• #1

Wie schlecht dürfen "schlechte Zeiten" werden ?

Hallo Foris,

mich würde mal interessieren, wie ihr einerseits die "schlechten" Zeiten definieren würdet und wo bei euch die Grenze zum Selbstschutz wäre.

Es geht ja schnell, dass ein Partner durch persönliche Probleme wie z.B. Arbeitsplatzverlust, Tod eines nahen Verwandten, Krankheit oder Unfall psychische Probleme bekommt, die sich auf die Partnerschaft auswirken.

Wie weit wärt ihr bereit, euch schlecht behandeln zu lassen, z.B. durch aggressives Verhalten oder anderweitiges Verhalten, was weit unter den üblichen gesellschaftlichen Normen sich verhält (Beschimpfung, Diebstahl,etc.) ?

Würdet ihr z.B. einen Betrug hinnehmen, weil der Partner ja aufgrund seines Problems unter Depressionen litt ?

Immer alles unter der Rechtfertigung, dass es dem Partner ja psychisch schlecht ging und er verzweifelt war ?
 
  • #2
Eine psychische Erkrankung impliziert nicht als Partner schlecht/aggressiv behandelt zu werden. Dazu müsste man schon mehr konkretisieren worum es genau geht. Es kommt darauf wie intensiv das ist und wie stark sich das auf die Beziehung auswirkt aber vorallem wie lange das andauert. Bei mir wäre eine Beziehung beendet wenn die Ansichten, Prinzipien, Werte- und Moralvorstellungen über einen zu langen Zeitraum nicht mehr harmonieren, eine Beziehung nur noch aus Kompromissen besteht. Eine psychische Erkrankung zu haben ist nur eine Seite der Medaille der Charakter eine ganz andere. Auch kann man damit nicht jedes Fehlverhalten rechtfertigen. Ich würde das nicht dulden.
 
  • #3
Wenn es meinem Partner im Laufe unserer Beziehung schlecht gehen würde, würde ich bei ihm bleiben und ihn unterstützen.
Damit meine ich, wenn er krank oder arbeitslos wird oder um seine Eltern trauert.

Wenn mein Partner mich schlecht behandeln würde, würde ich es ihm sehr deutlich und eindeutig sagen, wohin das führt und es dann auch schnell durchziehen: die Trennung.
Ganz egal, warum er mich schlecht behandelt, ich bin nicht bereit, irgendeinen Grund dafür hinzunehmen.

w 48
 
  • #4
Allgemein kann man das schlecht beantworten. Aus meiner persönlichen Erfahrung mit einer psychisch kranken Frau habe ich den Eindruck, dass eine psychische Erkrankung eine Persönlichkeit und damit auch einen Charakter verändert. Auch die Medikation verändert das Wesen eines Menschen. Ich halte es für Quatsch, zu glauben, diese oder jene Verhaltensweise komme nur aus der Krankheit bzw. der Medikation, in der Hoffnung, irgendwann sei das überwunden und dann komme der wahre, gute Charakter wieder zum Vorschein.

Es gibt Gegenbeispiele, wo es geklappt hat. Ich persönlich würde rückblickend meine Hoffnung auf Änderung davon abhängig machen, wie selbstreflektiert und liebevoll der Mensch vor und während der akuten Krankheitsphase war. Ferner kam es mir so vor, als ob die behandelnden Psychiater und Psychotherapeuten den Patienten auf einen Ego-Tripp setzen nach dem Motto "tu was dir gefällt" und ihn darin bestärken, nur das zu tun, was ihm gut tut.

Und last but not least werden in der Psychiatrie - ich bin da kein Fachmann, aber ich habe es so gelesen - bestehende Partnerschaften als Ressource angesehen, die es zu nutzen gilt für die Stabilisierung des Patienten.

Könnte im Umkehrschluss für Angehörige bedeuten, dass der Focus auf die Freiheit und die Selbstverwirklichung des Patienten gelegt wird, um beste Genesung zu gewährleisten, die Interessen der Angehörigen dabei sekundär sind.

Ich denke, in einem konkreten Fall kann man sich das ein paar Wochen oder Monate antun, ein paar Gespräche führen und klare Ansagen machen und wenn das alles nicht fruchtet, die Beziehung lieber beenden.
 
