• #1

Wie wichtig ist euch der Austausch in einer Beziehung?

Liebes Forum,

gestern saß ich in einem Cafe und beobachtete die Paare wie sie da saßen und nicht miteinander redeten.
In meiner letzten Beziehung (wir haben von der geistigen Ebene nicht zusammengepasst) ging es mir auch so. Ich fühlte mich einfach nur einsam mit ihm, da wir kaum Gesprächsthemen hatten. Ich selbst lege da auch bei Freundschaften viel Wert darauf.

Es geht hier nicht nur um tiefgründige Gespräche wie ich sie liebe, sondern auch um Small Talk.

Wie sind euere Erfahrungen? Vielleicht bin ich in diesem Bereich zu anspruchsvoll.
 
  • #2
Mir ist Kommunikation sehr wichtig. Am wichtgsten überhaupt... dachte ich mal.
Dann merkte ich dass es doch recht viele Punkte gibt, welche mir in einer Beziehung noch wichtiger sind.
Und da man gute Kommunikationspartner leichter findet als wirklich gute Beziehungspartner, kam es auf die nice_to_have- Liste. Und alles was sich auf dieser Liste befindet, kann ich problemlos auslagern.
Mein Mann ist nicht sonderlich kommunikativ, bzw. es interessieren ihn andere Themen als mich.
Es fällt mir nicht schwer das anzunehmen und meine diesbezüglichen Bedürfnisse anderweitig zu befriedigen.
Zudem können wir uns ausgiebig darüber unterhalten und amüsieren, dass wir keine gemeinsamen Interessen haben.
 
  • #3
Möglichkeit:

A.) es ist von der Gesprächskultur der Frau abhängig
B.) der Mann sucht eine Entertainerin für sein Leben

Meiner Ansicht nach ist das von der Gesprächskultur der Frau abhängig. Eine erfahrene und kluge Frau kann die Themen für sich in ihre Richtung lenken. Was spricht dagegen, offen anzusprechen, dass dir tiefsinnige Gespräche und Small Talk sehr wichtig sind? Das zeigt ja dann schon mal, dass dir das Thema nicht ganz unwichtig ist. Dann würde ich vorlegen, und meine verbale Bandbreite ausspielen. Ich kann z. B. auch Smalltalk führen, wenn der Gegenüber nichts zu sagen hat. Dann rede ich eben allein und amüsiere mich – notfalls ziehe ich den Nebensitzer mit ins Gespräch oder spreche noch fremde Leute an, um ihnen einen schönen Tag zu wünschen. Wenn der Mann nichts zu sagen hat, dann erzähle ich eben selber davon, was meine Ideen und Interessen sind. Spätestens wenn Frau "ihre kreativen Pläne" auf den Tisch bringt, beginnt der Mann mit Mansplaining und hat dann plötzlich doch besserwisserisch was zu sagen. Vielleicht lockst du ihn mal provokant aus der Ecke (aber ohne es zu übertreiben)?
Ich sehe selten Männer, die nicht mit leuchtenden Augen vor mir sitzen, wenn sie sich zurücklehnen können. Meist weiß ich dann schon, dass der Mann nach dem Date auf einen steht, weil er selber nicht so locker drauf ist. Die meisten Menschen genießen eben, einen Entertainer vor sich sitzen zu haben.

Mit langweiligen Männern, die aber offensichtlich eine tolle Frau als Entertainerin erwarten, treffe ich mich nicht. Das sind meine festen Prinzipien. So sind sie nämlich auch in anderen Bereichen des Lebens ... beim Sex, bei ihren Zukunftsvorstellungen, bei größeren Veränderungen.
Allerdings begegnet mir das wirklich selten, weil die meisten Männer einen doch eher unter den Tisch reden, weil sie beweisen wollen, was sie alles besser können.
Ich finde das immer sehr lustig, weil vieles, das ich mache, regt die Männer offenbar auf. Ich glaube, das Stichwort hier ist Provokanz, und sich weniger an den Mann anpassen.

