• #31
Diese Meinung in allen Ehren, aber wenn mein Sohn (8) zu mir sagen würde wie oben beschrieben: "Hau ab, Du nervst" würde er das nur einmal sagen! Da muß ich Mooseba recht geben: irgendwo sind Grenzen.
Wenn der Pubi massiv gegen die Grenzen verstößt, muß er darauf hingewiesen werden. Wenn man alles durchgehen läßt erzieht man sich Terror-Kids.
 
M

Mooseba

  • #32
[Mod.= gelöscht]

Ich bin 30, habe keine Kinder dieses Alters. Aber ich war mal jemand in diesem Alter. Und so manche Einschüchterung hat mir nicht geschadet (ich rede nicht von Gewalt, das geht mal gar nicht, aber die gab es auch, nur noch früher): klare Ansagen, Verbote, Forderungen, Bedingungen, Lob für gute Leistungen.

Sicher, die Pubertät ist eine hormonelle Umstellung, für die man nichts kann. Aber für den eigenen Umgang damit kann man eine Menge. Man kann lernen, Leidenschaften im Zaum zu halten, sich zu etwas Unangenehmen zu zwingen wie z.B. sich einfach mal zusammenzureißen. Mag sein, dass das Korsett bei uns zu eng geschnürt war, aber es mir nicht alles geschadet. Die Fähigkeit, dass ich darin gut bin, mich zu etwas zu zwingen, ist nicht meine schlechteste. Die Pubertät ist die beste Lernphase für wichtige Eigenschaften des späteren Erwachsenendaseins. Das sollte man nutzen.
 
G

Gast

  • #33
Hier nochmals Nr. 20 an Nr. 22:
Herzensschön dein Posting, genau so ist es.
Loslachen musste ich mit dem Vergleich Zimmer Biotop-------

Es hilft wirklich nur eine Portion Humor in dieser Zeit und Nerven, Nerven, Nerven
 
  • #34
es wird wohl immer solche und solche geben.. Leute die auf ihr Abi eher selektiv hinlernen (ich war so einer.. -.- ( ... und hatte ein peinliches "Gespräch" bei der Zeugnisvergabe auf der Bühne mit dem Rektor der meinte es sei ihm ein Rätsel wie jemand mit derart vielen Fehlstunden das Abi schaffen könnte.. )
habs trotzdem zum Abteilunsgleiter geschafft.. mein Bruder war ein Totalverweigerer mit besserem Abi und der hat 15 Jahre seines Lebens Computerspiele gezockt und macht heute Hotline..
 
G

Gast

  • #35
[Mod.= gelöscht]

Ich bin 30, habe keine Kinder dieses Alters. Aber ich war mal jemand in diesem Alter. Und so manche Einschüchterung hat mir nicht geschadet (ich rede nicht von Gewalt, das geht mal gar nicht, aber die gab es auch, nur noch früher): klare Ansagen, Verbote, Forderungen, Bedingungen, Lob für gute Leistungen.