N

nachdenkliche

Gast
  • #5
Schlechte Zeiten in einer Beziehung sind für mich, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Tod eines geliebten Menschen, große Geldsorgen. In diesen Zeiten versuche ich meinem Partner zu helfen und beizustehen.
Warum sollte er mich dann schlecht behandeln so wie Du das beschreibt? Es sei denn, eine psychische Erkrankung oder Alkoholsucht verändern seine Persönlichkeit dermaßen.
Selbst dann kann ich nicht sagen, dass ich ihn verlassen würde.
 
  • #6
Wie weit wärt ihr bereit, euch schlecht behandeln zu lassen, z.B. durch aggressives Verhalten oder anderweitiges Verhalten, was weit unter den üblichen gesellschaftlichen Normen sich verhält (Beschimpfung, Diebstahl,etc.) ?
Liebe FS,
"In schlechten Zeiten" impliziert, dass unkontrollierbare Umstände es dem Paar schwer machen. Wie eben Krankheit, Arbeitsplatzverlust. Die Idee wäre dann, dies gemeinsam durchzustehen und sich zu helfen, wo man kann.
Aggressives Verhalten oder Diebstahl sind in der Regel keine unkontrollierbaren Umstände. Vielleicht mit Ausnahme von Krankheiten, die das Gehirn schädigen wie z.B. schwerer Demenz.

Wir reden hier aber über die Frage, ob man es aufgrund eines Eheversprechens erdulden muss, wenn der Partner (welcher keinen organischen Hirnschaden hat) infolge seiner Schwierigkeiten sich immer unleidlicher und gefährlicher verhält. Ich finde, nein. Man kann psychische Probleme bekommen und man hat das Recht, in einer längeren Beziehung auch mal eine Zeit lang Unterstützung zu erhalten. Aber wenn man seinen Partner liebt, dann sollte man sich irgendwann Hilfe suchen, statt sich seinem Elend hinzugeben und Probleme zu verdrängen oder am anderen auszulassen.

Am Rande: In manchen Partnerschaften gibt es einen Täter und ein Opfer. Am besten ist es, das Opfer findet die Kraft, die Sache zu beenden.
Manche Beziehungen sind jedoch komplexer, das Ganze gleicht einem Dauerkampf, in dem eine Parteinahme von aussen zunehmend schwierig wird. Weil beide sich daneben benehmen. In solchen Fällen gilt: Entweder man holt sich Hilfe und arbeitet an den Problemen, oder man trennt sich lieber, bevor was Schlimmes passiert.
 
G

Ga_ui

Gast
  • #7
Man kann psychische, berufliche, gesundheitliche und familiäre Probleme haben und andere Leute NICHT herablassend behandeln.
Gerade Leute, die so starke Probleme haben, wollen ihre Ruhe, Abstand und kümmern sich um ihr eigenes Leben. Bei Depression sowieso! Beziehung wird dann meist auch abgelehnt und diese Leute sollte man dann zur Genesung in Ruhe lassen.

Diese Menschen behandeln dich nur schlecht, wenn du dich ihnen in dieser Situation dann aufdrängst. Z.B. Helfersyndrom, ungefragte Ratschläge und Meinungen.
Dinge, die man in einer Beziehung oder Freundschaft aber ohnehin lassen sollte, wenn man es sich mit dem Gegenüber nicht unnötig verscherzen will.

Ich halte nichts davon, über unbeteiligte Dritte herzuziehen. Fange bei dir an!

A.) Trenne dich, wenn dir was nicht passt oder du dich komisch behandelt fühlst
B.) Warum änderst du nicht dein eigenes Verhalten? Schau in den Spiegel, nimm dich selber zurück. Wer ruhig und distanziert ist, bekommt in der Regel keine Hiebe ab. Also ich vermute einfach, du drängst dich deinem Partner mütterlich auf. Das eskaliert immer.
 
  • #8
Keine Erkrankung außer Tollwut rechtfertigt aggressives Verhalten. w54
 
  • #9
Hallo FS,

ich würde, man beachte wieder den Konjunktiv, da ich es selber ansatzweise auch schon anders erleben "durfte" (ist halt ein Grenzbereich und Ermessenssache), keine verbalen und körperlichen Ein- und Angriffe an sowie gegen meine Person dulden. Ich wüsste kein Grund, der dies rechtfertigt.

Unterstützung und Hilfe in Situationen in denen meine Partnerin das braucht finde ich selbstverständlich. Wie lange dies anhalten könnte kann ich nicht sagen, würde es sicher von den Erfolgsaussichten und der Bereitschaft sich helfen zu lassen abhängig machen.