Wenn der Tag eintrifft, dass man sich in der Beziehung nichts mehr zu sagen hat, dann würde ich auch dem Mann klar machen, dass ich meine Zeit nicht weiter verschwende. Das beginnt z. B. damit, dass man sich bei so einem Problem nicht weiter seelenruhig ins Café zusammen setzt und die Situation ausharrt, was Frauen gerne tun. Ich glaube, hier machen die Frauen einen Fehler. Dann treff ich mich doch lieber mit Menschen, die meine Zeit respektieren.
Nur wenn du deine Zeit respektierst, respektieren sie auch die Männer.
 
  • #4
Ehrlich gesagt langweile ich mich nach einiger Zeit mit fast allen Menschen in der Kommunikation. Das gilt auch für meine Beziehungspartner. Auch wenn diese sehr gebildet sind und viele Interessen haben. Und selbst, wenn wir gemeinsame Hobbies hatten. Irgendwann wurde jeder Aspekt besprochen.
Ebenso mag ich es nicht, wenn sich Paare als Mülleimer nach der Arbeit benutzen. Berufliche Dinge möchte ich lieber mit meinen Kollegen austauschen, zumal vieles der Schweigepflicht obliegt.

Liegt sicher auch an mir. Ich brauche dann wieder Zeit für mich oder muss mich mit anderen Menschen austauschen.
Von daher steht der Austausch nicht auf Platz 1 meiner Bedürfnisliste.
Aber das heißt natürlich nicht, dass ich nie mit meinem Freund rede. Wir sind Musikliebhaber und tauschen uns darüber aus. Um nur ein Beispiel zu nennen. Über persönliche Probleme oder gar Beziehungsprobleme redet mein Freund nicht gerne.
 
  • #5
Allerdings begegnet mir das wirklich selten, weil die meisten Männer einen doch eher unter den Tisch reden, weil sie beweisen wollen, was sie alles besser können.
Ja schon klar am Anfang tun sie dies. Ich meinte ja nicht die Dates, sondern der Mann in der Beziehung. Bei den Dates wurde ich gut unterhalten, aber in der Beziehung fehlte mir meisstens der geistige und lebendige Austausch, sich amüsieren, lachen, Pläne schmieden.

Ich empfand diese Männer dann immer zu langweilig und wollte nur noch aus der Beziehung raus. Daher versuche ich jetzt zu ergründen was ich genau will.
 
  • #6
Beides ist wichtig.

Miteinander reden können,
sich austauschen, mal tiefgründig, mal leicht, mal profan, mit Humor
Miteinander lachen können
Einander zu(!)hören
Und miteinander schweigen.

Es kann nämlich auch sein, dass man als Paar ganz einfach im einvernehmliche Schweigen da sitzt, in diesen Cafés, und schaut, den Sommer genießt.

Ich mag Männer, mit denen man schweigen kann.

Zum Beispiel auf einer Wiese liegen, nebeneinander sich fühlend und Wolken schauend, und lauschend, was sonst zu hören ist...
 
  • #7
Wichtig? Ich sag es mal so. Wenn ich meine Zeit für mich hatte und mit mir selbst ausreichend schweigen konnte, ist es mir in der Zeit die ich mit Partnerin verbringe sehr wichtig. Das müssen sie noch nicht einmal besondere Themen sein. Das kann alles dann sein und lachen finde ich wichtig. Gelassenheit und Freigeist dürfen dann Gas geben.
M47
Vermisse ich wesentlich mehr als Sex
 
  • #8
Mir ist Austausch mit das wichtigste in einer Beziehung. Ich möchte, dass mein Partner mein Seelenpartner ist, mit dem ich mich über jede Kleinigkeit meines Lebens und meines Alltags unterhalten kann, über das Leben philosophieren, über Politik diskutieren kann. Dabei brauche ich keinen Entertainer, sondern ich finde mein (und hoffentlich auch sein) Leben so spannend, dass es jeden Tag eine Fülle an Themen gibt.
 