.
Na, siehst du, hab mir doch gedacht, dass du das nur aus der Warte des Kindes siehst. In der Pubertät waren wir ja alle mal, das ist also nichts Besonderes.
Auch ich war in der Pubertät und ich war sicher nicht leicht zu ertragen. Aber ich war eben völlig anders als mein Sohn. Das ist ja das Problem, jeder Jugendliche benimmt sich völlig anders und die Eltern sind eben auch anders. Man hat ja schon in der eigenen Familie völlig unterschiedliche Kinder. Mag sein, dass Strenge bei einem Kind anschlägt, beim anderen Kind ist das der völlig falsche Weg.
Wie auch immer - ich finde, was Kinder lernen sollten ist Respekt vor anderen Menschen. Wie sollte ein Jugendlicher das aber lernen, wenn man ihm diesen Respekt nicht selbst entgegenbringt. Du erwartest vom Jugendlichen etwas, das er noch nicht aus eigenem Antrieb erbringen kann. Respekt wurde ihm zwar als Kind anerzogen aber immer fremdgesteuert von den Eltern, nicht eigengesteuert, weil er erkennt, wie wichtig Respekt ist. Durch Vorschriften lernt er das in der Pubertät auch nicht.
Wichtig sind Grenzen - und zwar der Unterschied zwischen seinen und meinen Grenzen. Wo überschreitet er meine Grenzen und verletzt meine Privatsphäre?
Ein Jugendlicher sollte seine Grenzen ausloten können, er sollt Privatsphäre haben um eben diese Grenzen zu finden. Daher ist sein Zimmer tabu, da hat die Mutter nichts drinnen verloren. Aber die Küche ist Gemeinschaftsraum und da überschneiden sich eben die Privatsphären und er muss lernen, dass er nicht in den Freiraum der Mutter eindringen kann - aber auch die Mutter muss seinen Freiraum akzeptieren, wenn er z.B. mal für die Freunde kochen möchte. Nicht aufräumen ist dann wieder eine Grenzverletzung, weil die Mutter den Raum dann nicht nutzen kann.
Pubis sind fast erwachsen und man sollte sie auch so behandeln, man sollte ihnen eben diese Grenzen und deren Verletzung erklären und nicht einfach befehlen. Sie verstehen mehr als wir denken und die meisten Jugendlichen haben einen sehr, sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.
Vielleicht gemeinsam einen Plan mit Regeln und Konsequenzen aufstellen, dann aber gültig für beide Parteien. Wenn die Eltern ungefragt ins Zimmer kommen ist das dann ebenso ein Verstoß wie wenn der Sohn um 24 Uhr noch laute Musik macht.
Langsam muss man sich von der bisherigen Rolle als Eltern verabschieden und das fällt vielen Eltern sehr schwer.
 
  • #36
@34: Moment mal: Du bist der Meinung, daß ein 16jähriger seiner Mutter keinen Respekt und höfliche Umgangsformen entgegen bringen kann, weil er noch nicht reif dafür ist??? Hallo? Wann wäre er denn Deiner Meinung nach reif dafür? Vor einigen Jahrzehnten hat man in dem Alter schon fest im Berufsleben gestanden.
Soziale Umgangsformen sind immer zu einem gewissen Teil auch Vorschriften, die dem Einzelnen das Leben vereinfachen und erleichtern. Des wegen sind sie nicht per se "böse".

Einem antriebsschwachen aber intelligenten Kind sollte schon, zum Beispiel durch Ferienarbeit, klargemacht werden, daß er sein Leben und seine Zukunft selbst in der Hand hat. Ein guter Schulabschluß ist nun mal die Eintrittskarte ins Leben. Verpeile ich den, stehen mir bestimmte Berufe schlicht und einfach nicht offen.
Im gleichen Alter wie der Sohn hatte ich eine Berufsausbildung mit Abitur begonnen, bei der Erdbeerernte gejobbt und systembedingt in einem Fernmeldebetrieb stundenweise gearbeitet. solche Sachen helfen schon mal, den Blick dafür zu schärfen, was man im Leben NICHT will.
 
G

Gast

  • #37
@34: Moment mal: Du bist der Meinung, daß ein 16jähriger seiner Mutter keinen Respekt und höfliche Umgangsformen entgegen bringen kann, weil er noch nicht reif dafür ist??? Hallo? Wann wäre er denn Deiner Meinung nach reif dafür? Vor einigen Jahrzehnten hat man in dem Alter schon fest im Berufsleben gestanden.
Soziale Umgangsformen sind immer zu einem gewissen Teil auch Vorschriften, die dem Einzelnen das Leben vereinfachen und erleichtern. Des wegen sind sie nicht per se "böse".

