
G

Gast

  • #23
meine Mutter meldet sich jeden Tag und wir telefonieren fast eine stunde täglich. das liegt aber auch daran, dass wir beide im moment wenige kontakte haben. mein vater wohnt mit seiner neuen frau zusammen. Er meldet sich alle 3-4 Wochen mal 20 minuten, was ist als negativ empfinde, da ich denke dass der kontakt sehr gering ist und er mich nicht mehr schätzt - nur noch sein neues leben.
ich hätte gerne eine heile Familie die sich regelmäßig sieht.
 
G

Gast

  • #24
Ich denke wenn mein Sohn die erste Freundin hat bin ich auch abgemeldet.
Bei uns ist es umgekehrt. Mein Vater (64) hat seit knapp zwei Jahren eine neue Freundin und seitdem bin ich abgemeldet. Daberi hatte wir viele Jahre ein sehr enges Verhältnis - ich bin mit 18 mit ihm zusammen gezogen als ich mit meiner Mutter nicht mehr klar kam und wir waren ein super Team. Seit 2 Jahren hängt er nur noch bei seiner Freundin rum und will mit mir (31, verheiratet, 4 Wochen altes Baby) nur maximal einmal pro Woche telefonieren. Darunter leide ich sehr. Ich habe nichts dagegen dass mein Vater eine Freundin hat (war auch nicht seine erste, bei den vorigen war es einfacher). Aber sie müsste sich in unsere Familie integrieren anstatt ihn herauszulösen. Ich bin SEHR traurig.

m/31
 
M

Mooseba

  • #25
Ich habe schon länger nur noch sporadisch zu meinen Eltern Kontakt. Ab und zu SMS, wenige und dann kurze Telefonate, i.d.R. nur ein Besuch pro Jahr. Das reicht völlig. Ich bin nicht für deren und sie nicht für mein Glück verantwortlich und ich bin ihnen keine Rechenschaft mehr schuldig. Es waren eh nie sonderlich gelassene Menschen, was sich auch in der Erziehung gezeigt hat. Handeln ohne Konsequenzen gibt es nicht.

(m,31 - Eltern 53)
 
G

Gast

  • #26
In der Regel ist es ganz normal, dass sich der Kontakt auf 1 im Jahr (Weihnachten oder Sommerurlaub) reduziert, wenn man älter wird und wenn man so weit auseinander wohnt. Es zeugt für die Selbstständigkeit der Kinder und dass du alles richtig gemacht hast. Die Leute, bzw. deine Kinder können alleine das Leben meistern. Sie sind jetzt eben "echte Leute", nicht mehr das kleine unselbständige Nesthäckchen, das alleine nicht zum leben fähig sind. Freu dich doch lieber an der Tatsache, dass deine Tochter alleine sehr gut klar kommt, und nicht jeden Monat bei dir klingelt, um dir das Geld abzuschröpfen!

Wenn du den Kontakt ganz einstellen möchtest - bittesehr, spricht dann aber auch für dich, dass du sehr seltsam arrogant und beleidigt bist, nur weil du deinen Willen nicht haben willst. LASS LOS!

Hast du keinen Partner? Das Leben ist stressig genug. Mich würde es tierisch annerven, wenn ich ständig 200km fahren müsste, um dann einen ganzen Tag bei Mutti zum Kaffee zu sitzen. Wirklich, das ist nix für junge Leute und wäre für deine Tochter ebenfalls "Pflichtprogramm". Willst du dir tatsächlich Aufmerksamkeit deiner Tochter erhaschen, weil sie dazu gezwungen wird? Ist doch auch kein schönes Gefühl, jemanden zu etwas zu zwischen, auf das er keine Lust hat.

Sich als "Abstellgleis" zu fühlen, spricht dafür, dass du alleine bist, dich nicht abgenabelt hast und von deiner Tochter abhängig bist. Ja noch schlimmer - du verlangst, dass sie dich unterhält, weil du sonst niemanden hast. Das geht einfach nicht! Das ist wirklich schlimm und verwerflich. Such dir ein Hobby! Such dir Gleichaltrige Frauen, mit denen du etwas unternehmen kannst!

Als Mutter muss man wissen, wann der "Dienst" getan ist und wann man sich wieder auf sein eigenes Leben konzentrieren soll. Deine Tochter ist nicht dein Babysitter. Du machst ihr das Leben damit nur schwer. Der Tag, an dem du vielleicht pflegebedürftig wirst, kommt noch früh genug und das wird für deine Tochter sicher nicht leicht!.
 
  • #27
Ich wohne nähe bei meinen Eltern, aber ich melde mich auch nicht täglich, oder wöchentlich. Manche Wochen bin ich öfters zu Hause vorstellig und manchmal sehe ich sie auch 2-3Wochen hintereinander nicht.

Dann kommt vielleicht schon mal ein Anruf oder eine SMS à la "Lebst du noch?" Aber meine Eltern wissen, dass ich selbstständig bin und vor allem ein eigenes Leben habe. Sie sind froh darüber, dass ich nicht täglich anrufen muss um nach irgendwas zu fragen oder zu bitten.

Genauso bin ich herzlich eingeladen zu Hause bei ihnen zu essen, oder nur mal so vorbei zukommen. Das war für meine Eltern genauso eine Umstellung. Aber nachdem meine Mutter vor allem, gemerkt hat, dass sie mich nicht drängen muss um mal nach Hause zu kommen, komme ich öfters auch mal alleine.

Du schreibst deine Tochter ist im Studium. Alter anfang 20? Klar da möchte man das Wochenende unbedingt zu Hause bei Mutti verbringen. Tut mir leid, wenn du zornig auf deine Tochter bist, aber sie baut sich gerade IHR EIGENES und SELBSTSTÄNDIGES Leben auf. Da ist es nur gut, dass du nicht ständig dazwischen kommst.

Beim nächsten Treffen kannst du ihr ja mal sagen, dass du dir mehr Kontakt von ihr wünschst, aber es auch verstehst, wenn sie ihr eigenes Leben hat. Such dir eigene Hobbies, Zeitvertreib, Freunde, mit denen du die Wochenenden verbringen kannst. Dann wirst du sehen, dass sie sich nach ner Weile auch öfters mal bei dir melden möchte.
 
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Gast

  • #28
Ich hatte mit meinen Eltern während des Studiums täglich telefonischen Kontakt.

Ich glaube, wenn das so extrem wenig wird, dann stimmte auch schon vorher etwas nicht in der Familie. Bei einem richtig guten und herzlichen Verhältnis hat man einfach das Bedürfnis, sich auszutauschen. Muss ja nicht täglich sein. Aber alle paar Tage möchte man da doch schon Kontakt, oder nicht?

w