  • #9
Ehrlich gesagt langweile ich mich nach einiger Zeit mit fast allen Menschen in der Kommunikation.
Liegt sicher auch an mir. Ich brauche dann wieder Zeit für mich oder muss mich mit anderen Menschen austauschen.
ich würde mich jetzt auch so beschreiben. Jeder langweilt und nervt mich irgendwann und ich kann gar nicht einmal sagen warum. Und Zeit für mich brauche ich auch (bin HSP und HSS), also habe irgendwie zwei verschiedene Bedürfnisse in mir. Zum einen den aktiven Part und ständig neues entdecken und dann wieder der Rückzug und mir ist alles zu viel. Die Phasen wechseln sich immer ab.
 
  • #10
.. gestern saß ich in einem Cafe und beobachtete die Paare wie sie da saßen und nicht miteinander redeten... Es geht hier nicht nur um tiefgründige Gespräche wie ich sie liebe, sondern auch um Small Talk..... Wie sind euere Erfahrungen? Vielleicht bin ich in diesem Bereich zu anspruchsvoll.
Liebe FS,
das hätten mein Partner und ich sein können, z.B. heute nach dem Kino. Nicht ständig miteinander zu plappern hat nichts damit zu tun, sich nichts zu sagen zu haben.

Wir reden wirklich viel miteinander, beherrschen aber auch die hohe Kunst des gemeinsamen Schweigens und finden das vertraute Gefühl des Miteinanderseins ohne zu reden angenehm.

Nein, mit meinem Partner muss ich weder privat noch öffentlich im Dauermodus Smalltalk pflegen - einfach mal die Klappe halten, Wetter, Aussicht oder gutes Essen und ein Glas Wein genießen, Leute beobachten, über etwas nachdenken ohne sich direkt mitzuteilen kann sehr entspannend und verbindend sein.

Mir gehen die chronischen Dampfplauderer, die nicht atmen können ohne zu reden unsagbar auf den Wecker, zumal sie meistens nichts zu sagen haben, was der Rede wert wäre, z.B. "wie ist Deins, guck' mal der, findest Du es auch schön hier.... ".
Ich denke, sie können sich und Stille nicht ertragen und dass sie keine Gedanken und Empfindungen haben, die sie wahrnehmen können/wollen - daher wird alles übertextet.

Absolut nicht ausstehen kann ich, wenn man sich trifft und einer oder beide mit ihren Smartphones befasst sind. Da habe ich Freundinnen schonmal sitzen lassen und bin einfach weggegangen. Mit meinem Partner erlebe ich das nicht.
 
  • #11
Liebes Forum, gestern saß ich in einem Cafe und beobachtete die Paare wie sie da saßen und nicht miteinander redeten.


In meiner letzten Beziehung (wir haben von der geistigen Ebene nicht zusammengepasst) ging es mir auch so. Ich fühlte mich einfach nur einsam mit ihm, da wir kaum Gesprächsthemen hatten. Ich selbst lege da auch bei Freundschaften viel Wert darauf.

Es geht hier nicht nur um tiefgründige Gespräche wie ich sie liebe, sondern auch um Small Talk.

Wie sind euere Erfahrungen? Vielleicht bin ich in diesem Bereich zu anspruchsvoll.
Liebe FS,

man muss als Paar nicht ständig sich selbst und andere unterhalten.
Gemeinsam schweigen zu können, kann mehr Nähe und Vertrautheit ausdrücken, als ein ständiger Redefluss mit Schnappatmung.
 
  • #12
Also ohne Reden funktioniert es nicht... Man muss irgendwo einen Ebene finden, die man dann bespielen kann.

Also Dinge, die beide interessieren oder zumindest beide amüsieren.

Ich habe das aber auch noch nie als schwierig empfunden. Wenn man sich nichts zu sagen hat, dann wird aus einem Kennenlernen halt keine Beziehung.

Ich glaube aber auch, dass ich ein sehr kreativer unsteter Mensch bin, der ständig nach neuen Impulsen Ausschau hält und meinstens auch interessante neue Gedanken auftut.

Insofern habe ich auch eher Menschen in meinem Umfeld, die so einen Austausch zu schätzen wissen.
 
  • #13
Beides ist wichtig.