Einem antriebsschwachen aber intelligenten Kind sollte schon, zum Beispiel durch Ferienarbeit, klargemacht werden, daß er sein Leben und seine Zukunft selbst in der Hand hat. Ein guter Schulabschluß ist nun mal die Eintrittskarte ins Leben. Verpeile ich den, stehen mir bestimmte Berufe schlicht und einfach nicht offen.
Im gleichen Alter wie der Sohn hatte ich eine Berufsausbildung mit Abitur begonnen, bei der Erdbeerernte gejobbt und systembedingt in einem Fernmeldebetrieb stundenweise gearbeitet. solche Sachen helfen schon mal, den Blick dafür zu schärfen, was man im Leben NICHT will.
Hier die 34
Du hast mich falsch verstanden. Ich habe nicht gesagt, dass er dafür noch nicht reif ist. Er hat es eben noch nicht gelernt. Auch ein respektvolles Verhalten will gelernt sein und das geht meiner Meinung nach nicht durch Verbote. Ein Kind (und damit meine ich keinen 16jährigen) macht etwas, weil es ihm von den Erwachsenen gesagt wird, z.B. danke sagen, die Hand geben, das Zimmer aufräumen usw.. Aber er macht es nicht aus einer eigenen Einsicht, er erkennt noch nicht die Zusammenhänge zwischen den eigenen und den fremden Grenzen.
In der Pubertät werden aber genau diese Einsichten entwickelt. Und das geht eben nicht mehr mit Verboten sondern durch ein Vorleben. Akzeptanz der Mutter kann nicht durch Verbote entstehen sondern nur durch ein Vorleben der Akzeptanz durch die Mutter. Wenn ich mein Kind nicht als einen erwachenen Menschen respektiere, kann ich auch keinen Respekt erwarten.
Natürlich beginnt dies nicht mit 16 sondern schon viel früher, aber da hat es eben noch nicht so viele Auswirkungen.
Ich habe z.B. in meiner Jugend immer Ferienarbeit gemacht, mein Sohn nie. Er bekam 30,- € Taschengeld im Monat. Er hat nicht mehr gebraucht, wie hätte ich ihn zu Ferienarbeit zwingen können? Mit welcher Begründung?
Er wusste genau, was er im Leben nicht will !
Und er ist heute ein vernünftiger junger Mann, alles kann ich dann ja nicht falsch gemacht haben.
 
G

Gast

  • #38
Mit 16 zur eigenen Mutter zu sagen "Hau ab, Du nervst" ist schon heftig. Es zeugt von mangelndem Respekt, ist rotzfrech und zeigt eine Selbstüberschätzung, mit der der Junge bald gewaltig auf die Nase fallen wird. Meines Erachtens ist ihm keineswegs zu wenig Respekt entgegen gebracht worden, sondern zu viel. Auch ein 16 jähriger weiß, dass er andere verletzen kann! Er ist zwar im Hormonrausch, aber nicht doof.

Irgendjemand hat hier geschrieben, dass Schwangerschaft, Wechseljahre, midlife crisis und Pubertät Phasen sind, in denen man von Hormonen kontrolliert wird und daher, sinngemäß, für sein Verhalten nur bedingt verantwortlich ist. Wenn das so wäre, dann wären ca. 50 % der Bevölkerung nicht für ihr Verhalten verantwortlich! Das stimmt als nicht. Es sind vielmehr Phasen im Leben, die schwierig sind und in denen man sich somit mehr zusammennehmen muss als sonst. Und genau das lernt man in der Pubertät. Es ist die Pflicht der Eltern, ihren Kindern das beizubringen und eben nicht alles zu dulden.

Ich bin einigermaßen schockiert darüber, was man den Kindern hier durchgehen lässt. Ja meint ihr denn, dass die Welt nur auf Eure Kinder wartet und diesen dann ebenfalls alles nachsieht? Meiner Erfahrung nach erleben Jugendliche, denen man alles durchgehen lässt und bei denen alles verstanden und verziehen wird, spätestens im Studium oder im Berufsleben ein ganz böses Erwachen. Die Freundin wird nur ein einziges Mal so angeblafft, dann ist sie weg! Denn die lässt sich das nicht bieten, ebensowenig wie ein Arbeitgeber.