Es muss nicht gleich die Trennung sein, aber ein unbedingtes Einfordern von Respekt, Achtung und gegebenenfalls Wohlwollen sowie eine klare Grenzziehung.
 
  • #10
Ich glaube irgendwie auch, dass bei Depressionen und einem liebenden Partner dieser dir nicht schaden würde. Also wenn ihr keine Gemeinschaftskasse habt und er dir Geld stiehlt, muss er es für etwas brauchen um euch zu schützen oder er trinkt. Es git vieles. Aber legt er unangemessen Hand an, gehen, sich dann schon schützen. Das erste mal ist noch ein Versehen, meistens zumindest. Allerdings impliziert das bei psychisch erkrankten ein Machtgefühl, wenn du bleibst und dann könnte es soweit kommen, dass er immer so handelt und du dich aus Liebe unterwirfst.

Räumliche Trennung, mehr nicht. ann kannst Du ihm einen Psychologen suchen und auch mit ihm telefonieren damit er merkt dass du ihn nicht im Stich lässt.
 
  • #11
Ich würde bei den von Dir geschilderten Extremen längst weg sein-für immer. Denn ein Helfersyndromkomplex schadet beiden Partnern. Dir, weil es Dich zerstört...und ihm, weil der Leidensdruck dann nicht groß genug ist, selbst an einer Veränderung der Situation zu arbeiten.
 
  • #12
Sorry, aber ich muss mal wieder schmunzeln.
Wieder eine Frau, die alles dafür gibt, dass es dem Partner gutgeht.
Vorbildlich!

Eine Freundin von mir war auch so gestrickt, sie tat alles für ihren mit dem Motorrad verunglückten Freund. Besuchte in jedes WE inkl. seiner Familie (in ihrem Wagen) in einer 500 km entfernten Spezialklinik und wohnte in einem Hotel, natürlich auf eigene Kosten. Sie sorgte für frische Wäsche und für sein Wohlbefinden. Sie war treu. Seine Genesung dauerte über ein Jahr.

Nach seiner Genesung gestand er ihr sich in der Klinik in einer Krankenschwester verliebt zu haben und trennte sich Knall auf Fall.

Ihre Fürsorge, Liebe und Beistand konnte diese "Beziehung" nicht retten, ich rate jeder Frau sich niemals für einen Typen aufzugeben, nie. Es gibt genug staatlich professionelle Hilfe für alle Krankheitsbilder. Die Selbstaufgabe mancher Frauen finde ich nicht vorbildlich, sondern selbst therapiebedürftig.
 
  • #13
... mich würde mal interessieren, wie ihr einerseits die "schlechten" Zeiten definieren würdet
Aufgrund äußerer Umstände, also kritische Lebensereignisse, wie hier schon einige genannt wurden (z.B. Arbeitslosigkeit, Tod von Angehörigen), Krankheit oder auch Krisen innerhalb der Beziehung. Der ganz normale Wahnsinn und den würde ich selbstverständlich aktiv, unterstützend "mittragen", solange ich sicher bin, dass mein Partner mit mir "an einem Strang zieht" und die Beziehung grundsätzlich stimmt (Achtung, Respekt, Liebe).

...wo bei euch die Grenze zum Selbstschutz wäre...
Ansätze von aktiver und passiver Aggression, psychischer und körperlicher Gewalt, Suchterkrankungen, Respektlosigkeit, Beleidigungen, Beschimpfungen, Betrug, Neid, Missgunst, krankhafte Eifersucht.... alles was ansatzweise in diese Richtung geht, toleriere ich nicht bei einem Partner, weil es das Leben zur Hölle machen kann. Mein Partner ist mein engster Vertrauter, ich will keinen Feind in meinem Bett.

Wie weit wärt ihr bereit, euch schlecht behandeln zu lassen, z.B. durch aggressives Verhalten oder anderweitiges Verhalten, was weit unter den üblichen gesellschaftlichen Normen sich verhält (Beschimpfung, Diebstahl,etc.)?
Gar nicht. Null Toleranz. Beim ersten Anzeichen wäre ich weg. Ich bin da inzwischen völlig kompromisslos.

Würdet ihr z.B. einen Betrug hinnehmen, weil der Partner ja aufgrund seines Problems unter Depressionen litt?
Nein. Ich möchte einen ehrlichen und ernst zu nehmenden Partner und keinen Patienten an meiner Seite haben. Depressionen sind keine Entschuldigung dafür, andere Menschen respektlos zu behandeln oder gar zu schädigen.