Miteinander reden können,
sich austauschen, mal tiefgründig, mal leicht, mal profan, mit Humor
Miteinander lachen können
Einander zu(!)hören
Und miteinander schweigen.

Es kann nämlich auch sein, dass man als Paar ganz einfach im einvernehmliche Schweigen da sitzt, in diesen Cafés, und schaut, den Sommer genießt.
Das kann ich unterschreiben.
Ich liebe den geistigen Austausch. Aber gerade, wenn man diesen betreibt, gibt es doch auch Momente, wo man danach gerne einfach einmal zusammen liegt, sitzt, döst - und schweigt.
Wenn man sich gar nichts zu sagen hat, sich fremd ist - ui, nein, das geht gar nicht. Manchmal ist auch nicht die Beziehung schlecht, sondern man verbringt einfach so viel Zeit miteinander, dass alles schon durchgekaut ist. Dann braucht es eben auch zwischendurch etwas Abstand.
 
  • #14
Ich war auch mal Zeuge von was ähnlichem. War in einem Arztwartezimmer. Mir gegenüber saßen ein Mann und eine Frau und starrten auf ihr Smartphone. Ich dachte bis zum Schluss, also als die Frau aufgerufen wurde, dass die nicht zusammengehören. Währenddessen kam ein anderes Paar rein mit einem kleinen Kind. DAS war für mich ein Paar. Der Mann kümmerte sich ums Kind, während sie schon mal zur Anmeldung ging. Sie redeten miteinander, sahen sich an, sprachen sich ab, ob er mit dem Kind mit rein geht zum Arzt.
Die Smartphonmenschen finde ich merkwürdig. Vermutlich kommunizieren die über WA miteinander, wenn sie sich was mitteilen wollen, obwohl sie nebeneinander sitzen?

Ich denke aber auch, dass es Menschen gibt, die nicht viel reden "müssen". Die "nähren" sich einfach aus der Gegenwart des anderen und brauchen das Gespräch nicht so. Glaub ich.
 
  • #15
Also, ich finde es wundervoll, herrlich und unbeschwert, wenn man auch miteinander schweigen kann und nicht ständig labern muß... :)

Für mich sollte dies eine harmonische Beziehung, bei der die Seelen im Gleichklang miteinander sind, wunderbar vertragen können. Ich würde wohl die Krise bekommen, wenn jemand ständig von mir erwarten würde, was zu erzählen oder zuzuhören. Ich finde, die Verbundenheit kann wesentlich stärker zwischen Menschen sein, die auch miteinander schweigen können, als zwischen Menschen, die sich ständig zutexten müssen, sich aber im Ende eigentlich nicht wirklich was zu sagen haben ("Small Talk")...
 
  • #16
Ich frage mich ja, weshalb man eine Beziehung mit einem Menschen eingeht, wo man auf der geistigen Ebene nicht zusammen passt bzw. man sich nichts zu sagen hat. Aber das ist wohl die berühmte lange Leitung mancher Frauen. Wenn sie verliebt sind und die körperliche Anziehung groß genug ist, finden sie alles spannend, was der (unpassende) Mann sagt. Ist die erste Aufregung mal vorbei, erkennen sie, dass alles was ihr gewählter Partner sagt, vorhersehbar, platt oder sonst was ist. Schon bedauerlich.

Vielleicht bin ich in diesem Bereich zu anspruchsvoll.
Mit Sicherheit. *lächelt*
 
  • #17
Guten Morgen,

die meisten Beziehungen scheitern an mangelnder Kommunikation.
Damit ist nicht gemeint, als Dampfplauderer unterwegs zu sein, sondern aufmerksam, zugewandt und interessiert an den Gedanken des anderen, teilzunehmen. Das ist mehr als das Ping Pong von Worthülsen, gespickt mit banalen Alltäglichkeiten. Es ist die Teilnahme an der Gedankenwelt des anderen.
Viele haben sich tatsächlich nichts mehr zu sagen, meinen, sich schon so lange und genau zu kennen und verlieren sich aus den Augen, entfremden sich. Es gibt aktives und passives Schweigen, den Unterschied erkennt man an der nonverbalen Kommunikation.
 