Ich finde, man muss Jugendlichen zur Seite stehen, sie wieder aufbauen, wenn was schief läuft, ein offenes Ohr für Liebeskummer und dergleichen haben und ihnen immer das Gefühl geben, dass man für sie da ist. Gleichzeitig muss man ihnen aber klar machen, dass Selbstdisziplin einfach notwendig ist und gewisse Entgleisungen nicht vorkommen dürfen. Ich würde meinem Sohn das schon verzeihen, wenn es einmal vorkommt und er sich sofort entschuldigt. DAS ist dann Pubertät. Aber so ein Verhalten normal zu finden oder gar damit zu erklären, dass die Mutter einfach so ins Zimmer kommt, das geht einfach nicht.

Ebenso überraschend finde ich, dass manche hier Taschengeldentzug und Handyverbot mit Liebesentzug gleichsetzen. Ja gehts noch??? Liebesentzug ist etwas ganz anderes. w 40
 
  • #39
Horrorszenarien zu beschwören, ist völlig unrealistisch! Nein, aus solchen Jungs werden nicht automatisch Chaoten, wenn Eltern Härte und Repressalien vermissen lassen.

Bei ordentlichen Familienverhältnissen reguliert sich das unangemessene Verhalten eines Pubertierenden von ganz allein, denn fast nirgendwo wird Erziehung in dieser Zeit "richtig" gemacht
(Eltern haben schließlich auch nur Nerven.)

Im Normalfall werden aus aufmüpfigen Jungs ganz normale, ordentliche und höfliche Menschen - genau so, wie sie es in ihrem Umfeld vorgelebt bekommen haben.

In meinem Umfeld sind die Kinder aller Familien bereits erwachsen, und so manch ein 16- Jähriger hat hier, früher mal, seine Eltern zur Weißglut gebracht. Aus allen (!) sind inzwischen brave Steuerzahler, und zum Teil liebevolle Familienväter geworden. - Auch ganz ohne drastische "Konsequenzen".
 
G

Gast

  • #40
@ 38 Entschuldige, wenn ich widerspreche, aber meine Erfahrungen sind da ganz anders. Mir fallen spontan drei "Jungs" meiner Generation ein, bei denen ich mitbekommen habe, dass sie so mit ihren Eltern gesprochen haben. Einer ist durchs Abi gefallen und driftet so durchs Leben. Arbeitet jetzt in einem Call Center. Ein anderer dreimal durchs Physikum geflogen, hat dann ein weiteres Studium begonnen und dieses soeben ebenfalls abgebrochen. Er jobbt jetzt, mit 40, in einer Dorfdisko (schon immer) und dabei wird es wohl auch bleiben. Der dritte ist mein Mann. Auch er hat mehrere Studiengänge abgebrochen und bis Mitte 30 nichts auf die Reihe gekriegt. Er hat Ende 30 jetzt doch sein Studium abgeschlossen und auch einen Job gefunden. Er hat jetzt das Gehalt, das ich mit Ende 20 hatte. Er hätte es viel einfacher haben können und sagt selbst, dass es besser für ihn gewesen wäre, wenn er sich nicht hätte alles erlauben dürfen und wenn seine Eltern Leistung gefordert und Grenzen gesetzt hätten. Meine Schwiegermutter denkt das mittlerweile übrigens auch.

Ansonsten bekomme ich im Beruf bei unseren Azubis so einiges mit. Es gibt schon viele, die überhaupt nichts mehr leisten wollen und auch vorsichtige Kritik überhaupt nicht annehmen können. Kürzlich habe ich mitbekommen, wie einer dieser Azubis mit seiner Mutter telefoniert hat. Respektlos bis zum Abwinken. Ich bin keineswegs für "Härte" und "Repressalien" oder für "drastische Konsequenzen". Aber ich bin für Erziehung und dafür, dass man nicht einfach alles laufen lässt. Der Sohn der FS verhält sich völlig unangemessen. Das kann man nicht einfach laufen lassen, damit tut man sich selbst und vor allem dem Kind keinen Gefallen. w 40
 