Immer alles unter der Rechtfertigung, dass es dem Partner ja psychisch schlecht ging und er verzweifelt war ?
Ist für mich - wie gesagt - keine Entschuldigung und diejenigen, die davon leider betroffen sind in meinem Freundes- / Bekanntenkreis verhalten sich auch nicht ansatzweise so, obwohl es ihnen zeitweise richtig schlecht geht. Von einem Partner erwarte ich das erst recht.
 
  • #14
Die Selbstaufgabe mancher Frauen finde ich nicht vorbildlich, sondern selbst therapiebedürftig.
Gehe nicht oft mit Herakles konform, finde aber, hier hat sie zu 100% Recht.
1. Wieso stellst du uns diese Frage, nur du kannst wissen, wieviel Leid du ertragen kannst und willst?
2. Wieso willst DU dir überaupt Leid, Abwertung, Diebstahl und Betrug eines psychisch kranken Partners, mit dem du noch nicht mal sonderlich lange und eng zusammen bist antun? DAS ist doch viel eher die zu erforschende Quintessenz.
 
  • #15
Eine psychische Erkrankung oder Lebenskrise ist in meinen Augen keine Rechtfertigung für aggressives Verhalten dem Partner gegenüber (auch nicht gegenüber anderen Menschen)!

Ich weiß, wie sich Depressionen anfühlen und würde viel Verständnis aufbringen für Rückzug, Antriebslosigkeit, Traurigkeit...gereizte/genervte Reaktionen, wenn die Nerven blank liegen, verletzen mich, können aber mal vorkommen. Ich motze dann allerdings zurück. Und schnauzt mich jemand wiederholt wegen Kleinigkeiten an, rastet grundlos aus oder beleidigt mich, dann ist bei mir die Toleranzgrenze überschritten. Einen Menschen, den man liebt, behandelt man nicht wie Dreck! Und wer sich selbst liebt, der lässt sich nicht wie Dreck behandeln.

Meine Toleranzgrenze und Hilfsbereitschaft wäre wohl groß - solange noch Liebe spürbar ist. Kann ein Mensch aber keine Liebe zum Partner mehr spüren/zeigen, sehe ich keinen Sinn darin, das Ganze als Beziehung weiterzuführen. Auch, wenn eine Krankheit der Emotionslosigkeit zugrunde liegt. Wo keine Liebe, da keine Liebesbeziehung. Liegt einem der Mensch am Herzen und besitzt man eine gute Abgrenzungsfähigkeit, kann man versuchen, trotz Trennung für ihn da zu sein - in gewissen Grenzen.
 
  • #16
Also meine Toleranz wäre überhaupt nicht groß, dazu ist das Leben zu kurz um die Hälfte den Seelendoktor für einen Mann zu spielen, bei dem ich nicht weiß, ob er gleiches auch für mich getan hätte.

Wir wissen wohl alle, dass gerade Frauen sehr leidensfähig sind und noch zu Männer stehen wenn sie pflegebedürftig oder im Rollstuhl sitzen, irgendwie haben Frauen mehr Verantwortungsgefühl, mag sein, dass dies in ihrem Mutterinstinkt beruht, egal ob sie nun wirklich Mutter sind oder nicht.

Männer opfern sich in der Regel wesentlich seltener oder garnicht auf, sie suchen das Weite, weil eine solche Belastung sie einfach lähmt, sie finden schnell anderweitig weiblichen Trost und verlassen sehr schnell eine Frau, die nicht mehr so funktioniert - das ist leider Fakt.

Natürlich kann man Hilfe suchen um es einem Partner erträglicher zu machen, aber selbst würde ich mein Leben, meine Wünsche und Sehnsüchte weiterleben, es sei denn, dieser Mensch hätte für mich einmal großes getan oder geleistet in ähnlichem Fall, aber nur dann würde ich bleiben. Eine solche Aufopferung kannte ich allerdings nur bei meinen Eltern für mich, bei sonst niemandem.
 
  • #17
Vielen Dank für eure Antworten.
Nur zur Klarstellung: Meine Frage hatte einzig den Hintergrund, dass ich bei einer Diskussion mit einem Freund meine Einstellung zur Thematik hinterfragt habe, ob ich meine Grenzen vielleicht zu eng ziehen würde, denn einen Helferkomplex habe ich ganz bestimmt nicht.

Aber eure Antworten gehen dann doch auch eher in die gleiche Richtung, wie ich das selbst handhaben würde.
 
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