  • #18
Austausch bzw. Kommunikation ist immer wichtig. Beides endet aber nicht mit dem Hören oder lesen von gesagten oder geschrieben Worten. Gerade wer den Anspruch hat, dass ihm zugehört wird, dass er zu Ende reden darf, dass es keine Gesprächstaboos gibt, sollte sich auch Zeit nehmen über Botschaften nachzudenken und dies auch zu zeigen.

In fast allen Threads geht es hier um Fehlkommunikation. Statt anzurufen wird gemailt. Fragen werden erst garnicht gestellt oder nicht beantwortet. Smalltalk wird nicht als Beziehungseinstieg sondern als lästig interpretiert. Nachdenklichen und fragenden Menschen wird fehlendes Machertum unterstellt. Fragen und Vorschläge werden als Bedrängung, fehlende Rücksichtnahme oder sogar manipulativ diffamiert.

Statt über Botschaften nachzudenken wird (ab)geurteilt oder gesagt, ich bin so sensibel, daher kann ich diese Worte nicht ertragen und bin nahezu gezwungen mich mit ihnen NICHT ernsthaft auseinander zu setzten.

Ich hatte heute ein Gespräch über einen ungeliebten 79jährigen Vater der gerade an dem Punkt angelangt ist, dass er "gehen" wird. Das ist klar, der konkrete Zeitpunkt kann sich noch einige Zeit hinziehen.

Die ihm verbundene Person erklärte mit, dass sie in für sie ungesunder Weise mitleidet. Ich habe ihr klar gesagt "Du leidest nicht mit. Nein du leidest, denn damit endet deine Kindheit und du bist dann ganz allein. Dies lässt dich trauern und bereitet dir Angst ". Dieser Mensch hat mich dann bestätigt. Für ihn nicht angenehm aber eben in der Tiefe die einige hier einfordern. Ich frage mich ob diese Menschen sich überhaupt klar sind was sie fordern wenn sie Tiefe fordern. Gerade jene mit Eigenschaften wie ADS oder ähnlich. Sie fordern im Grunde oft genug Schmerzen ein.
 
  • #19
Hier die FS,

hier wurde viel zum Thema "Dampfplauderer" geschrieben. Das war defintiv nicht damit gemeint. Wie @Lionne beschreibt kann ich dem nur zustimmen. Es ist eine Mischung aus guten lebendigen Gesprächen (geistige Ebene), aber auch miteinander schweigen zu können. Also eine ausgewogene Mischung sollte es sein. Schweigen kann ich auch, wenn ich alleine bin. Bin ein sehr reflektierter Mensch, sodass ich auch Zeit für mich brauche. Ich rede auch nicht wie ein Wasserfall, sondern führe eher tiefgründige Gespräche und höre auch viel zu.

@Vikky: ihr habt nach dem Film nicht über den Film geredet? Finde ich äußerst komisch, weil man ja dann gerade seine Meinung äußern kann. Aber wenn euch beiden das passt, ist doch alles gut.

Ich sehe eben vermehrt die Paare, die sich um Urlaub grimmig anschauen, anschweigen oder eben jeder für sich in der Zeitung liest oder in sein Smartphone schaut. So stelle ich mir eine Beziehung eben nicht vor.
 
  • #20
Es geht hier nicht nur um tiefgründige Gespräche wie ich sie liebe, sondern auch um Small Talk.

Wie sind euere Erfahrungen? Vielleicht bin ich in diesem Bereich zu anspruchsvoll.
Liebe FS, das ist unterschiedlich, bei mir aber ä h nlich wie bei Ihnen. Mir ist Austausch in Form von ernsten, lustigen, philosophierenden, etc Gesprächen s e hr wichtig. Natürlich neben Ruhephasen. Nonstop-Quasselstrippen finde ich unerträglich. Es muss ausgewogen sein. Im Endeffekt möchte man Interesse verspüren, sich gesehen und verstanden fühlen. Ganz natürlich, wie man ist. Neben liebevollen körperlichen Gesten auch im Alltag finde ich diesen Austausch essenziell. Und auch bei Problemen.
 