M

Mooseba

  • #41
Ich kann nur nochmal betonen, das mir die autoritäre Erziehung durch meinen Vater viel gebracht hat. Besonders antriebsstark war ich wohl nie und Druck notwendig. Ich habe ein gutes Abitur gemacht und ein schweres technisches Studium als erstes Studium geschafft. Ich weiß mich zu benehmen und gehöre zu den jungen Männern, die noch Bitte und Danke sagen können. Meine Probleme haben andere Ursachen, auch wenn teilweise dieselben Personen dafür verantwortlich sind. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass langes Außenseitertum in der Schule eine größere Ursache hat als die All- und Übermacht meines Vaters. Trost-spenden war sicher keine Stärke meiner Eltern. Und emotional war's auch sparsam. Das darf nie fehlen, dennoch sollten jugendliche Kinder auch in die Pflicht genommen werden.
 
G

Gast

  • #42
Ich finde es lustig, dass gerade solche Kinder immer aufs Gymnasium gehen. Ich würde sagen, mit 16 gehören Jungs ohnehin allmählich vor die Türe gesetzt. Schnappe ihn am Arm und besorge ihm einen Job. Männer müssen früh Arbeiter werden, sonst hocken sie dir noch mit 40 im Nest.
 
G

Gast

  • #43
Mir fallen zwei wesentliche Aspekte ein:
1. Der Junge muss zum Vater. Er braucht dringend männlichen Einfluss. Wahrscheinlich macht in das bemuttern so aggressiv.
2. Der Junge gehört runter von der Schule in eine Berufsausbildung. Jetzt ist eine gute Zeit für Bewerbungen um nach den Sommerferien eine Lehrstelle anzutreten.
 
G

Gast

  • #44
@41 ich nehme mal an, dieser völlig unsinnige Kommentar war als Scherz gemeint, der leider daneben ging. Oder schlägst Du etwa vor, dass wir das Gymnasium für Jungs ganz abschaffen? Und somit auch alle akademischen Berufe? Falls das Deine Meinung ist, dann musst Du Dir aber darüber im Klaren sein, dass Dir künftig wieder Zähne vom Barbier gezogen werden.

@ Mooseba: Ich sehe das meiste was Du hier schreibst so ähnlich wie Du. Ich bin auch dafür, dass man Jugendlichen Grenzen setzt und die Pubertät nicht als Entschuldigung für alles nimmt. Allerdings weiß ich aus anderen Threads, dass Du mit Deiner Erziehung (zu Recht!) nicht einverstanden warst, weil sie viel zu hart und streng war. Bei uns ging es zwar nicht ganz so hart zu, allerdings herrschte ebenfalls erheblicher und bedingungsloser Leistungsdruck. Dieser war manchmal sehr kontraproduktiv, weil einem von vornherein das Gefühl vermittelt wurde, eine "faule Sau" zu sein, die es eh nicht schafft, außer sie bekommt permanent Druck Druck Druck. Rückblickend denke ich, dass zu viel Druck den natürlichen Antrieb beseitigt und durch angstgesteuertes Lernen ersetzt. Ich habe zwar auch ein anspruchsvolles Studium sehr gut geschafft, aber manchmal hatte ich das Gefühl mit angezogener Handbremse zu lernen und der ewig nörgelnden Stimme im Kopf, die mir sagt, "Du machst zu wenig, immer erst im letzten Moment, Du machst alles falsch". Ich glaube, wenn man Kindern zu oft das Gefühl gibt, sie seien antriebsschwach, kann das auch zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden und das macht es den Kindern unnötig schwer. Und das ist fatal. Der Mittelweg zwischen dem notwendigen Leistungsdruck und dem notwendigen "laissez faire", das dem Kind das Gefühl vermittelt, dass die Eltern ihm was zutrauen, ist wahrscheinlich nur schwer zu ermitteln. Unterm Strich denke ich, dass Eltern, die sich alles gefallen lassen, es sich ebenso zu leicht machen, wie Eltern, die grundsätzlich mit Druck arbeiten und "draufschlagen", sei es im übertragenen Sinne oder (wie bei Dir) gar wörtlich. w 40
 
