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Wie weit gehen um jemanden zu erobern?

Liebe Community,

ich lese in einigen Threads immer wieder "Wenn man um Liebe kämpfen muss, ist es eh schon zu spät/hat das Ganze keinen Sinn", auf der anderen Seite suggerieren uns Liebesfilme und romantische Bücher stets, dass es sich um Liebe durchaus zu kämpfen lohnt. Konkret geht es mir um die Frage, wie weit würdet ihr gehen um jemanden zu erobern / dessen Aufmerksamkeit auf euch zu lenken?

Der Hintergrund meiner Frage: ich habe nun einen Freund in England, welcher mit seinen knapp 30 Jahren noch Single ist. Ich verliere langsam die Geduld mit ihm, andauernd bemitleidet er sich selbst und gibt alles und jedem die Schuld an seinem Single-Dasein, seinem Job etc., nur nicht sich selbst. Nun "verliebt" er sich ständig in irgendwelche gutaussehenden "Jungs" (18-22), welche er von der Arbeit oder aus dem Internet/von Youtube-Videos (!) kennt. Nun ist er allerdings meiner Meinung nach komplett zu weit gegangen: "G" (offen schwul), 20, akzeptiert seine Freundschaftsanfrage auf Facebook nicht, er hat nun den Vater von "G" ausfinding gemacht und ihm eine Anfrage geschickt. Dieser hat sie angenommen und dann hat ihm mein Freund eine Nachricht geschickt, betreffend den Sohn (ob der Vater dem Sohn nicht sagen könne, seine Anfrage anzunehmen und wie sehr er ihm nicht gefalle etc.). Der Vater hat natürlich nicht geantwortet, welcher normale Mensch würde das auch? Jetzt hat er mir nebenbei gesagt, er kommentiere ständig die Posts des Vaters und hofft, dass "G" auf diese Art und Weise auf ihn aufmerksam wird.

Ich habe sein Verhalten daraufhin als "creepy", kindisch und stalkermäßig bezeichnet, er versteht allerdings nicht wo das Problem liegt. Er meint, "G" könnte doch auf ihn aufmerksam werden und dann würde sich dass doch lohnen, wenn sie denn zusammen kämen... in Filme und Büchern würden Männer doch auch alles tun um ihre Liebste für sich zu gewinnen. Das Verhalten meines Freundes ist doch nur peinlich und fast schon unheimlich, oder? Von Selbstachtung und Respekt dem anderen gegenüber ganz zu schweigen.

Wie schätzt ihr da ein? Geht das zu weit? Wie weit würdet ihr gehen um jemanden kennen zu lernen? Rechtfertigt "Verliebtsein" ein solches Verhalten?
 
  • #2
Hallo 9Khaleesi1,
bei Deinem Freund in England liegt ein ganz erheblicher Mangel an Reife vor. Er ist fast 30 und verliebt sich in "Jungs", die er eigentlich nie kennen gelernt hat? Das tut z. B. meine Tochter, die allerdings ist 14 - da ist das sozusagen normal. Mit fast 30 sollte man schon mal eine Prise Realität in die Nase bekommen haben. Offensichtlich aber hat er gar keinen Bezug dazu, schiebt seine Kontaktlosigkeit immer auf was anderes - nur nicht auf sich selbst. Hat er denn keine "Kreise", in denen er mal "echten" Jungs begegnen kann? Oder warum geht er nicht über eine schwule Single-Seite? Das ist immer noch besser als dieser ganze Chichi-Kram, den er da abzieht.
 
  • #3
Dein Kumpel hat sie nicht alle.
Ja, das ist peinlich, das geht in Richtung Stalking und es ist sehr verzweifelt.
Und GANZ SICHER wird G ihn deswegen nicht doch noch in Betracht ziehen.
Eher schon demnächst seinen Vater bitten, deinen Kumpel zu löschen.

w 48
 
  • #4
Danke schonmal für eure Einschätzungen, ich hab mich fast schon schlecht gefühlt weil ich ihm inzwischen alle paar Tage den Kopf wasche und "beleidige" :/ Bin ich froh, dass ich offensichtlich hier nicht überreagiere.

@Freyfrau: Den Vergleich mit Teenagern hab ich auch schon gezogen, als ich 12-14 war habe ich ebenfalls für alle möglichen Typen geschwärmt. Mein Freund spricht ja auch ständig davon "wieso er und G denn keine Freunde/kein Paar werden und heiraten (!) können"
Apps bzw. gratis Singlebörsen hat er schon versucht und einmal war er angeblich schon in einer Schwulenbar... bekommt er eine Absage oder keine Antwort gibt er allerdings sofort auf und jammert erst recht wieder rum, wieso er denn niemanden findet. Er versucht es meiner Meinung nach viel zu wenig bzw. wenn er inzwischen auch im "Real Life" so komisch rüberkommt wie er es in seinen Nachrichten mir gegenüber tut, dann kann das ja nichts werden. Das hat sich alles erst verändert, seit er erkannt hat auch Männer zu mögen. Vorher war er ein ganz normaler Typ der sich höchstens mal (unglücklich) in eine Arbeitskollegin, die allerdings sein Alter hatte, verliebt.
 
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  • #5
Wie schätzt ihr da ein?
Auch wenn ich finde, dass er von "G" schon eine Abfuhr (Ablehnung) bekommen hat und es wohl nicht eingesehen hat, ist sein Verhalten zurecht kindisch, doch im Moment tut er niemanden weh. Der Vater von "G" kann, wenn es ihm zuviel wird, Deinem Freund die Freundschaft auch via FB kündigen (entziehen/blockieren).
Insoweit er nur schreibt und kommentiert, lass ihn seine hoffnungsvollen Träume.