  • #21
Hallo Irina,
ich stelle mir das schwierig vor, wenn die geistige Ebene nicht zusammen passt.
Meinst du damit, dass du deinem Ex geistig überlegen warst?
Ihr praktisch deswegen kein Gespräch miteinander führen konntet?
Weder tiefgründig noch small talk?
Das ist natürlich eine enttäuschende Erfahrung.
Jetzt fallen dir solche Konstellationen extrem auf, weil du da sensibilisiert bist.

Mit meinem Ex war es auch so. Wir hatten nicht den selben Humor, konnten nicht miteinander reden, auch kein small talk und tiefgründig ging schon mal gar nicht. Das habe ich so mit der Zeit leider herausgefunden. Ihn hat das auch gar nicht gestört, weil er darauf gar keinen Wert gelegt hat. Sobald es tiefgründiger wurde, hat er ordentlich abgeblockt, weil er seine Gedanken für sich behalten wollte, nicht mit mir teilen wollte. Er sah da einfach keinen Bedarf. Es gibt tatsächlich Menschen, die keinen Austauschbedarf in der Richtung haben. Was er gut konnte, war Vorträge halten, also ohne Dialogmöglichkeiten. Allerdings war der Inhalt weniger erleuchtend.

Er wollte eigentlich einfach seine Ruhe haben. Gespräche waren für ihn zu anstrengend. Abgesehen davon hatten wir völlig unterschiedliche gesellschaftspolitische Einstellungen, die bei ihm ziemlich diffus waren. Das führte dann zu regelmäßigem Streit.
Oft hat er auf Durchzug geschaltet, geschwiegen oder ist eingeschlafen. Das mal zur Gesprächskultur. Aber bei ihm war das eigentlich klar, aber ich wollte es nicht wahrhaben.

Ich kenne das aber auch völlig anders. Mit meinem Exmann hatte ich eine sehr schöne Gesprächskultur, an die ich mich gerne zurückerinnere. Er war sehr kultiviert und konnte auch kontroverse Diskussionen gut aushalten. Wir konnten super miteinander reden, die Ruhe genießen und hatten den selben Humor. Seitdem hatte ich das leider nicht wieder. Aber ich geb die Hoffnung nicht auf.
Aber eins ist mir jetzt auch klar geworden, wenn man nicht miteinander reden kann ist das Mist.
w45
 
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  • #22
Meinst du damit, dass du deinem Ex geistig überlegen warst?
Ihr praktisch deswegen kein Gespräch miteinander führen konntet?
Weder tiefgründig noch small talk?
@Cressida: ja genau. Es war so gar keine Kompabilität da. Anfangs ja schon, aber da wollte er mich überzeugen und war sehr charmant, später eher narzisstisch mit Abwertungen gegen meine Person. Er konnte eben nicht nachempfinden wie ich alles wahrnehme (wegen meiner Intuition). Gesprächstoff hatten wir nach ca. 2 Jahre fast gar keinen mehr. Obwohl ich mit vielen Menschen super kommunizieren kann, da ich vom Typ her kreativ/vielseitig interessiert/begeisterngsfähig, wusste ich mit ihm nicht mehr was ich reden soll. Ich hatte immer das Gefühl, der Mensch versteht mich einfach nicht.

Humor passte nicht. Bei mir ist es oft Satire/absurder bis schwarzer Humor. Bei ihm war es mehr Schadenfreude-sich über Schmerzen anderer lustig machen.

Außerdem seine Abwertungen gegen Tiere. Ich mag Pferde und er redete dann oft über die leckere Pferdesalami. Solche Sachen eben.
 
  • #23
Ich möchte nicht täglich mein mentales Inneres nach außen kehren oder über den Weltfrieden debattieren müssen, genauso wenig möchte ich immer die gleichen vorgefertigten Gespräche führen, deren Antworten stets dieselben sind.