M

Mooseba

  • #45
[...] Dieser war manchmal sehr kontraproduktiv, weil einem von vornherein das Gefühl vermittelt wurde, eine "faule Sau" zu sein, die es eh nicht schafft, außer sie bekommt permanent Druck Druck Druck. Rückblickend denke ich, dass zu viel Druck den natürlichen Antrieb beseitigt und durch angstgesteuertes Lernen ersetzt. Ich habe zwar auch ein anspruchsvolles Studium sehr gut geschafft, aber manchmal hatte ich das Gefühl mit angezogener Handbremse zu lernen und der ewig nörgelnden Stimme im Kopf, die mir sagt, "Du machst zu wenig, immer erst im letzten Moment, Du machst alles falsch". Ich glaube, wenn man Kindern zu oft das Gefühl gibt, sie seien antriebsschwach, kann das auch zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden und das macht es den Kindern unnötig schwer. [...]
Jepp, das kenne ich Eins zu Eins genauso. Da trage ich noch viele Kämpfe aus. Ich verstehe sehr gut, was du meinst und du beschreibst da einen guten Kompromiss.
 
G

Gast

  • #46
Liebe Fragestellerin,
ich musste fast lachen, als ich deine Problemschilderung gelesen habe. Das kam mir so bekannt vor, hätte die Beschreibung meines Sohnes von vor 4 Jahren sein können. Er hatte auch noch nie glernt, hat das Klassenziel immer so mit Hängen und Würgen doch noch so erreicht bis, ja bis zur 10. Klasse. Da war es dann passiert: Er musste das Jahr wiederholen. War ihm auch noch egal, kein Bock auf nix und Schule schon mal gar nicht. Freunde waren wichtiger, Fußball war wichtiger, Mädels usw., allerdings hat er kaum am PC gesessen. Dann hat er das Wiederholungsjahr wieder nicht geschafft. Der einzige Weg zum Schulabschluss war, an eine Mittelschule zu wechseln und dort die 10. Klasse zum dritten Mal zu machen.
Du kannst dir sicher vorstellen, wie mich das alles mitgenommen hat! Ich sah ihn schon in der Gosse, als totalen Versager! Und ich hab mich immer gefragt, was ICH falsch gemacht hatte!
Und dann kam der Wechsel zur Mittelschule. Und nach nur einer Woche sagt mein Alles-Egal-Kind zu mir: "Weißt du Mama, ich will jetzt doch Abi machen. Die in der Klasse sind ja alle nett, aber mit denen kann ich mich einfach nicht unterhalten. Und wenn ich mir vorstelle, auf diesem Niveau mein Leben zu verbringen, ne!" Tja, und von dem Tag an hat er zumindest erstmal so viel gelernt, dass es für den Zugang zum Beruflichen Gymnasium gereicht hat. Da ist er (inzwischen 20) jetzt im letzten Jahr, steht kurz vor den Abiprüfungen. Und kaum zu glauben: Von dem Moment an, wo die Punkte fürs Abizeugnis zählten, wurde der Kerl zeitweise fast zum Streber - jedenfalls für seine Verhältnisse, steht in fast allen Fächern zwischen 12 und 15 Punkten. Manchmal kann ich es immer noch nicht so recht glauben...
Und weißt du, was der entscheidende Moment war? Das war der Schritt vom "meine Mama will" hin zum "ICH will!"
Vertraue deinem Sohn. Gestehe ihm die Eigenverantwortung für sein Leben zu, die er hat. Er muss SEINEN Weg finden. Und er WIRD seinen Weg finden, auch wenn der vielleicht bisschen anders ist als du erwartest und erhoffst. Hör auf, dich an Dingen abzuarbeiten, die du nicht ändern kannst. DU kannst IHN nicht ändern, höchstens erpressen, kaufen, zwingen. Willst du das? Mach dir klar, dass es viele mögliche Wege zum Glück und auch zum beruflichen Erfolg gibt. Und nicht jeder dieser Wege verläuft gerade - eher im Gegenteil.
Heute würde ich eher und gelassener nach anderen Schulmöglichkeiten schauen. Man klammert sich so sehr ans Gymnasium, dabei ist ein ordentlicher Mittelschulabschluss eine durchaus brauchbare Eintrittskarte für viele Berufswege, und auch zum Abi.