Geht das zu weit?
FB ist ein öffentliches Netzwerk. Er kann meiner Meinung nach sein Möglichstes über diesen Weg versuchen.
Noch ist alles legal und zulässig, was er tut und macht (wenn auch schon schräg).

Rechtfertigt "Verliebtsein" ein solches Verhalten?
Ich denke JA, warum nicht. Bis jetzt tut er keinem weh, hintergeht keinen, belästigt keinen, droht keinen, betrügt keinen. Es ist alles im gesetzlichen Rahmen. Also, why not?

Wie weit würdet ihr gehen, um jemanden kennen zu lernen?
Wenn mir derjenige ausgesprochen gut gefällt, würde ich soweit gehen, wie es rechtlich/moralisch vertretbar ist. Jedoch nicht weiter, als bis zum offiziellen NEIN meines Angebeteten.
Bei mir, wäre nach der abgelehnten Freundschaftsanfrage Schluss gewesen.
 
  • #6
Fremdschämen fällt mir da ein. Allerdings würde ich nicht versuchen, auf ihn einwirken zu wollen, denn jeder hat das Recht, sein Leben selbst zu ruinieren und seine Fettnäpfchen selbst auszusuchen. Es gibt Leute, denen ist einfach nicht zu helfen. Wie soll man denn einem erwachsenen Menschen Vernunft beibringen?
 
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  • #7
Ich muss gestehen, dass ich mich auch schonmal in jemanden "verliebt" habe, den ich nur aus der FB-Freundesliste eines gemeinsamen Freundes "kannte" und mich da ziemlich reingesteigert habe. Das war so mit 22,23.

Ich hab denjenigen dann auch mal angeschrieben und versucht, Kontakt aufzubauen. Kam mir ziemlich doof dabei vor, aber wollte es eben mal probieren.

Als irgendwann nichts mehr zurückkam (anfangs hat er noch ganz nett, nur etwas ausweichend geantwortet - wir hatten ja immerhin gemeinsame Freunde und irgendwann gab es sogar mal eine ultrakurze Begegnung im RL), hab ich die Versuche schweren Herzens eingestellt; allerdings noch länger "getrauert".

Dann gab es diesen einen Typen, mit dem ich zur Schule gegangen bin, dort aber nie ein Wort gewechselt habe ... auch in den war ich "verliebt" und habe später nach dem Abi versucht, über FB Kontakt aufzubauen.

Das lief ähnlich ab wie mit dem anderen - nette, aber ausweichende Antworten. Irgendwann hab ich ihm aus lauter Verzweiflung geschrieben, er solle doch gar nicht mehr antworten, wenn er nichts von mir will (woran er sich dann auch hielt).

Meeega peinlich!

Aber ich brauchte das irgendwie, um "abschließen" zu können mit dieser "großen Liebe". Und ich muss gestehen, dass ich auch heute, 10 Jahre später, noch gelegentlich an ihn denke. z.B. frage ich mich, ob er wohl zum 10-jährigen Abi-Treffen....und ob ich mich da nach dieser Aktion damals blicken lassen kann...

Also, ja, ich kann mich ganz gut in diesen Kumpel hineinversetzen. Ich würde auch nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass mir sowas heute nicht mehr passieren könnte. Aber: bei diesen Projektionsgeschichten war und ist mir zu jedem Zeitpunkt bewusst, dass ich mich ziemlich schräg und nicht wirklich altersangemessen verhalte. Sollte bei deinem Kumpel dieses Bewusstsein nicht vorhanden sein, fände ich das bedenklich. Außerdem habe ich damals wie gesagt meine Bemühungen eingestellt, als nichts zurückkam.

"Dürfen" tut man sowas schon, aber jeder halbwegs lebenserfahrene Mensch weiß, dass man auf diese Art und Weise überhaupt nichts erreicht; sich nur absolut lächerlich macht.

Wie sowas wirklich auf das Gegenüber wirkt, habe ich begriffen, als mir mal Männer hinterhergelaufen sind, die ich kaum kannte. Ich denke, diese Erfahrung - und generell Erfahrung im realen Leben - fehlt deinem Kumpel.
 
  • #8
Grundsätzlich finde ich es aber besser, irgendwelche peinlich-pubertären Bagger-Aktionen zu starten, als jahrelang von jemandem zu träumen und gar nichts zu unternehmen.

Denn eine ordentliche "Klatsche" hilft einem zu erkennen, dass die Schwärmerei jeglicher Grundlage entbehrt und man damit abschließen muss.

Und auch aus solchen Kontakten habe ich einiges gelernt - z.B. in Nachrichten zwischen den Zeilen zu lesen und das Desinteresse des Gegenübers zu erkennen. Und ich habe daraus gelernt, dass weder eine Abfuhr noch eine Blamage das Ende der Welt bedeuten. Das hat mich tatsächlich auch im realen Leben mutiger gemacht.

Aber natürlich kann dieser "Lern-Effekt" nur eintreten, wenn man eine Abfuhr irgendwann auch mal als solche erkennt und akzeptiert...der hier geschilderte Fall ist schon extrem. Man kann für den Kumpel der FS nur hoffen, dass er von "G" oder seinem Vater mal verbal eins auf die Mütze bekommt oder sie ihn von FB wegen penetranten Stalkings sperren lassen.
 
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