Tiefgründige, ernsthafte Gespräche sind für mich in einer Partnerschaft ebenso wichtig, wie humorvolle, ausgelassene oder alberne Plauderein. Letzteres vertreibt wenigstens Wichtigtuer. Eine ausgewogenen Kommunikation eben und wenn man die Stille (Schweigen) mit einen Partner genauso genießen kann ohne peinlich berührt zu sein oder sich gleich einsam zu fühlen, ist einen die Außenwirkung und die Meinungen Anderer auch gleichgültig.

Bei den richtigen Partner sollte dann auch keine Langweile aufkommen.
 
  • #24
@Vikky: ihr habt nach dem Film nicht über den Film geredet? Finde ich äußerst komisch, weil man ja dann gerade seine Meinung äußern kann. Aber wenn euch beiden das passt, ist doch alles gut.
Wir haben eine Doku gesehen - schwere Kost und vielseitige Impulse. Die mussten wir erstmal sacken und uns davon inspirieren lassen. Das dauert bei mir schonmal 2-3 Stunden, bis ich damit fertig bin und Gesprächsbedarf habe.

In der Zwischenzeit können wir schweigend ein Eis löffeln, Kaffee trinken und das Leben genießen und auch unseren Körpern nachspueren wie die sich erholen (beim Marathon dabei gewesen).

Auch darin haben wir das gleiche Temperament und Kommunikationsverhalten - nicht sofort alles raustroeten sondern später, wenn jeder wieder bei sich angekommen ist und den Partner wahrnehmen kann wird geredet, wie jeder seine Aufgabe gelöst hat, wann es schwer wurde etc.

Wir lesen so auch Zeitung "den Artikel musst Du lesen" - ok, wird gemacht, wenn es zeitlich passt und sich ebenso zeitversetzt darüber ausgetauscht.

Mein Exmann drängte mich immer - jetzt, sofort muss das sein und ich hatte noch nicht das letzte Wort gelesen, da überflutete er mich bereits mit seiner Meinung, ohne dass ich nur eine Denkpause hatte. Meine Meinung interessierte ihn eher nicht.
Wer uns von aussen sah, für den waren wir ein Traumpaar, immer im Gespräch. Das funktionierte nur so gut, weil ich mich unentwegt zurück nahm und ihm Raum ließ.
Gut angefühlt hat sich das nicht und umso mehr genieße ich jetzt einen Partner zu haben, der kommunikativ genauso pausieren kann wie ich.
 
  • #25
Ich glaube, es gibt wirklich so etwas wie die gemeinsame Wellenlänge und ein tiefes gemeinsames Verstehen ohne viel Worte. Ich habe das bei meiner früheren Friseurin erlebt, ich kann das gar nicht beschreiben. Sie hat mir auch immer hinterher geschaut wenn ich gegangen bin und ich ihr.
Bei ihr hatte ich das Gefühl, dass ich am liebsten einfach nur bei ihr sein möchte. Das war wirklich schön. Ich war leider zu schüchtern und sie ist weggezogen.
 
  • #26
Liebe Irina,
ich finde nicht, dass Du zu anspruchsvoll bist. Im Gegenteil. Ein Gespräch mit dem Partner ist für mich auch völlig normal. Natürlich kann man nicht täglich, stündlich tiefgreifende Gespräche über den Sinn des Lebens führen :).
Was ich dazu denke:
Es gibt Paare, die finden es einfach super, nur in Stichworten zu "sprechen". Die das einfach nicht brauchen, wollen, etc
Dann gibt es Paare, die eben mehr Anspruch darauf haben
Ich bin auch so eine, der ein echtes Gespräch sehr wichtig ist.

In grauer Vorzeit :), als ich sehr jung war, hatte ich einen Freund, der es völlig normal und ausreichend fand, mit mir über das Wetter und das TV Programm zu sprechen. Hatte ca die Dauer von 5 Minuten. Ich hab das damals versucht, mitzumachen, aber das klappte nicht
Dieser Mann ist heute glücklich verheiratet. Mit einer Frau, die das auch so mag und völlig normal findet

Also: jeder wie er glaubt!