Verschwende deine Energie nicht in sinnlosen Erziehungskämpfen. Was da bis jetzt evtl. schief gelaufen ist, kannst du sowieso nicht mehr rückgängig machen, und für anderes ist es zu spät.
 
G

Gast

  • #47
Hallo,
vorletztes Jahr noch hatten wir genau das gleiche Problem - bis die allgemeine Schulpflicht endete. Er hatte zunächst eine weiterführende Schule besucht - oder eher abgefaulenzt. Die Zeugnisse waren weiterhin eine Katastrophe. Wir haben dann einen Vertrag aufgesetzt, nachdem alles genau geregelt war - während der Schulzeit 23 Uhr Licht aus, Pflichten im Haushalt übernehmen, Zimmer täglich aufräumen, mindestens 2x die Woche Updates von der Schule. Die Lehrer haben wir eingeweiht.
Wenn das nächste Halbjahreszeugnis nicht mindestens einen Noten-Schnitt von 2,5 hat, wird er von uns nicht mehr unterstützt, kein Taschengeld mehr und muss Kostgeld bezahlen, wenn er noch bei uns wohnen will (bedeutet also Jobsuche ohne Schulabschluss). Alternative: er geht in eine staatlich betreute Jugend-WG. Dieser Vertrag wurde von uns allen nunterschrieben - uns Eltern ging es dabei hundeelend, die Lehrer haben geschluckt, aber diese Härte hat sich dann bezahlt gemacht: er hatte daraufhin ein deutlich besseres Zeugnis und wurde sogar Klassenbester und Schülersprecher.
Das ist toi toi toi bis jetzt so geblieben.
 
G

Gast

  • #48
@45 - ich wäre nicht bereit, meinem Kind wegen Faulheit 3 x die 10. Klasse zu finanzieren! Und dann noch Abi und dann noch ggf. Studium. Nein danke! Ich bin doch nicht die Melkkuh des Kindes - irgendwann möchte ich mal wieder mein Leben führen und über mein Geld verfügen. Wer bummelt, muss mit den Konsequenzen leben. Dieser doppelte Boden von den Eltern ist ja anbiedernd. Wer dann irgendwann den Schalter umlegt, kann sein Studium gerne selbst finanzieren. Aber nicht ewig auf Kosten von Mama und Papa. w/43
 
G

Gast

  • #49
Was willst Du? Dein Kind spiegelt Dich!

Darüber hinaus erfüllt es doch ganz genau Deine Erwartungen:
Wenn Du sagst, er macht dies nicht oder er macht jenes nicht oder "hat er noch nie" - dann ist es auch genau so. Das nennt man auch "selbsterfüllende Prophezeiung".
Das glaubst Du nicht? Dann überprüfe Deine Aussagen.

Sprich daher so über Dein Kind, wie Du es gerne hättest, dann wird es auch so. Das erreichst Du aber nicht, indem Du das Gegenteil sagst (er macht nicht, er hat nie usw.) Deine Worte haben Macht. Aber nicht nur die Worte, sie müssen auch mit Deinen Handlungen übereinstimmen. Genieße die Einzigartigkeit Deines Kindes. Halte seine Andersartigkeit aus. Und - was man bekämpft, wird nur noch stärker.

Woher ich Klugscheißer das weiß? Ganz einfach - ich lebe auch auf diesem Planeten und es geht mir ganz genauso.

Also - bleib locker und hör auf, Dein Kind zu nerven.